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Mittwoch, 4. Mai 2022
W
ien (A), Alte Schmiede
Konzert in memoriam Hans Steiner

»MAXIMALE VERSTEINERUNG«

Susanna Heilmayr, Barockoboe, Viola, Stimme
Donna Wagner, Klarinette
Bernhard Spahn
, Saxophon
Franz Koglmann, Flügelhorn
Thomas Berghammer
, Trompete
Bertl Mütter
, Posaune, Rezitation
Burkhard Stangl
, Gitarre
Hannes Enzlberger
, Kontrabass
Klaus Peham, ergraute Eminenz, Prosa
Oskar Aichinger
, Klavier, Conférence

Hans Steiner, als Johann Karl Steiner 1962 in Wien geboren, ist letzten Dezember von uns gegangen. Er zählte zu den schillerndsten Charakteren der experimentierfreudigen Wiener Musikszene der 80er und 90er Jahre. Der virtuose Jazz-Bassklarinettist und Mitbegründer zahlreicher Ensembles verstand sich gleichermaßen als Komponist und schuf an die 50 Werke für unterschiedlichste Besetzungen.
Der Pianist und Komponist Oskar Aichinger führt durch den Abend und präsentiert einige von Hans’ Lieblingsstücken, darunter Werke der »klassischen Moderne« von Bartók, Lutosławski und Schönberg. Einige von Hans’ langjährigen musikalischen Wegbegleitern improvisieren nach ausgewählten Themen des exzentrischen Ausnahmemusikers.

Ankündigungstext Alte Schmiede (Burkhard Stangl)

Im Spätsommer, beim Heimgehen, habe ich ihn in der Bierosophie getroffen, nach langen Jahren. Gleich neben dem Eingang ist er gesessen, als wartete er auf jemanden. Er war, wie ich ihn immer gekannt hatte, mürrischgutmütig (gutmütig mürrisch) und, bei aller Belanglosigkeit dessen, was wir da en passant geredet haben, augenblicklich hochphilosophisch.

Mir gibt es immer einen Stich, wenn ich einen Menschen zum letzten Mal sehe; zweifelsfrei spüre ich diesen aber erst, wenn mich die Nachricht vom seinem Tod erreicht.


Ein schlichtweg gran-di-o-ser Abend! Zudem bestätigende Vergewisserung, dass überall, mögen sie sich noch so geschraubt und mit polierten Vokabeln umgürten, seit eh und je maximal mit Wasser gekocht wurde. Wohl zeitigt Habitus Effekt, jedoch nur bei denen, die etwas so sehen wollen, wie sie wünschen, dass es sei. Schauen, horchen wir doch mit frischen Ohren! Dann gehen auch die Herzen auf, und worum sonst geht’s denn bitte!?

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Freitag, 29. April 2022
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 21

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Grischka Voss & Markus Hering, Lesung

Lorenz Raab, Trompete, Flügelhorn
Christoph Cech
, Wurlitzer, Schlagzeug
Ewald Oberleitner, Kontrabass
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conférence
Special Guest: Gerhard Laber, Perkussion

Hans Czerny, Eröffnungsredner

21 (in Worten: ein und zwanzig) Jahre WeinKult! Wir können es selber nicht recht glauben. Aber nein, natürlich wissen wir’s, und wir sind mächtig stolz auf diese Tradition. Unserem bewährten Hofintendanten Bertl Mütter ist es auch heuer wieder gelungen, eine illustre Runde aus seinem künstlerischen Freundeskreis auf unseren Hof zu locken. Unter uns gesagt: Sie kommen gern, und gerne wieder!

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Bertl Mütter © Stefan Nützel

Ewald Oberleitner, im vitalen 85. (!) Lebensjahr stehend (und spielend) gibt uns wieder einmal die Ehre. Eine umfassende Freude!

https://www.wimmer-czerny.at/images/Ewald-Oberleitner.jpg
Ewald Oberleitner

Wie jedes Jahr wurlt Christoph Cech am -litzer und werklt am Schlag-.

http://www.christoph-cech.com/media/cechpiano2b.jpg
Christoph Cech © CCEnterprises

Schon lange stand der vielseitige Wundertrompeter Lorenz Raab ganz oben auf unserer (streng geheimen) weinkultigen Wunschliste, heuer passt’s.

https://lorenzraab.at/wp/wp-content/uploads/deken02.jpg
Lorenz Raab © Stephan van der Deken

Diese durch einen special guest (s.u.) zum Quintett erweiterte Banda wird uns durch einen hoffnungsvoll frühlingshaften Abend spielen.

Was nun die Vortragskunst betrifft, so dürfen wir Grischka Voss und Markus Hering ankündigen:

https://bernhard-ensemble.at/grischka.voss/images/_ek_2697.jpg?crc=4039830145
Grischka Voss © _ek

http://www.markushering.at/images/markus-hering-foto%20von%20gretchen-hering%201.jpg?crc=172106546
Markus Hering © Gretchen Hering

Sie werden mit ihrer je unterschiedlichen (immensen!) Intensität Texte und Fragmente von Thomas Bernhard (dem Polterer) und dem fein ziselierenden Gert Jonke zum Leben bringen. Gerne erinnern wir uns, wie er uns 2007 und 2008 persönlich auf unserem Hof beglückt hat. Heuer wäre er 76 geworden, und 76 ist das weiterleitende Stichwort, hat sich doch mit Gerhard Laber (76) kurzfristig noch ein Gast dazugesellt.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/gerhard_laber.jpg
Gerhard Laber © T. Novotny

Er hat sich mit von ihm speziell adaptierten Perkussionswerkzeugen sein ganz eigenes, hochenergetisches Klingen erarbeitet, das er subtilst einbringt, auf dass der Abend abermals ein beglückendes Ereignis werde, voller exquisiter Genüsse … und da reden wir noch gar nicht von den kulinarischen Zaubereien, die unser Hof bietet. Willkommen!


Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen: Es war das Fest, auf das wir uns gefreut haben. Konzentriertes Publikum, bei allen sinnlichen Genüssen. Große Freude und Dankbarkeit!

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Freitag, 22. April 2022
Wien (A)
, TheaterArche
Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter
von Fritz von Herzmanovsky-Orlando
mit
Bernd Jeschek
, (inkl. stumme) circa 52 Rollen
Bertl Mütter
, Posaune dh. Zugposaune; Regieanweisungen

Jeschek © privat, Mütter © Christof Zachl

Mit Bernd Jeschek verbindet mich eine langjährige Bekanntschaft, die sich mittlerweile zu einer feinen Freundschaft entwickelt hat: In Melk, ca. 1994, bei den Sommerspielen, hat er den Amphytrion, wie sagt man: gegeben. Schon damals durfte ich, wie sagt man: musikalisch apportieren.

Ein parodistisches Spiel mit Musik aus dem alten k&k Österreich. In einer Bahnstation im Hochgebirge irgendwo in den Österreichischen Alpen begegnen wir in Herzmanovsky-Orlandos Theaterstück einer großen Zahl seltsamer Figuren von Allerhöchsten Herrschaften bis zum einfachen Volk: einem Kaiser, der inkognito seine Länder bereist, Grafen und Gräfinnen, Wilderern, einer Witfrau, Bauernburschen, Lakaien, einer englischen Diplomatendelegation, einem Mörder und vielen mehr. Bernd Jeschek verleiht, unterstützt vom komödiantischen Extrem-Posaunisten* Bertl Mütter, gut 50 Personen seine Stimme. Eine Performance voller skurrilem Witz und Ironie; echt österreichisch eben.
________________________
* So 2019 die Festspiele Schloss Tillysburg (Anm.). Ein Statement dazu gibt’s bei Anklikken des Links.

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NB: Wir haben die TheaterArche gebeten, die eingespielten Eintrittsgelder von beträchtlicher Höhe (wieviel immer das sein mag) an ihren Spendenpartner Entwicklungshilfeklub (und dort der aktuellen Nothilfe für Geflüchtete aus der Ukraine) weiterzureichen. DANKE.

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Sonntag, 6. Februar 2022, 22.05–22.59
zum Nachhören bis

Sonntag, 13. Februar 2022, 22.05–22.59
Radio Österreich 1
Zeit-Ton extended
Bertl Mütter empfiehlt

Bertl Mütter präsentiert Aufnahmen, die ihn geprägt und beeindruckt haben.

Der Posaunist, Improvisator, Autor und Performer Bertl Mütter brachte beim vergangenen Festival Wien modern sein musikalisches Stationentheater »Logoratorium« im Literaturmuseum zur Uraufführung. Im Zeit-Ton vom 4. Februar wurde er in seiner Vielseitigkeit in einem Porträt vorgestellt. Für die heutige Sendung hat Bertl Mütter Musik ausgewählt, die ihn geprägt hat und über die er etwas zu erzählen hat.

Gestaltung: Marie-Therese Rudolph

Na bitte, gleich im Doppelpack!

Wie stets gilt: Beide Sendungen können jeweils eine Woche nach-gehört werden.

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Freitag, 4. Februar 2022, 23.03–23.59
zum Nachhören bis
Freitag, 11. Februar 2022, 23.03–23.59
Radio Österreich 1
Zeit-Ton
Bertl Mütter. Mit Musik durchs Sprachlabyrinth

Der vielseitige Posaunist Bertl Mütter im Porträt

Mit »Logoratorium«, ein Stationen-Musiktheater durch das Literaturmuseum Wien, hatte beim vergangenen Festival Wien modern im November 2021 Bertl Mütters neuestes, großangelegtes Werk seine Uraufführung. Darin hat er viele Aspekte seines Schaffens vereint, die ihn zu einem unverwechselbaren Musiker gemacht haben: Er war selbst als Posaunist und Schauspieler involviert, hatte die sprachspielerischen Texte selbst verfasst, erkundete die Räumlichkeiten gemeinsam mit den anderen Musiker/innen und nützte die tragende Akustik des Stiegenhauses mit wechselnden Sichtachsen für das mitspazierende Publikum.

Bertl Mütter ist ein Meister der Erkundung, sei es mit ironisch verwandelten Einführungsworten vor Konzerten, oder mit seinen regelmäßig veröffentlichten Texten, in denen er frei zu aktuellen Schlagzeilen assoziiert, dem muetterlog. Er bringt seine Interpret/innen in Bewegung, lässt sie marschieren und spielen bzw. singen, beten und rezitieren. In seiner Musik tauchen Reminiszenzen an die europäische Musiktradition auf, verwoben in seine eigene Klang- und Sprachwelt.

Ein Porträt des kreativen Musikers, der sich jeder Schubladisierung mit Ironie und einer Prise Sarkasmus erfolgreich entzieht.

Gestaltung: Marie-Therese Rudolph

Marie-Therese Rudolph hat beim LOGORATORIUM mit ihrem Mikrophon mitprotokolliert. Daraus und noch aus manchen anderen Aufnahmen von mir und meiner Musik hat sie ein Portrait gestaltet, und ein paar Sätze habe ich auch beigesteuert. Danke für die wertschätzende Betreuung!

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Freitag, 3. Dezember 2021
Romanshorn (CH)
, Alte Kirche Romanshorn
musik poesie zwischen welten
Saadet Türköz, Stimme
Bertl Mütter, Posaune & Stimme

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Saadet Türköz & Bertl Mütter, Alte Kirche Romanshorn, 3.12.2021

Mit 20 Jahren folgte Saadet Türköz ihrer Schwester in die Schweiz, wo sie in Romanshorn Arbeit in der Pflege fand. Von der traditionellen türkisch-kasachischen Musik geprägt, entdeckte sie in der Schweiz die aufregend neue Welt der freien Improvisation. Seit dieser Zeit zählt Saadet international zu den bekanntesten Sängerinnen der frei improvisierenden Szene. In ihrem Duoformat "Songdreaming" führt sie seit vielen Jahren Dialoge mit hochkarätigen Musikern wie Nils Wogram, Posaune, Hans Hassler, Akkordeon, Thomas Rohrer, Viola, Hans Koch, Saxophone & Bass clarinet, Lucien Dubuis, Bass clarinet & Saxophone, Martin Schütz, Cello und Anil Eraslan, Cello.
Es ist eine besondere Freude, Saadet erstmals in diesem Konzert im Duo mit Bertl Mütter erleben zu können. Bertl Mütter ist zweifellos zu den ganz grossen Individualisten der aktuellen Kunstszene zu zählen. Bekannt geworden ist er mit Solo-Aneignungen grosser Liederzyklen, seine atemberaubende ›Winterreise‹ etwa hat er schon 2009 in klangreich vorgestellt. Seither ist er seinen sehr persönlichen, kompromisslosen Weg unbeirrt weitergegangen: Höchste Zeit, dass dieser wieder einmal nach Romanshorn führt. Bertl Mütter arbeitete und arbeitet mit einer ganzen Reihe bekannter Persönlichkeiten zusammen wie beispielsweise der Schweizer Sängerin Erika Stucky. Als Instrumentalist hat Bertl Mütter verschiedene Techniken wie Zirkularatmung oder die Multiphonics, d.h. die mehrstimmige Blas- und Gesangskunst auf ebenso unerwartete wie faszinierende Weise weiterentwickelt. Immer mehr widmet sich Bertl Mütter der Komposition. All dies tönt etwas zu einschüchternd. Bei aller Ernsthaftigkeit geht ist es mit Bertl auch immer unerwartet lustig. Das ganze Leben – im Moment.
Klangreich hat immer wieder Begegnungen von Musikern ermöglicht, die eine besondere Affinität zur freien Improvisation haben. Musiker, die fähig sind, voraussetzungslos offen einen Dialog zu führen, dessen Resultat nicht zum vornherein feststeht. Bertl Mütter spricht gern von einem ›Urknall‹, von einem hochenergetischen Zustand, der Bekanntes ebenso aufsprengt wie zu Neuem und Niegehörtem verschmelzen lässt. Tatsächlich gibt es auch in der freien Improvisation allzuoft Konventionen und Regeln, die deren Idee grundsätzlich widersprechen. Saadet und Bertl werden diese Korsetts sprengen, versprochen.
Ankündigung, klangreich alte kirche romanshorn

… da hat der gute Christian Brühwiler aber sehr recht. Dass es Zeit wurde, wieder einmal an diesen Zauberort zu kommen. Danke für das Stiften dieser warmherzigen Begegnung zwischen Saadet und mir. Wir konnten sogleich ans Klingen gehen, ohne allen Schnickschnack. Das Konzert scheint denn die Menschen in der kleinen Kirche regelrecht verzaubert zu haben, und noch am Bahnhof, am Abend nach dem Konzert, hat man mich angeredet und mir gedankt. Ein gutes Gefühl, tiefe Freude.

Saadet Türköz – ein ganz eigenes Singen. Dazu die Posaune – so hat man noch nie eine tönen hören: Zart und sängerisch, genau auf den Punkt des Wesentlichen hinspielend. Töne von präziser Schärfe und ebenso Klänge zerschmelzenden Schweigens. Das Ich zurückgenommen und in der Zurückgenommenheit irritierend präsent. Mit viel Raum für die Töne und Gesten der Sängerin. (…)
(anonym zugespielte Wahrnehmungsschilderung)

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Donnerstag, 18. November 2021
Freitag, 19. November 2020

Wien (A)
, Literaturmuseum der ÖNB
Wien Modern
Bertl Mütter: OPERAN21 – LOGORATORIUM (~90’)
Ein musikalisches Stationentheater (2020–2021)

Bertl Mütter

Ursula Langmayr, Sopran
Matthias Helm , Bariton
Bertl Mütter, Posaune
Heinz-Peter Linshalm, (Bass-)Klarinetten
Tina Žerdin
, Harfe

Leonora Scheib: Szenische Einrichtung
Georg Steker
: Produktion, Dramaturgische Mitarbeit

Bertl Mütter, Spielertrainer; Künstlerische Gesamtleitung

Der Komponist und Posaunist Bertl Mütter schuf eine von der Dauerausstellung des Literaturmuseums inspirierte Komposition, die er gemeinsam mit seinem Ensemble in den Räumlichkeiten des Museums zur Aufführung bringen wird. Das Publikum erwartet eine musikalisch in Szene gesetzte, ›gespielte Ausstellung‹, deren Ausgangspunkt die Musikalität des Wortes und das rhetorische Element musikalischen Klingens ist.
Ankündigung, Literaturmuseum

Wie immer, wenn ich Stücke für und mit Ensemble erarbeite, ist es ein großer gemeinsamer Prozess: Die Umstände werden uns zeigen, wie das von mir vorbereitete (vorzubereitende) Material(bergwerk) von uns in genau der Konstellation, die wir nun einmal vorfinden und gestalten, umgesetzt und aufgeführt werden will. Ich freue mich riesig auf diesen Process mit meinen wunderbaren KollegInnen.

