eine wahrnehmung von michaela haibl

Dieses Jandlprogramm. Wie Mütter sich hinstellt und in der absoluten Unsinnigkeit der Grimassen und Gebärden und Laute den großen Sinn des Seins an sich herausreizt, ja jener in aller Irrationalität ist. Da steht ein Lehrstück über die Menschheit und über die Menschlichkeit auf der Bühne. Jandl in dieser pränatalen Postsprachlichkeit, nein, das trifft nicht die Gedichte Jandls an sich, sondern deren Zeigen, Sprechen durch Mütter. Und all das via Heine und Schumann. Aus dem Vagen (wie er selbst im Programm schreibt) wird seine Musik. Nur aus dem lässt sich das Konkrete entwickeln.

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Heiliger Unernst fällt mir ein. Bei Mütter. Und Jandl. Unantastbar aufrichtig. Und doch begreifbar und damit angreifbar – im Sinne der österreichischen Bedeutung des Wortes jenseits des Militärischen.

Faszinierend, wie Jandl sich im Wissen um die Heinetexte zu einem Heine des 20. Jahrhunderts deuten ließe. Nein, nicht ganz. Das zartstofflich Sentimentale vielleicht nicht. Aber die Ironie, die aus dem Alltagswahrgenommenen in der Reflektion ins Absurde steigt. So ein hauchfeiner Zynismus über den eigenen Schmerz. Die Musik. Was Jandl und Heine, sind Mütter, die Posaune und Schumann auf der einen Ebene. Auf der anderen stellt Mütter Schumann und Heine und den großen Ernst Jandl auf die Bühne. Im Vortragen sie ins Jetzt erdend, sie verbindend. Eine schöpferische Analyse, die ihrerseits ein neues, autonomes Werk wird und die Landschaft des Jetzt eröffnet. Und das ist das eigentliche müttersche Werk, das vollständig neu da steht und als das gehört, gesehen, belacht und beweint werden kann, auch ohne Schumann-, Heine- oder Jandl-Wissen. Ein lustvolles Balancieren zwischen unbekümmerter Heftigkeit und innerlicher Tiefe. Auch Schwere. Es bedenkend, handelt es sich um kein Balancieren. Es ist Balance. Und doch bleibt jede Nuance greifbar.

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Ein verdichtetes Nichts ist seine Musik. Fast. So mag es scheinen. Im Betrachten, im Behören dieses Nichts faltet es seine ganze Fülle und Pracht des Gewussten und nicht Gewussten auf. Was sagt, dass es nichts zu wissen gibt (auch wenn es ein Publikum geben mag, das manches weiß und wissen will).

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Hören, spüren, schauen. Das Lachen, das Lächeln, die Emphase – sie treten von selbst herein, ins Sein.

Viktring, Kellertheater, 20.7.2008

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Alle hier gezeigten Bilder wurden von Rudolf Gigler gemacht, in Gmunden, am 26.10.2008. Donke.

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