Freitag, 25. Oktober 2019
Steyr (A)
, Museum Arbeitswelt
Weltkrieg: Ein bunter Abend

https://museum-arbeitswelt.kupfticket.at/wp-content/uploads/sites/51/2019/09/MAW_va-eintrag-weltkrieg-10-19.jpg

Angelehnt an das beliebte Format des 19. und 20. Jahrhunderts erinnern Schauspieler/innen, Musiker/innen und Perfomer/innen mit Liedern, literarischen Texten, Zeitdokumenten und einer Tanzperformance an den Beginn des Zweiten Weltkrieg vor 80 Jahren. Berichte eines Weltkriegsteilnehmers und einer Auschwitz-Überlebenden führen die unheilvollen Folgen des NS-Regimes vor Augen.

Wenn du jemanden triffst, der an Europa zweifelt, nimm ihn bei der Hand und gehe mit ihm über einen europäischen Soldatenfriedhof.
Jean-Claude Juncker

Der Friede in Europa ist für Nachgeborene selbstverständlich geworden. Um diesen Frieden muss heute wieder gerungen werden, solange in Demokratien noch dafür gekämpft werden kann.

Mit: Gergely Dudás, Julia Frisch, Silke Grabinger, Matthias Hacker, Veronika Kraxberger, Alexander Knaipp, Linda Lang, Alenka Maly, Bertl Mütter, Bernhard Schmalzel, Julia Wieser

Zeitzeuge: Franz Karl Stanzel (*1923)
Zeitzeugin: Hely Seinfeld (1924–2005)

Idee, Konzept+Gestaltung: Waltraud Neuhauser-Pfeiffer, Erwin Dorn; Michael Atteneder, Katharina Höfler; Bertl Mütter

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Sonntag, 29. September 2019
Bruck an der Mur (A)
, Heiligen-Geist-Kapelle
Tag des Denkmals 2019

Die spätgotische Kapelle wurde 1494 bis 1497 von Brucker BürgerInnen gestiftet und erbaut. Lange diente die Kapelle nach ihrer Entweihung unter anderem als Gasthaus und Wohnobjekt. In einer besonderen Rettungsaktion läuft seit 2012 die Sanierung der ehemaligen Kapelle, die seit einigen Jahren zum fixen Programmpunkt am Tag des Denkmals zählt. Viele Interessierte haben dabei die Restaurierungsfortschritte verfolgt und begleitet. Nun ist es so weit: Die Sanierungsarbeiten sind nahezu abgeschlossen, und die Kapelle präsentiert sich in ihrer früheren Pracht.

Mein, nunja, alter Freund Philipp Harnoncourt hat mich eingeladen, die so spezielle Dreifaltigkeitskapelle von (bzw. im Verkehrsstrudel bei) Bruck an der Mur – er hat sie im Zuge seines 80ers im Jahr 2011 entdeckt, seither organisiert er ihre Renovierung und Neudefinierung – zum Klingen zu bringen.

http://www.gat.st/sites/default/files/imagecache/Vollbild/images/stingl-enge-architekten-zt-gmbh_gat_hl-geist-kapelle-bruck-aussen_0.jpg

[In langjähriger Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

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Donnerstag, 26. September 2019
Klagenfurt (A)
, Künstlerhaus
crescendo (poco a poco)
Ein Wachskonzert aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27235_HF_500px.jpg
Foto © Christof Zachl

O Fortuna velut luna statu variabilis /
semper crescis aut decrescis; vita detestabilis

Carmina burana

Alles will wachsen, zunehmen. Es gilt also Nahrung aufzunehmen, auch die Muskeln (und dazu noch Ausdauer) zu trainieren, wider den Verfall, dem letztlich doch alles entgegen streben muss. In Zeiten des multiplen Jo-Jo wächst oder schwindet längst schon carminaburanisch nicht mehr nur der Mond als Bild für das Glück, inderweltlich gleichwie transzendentalisch.

Für mein Spiel (es sei ein Spielen) bedeute crescendo nicht, dass ich leise anfange, um dann immer lauter zu werden – das wäre dann doch zu banal. Der höchst inspirierende Raum ermöglicht mir ein umfassend sinnliches Klingen, in ihm will ich poco a poco wachsen, aufwachsen, erwachsen (…).

O sink hernieder, Nacht der Liebe! / Gib Vergessen, dass ich lebe

Nimm mich auf in deinen Schoß / Löse von der Welt mich los!
Tristan und Isolde

Genau, schwinden, das auch.

________________________

Zur Genese:

Lieber Wolfgang Grossl,

danke für den Vorschlag, die Anregung, im Rahmen der Kambium-Ausstellung einen musikalischen Beitrag zu leisten. Die Akustik im Künstlerhaus ist mir ja sehr vertraut, ich kann dort meine Klangvorstellungen gut ausleben: der Raum ermöglicht ein sinnliches Klingen.
Spontan fiele mir ein speziell abgestimmtes und zu entwickelndes Konzert unter dem Generalmotto »crescendo« ein; das würde allerdings nicht bedeuten, dass ich leise anfinge, um dann immer lauter zu werden – das wäre wohl etwas zu banal. Crescendo, wachsend, aufwachsen, erwachsen – nun ich denke, das könnte gut konform gehen mit der For Forest-Geschichte, die um diese Zeit ja im Stadion stattfindet.

Wesentlich beliebter als kurzfriste Absagen sind kurzfristige Konzertanfragen, und manche kommen erfreulich kurzfristig herein…

 

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Dienstag, 24. September 2019
Wien (A)
, Alte Schmiede
in der Reihe »Gesellschaftsräume der Literatur«
Günter Kaindlstorfer:
Politisches Bewusstsein und Literatur
mit (u.a.) Peter Klein, Barbara Blaha, Peter Pirker, Schülerinnen und Schülern des GRG Rainergasse, Christian Schacherreiter, Katja Gasser und Kurt Neumann
Bertl Mütter, musikalische Gestaltung

Lieber Bertl!

In Absprache mit Kurt Neumann von der »Alten Schmiede« frage ich an: Hast Du Zeit und Lust, am 24. September 2019 beim »Abend für Günter Wels« in der »Alten Schmiede« aufzutreten und musikalische Interventionen zu setzen?
Ich würde mich freuen.
Im Falle einer Zusage würde Kurt Neumann mit einem Honorarangebot auf Dich zukommen.

Liebe Grüße, Günter

Günter Wels, geboren 1963 in Bad Ischl. Aufgewachsen in der oberösterreichischen Statutarstadt Wels. Unter dem Namen Günter Kaindlstorfer arbeitet er als Journalist u.a. für den ORF, den Deutschlandfunk, den Bayerischen Rundfunk, den WDR, den SWR, das Schweizer Radio SRF und für 3sat. 2010 veröffentlichte Wels den Erzählband »Maitage« und 2018 den akklamierten Roman »Edelweiss«.

Bertl Mütter, freier Musiker, Komponist und Autor. Aufgewachsen in der oberösterreichischen Statutarstadt Steyr.

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Sonntag, 15. September 2019, 11.00
Wien (A)
, Musiktheatertage Wien im WUK
UTOPERAN19 – Mütter’s Civilisation (UA*)

vum Bertl Mütter (Trombonaut)

Wie stets ist es eine Reise ins Geahnte. Indes, der herbeigesehnte utopische Ort »where troubles melt like lemon drops« ist sprichwörtlich »dort, wo du nicht bist«, in Schuberts »Wanderer« (der Gletschergleiche kommt »vom Gebirge her«), heißt es noch, final darniederschmetternd, »dort ist dein Glück«. – »Na dann aber viel Vergnügen!«

Gar leicht ist’s, sich selbst die allergrößten Schwierigkeiten zu machen. Anderen auch.

Bertl Mütters zivilisatorisches Klangrillenabtasten (eine Art Abschmelzen) kann nur ein Taumeln sein, zwischen Sehnsucht und Ernüchterung. Ob beim Auftauen was herausapern, gar sich etwas erfüllen wird, wissen wir erst, wenn es passiert. Sicher ist: Überschwemmungen heutzutage sind immer sintflutartig, erst recht, wenn sie Starkregen folgen, wie es ihn »seit Menschengedenken« nicht gegeben hat. Früher hat es statt Starkregen Wolkenbrüche gegeben. Die sind nun also gottlob behoben.
Menschengedenken, Amnesie.

Dass es sich bei allem Leben (erst recht bei allem Vergessen) um irreversible Vorgänge handelt, kann auch als Trost verstanden werden, und viel Anlass zu größerer Hoffnung besteht ohnehin nicht.

     »Haben Sie auch nichts vergessen?«
    

(Insert für Aussteigende, ÖBB; lesbar in diversen Betonvarianten)

Man wird sich doch wohl noch was wünschen dürfen.

Was wünschen wir uns eigentlich?

     »When life gives you lemons, squeeze them in people’s eyes.«

Das Motto der Musiktheatertage Wien 2019 lautet »MYTHOS ZIVILISATION«; das nehme ich mir ungeniert her und biege mir zurecht – ist doch die USURPATION allererste künstlerische Disziplin (man soll sie nicht den bösen Weltenbrandstiftern überlassen): Mütter's Civilisation also. Je nach persönlichem Lesewillen oder -vermögen Englisch oder mit Trottelapostroph. Wohin sich halt unsere Welt ent- bzw. verwickelt hat.

____________________________________
*
Kompositionsauftrag der Musiktheatertage Wien, finanziert durch die

   https://www.evs-musikstiftung.ch/sites/default/files/EvS_Foerderlogo_rgb.jpg

DANKE.

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Donnerstag, 25. Juli 2019
Sonntag, 11. August 2019, 11.00
Mittwoch, 14. August 2019, 20.15
Tillysburg (A)
, Schlossgewölbe

Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter
von
Fritz von Herzmanovsky-Orlando
(Bearbeitung: Friedrich Torberg)
mit
Bernd Jeschek
, alle 52 Rollen
Nikolaus Büchel, Regieanweisungen (25.7./11.8.)
Bertl Mütter
, Posaune dh. Zugposaune; Regieanweisungen (14.8.)

Ein skurriles Spiel mit parodistischen Musikeinlagen um die Beziehung des großen Österreichischen Kaisers Joseph II. zu einer Bahnwärterstochter im abgelegensten Winkel seines Reichs.
Bernd Jeschek liest, singt und spielt 52 Rollen unterstützt vom komödiantischen Extrem-Posaunisten Bertl Mütter.
Ein Zugausflug zurück ins K&K Österreich.

So kündigen die Festspiele Schloss Tillysburg unser Gastspiel an. Wird’s also wohl so sein & ist ja auch so. Dennoch und in sachdienlicher Ergänzung wäre dazu bitte Folgendes zu sagen:

1. Mit der Tillysburg verbindet mich zuallererst eine einjährige, nichtsdestotrotz enge Beziehung. Nämlich wie ich bei der Militärmusik war und mich der Prüllerroman in seinem Ritmo mitgenommen hat (keinen Groschen hat er verlangt dafür!), da haben wir fast immer die Route über Haglschberg (recte: Hargelsberg) eingeschlagen. Weil wenn man beim Haiberg (recte: Heuberg) links, gleich wieder rechts und dann immer gerade gefahren ist, hat man, zur gegebenen Zeit, ihren Turm gesehen. Weiter ging es dann – ein Schleichwegerl – über Samesleiten, am Freilichtmuseum Sumerauerhof vorbei, auf die Ipfstraße und dann, die Autobahnauffahrt ignorierend, hinüber zur Einserbundesstraße, bis man in Öwisberg (recte: Ebelsberg) war, die Standeskontrolle beim Musimasta (recte: Musikmeister Vzlt. Wolf; er bellte, biss aber nie) war pünktlich um halb acht. Damit waren wir um gut zweieinhalb Minuten schneller als über St. Florian und Ölkam, und wenn man jung ist (wir reden von der Saison 1984/85), ist das viel Zeit.

2. Heutzutage (so fangen meist pessimistisch gefärbte Einschätzungen an) ist es etwas prosaischer: Wo sich die 309er in ihrem letzten Bogen hinabschwingt zur Doppelkreisverkehrskonstruktion beim Hartlauerturm nebst der A1, kann man zur Linken den Tillysburgturm herüberwinken sehen. Stehen bleibt keiner, das geht ja bitte wirklich nicht.

3. Mit Bernd Jeschek verbindet mich eine beinah ähnlich lange Bekanntschaft, die sich mittlerweile zu einer feinen Freundschaft entwickelt hat: In Mök (recte: Melk), bei den Sommerspielen, ca. 1994, wo ich zwei Saisonen lang die musikalische Gestaltung übernommen habe, hat er den Amphytrion, wie sagt man: gegeben.

4. Etwas zuvor habe ich durch Didi Macher vom Fo-Theater den Niko Büchel getroffen, wie er bei drei Artmann-Stücken im Rabenhof (damals noch zur Joosefstadt gehörig) Regie geführt hat (seither glaubt er, ich sei ein komödiantischer Extrem-Posaunist – KEP; das lass’ ich ihm gern), und er hatte damals auch die Intendanz in Melk inne.

5. Seit die sommerlichen Festspiele Schloss Tillysburg (re)aktiviert wurden, ist die Intendanz fest und sicher in Niko Büchels Händen geborgen. Und weil er ein grundloyaler Lackl ist, erinnert er sich mit seinem Elephantengedächtnis, mit wem er sich gut vertragen hat.

6. Uns bleibt immer noch Melk. Und Melk, das liegt an der Bahn (sowohl an der Eisen- wie an der Auto-). Die Tillysburg ja eher weniger. Aber wir verlegen neue alte Geleise dorthin.

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/bertihumor.jpg
  
… es wird, aufs parodistischste, gepfaucht und gedampft, ganz wie sich das für einen KEP gehört!

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Samstag, 27. Juli 2019
Marvão (P)
, Zisterne
Festival Internacional de Música de Marvão

https://scontent.fprg2-1.fna.fbcdn.net/v/t1.0-9/40867193_903116239897873_2819172582694060032_o.png?_nc_cat=103&_nc_ht=scontent.fprg2-1.fna&oh=3cb5b3e8ab770bf9ae2164dadef3727b&oe=5CDFF8BC

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bernermuetter/bernermuetterhorta18.jpg

Florian Berner, cello
Bertl Mütter, trombone
»Journey Towards Silence«

In »Journey Towards Silence«, two eminent musicians are meeting and interfering far beyond any daily concert routine. Their instruments, the cello and the trombone, use to carry similar roles within their families but nevertheless are seldomly played together in the pureness of their warm sounds. Plus, Florian Berner and Bertl Mütter are considerable individualists, open to new experiences and even surprises, too.

Listening to solo music brings us as closely as considerable towards the emergence of a piece of art: The actual player somehow represents the inner occurencies of inspiration and brings it all down to earth, to the ears. Furthermore, an improvising musician is not merely re-enacting music one might already be familiar with but is providing insight directly into the alchemistic process of creating art at first (and only) take.

Not only is »Journey Towards Silence« a double concerto program for trombone and cello, but this unique artistic event may be called a meta-concerto. The amazing Austrian Soloists Florian Berner (cello) and Bertl Mütter (trombone) are presenting their music not one after the other but interlacing and, finally, even interacting: When Florian and Bertl are performing they become each other’s first listeners—which means far more than it may seem at first sight, since music is firstly derived from devoted listening. The audience has the unique chance to be part of this very intimate creation. The music played—composed by, recomposed and improvised after Bach, Schubert, Ligeti and Mahler (among others)—belongs to the deepest and most personal soundings ever perceived.

»Inner Silence« may be a main topic which the artists will try to pursue, silence amidst all that noise in the world. Thus, »Journey Towards Silence« by Berner/Mütter may be considered as an invitation to wind down and recharge your batteries.

And, of course, life is the greatest, most outrageous journey!

(mission statement)


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Sonntag, 21. Juli 2019
Viktring (A)
, Kellertheater
Die fünfzehnte Galanacht der Improvisation

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2019/190720dac.jpg
DAC2019 (vlnr): Traar-Fladl-Tobisch-Woitsch-Berger-Lorber-Mütter-Sattlegger-Logar

Die Actuelle Capelle

Erich Berger, e-b
Heimo Fladl, saxes, clarinets, things
Ernst Logar, peph*, devices
Markus Lorber, e-git, devices
Werner Sattlegger, git
Karin Tobisch, fhb**
Johnny Traar, as, bloquette
Evelin Woitsch, pd***

Bertl Mütter, tb, mc****
____________________________
*Petrolophonium (world permiere)
** Fern-Hackbrett
*** Prima Donna
**** Master Of Ceremonies
____________________________

Wir durften, ohne alle Unterstützung der Geschäftsführung, uns in der Innenstadt kontrolliert zum Narren machen. Gern geschehen! Zuvor bereits durften wir erleichert erfahren, dass das Musikforum nach turbulenten Zeiten nunmehr wieder in ruhigen Gewässern navigiert.

Dieser Tage hüpfen Menschen, genannt Influenza (oder so ähnlich), in zauberhaft smaragdgrüne Stehgewässer. So schön sie sind, so verseucht sind sie. Aber für’s Instagram-Bild ist’s perfekt. Mehr ist auch gar nicht gefragt.

SPIELEN!, das ist der täglich sich neu einem darbietende Ernst des Lebens, dem wir frohgemut die Stirn bieten wollen. Hören Sie zu, offenen Herzens: Wir ducken uns nicht weg. Hören Sie zu und ziehen Sie Ihre Schlüsse. Die Spurenelemente (im Organischen: die Fermente) machen den Unterschied: Gehen sie ab, ist Alles Nichts.

SPIELEN! — Klangorakel.

(Aus dem Programmzettel)


Ob’s die vorerst letzte Galanacht im Rahmen des Musikforums gewesen sein wird, wird die Zukunft, konkret die Frage, ob es eine wertschätzende und kompetente Geschäftsführung gibt, weisen.

Wir bleiben jedenfalls dran am SPIELEN!

Retten wir das Musikforum!

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Sonntag, 14. – Sonntag, 21. Juli 2019
Viktring (A)
, Musikforum Viktring-Klagenfurt
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die jährlich sich aufs neue konstituierende ACTUELLE CAPELLE ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im bereits fünfzehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELENden ohnehin immer ganz von vorn anfangen müssen dürfen.

2019 war buchstäblich alles neu beim Musikforum. Und erfinden wir ja auch alle Klänge jedesmal aufs Neue, im SPIELEN! Kontinuierlich, ehklar.

So hieß es in der Ankündigung. Leider kam das buchstäblich Neue einem Kahlschlag gleich. Als wolle man mit einer atmosphärischen Abrissbirne dieses Exil des Wunderlich-Absonderlichen so nachhaltig wie möglich binnen einer Saison zerdeppern. Wenn sich nichts ändert, wird sich alles ändern.

Retten wir das Musikforum!

