Freitag, 16. März 2018
Innsbruck (A)
, ORF Studio 3
»
VolkXtheologie«

Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck
Tobias Moretti
, Schauspieler
Elisabeth Medicus
, Ärztliche Direktorin der Tiroler Hospizgemeinschaft
Ulrike Tappeiner, Dekanin der Fakultät für Biologie, Uni Innsbruck

Józef Niewiadomski, Dogmatikprofessor, Uni Innsbruck – Moderation

Bertl Mütter, Posaune
Siggi Haider, Akkordeon

Theologische Fragestellungen und die Antworten darauf haben nicht unbedingt den Ruf, leicht verständlich zu sein. Das ist schade, denn religiöse und theologische Themen spielen in Gesellschaft, Politik und Kultur eine wichtige Rolle. Mit einer neuen Reihe will die Diözese Innsbruck gemeinsam mit der Theologischen Fakultät Innsbruck und dem ORF-Landesstudio Tirol die theologische Diskussion in den Alltag der Menschen hineinholen und Lust machen, sich mit theologischen und religiösen Fragen zu beschäftigen.

Unter dem Titel »VolkXtheologie im Studio 3« werden an zwei Terminen im Jahr Vertreter von Kirche, Theologie, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Sport, Medien usw. miteinander zu aktuellen Fragen miteinander ins Gespräch kommen. Den Auftakt macht am Freitag, 16. März um 19.30 Uhr eine Gesprächsrunde zum Thema »kreuz_weg?«. Im Titel klingt bereits an, worum es geht: Immer lauter werden die Rufe danach, das Symbol des Kreuzes aus dem alltäglichen Leben zu verbannen. Die Frage lautet, ob damit nicht auch die Verdrängung jener Themen einhergeht, die mit dem Kreuz eng verbunden sind: Die Frage nach dem Leid, nach der Endlichkeit des Lebens und die Frage nach Erlösung.

(Website der Diözese Innsbruck)

Auf bischöflichen Wunsch haben wir davor, dazwischen und danach »Drei Kreuze für Posaune und Akkordeon« ersonnen (der Titel ist von uns) und zum Allerbesten gegeben. Große Zustimmung zu unserem Spiel, von diversen hochrangigsten Stellen explizit ins Mikrophon gesagt, und das Publikum hat bestärkend geraunt und akklamierend in die Hände gepascht. Sowas tut schon gut, sei’s gesagt: Man bekommt – zumindest für diesen Moment – das Gefühl, seine Artistik nicht ganz in den luftleeren Raum hinein zu exemplifizieren.

Zudem war es eine wirklich schöne Gelegenheit, einmal wieder (nach 24 Jahren!) mit Siggi Haider zu spielen. Und, versprochen, wir werden, wenn’s nach mir geht, um einiges früher als 2042 wieder miteinander spielen!

DISCLAIMER: Da meine Posaune von jeher die b-Tonarten bevorzugt, konnte (und, fortgesetzt, kann) ich zum gegenständlichen volkXtheologischen Thema (# weg) leider keine unvoreingenommenen Stellungnahmen abgeben.

Mnemotechnischer gesagt (einmal um die ganze Welt):

                    Geh
                    du
                    alter
                    Esel
                    hole
                    Fische –         Gesunde
                    Cisch!            Desillusioniertheit,
                   (Gischt)          astrein
                   
                      estimiert,
                                         befördert
                   
                      Frohsinn
                                         centimeterdick

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Donnerstag, 22. Februar 2018
Wien (A)
, 16., Ganglbauergasse 36/1 (KLUB IRRKO c/o Glettler)
SONGMA:
Über Imagination

Eine pantopische Verortung aus der Schule des Staunens

Von und mit Bertl Mütter, Trombonaut

http://www.stefanglettler.com/site/assets/files/2055/klub_irrko_space_night-1.1280x0.jpg

… eine Reihe von (unbeschwerten) Vorträgen und Gesprächen, bei denen KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und FreundInnen ihre privaten Forschungsgebiete vorstellen. Die Klub Irrko Space Night versteht sich als Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Soziologie und hat das Ziel, auf vielleicht versteckte Themen und Leidenschaften von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und FreundInnen aufmerksam zu machen. Es soll somit eine soziologisch kulturelle Vernetzung von verschiedenen Perspektiven in Kunst, Wissenschaft und Forschung ermöglichen.
(Schreiben sie auf ihrem Blog.)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8f/Space_Night_2013.svg/640px-Space_Night_2013.svg.png

