UTOPERAN19 – Mütter’s Civilisation

Kompositionsauftrag der Musiktheatertage Wien, finanziert durch die

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DANKE.

Wie stets ist es eine Reise ins Geahnte. Indes, der herbeigesehnte utopische Ort »where troubles melt like lemon drops« ist sprichwörtlich »dort, wo du nicht bist«, in Schuberts »Wanderer« (der Gletschergleiche kommt »vom Gebirge her«), heißt es noch, final darniederschmetternd, »dort ist dein Glück«. – »Na dann aber viel Vergnügen!«

Gar leicht ist’s, sich selbst die allergrößten Schwierigkeiten zu machen. Anderen auch.

Bertl Mütters zivilisatorisches Klangrillenabtasten (eine Art Abschmelzen) kann nur ein Taumeln sein, zwischen Sehnsucht und Ernüchterung. Ob beim Auftauen was herausapern, gar sich etwas erfüllen wird, wissen wir erst, wenn es passiert. Sicher ist: Überschwemmungen heutzutage sind immer sintflutartig, erst recht, wenn sie Starkregen folgen, wie es ihn »seit Menschengedenken« nicht gegeben hat. Früher hat es statt Starkregen Wolkenbrüche gegeben. Die sind nun also gottlob behoben.
Menschengedenken, Amnesie.

Dass es sich bei allem Leben (erst recht bei allem Vergessen) um irreversible Vorgänge handelt, kann auch als Trost verstanden werden, und viel Anlass zu größerer Hoffnung besteht ohnehin nicht.

     »Haben Sie auch nichts vergessen?«
     
(Insert für Aussteigende, ÖBB; lesbar in diversen Betonvarianten)

Man wird sich doch wohl noch was wünschen dürfen.

Was wünschen wir uns eigentlich?

     »When life gives you lemons, squeeze them in people’s eyes.«

»MYTHOS ZIVILISATION«, so das Motto der Musiktheatertage Wien 2019; das habe ich mir ungeniert hergenommen und zurechtgebogen – ist doch die USURPATION allererste künstlerische Disziplin (man soll sie nicht den bösen Weltenbrandstiftern überlassen): Mütter’s Civilisation also. Je nach persönlichem Lesewillen oder -vermögen Englisch oder mit Trottelapostroph. Wohin sich halt unsere Welt ent- bzw. verwickelt hat.

Im Juli 2019 hat sich Sylvia Wendrock mit mir zu einem sehr anregenden und erfreulich persönlichen Gespräch getroffen. Am 2. September 2019 wurde es auf musicaustria.at veröffentlicht.


Bertl Mütter and his trombone took centre stage for Utoperan 19, a short but sweet performance piece in which multiphonics, Schubert, and a witty tangle of thoughts on structure, organisation, society and music are woven into one poetic piece of brilliance, a prelude for the festival discussion on civilisation and its myths. Vienna is a place that does both philosophy and madness very well, and the Music Theatre Days, now in their fifth year, tread the razor’s edge between risk and expertise with balletic grace.
Shirley Apthorp, Financial Times, 18.9.2019


https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27316_SW_500px.jpg

Es werden die grundlegenden Prinzipien großer organisierter Systeme vorgetragen: Das Privateigentum, die freie Währung, der Markt, die Börse, das Steuersystem, die Zinsen, die Aneignung und die Enteignung, die Produktion, die Umverteilung, der Konsum, Versorgung und Entsorgung, Reichtum und Armut, Kommunikation, Repression, Verbrechen, Lotterie, Gefängnisgebäude, Strafrecht, Zivilrecht, Verkehrsregeln, Wörterbuch, Telefonbuch, das Netz der Prostitution, Rüstungsfabriken, die Armee, Friedhöfe, Polizei, Schmuggel, Drogen, unerlaubter, dennoch zugelassener Handel, pharmazeutische Forschung, das Glücksspiel, der Preis für Priester und Beerdigungen, Gerechtigkeit, Anleihen, politische Parteien, Wahlen, Parlamente, Regierungen, das konvexe, konkave, ebene, vertikale, schräge, konzentrierte, verstreute, entflohene Denken, die Entfernung der Stimmbänder, der Tod des Wortes.

Hier wird von Organisation gesprochen, (…)

___________________
José Saramago: Die Stadt der Blinden. Aus dem Portugiesischen von Ray-Güde Mertin. München: btb, 2015. (378)


Behauptung
Der Titel UTOPERAN19 hat nichts mit der Jahreszahl 2019 zu tun.

Gegenfrage
Warum dann dieser ›Zufall‹ – und nicht UTOPERAN10, 11, 12 (etc.)?

Darlegung
1 – 0 scheidet aus als Binarität erster Ordnung. 1 – 1 wäre nicht uninteressant, und in einem späteren Werk wird etwa darauf einzugehen sein, dass das Wort elf das kürzeste Zahlwort in der deutschen Sprache ist (engl.: eleven…); da uns allerdings erwiesenermaßen unselige Anwandlungen, die Naturwissenschaften zu nationalisieren, fremd sind (Deutsche Medizin; und überhaupt, was wäre das, eine, sagen wir, ungarische Mathematik, jetzt einmal abgesehen vom Rubik-Würfel), implodiert dieses kurze Hochschwingen der Elf weit vor ihrem Abheben. 1 – 2 ist fad, allzu vorhersehbar und selbsterklärend: »Das Vollendete bleibt doch stets ein wenig mittelmäßig.«, bemerkte einst, an einem 24.2., Jules Renard, dieser Fuchs! 1 – 3 als 13 ist (spätestens seit dem Triskaidekaphobiker Schönberg) ebenso vorbelegt wie die Nothelferzahl 14. 15 und 16 machen auch Gähnen. 17 hat als Primzahl einen gewissen Charme; da sie aus gleich zwei Unteilbaren zusammengebastelt ist, ist sie denn auch wieder etwas gar einfärbig. 18 ist eine Volljährigkeitszahl, was bedeutet, dass sie so lange interessant ist, bis man sie erreicht hat; es gilt aber weiter zu gehen. Womit wir bei der Kombination 1 – 9 angelangt sind, diese hat – nun erwiesermaßen – alles, was wir brauchen. Zudem gilt: 1 + 9 = 10, also 1 – 0; 1 – 9 stellt somit eine Binarität zweiter Ordnung dar, ab hier geht’s nun aber wirklich los.

Nachfrage
Was hat es aber nun mit Mütter’s Civilisation auf sich?

Darlegung
Vorweg wäre zu klären, ob es sich um das Trottelapostroph oder den Saxon Genitive han- 

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/bertihumor.jpg[bricht ab]

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