OPERAN21

  


OPERAN21 – LOGORATORIUM

Ein Musiklaboratorium von Bertl Mütter

WIEN MODERN im Literaturmuseum

Ursula Langmayr: Sopran
Matthias Helm: Bariton
Bertl Mütter: Posaune
Heinz-Peter Linshalm: Bass- und Es-Klarinette
Tina Žerdin
: Harfe

Leonora Scheib: Szenische Einrichtung
Georg Steker
: Produktion, dramaturgische Mitarbeit

Bertl Mütter: Spielertrainer; künstlerische Gesamtleitung; Produktion

Der Komponist und Posaunist Bertl Mütter schuf eine von der Dauerausstellung des Literaturmuseums inspirierte Komposition, die er gemeinsam mit seinem Ensemble in den Räumlichkeiten des Museums zur Aufführung bringen wird. Das Publikum erwartet eine musikalisch in Szene gesetzte, ›gespielte Ausstellung‹, deren Ausgangspunkt die Musikalität des Wortes und das rhetorische Element musikalischen Klingens ist.
Ankündigung, Literaturmuseum

Wie immer, wenn ich Stücke für und mit Ensemble erarbeite, ist es ein großer gemeinsamer Prozess: Die Umstände werden uns zeigen, wie das von mir vorbereitete (vorzubereitende) Material(bergwerk) von uns in genau der Konstellation, die wir nun einmal vorfinden und gestalten, umgesetzt und aufgeführt werden will. Ich freue mich riesig auf diesen Process mit meinen wunderbaren KollegInnen.

Vorweg [jaja ich weiß es selber, wir sind nicht mehr vorweg – da aber eben (ein dehnbarer Begriff) massiv (Untertreibung!) und für das pt. publico (tunlichst) unsichtbar und ohne großes Ankündigungsbramburi an der Gesamtsache muetter.at gleichwie [LOG]-Partitur (Lesefassung) gearbeitet wird, bleibt das so noch ein Zeitl (dehnb. Begr.) stehen; aber dann!] kann ich hier nicht recht viel mehr herschreiben. Weil es ist besser, ich nutze die Zeit zum Erarbeiten des Skriptums fürs LOGORATORIUM. Zuvor habe ich etliche Anträge und Projektbeschreibungen verfasst, man nennt das die Graue Antragsliteratur. Ob die nicht minder anthrazitene Förderbescheidlyrik Eingang ins Werk finden wird, kann nicht gesagt, jedoch auch nicht völlig ausgeschlossen werden. Es gilt:

Allmählich wird mir dieser ewigwährende Zyklus ein wenig leid, wozu verschiedene Faktoren, deren Urheber ich in diesem Zusammenhang, um mich keinen Unannehmlichkeiten, deren Folgen, die in Kauf zu nehmen ich, der ich gern Frieden halte, gezwungen wäre, nicht absehbar wären, auszusetzen, nicht nennen möchte, beitragen.
Wolfgang Hildesheimer, in: Mitteilungen an Max

Danke also vorweg den ermöglichenden Partnern Wien Modern und Literaturmuseum, sowie den Fördergebern bei (in der Reihenfolge der Zusage) SKE, Stadt Wien, Bund/BMKOES, Land OÖ. Und – sofern sie sich zeigen (nicht alle Institutionen schaffen das) – den Menschen dahinter.

Wir sind immer den Menschen im Wort. Um nichts anderes geht es.

Bertl Mütter

Ich widme das LOGORATORIUM meinem Vater Edmund MÜTTER. Seine auch in der Demenz bis zuletzt intakte Freude an absurden Reimen, Wortspielen und gepflegtem Nonsens (etwas, das man bei vordergründig wenig gebildeten Menschen selten nur antrifft) war und ist mir subkutan-osmotischer Quell und beständige Ermutigung, meinen eigenen Irrsinnigkeiten fröhlich nachzugehen. Was ihm nicht gewährt war und wurde, darf ich in übersteigernder Fortführung (und auch einer gewissen theoretischen Unterfütterung – auf die es aber in der Essenz niemals ankommen darf!) weiterführen und -schenken.

Bertl Mütter, im November 2021


Heinz Rögl notiert auf mica.at:

Im Treppenhaus und in den in drei Stockwerken gelegenen Räumen des Literaturmuseums in der Johannesgasse konnte man am Donnerstag, 18. und am Freitag, 19. November in der szenischen Einrichtung von Leonora Scheib drei Vorstellungen eines »Stationentheaters« von Bertl Mütter besuchen: Das »Logoratorium« (oder auch Musiklaboratorium) für drei Musiker*innen und zwei Sänger*innen wurde zu einem tollen, sehr vergnüglichen Event. Unter der Leitung des »Spielertrainers« und wunderbaren Posaunisten Bertl Mütter, der während der Performance auch Zitate aus der »Winterreise« oder auch dem »Jäger aus Kurpfalz« zu improvisieren vermochte, reichten das Gesangsduo Matthias Helm und Ursula Langmayr (Bariton, Sopran), der Klarinettist Heinz-Peter Linshalm und Tina Žerdin (Harfe) einander die Klinke (oder Treppenstufe). Da gab es eine Treppenprozession auf der Stiege, einen »Förderschacht« (Tutti – »Vor aller Kultur ist ihre Förderung«), Hüttenbrennereien (am Ort des Anselm Hüttenbrenner, siehe auch Schubert für arpa con supporto (»Aber sprich nur ein Wort, sonst bist du gesund«)), »Abzweigungen« zur Sonderausstellung »Stefan Zweig: Weltautor« mit Posaunensoli (»Ein Wanderer am Abgrund zwischen Wien-Alsergrund, Liechtenstein und Brasilien«), »Sanftpizzlwossa« (auch auf Klarinetten »schwelgen Adalbert Stifter und Thomas Bernhard, jeder auf seine Weise. Weiser Vermittler: Gert Jonke. Ihm verdanken wir so viel ›vernichtend schöne Musik‹«, »Verborte« (»in Verneigung vor Ervín Schulhoff und seiner Sonata Erotica«, Tutti + Solo-Muttertrompete). Und vieles andere, nicht zu vergessen »Der Schacht von Babel« (»Wenn der Turm von Babel zur Sprachverwirrung geführt hat, kommen wir nur grabend zurück zur All-Einen Sprache. Wir sprechen sie dann alle. Aber keiner versteht sie mehr.«)
(Offensichtliche Flüchtigkeitsfehler wurden korrigiert, BM.)


Foto © Armin Bardel

muetter.at
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