franz schuh im o-ton

(auf die frage, ob er mit bertl mütter gemeinsam auftreten wolle)

… nein, ich würde mit dem bertl mütter nicht auftreten, denn ich würde mit meiner schwachen kunst seine große kunst nicht minimieren wollen auf einer bühne, aber – ich hab einmal was probiert: und zwar, ich habe ihn gesehen, in gmunden – in diesem wunderbaren stadttheater, eine der schönsten bühnen, ja ich würde überhaupt sagen europas, nein, der welt –, und da hab ich ihn auftreten hören und sehen, da hat er ein gedicht von jandl rezitiert, und das ist ein gedicht, das, nach meinem gefühl, und ich habe es mehrere male probiert – ich bin einer der menschen, die gedichte laut lesen – wahnsinnig schwer hinzukriegen ist. das ist nämlich ein gedicht – von jandl, wie gesagt – in dem der aggressive infantilismus, den die poesie zu haben hat nach meiner meinung, in richtung infantiles zu stark ausgebaut ist. das ist dieses gedicht, wo es irgendwie heißt – gedichte nacherzählen is eh a wahnsinn, aber warum nicht? – wo es irgendwie heißt: seinl kaffee oder deinl kaffee ist nicht das ideale, also nicht das gelbe vom ei, also nicht seinl kaffee und nicht deinl kaffee, und zum schluss heißts dann: meinl kaffee. dieses spielen mit der marke, das kriegt man irrsinnig schwer hin, weil man ja vom infantilismus und von dieser markensprachlichkeit – meinl meinl meinl … dieses gedicht ist übrigens wunderbar heute für die aktie, nicht seinl aktie, deinl aktie, sondern die wirkliche wunderbarkeit ist die meinl-aktie… – nein, das kriegt man so schwer hin, weil das liegt irgendwie einerseits so auf der hand, und du musst aber die dahinter liegende aggression … so wie kinder – das kenn i ja ned, weil i ned am land aufgewachsen bin, aber man hat mir das erzählt – so wie kinder frösche töten und auseinandernehmen, so muss man eben dieses böse da im seinl und im deinl, das muss man irgendwie rauskriegen – das hab ich oft probiert, das geht nicht – und dann hab ich den gesehen, den mütter, der kann das, der kriegt das irgendwie hin – ein schlechter rezitator, der bringt das gedicht von der oberfläche nicht weg – und plötzlich hat das bei ihm, ja, sagen wir einmal: dimensionen. und da hat man gesehen, wie man sozusagen mit literatur umgehen kann, ohne, dass man diese kunstzerstörerische burgtheaterübung draufhat.



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MEINL KAFFEEL

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