ausnahmekünstler

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Neue Kronen Zeitung (Tirol dabei), 18.5.2018. (Verfasst wohl nach Recherche auf dieser Seite.
)

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Geschrieben steht:

»Der Ausnahmekünstler Bertl Mütter passt in keine Schublade und ist aus der österreichischen Avantgardeszene nicht mehr wegzudenken.«

STOPP

Ausnahmekünstler, was bitte wäre denn sowas? Einer, bei dem die Schwerkraft nicht gilt? Einer, der bei Rot über die Kreuzung fahren darf und im Parkverbot parken? Einer, der das fis auf der Ersten spielen darf oder gar kann? (...)

STOPP

Die einzige Schublade, in die irgendwer von uns passt, wartet in der Pathologie. Bevor man da hineingelegt wird, bekommt man so ein Zetterl um die Zehe gebunden, der Bindfaden ist als finale Nabelschnur nicht wegzudenken. Soviel ist also sicher: Auch Bertl Mütter passt in eine Schublade. 

STOPP

Avantgardeszene, österreichische? – Lassen wir bitte endlich diese rückwärtsgewandte, schwammig-nichtssagende Terminologie, wie sie nur mehr von regionalen Radioreporterinnen gepflogen wird, dort, wo sie hingehört: hinter uns; oder, wie man im Oberösterreich sagen würde, hinter sich.

STOPP

Die allerneueste künstlerische Forschung hat ergeben, dass es schlechterdings nicht möglich ist, irgendjemanden wegzudenken. Mit einem allfälligen Herbeidenken (eines Dings, eines Menschen, Künstlers gar) verhält es sich ähnlich.

STOPP

Weil gerne rhetorisch anerkannt wird, dass das wohl aber schon recht schwer sei, was man da mache: Einzig Gewichtheber dürfen gefragt werden, ob ihre Arbeit schwer sei; sie werden einem ihre bewältigten Lasten weisen und auf deren Schwerheit sogar bestehen. Schwierig? – Da fängt es selbst bei denen an, problematisch zu werden. Weil, wer gäbe das bitteschön zu?

WEITTER

Was bleibt: Der Ausnahmemusiker Bertl Mütter passt in keine Schublade und ist aus der österreichischen Avantgardeszene nicht mehr wegzudenken.


[Ad: »Wie nennt man das eigentlich, was Sie da so machen?«]

In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.
Karl Kraus

Jene frühen Menschen, die stets bedächtig abgewogen haben, um keine vorschnellen Entschlüsse zu fällen, sind nicht unsere Vorfahren. Es leben aber auch etliche Schnellentschlossene nicht in uns fort: Wir stammen von den Richtigentscheidern ab. Alle anderen Kandidaten wurden aufgefressen oder sonstwie aus der Generationenfolge eliminiert. Allesamt, man glaubt es kaum. Die Evolution jedoch geht immer noch weiter.

Wo das, nach all den gnadenlos richtigen Entscheidungen, noch hinführen mag?

Da es sich nun als vorteilhaft erwiesen hat, die Fähigkeit zu kategorisieren zu entwickeln, was hilft es sich zu wehren, – selber, von anderen – kategorisiert zu werden: Ich ginge sang- und klanglos unter. Das aber will ein vornehmlich akustisch Tätiger im letzten Fall. Bis ich aber, mich nicht mehr um mich selber kümmernd, in die mir vorbestimmte (letztlich beliebige) Schublade gelegt werde, möchte ich mich zumindest mir selber gegenüber nicht entscheiden müssen, was ich denn da die ganze Zeit eigentlich genau mache.

(Hätten wir das auch.)

… und was machen eigentlich Sie sonst noch so?  

                                    (Und kann man davon leben!?)


[Aus der Ankündigungspoesie]

… nebst daraus resultierenden grundlegenden Überlegungen:

Am Sonntag spielt der virtuose Posaunenberserker Bertl Mütter eines seiner intensiven Solosets beim Musikforum Viktring in der Stiftskirche.

Ankündigung (Mittwoch), Radio Österreich 1

Posaunenberserker, soso.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/ba/Bronspl%C3%A5t_2_fr_Torslunda_sn%2C_%C3%96land_%28Stjerna%2C_Hj%C3%A4lmar_och_sv%C3%A4rd_i_Beovulf_%281903%29_sid_103%29.jpg

Als Berserker wird in mittelalterlichen skandinavischen Quellen ein im Rausch kämpfender Mensch bezeichnet, der keine Schmerzen oder Wunden mehr wahrnimmt.
Wikipedia

Weiter kommen dann noch Begriffe wie Schlachtenraserei, also Blutrausch, und auch Epilepsie vor; Fliegenpilz, Mutterkorn und LSD stehen als das Berserkertum generierend unter Generalverdacht.

So leid es mir für den ohne allen Zweifel äußerst schätzenswerten Ankündiger tut, muss ich mich doch vom Berserkertum bitteschön distanzieren: (Meine) Kunst will nämlich differenzieren, Feines von Feinem, und dafür und dabei kann sie nicht rasend alles zack! zack! zack! niedermachen … und das – also das Feine, nicht das z!z!z! – will, bin ich mir sicher, gut gemeinter Journalismus gewisslich auch.

Anderswo hat man mich als »komödiantischer Extremposaunist« verheißen. Was wäre eigentlich das Gegenteil, von dem es sich abhebt, ein »tragischer Durchnittsposaunist«? … Dann muss es noch epische und lyrische Posaunisten (durchschnittliche gleichwie extreme; zudem Ausnahme-) geben. Sowas wäre ich doch bitte gerne auch!

 

Und noch viel mehr.

 

 

 

 

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