mdl booklet

mdl.01.

imwunderschoenenmonatmai
2’34
langsam, zart
molto legato, rubatissimo
immer wieder verweilen

1 (i)

im wunderschönen monat mai,
als alle knospen sprangen,
da ist in meinem herzen
die liebe aufgegangen.

im wunderschönen monat mai,
als alle vögel sangen,
da hab ich ihr gestanden
mein sehnen und verlangen.


mdl.02.

ausmeinentraenenspriessen
3’03
nicht schnell
sempre glissando e circolando

2 (ii)

aus meinen thränen sprießen
viel blühende blumen hervor,
und meine seufzer werden
ein nachtigallenchor.

und wenn du mich lieb hast, kindchen,
schenk’ ich dir die blumen all’,
und vor deinem fenster soll klingen
das lied der nachtigall
.


mdl.03.

dierosedielilie
1’04
munter
husch-husch
tupfer – quasi pizzicato

3 (iii)

die rose, die lilie, die taube, die sonne,
die liebt’ ich einst alle in liebeswonne.
ich lieb’ sie nicht mehr, ich liebe alleine
die kleine, die feine, die reine, die eine;
sie selber, aller liebe bronne,
ist rose und lilie und taube und sonne.



mdl.04.

wennichindeineaugenseh
1’49
langsam
sehr langsam

4 (iv)

wenn ich in deine augen seh’,
so schwindet all mein leid und weh;
doch wenn ich küsse deinen mund,
so werd’ ich ganz und gar gesund.

wenn ich mich lehn’ an deine brust,
kommt’s über mich wie himmelslust;
doch wenn du sprichst: ich liebe dich!
so muß ich weinen bitterlich
.


mdl.05.

ichwillmeineseeletauchen
1’10
leise
in drei lose verbundenen etappen
arpeggierendes wurln imaginieren
(ma non troppo)

5 (vii)

ich will meine seele tauchen
in den kelch der lilie hinein;
die lilie soll klingend hauchen
ein lied von der liebsten mein.

das lied soll schauern und beben,
wie der kuß von ihrem mund’,
den sie mir einst gegeben
in wunderbar süßer stund’
.


mdl.06.

imrheinimheiligenstrome
2’25
ziemlich langsam
**

6 (xi)

im rhein, im heiligen strome,
da spiegelt sich in den well’n,
mit seinem großen dome,
das große, heilge cöln.

im dom da steht ein bildniß,
auf goldenem leder gemalt;
in meines lebens wildniß
hat’s freundlich hineingestrahlt.

es schweben blumen und englein
um unsre liebe frau;
die augen, die lippen, die wänglein,
die gleichen der liebsten genau
.


mdl.07.

ichgrollenicht
2’20
nicht zu schnell
verhalten, konterkarierend
(fast wie ein choral)

7 (xviii)

ich grolle nicht, und wenn das herz auch bricht,
ewig verlor’nes lieb! ich grolle nicht.
wie du auch strahlst in diamantenpracht,
es fällt kein strahl in deines herzens nacht.

das weiß ich längst. ich sah dich ja im traume,
und sah die nacht in deines herzens raume,
und sah die schlang’, die dir am herzen frißt,
ich sah mein lieb, wie sehr du elend bist
.


mdl.08.

undwuesstensdieblumen
1’17
*
sternschnuppig

8 (xxii)

und wüßten’s die blumen, die kleinen,
wie tief verwundet mein herz,
sie würden mit mir weinen,
zu heilen meinen schmerz.

und wüßten’s die nachtigallen
wie ich so traurig und krank,
sie ließen fröhlich erschallen
erquickenden gesang.

und wüßten sie mein wehe,
die goldnen sternelein,
sie kämen aus ihrer höhe,
und sprächen trost mir ein.

die alle können’s nicht wissen,
nur eine kennt meinen schmerz;
sie hat ja selbst zerrissen,
zerrissen mir das herz
.


mdl.09.

dasisteinfloetenundgeigen
1’36
nicht zu rasch
ein wilder reigen, in fetzen
sehr derb walzen
angeduselt eiern

9 (xx)

das ist ein flöten und geigen,
trompeten schmettern drein;
da tanzt den hochzeitreigen
die herzallerliebste mein.

das ist ein klingen und dröhnen,
von pauken und schallmei’n;
dazwischen schluchzen und stöhnen
die guten engelein
.


mdl.10.

hoerichdasliedchenklingen
2’39
langsam
sehr langsam
traumverloren

10 (xli)

hör’ ich das liedchen klingen
das einst die liebste sang,
so will mir die brust zerspringen
vor wildem schmerzendrang.

es treibt mich ein dunkles sehnen
hinauf zur waldeshöh’,
dort lös’t sich auf in thränen
mein übergroßes weh’
.



