Samstag, 26. Mai 2018
Innsbruck (A), Dom St. Jakob
fluidum~
[1]

http://farm3.static.flickr.com/2443/3572906746_54677e3db1.jpghttps://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix72dpi/fluidum_logo.jpg

Bertl Mütter: 1+1+1=1 (discursus trinitatis)
                   Chor + Viola & Violoncello + Posaune
   
                   (Auftrag: Philipp Harnoncourt, 2011)

http://de.academic.ru/pictures/dewiki/84/Trifolium_repens_07_ies.jpg

Dazu pures Spiel im Raum – ein Aufgehen im Klang.

Vokalensemble Domchor

Sasha Chochlov, Viola
Michael Tomasi
, Violoncello

Bertl Mütter, Posaune & künstlerische Leitung

Worte zur Eröffnung: Bischof Hermann Glettler

fluidum~ ist eine neue (und dementsprechend ambitionierte) Reihe aktueller Musik: Wir wollen den Innsbrucker Dom in ein Schiff im Klangfluss verwandeln.

Grundsätzliches zu fluidum~ finden Sie hier.

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Sonntag, 27. Mai 2018
Innsbruck (A), Dom St. Jakob

Im Gottesdienst am Dreifaltigkeitssonntag ist 1+1+1=1 (discursus trinitatis) ein weiteres Mal bei der Predigt erklungen. Dompropst Florian Huber sagte drei Impulssätze zur Trinität: Daraus hat sich der Diskurs entsponnen.

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Freitag, 4. Mai 2018
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 17

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2018/180504weinkult.jpg
vlnr: Tomáš Novák, Melissa Coleman, Elias Hirschl, Matthias Loibner, Bertl Mütter. Foto: Heinz-Peter Linshalm

Elias Hirschl, Autor
Tomáš Novák
, Violine
Melissa Coleman
, Violoncello
Matthias Loibner, Drehleier
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conferanz

Hans Czerny, Eröffnungsredner

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2012/12weinkult11_1.jpg

Neben Bertl Mütter mit seinem runderneuerten Schagerl Mut!horn-s (s von smart, simple, super; meinetwegen auch: senior) waren 2018 dabei:

https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t31.0-8/18449381_791035551073215_2250697873088304165_o.jpg?oh=c3a15266f10ff59f5b0c5cc870cad1ba&oe=5AC3438D

Der faszinierend vielseitig alerte Geiger Tomáš Novák. Er hatte sich unserer Wahrnehmung schon einige Zeit nachgerade aufgedrängt (etwa durch seine Zusammenarbeit mit seinem hierhofs bekannten Akkordeonpartner Paul Schuberth): allein was seine künstlerische Potenz betrifft, durften wir uns zurecht auf Feinstes freuen.

http://www.melissacoleman.at/uploads/images/coleman/mc3.jpg

Da reden wir jetzt noch gar nicht von der Verkörperung positiver Energie schlechthin, in Person der umfassend charmanten Melissa Coleman an ihrem Violoncello. Als Inhaber der Hofintendanz gebe ich mich beschämt, sie erst 2018 erstmals zum WeinKult eingeladen zu haben.

http://www.matthias.loibner.net/pro/matthias/MLoibner09.jpg

Matthias Loibner an der Drehleier hat sich sensibel in das feine Gespinst eingebracht, hat für weit mehr gesorgt als das solide Fundament: Es war ein vielfaches Schwirren und Spinnen. Ohne allzuviel möglicherweise störendes Wissen, was man da eigentlich gerade für Klänge fabricîrt.

Den literarisch-performativen Beitrag zelebriert hat der überaus erstaunliche Elias Hirschl. Mit seinen gerade vierundzwanzig Lenzen ist er noch jung genug, dass man ihn Ausnahmetalent nennen darf, jedoch bei dem, was er in Fels gezeigt hat, kommt eine solche Bezeichnung fast schon einer Geringschätzung gleich.

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Hernach wurde geschrieben,

dass das WeinKultFest heuer unvergleichlich großartig und entspannt gelungen ist. Was für eine Leichtigkeit!

Keine weiteren Nacherzählungen aber hier: Die dabei waren, haben’s erlebt; den anderen kann man es eh nicht angemessen schildern, und es nützet ihnen rein garnichts zu erfahren, wie gut der Lardo und der Speck und der Spargel und die Börger (alles vom Hof!) und der Wein, der Wein, der Wein: Alle haben sich alle Finger geleckt, auch die metaphorischen in Aug und Ohr.

Hehe.

Der WeinKult 18 wird am Freitag, dem 3. Mai 2019 feierlich begangen, was nichts weniger bedeutet als ein Jahr Vorfreude!