SPACE NIGHT, das lässt einen sogleich schwerelos werden. Dabei blenden wir aus, wie kalt, finster und sauerstofflos, alles in allem: lebensfeindlich es in aller Regel selbst an den erdnächsten Stellen des Weltalls ist. Und vielleicht ist unser Schwebegefühl ja eher mit einer Erinnerung ans Suhlen in warmem Thermalwasser verbunden. ICH verbinde mit SPACE NIGHT den Sender Bayern (heute: ARD) Alpha, bei dem ich gerne im Hotel beim Durchzappen verweile: Entweder läuft dort Bob Ross’ The Joy of Painting oder eben SPACE NIGHT. Sehr kalmierend, wie sich im warmen Wasser treiben zu lassen, eben. Und: Was man sich da alles vorstellen kann!

SONGMA: Ist der oberösterreichischen Mundart entlehnt. Es bedeutet soviel wie »Sagen wir…:« Vor dem gemeinsamen Rollenspiel stellen Kinder den Konsens über das soziologische Setting ihres Spiels her, wer wer ist, wo es handelt…. In diesem Einvernehmen läuft dann alles ab, wobei beide Realitäten (die des Spiels und die des ›wirklichen‹ Lebens) gleichzeitig gelebt werden: Allen ist (fast immer) klar, dass sie ›nur‹ spielen (es tut nicht weh), zugleich gehen sie aber voll darin auf: 200 Prozent Leben.

Als Spieler, der oftmals solo auftritt, bedarf ich der Fähigkeit des Imaginierens. Glücklicherweise verfüge ich (nicht zuletzt, weil ich als Kind ausgiebig gespielt habe) über ein entsprechendes Repertoire, in der Vorstellung Welten erstehen zu lassen, und zwar nicht nur mir selber, sondern vor allem auch (als Dienst) dem Publikum.

»Wer allein in der Badewanne singt, hört innerlich das ganze Orchester, kein Instrument geht ihm ab; meine Badewanne steht auf der Bühne, ein sehr intimer Vorgang.«

Darum also ist’s bei meinen paar Weltumkreisungen in der KLUB IRRKO SPACE NIGHT gegangen.

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Des weiteren warat bitte Folgendes zu anzumerken: 

1) Ich habe mir die Ganglbauergasse mnemotechnisch erlaufen. Nach der Liebhartsgasse bis zu den Paniken ist nämlich alles strengst alphabetisch organisiert: Haberl, Habicher, Haymerle, Hyrtl, Ganglbauer. Als zehnte Hasnerstraßenquergasse liegt die Ganglbauer sowohl im ersten als auch im letzten Viertel meiner sich erst ab der Hettenkofer zu einer Runde öffnenden Winterjoggingstrecke, deren Scheitelregion Ameisbachzeile, Reizenpfenninggasse, Pönningerweg, Woborilweg, Gallitzinstraße und Wanriglgasse markieren, alles in allem gut achteinhalbtausend Schritte.

2) Ganglbauer: Bim 46, Feßtgasse, eine Straße stadteinwärts, rechts hinauf, linke Seite.

3) Soweit ich mich erinnern kann, dürfte die KLUB IRRKO SPACE NIGHT der erste Auftritt in meinem Wohnbezirk Ottakring werden.

4) In der Kindheit haben wir oft vornehm sein wollen, wie das ja auch die Erwachsenen taten. Und vornehm, das hat bedeutet, dass man nach der Schrift redet: Alpendudler, Tundel, Löbe, Möbe. Das mündet in die uroberösterreichische Disziplin, nach der Schrift zu reden (zu versuchen), als deren ausgeprägtester Verkörperer der geschätzte Altlandeshauptmann Dokter Josef Pühringer gelten darf; sein Kulturverständnis fehlt seit seinem Abgang aufs bitterste:

Die Frage ist nicht, ob wir uns die Kultur leisten können, sondern ob wir uns die Unkultur leisten wollen.
Josef Pühringer

5) Wie sich Stefan Glettler und ich kennengelernt haben, ist eine eigene Geschichte. Im Visier hatten wir einander schon länger. Als sein Bruder nach einem Besuch bei mir ankündigte, gleich zu ihm weiterzuziehen, meinte dieser, es sei an der Zeit, uns demnächst miteinander bekannt zu machen; was bald darauf und unerwartet rasch in der Olympiahalle Innsbruck erledigt werden konnte.