mdl.11.

einjuenglingliebteinmaedchen
1’36
*
tuba-täppisch
eiernd

11 (xl)

ein jüngling liebt ein mädchen,
die hat einen andern erwählt;
der andre liebt eine andre,
und hat sich mit dieser vermählt.

das mädchen heurathet aus aerger
den ersten besten mann,
der ihr in den weg gelaufen;
der jüngling ist übel dran.

es ist eine alte geschichte,
doch bleibt sie immer neu;
und wem sie just passiret,
dem bricht das herz entzwei
.


mdl.12.

amleuchtendensommermorgen
2’43
ziemlich langsam
delikat

12 (xlvi)

am leuchtenden sommermorgen
geh’ ich im garten herum.
es flüstern und sprechen die blumen,
ich aber wandle stumm.

es flüstern und sprechen die blumen,
und schau’n mitleidig mich an:
sey unserer schwester nicht böse,
du trauriger, blasser mann
.


mdl.13.

ichhabimtraumgeweinet
2’50
leise
verloren

13 (lvi)

ich hab’ im traum’ geweinet,
mir träumte du lägest im grab’.
ich wachte auf und die thräne
floß noch von der wange herab.

ich hab’ im traum’ geweinet,
mir träumt’ du verließest mich.
ich wachte auf, und ich weinte
noch lange bitterlich.

ich hab’ im traum’ geweinet,
mir träumte du wärst mir noch gut.
ich wachte auf, und noch immer
strömt meine thränenfluth
.


mdl.14.

allnaechtlichimtraume
1’02
*
**

14 (lvii)

allnächtlich im traume seh’ ich dich,
und sehe dich freundlich grüßen,
und lautaufweinend stürz’ ich mich
zu deinen süßen füßen.

du siehst mich an wehmütiglich,
und schüttelst das blonde köpfchen;
aus deinen augen schleichen sich
die perlenthränentröpfchen.

du sagst mir heimlich ein leises Wort,
und giebst mir den strauß von zypressen.
ich wache auf, und der strauß ist fort,
und’s wort hab’ ich vergessen
.


mdl.15.

ausaltenmaerchen
1’57
lebendig
heimlich panisch

15 (xliv)

aus alten mährchen winkt es
hervor mit weißer hand,
da singt es und da klingt es
von einem zauberland’;

wo bunte blumen blühen
im goldnen abendlicht’,
und lieblich duftend glühen
mit bräutlichem gesicht;

und grüne bäume singen
uralte melodein
die lüfte heimlich klingen,
und vögel schmettern drein;

und nebelbilder steigen
wohl aus der erd’ hervor,
und tanzen lust’gen reigen,
im wunderlichen chor;

und blaue funken brennen
an jedem blatt und reis,
und rothe lichter rennen
im irren, wirren kreis;

und laute quellen brechen
aus wildem marmorstein,
und seltsam in den bächen
strahlt fort der wiederschein.

ach! könnt’ ich dorthin kommen,
und dort mein herz erfreu’n,
und aller qual entnommen,
und frei und selig seyn!

ach! jenes land der wonne,
das seh’ ich oft im traum,
doch kommt die morgensonne,
zerfließt’s wie eitel schaum
.


mdl.16.

diealtenboesenlieder
4’56
ziemlich langsam
zäh. sehr zäh.

16 (lxvi)

die alten, bösen lieder,
die träume schlimm und arg,
die laßt uns jetzt begraben,
holt einen großen sarg.

hinein leg’ ich gar manches,
doch sag’ ich noch nicht was;
der sarg muß seyn noch größer
wie’s heidelberger faß.

und holt eine todtenbahre,
von brettern fest und dick;
auch muß sie seyn noch länger
als wie zu mainz die brück’.

und holt mir auch zwölf riesen,
die müssen noch stärker seyn
als wie der starke christoph
im dom zu cöln am rhein.

die sollen den sarg forttragen,
und senken in’s meer hinab;
denn solchem großen sarge
gebührt ein großes grab.

wißt ihr warum der sarg wohl
so groß und schwer mag seyn?
ich legt’ auch meine liebe
und meinen schmerz hinein
.


mdl.mdl

(cadenza & quodlibet)
13’31
ausfliegend
zurückkehrend
dann:
andante espressivo
(quodlibet)

17.


bonus


18.
schweigen
engl. silence
2’16.50 (stereo)


19.
ruh’ (rau)
3’09
langsam
(nach schubert nach goethe)



* schumann: keine angabe
** mütter: keine angabe


der text folgt – ausgenommen die konsequente kleinschreibung
– in orthographie und interpunktion dem buch der lieder, von
h. heine, hamburg, bei hoffmann und campe, 1827.
(1. auflage)

muetter.at
muetter.at
muetter.at