Montag, 6. November 2017
Donnerstag, 9. November 2017
Samstag, 11.
November 2017
Mittwoch, 15.
November 2017
Freitag, 17.
November 2017
Samstag, 18.
November 2017

Wien (A), Mondschein – ehemaliges k.u.k. Post- u. Telegraphenamt
7., Zollergasse 31
Die Reise Musique de Scène von Jean Barraqué
mit originalen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau (1958)
    
sowie
Sonata pour violin seule
(Jean Barraqué, 1949)
Etude pour bande magnétique
(Jean Barraqué, 1952/53)

ensemble sirene, Ensemble
Joanna Lewis, Violine
Jury Everhartz, Produktionsleitung
Cornelius Burkert, Bühne
Kristine Tornquist, Bühne
Edgar Aichinger, Licht
Selina Nowak, Assistenz
Helga Utz, Regie
François-Pierre Descamps, Dirigent

»Musik ist Drama, Pathos, Tod. Sie ist das komplette Spiel, die Erschütterung, bis zum Selbstmord. Ist sie das nicht, ist sie nicht die Überschreitung aller Grenzen, dann ist sie überhaupt nichts. Eine Musik, die nur schön ist, ist lachhaft. Für mich ist die Musik alles, sie ist das ganze Leben.« (Jean Barraqué)
»Einer der originellsten Komponisten der Nachkriegszeit. Der Klangfarbenreichtum Barraqués ist gewaltig. Die Klänge sind flirrend in Bewegung wie Kolibriflügel.« (Die Zeit, 1998)

Jean Barraqué, 1973 mit 45 Jahren verstorben, war serieller Komponist, Schüler von Langlais und Messiaen und zeitweiliger Liebhaber von Michel Foucault. Er gilt als ein composers composer - als ein Künstler, der, auch wenn er einem weiten Publikum nicht bekannt worden ist, viele Künstler massgeblich beeinflusst hat. Sein schmales Œuvre erweitert sich mit dieser Uraufführung durch das sirene Operntheater. Die Reise kreist um Barraqués lange verschollene Musique de scène von 1958/1959, eine Schauspielmusik zu einigen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau.

Der Regisseur und Theoretiker Jacques Polieri hatte eine Aufführung der Stücke mit mehreren MalerInnen geplant, darunter René Allio, Jean-Michel Atlan, Maurice Béjart, Sonia Delaunay, Serge Poliakoff, Pierre Soulages und Maria Helena Vieira da Silva, die »die Musik in Bilder umsetzen« sollten. Das Projekt kam nie zustande und wurde nun für Wien Modern aus den Archiven der Association Jean Barraqué und der Bibliothèque nationale de France ans Licht geholt. In Windeseile entstehen Assoziationsketten, Bilder, die sich auflösen, bevor sie deutlich werden. Spürbar wird nur die Reise, die vom Unsteten ins Unbekannte führt.

Eine Produktion von sirene Operntheater in Kooperation mit Wien Modern 2017.

Bemerkung: Ende September hat mich Jury Everhartz gefragt, ob ich denn sowas auch mache, in einem Orchester mitzuspielen. – »Nein, aber für Dich schon.« (Freundschaftsdienst.)

Nachbemerkung (in aller Kürze): Es war mir ein – vielstimmiges – Volksfest.

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Sonntag, 5. November 2017
Wien (A)
, Konzerthaus, Großer Saal
Fremde Ohren. Oder: Wie Musiker das hören
Bertl Mütter
zu Peter Eötvös

Es ist bitte Folgendes. Kurz, nein, sagen wir lieber knapp nach den österreichischen Nationalratswahlen meldet sich Sven Hartberger vom Klangforum und fragt mich, ob ich bereit sei, als Einspringer für Uli Fussenegger dieses Programm zu gestalten. Da hatte ich nun den Ohrwaschlsalat – und freute mich natürlich, quasi über die Schreamsn, wieder einmal das Konzerthaus bespielen zu dürfen, erstmals gar den Großen Saal.

