Sonntag, 5. August 2018
Steyr (A)
, Berggasse 4
Au|di|ti|on
Eine Tour d’Imagination aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut am Muthorns

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix300dpi/161118_CZ28790_lauscher.jpg
»Meine Ohren sind meine Augen«                                                          Foto(s) © Christof Zachl

Au|di|ti|on steht für: (1) Auditive Wahrnehmung (Hörvermögen); (2) ein individuelles Hörerlebnis in der Religion; (3) eine Bewerbung in der Unterhaltungsbranche; (4) einen japanischen Horrorfilm aus dem Jahre 1999. Da der Filmtitel an Bedeutung (3) andockt, tasten wir die Rillen (1) bis (3) ab, in stetig wie willkürlich wechselnder Abfolge: Die Nadel will springen!

Fangen wir bei der Hörschwelle an, wo auch sonst: Was hören? Was für ein Hören? Welche Botschaften? Höhere Mächte? Höheres Hören? … Meine Ohren sind meine Augen. Und meine Posaune ist mein Hörrohr, Hörbarmachrohr, und das passt sich individuell an, wie es sich gerade schickt (opportet). Weil genau so bequem brauchen wir es in dieser Zeit (in illo tempore), sonst gefällt man nicht sondern wird es, wie Mahlers Held in der Tragischen.

Wie nennt man eigentlich das Gegenteil von Hörschwelle? Hörgrenze? Schmerzschwelle? Wie geht es weiter? … Keine Angst, ich spiele nur, es tut nicht weh, sicher nicht. Meine Tinnitusbehauptung ist nur temporär: Wer Auditionen hat, braucht keinen Arzt. Und die Musik, wusste schon Monteverdi zu fordern, muss vorausdenken; allzu billig ist es, im Nachhinein schon vorher klüger gewesen zu sein.
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Mit Au|di|ti|on habe ich meinen solidarischen Beitrag zum heurigen Aktionstag von kunstwoche.at geleistet, es ist das eine beispiellosen Selbstausbeutungsinitiative vermittelst Hapé Schreiberhubers. Beispiellos, das meint: Hoffentlich nicht beispielgebend. Nämlich: Künstlerische Arbeit ist etwas wert. Auch wenn sie nichts kostet.

Und, sei’s gesagt: Es erscheint mir etwas billig, wenn die Stadt Steyr mit großmütiger Geste ihre Patronanz über diesen Aktionstag ausspricht. Die hängen sich etwas um, das ihnen nichts kostet. Immerhin wird der Veranstalter für seine Aktivitäten nicht verklagt; ohja, es gibt so etwas wie passiven Zynismus.

Weit haben wir’s gebracht im Oberösterreich. Jedoch in Steyr wird es nicht soo leicht gehen, sich auf’s schwarz-blaue Land hinauszureden.
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Die Stimmung im finster werdenden Innenhof der ehemaligen Volksschule – angrenzend das (ehemalige) Polizeigefängnis, im Volksmund ›da Fisoinberg‹; oben noch die Stacheldrahtrollen – hat ein feines Hören und Spielen möglich gemacht. Alles gänzlich unspektakulär, und sowas tut schon einmal recht gut. Danke.

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Samstag, 28. Juli 2018
Gmünd (A)
, Eisenberger Fabrik
Maria Moser
Die Monumentalität der Dinge

Ausstellungseröffnung
mit
Maria Moser, Malerei
Dr. Herbert Mütter, Worte
Bertl Mütter, Musik

Es sind ganz konkrete Gegenstände, die Maria Mosers bildnerische Energie seit jeher angeregt haben. Dinge, die zu Anfang fast immer in einem biographischen Bezug zu ihr selbst standen. Maria Moser benützt auch die ehemalige Schlosserei, die einmal ihrem Vater gehört hatte, als Atelier. Dass sie dort arbeitet, hat nichts mit nostalgischer Aneignung zu tun. Man hat den Eindruck, als habe sie in der alten Werkstatt ein Erbe angetreten.
(Ankündigungstext)

Richard Pils hat mich gefragt, ob ich wieder in der Eisenberger Fabrik spielen will. Sehr gern, und die Bilder von Maria Moser sind überaus inspirierend, nämlich:

https://bibliothekderprovinz.at/media/events/fabrik_2018_moser.jpg

Dem Herz der Dinge nachzugehen.

