le mardi, à 3 h. 19.

  
Ein Stück für die wunderbare Anna Maria Pammer.

http://ampammer.de/Anna%20Maria%20Pammer_rw_01_2008_download.jpg

Vordergründig geht es um eine Textperikope von Jacques Prévert; bei mir im Sinne einer Wanderung, um … herum.

Mon coucher a lieu régulièrement à 22 h. 37. Hebdomadairement, reveil et sursaut à 3 h. 19 (le mardi).
Regelmäßiges Zubettgehen um 22 Uhr 37. Einmal wöchentlich fahre ich um 3 Uhr 19 aus dem Schlaf hoch (dienstags).
Erik Satie*

*Erik Satie: Mémoires d’un amnésique. La journée du musicien (fragment) – Erinnerungen eines Menschen mit Gedächtnisverlust. Der Tagesablauf des Musikers. In: Schriften. Herausgegeben von Ornella Volta. Aus dem Französischen von Silke Haas. Hofheim: Wolke, 1988 (S. 148f).


Lieder (Symphonien, Klaviersonaten, Streichquartette) als Lieder (…) sind schon genug komponiert worden (eher: zu viele). Die Welt wartet auf keinen Prévert-Zyklus von Bertl Mütter, weil sie ihn nicht braucht; und ich finde ihn detto schlicht nicht notwendig.


Zur gefllg. Information, der Ausgangstext

Soudain l’homme se réveille
au milieu de la nuit
il est saisi par le malaise
et il écoute malgré lui
le silencieux vacarme de l’angoisse
le bruit qui ne fait pas de bruit

Plötzlich erwacht der Mensch
mitten in der Nacht
ihn erfasst ein Unwohlsein
und er hört unwillkürlich
den stillen Krach der Angst
den Lärm, der keinen Lärm macht


Ich postuliere jetzt nicht, dass ich was Ganz Neues mache(n will), das wäre erstens vermessen und zweitens naiv. Aber eben aufs/ins Dahinter blicken (lauschen), das ist ja auch die zentrale Frage, die Prévert aufwirft: WAS lässt uns plötzlich in der Nacht hochfahren, bzw. was ist das für ein bruit qui ne fait pas de bruit? In diesem Sinn, nennen wir es Kette/Schuss (moiré…) oder nennen wir es Folie, wird Prévert vorzukommen haben. Vgl. vielleicht auch die Art, wie Ransmayr in der Letzten Welt mit Ovid umgeht. Weiters ist mir auch der Begriff »zweite Naivität« in diesem Zusammenhang wieder einmal in den Sinn gekommen, und das liegt mir allerdings. Und, weiter, solo, das bedeutet auch einen gewissen asketischen Zugang.

Anna Maria Pammer zu ihrer Motivation, Prévert-Texte zur Vertonung auszuschreiben: »Ich gestehe, dass ich einen Hang zu diskret-delikat politischer Kunst habe. Prévert erfüllt das für mich, noch dazu auf einem wunderbaren sprachlichen Niveau.« Nun denn, ESTO!, will heißen: Wollen wir also diesen Hang (wo immer er stehen mag) hinaufziehen und – aahhh! – lustvoll hinabgleiten!


des weiteren…

Traduttore – Traditore
(«Traducteur, traître», soit: «Traduire, c'est trahir»)

Es geht um die Grundproblematik jeden Übersetzens, welches immer einer Verzerrung gleichkommen muss und damit für grundsätzlich unzulässig erklärt werden muss.
Dabei machen es uns gewisse Signalworte nicht gerade leicht. Bereits das erste Wort der mir von Anna Maria Pammer als Inspirationsansporn vorgeschlagenen Texte von Jacques Prévert stimmt in onomatopoetischem Sinn nicht im mindesten mit seinem inhaltlichen Gehalt überein. Soudain, das spricht man langsam (wie auch sonst!) aus, in- und exhaliert es bedächtig, lässt es über seine Sprech-Geschmacksknospen ein- und aussa(u)gend luftanreichernd (ähnlich dem Weinverkosten) gleiten, und es bildet so gar nichts von einer wie immer gearteten Plötzlichkeit ab: [sssssuuuu.dɛ̃ɛ̃ɛ̃ɛ̃ɛ̃], das kommt so allmählich daher wie nur vorstellbar, und es verklingt auch ins Nichts. Musikalisch gesprochen: dal niente … al niente. Ein Faultierwort.

Jaja, geschenkt, wir haben nachgeschaut, soudain kommt von lat. subitaneus, und als ital. subito wirkt es, innermusikalisch verwendet ja auch, einigermaßen unmittelbar (wenn auch nicht so dringend-zwingend wie attacca). Das englische suddenly / all of a sudden verfügt durch den Doppelkonsonanten dd ebenfalls über ausreichend Dringlichkeit. Aber, bitte, [su.dɛ̃], das ist sowas von gemächlich, wohlig-warm stimmhaft anlautend und ins Nichts verklingend, … wir hatten das bereits.

Plötzlich! – bitte, das nenn’ ich mir ein angemessenes Wort: Allein wie das schon unvorhersehbar aus sich selbst herausplatzt! Auch der große Gert Jonke wusste darum und nannte sein letztes dramatisches Werk (2008) genau so: Platzen Plötzlich. – Kann man doch bei einem sich auslösenden -p! nie sagen, wann genau es in beklemmender Stottererintensität hervorbricht. Nicht im mindesten jedoch kann man von so einem Elementarereignis beim gähnend-gemütlichen soudain reden.

Naturgemäß können wir uns ein gemächlich ablaufendes Hochfahren vom Schlaf, so ganz ohne verrissenes Kreuz, nicht vorstellen. Dies bedenkend, wird alles weitere recht rasch sehr absurd.


NB:
Dass ich mir – wider so viele Ernstigkeit! – Erik Satie als Paten nehme, das lasse man mir als petit geste pour le plaisantain (für den Schalk!) bitte durchgehen.


Im August 2017 habe ich also, alles andere als so locker zwischendurch, an diesem kurzfristigst bei mir bestellten Stück gearbeitet, uff, wie man sagt. Das Manuskript konnte ich bereits am letzten jeudi vom August übergeben, und bereits am 19. September (abermals ein jeudi) hat sie’s aufgenommen. Bin ich gespannt, wie es klingt. In der Probe war’s jedenfalls recht erfreulich.

(Bericht folgt.)


DANKE!

Komposition und Druck von «le mardi, à 3 h. 19.» wurden großzügig unterstützt. Fördergeber sind:

SKE-Fonds der austro mechana 

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… wird sich noch melden.]


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