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/nur_spielen.jpg

SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im landläufigen Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Arkadenhof tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


AnSPIELEN: Sonntag, 14. Juli 2019, 15.00
Stift Viktring (A), Arkadenhof (beim Versuch, Caffè zu trinken; aber es gibt keine Gastronomie mehr)

Gespielt wird täglich in zwei Blöcken (10.00–13.00, 14.00–17.00; flexibel nach gemeinsamer Übereinkunft; in Summe und inkl. Soundcheck und Konzert 14 Module).

Unterrichtssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Latein.


Ob’s der vorerst letzte SPIELEN!-Kurs im Rahmen des Musikforums gewesen sein wird, wird die Zukunft, konkret die Frage, ob es eine wertschätzende und kompetente Geschäftsführung gibt, weisen.

Wir bleiben dran, am SPIELEN!

Retten wir das Musikforum!

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Sonntag, 14. Juli 2019
Viktring (A)
, Stiftskirche
»Wind (frischer)«
Eine Tour d’Imagination aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27223_SW_500px.jpg
Foto © Christof Zachl

Jedes Klingen bedarf der Luft als Medium.

International wird die Posaune als wind instrument (instrument à vent) bezeichnet, sie gehört zu den Aerophonen. Luft – Stimme. Von da will ich ausgehen. Und hineinhorchen, in den Raum: ein Aufschwingen.

In seinem Impulskonzert erforscht Bertl Mütter Grundlegendes zum Klang im frischen (?*) Wind. Dazu und dafür befragt er so unterschiedliche Quellen wie das »Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens«, Franz Kafka oder Joseph von Eichendorff (gehört durch die Ohren von Robert Schumann).

Sein Mut!horn dient ihm dabei als (ein Wort von Clemens J. Setz) »Traummischmaschine«.

______________________________

* Ich bin hier, mehr weiß ich nicht, mehr kann ich nicht tun. Mein Kahn ist ohne Steuer, er fährt mit dem Wind der in den untersten Regionen des Todes bläst.
Franz Kafka, Fragment zum Jäger Gracchus

______________________________

Folgt ein weiteres Zitat aus der Ankündigungspoesie nebst daraus resultierenden grundlegenden Überlegungen:

Am Sonntag spielt der virtuose Posaunenberserker Bertl Mütter eines seiner intensiven Solosets beim Musikforum Viktring in der Stiftskirche.

Ankündigung (Mittwoch), Radio Österreich 1

Posaunenberserker, soso.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/ba/Bronspl%C3%A5t_2_fr_Torslunda_sn%2C_%C3%96land_%28Stjerna%2C_Hj%C3%A4lmar_och_sv%C3%A4rd_i_Beovulf_%281903%29_sid_103%29.jpg

Als Berserker wird in mittelalterlichen skandinavischen Quellen ein im Rausch kämpfender Mensch bezeichnet, der keine Schmerzen oder Wunden mehr wahrnimmt.
Wikipedia

Weiter kommen dann noch Begriffe wie Schlachtenraserei, also Blutrausch, und auch Epilepsie vor; Fliegenpilz, Mutterkorn und LSD stehen als das Berserkertum generierend unter Generalverdacht.

So leid es mir für den ohne allen Zweifel äußerst schätzenswerten Ankündiger tut, muss ich mich doch vom Berserkertum bitteschön distanzieren: (Meine) Kunst will nämlich differenzieren, Feines von Feinem, und dafür und dabei kann sie nicht rasend alles zack! zack! zack! niedermachen … und das – also das Feine, nicht das z!z!z! – will, bin ich mir sicher, gut gemeinter Journalismus gewisslich auch.

Anderswo hat man mich als »komödiantischer Extrem-Posaunist« verheißen. Was wäre eigentlich das Gegenteil, von dem es sich abhebt, ein »tragischer Durchnittsposaunist«? … Dann muss es noch epische und lyrische Posaunisten (durchschnittliche gleichwie extreme; zudem Ausnahme-) geben. Sowas wäre ich doch bitte gerne auch!

 

Und noch viel mehr.

 



Das Zitat aus der Ankündigungspoesie, lautend: Intensives Soloset, es hat gut getroffen. Danke allen Ermöglichenden Guten Geistern. 


Ob’s mein vorerst letztes Konzert im Rahmen des Musikforums gewesen sein wird, wird die Zukunft, konkret die Frage, ob es eine wertschätzende und kompetente Geschäftsführung gibt, weisen.

Bleiben wir dran! – Retten wir das Musikforum!

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Donnerstag, 13. Juni 2019
Salzburg (A)
, Klangraum Kollegienkirche
pneumalog für Posaune, Stimme, Glastrompete und Orgel
Hans-Josef Knaust, Orgel
Bertl Mütter, Posaune, Stimme, Glastrompete; Komposition

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2019/190613_klangraum_flyer.jpg

Die ARGE Klangraum Kollegienkirche (mein alter Freund und Erzinspirator Werner Raditschnig, Organist Hans-Josef Knaust und Hochschulseelsorger Christian Wallisch-Breitsching) hatte mich eingeladen, in der Reihe »Zeitachsen Organum« den gigantischen Raum der 58m hohen Salzburger Kollegienkirchenkuppel zum Klingen zu bringen. Zitat:

Bertl Mütter Posaunist und Stimmperformer, zählt in Österreich zu den eigenwilligsten musikalischen Produzenten, ein Gratwanderer zwischen historischem Ansatz und Originalität, lässt auf ein textkompositorisches Konzept im Bereich klangaktionistischer Szenerie schließen.

Wir können jedenfalls von einem Once-In-A-Lifetime-Event sprechen. Große Ehre.

Bevor mein Stück erklang (aller realistischen Voraussicht eine einmalige Aufführung – weshalb das so übliche wie stolze Ur- vor der Auff. einer Bedeutungsüberhebung gleichkäme, unnötig, wie jede Eitelkeit), hörten wir »Mini-max« für Orgel solo, von Shin’ishi Matsushita. Co-Organist dabei war Evgeny Galitzky.

https://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-o/15/80/c2/30/img-20180809-122332-largejpg.jpg

Die hypersynchrone weltweite Epiphanie von allem Gesagten öffnet mir unwillkürlich den Mund. (Toten bindet man den Unterkiefer fest, ausgestaunt.) Dass sich die Welt überhaupt noch drehen mag, bei all der bedeutungsschwer verströmten Information. Zum Glück verfügt der Organismus der Natur über eine Art selbstregulierendes Vegetativum – Denken wird weit überschätzt –, und die Menschheit wird dereinst kaum eine Episode gewesen sein.

das schöne bild

spar aus dem schönen bild den menschen aus


damit die tränen du, die jeder mensch verlangt


aussparen kannst; spar jede spur von menschen aus:

kein weg erinnere an festen gang, kein feld an brot


kein wald an haus und schrank, kein stein an wand


kein quell an trank, kein teich kein see kein meer

an schwimmer, boote, ruder, segel, seefahrt

kein fels an kletternde, kein wölkchen

an gegen wetter kämpfende, kein himmelsstück


an aufblick, flugzeug, raumschiff – nichts

erinnere an etwas; außer weiß an weiß

schwarz an schwarz, rot an rot, gerade an gerade

rund an rund;


so wird meine seele gesund.

Ernst Jandl, 1979

Jeder Klang, jedes Wort stehe also ausschließlich für sich selber: Bedeutungsleichte Worte will ich dem Raum geben. Dazu Töne, stille; durchsichtige auch, da lontano. Pneumatische Durchdringungen, von oben her, von unten hin, bis ins entropische Dorthinaushaus, möglicherweise eine Art Kuppelgigant, aber reziprok.

https://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-m/1280/06/e0/9c/10/university-of-salzburg.jpg

So die Ankündigung. Wer dabei war hat wie ich etwas sehr außergewöhnliches erlebt. Schildern lässt es sich ohnehin nicht, jedoch sobald ich Material habe, werde ich es gerne zur Einsicht (zur Einhör) bereitstellen.

Danke Allen.

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Mittwoch, 29. Mai 2019
Ludwigsburg (D)
Schlosstheater
Höllenvisionen

Michael Köhlmeier, Erzähler
Bertl Mütter, Posaune (Muthorns)
Leonhard Paul, Posaune, Basstrompete (Wunderhorn)

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Die frühen Helden des Abendlandes kehrten auf ihren Reisen in der Unterwelt ein und schilderten, was sie dort gesehen haben. Odysseus begegnete dem Achill, der berichtete von unerträglicher Langeweile; lieber würde er auf Erden für den ärmsten Bauer als niedrigster Knecht das steinigste Feld pflügen, als hier der König der Schatten zu sein. Dass die antike Welt in der Unterwelt auch einen Ort sah, an dem gestraft wurde, erfahren wir aus den Geschichten von Sisyphos, Tantalos und Ixion. Für das Christentum hat Dante mit seiner »Göttlichen Komödie« ein anschauliches Bild von der Hölle entworfen und zugleich die Dreiteilung des Jenseits in Inferno, Purgatorio und Paradiso festgeschrieben. Außereuropäische Mythen berichten vom Ort des Grauens manchmal ironisch, manchmal in Form eines Schelmenromans, wie eine Geschichte aus der Mongolei.
Michael Köhlmeier

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

http://static6.swp-plus.de/storage/scl/import/swp-beta-import/bietigheim/lokales/ludwigsburg/print/2335025_t1w600h392q90v22092_swp-8662603_16595451_01_3005_LUBU_aeneas_4C_1055765876.jpg?version=1464589449
© Richard Dannenmann, Südwestpresse
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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen. Ach, täte es da doch auch bald einmal ZACK ZACK ZACK machen.

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Da Intendant Thomas Wördehoff einer ist, dessen Leben nicht erst mit sechsundsechzig anfängt (bzw., seit diesem 29. Mai, angefangen hat) und er zudem über eine recht gute Portion durchaus auch schwärzeren Humors verfügt, hatte er sich punktgenau zu dieser Schnapszahl veritable Höllenvisionen gewunschen, und die haben wir ihm allerdings geliefert.

Des weiteren muss einmal gesagt werden, dass er da ein Team um sich hat, das einen sowas von auf Händen trägt; es kommt einem, wär’s nicht so herzlich dargebracht, fast schon unwirklich vor. Großes Danke!

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Donnerstag, 23. Mai 2019
Innsbruck (A)
, Karmelitergasse 21, 2. Hinterhof
[Stiegenhausmusik] #51

https://servedby.catbull.com/news/pic/8472/0

Peter Warum vom »KG21GA_verein zur förderung der hinterhofkultur« hat mich eingeladen, meinen Beitrag zu dieser sehr speziellen Veranstaltungsserie zu liefern.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27349_500px.jpg

Ich hoffe, ich kann Aufsteigendes bieten. Anders gesagt:

Anfänglich war Bertl Mütter meist der Jüngste, aber das ist noch keine Leistung (wie auch nicht jene, der Älteste zu sein). Mittlerweile hat Mütter manche (Egon Schiele, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Henry Purcell, Franz Kafka, Robert Schumann, Frida Kahlo) überlebt, zuletzt (15.5.2016) Gustav Mahler und (11.3.2018) Bob Ross.
Indes, von so etwas wie einem Lebenswerk kann noch nichts wirklich Wesentliches berichtet werden. Ob ihm dies gelingen wird, bis er (wenn überhaupt) Georg Christoph Lichtenberg und Charles Mingus (1. bzw. 21.3.2022) hinter sich gelassen haben wird, muss lebhaft bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz hofft er auf ein ihm weiterhin (gerne auch gesteigert) gewogenes Publikum: Braucht Mütter es doch allein der künstlerischen wie wirtschaftlichen Selbstvergewisserung halber, gerade in Zeiten eines vielfach geleugneten und dennoch (oder gerade deswegen) unweigerlich sich beschleunigt ereignenden Klimawandels.

(Eine Treppe ist eine billige Metapher fürs Leben, im Stiegenhaus.)

https://servedby.catbull.com/news/pic/8473/0

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Genau da, also auf dem Halbstock zur Bahn hin, bin ich, vor einer liebevoll drapierten güldenen Rettungsfolie (beschriftet mit »Die Vielen«), gestanden, rechts und links hinter mir Kerzen und vor mir ein quasi atemloses Publikum. Unerhörte Intimität, Spiel zwischen reifenschleifend kreischenden Rangierzügen und maibedingt singenden Vögeln, viel Stille dazwischen.

Glück und Dankbarkeit.

Und das Video gibt’s hier.

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Samstag, 18. Mai 2019
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
qstall | Eröffnung

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/dieEACDE.jpg

Dr. Mütter & die EACDE*: unruh’ im qstall
     *Dr. Berndt Mühlbauer, dermatologische Bassklarinette
     *Dr. Claudia Wiegand, neurologisches Violoncello
     *Dr. Stefan Kressler, notärztlich-praktischer Kontrabass

+ Special Surprise Couple (tiefe Lage, westöstlich, teilw. waldohreulig)
    
a/k/a Duo Stump-Linshalm [quasi zur Approbation von Allem]
     = Petra Stump & Heinz-Peter Linshalm, Bassklarinetten

Posaune, Komposition & künstlerische Letztverantwortung: Dr. Herbert Mütter

Ruhe im qstall
Die Schweine spielen Fußball
Der Ochs stürmt vor und schießt ein Tor
Die Kuh bleibt hinten
Schubandl binden

Es ist nämlich bitte so,

(1) … dass Hans Czerny endlich einen würdigen Präsentationsraum …ääh… präsentiert, es handelt sich um den ehemaligen Kuhstall, und weil man aber Qualität mit Q wie Quåndbiaschtn schreibt, ist’s ab sofort der qstall, wo man seine Zauberweine ab Hof erwerben kann.

(2) … dass Berndt, also mein alljährlich persönlicher Müttermalbegutachter Dr. Berndt Mühlbauer (jaja, Schul- und Blasmusikkollege war er auch, in Steyr, Anfang der 80er-Jahre des vorigen Jahrtausends), unlängst (huch, schon wieder fast ein Jahr!), bei einer geburtstäglichen Feierstunde in den Weingärten des Wagrams auf mich zugekommen ist und mir einen Kompositionsauftrag erteilt hat: »Ich hab da ein Trio mit zwei Kollegen, die wissen zwar noch nichts davon, dass wir zusammen spielen; ich will aber, dass Du ein Stück für uns schreibst.« Nun, ein Stück schreiben ist die eine Sache, dass es aber erst gilt, wenn das Stück öffentlich aufgeführt wurde, die andere. Diese Uraufführung erfolgte im passenden Rahmen der Langen Nacht der Demeterhöfe, alles aber eingebettet in die umfassende gegenwärtige Lange Nacht der Menschheit, wie sie sich nicht nur auf Ibiza emaniert.

Soviel konnte ich vorab berichten: Es wird ein genialisches Fest. Und so kam es auch. Alle waren ful-mi-nant!

Zurück in Wien (mit dem Rad bis Tulln, mit Patschen – MERKE: mit einem Patschen, Scherben liegen überall herum, ist immer zu rechnen; der Spaniel der freundlichen Pickzeugspender hörte auf Basti), hat sich in mir eine große Zufriedenheit und Freude ausgebreitet.

Späterhin, wenn man sich gegenseitig fragen wird »Wo warst du am 18. Mai?« – wir werden’s alle wissen.

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In weiterer Folge besteht mein persönlicher Plan darin, dass ich, bis ich des jeweiligen Fachgebiets als Patient bedarf, ein entsprechendes Ensemble (erweiterbar zum Orchester) von Ärzten jeglicher Disziplin und Spezialdisziplin um mich schare: Es wird den Namen Dr. Mütter’s Leibärzte tragen.

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Freitag, 3. Mai 2019
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 18

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2012/12weinkult11_1.jpg

David Schalko, Sprachliches

Wolfgang Puschnig, Saxophon, Flöte
Christoph Cech
, Wurlitzer, Virus™
Sascha Lackner, Kontrabass
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conférence

Hans Czerny, Eröffnungsredner

Beim WeinKult ist, wie bei unserem Wein, das Beständige am literarisch-musikalischen Programm (der -Kult zum Wein-) dessen stetiger Wandel. Gelingt es unserem Hofintendanten Bertl Mütter jedes Mal, dass neben langjährigen Freunden immer wieder auch neue Künstler zu uns finden, so kommen heuer zwei, bei denen wir uns selbst fragen, warum sie nicht schon längst bei uns zu Gast waren. Ihre Kurzvorstellung hier rahmt das Line-Up der 18. WeinKult-Edition ein:

https://puschnig.com/media/fotogallery/photo_0_gr.jpg

Sagt man in Österreich Saxophon, so fällt einem zuallererst Wolfgang Puschnig ein: Heuer kommt der so vielseitige und erfreulich melodienselige Erzmusikant, und auch seine Flöte hat er dabei.

Mit unvergleichlicher Grandezza wird wieder einmal Sascha Lackner bei uns seinen Kontrabass zupfen und streichen. Nach einer unfreiwilligen Pause im Vorjahr beehrt uns Christoph Cech, inzwischen (auch) oberösterreichischer Landeskulturpreisträger, abermals am historischen Wurlitzer samt Schlagzeug. Alles in allem dräut also druckvoll-subtiles Spielen, welches gerne auch unser – längst pragmatisierter – Bertl Mütter (die Hofintendanz ist des Freiberuflers einzig fixes Amt) mit seinem Schagerl Mut!horn-s für sich reklamieren will. – Wir werden hören und sehen!

Den Rahmen schließend kommen wir zum zweiten Nochnichtdagewesenen, dem unermesslich kreativen David Schalko, der das literarische Freispiel – wenn es sich ergibt, im Infight mit den Musikanten – aufnimmt: Auch das wird so noch nicht da gewesen sein.
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Kurzreport: Alle(s) sehr entspannt, und wären wir nicht beinah alle jenseits der 50, wir müssten sagen: Tschillig. Große Freude und höchster Genuss allseits. DANKE.

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Samstag, 6. April 2019
Kramsach (A)
, Kunstforum, Troadkastn
Soziales Tourismus Jagd
Eine Ausstellung von Realien derselben Wirklichkeit
Hermann Glettler
, Kunst
Bertl Mütter
, Posaune

Hermann Glettler ist von Beruf katholischer Bischof. Zeitlich gedrängt auch Künstler. Bruchstellen und Entzündungsherde des Sozialen macht er zum Thema. In der Realien-Ausstellung von Kramsach auch bildhaft. Er zeigt Bildmontagen der Entleerung und Vernetzung. Übungen des Loslassens, stümperhaft und fehlerhaft. Auch Religion macht Fehler. Abgründig. Gefahr der Überhöhung. Die Entfremdung von Heimat kommt nicht zu kurz. Anders als Tourismus. Menschen werden zu Gejagten. Wir alle sind Jägermeister. Versicherungswahrung. Zweit- und Drittaufnahmezentren müssen eingerichtet werden. Der Fachbereich Realien vermittelt Kenntnisse über die Beziehung des Menschen zu Gesellschaft und Mitwelt. Gott kommt nicht eigens vor. Der Ort der Präsentation ist ein Freiraum des Humanen. Integration findet statt. Der Ausdruck ist zu technisch. Trost und Zuversicht passen besser. Herzliche Einladung zu einer Realien-Show. Der Abverkauf zugunsten von ist vorgesehen. Entsprechende Mittel sind vonnöten.

https://www.stefanglettler.com/site/assets/files/2266/hermann-glettler-space-night.680x0.jpg

Es ist jedesmal eine erfreuliche und zugleich (bzw. deswegen so erfreuliche) heikle Herausforderung, der Kunst meines nunmehr mit einem Plus im Namen versehenen Freund akustisch nahe zu treten.