In seiner Abonnentenpost schreibt das Klangforum also:

Die »Fremden Ohren«, mit denen wir uns seit der vergangenen Saison eine Stunde vor dem Konzertbeginn einhören, sind diesmal noch fremder: Das Ensemble hat mit Bertl Mütter – Musiker, Komponist und Autor – erstmals einen Gast zur Gestaltung der halben Stunde eingeladen. Bertl Mütter, so viel darf gesagt werden, ist einer der liebenswertesten, vielseitigsten und witzigsten unserer Musikerfreunde. Über seine eigene Musik sagt er auf seiner sehr besuchenswerten website www.muetter.at: »Vielleicht, ein Vorschlag zur Güte, könnte man meine Musik Slow Food für die Ohren nennen: Sie will, mitstaunend, entdeckt werden.«

Total lieb. Natürlich nenn’ ich’s (bei mir, streng intern!) eine Veranstaltung aus der Schule des Staunens. Hehe.

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Folgt Inhaltliches:

Ich habe mich auf das nachfolgende Konzert bezogen, in dem das Klangforum Wien unter der Leitung des Komponisten drei Werke von Peter Eötvös aufgeführt hat: Shadows (1995–1996), Sonata per sei (2006), sowie Chinese Opera (1985–1986).

Auch ganz ohne Bühnenbild, Kostüme und Film ist Peter Eötvös’ Chinese Opera »eine Oper zum sehenden Hören« (Peter Szendy). Gegen Oper hatte Eötvös – langjähriger Mitarbeiter von Karlheinz Stockhausen und Chefdirigent des Ensemble intercontemporain auf Einladung von Pierre Boulez – in seiner Studentenzeit am Kölner Studio für Elektronische Musik eine lebhafte Abneigung entwickelt. Dass er die spontane Theaterbegeisterung seiner Kindheit irgendwann wiederentdeckte, daran ist seine 1986 komponierte »Chinese Opera« nicht ganz unbeteiligt: »Der Titel – der eine vollkommen überbordende Art kreativer Fülle andeuten sollte – brachte den Dirigenten Kent Nagano dazu, Eötvös unbesehen einzuladen, das Werk in Lyon an der Oper zu inszenieren. ›Mit Vergnügen‹, sagte ich – ›aber es ist ein Orchesterstück‹«, erinnerte sich Eötvös in der New York Times. Im Gefolge des farbensprühenden, im wörtlichen Sinn fantastischen Werks entstanden seither nicht weniger als zehn Opern.
»Meine Chinese Opera hat mit der echten chinesischen Oper sehr wenig zu tun. In China hat jede Provinz ihren eigenen Theaterstil. Er wird nach der jeweiligen Provinz benannt, in der er vor Jahrhunderten entstanden ist und seitdem unverändert gespielt wird. Chinese Opera ist in Hinsicht auf eine szenische und filmische Präsentation geschrieben. Sie ist ›Oper‹ meiner eigenen ›Provinz‹.« (Peter Eötvös)
In diesem großen Porträtkonzert mit drei im Abstand von je zehn Jahren entstandenen Meisterwerken steht der 73-jährige Komponist persönlich am Dirigentenpult des Klangforum Wien.
Konzertankündigung, wien modern

Zuerst wurde einmal intensiv recherchiert. Über Peter Eötvös und seine Werke. Zudem wollten noch Jacques Tati, Karl Valentin, Adalbert Stifter und mein Freund Chris (dzt. Shanghai) befragt werden.

Mit dem größten Vergnügen!

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Zum Nach-Denken (so für zwischendurch)

Fremde Ohren, das sind Große Ohren und gewisse große Ohren sind mir in der Tat fremde Ohren.

(Genug politisiert, für's Erste)

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© Klangforum Wien (videostills) – Danke!

Was soll ich sagen, wie kann ich’s beschreiben, wie es sich anfühlt, ganz allein den Großen Saal bespielen und besprechen zu dürfen, einen (einen!) Ton hinauf zu schicken in die Galerie und nachzulauschen, wie er in idealer Weise verklingt; oder wie leicht es sich anfühlt, so weitläufig der Raum auch sein mag, das Publikum (die Menschen) zu adressieren, auch die ganz hinten oben und die rechts und links … ich stammle – und ich hab’s genossen.