Die Eisenberger Fabrik für sich ist übrigens auch bereits ein lohnendes Reiseziel.

(Aber ohne Maria Moser gibt’s sie ohnehin nicht: Gut so.)

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»Mit musikalischer Einführ/lung durch Dr. Herbert Mütter auf der Posaune«, hat Richard Pils auf dem Einladungsflyer getextet, und so war es. Mein Referat hat demgemäß derartig angehoben:

Meine Damen und Herren,
ich stehe heute vor Ihnen als ein Phänotyp, jedoch in zwei Erscheinungsformen. Wenn ich zu Ihnen spreche, so tut das, mit der Lizenz zum Reden, Dr.art. Herbert Mütter; die Klänge auf dem Muthorn-s kommen vom Posaunisten Bertl Mütter. Das bedingt, dass der eine heute oftmals verbal lediglich in Halbsätzen redet, die Musik des anderen soll sie ergänzen. Darüber mögen die Bilder von Maria Moser stehen (oder hängen). Alles zusammen aber stehe unter einer Großen Klammer, einer Umklammerung, einer, wir sehen es, warmen, magmatischen Umklammerung, bedrohlich warm, aber der Herbst und der Winter sind uns gewiss.
Wie es dann aber weitergeht, wissen wir nicht; können wir nicht wissen.

(Wen es interessiert, wie ich weitergeredet habe, dieoderder kontaktiere mich und ich schicke das Manuskript zu.)

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Sonntag, 22. Juli 2018
Viktring (A)
, Kellertheater
Die vierzehnte Galanacht der Improvisation

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2018/180721dac.jpgDie Actuelle Capelle 2018, 21. Juli 2018

Vorweg ein Geständnis: Strenggenommen kann Bertl Mütter – als Kind vom Papa oft und gern Wasserratz oder auch ’taufte Maus genannt – nicht schwimmen. Und deshalb kann natürlich auch Die Actuelle Capelle (DAC) gar nicht schwimmen können: Allesamt sind wir Steinfische, in des Steines allerplumpsendster Bedeutung.

Alle Kunst ist unnütz. Es ist noch mit keiner Musik irgendwo ein Nagel eingeschlagen worden. Zu Musik, das ja, wir haben es schon im Kindergarten gelernt: »Wer will fleißige Handwerker seh’n« – das Urbild des Working Songs. Aber darum kann es nicht gehen, es wäre allzu beschwichtigend, abwiegelnd, in diesen Tagen, die zu Nächten werden.

Eine von E. M. Ciorans Exercises négatifs lautet »Unbrauchbarer sein als ein Heiliger«. Was nützt etwa ein seinen Darm irgendwie doch nicht ganz unfreiwillig spendender Märtyrer oder andere Kollegen, wie sie sich im Freskensaal so devot-stolz mit ihren Epitheta präsentieren? (Zumeist, das nebenbei, handelt es sich um bärtige, alte Männer.)

Aber natürlich benötigen wir das Unbrauchbare, gerade wie es in Viktring zelebriert wird, von den (salopp und mit Respekt so genannten) Flötenkindern bis zu den Jazzdamen samt sämtlichen sonstigen Podiumsheldinnen und -helden von morgen, übermorgen und vorgestern; namentlich DAC würde sich, gesetzt, das Unbrauchbare erwiese sich tatsächlich als sinnlos, ganz sicher nicht alljährlich zum SPIELEN! versammeln. Jedoch das, was wir tun, ist sinnstiftend, aufs Höchste sinnstiftend! Es ist das pure Klingen, in sämtlichen erdenklichen Rauigkeitsabstufungen, wie sie das Leben eben liefert. Und damit zu hantieren, das ist allerdings harte (härteste) Arbeit, die an die Grenzen der Verstörung heranreichen kann. Gespielt wird nämlich sowieso immer das gleiche (irgendwas) und stets zu laut oder zu leise oder zu unterschiedlich oder just das Gegenteil, und dann knackt es noch so grauenhaft und niemand schaut zum Leiter, der sowieso immer die Augen zu und durch hat.