PS: Die Show ist bis 4. Mai 2019 geöffnet.

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Samstag, 9. März 2019
Plawenn (I),
Ansitz Plawenn
Bertl Mütter in Plawenn
»Zur Faste«

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/plawenn.jpg

Viele Jahre schon kennen und schätzen wir uns, Konrad Meßner und ich, angefangen vom Xong-Festival (und vermutlich davor), als ich seinerzeit mit Franui in Mals war. Plawenn, das liegt nun etliche Meter oberhalb Mals, auf dem größten Schuttkegel (oder heißt’s Schüttkegel?) der Alpen thront der höchstgelegene noch bewohnte Adelsansitz der Alpen auf (ca., die Angaben differieren – Anm.) 1730m ü. d. adriat. Meere. Okkasionell bin ich wieder einmal vorbeigekommen (zuvor habe ich diesmal im Innsbrucker Dom den Aschermittwoch eingeblasen), und diesmal hat’s zum ersten Male gepasst, dass es nicht lediglich eine Denk- und Diskursklausur wurde, sondern auch, dass Menschen gekommen sind, um sich von mir eine notabene konfessionell ungebundene Fasten-Berg-Beschallung mitgeben zu lassen, hinunter ins Tal, und, so bat ich, »man unterbreche mich, sollte es zur Predigt ausarten, dass sollen andere machen, die machen es besser und mit übertragener Autoriät, wer’s glauben mag.«

Ein gelungener Akt der Resonanz war’s, im Idealfall.

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Anmerkung, zur steuertechnischen Klarstellung vlg. Disclaimer:

Meine Mitwirkung bei diesem künstlerischen Ereignis erfolgte als ein auf einer langjährigen persönlichen Beziehung beruhendes sog. persönliches Sponsoring. [Keinerlei materielle Entgelte.]

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Freitag, 30. November 2018, 18.30
Wien (A)
, Glaubenskirche (10., Braunhubergasse 20)
KlangRaumKirche!

»Mit den 3 knaben schwarz samt illustren Gästen zum Jahresausklang nach Simmering!« heißt es in der Aussendung der 3ks. Ich zitiere weiter:

Nebst Britta, Boff und Splinks werden aufspielen:

unsere musikalische Schwester im Geiste Anne Marie Dragosits, diesmal nicht am Cembalo, sondern standortgemäß an der Orgel;

die herzliebe Kerstin Eckert vom famosen Ensemble Fräulein Hona mit ihrer sanften Wunderstimme;

und last not least der unvergleichliche Posaunen-Stimm-Akrobat Bertl Mütter, der die lautere Luft der Glaubenskirche zum Schwingen bringen wird.

Lassen wir das einmal so stehen und freuen wir uns schlicht. Verraten sei: Es wird allo-kulinarisch werden. Dazu ein letztes Zitat, aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen (mehr darf nicht verraten werden), alstern:

In der Pause wird es einen von Denise Narick (Galerie Nuu) kredenzten Eintopf mit Gemüse, Linsen, Kokosmilch und Gewürzen geben, dazu Kräuterjoghurt und Brot. Pfarrerin Anna Kampl hat bestes Bier aus ihrer tschechischen Heimat importiert, auch an Wein wird es nicht mangeln, vermutlich wird auch noch Punsch gepantscht (somit sind die wichtigsten Dinge geklärt)!

Wird gemütlich.

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Der Form halber folgt hier noch eine Anmerkung zur steuertechnischen Klarstellung vlg. Disclaimer:

Meine Mitwirkung bei diesem künstlerischen Ereignis erfolgte als ein auf einer langjährigen persönlichen Beziehung beruhendes sog. persönliches Sponsoring. [Keinerlei materielle Entgelte.]

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Sonntag, 28. Oktober – Samstag, 24. November 2018
Wien (A)
, Konzerthaus, Feststiege (vor dem kalten Lager) bzw. beim Mozart-Saal
Wien Modern 31

http://wienmodern.at/CustomImages/2162_750_Sujet_neu.png?w=500

Bertl Mütter, Unsicherheitsbeauftragter

Verborgen in einem Kabäuschen im Konzerthaus erwartet Sie unser Unsicherheitsbeauftragter: Wie steht es um Ihre (unser aller?) Sicherheit? Verfügen Sie über ausreichend persönliche Unsicherheit, um – wenig wankend nur – durch unsere sosehr auf Sicherheit erpichte Welt zu wandeln? Mit seinem Muthorn gibt Ihnen Bertl Mütter persönlich für Sie erzeugte Klänge mit auf den Weg, zur Bestärkung oder Verunsicherung – ganz wie Sie wünschen!

Zudem wird, wenn nichts dazwischenkommt, der Unsicherheitsbeauftragte an drei gesonderten Terminen ausgewählte Aspekte von Unsicherheit (im Zweifel; panisch; ausgesetzt) einem größeren Kreis darlegen.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/990830_bm_labil_dw.jpg

Hat man mich also als Dapertutto gecastet. Streng auftragsgemäß ist keinesfalls gesichert, was dabei herauskommen wird. Je nach beigeordnetem Veranstaltungsort (Großer Saal/Mozart-Saal) wird man mich in meinem wackelichten Kabäuschen entweder im Bereich Feststiege links – Vor dem kalten Lager oder beim Mozart-Saal-Aufgang rechts auffinden können. Mit diesen Spielorten bin ich vermutlich die Person, die an den unterschiedlichsten Orten im Wiener Konzerthaus aufgetreten ist: Großer Saal, Mozart-Saal, Schubert-Saal, Berio-Saal, Schönberg-Saal, Wotruba-Salon, Foyer Erdgeschoss, Foyer Schubert-Saal, Foyer Mozart-Saal, Feststiege, Vor dem kalten Lager, Rechts vom Mozartsaal. (Wohl ein undotierter Titel. Ohne Mittel.)

Meine Beauftragtentätigkeit ist dergestalt, dass ich im Umfeld fast sämtlicher im Konzerthaus geplanten Veranstaltungen des Festivals Wien Modern dem p.t. publico in fünfminütigen Slots für Einzelkonsultationen zur Verfügung bin (nicht jedoch, keinesfalls: zu Willen!; na gut, etwas bin ich schon willig, zu Willen zu sein). Die Buchung erfolgt unkompliziert direkt vor meinem Gemerk.

Die Darlegung ausgewählter Aspekte von Unsicherheit findet statt wie folgend:

Sonntag, 28. Oktober 2018, ca. 11.00–11.15
Konzerthaus, Schönberg-Saal
»im Zweifel«

(zum Konzert der Wiener Philharmoniker)

Mittwoch, 31. Oktober 2018, ca. 20.15–20.30
Konzerthaus, Wotruba-Salon
»panisch«
(zum Konzert der Wiener Symphoniker »Panic«)

Donnerstag, 22. November 2018, ca. 20.15–20.30
Konzerthaus, Wotruba-Salon
»ausgesetzt«
(zum Konzert des RSO »Der Prozess«)

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Nachgestellt die Ohrwaschl-Kolumne des sehr geschätzten Guido Tartarotti aus dem Kurier vom 3. Juli 2018:

Wir und die Schafe 

Sind wir jetzt das drittsicherste Land der Welt – oder doch nicht?

Die sichersten und friedlichsten Länder der Welt sind laut Ranking des »Institute For Economics And Peace« Island (abgelegene Insel im Norden, zu kalt für Aggressionen, bewohnt nur von Schafen) und Neuseeland (abgelegene Insel im Süden, Aggressionen werden beim Rugby abgebaut, bewohnt nur von Schafen).

Österreich liegt laut dieser Studie (bewertet werden die Kosten, welche für bzw. durch Militär, Sicherheit, Terrorismus und Kriminalität anfallen) auf Platz 3. Wir (irgendwie sind wir ja auch eine Insel, eine der Seligen) leben also im drittsichersten Land der Welt, und das ohne Eismeer in der Nähe.

Interessanterweise brach darüber keine Freude aus. In sozialen Medien und Diskussions-Foren wurde die Untersuchung sofort angezweifelt (entweder ist sie falsch oder sie existiert gar nicht). Erbittert und wütend kämpfen seither viele um ihr Recht, sich unsicher zu fühlen.

Der große Psychologe Paul Watzlawick hätte seine Freude gehabt: Es zählt nicht das, was ist, sondern das, was man glauben will. Sicherheit ist subjektiv.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2013/haindlkaresel.jpg

(Esel oder Schafe: Es macht keinen Unterschied, vermutlich.)

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Als wär's lediglich zwischendurch…

Freitag, 16. – Sonntag, 18. November 2018
Ilhas dos Açores (P), Festival de Música dos Açores

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5a/Azores-map.png/1920px-Azores-map.png

Freitag, 16. November 2018
Horta, Ilha do Faial (P), Teatro Faialense

http://mi.visitazores.com/sites/default/files/styles/slideshow-industries_636_x_246_/public/tf3.jpg?itok=tK_-a5KV

Samstag, 17. November 2018
Lajes do Pico, Ilha do Pico (P)
, Museu dos Baleeiros

http://www.museu-pico.azores.gov.pt/images/nucleos/2P1481128189.jpg

Sonntag, 18. November 2018
Calheta, Ilha de São Jorge (P), Solar dos Noronhas

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c4/Solar_da_Fam%C3%ADlia_Noronha_na_ilha_de_S%C3%A3o_Jorge%2C_fachada_voltada_%C3%A0_estrada%2C_Ribeira_Seca%2C_Calheta%2C_ilha_de_S%C3%A3o_Jorge%2C_A%C3%A7ores%2C.jpg/640px-Solar_da_Fam%C3%ADlia_Noronha_na_ilha_de_S%C3%A3o_Jorge%2C_fachada_voltada_%C3%A0_estrada%2C_Ribeira_Seca%2C_Calheta%2C_ilha_de_S%C3%A3o_Jorge%2C_A%C3%A7ores%2C.jpg


»Journey Towards Silence«

developed & presented by
Florian Berner, cello & Bertl Mütter, trombone

In »Journey Towards Silence«, two eminent musicians are meeting and interfering far beyond any daily concert routine. Their instruments, the cello and the trombone, use to carry similar roles within their families but nevertheless are seldomly played together in the pureness of their warm sounds. Plus, Florian Berner and Bertl Mütter are considerable individualists, open to new experiences and even surprises, too.

Listening to solo music brings us as closely as considerable towards the emergence of a piece of art: The actual player somehow represents the inner occurencies of inspiration and brings it all down to earth, to the ears. Furthermore, an improvising musician is not merely re-enacting music one might already be familiar with but is providing insight directly into the alchemistic process of creating art at first (and only) take.

Not only is »Journey Towards Silence« a double concerto program for trombone and cello, but this unique artistic event may be called a meta-concerto. Especially developed for the Festival de Música dos Açores, the amazing Austrian Soloists Florian Berner (cello) and Bertl Mütter (trombone) are presenting their music not one after the other but interlacing and, finally, even interacting: When Florian and Bertl are performing they become each other’s first listeners—which means far more than it may seem at first sight, since music is firstly derived from devoted listening. The audience has the unique chance to be part of this very intimate creation. The music played—composed by, recomposed and improvised after Bach, Schubert, Ligeti and Mahler (among others)—belongs to the deepest and most personal soundings ever perceived.

»Inner Silence« may be a main topic which the artists will try to pursue, silence amidst all that noise in the world. The Açores, situated between two very noisy zones on the globe, may turn out to be the perfect archipelago for achieving paths back to things of real importance. Thus, »Journey Towards Silence« by Berner/Mütter may be considered as an invitation to wind down and recharge your batteries.

And, of course, life is the greatest, most outrageous journey!

(mission statement)

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The program

Bertl Mütter (*1965)
     01 Gutenacht S:W:M from Schubert:Winterreise:Mütter (2001)
György Ligeti (1923–2006)
     Dialogo from Sonata for Violoncello solo (1948/53)    
Bertl Mütter
     02 Wetterfahne S:W:M
     03 Gefrornetraenen S:W:M
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
     Suite No. 2 in d-minor for Violoncello Solo, BWV 1008 (1720)
Bertl Mütter
     09 Irrlicht S:W:M
     10 Rast S:W:M
Giovanni Sollima (*1962)
     Lamentatio for Violoncello Solo (1998)
Bertl Mütter
     11 Fruehlingstraum S:W:M
Peter Sculthorpe (1929–2014)


     Lux Aeterna from Requiem for Cello Alone (1979)
Bertl Mütter
     invenzione d’entro il vento (2004)
Peter Sculthorpe
     Lux Aeterna (Reprise)
Bertl Mütter
     20 Wegweiser S:W:M
Johann Sebastian Bach
     Sarabande from Suite No. 5 in c-minor for Violoncello Solo, BWV 1011 (1720)
Bertl Mütter
     24 Leiermann S:W:M
Bertl Mütter
     Silence. J’entends mon oreille – for Trombone & Violoncello (2018; Estreia)
Johann Sebastian Bach
     Ich ruf’ zu dir, Herr Jesu Christ from Orgelbüchlein, BWV 639 (1720)

Encore: Grigor Narekatsi (951-1003)
     Havun Havun (Armenian, 10th century)

Other works & improvisations to be performed spontaneously à discrétion.

Duration: ca. 70-75’ (1 Set, no intermission)

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The Artists

Florian Berner (*1973, Vienna/Austria) is one of the leading cello players of his generation. As founding member of the Hugo Wolf Quartett (1993) and the Alban Berg Ensemble (2016) he has toured all around the globe, gives high end master classes and, since 2013, is cello-professor at Klagenfurt Conservatory. Florian’s instrument is a Nicolò Gagliano, Napoli 1819.

http://www.albanbergensemblewien.com/uploads/9/8/5/8/9858735/published/dsc-0132.jpeg?1519676480https://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27243_500px.jpg

Bertl Mütter (*1965, Steyr/Austria) may be called the great Austrian trombone individualist. Coming from a jazz background he transforms any music appealing to him into a very personal language. He is also spezialized in appearing at uncommon places and extraordinary acoustic environments. As first-ever graduate Bertl holds a Dr.art. degree from the Graz Music University (2013) and is a Schagerl endorser, his actual trombone the Muthorn-s, Mank 2002/17.

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So kann’s gehen. Man geht zur Haindlkarhütte und kommt ins Reden. Und reist auf die Azoren, um dort auf drei Inseln eine neue künstlerische Begegnung zu zelebrieren. (Beim Wort »zelebrieren« hat sich der Schreiber dieser Zeilen vertippt und stattdessen »telebrieren« geschrieben; wie treffend!)

Nach unserer ersten (zielgerichteten – man kannte sich natürlich) Begegnung darf ich sagen:

»Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.«

Dieses allzustrapazierte Zitat ist hier bitteschön nämlich schon zulässig: Wird ja auch via Lissabon in den Westen geflogen.

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Kürzestresumée: Es war bezaubernd, die Menschen, die Orte. Schriebe ich mehr, ich geriete allzusehr in ein unglaubwürdiges Schwärmen. Danke, lieber Rui, danke lieber Thomas & lieber Botschafter Zischg, der uns einigermaßen animierend begleitet hat.

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Donnerstag, 11. Oktober 2018
Klagenfurt (A)
, Konse (Konzerthaus, Neuer Saal)
»Journey Towards Silence«
Eine atlantische Begegnung aus dem Ohrenwinkel
mit Florian Berner, Violoncello, und Bertl Mütter, Posaune
Musik von und nach Bach, Schubert, Ligeti, Sculthorpe, Sollima und Mütter

Stapellauf-Konzert zum Festival de Música dos Açores (November 2018)

https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/42631148_1833914566729165_1377986625664974848_n.jpg?_nc_cat=101&oh=11c1a2acead3d86ab142ff2292b2abd8&oe=5C1E4AB6

Sie kennen einander aus den Augenwinkeln, als Musiker, die sich über die Jahre ein recht persönliches Profil erspielt haben. Da ihr erstes gemeinsames, das Stapellaufpodium, in der Stadt Gert Jonkes steht, führen wir hiermit den Begriff Ohrenwinkel ein. Die wenden die beiden nämlich einander zu, staunend vor der Exzellenz des Anderen.

Das musikalische Hören beginnt in der völligen Stille, und die scheint heutzutage schwieriger zu ertragen als das Gebrüll der Welt jenseits aller Schmerzgrenzen. Berner und Mütter neigen dieser Stille, dem Schweigen zu. Es könnte also das in Klagenfurt erstmals präsentierte Programm ein pazifisches heißen. Da es die beiden bald aber buchstäblich mitten im Atlantik spielen, nennen sie es eine atlantische Begegnung.

Wohnt doch jeder Stille mächtigste Aufwühlung inne.

Lendkanal *

Der Kanal


die Böschung


und das Gras auf der Böschung

Die Spiegelung der Böschung im Kanal und

die Spiegelung des Grases


auf der Böschung im Kanal

Die dreifache Bewegung des Grases:

erstens die Bewegung des Grases im Wind


zweitens die Spiegelung dieser Bewegung des Grases im Wasser

und

drittens die Bewegung der Spiegelung dieser Bewegung des Grases

auf den Wellen hinterm vorübergleitenden Motorboot

Der Mann hinterm Lenkrad schaut aus


wie ein berühmter Kapitän


Er nimmt sich den Münzteller vom Kopf

und winkt zurück.


(Unser Stapellauf erfolgte unweit des Lendkanals, Kurs westwärts.)