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Nach-Nacht-Bericht

Habe ich verlauten lassen, meinen Beitrag zur KLUB IRRKO SPACE NIGHT in der Dauer von ein paar Weltumkreisungen abzuhandeln, so musste ich das mit dem Ausdruck des Bedauerns korrigieren, nämlich: Die internationale Raumstation ISS umkreist die Erde in 400 km Höhe. Damit sich das für eine stabile Bahn notwendige Gleichgewicht zwischen Erdanziehung und Fliehkraft einstellen kann, muss sie mit etwa 28.000 km/h durchs All rasen. Bei dieser Geschwindigkeit wird die Erde etwa alle 90 Minuten einmal umrundet. So gesehen war meine Behauptung etwas zu vollmundig, wenn nicht frivol.

Aber so von der Vorstellung her gefällt’s mir schon.

Und von der Vorstellung her war’s ein Fest. Volle Hütte. Besonders gefreut hat mich, dass ganz viele Menschen aus meinem erweiterten Freundes- und Interessentenkreis gekommen sind, aufgrund einer meiner seltenen Aussendungen (jeweils in persönlichen Einzelmails handgefertigt – was ich hiermit gerne zur persönlichen Nachamhung empfehle!). Und, mindestens ebenso besonders gefreut hat mich, dass gut die Hälfte Leute im Publikum mir völlig unbekannt war (und ich denen zuvor auch!). Demgemäß sei dem dem KLUB IRRKO mit Stefan Glettler höchster Dank und Anerkennung gezollt! (Was, wie ich finde, angemessen formell klingt.)

(Und danke auch für die idealen drei Gin-Tonics; sie ließen einen den – wie ich finde sich etwas zusehr ziehenden – Winter zwischenzeitlich, also zumindest für die Dauer von ein paar Weltumkreisungen, vergessen.)
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[Anm. in taxis: In Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

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Mittwoch, 21. Februar 2018
Wien (A), Theater im Café Prückel
LeseabendBibliothek der Provinz

Mara KrausDer talentierte Herr Ginić
Toni DistelbergerDas Mädchen im Badeanzug
Rosa KurzmannKatz aus!
Angelika KaufmannDas fremde Kind N.

dazu und dazwischen
Bertl Mütter, musikalische Begleitung auf der Posaune

Barbara Fink, Moderation

http://bibliothekderprovinz.at/media/events/leseabend_prueckel_210218.jpg

Die langjährige Beziehung zwischen Richard Pils und mir ist von gegenseitiger Wertschätzung und Solidarität getragen. Wann immer also die Bibliothek der Provinz ruft (und ich kann es einrichten), dann rufe ich gerne zurück, eben mit meiner Posaune.

Ein berührender Abend, in dem Geschichten über Schicksale von Menschen im und nach dem Krieg erzählt wurden, über Bomben, Armut, Flucht und Migration. All das wohltuend unsentimental, teilweise sogar mit Situationskomik, ohne die das Leben unerträglich würde, auch heutzutage, wenn auch – zumindest bei uns hier – glücklicherweise auf einem Komfortniveau. Weil irgendwas bei uns Probleme zu nennen, würde die basalen Sorgen der Menschen, denen es wirklich prekär geht, aufs prekärste banalisieren…

DANKE.

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Mittwoch, 29. November 2017
Wien (A)
, Musikverein, Gläserner Saal
Höllenvisionen
Michael Köhlmeier, Erzähler
Bertl Mütter, Posaunen (Muthorn)
Leonhard Paul, Posaune, Basstrompete (Wunderhorn)

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Die frühen Helden des Abendlandes kehrten auf ihren Reisen in der Unterwelt ein und schilderten, was sie dort gesehen haben. Odysseus begegnete dem Achill, der berichtete von unerträglicher Langeweile; lieber würde er auf Erden für den ärmsten Bauer als niedrigster Knecht das steinigste Feld pflügen, als hier der König der Schatten zu sein. Dass die antike Welt in der Unterwelt auch einen Ort sah, an dem gestraft wurde, erfahren wir aus den Geschichten von Sisyphos, Tantalos und Ixion. Für das Christentum hat Dante mit seiner »Göttlichen Komödie« ein anschauliches Bild von der Hölle entworfen und zugleich die Dreiteilung des Jenseits in Inferno, Purgatorio und Paradiso festgeschrieben. Außereuropäische Mythen berichten vom Ort des Grauens manchmal ironisch, manchmal in Form eines Schelmenromans, wie eine Geschichte aus der Mongolei.
Michael Köhlmeier