Genug geklagt. Nehmen wir aus der Mühe das -sam heraus und setzen wir es in aller Stärke ein: Wiese! Allemal ist es es wert, all diese Samen keimen und hochtreiben zu lassen. In unserer monokulturell verwirtschafteten und homogenisierten Welt ist die Bunte Wiese, die Sommerwiese, längst an den Rand des Aussterbens gelangt. Das Aufstehen dagegen kann jedoch kein zeitgemäß brüllzender Protest sein, vielmehr passiert es subtil (dabei brachial – ja, das gibt’s!), ohne viel Aufhebens. Und wie es in der Wahren Wiese keine Erste Blume geben kann, versteht sich DAC als metamusisches Ökosystem. In ihm gedeihen in fröhlich-gelassener Symbiose die absonderlichsten Gräser, Blumen, Kleee, Käfer, Würmer und was sonst noch alles blühen und gedeihen und vergehen mag.

MERKE: Wohl sind gelbe Löwenzahnwiesen schön anzuschauen, allzubald aber werden sie recht fad; zumindest, wenn man einmal die Bunte Wiese erlebt – am besten, indem man sich und die anderen hineinlegt.

Ich kann schwimmen wie die andern, nur habe ich ein besseres Gedächtnis als die andern, ich habe das einstige Nicht-schwimmen-können nicht vergessen. Da ich es aber nicht vergessen habe, hilft mir das Schwimmen-können nichts und ich kann doch nicht schwimmen.
Franz Kafka

Also laute die Devise: Tauchet ein in diese Wiese!

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Zitatnachweis / Literatur
Emile Cioran: Syllogismen der Bitterkeit, Religion, in: Werke, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2008 (S. 925).

Franz Kafka, Notiz (1920) zum Schwimmer-Fragment, in: Ders., Nachgelassene Schriften und Fragmente II, hg. v. Jost Schillemeit. Frankfurt/M.: Fischer, 2002 (S. 334).
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Die Actuelle Capelle (DAC) 2018

     Erich Berger, E-Bass

     Edgar Hättich, special Guest

     Maria Alraune Hoppe, Allerlei

     Reinhard Latritsch, E-Piano

     Markus Lorber, E-Gitarre
     
Werner Sattlegger, Gitarre

     Johannes Schwarzgruber, Dreierlei

     Karin Tobisch, Hackbrett

     Johnny Traar, Altsaxophon

     Evelin Woitsch, Primadonna

     Bertl Mütter, Mut- und Wunderhorn, SPIELENtrainer

Wir danken Miriam Egger fürs MitSPIELEN.

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Nach-Notiz

Die Galanacht der Improvisation erweist sich immer wieder als Jahreshöhepunkt und scheint sich zudem zu so etwas wie einem weitbekannten Geheimtipp entwickelt zu haben. Tiefe Verneigung also vor unserem so treuen Publikum. Und vor allen meinen Spielerinnen und Spielern. Jedes Jahr berührend auch die einleitenden Worte von Festivalleiter Werner Überbacher, der auch diesmal wieder seine buchstäbliche Sonntagsrede uneingeschränkter Wertschätzung gehalten hat. Per definitionem ist ja jede sonntags gehaltene Rede eine S.; schön ist zudem, wenn die in S. erwähnten Löblichkeiten an den anderen Tagen der Woche derart tätig eingelöst werden.

Bei aller dankbarer Abschiedswehmut WÜ betreffend sind wir freudig gespannt auf den frischen Wind, der sich anschickt, ab 2019 den Süden Klagenfurts zu durchwehen. Wir sind dabei!

(…und wild darauf, mehr als das konzeptionelle Feigenblatt einer a posteriori konstruierten Urbedeutung abzugeben.)

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Sonntag, 15. – Sonntag, 22. Juli 2018
Viktring (A)
, Musikforum Viktring-Klagenfurt 
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die jährlich sich aufs neue konstituierende ACTUELLE CAPELLE ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im bereits vierzehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELENden ohnehin immer ganz von vorn anfangen müssen dürfen.

2018 gibt sich das Musikforum (strengintern) das sinnige Motto DURCHATMEN.

Dem wollen wir uns mit einem tief empfundenen Ahhhhh…! anschließen.

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/nur_spielen.jpg

SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im landläufigen Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Arkadenhof tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


AnSPIELEN: Sonntag, 15. Juli 2018, 15.00
Stift Viktring (A), Arkadenhof (beim Caffè-Trinken)

Gespielt wird täglich in zwei Blöcken (10.00–13.00, 14.00–17.00; flexibel nach gemeinsamer Übereinkunft; in Summe und inkl. Soundcheck und Konzert 14 Module).

Unterrichtssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Latein.

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Sonntag, 15. Juli 2018
Viktring (A)
, Stiftskirche
Au|di|ti|on
Eine Tour d’Imagination aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
(Trombonaut an Mut- und Wunderhorn)

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix300dpi/161118_CZ28790_lauscher.jpg
»Meine Ohren sind meine Augen«                                                          Foto(s) © Christof Zachl

Au|di|ti|on steht für: (1) Auditive Wahrnehmung (Hörvermögen); (2) ein individuelles Hörerlebnis in der Religion; (3) eine Bewerbung in der Unterhaltungsbranche; (4) einen japanischen Horrorfilm aus dem Jahre 1999. Da der Filmtitel an Bedeutung (3) andockt, tasten wir die Rillen (1) bis (3) ab, in stetig wie willkürlich wechselnder Abfolge: Die Nadel will springen!

Fangen wir bei der Hörschwelle an, wo auch sonst: Was hören? Was für ein Hören? Welche Botschaften? Höhere Mächte? Höheres Hören? … Meine Ohren sind meine Augen. Und meine Posaune ist mein Hörrohr, Hörbarmachrohr, und das passt sich individuell an, wie es sich gerade schickt (opportet). Weil genau so bequem brauchen wir es in dieser Zeit (in illo tempore), sonst gefällt man nicht sondern wird es, wie Mahlers Held in der Tragischen.

Wie nennt man eigentlich das Gegenteil von Hörschwelle? Hörgrenze? Schmerzschwelle? Wie geht es weiter? … Keine Angst, ich spiele nur, es tut nicht weh, sicher nicht. Meine Tinnitusbehauptung ist nur temporär: Wer Auditionen hat, braucht keinen Arzt. Und die Musik, wusste schon Monteverdi zu fordern, muss vorausdenken; allzu billig ist es, im Nachhinein schon vorher klüger gewesen zu sein.

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Hernach (im Nachhinein) hat es geheißen,

dass sowas wie eine Entrückung geschehen sei.

(Sowas könnte man dann doch eher nicht im Vorhinein behaupten, dass es sich ereignen würde, es wäre ja doch allzu anmaßend.)

Nun, mir ist so etwas wie absichtsfreies pures Spiel gelungen. Das ist allerdings alles andere als alltäglich. 

Große Rührung und Entrücktheit unter den Umstehenden.

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Samstag, 7. Juli 2018
Kirchstetten (A)
, Hinterholz 6 (sic!)
Thanksgiving für ein Habitat – W. H. Auden in Kirchstetten
Präsentation des von Helmut Neundlinger herausgebenen Buches

http://www.literaturedition-noe.at/images/buecher/2018/thanksgiving-gross.jpg

Im hintersten Winkel der Wienerwaldgemeinde Kirchstetten findet sich ein Gedächtnisort der Weltliteratur. Bewohnt und besungen wurde er vom Fast-Nobelpreisträger, Jahrhundertdichter und bekennenden Pantoffelträger W. H. Auden (1907–73). Auch wenn er ›nur‹ die letzten 15 Sommer seines Lebens in dem abgeschiedenen Häuschen mit der malerischen Adresse Hinterholz 6 verbrachte, entwickelte sich das Gebäude zu einer Art Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Seit vielen Jahren fungiert die im ehemaligen Arbeitszimmer und dem angrenzenden Dachgeschoß eingerichtete und 2015 runderneuerte Gedenkstätte als Pilgerstätte für Auden-Fans aus der nahen und fernen Welt.

Die vorliegende Publikation hebt an mit einer Neuübersetzung des Zyklus ›Thanksgiving for a Habitat‹ (1965), in dem Auden jedem Raum seines Hauses ein Gedicht gewidmet hat. Für die Übertragung konnte mit Uljana Wolf eine der renommiertesten Dichterinnen und Übersetzerinnen der deutschsprachigen Literaturszene gewonnen werden.

Darüber hinaus versammelt der Band Beiträge, die sich mit Audens Beziehung zum Haus, zur Land und Leuten in Kirchstetten und Wien auseinandersetzen. Entstanden ist ein Kaleidoskop von Reflexionen über einen freundlichen Außenseiter, der sich zu Lebzeiten durchaus als Kirchstettner fühlte und doch zur Bevölkerung weitgehend auf Distanz blieb.