____________________
*Gert Jonke, in: Alle Gedichte. Jung und Jung, 2010 (S. 14).

Kurzbios (wie sie zur Veröffentlichung freigegeben wurden)

Florian Berner (*1973, Wien) studierte an der Wiener Musikuniversität bei Angelica May und dem Alban Berg Quartett sowie bei Mario Brunello in Italien. Er gründete 1993 das Hugo Wolf Quartett und ist mit diesem Ensemble seit über zwei Jahrzehnten in allen Musikzentren der Welt zu Gast. Ausgedehnte Konzertreisen führen ihn durch ganz Europa, nach Asien, Süd- und Nordamerika, die Carnegie Hall NY, Cité des Arts, Paris, Berliner Philharmonie, Kammermusikfest Lockenhaus etc. Berner war »Rising Star 1998«, Preisträger des »Sonderpreises der Wiener Philharmoniker« und des »Europäischen Kammermusikpreises«. Zahlreiche CD Aufnahmen erschienen bei VMS, cpo, CamJazz, Gramola und Extraplatte.
2016 war er Mitbegründer das Alban Berg Ensemble Wien, das einen eigenen Konzertzyklus im Wiener Musikverein präsentiert und in Ossiach das Festival BERGfrühling ins Leben gerufen hat.
Florian Berner hält Meisterkurse an zahlreichen amerikanischen Universitäten, war Dozent für das Simon Bolivar Youth Orchestra, für ((superar)), das Norwegische Jugendsymphonieorchester, die Ötztaler Kulturwochen, Verona Summer Festival uvm. Seit 2013 ist er Professor am Landeskonservatorium Klagenfurt.

http://www.albanbergensemblewien.com/uploads/9/8/5/8/9858735/published/dsc-0132.jpeg?1519676480https://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27243_500px.jpg

Bertl Mütter (*1965, Steyr) gilt heute als der große österreichische Posaunenindividualist. Man könnte sein Spielen ein Hörbarmachen durch die Posaune nennen: Mit bannender Präsenz erkundet er Musik, die ihn besonders berührt, sei das nun Schubert, Mahler oder entfernteren Traditionen entstammendes. Außerdem lädt der promovierte Doctor artium in seine Schule des Staunens, u.a. ins Wiener Konzerthaus. Als Komponist ersinnt er gerne Musiklaboratorien, 2016 etwa bei Musiktheatertagen Wien mit OPERAN! Übers Entkommen sein erstes dezidiertes Musiktheaterwerk – Utoperan! folgt 2019. Seit eineinhalb Jahrzehnten leitet Mütter den Improvisationskurs Spielen! beim Musikforum Viktring-Klagenfurt. Bertl Mütter lebt als freischaffender Musiker, Komponist und Schriftsteller in Wien, Steyr und unterwegs. Seine exklusive Schagerl-Posaune ist das Muthorn-s.
Nachtrag aus der distanzierten Nähe: Im offiziellen Nachruf der Kunstuni Graz schrieb man: »Zu Erich Kleinschusters zahlreichen erfolgreichen Studierenden zählen u.a. Wolfgang (sic!) Muthspiel, Bertl Mütter oder Andreas Mittermayer.« – Bitte, die müssen das wissen!
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((Programm: Siehe weiter unten, November 2018))

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Rezensionsnotiz, Zitat:

Zu zweit durch Raum und Zeit
Berner & Mütter im Neuen Saal

(…)
Was gleich auffällt: Florian Berner & Bertl Mütter, sie hören einander gerne zu. Nicht nur darin ergänzen sie sich in nachgerade idealer Weise, nämlich auch, wie sie, ihn nutzend, den Raum sinnlich erkunden – das ist weit weniger banal, als es aufs erste scheinen mag: Während der eine mit seinem Bogen den Horizont von links nach rechts und wieder zurück absucht, patroulliert der andere mit dem Posaunenzug die y-Achse entlang in der Vertikalen. Da dies, wenn sie von Mal zu Mal auch scheinbar aufhebend, in der Zeit passiert, ist das Spiel von Berner & Mütter also alles andere als eine flache Sache – was sich bei ihrem »Stapellaufkonzert«, das das Konse die Freude hatte, präsentieren zu dürfen, aufs eindrucksvollste erwiesen hat.

So kam es, dass, nach unerhört kurzen eineinhalb Stunden, die nach und nach (mit teils heftigsten Aufwühlungen – Ligeti, Bach, Mütters Schubert-Referenzen; besonders intensiv in der im Duo dargebotenen »Lamentatio« von Giovanni Sollima) zur Stille sich neigenden Klänge in Mütters »Silence. J’entends mon oreille« (UA!), sowie im finalen, jedweder Schnörksel entkleidetem Bach-Choral dem erfreulich zahlreich erschienenen Publikum nichts anderes übrigzulassen schienen, als dass es sich, derart bewegt, regelrecht von den Stühlen erheben musste, langer Applaus. 

Ein denkwürdiger Abend. Wir dürfen hoffen, die beiden Ausnahmekünstler mit ihren so offenen Ohren gehen nicht verloren auf den Azoren.

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Donnerstag, 4. Oktober 2018
Wien (A)
, Österreichische Gesellschaft für Literatur
Thanksgiving für ein Habitat – W. H. Auden in Kirchstetten
Präsentation des Buches durch Helmut Neundlinger, den Anglisten Timo Frühwirth und die Übersetzerin und Lyrikerin Uljana Wolf.

Musikalische Gestaltung: Bertl Mütter

http://www.literaturedition-noe.at/images/buecher/2018/thanksgiving-gross.jpg

Im hintersten Winkel der Wienerwaldgemeinde Kirchstetten findet sich ein Gedächtnisort der Weltliteratur. Bewohnt und besungen wurde er vom Fast-Nobelpreisträger, Jahrhundertdichter und bekennenden Pantoffelträger W. H. Auden (1907–73). Auch wenn er ›nur‹ die letzten 15 Sommer seines Lebens in dem abgeschiedenen Häuschen mit der malerischen Adresse Hinterholz 6 verbrachte, entwickelte sich das Gebäude zu einer Art Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Seit vielen Jahren fungiert die im ehemaligen Arbeitszimmer und dem angrenzenden Dachgeschoß eingerichtete und 2015 runderneuerte Gedenkstätte als Pilgerstätte für Auden-Fans aus der nahen und fernen Welt.

Die vorliegende Publikation hebt an mit einer Neuübersetzung des Zyklus ›Thanksgiving for a Habitat‹ (1965), in dem Auden jedem Raum seines Hauses ein Gedicht gewidmet hat. Für die Übertragung konnte mit Uljana Wolf eine der renommiertesten Dichterinnen und Übersetzerinnen der deutschsprachigen Literaturszene gewonnen werden.

Darüber hinaus versammelt der Band Beiträge, die sich mit Audens Beziehung zum Haus, zur Land und Leuten in Kirchstetten und Wien auseinandersetzen. Entstanden ist ein Kaleidoskop von Reflexionen über einen freundlichen Außenseiter, der sich zu Lebzeiten durchaus als Kirchstettner fühlte und doch zur Bevölkerung weitgehend auf Distanz blieb.

Die junge Wiener Fotografin Carmen Auer hat die Spuren und Zeichen des Dichters in den vier Wänden seiner Wahlheimat für den Band in einem beeindruckenden Foto-Essay festgehalten.

(Bewerbung des Bandes auf literaturedition-noe.at)

Eine besondere Freude war es, Uljana Wolf, die kongeniale Übersetzerin der Lyrik Audens, in unserer Mitte zu haben. Für ihre Leistung hat sie meine uneingeschränkte Bewunderung:

»I have no gun, but I can spit.«
»Ich schieße nicht, doch meine Spucke ätzt.«

W. H. Auden, übersetzt von Uljana Wolf

Insgesamt war es dank lebhafter und kenntnisreicher Beiträge auf dem Podium und in der Folge auch mit dem Publikum, in dem etliche Zeitzeuginnen und Zeitzeugen waren, eine äußerst stimmige Veranstaltung in perfektem Rahmen, irgendwie auf erfreuliche Art unspektakulär. Zwischendurch einmal auch ein Nicht-Event tut schon sehr gut.

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Dienstag, 11. September 2018
Wien (A)
, Kreisky-Forum
Günter Wels: Edelweiß

http://www.czernin-verlag.com/media/product-images/fullsize/1133.jpg

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist
Musikalische Gestaltung: Bertl Mütter, Posaune

Im Frühjahr 1945 springt Friedrich Mahr, Deckname Edelweiß, als Leiter eines Spezialkommandos aus einer zweimotorigen B-26 der U.S. Air Force über deutschem Reichsgebiet bei Salzburg ab. Der OSS-Agent hat den geheimen Auftrag, Informationen über die von Hitler angeblich geplante Alpenfestung einzuholen.

Günter Wels erzählt in seinem Debütroman die packende Geschichte eines Fallschirmagenten-Einsatzes im Zweiten Weltkrieg. Er schildert Mahrs Desertion an der Westfront, die Spionage-Schulung in einem französischen Ausbildungslager und den dramatischen Überlebenskampf, den »Edelweiß« während der letzten Kriegswochen zu bestehen hat.

»Edelweiß« ist eine Geschichte über Krieg, Moral, Schuld, Mut und die Grenzen des Rechts. Erzählt wird sie anhand der festgehaltenen Erinnerungen des Protagonisten. Seine Tochter findet diese Aufzeichnungen viele Jahre später, während Mahr im Sterben liegt. Auch ihr Leben wird durch die Ereignisse spät, aber doch, durcheinandergewirbelt.

Günter Wels, geboren 1963 in Bad Ischl. Aufgewachsen in der oberösterreichischen Statutarstadt Wels. Unter dem Namen Günter Kaindlstorfer arbeitet er als Journalist u.a. für den ORF, den Deutschlandfunk, den Bayerischen Rundfunk, den WDR, den SWR, das Schweizer Radio SRF und für 3sat. 2010 veröffentlichte er den Erzählband »Maitage«.
Bertl Mütter, freier Musiker, Komponist und Autor. Aufgewachsen in der oberösterreichischen Statutarstadt Steyr. [Anm. beigef. v. pseudonyml. Namenstr.]

Also es ist bitte so: Der liebe Günter Kaindlstorfer hat mich gefragt, ob ich bei der Präsentation des Buches seines äußerst engen Angehörigen Günter Wels spün tarat…

… »Das machen wir doch glatt!«

… & so war’s!

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Samstag, 1. September 2018
St. Marein bei Neumarkt/Stmk (A)
, Schloss Lind
Inner Soundscapes

http://austria-forum.org/attach/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Lind/lind%20b%20neumarkt.jpg

Eine multimediale Entdeckungsreise in die unterschiedlichsten (alb)traumartigen Stubenwelten von Schloss Lind. Mit Bertl Mütter, Sigrid Elisa Pliessnig, Martin Schinagl, Sarah Kobald, Martha Laschkolnig, Corina Kuhs, Sebastian Staudinger, u.a.; Inszenierung: Andreas Staudinger.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2018/180815_tb_bassin_lind.jpg

Mir wurden Bad und WC zugesprochen. Ich habe einen explizit nicht indiskreten Hörblick ins Domizil Wystan Hugh Audens geworfen, der in »Thanksgiving für ein Habitat« jedem Raum seines Refugiums der späten Jahre in Kirchstetten bei Altlengbach (NÖ) ein Kapitel gewidmet hat, konsequenterweise also auch Häusl und Bad.* 

Bis heute fasziniert und irritiert die zuweilen frivole Vermischung vermeintlich großer und kleiner, bedeutender und unbedeutender Dinge und Sachverhalte.

»In Kirchstetten« (…) »konnte er endlich der sein, der er glaubte zu sein: ein alter Kauz, der die Welt vor 1914 jener von nach 1945 vorzog.« Jenseits dieser doch recht grellen Vereinfachung vollzog Auden in Kirchstetten eine letzte radikale Zuspitzung: Von öffentlichem Interesse erschien ihm alles, nur nicht das, wonach die in den 1960ern via Massenmedien heraufdräuende Gesellschaft des Spektakels (Guy Debord) gierte.**

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Bertl Mütter: »The Good Bad (and the gårnedso Ugly)«

Einem fremden Raum (als Gast auf einem merkwürdigen Schloss) mit gleichwohl geläufiger Bedeutung kann ich mich nicht mit vorgetäuschter Vertrautheit nähern. Es gilt, eine adäquate Versuchsanordnung zu installieren.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2018/180817helenundwerner.jpg

Ich habe also ein befreundetes interkulturelles Paar gebeten, mir aus Audens Langgedicht jene über WC und Bad vorzulesen. Helen Miles (Britin; spricht Deutsch mit britischem Akzent) und Werner Petermandl (Österreicher; spricht Englisch mit österreichischem Akzent) klingen äquidistant fremd zu Audens Poesie (und seiner kongenialen Übersetzerin Uljana Wolf). Es erscheint mir nachgerade notwendig, dass die beiden keine professionellen Sprecher/innen sind: Erst eine (zugegeben: artifizielle) Privatheit, wie jene, in der Helen und Werner sprechen, kann einen üblicherweise streng privat aufgesuchten Bereich authentisch (und kollektiv) erfahrbar machen:

Werner and I will certainly put on our best reading voices to capture Auden’s sentiments about toilets.***

Die simultan englisch und deutsch hörbaren Gedichte Audens sind nun, dezent grob verhallt, leicht verfremdet als Sprach- und Klanginstallation im Raum präsent und bilden so den einen Teil eines Dialogs, dessen anderen improvisando und da lontano die Posaune übernimmt (auch so ein schönes Goldenes Klo), (er-)läuternde Ergänzungen also von einem Künstler, dessen Profession es nun einmal ist, sich gegen Bezahlung öffentlich zu entäußern.

Außerdem tröpfelt es hörbar ins gemauerte Bassin beim Eingang. Das Publikum bekommt es mit vielfach verschwurbelten sinnlichen gleichwie kognitiven Eindrücken zu tun: Wenig gibt es da zu verstehen, vieles indes zu begreifen – und wer weiß, wird manche/n ein schwer definierbarer Wasserlassdrang überkommen?

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… so schrieb ich; indes, lediglich vier- oder fünfmal habe ich die recht imposante Spülung als beglückenden Beitrag zur Installation hören dürfen, dieweil ich in einer Vitrine eingeschlossen war, und wenn ich mich nicht bewegt habe, haben manche Leute geglaubt, ich sei aus Wachs.

Wachsen, immer weiter wachsen, darum geht’s doch, auch in Bad und Toilette.

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* VI. The Geography Of The House bzw. VII. Encomium Balnei. In: Thanksgiving für ein Habitat. W. H. Auden in Kirchstetten. Herausgegeben von Helmut Neundlinger. St. Pölten: Literaturedition Niederösterreich, 2018. (Aus dem Englischen von Uljana Wolf.)

** Helmut Neundlinger: »Reinventing himself as a European« – Auden, das Haus und die Welt. In: Thanksgiving für ein Habitat.

*** Helen Miles in einer privaten Nachricht. (Zu ergänzen wäre: »… and bathrooms«.)

http://www.schlosslind.at/wp-content/uploads/STUBEN-logo-2-1.jpg

Im Rahmen des Festivals STUBEN►rein, in Kooperation mit der Holzwelt Kultur.

Generell ist es stets ein Privileg, von Britta und Andreas ins Schloss geladen zu werden.

Besonderer Dank an Michael Atteneder für die Produktion des als abendliche Morgengabe ausgegebenen unverkäuflichen Musters.

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Sonntag, 5. August 2018
Steyr (A)
, Berggasse 4
Au|di|ti|on
Eine Tour d’Imagination aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut am Muthorns

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix300dpi/161118_CZ28790_lauscher.jpg
»Meine Ohren sind meine Augen«                                                          Foto(s) © Christof Zachl

Au|di|ti|on steht für: (1) Auditive Wahrnehmung (Hörvermögen); (2) ein individuelles Hörerlebnis in der Religion; (3) eine Bewerbung in der Unterhaltungsbranche; (4) einen japanischen Horrorfilm aus dem Jahre 1999. Da der Filmtitel an Bedeutung (3) andockt, tasten wir die Rillen (1) bis (3) ab, in stetig wie willkürlich wechselnder Abfolge: Die Nadel will springen!

Fangen wir bei der Hörschwelle an, wo auch sonst: Was hören? Was für ein Hören? Welche Botschaften? Höhere Mächte? Höheres Hören? … Meine Ohren sind meine Augen. Und meine Posaune ist mein Hörrohr, Hörbarmachrohr, und das passt sich individuell an, wie es sich gerade schickt (opportet). Weil genau so bequem brauchen wir es in dieser Zeit (in illo tempore), sonst gefällt man nicht sondern wird es, wie Mahlers Held in der Tragischen.

Wie nennt man eigentlich das Gegenteil von Hörschwelle? Hörgrenze? Schmerzschwelle? Wie geht es weiter? … Keine Angst, ich spiele nur, es tut nicht weh, sicher nicht. Meine Tinnitusbehauptung ist nur temporär: Wer Auditionen hat, braucht keinen Arzt. Und die Musik, wusste schon Monteverdi zu fordern, muss vorausdenken; allzu billig ist es, im Nachhinein schon vorher klüger gewesen zu sein.
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Mit Au|di|ti|on habe ich meinen solidarischen Beitrag zum heurigen Aktionstag von kunstwoche.at geleistet, es ist das eine beispiellosen Selbstausbeutungsinitiative vermittelst Hapé Schreiberhubers. Beispiellos, das meint: Hoffentlich nicht beispielgebend. Nämlich: Künstlerische Arbeit ist etwas wert. Auch wenn sie nichts kostet.

Und, sei’s gesagt: Es erscheint mir etwas billig, wenn die Stadt Steyr mit großmütiger Geste ihre Patronanz über diesen Aktionstag ausspricht. Die hängen sich etwas um, das ihnen nichts kostet. Immerhin wird der Veranstalter für seine Aktivitäten nicht verklagt; ohja, es gibt so etwas wie passiven Zynismus.

Weit haben wir’s gebracht im Oberösterreich. Jedoch in Steyr wird es nicht soo leicht gehen, sich auf’s schwarz-blaue Land hinauszureden.
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Die Stimmung im finster werdenden Innenhof der ehemaligen Volksschule – angrenzend das (ehemalige) Polizeigefängnis, im Volksmund ›da Fisoinberg‹; oben noch die Stacheldrahtrollen – hat ein feines Hören und Spielen möglich gemacht. Alles gänzlich unspektakulär, und sowas tut schon einmal recht gut. Danke.

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Samstag, 28. Juli 2018
Gmünd (A)
, Eisenberger Fabrik
Maria Moser
Die Monumentalität der Dinge

Ausstellungseröffnung
mit
Maria Moser, Malerei
Dr. Herbert Mütter, Worte
Bertl Mütter, Musik

Es sind ganz konkrete Gegenstände, die Maria Mosers bildnerische Energie seit jeher angeregt haben. Dinge, die zu Anfang fast immer in einem biographischen Bezug zu ihr selbst standen. Maria Moser benützt auch die ehemalige Schlosserei, die einmal ihrem Vater gehört hatte, als Atelier. Dass sie dort arbeitet, hat nichts mit nostalgischer Aneignung zu tun. Man hat den Eindruck, als habe sie in der alten Werkstatt ein Erbe angetreten.
(Ankündigungstext)

Richard Pils hat mich gefragt, ob ich wieder in der Eisenberger Fabrik spielen will. Sehr gern, und die Bilder von Maria Moser sind überaus inspirierend, nämlich:

https://bibliothekderprovinz.at/media/events/fabrik_2018_moser.jpg

Dem Herz der Dinge nachzugehen.

Die Eisenberger Fabrik für sich ist übrigens auch bereits ein lohnendes Reiseziel.

