mütter’s posaunenvarieté

Ein paar Präzisierungen, zur kreativen Verwirrung

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Wir lernen durch Vergleichen. Durch Vergleichen lernen wir. Bis etwas als eigenständige Größe kategorisiert ist, die dann ihrerseits wieder für weitere, verfeinernde Vergleiche dient, ist es entweder wie oder nicht wie. In einem bemerkenswerten Text hat Franzobel in überzeugender Weise den Urbegriff von Allem herausgearbeitet; er nennt ihn Mama.

Auch ich bin erst nach und nach Bertl Mütter geworden (und bin hoffentlich noch lange nicht fertig damit). Die Wahrnehmung meiner Person z.b. als Musiker hat sich nach und nach verfeinert: Vom Blasmusiker zum Blechmusiker zum Militärmusiker zum Dixielandmusiker zum Echten Jazzmusiker zum Experimentellen Jazzmusiker zum Der-spielt-wie-Albert-Mangelsdorff-und-singt-wie-Bobby-McFerrin-Musiker — bis es eines Tages in einer Rezension hieß: es mütterte sehr im Gebälk.

Was nun? Oder, um es mit Bernd das Brot zu sagen: MIST.

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Hatte mich zuerst geärgert, verglichen zu werden, sah ich mich mit dem Epitheton müttern (ein neues Verb, das wäre ja schon was!) in der Gefahr, auf einen offenbar unverwechselbaren Aspekt (hier wohl: eine als persönlich erkannte expressiv-exaltierte Note) reduziert zu werden. DJ Ötzi scheint unter seinem Logo (weißes Käppi+Klobrillenbart) weniger zu leiden als etwa Karl Merkatz am Mundl-Mythos. Gewisse mittlerweile verstorbene Maler und Jazzmusiker schienen zur Kenntlichmachung ihrer direkten Inspiriertheit auch so ein Käppi und dazu im Gesicht (Musiker) einen Schnauzer oder (Malerfürst) einen biblischen Bart, Façon (um zu vergleichen): mesopotamisch, gebraucht zu haben. 

Mein Bestreben sei also, müttern in eine möglichst umfassende Deckung mit mir, wie ich mich selbst zu kennen meine, zu bringen. Und sehen Sie, das kann man selbst nicht machen, ich muss mich weiterhin auf die Verfeinerung bei den Vergleichenden verlassen. Und wenn wieder einmal wer sagt, Bertl Mütter mache schräge Musik, kann ich mich entscheiden, das im Sinn von kursiv zu verstehen (ein origineller Denkanstoß!), oder aber ich tröste mich: Was jemand als schräg empfinde, hänge immer davon ab, wie der Horizont des Betrachters beschaffen sei. (Im Zweifelsfall will ich eher keine normale Musik machen.)

Weiter.

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Wenn man es sich genau überlegt, ist alles Schaffen ein Sichbeziehen. (Inspiration hat damit auch zu tun.) In meinen Texten und in meiner Musik beziehe auch ich mich gerne auf Prägendes, Interessierendes. Stelle meine Wahrnehmung in den Kontext des Existierenden, spalte ab; daraus kann sich Neues, Verfeinertes ergeben. Einige Beispiele: Schubert:Winterreise:Mütter (inkl. Heinz Conrads); verborte (zu Ervín Schulhoffs Sonata erotica für Muttertrompete, gepaart mit kuriosen Ortsnamen); Franz Kafka, Thomas Bernhard, die sich ihrerseits auf ihnen aufgefallenes beziehen, fallen mir auf die Schnelle auch noch ein.

Jawohl, es ist ein endloses Flechten, das uns mit der Menschheitsgeschichte verbindet (letztlich mit jedem einzelnen je auf Erden lebenden), wir reichen uns die Bänder weiter, nehmen, um es österreichisch auszudrücken, das Hölzl auf, dribbeln mit dem Ball ein Stück weiter und spielen wieder ab. Und mancher schießt ein Tor (das dann wiederum jederzeit und ad infinitum ab- und wieder anerkannt werden kann).

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mütterlog (undspielteposaune) stellt den Versuch einer Verschmelzung meiner Statements und Glossen, wie ich sie im mütterlog präsentiere, mit meiner Musik dar. Beide Ebenen (Musik und Wort sind ja direktes Ergebnis meiner Wahrnehmung) werden sowohl von Spontanem (Improvisation, Freie Rede) als auch Fertigem (Texte, Kompositionen) geprägt. In welchem Verhältnis das zu einander steht, wird sich jedesmal neu herausstellen. Und auch das Publikum soll den Verlauf mitbestimmen, d.h. ich werde Fragen an das Publikum richten und auch Fragen des Publikums beantworten (je nach Laune jeweils verbal oder instrumental), ein Dialog kann und soll entstehen.

Durch jede Aufführung zieht sich ein sehr spezieller Roter Faden, und auch dieser wird jedes mal ein anderer sein. Wer das dann vergleichen will, muss halt noch einmal kommen.

Als was mütterlog (undspielteposaune) schließlich bezeichnet werden wird, weiß ich nicht, ich kann es auch nur schwer beeinflussen. Auf die Vergleiche bin ich aber schon jetzt gespannt.

Gerne will ich mich mit Ihnen über all das unterhalten. parlando (und) mit meiner Posaune wollen wir’s wahrnehmen.

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