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

http://static6.swp-plus.de/storage/scl/import/swp-beta-import/bietigheim/lokales/ludwigsburg/print/2335025_t1w600h392q90v22092_swp-8662603_16595451_01_3005_LUBU_aeneas_4C_1055765876.jpg?version=1464589449
© Richard Dannenmann, Südwestpresse

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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) – hoffentlich kurzfristig – gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen.
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Höllenprotokoll

*** Beginn der Veranstaltung ***

GAETTU
 (zur schreckhaften Eröffnung) – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (1)

geharnischt! dreistimmiges Stück für Wunder- und Muthorn – 5’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (2)

Tremenz
 Sequenzstück für Basstrompete und ambulante Posaune – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (3)

Vexalier
 idée fixe für zwei Posaunen – 6’

*** Pause ***

demolliert 
Ausbruch in Erschrecken für zwei Posaunen – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (4)

rehhuete
 Achtstück für zwei Posaunen – 5’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenversionsvisionen (5)

baequabale Abschiedsstück, teilweise endgültig – 5’

*** Ende der Veranstaltung ***

Sämtliche Musikstücke (allesamt paulinisch-mütterliche Posaunenusurpationen schlundmusikalischer Art) stammen von Bertl Mütter & Leonhard Paul. Sie wurden am 30.11.2017 bei der AKM angemeldet. Man hat sich teil köstlich amüsiert, und das ist ja wohl allerhand, bei diesem Höllenbrand.

Hernach waren wir beim Spanier in der Mahlerstraße und haben uns platt gelacht, höllisches Gelächter. Aber ich kann mir ja keine Witze merken.

Soweit der Bericht von meinem Musikvereinsdebut.

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Montag, 6. November 2017
Donnerstag, 9. November 2017
Samstag, 11.
November 2017
Mittwoch, 15.
November 2017
Freitag, 17.
November 2017
Samstag, 18.
November 2017

Wien (A), Mondschein – ehemaliges k.u.k. Post- u. Telegraphenamt
7., Zollergasse 31
Die Reise Musique de Scène von Jean Barraqué
mit originalen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau (1958)
    
sowie
Sonata pour violin seule
(Jean Barraqué, 1949)
Etude pour bande magnétique
(Jean Barraqué, 1952/53)

ensemble sirene, Ensemble
Joanna Lewis, Violine
Jury Everhartz, Produktionsleitung
Cornelius Burkert, Bühne
Kristine Tornquist, Bühne
Edgar Aichinger, Licht
Selina Nowak, Assistenz
Helga Utz, Regie
François-Pierre Descamps, Dirigent

»Musik ist Drama, Pathos, Tod. Sie ist das komplette Spiel, die Erschütterung, bis zum Selbstmord. Ist sie das nicht, ist sie nicht die Überschreitung aller Grenzen, dann ist sie überhaupt nichts. Eine Musik, die nur schön ist, ist lachhaft. Für mich ist die Musik alles, sie ist das ganze Leben.« (Jean Barraqué)
»Einer der originellsten Komponisten der Nachkriegszeit. Der Klangfarbenreichtum Barraqués ist gewaltig. Die Klänge sind flirrend in Bewegung wie Kolibriflügel.« (Die Zeit, 1998)

Jean Barraqué, 1973 mit 45 Jahren verstorben, war serieller Komponist, Schüler von Langlais und Messiaen und zeitweiliger Liebhaber von Michel Foucault. Er gilt als ein composers composer - als ein Künstler, der, auch wenn er einem weiten Publikum nicht bekannt worden ist, viele Künstler massgeblich beeinflusst hat. Sein schmales Œuvre erweitert sich mit dieser Uraufführung durch das sirene Operntheater. Die Reise kreist um Barraqués lange verschollene Musique de scène von 1958/1959, eine Schauspielmusik zu einigen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau.

Der Regisseur und Theoretiker Jacques Polieri hatte eine Aufführung der Stücke mit mehreren MalerInnen geplant, darunter René Allio, Jean-Michel Atlan, Maurice Béjart, Sonia Delaunay, Serge Poliakoff, Pierre Soulages und Maria Helena Vieira da Silva, die »die Musik in Bilder umsetzen« sollten. Das Projekt kam nie zustande und wurde nun für Wien Modern aus den Archiven der Association Jean Barraqué und der Bibliothèque nationale de France ans Licht geholt. In Windeseile entstehen Assoziationsketten, Bilder, die sich auflösen, bevor sie deutlich werden. Spürbar wird nur die Reise, die vom Unsteten ins Unbekannte führt.