(Aber ohne Maria Moser gibt’s sie ohnehin nicht: Gut so.)

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»Mit musikalischer Einführ/lung durch Dr. Herbert Mütter auf der Posaune«, hat Richard Pils auf dem Einladungsflyer getextet, und so war es. Mein Referat hat demgemäß derartig angehoben:

Meine Damen und Herren,
ich stehe heute vor Ihnen als ein Phänotyp, jedoch in zwei Erscheinungsformen. Wenn ich zu Ihnen spreche, so tut das, mit der Lizenz zum Reden, Dr.art. Herbert Mütter; die Klänge auf dem Muthorn-s kommen vom Posaunisten Bertl Mütter. Das bedingt, dass der eine heute oftmals verbal lediglich in Halbsätzen redet, die Musik des anderen soll sie ergänzen. Darüber mögen die Bilder von Maria Moser stehen (oder hängen). Alles zusammen aber stehe unter einer Großen Klammer, einer Umklammerung, einer, wir sehen es, warmen, magmatischen Umklammerung, bedrohlich warm, aber der Herbst und der Winter sind uns gewiss.
Wie es dann aber weitergeht, wissen wir nicht; können wir nicht wissen.

(Wen es interessiert, wie ich weitergeredet habe, dieoderder kontaktiere mich und ich schicke das Manuskript zu.)

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Sonntag, 22. Juli 2018
Viktring (A)
, Kellertheater
Die vierzehnte Galanacht der Improvisation

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2018/180721dac.jpgDie Actuelle Capelle 2018, 21. Juli 2018

Vorweg ein Geständnis: Strenggenommen kann Bertl Mütter – als Kind vom Papa oft und gern Wasserratz oder auch ’taufte Maus genannt – nicht schwimmen. Und deshalb kann natürlich auch Die Actuelle Capelle (DAC) gar nicht schwimmen können: Allesamt sind wir Steinfische, in des Steines allerplumpsendster Bedeutung.

Alle Kunst ist unnütz. Es ist noch mit keiner Musik irgendwo ein Nagel eingeschlagen worden. Zu Musik, das ja, wir haben es schon im Kindergarten gelernt: »Wer will fleißige Handwerker seh’n« – das Urbild des Working Songs. Aber darum kann es nicht gehen, es wäre allzu beschwichtigend, abwiegelnd, in diesen Tagen, die zu Nächten werden.

Eine von E. M. Ciorans Exercises négatifs lautet »Unbrauchbarer sein als ein Heiliger«. Was nützt etwa ein seinen Darm irgendwie doch nicht ganz unfreiwillig spendender Märtyrer oder andere Kollegen, wie sie sich im Freskensaal so devot-stolz mit ihren Epitheta präsentieren? (Zumeist, das nebenbei, handelt es sich um bärtige, alte Männer.)

Aber natürlich benötigen wir das Unbrauchbare, gerade wie es in Viktring zelebriert wird, von den (salopp und mit Respekt so genannten) Flötenkindern bis zu den Jazzdamen samt sämtlichen sonstigen Podiumsheldinnen und -helden von morgen, übermorgen und vorgestern; namentlich DAC würde sich, gesetzt, das Unbrauchbare erwiese sich tatsächlich als sinnlos, ganz sicher nicht alljährlich zum SPIELEN! versammeln. Jedoch das, was wir tun, ist sinnstiftend, aufs Höchste sinnstiftend! Es ist das pure Klingen, in sämtlichen erdenklichen Rauigkeitsabstufungen, wie sie das Leben eben liefert. Und damit zu hantieren, das ist allerdings harte (härteste) Arbeit, die an die Grenzen der Verstörung heranreichen kann. Gespielt wird nämlich sowieso immer das gleiche (irgendwas) und stets zu laut oder zu leise oder zu unterschiedlich oder just das Gegenteil, und dann knackt es noch so grauenhaft und niemand schaut zum Leiter, der sowieso immer die Augen zu und durch hat.

Genug geklagt. Nehmen wir aus der Mühe das -sam heraus und setzen wir es in aller Stärke ein: Wiese! Allemal ist es es wert, all diese Samen keimen und hochtreiben zu lassen. In unserer monokulturell verwirtschafteten und homogenisierten Welt ist die Bunte Wiese, die Sommerwiese, längst an den Rand des Aussterbens gelangt. Das Aufstehen dagegen kann jedoch kein zeitgemäß brüllzender Protest sein, vielmehr passiert es subtil (dabei brachial – ja, das gibt’s!), ohne viel Aufhebens. Und wie es in der Wahren Wiese keine Erste Blume geben kann, versteht sich DAC als metamusisches Ökosystem. In ihm gedeihen in fröhlich-gelassener Symbiose die absonderlichsten Gräser, Blumen, Kleee, Käfer, Würmer und was sonst noch alles blühen und gedeihen und vergehen mag.

MERKE: Wohl sind gelbe Löwenzahnwiesen schön anzuschauen, allzubald aber werden sie recht fad; zumindest, wenn man einmal die Bunte Wiese erlebt – am besten, indem man sich und die anderen hineinlegt.

Ich kann schwimmen wie die andern, nur habe ich ein besseres Gedächtnis als die andern, ich habe das einstige Nicht-schwimmen-können nicht vergessen. Da ich es aber nicht vergessen habe, hilft mir das Schwimmen-können nichts und ich kann doch nicht schwimmen.
Franz Kafka

Also laute die Devise: Tauchet ein in diese Wiese!

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Zitatnachweis / Literatur
Emile Cioran: Syllogismen der Bitterkeit, Religion, in: Werke, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2008 (S. 925).


Franz Kafka, Notiz (1920) zum Schwimmer-Fragment, in: Ders., Nachgelassene Schriften und Fragmente II, hg. v. Jost Schillemeit. Frankfurt/M.: Fischer, 2002 (S. 334).
_______________________

Die Actuelle Capelle (DAC) 2018

     Erich Berger, E-Bass

     Edgar Hättich, special Guest


     Maria Alraune Hoppe, Allerlei

     Reinhard Latritsch, E-Piano

     Markus Lorber, E-Gitarre
    

Werner Sattlegger, Gitarre

     Johannes Schwarzgruber, Dreierlei

     Karin Tobisch, Hackbrett

     Johnny Traar, Altsaxophon


     Evelin Woitsch, Primadonna

     Bertl Mütter, Mut- und Wunderhorn, SPIELENtrainer

Wir danken Miriam Egger fürs MitSPIELEN.

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Nach-Notiz

Die Galanacht der Improvisation erweist sich immer wieder als Jahreshöhepunkt und scheint sich zudem zu so etwas wie einem weitbekannten Geheimtipp entwickelt zu haben. Tiefe Verneigung also vor unserem so treuen Publikum. Und vor allen meinen Spielerinnen und Spielern. Jedes Jahr berührend auch die einleitenden Worte von Festivalleiter Werner Überbacher, der auch diesmal wieder seine buchstäbliche Sonntagsrede uneingeschränkter Wertschätzung gehalten hat. Per definitionem ist ja jede sonntags gehaltene Rede eine S.; schön ist zudem, wenn die in S. erwähnten Löblichkeiten an den anderen Tagen der Woche derart tätig eingelöst werden.

Bei aller dankbarer Abschiedswehmut WÜ betreffend sind wir freudig gespannt auf den frischen Wind, der sich anschickt, ab 2019 den Süden Klagenfurts zu durchwehen. Wir sind dabei!

(…und wild darauf, mehr als das konzeptionelle Feigenblatt einer a posteriori konstruierten Urbedeutung abzugeben.)

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Sonntag, 15. – Sonntag, 22. Juli 2018
Viktring (A)
, Musikforum Viktring-Klagenfurt 
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die jährlich sich aufs neue konstituierende ACTUELLE CAPELLE ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im bereits vierzehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELENden ohnehin immer ganz von vorn anfangen müssen dürfen.

2018 gibt sich das Musikforum (strengintern) das sinnige Motto DURCHATMEN.

Dem wollen wir uns mit einem tief empfundenen Ahhhhh…! anschließen.

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/nur_spielen.jpg

SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im landläufigen Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Arkadenhof tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


AnSPIELEN: Sonntag, 15. Juli 2018, 15.00
Stift Viktring (A), Arkadenhof (beim Caffè-Trinken)

Gespielt wird täglich in zwei Blöcken (10.00–13.00, 14.00–17.00; flexibel nach gemeinsamer Übereinkunft; in Summe und inkl. Soundcheck und Konzert 14 Module).

Unterrichtssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Latein.

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Sonntag, 15. Juli 2018
Viktring (A)
, Stiftskirche
Au|di|ti|on
Eine Tour d’Imagination aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
(Trombonaut an Mut- und Wunderhorn)

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix300dpi/161118_CZ28790_lauscher.jpg
»Meine Ohren sind meine Augen«                                                          Foto(s) © Christof Zachl

Au|di|ti|on steht für: (1) Auditive Wahrnehmung (Hörvermögen); (2) ein individuelles Hörerlebnis in der Religion; (3) eine Bewerbung in der Unterhaltungsbranche; (4) einen japanischen Horrorfilm aus dem Jahre 1999. Da der Filmtitel an Bedeutung (3) andockt, tasten wir die Rillen (1) bis (3) ab, in stetig wie willkürlich wechselnder Abfolge: Die Nadel will springen!

Fangen wir bei der Hörschwelle an, wo auch sonst: Was hören? Was für ein Hören? Welche Botschaften? Höhere Mächte? Höheres Hören? … Meine Ohren sind meine Augen. Und meine Posaune ist mein Hörrohr, Hörbarmachrohr, und das passt sich individuell an, wie es sich gerade schickt (opportet). Weil genau so bequem brauchen wir es in dieser Zeit (in illo tempore), sonst gefällt man nicht sondern wird es, wie Mahlers Held in der Tragischen.

Wie nennt man eigentlich das Gegenteil von Hörschwelle? Hörgrenze? Schmerzschwelle? Wie geht es weiter? … Keine Angst, ich spiele nur, es tut nicht weh, sicher nicht. Meine Tinnitusbehauptung ist nur temporär: Wer Auditionen hat, braucht keinen Arzt. Und die Musik, wusste schon Monteverdi zu fordern, muss vorausdenken; allzu billig ist es, im Nachhinein schon vorher klüger gewesen zu sein.

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Hernach (im Nachhinein) hat es geheißen,

dass sowas wie eine Entrückung geschehen sei.

(Sowas könnte man dann doch eher nicht im Vorhinein behaupten, dass es sich ereignen würde, es wäre ja doch allzu anmaßend.)

Nun, mir ist so etwas wie absichtsfreies pures Spiel gelungen. Das ist allerdings alles andere als alltäglich. 

Große Rührung und Entrücktheit unter den Umstehenden.

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Samstag, 7. Juli 2018
Kirchstetten (A)
, Hinterholz 6 (sic!)
Thanksgiving für ein Habitat – W. H. Auden in Kirchstetten
Präsentation des von Helmut Neundlinger herausgebenen Buches

http://www.literaturedition-noe.at/images/buecher/2018/thanksgiving-gross.jpg

Im hintersten Winkel der Wienerwaldgemeinde Kirchstetten findet sich ein Gedächtnisort der Weltliteratur. Bewohnt und besungen wurde er vom Fast-Nobelpreisträger, Jahrhundertdichter und bekennenden Pantoffelträger W. H. Auden (1907–73). Auch wenn er ›nur‹ die letzten 15 Sommer seines Lebens in dem abgeschiedenen Häuschen mit der malerischen Adresse Hinterholz 6 verbrachte, entwickelte sich das Gebäude zu einer Art Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Seit vielen Jahren fungiert die im ehemaligen Arbeitszimmer und dem angrenzenden Dachgeschoß eingerichtete und 2015 runderneuerte Gedenkstätte als Pilgerstätte für Auden-Fans aus der nahen und fernen Welt.

Die vorliegende Publikation hebt an mit einer Neuübersetzung des Zyklus ›Thanksgiving for a Habitat‹ (1965), in dem Auden jedem Raum seines Hauses ein Gedicht gewidmet hat. Für die Übertragung konnte mit Uljana Wolf eine der renommiertesten Dichterinnen und Übersetzerinnen der deutschsprachigen Literaturszene gewonnen werden.

Darüber hinaus versammelt der Band Beiträge, die sich mit Audens Beziehung zum Haus, zur Land und Leuten in Kirchstetten und Wien auseinandersetzen. Entstanden ist ein Kaleidoskop von Reflexionen über einen freundlichen Außenseiter, der sich zu Lebzeiten durchaus als Kirchstettner fühlte und doch zur Bevölkerung weitgehend auf Distanz blieb.

Die junge Wiener Fotografin Carmen Auer hat die Spuren und Zeichen des Dichters in den vier Wänden seiner Wahlheimat für den Band in einem beeindruckenden Foto-Essay festgehalten.

(Bewerbung des Bandes auf literaturedition-noe.at)

Auf Einladung Helmut Neundlingers hat die Autorin Simone Hirth ihre berührenden »Briefe an einen Nachbarn« gelesen – und ich durfte dazu gewissermaßen Audens Part geben: Ein feiner Dialog, zwischen uns und über die Zeiten. Beeindruckend auch die unprätentiöse Eingemeindung Audens: Irgendwie ist er sehr gut aufgehoben, W. H. Auden in Kirchstetten.

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Donnerstag, 28. – Samstag, 30. Juni 2018
Bad Aussee (A), Congress Ausseerland
Ausseer Gespräche
Zukunftsfragen

https://static.uni-graz.at/fileadmin/_processed_/8/6/csm_2017Teaserbild_1b450680aa.jpg

Die Ausseer Gespräche, die von der gebürtigen Ausseerin Irmtraud Fischer ins Leben gerufen wurden und von einem interdisziplinären Board vorbereitet werden, feiern 2018 ein kleines Jubiläum: Zum zehnten Mal treffen sich Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst in der Region zum gemeinsamen Austausch über brennende Themen der Gegenwart.

Als Thema stehen dieses Jahr »Zukunftsfragen« zur Debatte, die von den ReferentInnen, die diesmal allesamt schon einmal bei den Ausseer Gesprächen der letzten Jahre dabei waren, aus ihrem jeweiligen Fach bestimmt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dabei geht es um die Zukunft demokratischer Strukturen, um soziale Gerechtigkeit, um Identitäten und deren Abgrenzung und Konstitution, um Anregungen aus Erfolgskonzepten der Vergangenheit, die immer noch zukunftsweisende Strategien bieten. Die großen Probleme, die die Menschen global betreffen, und Lösungen in Technik, Naturwissenschaft und Medizin erfordern, kommen ebenso durch Fachleute zur Sprache wie die durch bevorzugte Förderung von Naturwissenschaften und Technik sich immer mehr ergebende Marginalisierung von Geistes- und Kulturwissenschaften, die allerdings für eine Gesellschaft identitätsstiftend sind.

Indem die ForscherInnen sowie in- und ausländische Referierende und Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst mit Studierenden und NachwuchswissenschaftlerInnen das Thema bearbeiten, bilden sich transdisziplinäre Netzwerke über die Grenzen der eigenen Wissenschaft und Kunst hinweg. Das inzwischen weit über die Grenzen hinaus geschätzte Veranstaltungsformat bietet im heutigen Wissenschafts- und Kunstbetrieb einen der seltenen Orte, an denen es möglich ist, gemeinsam und ohne den Zwang von nachfolgenden Publikationen Ideen zu entwickeln, Problemfelder aufzuzeigen, und sie aus unterschiedlichen Fächern zu beleuchten. Die Veranstaltung setzt die im Ausseerland seit über eineinhalb Jahrhunderten verankerte »intellektuelle Sommerfrische« fort und ist inzwischen zu einem festen Bestandteil der Ausseer Kongress- und Kulturveranstaltungsszene geworden.

Alle Interessierten, insbesondere Menschen aus dem Ausseerland, sind herzlich eingeladen, bei der ganzen Veranstaltung, oder auch bei einzelnen Programmpunkten, teilzunehmen.

[Da ist denen bei ausseerland-salzkammergut.at aber eine außergewöhnlich niederschwellig einladende Ankündigung gelungen, es klingt nachgerade sexy.
(Oder könnte es gar sein, man will unter sich bleiben?)]


Zum Folder mit dem detaillierten Programm geht's hier. Da finden Sie auch sämtliche ReferentInnen, von Karl Acham bis Liliane Weissberg, beides zwei extra hochgeschätzte VertreterInnen ihres Faches (und mehr als das). Alphabetisch mittendrin, darf auch ich was zum Besten geben, nämlich zur Zukunftsbewältigung qua Improvisation:

›Welch Licht leuchtet dort?‹
Improvisation als Einüben in Zukünfte

Wir werden sehen. Dann werden wir gesehen haben. (Nix wie weitter.)

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Eine Veranstaltung der Uni Graz und der Stadtgemeinde Bad Aussee.

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Samstag, 26. Mai 2018
Innsbruck (A), Dom St. Jakob
fluidum~
[1]

http://farm3.static.flickr.com/2443/3572906746_54677e3db1.jpghttps://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix72dpi/fluidum_logo.jpg

Bertl Mütter: 1+1+1=1 (discursus trinitatis)
                   Chor + Viola & Violoncello + Posaune

   
                   (Auftrag: Philipp Harnoncourt, 2011)

http://de.academic.ru/pictures/dewiki/84/Trifolium_repens_07_ies.jpg

Dazu pures Spiel im Raum – ein Aufgehen im Klang.

Vokalensemble Domchor

Sasha Chochlov, Viola
Michael Tomasi
, Violoncello

Bertl Mütter, Posaune & künstlerische Leitung

Worte zur Eröffnung: Bischof Hermann Glettler

fluidum~ ist eine neue (und dementsprechend ambitionierte) Reihe aktueller Musik: Wir wollen den Innsbrucker Dom in ein Schiff im Klangfluss verwandeln.

Grundsätzliches zu fluidum~ finden Sie hier.

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Sonntag, 27. Mai 2018
Innsbruck (A), Dom St. Jakob

Im Gottesdienst am Dreifaltigkeitssonntag ist 1+1+1=1 (discursus trinitatis) ein weiteres Mal bei der Predigt erklungen. Dompropst Florian Huber sagte drei Impulssätze zur Trinität: Daraus hat sich der Diskurs entsponnen.