Vorweg kann ich hier nicht recht viel mehr herschreiben. Weil es ist besser, ich nutze die Zeit zum Erarbeiten des Skriptums fürs LOGORATORIUM. Zuvor habe ich etliche Anträge und Projektbeschreibungen verfasst, man nennt das die Graue Antragsliteratur. Ob die nicht minder anthrazitene Förderbescheidlyrik Eingang ins Werk finden wird, kann nicht gesagt, jedoch auch nicht völlig ausgeschlossen werden. Es gilt:

Allmählich wird mir dieser ewigwährende Zyklus ein wenig leid, wozu verschiedene Faktoren, deren Urheber ich in diesem Zusammenhang, um mich keinen Unannehmlichkeiten, deren Folgen, die in Kauf zu nehmen ich, der ich gern Frieden halte, gezwungen wäre, nicht absehbar wären, auszusetzen, nicht nennen möchte, beitragen.
Wolfgang Hildesheimer, in: Mitteilungen an Max

Danke nun also vorweg den ermöglichenden Partnern Wien Modern und Literaturmuseum, sowie den Fördergebern bei (in der Reihenfolge der Zusage) SKE, Stadt Wien, Bund/BMKOES, Land OÖ. Und – sofern sie sich zeigen (nicht alle Institutionen schaffen das) – den Menschen dahinter.

Wir sind immer den Menschen im Wort. Um nichts anderes darf es gehen.


Danke allen! Ich bin derweil noch zu voll, um gebührend Bericht zu erstatten.


Ich widme das LOGORATORIUM meinem Vater Edmund MÜTTER. Seine auch in der Demenz bis zuletzt intakte Freude an absurden Reimen, Wortspielen und gepflegtem Nonsens (etwas, das man bei vordergründig wenig gebildeten Menschen selten nur antrifft) war und ist mir subkutan-osmotischer Quell und beständige Ermutigung, meinen eigenen Irrsinnigkeiten fröhlich nachzugehen. Was ihm nicht gewährt war und wurde, darf ich in übersteigernder Fortführung (und auch einer gewissen theoretischen Unterfütterung – auf die es aber in der Essenz niemals ankommen darf!) weiterführen und -schenken.


Bertl Mütter, im November 2021

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Montag, 25. Oktober – Sonntag, 7. November 2021
Ilhas dos Açores (P), Festival de Música dos Açores
Atlantic Encounters:
John Blum (piano) meets Bertl Mütter (trombone)

https://d10j3mvrs1suex.cloudfront.net/u/2198/83f64b9fc496e713dcb1e7d4f805e4c4c366596e/photo/blum-piano-action.jpg/!!/meta%3AeyJzcmNCdWNrZXQiOiJiemdsZmlsZXMifQ%3D%3D.jpg
Das bin nicht ich, sondern John Blum | Foto: Barbara Siwula (Merida, Mexico 2013)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5a/Azores-map.png/1920px-Azores-map.png

https://www.teatromicaelense.pt/images/contents/12441632767883.jpg

Donnerstag, 28. Oktober 2021
Horta, Ilha do Faial (P), Teatro Faialense

http://mi.visitazores.com/sites/default/files/styles/slideshow-industries_636_x_246_/public/tf3.jpg?itok=tK_-a5KV

Samstag, 30. Oktober 2021
Ponta Delgada, Ilha de São Miguel (P)
, Teatro Micaelense

https://www.teatromicaelense.pt/images/slideshows/teatro/slideshow01.jpg

The fact that the Archipelago of the Açores is literally part of both, the so-called Western and Eastern hemispheres is more than an easy-to-grasp metaphor. Most notably, it is so inspiring that there are rather individual (and rough) islands whose population does in fact know that the world is far larger than the small area of land they cultivate: So many açorean people are living on both sides of the Atlantic Ocean. Let’s take that, too, as a metaphor. Living on large continents sometimes insinuates people that there are no boundaries to be respected. When walking among Açoreans, it gives you a friendly lesson in how-to-interact: politely, interested, tolerant (…)—open-minded.
Our main idea is that the Açores might be developed into a laboratory for artistic encounters, a decentral meeting place and catalyst of how life could go on well (and better) in these and future days amidst the world(s). That is why we, continentalists, should visit the Açores from time to time.
For us as musical artists visiting includes that we are coming to the people here not as tourists, consuming whatever the islands are offering so richly, but that we are bringing in our musical worlds, coming from the two parts of the world of which the Açores are sharing both. We do need each other, and it is of elevated importance that the Açoreans get the chance to encounter music—in our case: jazz-inspired and classically informed contemporary music, presented as spontaneously invented (improvised), too, by two special masters of their creative arts.
On the one hand there is pianist John Blum, a New-York-based giant of powerful piano improvisation in a most intense free jazz tradition as of Cecil Taylor. The other part will be fulfilled by Bertl Mütter, an extraordinary poet on the trombone. He comes from Vienna, Austria, and carries in his sounding the music of Schubert, Bruckner, Mahler…
John and Bertl will interact in an unpredicatble confrontation of the musical worlds they are representing: Let’s call it an experiment which they are looking forward to undergo: It may succeed or completely fail. The decisive factor is the attempt, which is always worth making. We are standing on the summits of Atlantis, so what more bad things can happen to us. Freshly dared!
Ankündigungsprosa

Eine (über-)lang vorbereitete aufregende Kooperation, auf die ich vorfreudig-bang gespannt war. Ein – es geht ja ums Hören – Taubflug allemal. Wir werden hören, habe ich geschrieben.

https://scontent.fopo3-1.fna.fbcdn.net/v/t1.6435-9/249724317_6541670462570385_697412550698531845_n.jpg?_nc_cat=108&ccb=1-5&_nc_sid=0debeb&_nc_ohc=VJs1_I9vgpwAX9koGec&_nc_ht=scontent.fopo3-1.fna&oh=55e79e7e6105eb8fcd7f331575da307a&oe=61A7E6AE

Und wir haben gehört:

Basaltbeben, blumig

Auf dem Podium ereignet sich ein Erdbeben von gut einer Stunde Dauer, derart ins Schwingen, Brodeln kommt der Bretterboden, der allemal die Welt bedeutet. Welche Wucht! Jedoch trotz seines wie hyperaktiven Spielens, Schuftens (sei es der mächtige Steinway oder der hellere Yamaha) ist da auf wunderliche Weise immer ein Pfad frei fürs Aufblühen selbst zarterer Posaunentöne, bringt sie sogar, wie Zähne im UV-Licht, eigenartig zum Leuchten. Vielleicht kann man es auch mit dem Zug der Israeliten durchs Schilfmeer vergleichen (Die zehn Gebote, Cecil B. DeMille, 1956), trockenen Fußes, während ihnen das tosende Meer rechts und links die Wand macht, um herniederzubrechen, sobald sie durch sind; dass mir keine pharaonische Streitmacht gefolgt ist, entlastet mein Gewissen: Alles hinter mir wäre ersoffen in diesem Flügelozean.
»Ein solcher Klavierspieler will ich werden wie mein Vater einer gewesen ist«, so einen Zettel muss John Blum in einer seiner Taschen, die er regelmäßig nach allerhand dringend benötigtem Zeugs abtastet, bei sich tragen. Über Kaspar Hausers wahren Vater ist wenig bekannt, die geläufigste ist die Erbprinzentheorie, und auch Parsifal war von Hoher Geburt und hatte gerade einmal eine Ahnung davon.


Kurzfristig hat sich noch ergeben: 

Sonntag, 31. Oktober 2021
Ponta Delgada, Ilha de São Miguel (P)
, Igreja da Graça
Dedication to Rui
Bertl Mütter
, trombone solo

Rui (Carlos Damião de Melo) ist die Seele des Festival de Música dos Açores und überhaupt ein sehr spezieller Kerl, ja, Freund nun, seit drei Jahren. Ich widme ihm dieses Konzert im kleinen Rahmen.

Große Inspiration, große Freude.

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Samstag, 23. Oktober 2021, 23.05
Radio Österreich 1,
Ö1-Jazznacht
aufgenommen am
Freitag, 15. Oktober 2021
Wien (A)
, KlangTheater im RadioKulturHaus
JazztimeBertl Mütter
Andreas Felber
im Gespräch mit Bertl Mütter

Bauch von Österreich gesucht und gefunden: Von April bis Juni vergangenen Jahres hat er mit seiner Posaune den Wiener Stephansdom durchwandert, dabei die akustischen Eigenschaften der Hallen und Nischen erforscht, von der Herzogsgruft bis zur Türmerstube. Das Resultat dieser klingenden Kathedralen-Vermessung ist unter dem Titel aus|cul|ta|tio|nes inzwischen als Solo-CD erschienen. Welche Ein- und Ausblicke Bertl Mütter im Zuge dieser einsamen Rundgänge durch den riesigen Dom gewonnen hat, darüber wird er im Gespräch mit Andreas Felber berichten.
Ankündigung, RadioKulturHaus

ORF Klangtheater
ORF Klangtheater © Vedran Pilipović

Es war ein feines und äußerst wertschätzendes Gespräch mit Andreas Felber. Der mich zudem mit einem in den Tiefen des Archivs aufgespürten Konzertausschnitt von vor 30 Jahren überrascht hat. Konkret: Das Konzert mit Ewald Oberleitner (b) und Gerhard Laber (dr) in Landestudio Oberösterreich vom 6. November 1991. Name des Projekts damals: »direktmusik«. Wir waren gemeinsam 126 Jahre alt; heute: 216. Wär’ doch schön, wenn wir es noch einmal probieren würden, denke ich mir spontan.

Ich habe auch live ein paar Töne mit meiner Posaune getröötet, das zweite Stück mit eindeutiger Reverenz an meine Jazz-Herkunft. Es waren, situationsgemäß (es ging vordergründig um meine CD aus|cul|ta|tio|nes) Auskultationen des Klangtheaters: »Klangtheater 1«, »Klangtheater 2«. Alles irgendwie wie im Dom. Funkdom.

PS: Vereinbarter Ö1-Sendetermin war eigentlich der Freitag, 29. Oktober 2021, 19.30. Das hatte mir auch ermöglicht, zuzusagen. Nun wird der Beitrag jedoch im Rahmen der Ö1-Jazznacht am 23./24. Oktober, wohl nach Mitternacht gebracht, im oftmals recht nerdigen Jazzghetto. Not so amusing. Indes, die wahren Entscheidungsträger halten sich im Hintergrund (man sieht sie nie bei unberühmten Veranstaltungen) verstecken sich hinter – es tut uns selber so leid – Sachzwängen….

Ich weiß nicht, ob den Entscheidungsträgern und Hochlohnempfängern im ORF bewusst ist, das genau so großartige Leute wie Andreas Felber das Rückgrat des Unternehmens ORF sind. Eindeutig einzuschließen: Das Team von der Technik und vom RKH! – Ihnen allen zusammen ein beherztes DANKE!

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Mittwoch, 29. September 2021
Linz (A)
, Med Campus Uni Linz
Krankenhausstraße 5
Architektur Hören
Konzert und Feier
Bertl Mütter
, Trombonaut im Raum
Klaus Laczika, Klavier

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Wie so vieles wurde die Veranstaltung 2020 coronisiert. Aber aufgeschoben war schlussendlich doch nicht aufgesogen (oder wie sagt man?).

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Bevor noch der neue Campus seinen eigentlichen Betrieb aufnimmt, sich tausende Studenten und Lehrende tummeln, soll der Raum für einige Augenblicke mit Klängen befüllt werden. Von dem weithin sichtbar auskragenden Balkon erklingen Posaunenklänge am neuen Campusgelände des MED CAMPUS der JKU Linz. Die Musik formuliert aus sich heraus einen gemeinsamen Gedanken und erschließt so ganz nebenbei den Raum bzw. führt weiter in die Aula des Baukörpers LEHRE, wo zentral die weitere Aufführung stattfindet und sich – nomen est omen – die Hörsäle befinden.

Der Musikmediziner Klaus Laczika wird uns in einer kurzen Sequenz Musik und Lehre anhand der akustischen Erschließung des Raumes mit seinen Worten und Klavierbegleitung zu Gehör bringen, während Bertl Mütter sich langsam annähert, um dann das Spiel im Raum zu zelebrieren. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Stück von Schubert, »An die Musik«. 

Zum Heimgehen werden die Posaunenklänge von der auskragenden Plattform ein Stück begleiten, ein Spiel in die Nacht.

Die guten Schwingungen aber sollen bleiben und bei den künftigen Nutzerinnen und Nutzern weiter schwingen.

Architektur Hören

 

http://www.lorenzateliers.at/wp-content/uploads/2020/01/KUK_HS_096-uai-2064x1376.jpg


(Architektengedanken)

Von uns aus ist dieses Projekt eine ODE an den RAUM.
Diversität ausgedrückt durch VIER unterschiedliche Gebäude, die gemeinsam eine Gruppe bilden und einen öffentlichen Raum. Vier verschiedene Grundmaterialien des Bauens charakterisieren die vier: Beton, Holz, Stahl, Ziegel/Keramik. Es ist eine Interpretation für die Universität, die unterschiedliche Wahrheiten als Grundlage erkennen soll.Besondere Räume sind:
•  Die LEHRE: Aula, Stiegenhaus, Hörsäle in Beton
•  Der BALKON auskragend aus der LEHRE, auf dem ich mir einen Posaunisten, Trompeter o.Ä. vorstelle.


Den Posauniste am Sprungturm – täterätää! – gab es lediglich am Anfang und am Schluss. Dazwischen gab es eine Gesprächsrunde u.a. mit einer Vizerektorin, die es wunderbar findet, dass der eingezogene Spar-Markt so bald in der Früh aufsperrt, was es den Frauen und Müttern ermögliche, bequem einkaufen zu können. Der Architekt zeigte Understatement und auch der Spitalsboss hielt den Ball sympathisch flach. Niemand aber hat sein Entsetzen geäußert, dass der von den vier Gebäuden umkränzte Platz sowas von zubetoniert ist, dass einem Assoziationen an einen Appellplatz kommen. (Nicht weit von Linz gibt es einen, auf der anderen Donauseite.) Wollen wir hoffen, dass der Beton von den Menschen instandbelebt wird. Und nicht Menschen auf ihm einbetoniert, auch nicht im metaphorischen Sinn.

Laczika und Mütter haben jeder für sich und zwischendurch ein bissl miteinander erzählt, mit Worten und Klängen am Klavier bzw. als Trombonaut im Raum, über den medizinischen Nutzen von Musik, den akustischen Raum, seine sinnliche Erschließung, die Weite in Klang und Raum. Bruckner und Bach haben auch vorbeigeschaut. Hernach hat es fleischlose Brötchen und Wein und Bier und Mineralwasser im Café Antonia gegeben. Gute Stimmung. Danke.


Eine Veranstaltung der Kepleruni Linz. Entwickelt und präsentiert von Architektur Hören. Die sind wirklich gut.