Eine Produktion von sirene Operntheater in Kooperation mit Wien Modern 2017.

Bemerkung: Ende September hat mich Jury Everhartz gefragt, ob ich denn sowas auch mache, in einem Orchester mitzuspielen. – »Nein, aber für Dich schon.« (Freundschaftsdienst.)

Nachbemerkung (in aller Kürze): Es war mir ein – vielstimmiges – Volksfest.

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Sonntag, 5. November 2017
Wien (A)
, Konzerthaus, Großer Saal
Fremde Ohren. Oder: Wie Musiker das hören
Bertl Mütter
zu Peter Eötvös

Es ist bitte Folgendes. Kurz, nein, sagen wir lieber knapp nach den österreichischen Nationalratswahlen meldet sich Sven Hartberger vom Klangforum und fragt mich, ob ich bereit sei, als Einspringer für Uli Fussenegger dieses Programm zu gestalten. Da hatte ich nun den Ohrwaschlsalat – und freute mich natürlich, quasi über die Schreamsn, wieder einmal das Konzerthaus bespielen zu dürfen, erstmals gar den Großen Saal.

In seiner Abonnentenpost schreibt das Klangforum also:

Die »Fremden Ohren«, mit denen wir uns seit der vergangenen Saison eine Stunde vor dem Konzertbeginn einhören, sind diesmal noch fremder: Das Ensemble hat mit Bertl Mütter – Musiker, Komponist und Autor – erstmals einen Gast zur Gestaltung der halben Stunde eingeladen. Bertl Mütter, so viel darf gesagt werden, ist einer der liebenswertesten, vielseitigsten und witzigsten unserer Musikerfreunde. Über seine eigene Musik sagt er auf seiner sehr besuchenswerten website www.muetter.at: »Vielleicht, ein Vorschlag zur Güte, könnte man meine Musik Slow Food für die Ohren nennen: Sie will, mitstaunend, entdeckt werden.«

Total lieb. Natürlich nenn’ ich’s (bei mir, streng intern!) eine Veranstaltung aus der Schule des Staunens. Hehe.

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/161118_CZ28790_500px.jpg

Folgt Inhaltliches:

Ich habe mich auf das nachfolgende Konzert bezogen, in dem das Klangforum Wien unter der Leitung des Komponisten drei Werke von Peter Eötvös aufgeführt hat: Shadows (1995–1996), Sonata per sei (2006), sowie Chinese Opera (1985–1986).

Auch ganz ohne Bühnenbild, Kostüme und Film ist Peter Eötvös’ Chinese Opera »eine Oper zum sehenden Hören« (Peter Szendy). Gegen Oper hatte Eötvös – langjähriger Mitarbeiter von Karlheinz Stockhausen und Chefdirigent des Ensemble intercontemporain auf Einladung von Pierre Boulez – in seiner Studentenzeit am Kölner Studio für Elektronische Musik eine lebhafte Abneigung entwickelt. Dass er die spontane Theaterbegeisterung seiner Kindheit irgendwann wiederentdeckte, daran ist seine 1986 komponierte »Chinese Opera« nicht ganz unbeteiligt: »Der Titel – der eine vollkommen überbordende Art kreativer Fülle andeuten sollte – brachte den Dirigenten Kent Nagano dazu, Eötvös unbesehen einzuladen, das Werk in Lyon an der Oper zu inszenieren. ›Mit Vergnügen‹, sagte ich – ›aber es ist ein Orchesterstück‹«, erinnerte sich Eötvös in der New York Times. Im Gefolge des farbensprühenden, im wörtlichen Sinn fantastischen Werks entstanden seither nicht weniger als zehn Opern.
»Meine Chinese Opera hat mit der echten chinesischen Oper sehr wenig zu tun. In China hat jede Provinz ihren eigenen Theaterstil. Er wird nach der jeweiligen Provinz benannt, in der er vor Jahrhunderten entstanden ist und seitdem unverändert gespielt wird. Chinese Opera ist in Hinsicht auf eine szenische und filmische Präsentation geschrieben. Sie ist ›Oper‹ meiner eigenen ›Provinz‹.« (Peter Eötvös)
In diesem großen Porträtkonzert mit drei im Abstand von je zehn Jahren entstandenen Meisterwerken steht der 73-jährige Komponist persönlich am Dirigentenpult des Klangforum Wien.
Konzertankündigung, wien modern

Zuerst wurde einmal intensiv recherchiert. Über Peter Eötvös und seine Werke. Zudem wollten noch Jacques Tati, Karl Valentin, Adalbert Stifter und mein Freund Chris (dzt. Shanghai) befragt werden.

