a/k/a aka

  
Bertl Mütter (Mut- und Wunderhorn, Stimme; Konzept; Komposition)

Bei keiner anderen Weltgegend drängen sich Bilder einer überkommenen kolonialistischen Völkerkunde derart klischeehaft in den Vordergrund: Wir hören Afrika und denken Eingeborene. Wohlwollend, selbstverständlich, man ist ja aufgeklärt und weiß, dass die Forschungsdisziplin, die auf dem Prinzip der teilnehmenden Beobachtung fußt, längst schon Anthropologie heißt, und die zu Erforschenden sind Partner auf Augenhöhe – ein dynamischer und also wechselseitiger Prozess.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bb/African_Pigmies_CNE-v1-p58-B.jpg

„Wie höre ich, als Europäer, Afrika und seine Musik?” – Diese(r) Frage stellt sich Bertl Mütter, lässt das fri weg und kommt, wie von selbst, zu einer hochartifiziellen Musik, die ihn als erste außereuropäische unmittelbar zutiefst beeindruckt hat (Early Music in mehrfacher Weise), jene nämlich einer zentralafrikanischen Gesellschaft, auch bekannt als (a/k/a) Aka-Pygmäen. Wie schnell doch Begriffe wie Augenhöhe prekär werden können!

Die umgekehrte Frage kommt über die Bande: „Wie könnte sich unsere europäische Musik jemandem darstellen, der in einer afrikanischen Hörtradition beheimatet ist?” (Erinnern wir uns Walter Wippersbergs legendärer Mockumentary „Das Fest des Huhnes”; manche von Ligetis Klavieretüden ließen sich hier auch hineinreklamieren.)

In a/k/a aka lauscht Bertl Mütter dem mit Posaune, Stimme und Wunderhorn mögliche Antworten ab. Ein Hörenmachen aus einer geahnten Schule des Staunens.

Zwischen der Musik und einschlägigen Literaturzitaten (Raoul Schrott, Pierre Bayard, Angus Buchanan) präsentieren Maria Alraune Hoppe und Edgar Hättich Beispiele aus ihrer umfangreichen Sammlung ethnischer Musikinstrumente und bringen sie zum Klingen. 



Uraufführung: Sonntag, 20. Juli 2014, 11.00

Maiernigg (A), Weißer Turm beim Gustav Mahler Komponierhäuschen

im Rahmen des Musikforum Viktring-Klagenfurt (Festival NEUE WELTEN – Afrika)

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/100717_weisser_turm.jpg

Der Weiße Turm, ein merkwürdig dschungelhaft-farnverschlafener Ruinenort. Wir haben dort bereits einmal (im Juli 2010) das Abschlusskonzert des SPIELEN!-Workshops gegeben. Und als hätten wirs geahnt, taucht damals bereits die Frage nach der Augenhöhe auf, ebenso die Metapher vom (hier:) Schweben über den Schultern von (hier:) Zwergen. Die zykansche Fallschirmspringerfrage, ob es eigentlich Untermenschen gebe, drängt ebenso in den Sinn. Ein Vexierspiel.


PS: „Das unberührte und rätselhafte Oberösterreich” heißt der Film aus dem Jahr 1992 im Untertitel. Woran erst wäre er geraten, hätte Frank Oladeinde a/k/a Kayonga Kagame Kärnten bereist?

Nach oben

muetter.at
muetter.at
muetter.at