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Freitag, 17. September 2021
Wien (A)
, Franziskanerkirche
Festival Quintessenz
»Improvisations à trois«
Johannes Ebenbauer, Orgel
Jeremy Joseph,
Orgel
Bertl Mütter, Posaune

logo wöckherl-orgel 1642 in der wiener franziskanerkirche

Seit einiger Zeit treffen sich Johannes Ebenbauer und ich in der Franziskanerkirche – zwischenzeitlich ist auch Jeremy Joseph dazugestoßen –, und wir improvisieren gemeinsam. Im Betchor befindet sich die legendäre Woeckherl-Orgel, der das Festival Quintessenz gewidmet ist. Im Kirchenschiff gibt es dazu noch die sehr passable moderne Rieger-Orgel. Ich darf nun im Dialog mit beiden Instrumenten musizieren. Die Franziskanerkirche, das sei gesagt, ist eine der am schönsten klingenden Kirchen, die ich kenne.

Waren es im Vorjahr drei improvisierende Organisten, so ist der Dritte diesmal ein Posaunist – und was für einer! Bertl Mütter ist Posaunist, Komponist, Autor und vieles mehr, jedenfalls eine höchst eigenwillige und kreative Musikerpersönlichkeit. Der Dr. artium aus Steyr hat sich etwa Schuberts Liederzyklen ebenso angenähert wie dem oft gemeinsam entwickelten Werk zeitgenössischer Komponisten, was bereits in zahlreichen CD-Einspielungen dokumentiert wurde. Bertl Mütter wird also mit den Uni-Professoren Jeremy Joseph und Johannes Ebenbauer improvisieren. Beide Orgeln sind im Einsatz – und wie das so ist mit dem Improvisieren: man weiß nicht, was einen erwartet. Lassen Sie sich daher überraschen bei »improvisation à trois« am 17. September in der Wiener Franziskanerkirche.
Das Musizieren an und mit der Wöckherl-Orgel wird per Video in den Kirchenraum übertragen. Nach dem Konzert gibt es Gelegenheit, direkt in den Betchor zu kommen und die Orgel zu besichtigen.
Konzertankündigung


Das Publikum hielt die Spannung auch bis zuletzt, weil so eine leichte Kost war’s ja wirklich nicht, was wir da geboten haben, dazu die besetzungsbedingte Distanz, das Fehlen einer miterlebbaren performativen Interaktion zwischen den Musizierenden und eben zum Publikum hin. Großes Kompliment also. Sehr herzlicher Applaus. Eine Freundin schreibt mir:

Vielen herzlichen Dank für den wunderschönen und tiefgreifenden Abend. Danke für eure innigen Improvisationen, (…). Johannes Ebenbauer und Jeremy Joseph, die auf diesen beiden großartigen Orgeln die Franziskanerkirche zum Jubilieren und Klingen brachten und dein klarer und ehrlicher Ton dazu, ein Geschenk für uns Zuhörer und Zuhörerinnen! (…) Gestern konnte ich viel Energie und Zuversicht für die Herausforderungen des Lebens mitnehmen, danke!

Es ist wahrlich ein Privileg, in diesem Raum mit solchen Kollegen musizieren zu dürfen. DANKE.

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Montag, 13. September 2021
Linz (A)
, Med Campus Uni Linz
Krankenhausstraße 5
Eröffnungsfeier
Posaunenempfang: Bertl Mütter, Trombonaut am Sprungturm

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Da sich der Architekt einen »Posaunisten, Trompeter o.Ä« vorstellte, durfte ich als Erstgereihter (da weder Trompeter o.Ä) recht kurzfristig mein Angebot: »Posaunenempfang am Montag, 13.9.2021, 10.00 Uhr« stellen, ecco:

(…) da Sie mich fragten, ob ich bei der Eröffnung der Lehr- und Forschungsgebäude der Medizinischen Fakultät Linz vom Balkon zum Posaunenempfang blasen wolle, konnte ich Ihnen eben am Telefon rundheraus mit einem beherzten »JA!« antworten.
Mit der Lokalität bin ich, wie Sie wissen, bereits vertraut. Ich werde so zeitgerecht erscheinen, dass ich die im Augenblick plausibelste Aktionsweise einsetzen werde können. Ich habe einer derart wichtigen Eröffnung angemessene Gustostückerln im Repertoire, die eine sinnfällige Vertiefung des Erlebnisses über das übliche Brimborium hinaus erlebbar machen. In diesem Sinn wäre es schön, wenn es zwei drei Momente der Konzentration auf mein Spiel geben könnte. Mir ist natürlich bewusst, dass es um ein Gesamterlebnis für alle Gästinnen und Gäste geht, wozu ich sehr gern meinen speziellen Beitrag leisten werde.
Als Honorar möchte ich [Gagengeheimnis versteht sich von selbst, Anm.] zzgl. 5% USt. Fahrtkosten verrechne ich keine, auch wird kein Hotel nötig sein.
Für Rückfragen und Spezialwünsche bin ich gerne jederzeit für Sie erreichbar.
Herzliche Grüße, Bertl Mütter

Und präzise exakt ziemlich genau so war’s, einigermaßen:

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2021/210913jkubalkon.jpg
© Wolfgang Simlinger | cityfoto.at

Danke dem sehr freundlichen Wolfgang Simi Simlinger für die Erlaubnis, das von ihm angefertigte dokumentarische Bild zu verwenden.

Die Feier selbst soll dann sehr feierlich gewesen sein. Wenn alles plangemäß verlaufen ist, war sie um 12 Uhr 23 zu Ende; ob man zuletzt die Melodie der Bundeshymne oder der Europahymne gebrummt oder, beherzt, s’hoamatlånd gesungen hat, kann ich auf Nachfrage gerne in Erfahrung bringen.

Zurück zum Bahnhof habe ich, wie zuvor mit großer Vorfreude konzipiert, den Weg über den Schillerpark eingeschlagen und habe mich dort, entspannt am Stand, mit einer der legendären Chilibosner aufs würdigste selber belohnt.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2021/210913chilibosner.jpg

Ich hab’s mir ehrlich verdient, kann ich Ihnen sagen.

NB: Am Mittwoch, den 29. September spiele ich dann für Menschen, die kommen, um den Raum zu erleben und zu lauschen.

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Freitag, 20. August 2021
Graz (A)
, Volkshaus, ARTist’s
v:nm – Festival
Werner Raditschnig
, 2 Tischgitarren, Elektronik
Bertl Mütter, 1 Posaune

Volkshaus Graz, Bild: Josef Klammer
Der Verein zur Förderung und Verbreitung Neuer Musik (v:nm) hatte uns eingeladen, einen Beitrag zum diesjährigen Festival zu leisten, eine hochwillkommene Gelegenheit, wieder einmal mit Werner Raditschnig, einem sehr frühen Mentor und Mutmacher, zu spielen. Habe ich mich mit meiner Musik auch von dieser doch recht speziellen musikalischen Subkultur nachdrückllich entfernt, so ist doch mein Blick darauf ein freundlich lächelnder, und ich war sehr gerne dabei.

Werner Raditschnig
Werner Raditschnig, fotografiert von Sepp Dreissinger

Position A – Die Melodie
Farbtöne – Parallelbewegungen in glissandierenden Verbindungen
Spielstrukturen mit gleichen Tonbezeichnungen in freier Lage nach Farbqualitäten
Arbeitsansatz: Posaune tiefe bis mittlere Lage zirkulierende Atmung
E-Gitarre hohe Töne mit Slide, Freeze, E-Bow
Intensität: Mäßige Lautstärke (mp)
Die E-Gitarren werden in der Stimmung (Scordatura) der Posaune angepasst.

Position B – Der Akkord
8-stimmige Akkorde austesten, die in freier Kombinatorik eine offene Form des Spielens erlauben und zirkulierend diverse Klangebenen in einem Zeitkontinuum treten
Arbeitsansatz: Posaune + Stimme + Dämpfer
E-Gitarren 6-stimmig (3+3) Kombination mit Elektronik
Intensität sehr leise (ppp)

Position C – Der Raum
Untersuchungen komplementärer Verhältnisse zwischen Statik und Bewegung
Lineare Aktion durch elektroakustische Zuspielungen
Verschiedene und gegensätzliche Handlungen im akustischen Kontext, betreffend Raum und sozialer Aktion
Arbeitsansatz: Posaune assoziativ frei im Raumklang
Resonanzen auf E-Gitarren in manueller Technik und Zuspielung
Es stellt sich auch die Frage nach der je unterschiedlichen physischen Ausdauer und wie man diese angleichen kann
Intensität: mäßig bis schrill wechselnd (p – sf, ff – p)

(Jury-Einreichungsmanuskript, WR+BM)

… unvorstellbar, wenn nach Zurkenntnisbringung dieses Skripts nicht die Massen ins Volkshaus strömen wollen würden.


… tja, und sie sind geströmt, dass es nur so eine Freude war. Mit großer, wie ich finde: bewundernswerter Konzentration hat das Publikum im kompakten Konzertraum des ARTist’s unseren Ausführungen gelauscht. Das Stück, das wir in den Tagen vorher aus der oben zitierten Jury-Einreichung vor Ort fertig entwickelt haben, haben wir

»IST für Posaune, zwei Tischgitarren und Elektronik«

genannt. Und genauso WAR’s dann auch.

Danke Josef Klammer und seinem Team für die beherzte Organisation dieses fermentartigen und deshalb so notwendigen Festivals und Get-Togethers. Danke auch unserem feinen Tontechniker (dessen Name mir leider entfallen ist); ihm verdanke ich den Hinweis auf den recht pragmatischen (möglicherweise ein kleinwenig schnoddrig gemeinten) Überbegriff, der in Holland für den am v:nm-Festival meistexerzierten Musizierhabitus gebräuchlich ist, aus den Tiefen des Internet habe ich – und damit beschließe ich schon meine Ausführungen – folgendes, dies belegendes Zitat gefunden:

(…) de allermodernste jazz – in Nederland ook wel ›piep-piep-knor-muziek‹ genoemd

Touché.

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Freitag, 30. Juli 2021
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 20c

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2012/12weinkult11_1.jpg

Gertraud Klemm, Lesung

Viola Falb, Saxophon, Klarinette
Christoph Cech
, Wurlitzer, Schlagzeug
Alexander Lackner, Kontrabass
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conférence

Hans Czerny, Eröffnungsredner

20 (in Worten: zwanzig) Jahre WeinKult! Wir können es selber nicht recht glauben. Aber nein, natürlich wissen wir’s, und wir sind mächtig stolz auf diese Tradition. Unserem bewährten Hofintendanten Bertl Mütter ist es auch heuer wieder gelungen, eine illustre Runde aus seinem künstlerischen Freundeskreis auf unserem Hof zu versammeln. Wie 2020 ist auch 2021 ein c-Termin herausgekommen, was soll’s.

Fangen wir beim musikalischen Fundament an und schrauben wir uns nach und nach in die höheren Sphären. Sascha Lacker ist der uns wohlvertraute Bassman, jedoch beileibe nicht nur das.

http://www.jazzfreunde.at/jazz/images/V2018/VMI_H/SaschaLackner_ManfredMadlberger.jpg
Sascha Lackner © Manfred Madlberger

Gerne wird er, off records, den Schüttelreim zum Tag ausbringen, sich darin möglicherweise mit dem von dieser speziellen Passion gleichermaßen infizierten Kollegen an Tast und Schlag matchen. Das ist wie jedes Jahr Christoph Cech. Er wurlt wieder wurlitzerig und werklt am Schlagwerk.

http://www.christoph-cech.com/media/cechpiano2b.jpg
Christoph Cech © CCEnterprises

Womit wir zur Sektion Niederösterreich kommen – wird doch auch dieser WeinKult dankenswerterweise in der Reihe »Kultur beim Winzer« des Landes NÖ präsentiert und anteilig unterstützt. Und wozu in die Ferne schweifen: Die quasi aus der Nachbarschaft stammende Viola Falb spielt Saxophon und Klarinette, buchstäblich auf der ganzen Welt (wenn es halt geht). Auch als Komponistin ist sie Trägerin zahlreicher renommierter Preise. Der Hofintendant gibt sich ehrlich betropezt, sie nicht schon längst eingeladen zu haben – aber heuer passt’s!

Bild Viola Falb
Viola Falb © Martin Bilinovac

Was die Literatur betrifft, so konnten wir die herrlich unkomplizierte und wunderbar g’standene Gertraud Klemm gewinnen. Ihre Literatur darf als äußerst engagiert gelten, wobei ihr das Kunststück gelingt, dabei einen fein ironischen Ton zu treffen. Diese Meisterschaft wurde u.a. mit dem Publikumspreis beim Bachmannwettbewerb, einem Eintrag auf der Longlist des Deutschen Buchpreises (für »Aberland«), dem Outstanding Artist Award der Republik Österreich sowie 2021 mit dem Ernst-Toller-Preis honoriert.

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Gertraud Klemm © detailsinn.at

Zuletzt erschien »Hippocampus«, ein laut Falter »so böse wie witziger und gescheiter Roman«. Bei einem Fernachterl hat man sich rasch angenähert, was wohl als bestdenkbares Omen für einen insgesamt hochanregenden Sommerabend gelten darf. Und da reden wir noch gar nicht von den Weinen und den sonstigen kulinarischen Hofhochgenüssen bei den Czernys. Willkommen!

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Bertl Mütter © Stefan Nützel


So war’s angekündigt – und so war’s auch. Die sommerliche Schwüle hat hochgradige Entspannung gezeitigt. Große Lese- und Spielfreude, sehr aufmerksames Publikum – sobald man ihm die Chance dazu gegeben hatte. Feines Beisammensein. Spektakulär unspektakulär. Vorfreude auf WK21.

Danke allen, die ermöglichend und genießend dabei waren!

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Donnerstag, 22. Juli 2021
Schiefling (A)
Park des Alban-Berg-Waldhauses
in Auen am Wörthersee
Georg Büchner: Lenz
Lesung mit Musik
mit
Eva Berner-Klemt und Bertl Mütter, Posaune

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Büchners Lenz ist ein Monolith. Mächtig, ja wuchtig, dabei einfühlsam bis in die innersten Rückzugsregionen des Geistes/der Seele eines zutiefst Verwundeten, einem Waidwunden, den es in den Wald zieht, um Heilung zu suchen, die er nur in Ansätzen finden kann, zu sehr pendelt es ihn zwischen seinen Polen hin und her: dem recht klaren Wahrnehmen der real ihn umgebenden Welt und den in ihr sich um ihn kümmernden, ja, ihm sich in Wärme zuwendenden Menschen – und seinem Abdriften, sich Versteigen, sich Hineinsteigern in aberwitzigste Vorstellungen und Sehnsüchte bis hin zu suizidalen Ausbrüchen.

Lenz wird die Tage in Waldbach und auch die Reise nach Straßburg überleben, hinleben, wie Büchner sagt. Ob er all das jedoch überstehen wird, wissen wir nicht, müssen aber Schlimmes ahnen.

In ihrer (leicht eingekürzten) musikalischen Lesung stellen Eva Berner-Klemt und Bertl Mütter die unsentimental gleichwohl höchst empathisch berichtende Sprache Büchners dem üppig aufgewühlten Innenleben Lenzens im vielfältig nuancierten Klingen der Posaune gegenüber. Beides zusammen ergebe mehr als die Summe der Einzelteile: So ist das Leben, ein Her- und Hinleben.

Bertl Mütter


Recht kurzfristig kam die Anfrage von Eva Berner-Klemt, und ich habe sogleich mit Begeisterung zugesagt.

(Gäbe es so etwas wie Routine, bei Büchner ist sie undenkbar.)

Ein ist großes Privileg gewesen, an diesem wunderlichen Ort vor einem derart freundlich-konzentrierten Publikum zu spielen! Herzlicher Dank an Katharina & Wolfgang Semmelrock – und meine Podiumspartnerin Eva Berner-Klemt, die mich zu dieser unglaublichen Reise durchs Gebirg animiert hat.