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Freitag, 4. Mai 2018
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 17

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2018/180504weinkult.jpg
vlnr: Tomáš Novák, Melissa Coleman, Elias Hirschl, Matthias Loibner, Bertl Mütter. Foto: Heinz-Peter Linshalm

Elias Hirschl, Autor
Tomáš Novák
, Violine
Melissa Coleman
, Violoncello
Matthias Loibner, Drehleier
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conferanz

Hans Czerny, Eröffnungsredner

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2012/12weinkult11_1.jpg

Neben Bertl Mütter mit seinem runderneuerten Schagerl Mut!horn-s (s von smart, simple, super; meinetwegen auch: senior) waren 2018 dabei:

https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t31.0-8/18449381_791035551073215_2250697873088304165_o.jpg?oh=c3a15266f10ff59f5b0c5cc870cad1ba&oe=5AC3438D

Der faszinierend vielseitig alerte Geiger Tomáš Novák. Er hatte sich unserer Wahrnehmung schon einige Zeit nachgerade aufgedrängt (etwa durch seine Zusammenarbeit mit seinem hierhofs bekannten Akkordeonpartner Paul Schuberth): allein was seine künstlerische Potenz betrifft, durften wir uns zurecht auf Feinstes freuen.

http://www.melissacoleman.at/uploads/images/coleman/mc3.jpg

Da reden wir jetzt noch gar nicht von der Verkörperung positiver Energie schlechthin, in Person der umfassend charmanten Melissa Coleman an ihrem Violoncello. Als Inhaber der Hofintendanz gebe ich mich beschämt, sie erst 2018 erstmals zum WeinKult eingeladen zu haben.

http://www.matthias.loibner.net/pro/matthias/MLoibner09.jpg

Matthias Loibner an der Drehleier hat sich sensibel in das feine Gespinst eingebracht, hat für weit mehr gesorgt als das solide Fundament: Es war ein vielfaches Schwirren und Spinnen. Ohne allzuviel möglicherweise störendes Wissen, was man da eigentlich gerade für Klänge fabricîrt.

Den literarisch-performativen Beitrag zelebriert hat der überaus erstaunliche Elias Hirschl. Mit seinen gerade vierundzwanzig Lenzen ist er noch jung genug, dass man ihn Ausnahmetalent nennen darf, jedoch bei dem, was er in Fels gezeigt hat, kommt eine solche Bezeichnung fast schon einer Geringschätzung gleich.

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Hernach wurde geschrieben,

dass das WeinKultFest heuer unvergleichlich großartig und entspannt gelungen ist. Was für eine Leichtigkeit!

Keine weiteren Nacherzählungen aber hier: Die dabei waren, haben’s erlebt; den anderen kann man es eh nicht angemessen schildern, und es nützet ihnen rein garnichts zu erfahren, wie gut der Lardo und der Speck und der Spargel und die Börger (alles vom Hof!) und der Wein, der Wein, der Wein: Alle haben sich alle Finger geleckt, auch die metaphorischen in Aug und Ohr.

Hehe.

Der WeinKult 18 wird am Freitag, dem 3. Mai 2019 feierlich begangen, was nichts weniger bedeutet als ein Jahr Vorfreude!

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Freitag, 16. März 2018
Innsbruck (A)
, ORF Studio 3
»
VolkXtheologie«

Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck
Tobias Moretti
, Schauspieler
Elisabeth Medicus
, Ärztliche Direktorin der Tiroler Hospizgemeinschaft
Ulrike Tappeiner, Dekanin der Fakultät für Biologie, Uni Innsbruck

Józef Niewiadomski, Dogmatikprofessor, Uni Innsbruck – Moderation

Bertl Mütter, Posaune
Siggi Haider, Akkordeon

Theologische Fragestellungen und die Antworten darauf haben nicht unbedingt den Ruf, leicht verständlich zu sein. Das ist schade, denn religiöse und theologische Themen spielen in Gesellschaft, Politik und Kultur eine wichtige Rolle. Mit einer neuen Reihe will die Diözese Innsbruck gemeinsam mit der Theologischen Fakultät Innsbruck und dem ORF-Landesstudio Tirol die theologische Diskussion in den Alltag der Menschen hineinholen und Lust machen, sich mit theologischen und religiösen Fragen zu beschäftigen.

Unter dem Titel »VolkXtheologie im Studio 3« werden an zwei Terminen im Jahr Vertreter von Kirche, Theologie, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Sport, Medien usw. miteinander zu aktuellen Fragen miteinander ins Gespräch kommen. Den Auftakt macht am Freitag, 16. März um 19.30 Uhr eine Gesprächsrunde zum Thema »kreuz_weg?«. Im Titel klingt bereits an, worum es geht: Immer lauter werden die Rufe danach, das Symbol des Kreuzes aus dem alltäglichen Leben zu verbannen. Die Frage lautet, ob damit nicht auch die Verdrängung jener Themen einhergeht, die mit dem Kreuz eng verbunden sind: Die Frage nach dem Leid, nach der Endlichkeit des Lebens und die Frage nach Erlösung.

(Website der Diözese Innsbruck)

Auf bischöflichen Wunsch haben wir davor, dazwischen und danach »Drei Kreuze für Posaune und Akkordeon« ersonnen (der Titel ist von uns) und zum Allerbesten gegeben. Große Zustimmung zu unserem Spiel, von diversen hochrangigsten Stellen explizit ins Mikrophon gesagt, und das Publikum hat bestärkend geraunt und akklamierend in die Hände gepascht. Sowas tut schon gut, sei’s gesagt: Man bekommt – zumindest für diesen Moment – das Gefühl, seine Artistik nicht ganz in den luftleeren Raum hinein zu exemplifizieren.

Zudem war es eine wirklich schöne Gelegenheit, einmal wieder (nach 24 Jahren!) mit Siggi Haider zu spielen. Und, versprochen, wir werden, wenn’s nach mir geht, um einiges früher als 2042 wieder miteinander spielen!

DISCLAIMER: Da meine Posaune von jeher die b-Tonarten bevorzugt, konnte (und, fortgesetzt, kann) ich zum gegenständlichen volkXtheologischen Thema (# weg) leider keine unvoreingenommenen Stellungnahmen abgeben.

Mnemotechnischer gesagt (einmal um die ganze Welt):

                    Geh
                    du
                    alter
                    Esel
                    hole
                    Fische –         Gesunde
                    Cisch!            Desillusioniertheit,
                   (Gischt)          astrein
                   
                      estimiert,
                                         befördert
                   
                      Frohsinn
                                         centimeterdick

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Donnerstag, 22. Februar 2018
Wien (A)
, 16., Ganglbauergasse 36/1 (KLUB IRRKO c/o Glettler)
SONGMA:
Über Imagination

Eine pantopische Verortung aus der Schule des Staunens


Von und mit Bertl Mütter, Trombonaut

http://www.stefanglettler.com/site/assets/files/2055/klub_irrko_space_night-1.1280x0.jpg

… eine Reihe von (unbeschwerten) Vorträgen und Gesprächen, bei denen KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und FreundInnen ihre privaten Forschungsgebiete vorstellen. Die Klub Irrko Space Night versteht sich als Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Soziologie und hat das Ziel, auf vielleicht versteckte Themen und Leidenschaften von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und FreundInnen aufmerksam zu machen. Es soll somit eine soziologisch kulturelle Vernetzung von verschiedenen Perspektiven in Kunst, Wissenschaft und Forschung ermöglichen.
(Schreiben sie auf ihrem Blog.)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8f/Space_Night_2013.svg/640px-Space_Night_2013.svg.png

SPACE NIGHT, das lässt einen sogleich schwerelos werden. Dabei blenden wir aus, wie kalt, finster und sauerstofflos, alles in allem: lebensfeindlich es in aller Regel selbst an den erdnächsten Stellen des Weltalls ist. Und vielleicht ist unser Schwebegefühl ja eher mit einer Erinnerung ans Suhlen in warmem Thermalwasser verbunden. ICH verbinde mit SPACE NIGHT den Sender Bayern (heute: ARD) Alpha, bei dem ich gerne im Hotel beim Durchzappen verweile: Entweder läuft dort Bob Ross’ The Joy of Painting oder eben SPACE NIGHT. Sehr kalmierend, wie sich im warmen Wasser treiben zu lassen, eben. Und: Was man sich da alles vorstellen kann!

SONGMA: Ist der oberösterreichischen Mundart entlehnt. Es bedeutet soviel wie »Sagen wir…:« Vor dem gemeinsamen Rollenspiel stellen Kinder den Konsens über das soziologische Setting ihres Spiels her, wer wer ist, wo es handelt…. In diesem Einvernehmen läuft dann alles ab, wobei beide Realitäten (die des Spiels und die des ›wirklichen‹ Lebens) gleichzeitig gelebt werden: Allen ist (fast immer) klar, dass sie ›nur‹ spielen (es tut nicht weh), zugleich gehen sie aber voll darin auf: 200 Prozent Leben.

Als Spieler, der oftmals solo auftritt, bedarf ich der Fähigkeit des Imaginierens. Glücklicherweise verfüge ich (nicht zuletzt, weil ich als Kind ausgiebig gespielt habe) über ein entsprechendes Repertoire, in der Vorstellung Welten erstehen zu lassen, und zwar nicht nur mir selber, sondern vor allem auch (als Dienst) dem Publikum.

»Wer allein in der Badewanne singt, hört innerlich das ganze Orchester, kein Instrument geht ihm ab; meine Badewanne steht auf der Bühne, ein sehr intimer Vorgang.«

Darum also ist’s bei meinen paar Weltumkreisungen in der KLUB IRRKO SPACE NIGHT gegangen.

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Des weiteren warat bitte Folgendes zu anzumerken: 

1) Ich habe mir die Ganglbauergasse mnemotechnisch erlaufen. Nach der Liebhartsgasse bis zu den Paniken ist nämlich alles strengst alphabetisch organisiert: Haberl, Habicher, Haymerle, Hyrtl, Ganglbauer. Als zehnte Hasnerstraßenquergasse liegt die Ganglbauer sowohl im ersten als auch im letzten Viertel meiner sich erst ab der Hettenkofer zu einer Runde öffnenden Winterjoggingstrecke, deren Scheitelregion Ameisbachzeile, Reizenpfenninggasse, Pönningerweg, Woborilweg, Gallitzinstraße und Wanriglgasse markieren, alles in allem gut achteinhalbtausend Schritte.

2) Ganglbauer: Bim 46, Feßtgasse, eine Straße stadteinwärts, rechts hinauf, linke Seite.

3) Soweit ich mich erinnern kann, dürfte die KLUB IRRKO SPACE NIGHT der erste Auftritt in meinem Wohnbezirk Ottakring werden.

4) In der Kindheit haben wir oft vornehm sein wollen, wie das ja auch die Erwachsenen taten. Und vornehm, das hat bedeutet, dass man nach der Schrift redet: Alpendudler, Tundel, Löbe, Möbe. Das mündet in die uroberösterreichische Disziplin, nach der Schrift zu reden (zu versuchen), als deren ausgeprägtester Verkörperer der geschätzte Altlandeshauptmann Dokter Josef Pühringer gelten darf; sein Kulturverständnis fehlt seit seinem Abgang aufs bitterste:

Die Frage ist nicht, ob wir uns die Kultur leisten können, sondern ob wir uns die Unkultur leisten wollen.
Josef Pühringer

5) Wie sich Stefan Glettler und ich kennengelernt haben, ist eine eigene Geschichte. Im Visier hatten wir einander schon länger. Als sein Bruder nach einem Besuch bei mir ankündigte, gleich zu ihm weiterzuziehen, meinte dieser, es sei an der Zeit, uns demnächst miteinander bekannt zu machen; was bald darauf und unerwartet rasch in der Olympiahalle Innsbruck erledigt werden konnte.

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Nach-Nacht-Bericht

Habe ich verlauten lassen, meinen Beitrag zur KLUB IRRKO SPACE NIGHT in der Dauer von ein paar Weltumkreisungen abzuhandeln, so musste ich das mit dem Ausdruck des Bedauerns korrigieren, nämlich: Die internationale Raumstation ISS umkreist die Erde in 400 km Höhe. Damit sich das für eine stabile Bahn notwendige Gleichgewicht zwischen Erdanziehung und Fliehkraft einstellen kann, muss sie mit etwa 28.000 km/h durchs All rasen. Bei dieser Geschwindigkeit wird die Erde etwa alle 90 Minuten einmal umrundet. So gesehen war meine Behauptung etwas zu vollmundig, wenn nicht frivol.

Aber so von der Vorstellung her gefällt’s mir schon.

Und von der Vorstellung her war’s ein Fest. Volle Hütte. Besonders gefreut hat mich, dass ganz viele Menschen aus meinem erweiterten Freundes- und Interessentenkreis gekommen sind, aufgrund einer meiner seltenen Aussendungen (jeweils in persönlichen Einzelmails handgefertigt – was ich hiermit gerne zur persönlichen Nachamhung empfehle!). Und, mindestens ebenso besonders gefreut hat mich, dass gut die Hälfte Leute im Publikum mir völlig unbekannt war (und ich denen zuvor auch!). Demgemäß sei dem dem KLUB IRRKO mit Stefan Glettler höchster Dank und Anerkennung gezollt! (Was, wie ich finde, angemessen formell klingt.)

(Und danke auch für die idealen drei Gin-Tonics; sie ließen einen den – wie ich finde sich etwas zusehr ziehenden – Winter zwischenzeitlich, also zumindest für die Dauer von ein paar Weltumkreisungen, vergessen.)
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[Anm. in taxis: In Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

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Mittwoch, 21. Februar 2018
Wien (A), Theater im Café Prückel
LeseabendBibliothek der Provinz

Mara KrausDer talentierte Herr Ginić
Toni DistelbergerDas Mädchen im Badeanzug
Rosa KurzmannKatz aus!
Angelika KaufmannDas fremde Kind N.

dazu und dazwischen
Bertl Mütter, musikalische Begleitung auf der Posaune

Barbara Fink, Moderation

http://bibliothekderprovinz.at/media/events/leseabend_prueckel_210218.jpg

Die langjährige Beziehung zwischen Richard Pils und mir ist von gegenseitiger Wertschätzung und Solidarität getragen. Wann immer also die Bibliothek der Provinz ruft (und ich kann es einrichten), dann rufe ich gerne zurück, eben mit meiner Posaune.

Ein berührender Abend, in dem Geschichten über Schicksale von Menschen im und nach dem Krieg erzählt wurden, über Bomben, Armut, Flucht und Migration. All das wohltuend unsentimental, teilweise sogar mit Situationskomik, ohne die das Leben unerträglich würde, auch heutzutage, wenn auch – zumindest bei uns hier – glücklicherweise auf einem Komfortniveau. Weil irgendwas bei uns Probleme zu nennen, würde die basalen Sorgen der Menschen, denen es wirklich prekär geht, aufs prekärste banalisieren…

DANKE.

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Mittwoch, 29. November 2017
Wien (A)
, Musikverein, Gläserner Saal
Höllenvisionen
Michael Köhlmeier, Erzähler
Bertl Mütter, Posaunen (Muthorn)
Leonhard Paul, Posaune, Basstrompete (Wunderhorn)

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Die frühen Helden des Abendlandes kehrten auf ihren Reisen in der Unterwelt ein und schilderten, was sie dort gesehen haben. Odysseus begegnete dem Achill, der berichtete von unerträglicher Langeweile; lieber würde er auf Erden für den ärmsten Bauer als niedrigster Knecht das steinigste Feld pflügen, als hier der König der Schatten zu sein. Dass die antike Welt in der Unterwelt auch einen Ort sah, an dem gestraft wurde, erfahren wir aus den Geschichten von Sisyphos, Tantalos und Ixion. Für das Christentum hat Dante mit seiner »Göttlichen Komödie« ein anschauliches Bild von der Hölle entworfen und zugleich die Dreiteilung des Jenseits in Inferno, Purgatorio und Paradiso festgeschrieben. Außereuropäische Mythen berichten vom Ort des Grauens manchmal ironisch, manchmal in Form eines Schelmenromans, wie eine Geschichte aus der Mongolei.
Michael Köhlmeier

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

http://static6.swp-plus.de/storage/scl/import/swp-beta-import/bietigheim/lokales/ludwigsburg/print/2335025_t1w600h392q90v22092_swp-8662603_16595451_01_3005_LUBU_aeneas_4C_1055765876.jpg?version=1464589449
© Richard Dannenmann, Südwestpresse

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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) – hoffentlich kurzfristig – gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen.
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Höllenprotokoll

*** Beginn der Veranstaltung ***

GAETTU

(zur schreckhaften Eröffnung) – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (1)

geharnischt! dreistimmiges Stück für Wunder- und Muthorn – 5’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (2)

Tremenz

Sequenzstück für Basstrompete und ambulante Posaune – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (3)

Vexalier

idée fixe für zwei Posaunen – 6’

*** Pause ***

demolliert

Ausbruch in Erschrecken für zwei Posaunen – 6’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenvisionsversionen (4)

rehhuete

Achtstück für zwei Posaunen – 5’

Michael Köhlmeier erzählt Höllenversionsvisionen (5)

baequabale Abschiedsstück, teilweise endgültig – 5’

*** Ende der Veranstaltung ***

Sämtliche Musikstücke (allesamt paulinisch-mütterliche Posaunenusurpationen schlundmusikalischer Art) stammen von Bertl Mütter & Leonhard Paul. Sie wurden am 30.11.2017 bei der AKM angemeldet. Man hat sich teil köstlich amüsiert, und das ist ja wohl allerhand, bei diesem Höllenbrand.

Hernach waren wir beim Spanier in der Mahlerstraße und haben uns platt gelacht, höllisches Gelächter. Aber ich kann mir ja keine Witze merken.

Soweit der Bericht von meinem Musikvereinsdebut.

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Montag, 6. November 2017
Donnerstag, 9. November 2017
Samstag, 11.
November 2017
Mittwoch, 15.
November 2017
Freitag, 17.
November 2017
Samstag, 18.
November 2017

Wien (A), Mondschein – ehemaliges k.u.k. Post- u. Telegraphenamt
7., Zollergasse 31
Die Reise Musique de Scène von Jean Barraqué
mit originalen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau (1958)
    
sowie
Sonata pour violin seule
(Jean Barraqué, 1949)
Etude pour bande magnétique
(Jean Barraqué, 1952/53)

ensemble sirene, Ensemble
Joanna Lewis, Violine
Jury Everhartz, Produktionsleitung
Cornelius Burkert, Bühne
Kristine Tornquist, Bühne
Edgar Aichinger, Licht
Selina Nowak, Assistenz
Helga Utz, Regie
François-Pierre Descamps, Dirigent

»Musik ist Drama, Pathos, Tod. Sie ist das komplette Spiel, die Erschütterung, bis zum Selbstmord. Ist sie das nicht, ist sie nicht die Überschreitung aller Grenzen, dann ist sie überhaupt nichts. Eine Musik, die nur schön ist, ist lachhaft. Für mich ist die Musik alles, sie ist das ganze Leben.« (Jean Barraqué)
»Einer der originellsten Komponisten der Nachkriegszeit. Der Klangfarbenreichtum Barraqués ist gewaltig. Die Klänge sind flirrend in Bewegung wie Kolibriflügel.« (Die Zeit, 1998)

Jean Barraqué, 1973 mit 45 Jahren verstorben, war serieller Komponist, Schüler von Langlais und Messiaen und zeitweiliger Liebhaber von Michel Foucault. Er gilt als ein composers composer - als ein Künstler, der, auch wenn er einem weiten Publikum nicht bekannt worden ist, viele Künstler massgeblich beeinflusst hat. Sein schmales Œuvre erweitert sich mit dieser Uraufführung durch das sirene Operntheater. Die Reise kreist um Barraqués lange verschollene Musique de scène von 1958/1959, eine Schauspielmusik zu einigen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau.