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Freitag, 16. März 2018
Innsbruck (A)
, ORF Studio 3
»
VolkXtheologie«

Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck
Tobias Moretti
, Schauspieler
Elisabeth Medicus
, Ärztliche Direktorin der Tiroler Hospizgemeinschaft
Ulrike Tappeiner, Dekanin der Fakultät für Biologie, Uni Innsbruck

Józef Niewiadomski, Dogmatikprofessor, Uni Innsbruck – Moderation

Bertl Mütter, Posaune
Siggi Haider, Akkordeon

Theologische Fragestellungen und die Antworten darauf haben nicht unbedingt den Ruf, leicht verständlich zu sein. Das ist schade, denn religiöse und theologische Themen spielen in Gesellschaft, Politik und Kultur eine wichtige Rolle. Mit einer neuen Reihe will die Diözese Innsbruck gemeinsam mit der Theologischen Fakultät Innsbruck und dem ORF-Landesstudio Tirol die theologische Diskussion in den Alltag der Menschen hineinholen und Lust machen, sich mit theologischen und religiösen Fragen zu beschäftigen.

Unter dem Titel »VolkXtheologie im Studio 3« werden an zwei Terminen im Jahr Vertreter von Kirche, Theologie, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Sport, Medien usw. miteinander zu aktuellen Fragen miteinander ins Gespräch kommen. Den Auftakt macht am Freitag, 16. März um 19.30 Uhr eine Gesprächsrunde zum Thema »kreuz_weg?«. Im Titel klingt bereits an, worum es geht: Immer lauter werden die Rufe danach, das Symbol des Kreuzes aus dem alltäglichen Leben zu verbannen. Die Frage lautet, ob damit nicht auch die Verdrängung jener Themen einhergeht, die mit dem Kreuz eng verbunden sind: Die Frage nach dem Leid, nach der Endlichkeit des Lebens und die Frage nach Erlösung.

(Website der Diözese Innsbruck)

Auf bischöflichen Wunsch haben wir davor, dazwischen und danach »Drei Kreuze für Posaune und Akkordeon« ersonnen (der Titel ist von uns) und zum Allerbesten gegeben. Große Zustimmung zu unserem Spiel, von diversen hochrangigsten Stellen explizit ins Mikrophon gesagt, und das Publikum hat bestärkend geraunt und akklamierend in die Hände gepascht. Sowas tut schon gut, sei’s gesagt: Man bekommt – zumindest für diesen Moment – das Gefühl, seine Artistik nicht ganz in den luftleeren Raum hinein zu exemplifizieren.

Zudem war es eine wirklich schöne Gelegenheit, einmal wieder (nach 24 Jahren!) mit Siggi Haider zu spielen. Und, versprochen, wir werden, wenn’s nach mir geht, um einiges früher als 2042 wieder miteinander spielen!

DISCLAIMER: Da meine Posaune von jeher die b-Tonarten bevorzugt, konnte (und, fortgesetzt, kann) ich zum gegenständlichen volkXtheologischen Thema (# weg) leider keine unvoreingenommenen Stellungnahmen abgeben.

Mnemotechnischer gesagt (einmal um die ganze Welt):

                    Geh
                    du
                    alter
                    Esel
                    hole
                    Fische –         Gesunde
                    Cisch!            Desillusioniertheit,
                   (Gischt)          astrein
                   
                      estimiert,
                                         befördert
                   
                      Frohsinn
                                         centimeterdick

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Donnerstag, 22. Februar 2018
Wien (A)
, 16., Ganglbauergasse 36/1 (KLUB IRRKO c/o Glettler)
SONGMA:
Über Imagination

Eine pantopische Verortung aus der Schule des Staunens

Von und mit Bertl Mütter, Trombonaut

http://www.stefanglettler.com/site/assets/files/2055/klub_irrko_space_night-1.1280x0.jpg

… eine Reihe von (unbeschwerten) Vorträgen und Gesprächen, bei denen KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und FreundInnen ihre privaten Forschungsgebiete vorstellen. Die Klub Irrko Space Night versteht sich als Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Soziologie und hat das Ziel, auf vielleicht versteckte Themen und Leidenschaften von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und FreundInnen aufmerksam zu machen. Es soll somit eine soziologisch kulturelle Vernetzung von verschiedenen Perspektiven in Kunst, Wissenschaft und Forschung ermöglichen.
(Schreiben sie auf ihrem Blog.)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8f/Space_Night_2013.svg/640px-Space_Night_2013.svg.png