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Samstag, 17. Juli 2021
Klagenfurt (A), Villa For Forest (Viktringer Ring 21)
SPIELEN! – DIE 17. GALANACHT DER IMPROVISATION

Wir SPIELEN! für SIE!

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            Tobisch Hoppe Lorber Traar Latritsch Mütter   Schwarzgruber Berger    Woitsch

Erich Berger, E-Bass
Maria A. Hoppe, Flöte, Okarina, 
Maultrommel, Mundharmonika, Rebab
Reinhard Latritsch, Keyboard
Markus Lorber, E-Guitarre, Helix
Werner Sattlegger, Gitarre (Gast; nicht im Bilde)
Johannes Schwarzgruber, Posaune, Bassflöte, Bratsche
Karin Tobisch, Hackbrett
Johnny Traar, Alt- & Sopransaxophon
Evelin Woitsch, Prima Donna

Bertl Mütter, Posaune, Spielertrainer


Wir SPIELEN! (immer weiter). Den Abschluss unseres heurigen Workshops haben wir, DIE ACTUELLE CAPELLE, in der Villa For Forest zelebriert; was für ein gastfreundliches Exil (in dem wir, DANKE, lieber Raimund Spöck & liebe Denise Zaros, gerne weiter verweilen wollen!), noch dazu mitten in der Stadt.

Das anschließende kulinarische Beisammensein war wieder extra brilliant.


Aus der SPIELEN!-Werkstatt

Eine ganze Woche lang SPIELEN! wir, von früh bis spät, nun bereits im siebzehnten Jahr! Alle sind wir alt und erfahren genug, darauf unwillkürlich »blondes Haar« reimen zu müssen. Wir stehen aber nicht vor einander, sondern für einander, klingend, ein. Haben wir bereits im Vorjahr hierzettels verlautet. Es hat sich nichts geändert daran, im Gegenteil, die Beziehung hat sich vertieft. Wir verstehen/erleben uns als Kollektiv, als klingender Organismus, der nicht ohne alle anderen auskommen kann noch will. Das könnte doch ein Modell für How-To-Gesellschaft sein.

Voll dabei

Wir alle kennen diese frustrierende Unmöglichkeit, sich gegenseitig seine Träume zu erzählen: Die/der andere war ja doch nicht dabei. Wir aber wollen sie uns so mitteilen, als wären wir gemeinsam im gleichen Film gesessen und weideten uns am Genuss des Nacherlebens, daran, dass wir uns lediglich auf unterschiedlich wahrgenommene Details aufmerksam machen mussten, wie seinerzeit bei den Straßen von San Francisco oder Bonanza. Bezaubernde Jeannie. Späterhin The Big Lebowski. Monty Python’s Flying Circus.
Genau genommen hat dieses Sichimmerwiedererzählen die Funktion einer höheren Auflösungswahrnehmung des Miterlebten, was zu einer beträchtlichen, ja: wesentlichen Vertiefung der Realität führt.
Man nennt das gemeinhin Heranwachsen. (Das hört und hört nicht auf!)

DIE ACTUELLE CAPELLE ist ein Projekt, das sich einer solchen verdichteten Wahrnehmung widmet, mit Herz und Haar, für immer blond: 100% real.

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Freitag, 16. Juli 2021
Klagenfurt (A)
, Künstlerhaus
Prelude to a Logoratorio
Bertl Mütter
, Posaunenpoet

In der von Julius Pristauz kuratierten Ausstellung »ladder to a poem« lädt der Posaunenpoet Bertl Mütter in seine Schule des Staunens.

›Poesis‹ steht für zweckgebundenes Handeln, was die Kunst ja immer gerne für sich in Anspruch nimmt: Verleiht es doch Wichtigkeit. Notwendigkeit. Gebrauchtwerden. Dringend. Wir haben das im letzten Jahr oft und oft und immer wieder gehört. Wie weit sich das belegen, beleben lässt, zeigt die gelebte Gegenwart. Nennen wir ›Prelude to a Logoratorio‹ nun also einen poetischen Versuch; das ›Logoratorium‹ selbst folgt im Herbst, wenn Wien Modern ist.

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© Christof Zachl, 2018

Hat es in einem Hinweis geheißen, Tonleitern seien eher nicht zu erwarten, so sei dies hiermit korrigiert: Gegen Ende des Konzerts (offzieller Teil) unterliefen mir etwa drei vollendete Skalen. Aufwärts, weil wir wollen ja nach oben.

Bei Leitern kommt es stets auch darauf an, herunter steigen zu können.

Danke Sibylle und Manfred vom Kunstverein.

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Samstag, 10. – Samstag, 17. Juli 2021
Klagenfurt (A), Villa For Forest
(Viktringer Ring 21)
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

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Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die jährlich sich aufs neue konstituierende ACTUELLE CAPELLE ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im bereits sechzehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELENden ohnehin immer ganz von vorn anfangen müssen dürfen.


SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im landläufigen Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Garten tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


Seit 2020 SPIELEN! wir unsere wunderlich-absonderlichen Klänge im Exil, wir haben uns in der wundersamen Villa For Forest aufs wohlste eingerichtet. Es ist ein gastfreundlicher, das ganze Jahr mit lebendiger Kultur bespielter Ort mitten in der Stadt. Wir dürfen uns hier umfassend willkommen wissen. Ein Extradank an den unermüdlichen Raimund Spöck und die liebe Lea Friessner.

Da es 2020 nämlich aus multiplen Gründen nicht möglich gewesen ist, dass wir in Viktring SPIELEN! Corona war lediglich ein Nebenschauplatz, was für eine Ironie der Umstände. Sollte es beim bisherigen Veranstalter eine wertschätzende, kompetente und geimpfte Geschäftsführung geben (womit bis auf weiters nicht zu rechnen ist), so lassen wir gerne mit uns über eine Re-Integration ins Musikforum Viktring reden; war das SPIELEN! doch stets gerne bei den Subventionsgebern vorgezeigt worden, wenn es darum ging, Gegenwartsrelevanz wider programmatische Beliebigkeit zu belegen.

Den Ort allerdings, die Villa For Forest, möchten wir nicht so schnell tauschen. DANKE.

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Donnerstag, 1. Juli 2021
Klagenfurt (A), Bamberger Hof
Donnerszenen
Mütterlieder (Riserva) – Special Edition
von und mit Bertl Mütter, Posaune

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© Christof Zachl

Zum speziellen Anlass der Klagenfurter Donnerszenen begibt sich Bertl Mütter in einen improvisatorischen Dialog mit allererster Musik und Sprache mit unmissverständlichem Klagenfurt-Bezug. Begleiten doch zwei ganz Große sein künstlerisches Leben in besonderer Weise. Hier und heute befragt er zum einen jene Musik Gustav Mahlers, die oberhalb des Wörthersees, in Maiernigg, entstanden ist. Dazu webt er Assoziatives zu und von Gert Jonke ein; mit ihm hat ihn in seinen letzten Lebensjahren eine innige und höchst inspirative Freundschaft verbunden.
Diese speziellen Mütterlieder versprechen eine poetische Begegnung: Mütters Posaune, sein Mut!horn hat ja ein sanftes Wesen.

So stand es in der Ankündigung der nach 2020 heuer zum zweiten Mal von der Stadt Klagenfurt organisierten Donnerszenen, einer Abfolge von Kurzkonzerten in den zauberhaften Höfen Klagenfurts, bei freiem Eintritt. Mein Spiel durfte den Rahmen für den offiziösen Auftakt zum heurigen Parcours geben. Große Ehre. Passioniert lauschendes Publikum in drei grundverschiedenen Sets. Und für mich selbst zwischendurch gute Gelegenheit, einmal alle Sorgen, die mich gegenwärtig umtreiben (die Eltern altern rasant…) im Spiel draußen zu lassen – und zugleich voll herein zu nehmen. DANKE.

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Mittwoch, 2. Juni 2021
Salzburg (A)
, Literaturhaus
Poesie-Nacht 2021
mit
Lidija Dimkovska, Anja Golob & Drago Ivanuša, Margret Kreidl, Bertl Mütter, Dine Petrik, Elisabeth Reichart und Julian Schutting

http://www.literaturhaus-salzburg.at/media/image/image7030.jpg

Tomas Friedmann hatte mir für 2020 eine Carte Blanche gewährt (…), sehr fair ein Abstandshonorar ausbezahlt und mich abermals für 2021 eingeladen. Fein, dass es sich diesmal ausgegangen ist. Unter den gegebenen Umständen (jede/r max. 15 Minuten, da um 22.00 Sperrstunde sein musste) war natürlich an die Carte Blanche nicht zu denken, aber was soll’s. Wird ein andermal passen, und da werden sich auch mehr Menschen hertrauen als diesmal, maskiert und distanziert.

Leider musste Margret Kreidl kurzfristig absagen. Insgesamt war es ein dichter Dichter*innen*abend, mit, das sei wertschätzend-amüsiert gesagt, doch recht hohem Krawehl-Koeffizienten. Ein Höhepunkt war sicherlich die Begegnung mit dem großen Julian Schutting. Ich habe ihm zu seiner ein Stück aus meiner Winterreise nachgespielt und den Wegweiser auf seine Heimreise mitgegeben.

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Freitag, 21. Mai 2021
Graz (A)
, Herz-Jesu-Kirche
Pfingstvigil – HIERHIN, ATEM!

Bertl Mütter (Posaune)
Ulrich Walther (Orgel)
Ensemble airborne extended
     Elena Gabbrielli (Flöte)
     Caroline Mayrhofer (Blockflöte)
     Sonja Leipold (Cembalo)
     Tina Žerdin (Harfe)
     Klaudia Tandl (Mezzosopran)
Ninja Reichert (Stimme)

»HIERHIN, ATEM!« ist die Aufforderung für die Pfingstvigil 2021 in der Grazer Herz-Jesu-Kirche. Es ist ein Aufruf. Es ist auch eine Anrufung – nach einem dramatischen Jahr der Angst, den Atem zu verlieren.

Die Pfingstvigil in der Herz-Jesu-Kirche, bringt Texte von Margret Kreidl, vertont von den Komponist*innen Sanziana Dobrovicescu, Clemens Nachtmann und Antonis Rouvelas zur Uraufführung, Psalmenübertragungen von Arnold Stadler zum Fest des Atems und des Geistes lassen die ungewöhnliche Sprache des Alten Testaments in einer Weise gegenwärtig werden, die zum Atem-Anhalten führt. 
»HIERHIN, ATEM!« ist eine poetische Übertragung der ersten beiden Worte der lateinischen Pfingstsequenz des niederländischen Dichter-Theologen Huub Oosterhuis.

Ich habe gespielt, dazu und dazwischen. In der so seltsam gigantischen Herz-Jesu-Kirche. Mit dieser nachgerade idealen Akustik.

Wer sich die gesamte Feier anschauen will, kann hier weiterklikken.

Es ging um Atem, Geist (was sonst zu Pfingsten?), und wir gedachten (heimlich) u.a. meines Freundes Philipp Harnoncourt, der vor ziemlich genau einem Jahr verstorben ist.

Beim Begräbnis von Philipp Harnoncourt (1931–2020) in Grundlsee wurde – mit Hubert Gaisbauer, Bertl Mütter, Peter Ebenbauer, Barbara und Johannes Rauchenberger die Idee geboren, zu Pfingsten 2021 in der Herz-Jesu-Kirche wieder eine Pfingstvigil zu feiern. Zehn Jahre zuvor hat dieser große Liturgiewissenschaftler anlässlich seines damaligen 80. Geburtstag die Kunstpreise »1+1+1=1 Trinität« in Bildender Kunst und Literatur gestiftet. Er vergab zudem fünf Kompositionsaufträge und eine Tanzpferformance. Das KULTUM war damals der fruchtbare Austragungsort dieses außerordentlichen Ereignisses. Seither hatte sich Philipp Harnoncourt in seinem letzten Lebensjahrzehnt der Renovierungsarbeiten der Heiligen-Geist-Kapelle in Bruck an der Mur gewidmet, die am Tag nach seiner Beerdigung mit einer Improvisation von Bertl Mütter eröffnet wurde.

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Mittwoch, 17. Februar 2021
Innsbruck (A)
, artdepot
»Wasted Lives«
Soft Opening der Ausstellung von Hermann Glettler
Bertl Mütter, Posaune
Hermann Glettler, Fotos, Video

Wasted Lives Hermann Glettler 18.02 06.03.2021 Seite 1

Die Fotoserie von Hermann Glettler mit dem Titel »Wasted Lives« ist Anfang Dezember 2020 auf der Insel Lesbos entstanden. Der Innsbrucker Bischof hat diesen Ort besucht, um einen persönlichen Faktencheck zu versuchen. Die humanitäre Tragödie im Flüchtlingslager Kara Tepe II auf der griechischen Insel lässt sich schwer beschreiben. Es ist offensichtlich eine Kulturschande für Europa, dass Menschen mit erschütternden Schicksalen in einem Notlager festgehalten werden, das nicht dem Standard europäischer Flüchtlingskonvention entspricht.
Abseits vom Lager fand Glettler ein weiteres Zeugnis für die verhängnisvollen Tragödien, die sich hinter den abstrakten Begriffen wie Migrationsbewegungen und Flüchtlingsströmen abspielen. Er entdeckte einen abgelegenen Friedhof im freien Feld, der von spontaner Verabschiedungskultur, einigen privaten Grabbauten, aber auch von einer offenkundigen Verwahrlosung geprägt ist. Ein Feld der Verworfenen.
Der Titel »Wasted Lives« bezieht sich auf ein wichtiges Buch des polnischen Soziologen Zygmunt Bauman, der die strukturelle Ausgrenzung von Menschen in unterschiedlichsten Armutssituationen und von Menschen auf der Flucht nachzeichnet. Man will von ihnen nichts wissen. Bauman zeigt auf, dass Produktionsprozessen gleich bestimmte Menschen einfach als »Abfall« bezeichnet werden und sich darum auch niemand um ihr Wohl zu kümmern hat. Wir alle sind Teil dieser Desensibilisierung, die eine schleichende Werteverschiebung bewirkt. Eine menschliche Wahrnehmung, die weder einer politisch motivierten Verharmlosung noch einem unstillbaren Voyeurismus des Elends verfällt, wäre heilsam. Die vom Künstler bearbeiteten und am Beginn der Fastenzeit erstmals präsentierten Fotos sind einer solchen Wahrnehmung verpflichtet.
Salzburger Nachrichten

Es ist jedesmal eine tiefgehende Erfahrung, mit Hermann gemeinsam durch seine Installationen zu ziehen. Seine ungenierte, fast möchte ich sagen: ruppige Art, mich beim Bespielen zu filmen, legt unerhörte Klänge in mir frei, bringt sie nach draußen, was wiederum ihn inspiriert: Ein Sog höchster Intensität weit über jedes kognitive Erfassen des präsentierten Materials hinaus.

Das Video finden Sie hier.

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Freitag, 30. Oktober 2020
Wien (A)
, Franziskanerkirche
»Trost. Wege aus der Verlorenheit«
Buchpräsentation mit den Autoren Hermann Glettler und Michael Lehofer
Musikalische Gestaltung: Bertl Mütter, Posaune

https://www.styriabooks.at/temp/image/11938/original/87c38-504-fit-85/trost-11938.jpg?t=1588835506

Zuversicht! Leidenschaftlich leben.
Trost ist gefragt. Der Blick auf unsere Welt, die sich in einer ökonomischen und sozialen Schieflage befindet, lässt da keinen Zweifel. Existenzielles Leid verlangt nach Trost, nicht nach billiger, zynisch klingender Vertröstung. Wirklicher Trost beginnt mit der Befähigung zur Aufmerksamkeit und zum Mitleid. Und wer getröstet ist, kann trösten – Wertschätzung zusprechen, Unrecht benennen. Trösten ist Ermutigung, den Blick zu wenden. Ein Plädoyer für die Wirklichkeit und gegen die Illusion. Hermann Glettler, Bischof und Künstler, und Michael Lehofer, Psychiater und Psychologe, zeigen auf, wie und wo das Trösten stattfindet. Feinfühlig führen sie zu einer Lebensperspektive mit größerer Zuversicht. Ihre Botschaft lautet: Alles, was dir genommen wird, so bitter es auch sein möge, ist eine Übung zur inneren Freiheit.
(Verlagstext)

Beim zweiten Versuch hat’s gepasst. Eine sehr stimmungsvolle Veranstaltung, viel Hören.