Der Regisseur und Theoretiker Jacques Polieri hatte eine Aufführung der Stücke mit mehreren MalerInnen geplant, darunter René Allio, Jean-Michel Atlan, Maurice Béjart, Sonia Delaunay, Serge Poliakoff, Pierre Soulages und Maria Helena Vieira da Silva, die »die Musik in Bilder umsetzen« sollten. Das Projekt kam nie zustande und wurde nun für Wien Modern aus den Archiven der Association Jean Barraqué und der Bibliothèque nationale de France ans Licht geholt. In Windeseile entstehen Assoziationsketten, Bilder, die sich auflösen, bevor sie deutlich werden. Spürbar wird nur die Reise, die vom Unsteten ins Unbekannte führt.

Eine Produktion von sirene Operntheater in Kooperation mit Wien Modern 2017.

Bemerkung: Ende September hat mich Jury Everhartz gefragt, ob ich denn sowas auch mache, in einem Orchester mitzuspielen. – »Nein, aber für Dich schon.« (Freundschaftsdienst.)

Nachbemerkung (in aller Kürze): Es war mir ein – vielstimmiges – Volksfest.

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Sonntag, 5. November 2017
Wien (A)
, Konzerthaus, Großer Saal
Fremde Ohren. Oder: Wie Musiker das hören
Bertl Mütter
zu Peter Eötvös

Es ist bitte Folgendes. Kurz, nein, sagen wir lieber knapp nach den österreichischen Nationalratswahlen meldet sich Sven Hartberger vom Klangforum und fragt mich, ob ich bereit sei, als Einspringer für Uli Fussenegger dieses Programm zu gestalten. Da hatte ich nun den Ohrwaschlsalat – und freute mich natürlich, quasi über die Schreamsn, wieder einmal das Konzerthaus bespielen zu dürfen, erstmals gar den Großen Saal.

In seiner Abonnentenpost schreibt das Klangforum also:

Die »Fremden Ohren«, mit denen wir uns seit der vergangenen Saison eine Stunde vor dem Konzertbeginn einhören, sind diesmal noch fremder: Das Ensemble hat mit Bertl Mütter – Musiker, Komponist und Autor – erstmals einen Gast zur Gestaltung der halben Stunde eingeladen. Bertl Mütter, so viel darf gesagt werden, ist einer der liebenswertesten, vielseitigsten und witzigsten unserer Musikerfreunde. Über seine eigene Musik sagt er auf seiner sehr besuchenswerten website www.muetter.at: »Vielleicht, ein Vorschlag zur Güte, könnte man meine Musik Slow Food für die Ohren nennen: Sie will, mitstaunend, entdeckt werden.«

Total lieb. Natürlich nenn’ ich’s (bei mir, streng intern!) eine Veranstaltung aus der Schule des Staunens. Hehe.

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/161118_CZ28790_500px.jpg

Folgt Inhaltliches:

Ich habe mich auf das nachfolgende Konzert bezogen, in dem das Klangforum Wien unter der Leitung des Komponisten drei Werke von Peter Eötvös aufgeführt hat: Shadows (1995–1996), Sonata per sei (2006), sowie Chinese Opera (1985–1986).

Auch ganz ohne Bühnenbild, Kostüme und Film ist Peter Eötvös’ Chinese Opera »eine Oper zum sehenden Hören« (Peter Szendy). Gegen Oper hatte Eötvös – langjähriger Mitarbeiter von Karlheinz Stockhausen und Chefdirigent des Ensemble intercontemporain auf Einladung von Pierre Boulez – in seiner Studentenzeit am Kölner Studio für Elektronische Musik eine lebhafte Abneigung entwickelt. Dass er die spontane Theaterbegeisterung seiner Kindheit irgendwann wiederentdeckte, daran ist seine 1986 komponierte »Chinese Opera« nicht ganz unbeteiligt: »Der Titel – der eine vollkommen überbordende Art kreativer Fülle andeuten sollte – brachte den Dirigenten Kent Nagano dazu, Eötvös unbesehen einzuladen, das Werk in Lyon an der Oper zu inszenieren. ›Mit Vergnügen‹, sagte ich – ›aber es ist ein Orchesterstück‹«, erinnerte sich Eötvös in der New York Times. Im Gefolge des farbensprühenden, im wörtlichen Sinn fantastischen Werks entstanden seither nicht weniger als zehn Opern.
»Meine Chinese Opera hat mit der echten chinesischen Oper sehr wenig zu tun. In China hat jede Provinz ihren eigenen Theaterstil. Er wird nach der jeweiligen Provinz benannt, in der er vor Jahrhunderten entstanden ist und seitdem unverändert gespielt wird. Chinese Opera ist in Hinsicht auf eine szenische und filmische Präsentation geschrieben. Sie ist ›Oper‹ meiner eigenen ›Provinz‹.« (Peter Eötvös)
In diesem großen Porträtkonzert mit drei im Abstand von je zehn Jahren entstandenen Meisterwerken steht der 73-jährige Komponist persönlich am Dirigentenpult des Klangforum Wien.
Konzertankündigung, wien modern

Zuerst wurde einmal intensiv recherchiert. Über Peter Eötvös und seine Werke. Zudem wollten noch Jacques Tati, Karl Valentin, Adalbert Stifter und mein Freund Chris (dzt. Shanghai) befragt werden.

Mit dem größten Vergnügen!

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/161118_CZ28783_500px.jpg

Zum Nach-Denken (so für zwischendurch)

Fremde Ohren, das sind Große Ohren und gewisse große Ohren sind mir in der Tat fremde Ohren.

(Genug politisiert, für's Erste)

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http://www.klangforum.at/files/files/Features/Features%202017/muetter1.jpg

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http://www.klangforum.at/files/files/Features/Features%202017/muetter6.jpg
© Klangforum Wien (videostills) – Danke!

Was soll ich sagen, wie kann ich’s beschreiben, wie es sich anfühlt, ganz allein den Großen Saal bespielen und besprechen zu dürfen, einen (einen!) Ton hinauf zu schicken in die Galerie und nachzulauschen, wie er in idealer Weise verklingt; oder wie leicht es sich anfühlt, so weitläufig der Raum auch sein mag, das Publikum (die Menschen) zu adressieren, auch die ganz hinten oben und die rechts und links … ich stammle – und ich hab’s genossen.

Nun erst kann ich in aller Fülle nachvollziehen, wiesehr sich der Gabalier giften muss.

(Jetzt aber bitte wirklich genug politisiert! – Man will ja in diesem Monat auch an einer anderen renommierten Wiener Adresse … ähm … aufgeigen.)

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Wer mein völlig unpolemisches Manuskript nachlesen will, bitte, da isses:

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix72dpi/download_pdf_button.jpg

Und wenn Sie das Video begutachten wollen, ecco.

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Montag, 23. Oktober 2017, 20.30
Wien (A)
, Stadtkino im Künstlerhaus
     sowie
Montag, 30. Oktober 2017, 11.00
Wien (A), Metro-Kino, Historischer Saal

Labor des Exo/Endo Korpus (A 2017, 12’)
Ein Film von Elisabeth von Samsonow
Im Rahmen des Kurzfilmprogramm 1 der Viennale 2017.

https://www.viennale.at/sites/default/files/styles/top_image_slider/public/pressimages/V17labor06.jpg?itok=A7M4vipp

Meine erste Filmpremière. 

Eingängige Soundscape, plug-in. Was haben weißgewandete junge Frauen, ein Fußballtorwart, eine Näherin, ein Shetland-Pony, die Mayröcker, ein Knabe mit Bipa-Einkaufswagerl oder z.B. ein Biker in voller Vanucci-Montur miteinander zu tun? Viel, denn deren Bewegungen sind durch einen assoziativen, rhythmisch oszillativen Bilderfluss verbunden, der das Innen und Außen (eines riesigen begehbaren Saiteninstruments) abseits narrativer Gesetze spiegelt. Auf surreale Weise, basierend auf einer Klangskulptur in der Dominikanerkirche Krems, will »Transhumanistin« Samsonow unser Bewusstsein erweitern. Eingängige Soundscape, plug-out.
(Viennale)

DISCLAIMER: Die sieben jungen Damen – offenbar ein Filmstill – sind mir persönlich völlig unbekannt. Als ich zum Drehen meines Parts in die Dominikanerkirche Krems kam, sind sie mir jedenfalls nicht begegnet. Da war nur ein weiß gekleideter Knabe mit goldenem Haar und ein Einhorn, glaube ich mich korrekt zu erinnern.

VERMERK (1): Da mit einem anschwellenden Popularitätsschub zu rechnen sein wird, hoffe ich auf kaltes Wetter, damit ich mich hernach gesetzeskonform gebührend vermummen darf. Ansonsten wär’s wohl allzu gefährlich, unerkannt durch die Hauptstadt zu gelangen.

VERMERK (2): Termine um den 4. März 2018 (Los Angeles/Dolby Theatre; Hin- und Rückreise, Aufenthalt) können wahrscheinlich nicht wahrgenommen werden; Ähnliches gilt für Mitte Mai 2018/Cannes.

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Sonntag, 1. Oktober 2017
Essen (D)
, Ruhr Museum
Erdgeschichten. Geologie im Ruhr Museum

Ausstellungseröffnung
Musikalische Gestaltung: Bertl Mütter, Posaune

https://www.ruhrmuseum.de/fileadmin/_processed_/csm_75_6750a20a5de4f5a_f9a1299981.png?13

Das Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist das Regionalmuseum des Ruhrgebiets.

Nach einem Showcase-Auftritt mit Erika Stucky und Jon Sass im Rahmen der WOMEX (ca. 2007) durfte ich mich nun abermals auf das faszinierende Gelände der Zeche Zollverein begeben. Eine vertiefende Begegnung, wie die Thematik verspricht.

http://oe1.orf.at/uimg/5c/cc/5ccc5279af56d8d4f8ee1f0ab1998ac56601cc88.jpg

Gekommen ist es, streng linear, so: Ein die Bestätigung seiner Pensionierung erwartender Posaune spielender Gynäkologe aus Oberösterreich, der in Innsbruck studiert und damals mit dem späteren Bundespräsidenten regelmäßig Carambol (nicht jedoch Posaune) gespielt hat und den es später nach Klagenfurt verschlug, nahm elfmal an meinem SPIELEN!-Kurs in Viktring teil (mittlerweile ist die Zwölf komplett). Rasch hat sich eine freundschaftliche Annäherung ergeben, ein Enthusiasmus, und der hat dazu geführt, dass er mich einem Freund vorgestellt hat, Harry den Installateur. Der scheint sowas wie die Inkreisfigur in einem sehr weiten Freundeskreis zu sein, ein Freundeskreis, wie man ihn sich bei einem Installateur nicht jetzt so ohne weiteres erwarten würde. Dieser Zirkel reicht weit über seine genuine Wirkungsstätte (unweit Krems, NÖ) hinaus, etwa nach Solothurn und Basel (CH), Klagenfurt, Wien (A) – und eben bis nach Essen (D): Die Leiterin der geologischen Sammlung des Ruhr Museums ist auch darunter.

https://pictures.tvinfo.net/pictures/81/d9/a4/a6/73/da/e1/69/e0/ba/a3/82/5d/df/7d/cc/large_zdi_170508_1245_234e8140_expedition_deutschland__1_.jpg

»Ulrike Stottrop vom Ruhrmuseum Essen – Zeche Zollverein. Der Industriekomplex galt einst als ›schönste Zeche der Welt‹. Heute freut sich Ulrike Stottrop über die Natur, die das Gelände langsam zurückerobert.«
Aus: Expedition Deutschland – Eine Zeitreise durch 500 Millionen Jahre (D, 2013), Folge 1, gesendet am 8.5.2017 auf ZDFinfo.

Wir lernten uns allerdings auf einer alpinen Hütte kennen, konkret der am Türnitzer Höger, Mitte Juni 2017. Dass ich mein Wunderhorn dabeihatte, war – bei aller Schlepperei – von Vorteil: Es gibt immer wieder unerwartete und so nicht erkennbare Auditions; man mag nicht glauben, wo überall sonst noch. Der Rest wird Geschichte gewesen sein (wie sich das bei einem Museum gehört).

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Kurzbericht

Was ich die drei Tage in und um Essen erfahren durfte, war eine rauherzliche Umgebung. Umgebung, das schließt sowohl Menschen als auch menschengemachte Kulturlandschaft gleichermaßen mit ein. Ich erlebte einen entspannten und wertschätzenden Umgang mit einander, echtes Interesse des zahlreichen Publikums in einer, naja, schon etwas special interest-Materie, in die es sich zu vertiefen aber bitte sowas von lohnt.

Danke, Ulli, danke liebe Leute am Museum, reich beschenkt bin ich zurückgefahren.

In Essen muss man gewesen sein.

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PS: Übers Konzert auf der Türnitzer Hütte (1.372m ü. d. adriat. Meere) wird auch noch ankündigenderweise zu berichten sein, wenn es Zeit ist: Manches läuft eben wie beim Carambol, zumindest über drei Banden.

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Donnerstag, 28. September 2017
Linz (A)
, StifterHaus
Buch- und Verlagspräsentation – Bibliothek der Provinz
mit den Autorinnen und Autoren
Hans Eichhorn
, Im Ausgehorchten. Gedichte
Franz Kabelka, Kaltviertel. Roman
Claus Dieter Schneider, Mitten in der Nacht am Tag. Erzählungen
Gerda Sengstbratl, Gelbes Rauschen Bauschen. Kurzprosa
Silvana Steinbacher, Pinguine in Griechenland. Roman

Richard Pils, Moderation (dazwischen und dazu)

Bertl Mütter, Posaune (dazu und dazwischen)

https://fcc.at/event/img1000/3915.jpeg

Die langjährige Beziehung zwischen Richard Pils und mir ist von gegenseitiger Wertschätzung und Solidarität getragen. Wann immer also die Bibliothek der Provinz ruft (und ich kann es einrichten), dann rufe ich gerne zurück, eben mit meiner Posaune.

Diesmal ging es also nach Linz, weil: In Linz müsste man sein.

Der Veranstaltungssaal im Parterre war zum Bersten voll, darf man sagen. Und die Texte haben mich zu zum Teil abenteuerlichen poetischen Ausflügen inspiriert, denen das Publikum sehr gerne gefolgt ist. Feine Stimmung.

DANKE.

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Freitag, 8. September 2017
St. Marein bei Neumarkt/Stmk (A)
, Schloss Lind
»Zur Überfuhr«
Vom römischen Jäger im Schwarzwald
seiner Luftbarke am Gardasee
und was im Feichtenbachtal war
(möglicherweise)

[Anne Bennent (voc) – Sucherin; am Grün Leidende]
[Otto Lechner (acc, voc) – Seher; vom Jäger Gracchus erzählend]
Bertl Mütter (tb, voc) – von Feichtenbach erzählend; und vom Jäger Fritz

http://www.ak-ansichtskarten.de/shop/ak/54/5401098/AK-Riva-Blick-zum-Ort-am-Gardasee-Segelboot.jpg

Es gibt soviele Jubiläen, denen runde Zahlen nicht gewachsen sind.

Am 10. April 2017 sind es 93 Jahre, dass die gerade sechzehnjährige Berta Wöhrer – sie wusste damals noch nicht, dass sie gut 41 Jahre später die Großmutter von Bertl Mütter sein würde – in einiger Entfernung aber deutlich Franz Kafka gesehen hat, wie er, trotz nachwinterlicher Kälte im offenen Wagen und nur von seiner aufrecht dastehenden Geliebten Dora Diamant vor Wind und Wetter geschützt, das Sanatorium Wienerwald in Feichtenbach talauswärts verließ – es sollte seine vorletzte Reise auf Erden sein –, ein Schauspiel ungeahnter Tragweite, welches sich da vor ihren Augen begab.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/9/92/Sanatorium7.jpg/1280px-Sanatorium7.jpg

Nicht genug des Raunenswerten, befand sich die Welt just im einhundertundersten Jahr seit der Komposition der Schönen Müllerin, die Franz Schubert, wie allgemein bekannt, für einen 107 Jahre später geborenen Tenor ersann, nur noch gut sechs Jahre, und die Gewichter der Welt würden tauglich neu justiert werden können, »Wir haben einen Fritz!«; dazu: Hörnergebraus.

http://www.karlbauer.com/wp-content/uploads/2014/06/Schwebeschiff.jpg

Was das fernerhin mit dem Jäger Gracchus zu tun hat, der im September 1966 in seinem Kahn, der ohne Steuer fährt mit dem Wind, der in den unteren Regionen des Todes bläst, im Wunderlichen Schwarzwald vorbeigleitet, und wohin diese Reise geht, die so lang ist, dass jeder Essvorrat vergeblich wäre, kann nicht verraten werden, schlicht, weil niemand es wissen kann. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.

Willhelm (ahd.: »der auf Schutz bedachte«), so der Vorname des einzigen echten Einheimischen, der im (arisierten) Lebensbornheim Wienerwald geboren wurde, am 27. Mai 1939; sein Vater: Jäger. Vor 51 Jahren, am 17. September 1966, ist Fritz Wunderlich gestorben, nah beim Schwarzwald.

https://pbs.twimg.com/media/B6ceXHIIUAEMMiI.jpg

Es gibt so viele Jubiläen, denen runde Zahlen nicht gewachsen sind.

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Nachbemerkung (I)

Es gibt ein Wort im Theatervollzug, das lautet: »Neue Lage«.

So war es am Morgen des 8. September 2017, als Andreas Staudinger (Eigendefinition: »Schlossknecht zu Lind«) dezent an meine Schlafklammer klopfte: Wir hätten möglicherweise ein Problem. Die beiden anderen hätten ihr Quartier geräumt und auch ihr Auto sei weg, es gebe derzeit keine Information über ihren Verbleib.

Das bedeutete: Ich war allein. Denn, so die fernmündlich von »ganz wo anders« nachgereichte Information, eine zustandsgebundene Not bewirkte die Unmöglichkeit eines Auftretens zu Dritt an diesem Ort zur vereinbarten Zeit.

Das tat ich nun also solo, und es ist – im Rahmen der Um- und Zustände – geglückt.