Mit dem größten Vergnügen!

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/161118_CZ28783_500px.jpg

Zum Nach-Denken (so für zwischendurch)

Fremde Ohren, das sind Große Ohren und gewisse große Ohren sind mir in der Tat fremde Ohren.

(Genug politisiert, für's Erste)

__________________

http://www.klangforum.at/files/files/Features/Features%202017/muetter1.jpg

http://www.klangforum.at/files/files/Features/Features%202017/muetter2.jpg

http://www.klangforum.at/files/files/Features/Features%202017/muetter3.jpg

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http://www.klangforum.at/files/files/Features/Features%202017/muetter6.jpg
© Klangforum Wien (videostills) – Danke!

Was soll ich sagen, wie kann ich’s beschreiben, wie es sich anfühlt, ganz allein den Großen Saal bespielen und besprechen zu dürfen, einen (einen!) Ton hinauf zu schicken in die Galerie und nachzulauschen, wie er in idealer Weise verklingt; oder wie leicht es sich anfühlt, so weitläufig der Raum auch sein mag, das Publikum (die Menschen) zu adressieren, auch die ganz hinten oben und die rechts und links … ich stammle – und ich hab’s genossen.

Nun erst kann ich in aller Fülle nachvollziehen, wiesehr sich der Gabalier giften muss.

(Jetzt aber bitte wirklich genug politisiert! – Man will ja in diesem Monat auch an einer anderen renommierten Wiener Adresse … ähm … aufgeigen.)

__________________

Wer mein völlig unpolemisches Manuskript nachlesen will, bitte, da isses:

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix72dpi/download_pdf_button.jpg

Und wenn Sie das Video begutachten wollen, ecco.

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Montag, 23. Oktober 2017, 20.30
Wien (A)
, Stadtkino im Künstlerhaus
     sowie
Montag, 30. Oktober 2017, 11.00
Wien (A), Metro-Kino, Historischer Saal

Labor des Exo/Endo Korpus (A 2017, 12’)
Ein Film von Elisabeth von Samsonow
Im Rahmen des Kurzfilmprogramm 1 der Viennale 2017.

https://www.viennale.at/sites/default/files/styles/top_image_slider/public/pressimages/V17labor06.jpg?itok=A7M4vipp

Meine erste Filmpremière. 

Eingängige Soundscape, plug-in. Was haben weißgewandete junge Frauen, ein Fußballtorwart, eine Näherin, ein Shetland-Pony, die Mayröcker, ein Knabe mit Bipa-Einkaufswagerl oder z.B. ein Biker in voller Vanucci-Montur miteinander zu tun? Viel, denn deren Bewegungen sind durch einen assoziativen, rhythmisch oszillativen Bilderfluss verbunden, der das Innen und Außen (eines riesigen begehbaren Saiteninstruments) abseits narrativer Gesetze spiegelt. Auf surreale Weise, basierend auf einer Klangskulptur in der Dominikanerkirche Krems, will »Transhumanistin« Samsonow unser Bewusstsein erweitern. Eingängige Soundscape, plug-out.
(Viennale)

DISCLAIMER: Die sieben jungen Damen – offenbar ein Filmstill – sind mir persönlich völlig unbekannt. Als ich zum Drehen meines Parts in die Dominikanerkirche Krems kam, sind sie mir jedenfalls nicht begegnet. Da war nur ein weiß gekleideter Knabe mit goldenem Haar und ein Einhorn, glaube ich mich korrekt zu erinnern.

VERMERK (1): Da mit einem anschwellenden Popularitätsschub zu rechnen sein wird, hoffe ich auf kaltes Wetter, damit ich mich hernach gesetzeskonform gebührend vermummen darf. Ansonsten wär’s wohl allzu gefährlich, unerkannt durch die Hauptstadt zu gelangen.

VERMERK (2): Termine um den 4. März 2018 (Los Angeles/Dolby Theatre; Hin- und Rückreise, Aufenthalt) können wahrscheinlich nicht wahrgenommen werden; Ähnliches gilt für Mitte Mai 2018/Cannes.

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