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/gagenhoehe.jpg
(Auch hier hat die Art-but-fair-Diskussion ihren Platz gefunden.)

Sooderso gilt weiterhin: Wir brauchen TROST.

Achja: Bei anderer Gelegenheit (hoffentlich bald einmal, wenn manches gutgeht) sollten Sie mich (& ich mich, auch!) in der Franziskanerkirche im Dialog mit der Wöckherl-Orgel, das ist die älteste von ganz Wien, erleben können werden dürfen.

(Ich übe derweil weiter!)

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Sonntag, 25. Oktober 2020
Šentjakob v Rožu/St. Jakob im Rosental (A)

BREZMEJNOST – pohod ob HRANCI s petjem, glasbo, plesom, besedili ...
ENTGRENZUNG – Wanderung entlang der GRENZ in Wort, Musik, Tanz …

To bo zadnja možnost HRANCO videti v svoji celoti – v dneh po tem pohodu jo bomo odstranili.
Die letzte Chance die gesamte GRENZ zu sehen – in den Tagen danach wird sie abgebaut.

mit/sodelujejo:
Aleksander Ipavec Ipo & Simone D’Eusanio / Bertl Mütter / Maša Kagao Knez / Slavko Trivković / Gerd Kenda / Delta concept / MGV Maria Elend / ŽPZ Rož / Praprotnice / teatr zora / teatr trotamora ...

https://www.krm.at/wp-content/uploads/2020/05/kirche-529x705.jpg
© SPD Rož

Einen Ort durchläuft temporär ein rotes Band, Sinnbild für Grenze. Am Nationalfeiertagsvortag darf ich bei der abschließenden Veranstaltung, nach der diese Grenze wieder eingerollt wird, in der Peterskirche/Šentpeter spielen. Marjan Štiker vom Kulturverein Rož hat mich in diesen wunderbar klingenden Raum eingeladen. Wie es dazu gekommen ist, das ist eine sehr spezielle Geschichte, die ich Ihnen gerne bei Gelegenheit persönlich erzähle.

Ein entgrenzendes Ereignis. Nämlich: Einbindend.

Diese Freude, wenn du abreist, und du darfst dich nicht nur über eine rundumundum gelungene Veranstaltung freuen, sondern du darfst gewiss sein, im Herzen, neue Freunde gefunden zu haben.

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Freitag, 31. Juli 2020
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 19
C

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2012/12weinkult11_1.jpg

Mercedes Echerer, Rezitation

Christopher Haritzer, Klarinetten
Christoph Cech
, Wurlitzer, Schlagzeug
Ewald Oberleitner, Kontrabass
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conférence

Hans Czerny, Eröffnungsredner

Wir müssen hier nicht umständlich erklären, dass just uns dieses Virus betrifft, laber laber. Geht ja allen so, wir können kürzen.

Wir sind noch einmal zurück in die Stallungen gegangen und legen nach exakt drei Monaten aufgezwungener Muße mit vervielfachtem Eifer nach: WEINKULT 19C!

Damit der WeinKult auch bei seiner 19. Ausgabe als idealtypisches Symposion zelebriert werden kann, hat unser persönlicher Hofintendant Bertl Mütter wieder einmal keine Aufwendungen gescheut, eine erlesene Runde hochkarätiger Kunstschaffender auf unseren Hof zu locken. Wir werden wie stets dafür sorgen, dass sie allesamt wiederkommen wollen.
Praktisch jedes Jahr ist uns dies bei Christoph Cech gelungen, er werkelt musikalisch an Schlagzeug und Wurlitzer. Christopher Haritzer ist zum ersten Mal zu Gast, und er wird uns mit beherztem Klarinettenspiel in allen – und für alle – Lagen erfreuen.
Am Bass beehrt uns heuer wieder einmal der bei uns so überaus geschätzte Ewald Oberleitner mit seiner altersweisen Klanganwesenheit.
Last but not least ist die unvergleichliche, ungemein beherzte Mercedes Echerer (das war jetzt neunmal der Vokal e en suite!) die Actrice des Abends. Bertl und Mercedes kennen einander von den Sommerspielen Melk, bei denen sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufgetreten sind, er als Musiker, sie als Hexe. Entgegen möglicherweise nun aufkeimende Klischees sei angemerkt, dass es diesmal literarisch um den – Überraschung! – Wein geht. Bereits vorab kann verkündet – sagen Sie niemals hinausposaunt – werden: Die mercedesecherersche Recherche wird ein hochgradig kunstvolles Weinlesen zeitigen. In verschlungenen Interaktionen von Wort und spontaner Musik – der auch Bertl Mütter wesentliches hinzuposaunt – wird uns ein Pfad zum bewusst-sinnlichen Genießen gewiesen, der noch lange nachwirken wird.
Angenehm-anregend, versprochen!


Nachgetragen: Die offizielle Niederösterreich-Werbung ist aktiv auf uns zugegangen und hat uns gebeten, den WeinKult bei der ersten Ausgabe von »Kultur beim Winzer« mit ins Programm nehmen zu dürfen.

Aber bitte, gerne!


Große Freude über ein buntes und gebanntes Publikum, feine Gespräche, großes Vergnügen und … großer Wein!

DANKE allen, die zum Gelingen der so feinen Feier beigetragen haben!

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Samstag, 18. Juli 2020 und Sonntag, 19. Juli 2020
Stübing (A), Freilichtmuseum
styriarte – S
ommernachtstraum

Mit Arianna Savall & Petter U. Johansen, Citoller Tanzgeiger, Raphael Meinhart, Michael Nagy, Studio Dan, Bertl Mütter und Johannes Silberschneider.

Eigentlich spielt Shakespeares »Sommernachtstraum« ja in einem Wald bei Athen im antiken Griechenland. Aber all die Geister, Elfen und Nymphen, die der Dichter da beschwört, sind natürlich nicht nur am Mittelmeer daheim, sondern finden sich durchaus auch in unseren Gefilden. Sie mögen vielleicht nicht Titania oder Oberon heißen, aber über die Zauberkräfte der Natur in magischen Pflanzen und verführerischen Düften verfügen auch sie mindestens genauso gut. Wir suchen die Geister der Natur im Museumsdorf Stübing, wo der große steirische Volksschauspieler Johannes Silberschneider ihnen in Versen huldigt, während eine ganze Schar von illustren musikalischen Gästen sie besingt. Mit dabei ist unter anderem ein Duo, das schon in sich selbst mediterranen Zauber und nordische Magie vereint: Arianna Savall und Petter Udland Johansen, die als »Hirundo Maris« Brücken in alle Himmelsrichtungen bauen. Und für die Alpenländer stehen nicht nur die vitalen Citoller Tanzgeiger, sondern auch der Extremposaunist Bertl Mütter.
styriarte

Mit meiner matt patinierten Posaune will ich mich Spielarten von Nacht widmen, wie sie ihr innewohnen und zugedichtet werden: Abendlich-morgensternige Andacht, Stillen (es gibt deren etliche Arten), nachtmahrige Traumungeheuer, Liebesnacht um Liebesnacht – und was sich sonst noch so alles um Mitternacht (in einem) verklärend abspielen mag. Auch den Mond mag ich herbeibesingen, anheulen. Schlaf? – Wer weiß. In fünf Acten: Seien Sie gespannt, zu welchem Sie Ihr sommernächtliches Los vermittelt.
(Vorhabenserklärung des Künstlers, 20. Mai 2020)

Selbstverständlich müssen wir hinzufügen, dass all unsere Bemühungen nur dann realisierbar sind, wenn sich die Lage in Österreich in der Zwischenzeit nicht wieder verschlechtert und uns im Juli ein Veranstaltungsverbot zwingt, auch die neuen Pläne wieder aufzugeben. Wir blicken aber optimistisch in die nahe Zukunft und setzen alles daran, unseren Künstlerinnen und Künstlern wieder Liveauftritte zu ermöglichen.
styriarte, künstlerisches Betriebsbüro (interne Mitteilung)


Es ist immer ein Privileg, bei der styriarte mitwirken zu dürfen; eine solche Bemerkung bedürfte eigentlich keiner Steigerung, lassen wir es also auch heuer dabei. Es geht ja immer darum, den Menschen ein sinnliche Freude zu bereiten.

So habe ich also an jedem Abend fünf unterschiedliche Bögen gespannt, und das unvergleichliche styriarte-Publikum, das darf ich bemerken, hat mir sehr geholfen dabei, so gespannt, wie es dabei war:

(1) Wunderliche Nacht
(2) Liebesnacht
(3) Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer
(4) Nacht als Übertritt in die/eine Andere Welt
(5) Beunruhigung durch Nacht

Tiefe Verbeugung.

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Freitag, 17. Juli 2020
Klagenfurt (A), Villa For Forest (Viktringer Ring 21)
SPIELEN! – DIE 16. GALANACHT DER IMPROVISATION

Wir SPIELEN! – mögen andere passiv und visionslos verharren – für SIE!

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2020/200715DAC.jpg
                Mütter             Tobisch    Lorber       Hoppe     Traar    Berger      Woitsch

Erich Berger, E-Bass
Maria Hoppe, Doppelokarina, Große Flöte, Maul/Mund/Trommeln/Harmoniken
Markus Lorber, E-Guitarre, Helix
Karin Tobisch, Ennang, Rebab, Schoßguitarre
Johnny Traar, Alt- & Sopransaxophon
Evelin Woitsch, Prima Donna

Bertl Mütter, Posaune, Spielertrainer


Andere sagen, sich bequemend, ab – wir SPIELEN! (immer weiter). Den Abschluss unseres heurigen Workshops haben wir, DIE ACTUELLE CAPELLE, in der Villa For Forest zelebriert; was für ein gastfreundliches Exil (in dem wir, DANKE, lieber Raimund Spöck, gerne weiter verweilen wollen!), noch dazu mitten in der Stadt.

Das anschließende kulinarische Beisammensein war extra brilliant.


(Kleiner Einblick in die SPIELEN!-Werkstatt)

Wir SPIELEN! von früh bis spät, eine ganze Woche lang. Wir distanzieren uns gehörig. Wir verkriechen uns nicht hinter NLP-Floskeln. Wir stehen in echt ein für einander, auch (und erst recht), wenn keiner hinschaut. Hat ja jede/r seine Mack/inn/en, oh ja. Voll & ganz & mit Haut & Haar. Es lauert so viel Schönes, Aufregendes. Sie werden’s hören, erleben! Wenn Sie sich hingeben, mit Haut & Haar.


(Ein paar Sätze, zur inspirierenden Verwirrung – aus dem Abendprogramm)

Haben Sie lieber Durchfall als Verstopfung oder umgekehrt, wenn Sie an einer der beiden Beschwerden leiden? (...) Können Sie sagen, weshalb es keine Fernsehserien mehr gibt, in denen loyale Heldentaten, von Hunden und Pferden begangen, abgehandelt werden? (...) Versuchen Sie, klassische Musik zu hören, haben aber das Gefühl, weiter als bis zu der Ahnung, dass sie besser ist, als sie klingt, kommen Sie nicht? (...) Denken Sie bei Blaukraut eher an Brautkleid oder bei Brautkleid eher an Blaukraut? (...) Kommt der Honig bei einer Biene vorne oder hinten raus? (...) Was, wenn Sie den Verstand verloren hätten, und Ihr Zustand wäre genau deckungsgleich mit Ihrem Zustand, wenn Sie den Verstand nicht verloren hätten? (...) Werden sich unsere Lippen hinlänglich befeuchten lassen, dass wir unbekümmert wirken? Werden unsere Lippen tun, was wir wollen? Haben unsere Lippen je getan, was wir wollten? (...) Haben Sie den Eindruck, dass Akne längst nicht mehr so ein weitverbreitetes Problem ist wie in Ihrer Jugend? (...) Ist es bei dem, was man nicht wissen kann, besser, eine klug agnostische Haltung einzunehmen, oder soll man lieber blind frisch drauflosmeinen und diese Meinung in Ehren halten? (...) Wenn es ein Leben nach dem Tode gibt, würden Sie meinen, dass man sich irgendwie darauf vorbereiten sollte, oder bedeutet das im Gegenteil, dass man keinerlei Vorkehrungen treffen sollte?
Padgett Powell: Roman in Fragen. A. d. amerik. Engl. v. Harry Rowohlt.

Insbesondere immer gilt:

Immer sind Sterne da, die wir Menschen nicht sehen, weil es vielleicht noch nicht dunkel genug um uns geworden ist.
Albert Vigoleis Tehlen: Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis.

Soviel jedoch ist sicher:

Wir könnten noch Tage so weitermachen.
Supertrump, 14.7.2020


Wir werden also wieder SPIELEN!, vermutlich zwischen dem 9. und 17. Juli 2021.

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Donnerstag, 16. Juli 2020
Klagenfurt (A)
, Künstlerhaus
Promenade
Ein Umgang mit der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut

Zur von Céline Struger kuratierten Ausstellung »Mit Bergen den Blick reparieren«.

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Bertl Mütter, Blick gen Süden (Ferlacher Horn, Koschuta, …?)

Ich stelle mir vor, dass ich einen (ritualisierten) landschaftlichen Umgang bei ausgewählten Exponanten der Ausstellung unternehme, nennen wir es einmal, wenig originell »Promenade« – was ja eher nicht mit Bergen, vielmehr mit einer Kur-Umgebung assoziiert wird. Indes, von der Kur-Promenade haben wir freien Blick zu den blickverstellenden Bergen…
Aus der Korrespondenz mit dem Kunstverein Kärnten

Nach meiner Bespielung der Kambium-Ausstellung im September 2019 nun also der nächste Streich. Da hat sich eine wertschätzende Partnerschaft mit dem Kunstverein Kärnten ergeben. Das ist grundsätzlich hoch erfreulich.


Es ist das ja so eine Sache, kurierte Kunst. Man nehme einen oder mehrere Begriffe, verschwurble sie, umgürte sich mit dem Raunen der Bedeutsamkeit, derart, dass, wer nachfragt, mit einem abschätzigen Blick zu rechnen hat: Da weiß eine/r nicht bescheid!

Berge, Blick, Reparatur.

Vermutlich habe ich mit meinem Spiel das Thema kolossal verfehlt. Ganz sicher bin ich der einzige, der das zuzugeben bereit ist. Ich denke mir: Bis ein Berg den Blick verstellt (repariert?), braucht es Äonen – sie wachsen so langsam, man hört sie kaum.

Behave artsy!

Mein (möglicherweise) missverständliches Nachhören im vorbildlich distanziert gesetzten Publikum hat fast schon unerlaubt warmen, lang anhaltenden Applaus gezeitigt. Und in der darauffolgenden Nacht hat um 4.52 Uhr in Klagenfurt die Erde gerumpelt.

Kann Kunst Berge versetzen? Aber geh!


Danke dem herzlichen und künstlerisch so unverkrampften Team vom Kunstverein. Die Kuratorin indes wird man sich jedenfalls merken müssen.

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Freitag, 10. – Freitag, 17. Juli 2020
Klagenfurt (A), Villa For Forest
(Viktringer Ring 21)
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/nur_spielen.jpg

Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die jährlich sich aufs neue konstituierende ACTUELLE CAPELLE ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im bereits sechzehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELENden ohnehin immer ganz von vorn anfangen müssen dürfen.


SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im landläufigen Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Garten tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


Seit 2020 SPIELEN! wir unsere wunderlich-absonderlichen Klänge im Exil, wir haben uns in der wundersamen Villa For Forest aufs wohlste eingerichtet. Es ist ein gastfreundlicher, das ganze Jahr mit lebendiger Kultur bespielter Ort mitten in der Stadt. Wir dürfen uns hier umfassend willkommen wissen. Ein Extradank an den unermüdlichen Raimund Spöck.

Da es 2020 nämlich aus multiplen Gründen nicht möglich gewesen ist, dass wir in Viktring SPIELEN! Corona war lediglich ein Nebenschauplatz, was für eine Ironie der Umstände. Sollte es beim bisherigen Veranstalter eine wertschätzende, kompetente und geimpfte Geschäftsführung geben (womit bis auf weiters nicht zu rechnen ist), so lassen wir gerne mit uns über eine Re-Integration ins Musikforum Viktring reden; war das SPIELEN! doch stets gerne bei den Subventionsgebern vorgezeigt worden, wenn es darum ging, Gegenwartsrelevanz wider programmatische Beliebigkeit zu belegen.

Den Ort allerdings, die Villa For Forest, möchten wir nicht so schnell tauschen. DANKE.

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Sonntag, 7. Juni 2020
Bruck an der Mur (A), Heiligen-Geist-Kapelle
Eröffnung & Gedenken

Dieses Projekt hat keinen Nutzen, es hat Sinn.
Philipp Harnoncourt

HGK Bruck

Im Zuge seines 80ers im Jahr 2011 hat mein, nunja, alter Freund Philipp Harnoncourt die einzigartige spätgotische Dreifaltigkeitskapelle von (bzw. im Verkehrsstrudel bei) Bruck an der Mur (wieder) entdeckt. 1494 bis 1497 von Brucker BürgerInnen gestiftet und erbaut, diente sie lange Zeit als Gasthaus und Wohnobjekt und war unbemerkt und unerkannt am Verfallen. Mit der ihm eigenen unwiderstehlichen Energie hat Philipp die Renovierung organisiert und ihre inhaltliche Neudefinierung vorgegeben. Nun steht die Kapelle außen und innen prächtig da und wird – man begeht den Dreifaltigkeitssonntag – feierlich eröffnet:

Da musst du spielen!
meint Philipp.

Wie gern ich das mache! Was für ein Privileg!

http://a6.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash4/252442_10150202542546859_748476858_7018548_2385416_n.jpg

Die eben zitierte direkte Rede von Philipp Harnoncourt ist nun leider in einer abgeschlossenen Vergangenheit, ich wiederhole sie also:

Da musst du spielen!
hat Philipp gemeint.

Philipp ist in der Nacht auf den 26. Mai 2020 in seinem 90. Lebensjahr gestorben.

Damit wird es ein traurig-schöner Freundesdienst, auch am Vortag, wo wir ihn in Grundlsee zu Grabe tragen. Die lebendige Erinnerung an seine unvergleichliche Präsenz wird wohl mein Spiel da wie dort unterfüttern, durchaus auch, was den Aspekt seiner Eigenwilligkeit, ja Schalkhaftigkeit betrifft – hat Philipp sich doch stets gern mit seinem Patron Philipp Neri identifiziert:

Wer nicht bereit ist, sich bloßzustellen, oder wer immer nur ein gutes Bild von sich selbst darstellen möchte, sollte besser schweigen.
Philipp Harnoncourt (1931-2020)

Ich selbst darf zutiefst dankbar sein für eine wunderbare, leichte gleichwie ernsthafte Freundschaft, die Philipp und mich insbesondere im letzten Jahrzehnt verbunden und vielfältig inspiriert hat.


Kaum war die Feier beendet, haben die freundlichen Leute von HiWay-TV das eben gestreamte auf youtube hochgeladen. Zwei Links also: (1) führt direkt zum Anfang und (2) zu meinem zweiten, abschließenden musikalischen Beitrag. Dazwischen sprechen Bürgermeister Peter Koch, Alice Hoppe-Harnoncourt und der den ganzen Prozess mit Herz und praktischem Geschick begleitende langjährige Bürgermeister Bernd Rosenberger; das ist natürlich sehr interessant und durchaus bewegend.

        (1) https://youtu.be/_XXxGi60Xj0?t=1355
        (2) https://youtu.be/_XXxGi60Xj0?t=2871

Man hat mir gesagt, dass ich wieder – und ausführlicher – spielen werde dürfen.

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Freitag, 15. Mai 2020 – Donnerstag, 28. Mai 2020
Wien (A), Stephansdom
Architektur Hören im pocket format #1

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Wir mischen Analog und Digital: Zuerst suchen wir bemerkenswerte Räume, die von dafür ausgewählten Musikern bespielt werden. Wir überlassen Ihnen diese Aufnahmen zum persönlichen Anhören. Natürlich ist uns bewusst, dass Sie sie überall anhören könnten – das würde jedoch nicht der zugrunde liegenden Idee entsprechen. Also: fein anziehen, raus aus der Wohnung und Kulturgenuss an ausgewählten Orten!
Den Auftakt der neuen Reihe macht der Musiker Bertl Mütter, der in zwei Kapellen zu St. Stephan in eine unerhört intime akustische Zwiesprache getreten ist.

Architektur Hören

Eine wirklich bemerkenswerte Initiative. Recht kurzfristig habe ich am 30. April im Dom aufgenommen, in der Barbara- und in der Eligiuskapelle. Ist ein feines Abtasten geworden. Danke Agnes & Nina von Architektur Hören, sowie meinem Freund Robert Pavlecka, mit dem ich seither noch etliche Räume im, am, überm und unterm Dom akustisch-sinnlich vermessen darf. All das mit der phantastischen Unterstützung buchstäblich aller relevanten Menschen, die im, am, überm und unterm Dom arbeiten. Sowas ist nämlich alles andere als selbstverständlich.

Es wird also zur gegebenen Zeit mehr über weiteres zu erzählen – und, vor allem – zu hören geben.

Bertl Mütter

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VERSCHOBEN auf 31. Juli 2020 (siehe dort)
Freitag, 1. Mai 2020
Fels am Wagram (A)
, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 19

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2012/12weinkult11_1.jpg

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ABGESAGT bzw. ONLINE
Sonntag, 26. April 2020
Wien (A)
, Aktionsradius Augarten
Charivari– Linde Waber zum 80. Geburtstag

mit u.a. Friederike Mayröcker, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Liesl Ujvary, Marion Steinfellner, Herbert J. Wimmer, Heinz Janisch, Martin Kubaczek, Helmut Peschina, Bodo Hell, Max Nagl, Martin Siewert, Renald Deppe, Bertl Mütter.

http://www.lindewaber.com/wp-content/uploads/2017/10/Waber_LindaHell_Bodo-9088.jpg

Vom 26. April bis zum 26. Mai wird der 80. Geburtstag der Malerin Linde Waber gefeiert, mit einem dichten künstlerischen Programm, gestaltet von Reise- und WegbegleiterInnen aus den Bereichen Literatur, Bildende Kunst, Musik, Film ... Es wurde alles ins Internet verlagert:
aktionsradius.at

Die liebe Linde. Fixe Größe. Großes Herz. Ergo wäre es eine große Freude gewesen, noch dazu mit Bodo Hell gemeinsam (mehr gibt’s ab Herbst 2020) einen Beitrag leisten zu dürfen. Und zur Eröffnung zu blasen.

Tja, das wäre wahrlich schön gewesen. Mit einem doch auch stimmigen Surrogatbeitrag gibt’s wenigstens eine Ahnung (aber mehr nicht) davon im Internet. Der obige Aktionsradius-Link ist seit 26.4.2020 freigeschaltet.

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Samstag, 11. April 2020
Steyr (A)
, Hinterhöfe Gerade Gleinker Gasse
Karkonzert von der Terrasse
https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2020/200411KarKonzert.jpg

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Mittwoch, 26. Februar 2020
Graz (A)
, Literaturhaus
Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter
von Fritz von Herzmanovsky-Orlando
mit
Bernd Jeschek
, circa 52 Rollen
Bertl Mütter
, Posaune dh. Zugposaune; Regieanweisungen

Jeschek © privat, Mütter © Christof Zachl

Mit Bernd Jeschek verbindet mich eine langjährige Bekanntschaft, die sich mittlerweile zu einer feinen Freundschaft entwickelt hat: In Melk, ca. 1994, bei den Sommerspielen, hat er den Amphytrion, wie sagt man: gegeben. Schon damals durfte ich, wie sagt man: musikalisch apportieren.

Ein parodistisches Spiel mit Musik aus dem alten k&k Österreich. In einer Bahnstation im Hochgebirge irgendwo in den Österreichischen Alpen begegnen wir in Herzmanovsky-Orlandos Theaterstück einer großen Zahl seltsamer Figuren von Allerhöchsten Herrschaften bis zum einfachen Volk: einem Kaiser, der inkognito seine Länder bereist, Grafen und Gräfinnen, Wilderern, einer Witfrau, Bauernburschen, Lakaien, einer englischen Diplomatendelegation, einem Mörder und vielen mehr. Bernd Jeschek verleiht, unterstützt vom komödiantischen Extrem-Posaunisten*  Bertl Mütter, gut 50 Personen seine Stimme. Eine Performance voller skurrilem Witz und Ironie; echt österreichisch eben.
___________________________________
* So 2019 die Festspiele Schloss Tillysburg (Anm.). Ein Statement dazu gibt’s bei Anklikken des Links.

Ein Heimspiel im allerbesten Sinn. Etliche alte Bekannte – nicht nur von Bernd – sind gekommen. Es waren auch welche darunter, von denen ich erst im Anschluss erfahren durfte, dass eine solche alte Bekanntschaft seit langem bestehe, was für ein Geschenk!

Unser Spielen hat den Menschen echt Vergnügen und Freude bereitet, darf berichtet werden. Ermutigend für meinen ersten Auftritt in diesem Jahr. Plus!

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Donnerstag, 12. Dezember 2019
Steyr (A)
, Steyrdorf & Wehrgraben
Dunklhof – Michaelerkeller – Garten Fam. Rossacher – Krafthalle Jank – Museum Arbeitswelt
Wintermond

Matthias Loibner, Drehleier
Bertl Mütter, Posaune

Angetrieben vom Leiermann aus Schuberts Winterreise und desgleichen nicht minder von Matthias Loibners Interpretation passiert Folgendes:
Weils bei uns eben nicht immer nur warm, schön und gemütlich ist, sondern halt auch kalt und feuchtlert, trauen wir uns an eingeschränkt gemütliche Orte und probieren aus, ob uns die Kunst auch dort erwärmt. Bertl Mütter und Matthias Loibner führen uns vom Dunklhof aus an Orte im Freien (und spielen dort kürzer) und in besondere Innenräume (und spielen dort länger) im Steyrdorf und im Wehrgraben. Wir probieren das bei jedem Wetter aus – bei schlechterem halt weniger draußen und mehr drinnen. Jedenfalls ist der Abschluss im Museum Arbeitswelt, und dort gibts zu essen und zu trinken.
Michael Atteneder, Initiator von Draußen im Steyrdorf

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix300dpi/150704_loibmut.jpg

Kennen tun sie sich schon länger als man sie kennt, seit ca. 1985. Dann beiläufig gegenseitige Wahrnehmung aus dem Augenwinkel, zunehmende Neugier aus der Distanz und dann – ihre CDs winterreise bzw. mütterkinderlieder erschienen beim gleichen Label (Raumklang) – abermalige Begegnung unter gereifteren Umständen: großes Interesse, ja Sympathie, also: Spielen!
Die Drehleier und die Posaune, wie sie von Loibner und Mütter gespielt werden, sie mögen sich, und Mütter und Loibner haben sich was zu sagen. Das mitzuerleben ist allerdings faszinierend.

Matthias Loibner ist permanent auf Wanderschaft quer durch Stile und Zeiten. In unterschiedlichsten außergewöhnlichen Projekten in aller Welt sammelt er die Eindrücke seiner Reisen im faszinierenden Klang der Drehleier. Uralt, noch nie gehört, sanft, sägend, kratzend und wunderschön entstehen so zeitlose Hörbilder, gespeist aus einem großen Repertoire zwischen Tradition und Imagination. Sein expressives Spiel, seine Virtuosität und stilistische Bandbreite sind unvergleichlich. Matthias Loibner wurde 1969 in Graz geboren und begann mit Klavier und Gitarre. Mit 17 lief er von zu Hause weg, um Straßenmusikant zu werden, studierte später aber auch Komposition und Orchesterleitung.

Bertl Mütter – Seine Musik ist Slow Food für die Ohren: Wer sie entdeckt, wird reich belohnt. Geboren 1965 in Steyr, lebt er freischaffend in Wien, Steyr und unterwegs. Im Zentrum steht das Solo, oft als Musik über Musik (Schubert, Schumann, Mahler, Wagner, Feldman ...), er spielt aber auch gern mit anderen (Ensemble der Radikalen Mitte) sowie mit Dichtern. Mütter komponiert musiklaboratorisch vom Solo bis zum Musiktheater. Seine Schule des Staunens (unter anderem im Wiener Konzerthaus) gestaltet der promovierte Doctor artium als sinnlich angereicherte Vorträge. Mütters exklusive Schagerl-Instrumente heißen Mut- und Wunderhorn. 


Es war ein zauberhafter Umgang, heimlich-vertraut, eine Art Tönende Stille, die sich wohltuend unvorweihnachtlich ausbreiten konnte. Als nicht dauernd miteinander tourendes Duo haben wir einander jedesmal allerhand zu sagen, vorzuhören, nachzufragen, misszuverstehen, irrezugehen, sichwiederzufinden und wieder zu verlieren.

Sowas tut gut.
___________________________
Danke dem Team von Draußen im Steyrdorf, das sind Ernst, Gerda, Katharina, Michael und Oliver und sämtlichen Sponsoren und Ermöglichern.
Special Thanks to Alke (mit Mondhut und Klingelbeutel).

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Freitag, 29. November 2019
bis
Samstag, 30. November 2019
Salzburg (A)
, Universität Mozarteum
Tagung: Ist Kunst ein Sonderfall?
Qualitative Forschungsansätze in den künstlerisch-pädagogischen Fächern im interdisziplinären Diskurs

(Ich glaube: Ja.)
(Wie alles andere auch.)

Erik Esterbauer und Andreas Bernhofer, die beiden Programmgestalter, haben mich zu dieser Tagung eingeladen, weil ich ihnen halt eingefallen bin – und weil ich (seinerzeit, 2013) der allererste war, der das Studium zum Doctor artium abgeschlossen hat – und instantly zum Dissidenten dieser (in ihrer zeitgenössisch humorfreien Deutungsmode) zweifelhaften akademischen Zumpft wurde.

Damals habe ich bekanntermaßen zu einem sonochnichtdagewesenen Höhenflug an- bzw. abgehoben.

»Das Quirx mit der künstlerischen Forschung.
Ein Erfahrungsbericht (mit Tonbeispielen an der Posaune).«

In meiner Dissertation »Das Geräusch-das-man-macht-bevor-man-anfängt-zu-dichten« habe ich versucht, meine kreativen Prozesse zu untersuchen, eine Art Vivisektion mit dem Anspruch, dass der – ja wer?! – Proband/Patient/Delinquent, also ich, tunlichst überlebe, im Idealfall mit kommunizierbarem Erkenntnisgewinn und ohne Inhibition weiteren kreativen Schaffens qua selbst gestellter Befangenheitsfalle. Operation gelungen. Ist aber bei einer sich etablierenden (neuen?) Forschungskaste nicht soo gut angekommen.

