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(a2) vital

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Kulturszene erblüht im Netz
orfon (et. al.)

In Rundfunk, Fernsehen und Printmedien wird dieser Tage (Wochen, Monate) quasi in Permanenz gejubelt, wie achsotoll sich die Kunstschaffenden Österreichs und überhaupt der Welt organisieren (wenn sie nicht gerade an Covid19 sterben – was auch, ein coronarer Kollateralnutzen, Content generiert), indem sie sich EXTRALIVE auf sog. Home-Stages begeben, sog. Live-Konzerte ins raumzeitlose Internet übertragen oder nichts weniger als superlativische Mega-Lesungen streamen (etc.): Was haben wir doch alle gewartet auf die Gelegenheit, uns derart beweisen zu dürfen, es ist ein einziges Festival!

Ich bin mir sicher, dass derartig euphemistische Berichte eh affirmativ und gut gemeint sind, und ich will das auch wertschätzen. Sind ja ein recht drolliges Völkchen, wir Kunstschaffenden.

Hmm, gut gemeint, da war doch was, irgendwas mit Gegenteil; von was noch einmal schnell?

Diese (unbewusst?) heuchlerisch beapplaudierten Auswüchse panischer Selbstermächtigung sind jedoch bitte nichts anderes als Surrogat, wie Linde-Kaffee oder Falscher Hase. Biedermeier dräut, die Mär von der umfassenden, irgendwie fröhlichen Resilienz Unserer Lieben Kunstschaffenden. Was für ein ULK! Implizit könnte das bedeuten, dass, wer da jetzt nicht pfiffig dem Schicksal sein Schnippchen schlägt, eben nicht ausreichend originell, mithin unkreativ sei (etc.).

Eines unsäglichen Nationalbankdirektors Statement über Gesundung durch darwinistische Auslese – es überlebe, wer’s verdient, da stark genug – kommt einem in den Sinn.

Es ist nämlich einzig die sog. Netzkunst genuin (wenn auch zumeist recht bemüht) mit dem Internet vollkompatibel, und nur wenige weitere Darbietungsformen sind, teilweise, damit vermittelbar – oder wollen das überhaupt sein. Den (weil nur kurze Aufmerksamkeitsspannen beanspruchend) so gegenwartsgemäßen Singer-Songwritern (SSW; m/f/d) ist da etwa zu gratulieren; jedoch werden Ihnen selbst SSW (m/f/d) umgehend bestätigen, dass NICHTS (in Worten: NICHTS) die unmittelbare Konzertsituation auch nur annähernd adäquat ersetzen kann – und da reden wir noch gar nicht von schnöder (materieller) Honorierung.

The media is hier not the message und not at all der kommunikative Akt.

Dieser medialen Resilienz-Belobigerei ist ein gönnerhafter Zynismus innewohnend. Als würde man einem Sandler, der sich unter einer Brücke seinen Verschlag gezimmert hat, zu seiner beachtlichen Campingkultur gratulieren – und ihn noch um seine Freiheit beneiden; im (dazusagen: »unter Einhaltung sämtlicher Distanzregelungen geführten«) Interview früge man so jemanden dann etwa noch, ob er sein Dreibein mit Kette, auf der sein Kochkessel hängt, von Manufactum hat oder ob sie ihn damit gesponsert haben – zuzutrauen wär’s ihnen.

(Für's Schulterklopfen bitteschön DANKE sagen!)

Sei’s also zumindest als komplementäre Wahrnehmung/Erfahrung angemerkt: Die Umstände sind in Wirklichkeit NICHT inspirierend. Sie hemmen, bremsen, verstören, behindern, lassen einen wie ein Tiger im zu engen Käfig sich hinundherwerfen.

Bitte bedenkt das und lasst es in die Art eurer Berichterstattung einfließen. Hat mit Respekt zu tun.
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Weiter nun.

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