Nun erst kann ich in aller Fülle nachvollziehen, wiesehr sich der Gabalier giften muss.

(Jetzt aber bitte wirklich genug politisiert! – Man will ja in diesem Monat auch an einer anderen renommierten Wiener Adresse … ähm … aufgeigen.)

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Wer mein völlig unpolemisches Manuskript nachlesen will, bitte, da isses:

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix72dpi/download_pdf_button.jpg

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Montag, 23. Oktober 2017, 20.30
Wien (A)
, Stadtkino im Künstlerhaus
     sowie
Montag, 30. Oktober 2017, 11.00
Wien (A), Metro-Kino, Historischer Saal

Labor des Exo/Endo Korpus (A 2017, 12’)
Ein Film von Elisabeth von Samsonow
Im Rahmen des Kurzfilmprogramm 1 der Viennale 2017.

https://www.viennale.at/sites/default/files/styles/top_image_slider/public/pressimages/V17labor06.jpg?itok=A7M4vipp

Meine erste Filmpremière. 

Eingängige Soundscape, plug-in. Was haben weißgewandete junge Frauen, ein Fußballtorwart, eine Näherin, ein Shetland-Pony, die Mayröcker, ein Knabe mit Bipa-Einkaufswagerl oder z.B. ein Biker in voller Vanucci-Montur miteinander zu tun? Viel, denn deren Bewegungen sind durch einen assoziativen, rhythmisch oszillativen Bilderfluss verbunden, der das Innen und Außen (eines riesigen begehbaren Saiteninstruments) abseits narrativer Gesetze spiegelt. Auf surreale Weise, basierend auf einer Klangskulptur in der Dominikanerkirche Krems, will »Transhumanistin« Samsonow unser Bewusstsein erweitern. Eingängige Soundscape, plug-out.
(Viennale)

DISCLAIMER: Die sieben jungen Damen – offenbar ein Filmstill – sind mir persönlich völlig unbekannt. Als ich zum Drehen meines Parts in die Dominikanerkirche Krems kam, sind sie mir jedenfalls nicht begegnet. Da war nur ein weiß gekleideter Knabe mit goldenem Haar und ein Einhorn, glaube ich mich korrekt zu erinnern.

VERMERK (1): Da mit einem anschwellenden Popularitätsschub zu rechnen sein wird, hoffe ich auf kaltes Wetter, damit ich mich hernach gesetzeskonform gebührend vermummen darf. Ansonsten wär’s wohl allzu gefährlich, unerkannt durch die Hauptstadt zu gelangen.

VERMERK (2): Termine um den 4. März 2018 (Los Angeles/Dolby Theatre; Hin- und Rückreise, Aufenthalt) können wahrscheinlich nicht wahrgenommen werden; Ähnliches gilt für Mitte Mai 2018/Cannes.

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Sonntag, 1. Oktober 2017
Essen (D)
, Ruhr Museum
Erdgeschichten. Geologie im Ruhr Museum

Ausstellungseröffnung
Musikalische Gestaltung: Bertl Mütter, Posaune

https://www.ruhrmuseum.de/fileadmin/_processed_/csm_75_6750a20a5de4f5a_f9a1299981.png?13

Das Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist das Regionalmuseum des Ruhrgebiets.

Nach einem Showcase-Auftritt mit Erika Stucky und Jon Sass im Rahmen der WOMEX (ca. 2007) durfte ich mich nun abermals auf das faszinierende Gelände der Zeche Zollverein begeben. Eine vertiefende Begegnung, wie die Thematik verspricht.