Auch davon habe ich, mit dringlich notwendigen trombonautischen Ausflügen, erzählt.

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2013/diss2.jpg

Zum Abschluss habe ich auch ein kleines Konzert gegeben.

Größte Rührung unter den Umstehenden.

Sooderso: Große Freude & Ehre. Ich schwöre.

(Merke: Du sollst nicht schwören.)

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Dienstag, 26. November 2019
Innsbruck (A), Historischer Schwurgerichtssaal
»Journey Towards Silence«
mit Florian Berner, Violoncello, und Bertl Mütter, Posaune
Musik von und nach Bach, Schubert, Ligeti, Sculthorpe, Sollima und Mütter

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bernermuetter/bernermuetterhorta18.jpg

Der historische Schwurgerichtssaal (in ihm ereignete sich der legendäre Prozess gegen Philipp Halsmann) markiert den Beginn unserer Justice?-Tour, die im Herbst 2020 in der Justizvollzugsanstalt Garsten fortgesetzt werden soll.

Eine Veranstaltung des »Kulturverein Justiz Tirol«.

Smäsching Logo.

Ich habe mir erlaubt, selbiges anlassgemäß ein kleinwenig zu adaptieren:

Ein kleinwenig noch persönlicher:

Das p.t. publico war zum größten Teil amtsbekannt, weitere Besucher*innen sind meiner Empfehlung gefolgt, ein amtliches Personaldokument (Reisepass, Personalausweis) dabeizuhaben und allfällige Waffen, reizende Stoffe u. dergl. vertrauensvoll bei der obligatorischen Personenkontrolle in deren Waagschale zu hinterlegen oder, besser, diesmal, ausnahmsweise, gleich ganz daheim zu lassen.

Der diensthabende Mitarbeiter bei der Sicherheitsschleuse war übrigens derart freundlich, dass man seinem Dienstgeber nur gratulieren kann: Großes Kompliment!

Insgesamt: Sehr positive, konzentrierte Aufnahme – Auflockerung hat man sich erst auf unsere Empfehlung vom verhandlungsführenden Podium aus gegönnt, dies jedoch dankbar und erleichtert.

Herzlichen Dank!

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Freitag, 25. Oktober 2019
Steyr (A)
, Museum Arbeitswelt
Weltkrieg: Ein bunter Abend

https://museum-arbeitswelt.kupfticket.at/wp-content/uploads/sites/51/2019/09/MAW_va-eintrag-weltkrieg-10-19.jpg

Angelehnt an das beliebte Format des 19. und 20. Jahrhunderts erinnern Schauspieler/innen, Musiker/innen und Perfomer/innen mit Liedern, literarischen Texten, Zeitdokumenten und einer Tanzperformance an den Beginn des Zweiten Weltkrieg vor 80 Jahren. Berichte eines Weltkriegsteilnehmers und einer Auschwitz-Überlebenden führen die unheilvollen Folgen des NS-Regimes vor Augen.

Wenn du jemanden triffst, der an Europa zweifelt, nimm ihn bei der Hand und gehe mit ihm über einen europäischen Soldatenfriedhof.
Jean-Claude Juncker

Der Friede in Europa ist für Nachgeborene selbstverständlich geworden. Um diesen Frieden muss heute wieder gerungen werden, solange in Demokratien noch dafür gekämpft werden kann.

Mit: Gergely Dudás, Julia Frisch, Silke Grabinger, Matthias Hacker, Veronika Kraxberger, Alexander Knaipp, Linda Lang, Alenka Maly, Bertl Mütter, Bernhard Schmalzel, Julia Wieser

Zeitzeuge: Franz Karl Stanzel (*1923)
Zeitzeugin: Hely Seinfeld (1924–2005)

Idee, Konzept+Gestaltung: Waltraud Neuhauser-Pfeiffer, Erwin Dorn; Michael Atteneder, Katharina Höfler; Bertl Mütter

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Sonntag, 29. September 2019
Bruck an der Mur (A)
, Heiligen-Geist-Kapelle
Tag des Denkmals 2019

Die spätgotische Kapelle wurde 1494 bis 1497 von Brucker BürgerInnen gestiftet und erbaut. Lange diente die Kapelle nach ihrer Entweihung unter anderem als Gasthaus und Wohnobjekt. In einer besonderen Rettungsaktion läuft seit 2012 die Sanierung der ehemaligen Kapelle, die seit einigen Jahren zum fixen Programmpunkt am Tag des Denkmals zählt. Viele Interessierte haben dabei die Restaurierungsfortschritte verfolgt und begleitet. Nun ist es so weit: Die Sanierungsarbeiten sind nahezu abgeschlossen, und die Kapelle präsentiert sich in ihrer früheren Pracht.

Mein, nunja, alter Freund Philipp Harnoncourt hat mich eingeladen, die so spezielle Dreifaltigkeitskapelle von (bzw. im Verkehrsstrudel bei) Bruck an der Mur – er hat sie im Zuge seines 80ers im Jahr 2011 entdeckt, seither organisiert er ihre Renovierung und Neudefinierung – zum Klingen zu bringen.

http://www.gat.st/sites/default/files/imagecache/Vollbild/images/stingl-enge-architekten-zt-gmbh_gat_hl-geist-kapelle-bruck-aussen_0.jpg

[In langjähriger Freundschaft begründetes persönliches Sponsoring.]

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Donnerstag, 26. September 2019
Klagenfurt (A)
, Künstlerhaus
crescendo (poco a poco)
Ein Wachskonzert aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27235_HF_500px.jpg
Foto © Christof Zachl

O Fortuna velut luna statu variabilis /
semper crescis aut decrescis; vita detestabilis

Carmina burana

Alles will wachsen, zunehmen. Es gilt also Nahrung aufzunehmen, auch die Muskeln (und dazu noch Ausdauer) zu trainieren, wider den Verfall, dem letztlich doch alles entgegen streben muss. In Zeiten des multiplen Jo-Jo wächst oder schwindet längst schon carminaburanisch nicht mehr nur der Mond als Bild für das Glück, inderweltlich gleichwie transzendentalisch.

Für mein Spiel (es sei ein Spielen) bedeute crescendo nicht, dass ich leise anfange, um dann immer lauter zu werden – das wäre dann doch zu banal. Der höchst inspirierende Raum ermöglicht mir ein umfassend sinnliches Klingen, in ihm will ich poco a poco wachsen, aufwachsen, erwachsen (…).

O sink hernieder, Nacht der Liebe! / Gib Vergessen, dass ich lebe

Nimm mich auf in deinen Schoß / Löse von der Welt mich los!
Tristan und Isolde

Genau, schwinden, das auch.

________________________

Zur Genese:

Lieber Wolfgang Grossl,

danke für den Vorschlag, die Anregung, im Rahmen der Kambium-Ausstellung einen musikalischen Beitrag zu leisten. Die Akustik im Künstlerhaus ist mir ja sehr vertraut, ich kann dort meine Klangvorstellungen gut ausleben: der Raum ermöglicht ein sinnliches Klingen.
Spontan fiele mir ein speziell abgestimmtes und zu entwickelndes Konzert unter dem Generalmotto »crescendo« ein; das würde allerdings nicht bedeuten, dass ich leise anfinge, um dann immer lauter zu werden – das wäre wohl etwas zu banal. Crescendo, wachsend, aufwachsen, erwachsen – nun ich denke, das könnte gut konform gehen mit der For Forest-Geschichte, die um diese Zeit ja im Stadion stattfindet.

Wesentlich beliebter als kurzfriste Absagen sind kurzfristige Konzertanfragen, und manche kommen erfreulich kurzfristig herein…

 

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Dienstag, 24. September 2019
Wien (A)
, Alte Schmiede
in der Reihe »Gesellschaftsräume der Literatur«
Günter Kaindlstorfer:
Politisches Bewusstsein und Literatur
mit (u.a.) Peter Klein, Barbara Blaha, Peter Pirker, Schülerinnen und Schülern des GRG Rainergasse, Christian Schacherreiter, Katja Gasser und Kurt Neumann
Bertl Mütter, musikalische Gestaltung

Lieber Bertl!

In Absprache mit Kurt Neumann von der »Alten Schmiede« frage ich an: Hast Du Zeit und Lust, am 24. September 2019 beim »Abend für Günter Wels« in der »Alten Schmiede« aufzutreten und musikalische Interventionen zu setzen?
Ich würde mich freuen.
Im Falle einer Zusage würde Kurt Neumann mit einem Honorarangebot auf Dich zukommen.

Liebe Grüße, Günter

Günter Wels, geboren 1963 in Bad Ischl. Aufgewachsen in der oberösterreichischen Statutarstadt Wels. Unter dem Namen Günter Kaindlstorfer arbeitet er als Journalist u.a. für den ORF, den Deutschlandfunk, den Bayerischen Rundfunk, den WDR, den SWR, das Schweizer Radio SRF und für 3sat. 2010 veröffentlichte Wels den Erzählband »Maitage« und 2018 den akklamierten Roman »Edelweiss«.

Bertl Mütter, freier Musiker, Komponist und Autor. Aufgewachsen in der oberösterreichischen Statutarstadt Steyr.

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Sonntag, 15. September 2019, 11.00
Wien (A)
, Musiktheatertage Wien im WUK
UTOPERAN19 – Mütter’s Civilisation (UA*)

vum Bertl Mütter (Trombonaut)

Wie stets ist es eine Reise ins Geahnte. Indes, der herbeigesehnte utopische Ort »where troubles melt like lemon drops« ist sprichwörtlich »dort, wo du nicht bist«, in Schuberts »Wanderer« (der Gletschergleiche kommt »vom Gebirge her«), heißt es noch, final darniederschmetternd, »dort ist dein Glück«. – »Na dann aber viel Vergnügen!«

Gar leicht ist’s, sich selbst die allergrößten Schwierigkeiten zu machen. Anderen auch.

Bertl Mütters zivilisatorisches Klangrillenabtasten (eine Art Abschmelzen) kann nur ein Taumeln sein, zwischen Sehnsucht und Ernüchterung. Ob beim Auftauen was herausapern, gar sich etwas erfüllen wird, wissen wir erst, wenn es passiert. Sicher ist: Überschwemmungen heutzutage sind immer sintflutartig, erst recht, wenn sie Starkregen folgen, wie es ihn »seit Menschengedenken« nicht gegeben hat. Früher hat es statt Starkregen Wolkenbrüche gegeben. Die sind nun also gottlob behoben.
Menschengedenken, Amnesie.

Dass es sich bei allem Leben (erst recht bei allem Vergessen) um irreversible Vorgänge handelt, kann auch als Trost verstanden werden, und viel Anlass zu größerer Hoffnung besteht ohnehin nicht.

     »Haben Sie auch nichts vergessen?«
    

(Insert für Aussteigende, ÖBB; lesbar in diversen Betonvarianten)

Man wird sich doch wohl noch was wünschen dürfen.

Was wünschen wir uns eigentlich?

     »When life gives you lemons, squeeze them in people’s eyes.«

Das Motto der Musiktheatertage Wien 2019 lautet »MYTHOS ZIVILISATION«; das nehme ich mir ungeniert her und biege mir zurecht – ist doch die USURPATION allererste künstlerische Disziplin (man soll sie nicht den bösen Weltenbrandstiftern überlassen): Mütter's Civilisation also. Je nach persönlichem Lesewillen oder -vermögen Englisch oder mit Trottelapostroph. Wohin sich halt unsere Welt ent- bzw. verwickelt hat.

____________________________________
*
Kompositionsauftrag der Musiktheatertage Wien, finanziert durch die

   https://www.evs-musikstiftung.ch/sites/default/files/EvS_Foerderlogo_rgb.jpg

DANKE.

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Donnerstag, 25. Juli 2019
Sonntag, 11. August 2019, 11.00
Mittwoch, 14. August 2019, 20.15
Tillysburg (A)
, Schlossgewölbe

Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter
von
Fritz von Herzmanovsky-Orlando

mit
Bernd Jeschek
, alle 52 Rollen
Nikolaus Büchel, Regieanweisungen (25.7./11.8.)
Bertl Mütter
, Posaune dh. Zugposaune; Regieanweisungen (14.8.)

Ein skurriles Spiel mit parodistischen Musikeinlagen um die Beziehung des großen Österreichischen Kaisers Joseph II. zu einer Bahnwärterstochter im abgelegensten Winkel seines Reichs.
Bernd Jeschek liest, singt und spielt 52 Rollen unterstützt vom komödiantischen Extrem-Posaunisten Bertl Mütter.
Ein Zugausflug zurück ins K&K Österreich.

So kündigen die Festspiele Schloss Tillysburg unser Gastspiel an. Wird’s also wohl so sein & ist ja auch so. Dennoch und in sachdienlicher Ergänzung wäre dazu bitte Folgendes zu sagen:

1. Mit der Tillysburg verbindet mich zuallererst eine einjährige, nichtsdestotrotz enge Beziehung. Nämlich wie ich bei der Militärmusik war und mich der Prüllerroman in seinem Ritmo mitgenommen hat (keinen Groschen hat er verlangt dafür!), da haben wir fast immer die Route über Haglschberg (recte: Hargelsberg) eingeschlagen. Weil wenn man beim Haiberg (recte: Heuberg) links, gleich wieder rechts und dann immer gerade gefahren ist, hat man, zur gegebenen Zeit, ihren Turm gesehen. Weiter ging es dann – ein Schleichwegerl – über Samesleiten, am Freilichtmuseum Sumerauerhof vorbei, auf die Ipfstraße und dann, die Autobahnauffahrt ignorierend, hinüber zur Einserbundesstraße, bis man in Öwisberg (recte: Ebelsberg) war, die Standeskontrolle beim Musimasta (recte: Musikmeister Vzlt. Wolf; er bellte, biss aber nie) war pünktlich um halb acht. Damit waren wir um gut zweieinhalb Minuten schneller als über St. Florian und Ölkam, und wenn man jung ist (wir reden von der Saison 1984/85), ist das viel Zeit.

2. Heutzutage (so fangen meist pessimistisch gefärbte Einschätzungen an) ist es etwas prosaischer: Wo sich die 309er in ihrem letzten Bogen hinabschwingt zur Doppelkreisverkehrskonstruktion beim Hartlauerturm nebst der A1, kann man zur Linken den Tillysburgturm herüberwinken sehen. Stehen bleibt keiner, das geht ja bitte wirklich nicht.

3. Mit Bernd Jeschek verbindet mich eine beinah ähnlich lange Bekanntschaft, die sich mittlerweile zu einer feinen Freundschaft entwickelt hat: In Mök (recte: Melk), bei den Sommerspielen, ca. 1994, wo ich zwei Saisonen lang die musikalische Gestaltung übernommen habe, hat er den Amphytrion, wie sagt man: gegeben.

4. Etwas zuvor habe ich durch Didi Macher vom Fo-Theater den Niko Büchel getroffen, wie er bei drei Artmann-Stücken im Rabenhof (damals noch zur Joosefstadt gehörig) Regie geführt hat (seither glaubt er, ich sei ein komödiantischer Extrem-Posaunist – KEP; das lass’ ich ihm gern), und er hatte damals auch die Intendanz in Melk inne.

5. Seit die sommerlichen Festspiele Schloss Tillysburg (re)aktiviert wurden, ist die Intendanz fest und sicher in Niko Büchels Händen geborgen. Und weil er ein grundloyaler Lackl ist, erinnert er sich mit seinem Elephantengedächtnis, mit wem er sich gut vertragen hat.

6. Uns bleibt immer noch Melk. Und Melk, das liegt an der Bahn (sowohl an der Eisen- wie an der Auto-). Die Tillysburg ja eher weniger. Aber wir verlegen neue alte Geleise dorthin.

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/bertihumor.jpg
  
… es wird, aufs parodistischste, gepfaucht und gedampft, ganz wie sich das für einen KEP gehört!