SPACE NIGHT, das lässt einen sogleich schwerelos werden. Dabei blenden wir aus, wie kalt, finster und sauerstofflos, alles in allem: lebensfeindlich es in aller Regel selbst an den erdnächsten Stellen des Weltalls ist. Und vielleicht ist unser Schwebegefühl ja eher mit einer Erinnerung ans Suhlen in warmem Thermalwasser verbunden. ICH verbinde mit SPACE NIGHT den Sender Bayern (heute: ARD) Alpha, bei dem ich gerne im Hotel beim Durchzappen verweile: Entweder läuft dort Bob Ross’ The Joy of Painting oder eben SPACE NIGHT. Sehr kalmierend, wie sich im warmen Wasser treiben zu lassen, eben. Und: Was man sich da alles vorstellen kann!

SONGMA: Ist der oberösterreichischen Mundart entlehnt. Es bedeutet soviel wie »Sagen wir…:« Vor dem gemeinsamen Rollenspiel stellen Kinder den Konsens über das soziologische Setting ihres Spiels her, wer wer ist, wo es handelt…. In diesem Einvernehmen läuft dann alles ab, wobei beide Realitäten (die des Spiels und die des ›wirklichen‹ Lebens) gleichzeitig gelebt werden: Allen ist (fast immer) klar, dass sie ›nur‹ spielen (es tut nicht weh), zugleich gehen sie aber voll darin auf: 200 Prozent Leben.

Als Spieler, der oftmals solo auftritt, bedarf ich der Fähigkeit des Imaginierens. Glücklicherweise verfüge ich (nicht zuletzt, weil ich als Kind ausgiebig gespielt habe) über ein entsprechendes Repertoire, in der Vorstellung Welten erstehen zu lassen, und zwar nicht nur mir selber, sondern vor allem auch (als Dienst) dem Publikum.

»Wer allein in der Badewanne singt, hört innerlich das ganze Orchester, kein Instrument geht ihm ab; meine Badewanne steht auf der Bühne, ein sehr intimer Vorgang.«

Darum also ist’s bei meinen paar Weltumkreisungen in der KLUB IRRKO SPACE NIGHT gegangen.

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Des weiteren warat bitte Folgendes zu anzumerken: 

1) Ich habe mir die Ganglbauergasse mnemotechnisch erlaufen. Nach der Liebhartsgasse bis zu den Paniken ist nämlich alles strengst alphabetisch organisiert: Haberl, Habicher, Haymerle, Hyrtl, Ganglbauer. Als zehnte Hasnerstraßenquergasse liegt die Ganglbauer sowohl im ersten als auch im letzten Viertel meiner sich erst ab der Hettenkofer zu einer Runde öffnenden Winterjoggingstrecke, deren Scheitelregion Ameisbachzeile, Reizenpfenninggasse, Pönningerweg, Woborilweg, Gallitzinstraße und Wanriglgasse markieren, alles in allem gut achteinhalbtausend Schritte.

2) Ganglbauer: Bim 46, Feßtgasse, eine Straße stadteinwärts, rechts hinauf, linke Seite.

3) Soweit ich mich erinnern kann, dürfte die KLUB IRRKO SPACE NIGHT der erste Auftritt in meinem Wohnbezirk Ottakring werden.

4) In der Kindheit haben wir oft vornehm sein wollen, wie das ja auch die Erwachsenen taten. Und vornehm, das hat bedeutet, dass man nach der Schrift redet: Alpendudler, Tundel, Löbe, Möbe. Das mündet in die uroberösterreichische Disziplin, nach der Schrift zu reden (zu versuchen), als deren ausgeprägtester Verkörperer der geschätzte Altlandeshauptmann Dokter Josef Pühringer gelten darf; sein Kulturverständnis fehlt seit seinem Abgang aufs bitterste:

Die Frage ist nicht, ob wir uns die Kultur leisten können, sondern ob wir uns die Unkultur leisten wollen.
Josef Pühringer

5) Wie sich Stefan Glettler und ich kennengelernt haben, ist eine eigene Geschichte. Im Visier hatten wir einander schon länger. Als sein Bruder nach einem Besuch bei mir ankündigte, gleich zu ihm weiterzuziehen, meinte dieser, es sei an der Zeit, uns demnächst miteinander bekannt zu machen; was bald darauf und unerwartet rasch in der Olympiahalle Innsbruck erledigt werden konnte.