http://oe1.orf.at/uimg/5c/cc/5ccc5279af56d8d4f8ee1f0ab1998ac56601cc88.jpg

Gekommen ist es, streng linear, so: Ein die Bestätigung seiner Pensionierung erwartender Posaune spielender Gynäkologe aus Oberösterreich, der in Innsbruck studiert und damals mit dem späteren Bundespräsidenten regelmäßig Carambol (nicht jedoch Posaune) gespielt hat und den es später nach Klagenfurt verschlug, nahm elfmal an meinem SPIELEN!-Kurs in Viktring teil (mittlerweile ist die Zwölf komplett). Rasch hat sich eine freundschaftliche Annäherung ergeben, ein Enthusiasmus, und der hat dazu geführt, dass er mich einem Freund vorgestellt hat, Harry den Installateur. Der scheint sowas wie die Inkreisfigur in einem sehr weiten Freundeskreis zu sein, ein Freundeskreis, wie man ihn sich bei einem Installateur nicht jetzt so ohne weiteres erwarten würde. Dieser Zirkel reicht weit über seine genuine Wirkungsstätte (unweit Krems, NÖ) hinaus, etwa nach Solothurn und Basel (CH), Klagenfurt, Wien (A) – und eben bis nach Essen (D): Die Leiterin der geologischen Sammlung des Ruhr Museums ist auch darunter.

https://pictures.tvinfo.net/pictures/81/d9/a4/a6/73/da/e1/69/e0/ba/a3/82/5d/df/7d/cc/large_zdi_170508_1245_234e8140_expedition_deutschland__1_.jpg

»Ulrike Stottrop vom Ruhrmuseum Essen – Zeche Zollverein. Der Industriekomplex galt einst als ›schönste Zeche der Welt‹. Heute freut sich Ulrike Stottrop über die Natur, die das Gelände langsam zurückerobert.«
Aus: Expedition Deutschland – Eine Zeitreise durch 500 Millionen Jahre (D, 2013), Folge 1, gesendet am 8.5.2017 auf ZDFinfo.

Wir lernten uns allerdings auf einer alpinen Hütte kennen, konkret der am Türnitzer Höger, Mitte Juni 2017. Dass ich mein Wunderhorn dabeihatte, war – bei aller Schlepperei – von Vorteil: Es gibt immer wieder unerwartete und so nicht erkennbare Auditions; man mag nicht glauben, wo überall sonst noch. Der Rest wird Geschichte gewesen sein (wie sich das bei einem Museum gehört).

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Kurzbericht

Was ich die drei Tage in und um Essen erfahren durfte, war eine rauherzliche Umgebung. Umgebung, das schließt sowohl Menschen als auch menschengemachte Kulturlandschaft gleichermaßen mit ein. Ich erlebte einen entspannten und wertschätzenden Umgang mit einander, echtes Interesse des zahlreichen Publikums in einer, naja, schon etwas special interest-Materie, in die es sich zu vertiefen aber bitte sowas von lohnt.

Danke, Ulli, danke liebe Leute am Museum, reich beschenkt bin ich zurückgefahren.

In Essen muss man gewesen sein.

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PS: Übers Konzert auf der Türnitzer Hütte (1.372m ü. d. adriat. Meere) wird auch noch ankündigenderweise zu berichten sein, wenn es Zeit ist: Manches läuft eben wie beim Carambol, zumindest über drei Banden.

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Donnerstag, 28. September 2017
Linz (A)
, StifterHaus
Buch- und Verlagspräsentation – Bibliothek der Provinz
mit den Autorinnen und Autoren
Hans Eichhorn
, Im Ausgehorchten. Gedichte
Franz Kabelka, Kaltviertel. Roman
Claus Dieter Schneider, Mitten in der Nacht am Tag. Erzählungen
Gerda Sengstbratl, Gelbes Rauschen Bauschen. Kurzprosa
Silvana Steinbacher, Pinguine in Griechenland. Roman

Richard Pils, Moderation (dazwischen und dazu)

Bertl Mütter, Posaune (dazu und dazwischen)

https://fcc.at/event/img1000/3915.jpeg

Die langjährige Beziehung zwischen Richard Pils und mir ist von gegenseitiger Wertschätzung und Solidarität getragen. Wann immer also die Bibliothek der Provinz ruft (und ich kann es einrichten), dann rufe ich gerne zurück, eben mit meiner Posaune.

Diesmal ging es also nach Linz, weil: In Linz müsste man sein.

Der Veranstaltungssaal im Parterre war zum Bersten voll, darf man sagen. Und die Texte haben mich zu zum Teil abenteuerlichen poetischen Ausflügen inspiriert, denen das Publikum sehr gerne gefolgt ist. Feine Stimmung.