Berichten darf ich, dass wir am Vorabend, beim Zusammenmontieren des Stücks im Speiseraum des Schlosses, ein großes gemeinschaftliches Glückserlebnis hatten. Wie schön sich das Stück und überhaupt alles entwickelt habe und würde. Es wurde, demgemäß, leider würdelos. Schade, aber wie heißt es am Schluss jeder Folge des Rosaroten Panthers: »Heute ist nicht aller Tage, ich komm’ wieder, keine Frage!«

Nachbemerkung (II)

Bei künstlerischen Projekten, an denen ich maßgeblich beteiligt bin, ist es mir stets ein Anliegen, ja: Bedingung, dass ein demokratischer Grundtonus integriert ist. Alle sind gefragt mitzudenken, mitzuempfinden, zu disputieren, zu widersprechen, vorzuschlagen (…), selbstverständlich stets der Sache wegen und zur geeigneten Zeit. Es gibt, wie beim Abheben eines Flugzeugs einen point of no return. Ja, und natürlich kann demokratisch auch bedeuten, dass man übereinkommt, nicht in allem einer Meinung zu sein: »Unsere Ansichten gehen als Freunde auseinander.«, bringt es Ernst Jandl auf den Punkt.

Dann trifft man sich aber schon wieder, wandert weiter, gemeinsam…

Ich bleibe gespannt.

http://austria-forum.org/attach/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Lind/lind%20b%20neumarkt.jpg

PS: Innig umfassender Dank Britta Sievers & Andreas Staudinger / Schloss Lind.

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Donnertag, 3. August 2017, 20.00
Heidelberg (D)
, Stift Neuburg
Ausculta et Pervenies

Neuburger Klausurklänge, erhört und zu Gehör gebracht von
Bertl Mütter
, Posaune

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Mal wieder ist Bertl Mütter, ein Ausnahmekünstler an der Posaune und am eigens für ihn kreierten ›Wunderhorn‹ zu Gast in der Abtei Stift Neuburg. Er wird im Rahmen seines Aufenthaltes ein kleines Konzert in der Stiftskirche geben.

Der Eintritt ist frei. Spenden möglich.

Schreiben sie auf der Facebook-Seite des Stifts. »Ausculta et Pervenies« sind ja die ersten und letzten Worte der Regel des Hl. Benedikt; sie gelten aber auch außerhalb kirchlichen Selbstverständnisses, habe ich mir gedacht, wie ich das Motto des Konzerts vorgeschlagen habe.

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In der Abtei Stift Neuburg – man sage nicht »Kloster Neuburg«; dann wären ja Augustiner Chorherrn dort, und das Dort läge vor den Toren Wiens an der Donau anstatt vor den Toren Heidelbergs, an den Gestaden des Neckar; Toren indes gibt’s in Heidelberg wie in Wien zuhauf – ist mein Freund Winfried seit bald eineinhalb Jahren Abt (sie haben ihn von Admont abgeworben, er bringt – salopp gesagt – Schwung in die Hütte). Wir sind nun dabei, was Längerfristiges auszuhecken. Dafür ist es gut, wenn ich recherchiere, wie die Menschen und der Ort samt Umgebung sich anspüren.

Im Jänner war ich schon einmal da; nach dem Eis nun also in der Hitze. Dann werden wir sehen, was wir in den gemäßigteren Zeiten des Jahres angehen wollen. Und weil ich schon einmal da bin und die Kirche über eine sehr feine Stimmung samt Akustik verfügt, spiele ich sehr gerne für alle, die auch hören und ankommen wollen: Irgendwo wird ja jeder einmal ankommen. Wie man sich das ausmalen mag, ist – mittlerweile, in unseren Breiten – jedem selbst überlassen. Manchen erscheinen dabei die gefinkelten Ausheckungen der katholischen Kirche das tauglichste Angebot zu sein.

Wir werden sehen.

[In Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

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Mein sommerlicher Besuch darf als sehr erfreulich-aufschlussreich bezeichnet werden. Bald werde ich auf muetter.at, vermutlich in der »Schule des Staunens« die neue Rubrik »studioC*« einrichten. Inhaltliches bald also dort.

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Sonntag, 23. Juli 2017
Viktring (A)
, Kellertheater
Die dreizehnte Galanacht der Improvisation

Ihre gesamte Musik, ob sie nun auf Instrumenten gespielt oder von menschlichen Stimmen gesungen wird, ahmt die natürlichen Gefühle so nach, drückt sie so aus und passt die Töne so dem Inhalt der Gesänge an, mag es sich um ein Bittgebet handeln oder um ein fröhliches, sanftes, stürmisches, trauriges oder zorniges Thema, die Führung der Melodie gibt den Sinn der Worte so deutlich wieder, dass sie die Herzen der Zuhörer wundersam ergreift, durchdringt und begeistert.
Thomas Morus, Utopia (1516)

Mütter und die Kochblumen

   (v.l.n.r.:)
   Miriam Egger, Violoncello
   Erich Berger, E-Bass
   Evelin Woitsch, Primadonna
   Werner Sattlegger, Gitarre
   Maria Alraune Hoppe, div. Aero-, Chordo- & Idiophone
   Markus Lorber, E-Gitarre mit Äffäkkträkk, Qualle
   Johannes Schwarzgruber, Bassflöte, Posaune, Viola
   Edgar Hättich, special Guest
   Johnny Traar, Altsaxophon

   Bertl Mütter, Posaune, Wunderhorn; Spielertrainer

https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t31.0-8/20248499_848350641997644_2084644049319109879_o.jpg?oh=7ba464ad826e0c00286f1a319d5af5ca&oe=59F72F47

(Dieses Bild zeigt uns während des Spielens im Konzert. Wenn man mich, bedingt durch die weiße Kleidung, nicht wirklich erkennen kann, so sei’s als Metapher zu verstehen: Auch die gefinkeltste Aufnahme – sei sie rein optisch, akustisch oder als Versuch, überhaupt alles auf Video zu bannen, kann nicht das wiedergeben, was sich in actu ereignet. – Soviel zur Unmittelbarkeit des Spielens. Jetzt aber weiter mit unseren Manifestationen:)

Wir spielen, und weil wir es seit unserer Kindheit nicht vergessen haben (oder haben wir lediglich jedes Jahr diese eine Woche einen unverstellten Zugang zu ihr?), wissen wir, dass es keine striktere Art von Verfassung geben kann als die aus dem Spiel erwachsende. Nämlich, die Regeln stellt das Spiel selbst auf, aus sich selbst heraus, und weil wir ein Kollektiv sind mit nur gelegentlichen kosmetischen Eingriffen durch den Spielertrainer, kann es vorkommen (bzw. ist ausdrücklich erwünscht!), dass sich diese Spielregeln in der individuellen Wahrnehmung unterschiedlich darstellen, mitteilen und instantissime ändern: Ein unentwegtes Wechseln jeglicher Gestalt.

Das Leben, ein Spielen: Es gibt keine Probe, ist immer JETZT.

Nennen wir es die Verwirklichung einer utopischen, libertalischen Lebensweise, und wir (mit hinein genommen unser p.t. publico!) sind die Gründungsmütter & -väter einer umfassend freien und gleichen, konsequent demokratischen Republik des Tönens. Die manchmal unerlässliche Leitungsmacht fußt einzigundallein in der beständig zu erneuernden Einwilligung sämtlicher Bürgerinnen und Bürger.

Als Bojen auf unserer Kreuzfahrt abseits aller Handelsrouten sind zwischendurch Orakel – formuliert von Herta Müller als Sibylle – zu befragen; auch deren Deutung obliegt einzig dem Kollektiv, und wer weiß, vielleicht leiten sie uns bis nach Madagaskar. Oder wir landen östlich davor, auf den Maskarenen. Sicher ist: Der Dodo lebt! (Wie das wohl wieder zu verstehen sein mag? – Wir sind jedenfalls zutiefst betroffen von dieser Metapher!)

Émile Cioran erzählt uns, dass Sokrates, während man ihm den Schierlingsbecher bereitete, Flöte übte, um eine Meoldie zu erlernen: »Was hast du davon?« – »Dass ich diese Melodie kann, bevor ich sterbe.« Für Cioran ist diese Haltung die einzig ernsthafte Rechtfertigung jedes Erkenntniswillens – einerlei, ob an der Schwelle des Todes oder in irgendeinem anderen Augenblick des Lebens.

Viktring, am 23. Juli 2017
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DISCLAIMER

Im Gegensatz zu ästhetisch fragwürdigen, zertifizierten Qualitätsprodukten geben wir niemandem vor, wann man auf welche Weise betroffen zu sein hat und wie Das Alles zu verstehen sei. 
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Literatur

Émile Cioran: Prunkvolle Nutzlosigkeit, in: Lehre vom Zerfall. Übertragen von Paul Celan. Stuttgart: Klett-Cotta, 1979.

Daniel Defoe: Libertalia. Die utopische Piratenrepublik. Übersetzt von David Meienreis und Arne Braun. Herausgegeben und eingeleitet von Helge Meves. Berlin: Matthes & Seitz, 2015.

Thomas Morus: Utopia, in: Der utopische Staat. Morus – Utopia, Campanella – Der Sonnenstaat, Bacon – Neu-Atlantis. Übersetzt und herausgegeben von Klaus J. Heinisch. Reinbek: Rowohlt, 1960.

Herta Müller: Vater telefoniert mit den Fliegen. München: Hanser, 2012.
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NACHWORT

Heuer war das SPIELEN besonders harmonisch, und die actuelle Capelle hat so subtil gespielt, dass es selbst bei den oft sich ergebenden leisen Passagen nie kitschig-pseudoesoterisch wurde. Wer fragen will, wie es kam, dass wir den Bandnamen erweitert haben auf Mütter und die Kochblumen, kann dies gerne tun. Wir geben gerne Auskunft.

Danke allen lieben Leuten vom Musikforum für den idealen Rahmen – und mehr als das!
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ACHJA (Extradank an Maria Hoppe & Werner Überbacher)

Die komplette Galanacht auf Video gibt es bereits hier und da, sowie dader.

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Montag, 17. Juli 2017
Viktring (A)
, Kellertheater
ad: ATLANTIS
<where trouble\s/melt\s/like lemon drops>

Eine utopische Verortung aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
(Trombonutopist; in einfachem Deutsch)

Wie stets ist es eine Reise ins Geahnte. 

http://oe1.orf.at/uimg/5c/cc/5ccc5279af56d8d4f8ee1f0ab1998ac56601cc88.jpg

… ob es über den Regenbogen geht? Wo weiter? (Wie weiter?)

Warten wir derweil ein Weilchen…
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Teile

1   where
2   trouble/s
3   \s/melt\s/
4   like
5   lemon (drops)

E   here <now/\here>
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Eine gewisse Ratlosigkeit unter den Fach-Kolleg*inn*en, etwa: ein Musiker sei ein Musiker sei ein Musiker … ich erinnere mich, wie der Spieß beim Militär dereinst mir als erster den Rat gegeben hat, das Denken doch besser den Pferden zu überlassen, die hätten einen größeren Kopf … bitte wer behauptet (mit welchem Recht?), ein Musiker habe immer ausschließlich Musik zu machen oder, maximal, diese (ihre/seine eigene) hölzern zu erklären?

Weiters: Zustimmung im Publikum. Man hatte sich aber schon gewünscht, ich möge mehr spielen. Nun, Somewhere Over The Rainbow, man höre es sich an, verebbt im Original auch recht schnell, und es ist ja, ehrlich gesagt, authentischer so.

Das Spielen habe ich dann aber nachgeholt, am 23. Juli im Rahmen der Galanacht der Improvisation. Allseitige Versöhnung.

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Ausführliches zum Werk hier.

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Sonntag, 16. – Sonntag, 23. Juli 2017
Viktring (A)
, Musikforum Viktring-Klagenfurt 
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die ACTUELLE CAPELLE der jährlich sich aufs neue konstituierenden vormaligen Viktring Konoba Bänd ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im – HUCH! – dreizehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELEN!den ohnehin immer ganz von vorn anfangen. Müssen. … Dürfen!

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/nur_spielen.jpg

SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im vertrauten Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Arkadenhof tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND! zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


AnSPIELEN: Sonntag, 16. Juli 2017, 15.00
Stift Viktring (A), Stiftshof (beim Caffè-Trinken)

Gespielt wird täglich in zwei Blöcken (10.00–13.00, 14.00–17.00; flexibel nach gemeinsamer Übereinkunft; in Summe und inkl. Soundcheck und Konzert 14 Module).

Unterrichtssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Latein.

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Samstag, 8. Juli 2017
Gmünd (A)
, Eisenberger Fabrik
»Im Herzen der Welt« – Gerhard Trumler

Ausstellungseröffnung
mit
Gerhard Trumler, Fotografie
Gregor Auenhammer, Laudatio
Bertl Mütter, Posaune

http://www.bibliothekderprovinz.at/media/events/trumler_gerhard_ausst_fabrik.jpg

Eine kurzfristig von Richard Pils an mich herangetragene Anfrage, der ich sehr gerne nachgekommen bin.

Die Eisenberger Fabrik an sich ist schon ein lohnendes Reiseziel. Umso mehr, da es nun eine so feine Ausstellung dort gibt und man also auch das Gebäude innen wie außen erkunden kann.


(Schon merkwürdig – befremdlich –, dass jemand, der so großartige, still-empathische Bilder zu schaffen vermag, derartig bärbeißig polternd auf seine Meisterschaft hinweisen muss. Ein Bild von ihm genügte doch, dies eindrucksvoll zu untermauern.)

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Sonntag, 2. Juli 2017
Samstag, 24. Juni 2017
Wien (A)
, Werk X im Kabelwerk
Musiktheatertage Wien
Futur exakt oder Wie alles gewesen sein wird

Rückblicke auf Zukünfte von und mit Bertl Mütter (Posaune; in einfachem Deutsch)

Es heißt, die Zukunft sei auch nicht mehr das, was sie einmal war. Dieser Behauptung wollen wir mit der Zeitlupe auf den Zahn fühlen. Wenn wir an den richtigen Rädern drehen, stellt sich heraus, dass alles nicht so kompliziert ist. (Nicht einfacher: anders kompliziert.) Nach wie vor gilt: »Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.« Wir werden sehen. Immerhin waren schon ein paar dort. Oder will es nachher dann wieder einmal keiner gewesen sein?

Verhandelt wird die Causa The Doors vs. Status Quo. Als Zeugen geladen (u.a.): Jorge Luis Borges, Vladimir Nabokov, Johann Philipp Neumann mit Franz Schubert, H.C. Artmann, Edler von Traumpichl, Louis de Funès. Die üblichen Verdächtigen. Ich aber sage Euch: Seher!

Im Ö1-Abendjournal des 5. April 2017 kam die Meldung: »Der Kärntner Zukunftsfonds ist bald Geschichte.« Mit einemmal erbebte da die Erde, ohne sich dessen vorderhand gewahr zu werden. Keine weiteren Fragen.

http://www.tuev-sued.de/uploads/images/1238496277548717350737/mehr_zukunft-b.jpg

Am 7. Mai 2017, es ist ein Sonntag, erscheinen die Aushängetaschen dreier Tageszeitungen mit dem wohl in Werbeabsicht applizierten Einlagebild einer Versicherung, diese fordert oder verspricht, je nach Zeitung für 90 Cent, 1 oder 1,20 Euro »MEHR ZUKUNFT!« Abgebildet sind zwei Kinder im besten Kinderalter, die, da sie gemeinsam von einem Trampolin hochgesprungen zu sein scheinen, sich in der Luft räkeln, ja, im Augenblick regelrecht festgehalten sind (die Zeit steht still); es droht ihnen jedoch in Kürze das Eintreffen dieser geforderten Zukunft als Auftreffen am Rand, auweh. Wir wollen hoffen, dass es sich um eine Fotomontage handelt. Was das nun über die Versicherung aussagen mag, bleibt uns aufmerksamen Damen und Herren Betrachterinnen und Betrachtern überlassen. Indes, deren Sorgen möchten wir haben.

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PS: Die weiteren von mir überaus geschätzten und teilweise vorgeschlagenen Viertelbeitragstäterinnen sind Anne Bennent mit Karl Ritter, Melissa Coleman mit Radek Knapp, sowie Maja Osojnik.
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PPS: Wie ich angekündigt hatte, dass alles sein würde, exakt so hat sich alles zugetragen. 

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Freitag, 30. Juni 2017
St. Lambrecht (A)
, Peterskirche
Fest zur Wiedereröffnung der Peterskirche

mit u.a.
Grazer Kapellknaben
Vokalensemble '3dulio'
Bertl Mütter, Posaune
Manfred Novak, Orgel

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/35/Peterskirche_im_Stift_St._Lambrecht.jpg/640px-Peterskirche_im_Stift_St._Lambrecht.jpg

Als Freund des Hauses mit oftmals gewährtem Gastrecht – drei hier aufgenommene CDs zeugen davon, dazu verbringe ich regelmäßig inspirative Zeit hier in der Clausura – ist es mir eine Freude, dieses nun musterhaft renovierte und in eine architektonische Gegenwart gebrachte gotische Baujuwel anlässlich seiner Neueröffnung als einer der Ersten bespielt haben zu dürfen.

https://www.murtalinfo.at/daten/bildergalerie/DSC_9910(4).jpg

Drei Passagen habe ich (mit)gestaltet:

15.15   Bertl Mütter, Posaune
»ad: parlando
(Peterskirche, 29. Juni 2004)«

Tatsächlich exakt 13 Jahren zuvor habe ich meine erste von bislang drei in St. Lambrecht eingespielten CDs aufgenommen und sie »parlando« genannt, eine Sammlung improvisierter Miniaturen, die sich ganz auf den jeweiligen Raum (Peterskirche/Karner/Schlosskapelle) einlassen. Diesen versonnenen Spielereien habe ich zur Eröffnung des Fests hörbar nachgelauscht: »prologo«, »invenzione d’entro il vento«, »melodia«, »monologo«, »poco trovando«, …

19.00​   Grazer Kapellknaben & Bertl Mütter, Posaune
»introimus, audimus, gaudimus« (UA)
Ich habe extra ein den Hör-Raum ausgreifend eröffnendes Stück höheren Schabernacks ersonnen, das nach Absingen eines panglotten Hymnos in Anton Bruckners »Locus iste« verwoben mit meiner mehrstimmiger Posaunen-Adaption »irreprehensibilis« mündete.
Es war ein spannungsreiches (erstmaliges) Aufeinandertreffen im Zusammenklingen! Und etliche Leute haben es schade gefunden, dass wir keine Aufnahme gemacht haben. Aber, he: Es klingt nach im Raum!

21.30​   Bertl Mütter, Posaune
»in tenebris«
Ein Schließen des akustischen Bogens mit heimlich-vertrauten Klängen, die in die einsetzende Dunkelheit geleiteten: »tremendo«, »tremolando«, in die Stille: »poco tranquillo«, ins Geahnte: »con i campane«. Draußen die Natur klingt indes immer weiter: »ai uccelli«. Weiter, immer weiter: »…«
__________________

Mein Spiel sei eine kleine Geste des Danks an Gerwig Romirer und den Konvent der Benediktiner zu St. Lambrecht.

in other words

[In langjähriger Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

PS: Zeit wird’s, wieder in der Peterskirche aufzunehmen!

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