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Nach-Nacht-Bericht

Habe ich verlauten lassen, meinen Beitrag zur KLUB IRRKO SPACE NIGHT in der Dauer von ein paar Weltumkreisungen abzuhandeln, so musste ich das mit dem Ausdruck des Bedauerns korrigieren, nämlich: Die internationale Raumstation ISS umkreist die Erde in 400 km Höhe. Damit sich das für eine stabile Bahn notwendige Gleichgewicht zwischen Erdanziehung und Fliehkraft einstellen kann, muss sie mit etwa 28.000 km/h durchs All rasen. Bei dieser Geschwindigkeit wird die Erde etwa alle 90 Minuten einmal umrundet. So gesehen war meine Behauptung etwas zu vollmundig, wenn nicht frivol.

Aber so von der Vorstellung her gefällt’s mir schon.

Und von der Vorstellung her war’s ein Fest. Volle Hütte. Besonders gefreut hat mich, dass ganz viele Menschen aus meinem erweiterten Freundes- und Interessentenkreis gekommen sind, aufgrund einer meiner seltenen Aussendungen (jeweils in persönlichen Einzelmails handgefertigt – was ich hiermit gerne zur persönlichen Nachamhung empfehle!). Und, mindestens ebenso besonders gefreut hat mich, dass gut die Hälfte Leute im Publikum mir völlig unbekannt war (und ich denen zuvor auch!). Demgemäß sei dem dem KLUB IRRKO mit Stefan Glettler höchster Dank und Anerkennung gezollt! (Was, wie ich finde, angemessen formell klingt.)

(Und danke auch für die idealen drei Gin-Tonics; sie ließen einen den – wie ich finde sich etwas zusehr ziehenden – Winter zwischenzeitlich, also zumindest für die Dauer von ein paar Weltumkreisungen, vergessen.)
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[Anm. in taxis: In Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

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Mittwoch, 21. Februar 2018
Wien (A), Theater im Café Prückel
LeseabendBibliothek der Provinz

Mara KrausDer talentierte Herr Ginić
Toni DistelbergerDas Mädchen im Badeanzug
Rosa KurzmannKatz aus!
Angelika KaufmannDas fremde Kind N.

dazu und dazwischen
Bertl Mütter, musikalische Begleitung auf der Posaune

Barbara Fink, Moderation

http://bibliothekderprovinz.at/media/events/leseabend_prueckel_210218.jpg

Die langjährige Beziehung zwischen Richard Pils und mir ist von gegenseitiger Wertschätzung und Solidarität getragen. Wann immer also die Bibliothek der Provinz ruft (und ich kann es einrichten), dann rufe ich gerne zurück, eben mit meiner Posaune.

Ein berührender Abend, in dem Geschichten über Schicksale von Menschen im und nach dem Krieg erzählt wurden, über Bomben, Armut, Flucht und Migration. All das wohltuend unsentimental, teilweise sogar mit Situationskomik, ohne die das Leben unerträglich würde, auch heutzutage, wenn auch – zumindest bei uns hier – glücklicherweise auf einem Komfortniveau. Weil irgendwas bei uns Probleme zu nennen, würde die basalen Sorgen der Menschen, denen es wirklich prekär geht, aufs prekärste banalisieren…

DANKE.

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Mittwoch, 29. November 2017
Wien (A)
, Musikverein, Gläserner Saal
Höllenvisionen
Michael Köhlmeier, Erzähler
Bertl Mütter, Posaunen (Muthorn)
Leonhard Paul, Posaune, Basstrompete (Wunderhorn)

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Die frühen Helden des Abendlandes kehrten auf ihren Reisen in der Unterwelt ein und schilderten, was sie dort gesehen haben. Odysseus begegnete dem Achill, der berichtete von unerträglicher Langeweile; lieber würde er auf Erden für den ärmsten Bauer als niedrigster Knecht das steinigste Feld pflügen, als hier der König der Schatten zu sein. Dass die antike Welt in der Unterwelt auch einen Ort sah, an dem gestraft wurde, erfahren wir aus den Geschichten von Sisyphos, Tantalos und Ixion. Für das Christentum hat Dante mit seiner »Göttlichen Komödie« ein anschauliches Bild von der Hölle entworfen und zugleich die Dreiteilung des Jenseits in Inferno, Purgatorio und Paradiso festgeschrieben. Außereuropäische Mythen berichten vom Ort des Grauens manchmal ironisch, manchmal in Form eines Schelmenromans, wie eine Geschichte aus der Mongolei.
Michael Köhlmeier

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

http://static6.swp-plus.de/storage/scl/import/swp-beta-import/bietigheim/lokales/ludwigsburg/print/2335025_t1w600h392q90v22092_swp-8662603_16595451_01_3005_LUBU_aeneas_4C_1055765876.jpg?version=1464589449
© Richard Dannenmann, Südwestpresse