DANKE.

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Freitag, 8. September 2017
St. Marein bei Neumarkt/Stmk (A)
, Schloss Lind
»Zur Überfuhr«
Vom römischen Jäger im Schwarzwald
seiner Luftbarke am Gardasee
und was im Feichtenbachtal war
(möglicherweise)

[Anne Bennent (voc) – Sucherin; am Grün Leidende]
[Otto Lechner (acc, voc) – Seher; vom Jäger Gracchus erzählend]
Bertl Mütter (tb, voc) – von Feichtenbach erzählend; und vom Jäger Fritz

http://www.ak-ansichtskarten.de/shop/ak/54/5401098/AK-Riva-Blick-zum-Ort-am-Gardasee-Segelboot.jpg

Es gibt soviele Jubiläen, denen runde Zahlen nicht gewachsen sind.

Am 10. April 2017 sind es 93 Jahre, dass die gerade sechzehnjährige Berta Wöhrer – sie wusste damals noch nicht, dass sie gut 41 Jahre später die Großmutter von Bertl Mütter sein würde – in einiger Entfernung aber deutlich Franz Kafka gesehen hat, wie er, trotz nachwinterlicher Kälte im offenen Wagen und nur von seiner aufrecht dastehenden Geliebten Dora Diamant vor Wind und Wetter geschützt, das Sanatorium Wienerwald in Feichtenbach talauswärts verließ – es sollte seine vorletzte Reise auf Erden sein –, ein Schauspiel ungeahnter Tragweite, welches sich da vor ihren Augen begab.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/9/92/Sanatorium7.jpg/1280px-Sanatorium7.jpg

Nicht genug des Raunenswerten, befand sich die Welt just im einhundertundersten Jahr seit der Komposition der Schönen Müllerin, die Franz Schubert, wie allgemein bekannt, für einen 107 Jahre später geborenen Tenor ersann, nur noch gut sechs Jahre, und die Gewichter der Welt würden tauglich neu justiert werden können, »Wir haben einen Fritz!«; dazu: Hörnergebraus.

http://www.karlbauer.com/wp-content/uploads/2014/06/Schwebeschiff.jpg

Was das fernerhin mit dem Jäger Gracchus zu tun hat, der im September 1966 in seinem Kahn, der ohne Steuer fährt mit dem Wind, der in den unteren Regionen des Todes bläst, im Wunderlichen Schwarzwald vorbeigleitet, und wohin diese Reise geht, die so lang ist, dass jeder Essvorrat vergeblich wäre, kann nicht verraten werden, schlicht, weil niemand es wissen kann. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.

Willhelm (ahd.: »der auf Schutz bedachte«), so der Vorname des einzigen echten Einheimischen, der im (arisierten) Lebensbornheim Wienerwald geboren wurde, am 27. Mai 1939; sein Vater: Jäger. Vor 51 Jahren, am 17. September 1966, ist Fritz Wunderlich gestorben, nah beim Schwarzwald.

https://pbs.twimg.com/media/B6ceXHIIUAEMMiI.jpg

Es gibt so viele Jubiläen, denen runde Zahlen nicht gewachsen sind.

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Nachbemerkung (I)

Es gibt ein Wort im Theatervollzug, das lautet: »Neue Lage«.

So war es am Morgen des 8. September 2017, als Andreas Staudinger (Eigendefinition: »Schlossknecht zu Lind«) dezent an meine Schlafklammer klopfte: Wir hätten möglicherweise ein Problem. Die beiden anderen hätten ihr Quartier geräumt und auch ihr Auto sei weg, es gebe derzeit keine Information über ihren Verbleib.

Das bedeutete: Ich war allein. Denn, so die fernmündlich von »ganz wo anders« nachgereichte Information, eine zustandsgebundene Not bewirkte die Unmöglichkeit eines Auftretens zu Dritt an diesem Ort zur vereinbarten Zeit.

Das tat ich nun also solo, und es ist – im Rahmen der Um- und Zustände – geglückt.