Die junge Wiener Fotografin Carmen Auer hat die Spuren und Zeichen des Dichters in den vier Wänden seiner Wahlheimat für den Band in einem beeindruckenden Foto-Essay festgehalten.

(Bewerbung des Bandes auf literaturedition-noe.at)

Auf Einladung Helmut Neundlingers hat die Autorin Simone Hirth ihre berührenden »Briefe an einen Nachbarn« gelesen – und ich durfte dazu gewissermaßen Audens Part geben: Ein feiner Dialog, zwischen uns und über die Zeiten. Beeindruckend auch die unprätentiöse Eingemeindung Audens: Irgendwie ist er sehr gut aufgehoben, W. H. Auden in Kirchstetten.

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Donnerstag, 28. – Samstag, 30. Juni 2018
Bad Aussee (A), Congress Ausseerland
Ausseer Gespräche
Zukunftsfragen

https://static.uni-graz.at/fileadmin/_processed_/8/6/csm_2017Teaserbild_1b450680aa.jpg

Die Ausseer Gespräche, die von der gebürtigen Ausseerin Irmtraud Fischer ins Leben gerufen wurden und von einem interdisziplinären Board vorbereitet werden, feiern 2018 ein kleines Jubiläum: Zum zehnten Mal treffen sich Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst in der Region zum gemeinsamen Austausch über brennende Themen der Gegenwart.

Als Thema stehen dieses Jahr »Zukunftsfragen« zur Debatte, die von den ReferentInnen, die diesmal allesamt schon einmal bei den Ausseer Gesprächen der letzten Jahre dabei waren, aus ihrem jeweiligen Fach bestimmt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dabei geht es um die Zukunft demokratischer Strukturen, um soziale Gerechtigkeit, um Identitäten und deren Abgrenzung und Konstitution, um Anregungen aus Erfolgskonzepten der Vergangenheit, die immer noch zukunftsweisende Strategien bieten. Die großen Probleme, die die Menschen global betreffen, und Lösungen in Technik, Naturwissenschaft und Medizin erfordern, kommen ebenso durch Fachleute zur Sprache wie die durch bevorzugte Förderung von Naturwissenschaften und Technik sich immer mehr ergebende Marginalisierung von Geistes- und Kulturwissenschaften, die allerdings für eine Gesellschaft identitätsstiftend sind.

Indem die ForscherInnen sowie in- und ausländische Referierende und Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst mit Studierenden und NachwuchswissenschaftlerInnen das Thema bearbeiten, bilden sich transdisziplinäre Netzwerke über die Grenzen der eigenen Wissenschaft und Kunst hinweg. Das inzwischen weit über die Grenzen hinaus geschätzte Veranstaltungsformat bietet im heutigen Wissenschafts- und Kunstbetrieb einen der seltenen Orte, an denen es möglich ist, gemeinsam und ohne den Zwang von nachfolgenden Publikationen Ideen zu entwickeln, Problemfelder aufzuzeigen, und sie aus unterschiedlichen Fächern zu beleuchten. Die Veranstaltung setzt die im Ausseerland seit über eineinhalb Jahrhunderten verankerte »intellektuelle Sommerfrische« fort und ist inzwischen zu einem festen Bestandteil der Ausseer Kongress- und Kulturveranstaltungsszene geworden.

Alle Interessierten, insbesondere Menschen aus dem Ausseerland, sind herzlich eingeladen, bei der ganzen Veranstaltung, oder auch bei einzelnen Programmpunkten, teilzunehmen.

[Da ist denen bei ausseerland-salzkammergut.at aber eine außergewöhnlich niederschwellig einladende Ankündigung gelungen, es klingt nachgerade sexy.
(Oder könnte es gar sein, man will unter sich bleiben?)]


Zum Folder mit dem detaillierten Programm geht's hier. Da finden Sie auch sämtliche ReferentInnen, von Karl Acham bis Liliane Weissberg, beides zwei extra hochgeschätzte VertreterInnen ihres Faches (und mehr als das). Alphabetisch mittendrin, darf auch ich was zum Besten geben, nämlich zur Zukunftsbewältigung qua Improvisation:

›Welch Licht leuchtet dort?‹
Improvisation als Einüben in Zukünfte

Wir werden sehen. Dann werden wir gesehen haben. (Nix wie weitter.)

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Eine Veranstaltung der Uni Graz und der Stadtgemeinde Bad Aussee.

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