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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) – hoffentlich kurzfristig – gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen.
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Höllenprotokoll

*** Beginn der Veranstaltung ***

GAETTU
 (zur schreckhaften Eröffnung) – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (1)

geharnischt! dreistimmiges Stück für Wunder- und Muthorn – 5’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (2)

Tremenz
 Sequenzstück für Basstrompete und ambulante Posaune – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (3)

Vexalier
 idée fixe für zwei Posaunen – 6’

*** Pause ***

demolliert 
Ausbruch in Erschrecken für zwei Posaunen – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (4)

rehhuete
 Achtstück für zwei Posaunen – 5’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenversionsvisionen (5)

baequabale Abschiedsstück, teilweise endgültig – 5’

*** Ende der Veranstaltung ***

Sämtliche Musikstücke (allesamt paulinisch-mütterliche Posaunenusurpationen schlundmusikalischer Art) stammen von Bertl Mütter & Leonhard Paul. Sie wurden am 30.11.2017 bei der AKM angemeldet. Man hat sich teil köstlich amüsiert, und das ist ja wohl allerhand, bei diesem Höllenbrand.

Hernach waren wir beim Spanier in der Mahlerstraße und haben uns platt gelacht, höllisches Gelächter. Aber ich kann mir ja keine Witze merken.

Soweit der Bericht von meinem Musikvereinsdebut.

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Montag, 6. November 2017
Donnerstag, 9. November 2017
Samstag, 11.
November 2017
Mittwoch, 15.
November 2017
Freitag, 17.
November 2017
Samstag, 18.
November 2017

Wien (A), Mondschein – ehemaliges k.u.k. Post- u. Telegraphenamt
7., Zollergasse 31
Die Reise Musique de Scène von Jean Barraqué
mit originalen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau (1958)
    
sowie
Sonata pour violin seule
(Jean Barraqué, 1949)
Etude pour bande magnétique
(Jean Barraqué, 1952/53)

ensemble sirene, Ensemble
Joanna Lewis, Violine
Jury Everhartz, Produktionsleitung
Cornelius Burkert, Bühne
Kristine Tornquist, Bühne
Edgar Aichinger, Licht
Selina Nowak, Assistenz
Helga Utz, Regie
François-Pierre Descamps, Dirigent

»Musik ist Drama, Pathos, Tod. Sie ist das komplette Spiel, die Erschütterung, bis zum Selbstmord. Ist sie das nicht, ist sie nicht die Überschreitung aller Grenzen, dann ist sie überhaupt nichts. Eine Musik, die nur schön ist, ist lachhaft. Für mich ist die Musik alles, sie ist das ganze Leben.« (Jean Barraqué)
»Einer der originellsten Komponisten der Nachkriegszeit. Der Klangfarbenreichtum Barraqués ist gewaltig. Die Klänge sind flirrend in Bewegung wie Kolibriflügel.« (Die Zeit, 1998)

Jean Barraqué, 1973 mit 45 Jahren verstorben, war serieller Komponist, Schüler von Langlais und Messiaen und zeitweiliger Liebhaber von Michel Foucault. Er gilt als ein composers composer - als ein Künstler, der, auch wenn er einem weiten Publikum nicht bekannt worden ist, viele Künstler massgeblich beeinflusst hat. Sein schmales Œuvre erweitert sich mit dieser Uraufführung durch das sirene Operntheater. Die Reise kreist um Barraqués lange verschollene Musique de scène von 1958/1959, eine Schauspielmusik zu einigen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau.

Der Regisseur und Theoretiker Jacques Polieri hatte eine Aufführung der Stücke mit mehreren MalerInnen geplant, darunter René Allio, Jean-Michel Atlan, Maurice Béjart, Sonia Delaunay, Serge Poliakoff, Pierre Soulages und Maria Helena Vieira da Silva, die »die Musik in Bilder umsetzen« sollten. Das Projekt kam nie zustande und wurde nun für Wien Modern aus den Archiven der Association Jean Barraqué und der Bibliothèque nationale de France ans Licht geholt. In Windeseile entstehen Assoziationsketten, Bilder, die sich auflösen, bevor sie deutlich werden. Spürbar wird nur die Reise, die vom Unsteten ins Unbekannte führt.

Eine Produktion von sirene Operntheater in Kooperation mit Wien Modern 2017.

Bemerkung: Ende September hat mich Jury Everhartz gefragt, ob ich denn sowas auch mache, in einem Orchester mitzuspielen. – »Nein, aber für Dich schon.« (Freundschaftsdienst.)

Nachbemerkung (in aller Kürze): Es war mir ein – vielstimmiges – Volksfest.

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