Berichten darf ich, dass wir am Vorabend, beim Zusammenmontieren des Stücks im Speiseraum des Schlosses, ein großes gemeinschaftliches Glückserlebnis hatten. Wie schön sich das Stück und überhaupt alles entwickelt habe und würde. Es wurde, demgemäß, leider würdelos. Schade, aber wie heißt es am Schluss jeder Folge des Rosaroten Panthers: »Heute ist nicht aller Tage, ich komm’ wieder, keine Frage!«

Nachbemerkung (II)

Bei künstlerischen Projekten, an denen ich maßgeblich beteiligt bin, ist es mir stets ein Anliegen, ja: Bedingung, dass ein demokratischer Grundtonus integriert ist. Alle sind gefragt mitzudenken, mitzuempfinden, zu disputieren, zu widersprechen, vorzuschlagen (…), selbstverständlich stets der Sache wegen und zur geeigneten Zeit. Es gibt, wie beim Abheben eines Flugzeugs einen point of no return. Ja, und natürlich kann demokratisch auch bedeuten, dass man übereinkommt, nicht in allem einer Meinung zu sein: »Unsere Ansichten gehen als Freunde auseinander.«, bringt es Ernst Jandl auf den Punkt.

Dann trifft man sich aber schon wieder, wandert weiter, gemeinsam…

Ich bleibe gespannt.

http://austria-forum.org/attach/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Lind/lind%20b%20neumarkt.jpg

PS: Innig umfassender Dank Britta Sievers & Andreas Staudinger / Schloss Lind.

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Donnertag, 3. August 2017, 20.00
Heidelberg (D)
, Stift Neuburg
Ausculta et Pervenies

Neuburger Klausurklänge, erhört und zu Gehör gebracht von
Bertl Mütter
, Posaune

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Mal wieder ist Bertl Mütter, ein Ausnahmekünstler an der Posaune und am eigens für ihn kreierten ›Wunderhorn‹ zu Gast in der Abtei Stift Neuburg. Er wird im Rahmen seines Aufenthaltes ein kleines Konzert in der Stiftskirche geben.

Der Eintritt ist frei. Spenden möglich.

Schreiben sie auf der Facebook-Seite des Stifts. »Ausculta et Pervenies« sind ja die ersten und letzten Worte der Regel des Hl. Benedikt; sie gelten aber auch außerhalb kirchlichen Selbstverständnisses, habe ich mir gedacht, wie ich das Motto des Konzerts vorgeschlagen habe.

https://scontent-vie1-1.cdninstagram.com/t51.2885-15/e35/18580941_129359227619042_8645937886048288768_n.jpg

In der Abtei Stift Neuburg – man sage nicht »Kloster Neuburg«; dann wären ja Augustiner Chorherrn dort, und das Dort läge vor den Toren Wiens an der Donau anstatt vor den Toren Heidelbergs, an den Gestaden des Neckar; Toren indes gibt’s in Heidelberg wie in Wien zuhauf – ist mein Freund Winfried seit bald eineinhalb Jahren Abt (sie haben ihn von Admont abgeworben, er bringt – salopp gesagt – Schwung in die Hütte). Wir sind nun dabei, was Längerfristiges auszuhecken. Dafür ist es gut, wenn ich recherchiere, wie die Menschen und der Ort samt Umgebung sich anspüren.

Im Jänner war ich schon einmal da; nach dem Eis nun also in der Hitze. Dann werden wir sehen, was wir in den gemäßigteren Zeiten des Jahres angehen wollen. Und weil ich schon einmal da bin und die Kirche über eine sehr feine Stimmung samt Akustik verfügt, spiele ich sehr gerne für alle, die auch hören und ankommen wollen: Irgendwo wird ja jeder einmal ankommen. Wie man sich das ausmalen mag, ist – mittlerweile, in unseren Breiten – jedem selbst überlassen. Manchen erscheinen dabei die gefinkelten Ausheckungen der katholischen Kirche das tauglichste Angebot zu sein.

Wir werden sehen.

[In Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

__________________

Mein sommerlicher Besuch darf als sehr erfreulich-aufschlussreich bezeichnet werden. Bald werde ich auf muetter.at, vermutlich in der »Schule des Staunens« die neue Rubrik »studioC*« einrichten. Inhaltliches bald also dort.

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