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Samstag, 27. Juli 2019
Marvão (P)
, Zisterne
Festival Internacional de Música de Marvão

https://scontent.fprg2-1.fna.fbcdn.net/v/t1.0-9/40867193_903116239897873_2819172582694060032_o.png?_nc_cat=103&_nc_ht=scontent.fprg2-1.fna&oh=3cb5b3e8ab770bf9ae2164dadef3727b&oe=5CDFF8BC

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bernermuetter/bernermuetterhorta18.jpg

Florian Berner, cello
Bertl Mütter, trombone
»Journey Towards Silence«

In »Journey Towards Silence«, two eminent musicians are meeting and interfering far beyond any daily concert routine. Their instruments, the cello and the trombone, use to carry similar roles within their families but nevertheless are seldomly played together in the pureness of their warm sounds. Plus, Florian Berner and Bertl Mütter are considerable individualists, open to new experiences and even surprises, too.

Listening to solo music brings us as closely as considerable towards the emergence of a piece of art: The actual player somehow represents the inner occurencies of inspiration and brings it all down to earth, to the ears. Furthermore, an improvising musician is not merely re-enacting music one might already be familiar with but is providing insight directly into the alchemistic process of creating art at first (and only) take.

Not only is »Journey Towards Silence« a double concerto program for trombone and cello, but this unique artistic event may be called a meta-concerto. The amazing Austrian Soloists Florian Berner (cello) and Bertl Mütter (trombone) are presenting their music not one after the other but interlacing and, finally, even interacting: When Florian and Bertl are performing they become each other’s first listeners—which means far more than it may seem at first sight, since music is firstly derived from devoted listening. The audience has the unique chance to be part of this very intimate creation. The music played—composed by, recomposed and improvised after Bach, Schubert, Ligeti and Mahler (among others)—belongs to the deepest and most personal soundings ever perceived.

»Inner Silence« may be a main topic which the artists will try to pursue, silence amidst all that noise in the world. Thus, »Journey Towards Silence« by Berner/Mütter may be considered as an invitation to wind down and recharge your batteries.

And, of course, life is the greatest, most outrageous journey!

(mission statement)


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Sonntag, 21. Juli 2019
Viktring (A)
, Kellertheater
Die fünfzehnte Galanacht der Improvisation

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2019/190720dac.jpg
DAC2019 (vlnr): Traar-Fladl-Tobisch-Woitsch-Berger-Lorber-Mütter-Sattlegger-Logar

Die Actuelle Capelle

Erich Berger, e-b
Heimo Fladl, saxes, clarinets, things
Ernst Logar, peph*, devices
Markus Lorber, e-git, devices
Werner Sattlegger, git
Karin Tobisch, fhb**
Johnny Traar, as, bloquette
Evelin Woitsch, pd***

Bertl Mütter, tb, mc****
____________________________
*Petrolophonium (world permiere)
** Fern-Hackbrett
*** Prima Donna
**** Master Of Ceremonies
____________________________

Wir durften, ohne alle Unterstützung der Geschäftsführung, uns in der Innenstadt kontrolliert zum Narren machen. Gern geschehen! Zuvor bereits durften wir erleichert erfahren, dass das Musikforum nach turbulenten Zeiten nunmehr wieder in ruhigen Gewässern navigiert.

Dieser Tage hüpfen Menschen, genannt Influenza (oder so ähnlich), in zauberhaft smaragdgrüne Stehgewässer. So schön sie sind, so verseucht sind sie. Aber für’s Instagram-Bild ist’s perfekt. Mehr ist auch gar nicht gefragt.

SPIELEN!, das ist der täglich sich neu einem darbietende Ernst des Lebens, dem wir frohgemut die Stirn bieten wollen. Hören Sie zu, offenen Herzens: Wir ducken uns nicht weg. Hören Sie zu und ziehen Sie Ihre Schlüsse. Die Spurenelemente (im Organischen: die Fermente) machen den Unterschied: Gehen sie ab, ist Alles Nichts.

SPIELEN! — Klangorakel.

(Aus dem Programmzettel)


Ob’s die vorerst letzte Galanacht im Rahmen des Musikforums gewesen sein wird, wird die Zukunft, konkret die Frage, ob es eine wertschätzende und kompetente Geschäftsführung gibt, weisen.

Wir bleiben jedenfalls dran am SPIELEN!

Retten wir das Musikforum!

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Sonntag, 14. – Sonntag, 21. Juli 2019
Viktring (A)
, Musikforum Viktring-Klagenfurt
SPIELEN! – Freie Improvisation mit Bertl Mütter

Bereits seit 2005 treffen wir uns zum SPIELEN! – Die jährlich sich aufs neue konstituierende ACTUELLE CAPELLE ist eine eingeschworene Partie, die alle Neuen aufs herzlichste willkommen heißt: Sie steigen, wie selbstverständlich, im bereits fünfzehnten Jahrgang ein, während die wiederholt MitSPIELENden ohnehin immer ganz von vorn anfangen müssen dürfen.

2019 war buchstäblich alles neu beim Musikforum. Und erfinden wir ja auch alle Klänge jedesmal aufs Neue, im SPIELEN! Kontinuierlich, ehklar.

So hieß es in der Ankündigung. Leider kam das buchstäblich Neue einem Kahlschlag gleich. Als wolle man mit einer atmosphärischen Abrissbirne dieses Exil des Wunderlich-Absonderlichen so nachhaltig wie möglich binnen einer Saison zerdeppern. Wenn sich nichts ändert, wird sich alles ändern.

Retten wir das Musikforum!

http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/nur_spielen.jpg

SPIELEN! ist ein vergnügliches Musiklaboratorium. Instrumententechnisch einigermaßen voraussetzungsfrei geht es zunächst um die – scheinbaren – Selbstverständlichkeiten des Klängeerzeugens; die schauen und hören wir uns näher an:

Was heißt Hören? – Wie anfangen? Aufhören? – Was ist das eigentlich, ein Klang? – Der darauffolgende? – Und das Dazwischen? – Was für eine Energie schlummert in mir? – In meinem Instrument? – Stille, Ruhe, Schweigen: Wie klingt das? – Weite – Bewegung (…)

Es gibt aber keinen Unterricht im landläufigen Sinn: Unsere Methode ist das kollektive Erfinden von Musik. Beim Hören, Spielen, Nachdenken und in der Kaffeepause im zauberhaften Arkadenhof tauchen weitere Fragen auf. Die Antworten setzen sich (das gibt es!) SPIELEND zusammen. Wenn wir derart zu heiterer Absichtslosigkeit gelangen, hört sich die ganze Fragenstellerei ohnehin von selbst auf. Das ist ein großes Glück, und nicht zuletzt deshalb kommen ja etliche jedes Jahr wieder in dieses Exil der Heiterkeit.


Fürs SPIELEN! reichen grundlegende Kenntnisse auf deinem Instrument und/oder der Stimme; da es ums lustvolle Ausprobieren von Möglichkeiten unmittelbaren Kommunizierens geht, richtet sich der Kurs aber ausdrücklich auch an die sogenannten Fortgeschrittenen: Wachsen Laien an der Erfahrung der Profis, so können diese von deren Frische und ungebrochenen Freude profitieren! Jedenfalls geht es um die pure, lustvolle Musik! Frei aber, damit wir das nicht vergessen, frei ist definitiv mehr als was man darf.


AnSPIELEN: Sonntag, 14. Juli 2019, 15.00
Stift Viktring (A), Arkadenhof (beim Versuch, Caffè zu trinken; aber es gibt keine Gastronomie mehr)

Gespielt wird täglich in zwei Blöcken (10.00–13.00, 14.00–17.00; flexibel nach gemeinsamer Übereinkunft; in Summe und inkl. Soundcheck und Konzert 14 Module).

Unterrichtssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Latein.


Ob’s der vorerst letzte SPIELEN!-Kurs im Rahmen des Musikforums gewesen sein wird, wird die Zukunft, konkret die Frage, ob es eine wertschätzende und kompetente Geschäftsführung gibt, weisen.

Wir bleiben dran, am SPIELEN!

Retten wir das Musikforum!

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Sonntag, 14. Juli 2019
Viktring (A)
, Stiftskirche
»Wind (frischer)«
Eine Tour d’Imagination aus der Schule des Staunens
   von und mit
Bertl Mütter
, Trombonaut

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/180425_CZ27223_SW_500px.jpg
Foto © Christof Zachl

Jedes Klingen bedarf der Luft als Medium.

International wird die Posaune als wind instrument (instrument à vent) bezeichnet, sie gehört zu den Aerophonen. Luft – Stimme. Von da will ich ausgehen. Und hineinhorchen, in den Raum: ein Aufschwingen.

In seinem Impulskonzert erforscht Bertl Mütter Grundlegendes zum Klang im frischen (?*) Wind. Dazu und dafür befragt er so unterschiedliche Quellen wie das »Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens«, Franz Kafka oder Joseph von Eichendorff (gehört durch die Ohren von Robert Schumann).

Sein Mut!horn dient ihm dabei als (ein Wort von Clemens J. Setz) »Traummischmaschine«.

______________________________

* Ich bin hier, mehr weiß ich nicht, mehr kann ich nicht tun. Mein Kahn ist ohne Steuer, er fährt mit dem Wind der in den untersten Regionen des Todes bläst.
Franz Kafka, Fragment zum Jäger Gracchus

______________________________

Folgt ein weiteres Zitat aus der Ankündigungspoesie nebst daraus resultierenden grundlegenden Überlegungen:

Am Sonntag spielt der virtuose Posaunenberserker Bertl Mütter eines seiner intensiven Solosets beim Musikforum Viktring in der Stiftskirche.

Ankündigung (Mittwoch), Radio Österreich 1

Posaunenberserker, soso.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/ba/Bronspl%C3%A5t_2_fr_Torslunda_sn%2C_%C3%96land_%28Stjerna%2C_Hj%C3%A4lmar_och_sv%C3%A4rd_i_Beovulf_%281903%29_sid_103%29.jpg

Als Berserker wird in mittelalterlichen skandinavischen Quellen ein im Rausch kämpfender Mensch bezeichnet, der keine Schmerzen oder Wunden mehr wahrnimmt.
Wikipedia

Weiter kommen dann noch Begriffe wie Schlachtenraserei, also Blutrausch, und auch Epilepsie vor; Fliegenpilz, Mutterkorn und LSD stehen als das Berserkertum generierend unter Generalverdacht.

So leid es mir für den ohne allen Zweifel äußerst schätzenswerten Ankündiger tut, muss ich mich doch vom Berserkertum bitteschön distanzieren: (Meine) Kunst will nämlich differenzieren, Feines von Feinem, und dafür und dabei kann sie nicht rasend alles zack! zack! zack! niedermachen … und das – also das Feine, nicht das z!z!z! – will, bin ich mir sicher, gut gemeinter Journalismus gewisslich auch.

Anderswo hat man mich als »komödiantischer Extrem-Posaunist« verheißen. Was wäre eigentlich das Gegenteil, von dem es sich abhebt, ein »tragischer Durchnittsposaunist«? … Dann muss es noch epische und lyrische Posaunisten (durchschnittliche gleichwie extreme; zudem Ausnahme-) geben. Sowas wäre ich doch bitte gerne auch!

 

Und noch viel mehr.

 



Das Zitat aus der Ankündigungspoesie, lautend: Intensives Soloset, es hat gut getroffen. Danke allen Ermöglichenden Guten Geistern. 


Ob’s mein vorerst letztes Konzert im Rahmen des Musikforums gewesen sein wird, wird die Zukunft, konkret die Frage, ob es eine wertschätzende und kompetente Geschäftsführung gibt, weisen.

Bleiben wir dran! – Retten wir das Musikforum!

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Donnerstag, 13. Juni 2019
Salzburg (A)
, Klangraum Kollegienkirche
pneumalog für Posaune, Stimme, Glastrompete und Orgel
Hans-Josef Knaust, Orgel
Bertl Mütter, Posaune, Stimme, Glastrompete; Komposition

https://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/2019/190613_klangraum_flyer.jpg

Die ARGE Klangraum Kollegienkirche (mein alter Freund und Erzinspirator Werner Raditschnig, Organist Hans-Josef Knaust und Hochschulseelsorger Christian Wallisch-Breitsching) hatte mich eingeladen, in der Reihe »Zeitachsen Organum« den gigantischen Raum der 58m hohen Salzburger Kollegienkirchenkuppel zum Klingen zu bringen. Zitat:

Bertl Mütter Posaunist und Stimmperformer, zählt in Österreich zu den eigenwilligsten musikalischen Produzenten, ein Gratwanderer zwischen historischem Ansatz und Originalität, lässt auf ein textkompositorisches Konzept im Bereich klangaktionistischer Szenerie schließen.

Wir können jedenfalls von einem Once-In-A-Lifetime-Event sprechen. Große Ehre.

Bevor mein Stück erklang (aller realistischen Voraussicht eine einmalige Aufführung – weshalb das so übliche wie stolze Ur- vor der Auff. einer Bedeutungsüberhebung gleichkäme, unnötig, wie jede Eitelkeit), hörten wir »Mini-max« für Orgel solo, von Shin’ishi Matsushita. Co-Organist dabei war Evgeny Galitzky.

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Die hypersynchrone weltweite Epiphanie von allem Gesagten öffnet mir unwillkürlich den Mund. (Toten bindet man den Unterkiefer fest, ausgestaunt.) Dass sich die Welt überhaupt noch drehen mag, bei all der bedeutungsschwer verströmten Information. Zum Glück verfügt der Organismus der Natur über eine Art selbstregulierendes Vegetativum – Denken wird weit überschätzt –, und die Menschheit wird dereinst kaum eine Episode gewesen sein.

das schöne bild

spar aus dem schönen bild den menschen aus


damit die tränen du, die jeder mensch verlangt


aussparen kannst; spar jede spur von menschen aus:

kein weg erinnere an festen gang, kein feld an brot


kein wald an haus und schrank, kein stein an wand


kein quell an trank, kein teich kein see kein meer

an schwimmer, boote, ruder, segel, seefahrt

kein fels an kletternde, kein wölkchen

an gegen wetter kämpfende, kein himmelsstück


an aufblick, flugzeug, raumschiff – nichts

erinnere an etwas; außer weiß an weiß

schwarz an schwarz, rot an rot, gerade an gerade

rund an rund;


so wird meine seele gesund.

Ernst Jandl, 1979

Jeder Klang, jedes Wort stehe also ausschließlich für sich selber: Bedeutungsleichte Worte will ich dem Raum geben. Dazu Töne, stille; durchsichtige auch, da lontano. Pneumatische Durchdringungen, von oben her, von unten hin, bis ins entropische Dorthinaushaus, möglicherweise eine Art Kuppelgigant, aber reziprok.

https://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-m/1280/06/e0/9c/10/university-of-salzburg.jpg

So die Ankündigung. Wer dabei war hat wie ich etwas sehr außergewöhnliches erlebt. Schildern lässt es sich ohnehin nicht, jedoch sobald ich Material habe, werde ich es gerne zur Einsicht (zur Einhör) bereitstellen.

Danke Allen.

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Mittwoch, 29. Mai 2019
Ludwigsburg (D)
Schlosstheater
Höllenvisionen

Michael Köhlmeier, Erzähler
Bertl Mütter, Posaune (Muthorns)
Leonhard Paul, Posaune, Basstrompete (Wunderhorn)

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Die frühen Helden des Abendlandes kehrten auf ihren Reisen in der Unterwelt ein und schilderten, was sie dort gesehen haben. Odysseus begegnete dem Achill, der berichtete von unerträglicher Langeweile; lieber würde er auf Erden für den ärmsten Bauer als niedrigster Knecht das steinigste Feld pflügen, als hier der König der Schatten zu sein. Dass die antike Welt in der Unterwelt auch einen Ort sah, an dem gestraft wurde, erfahren wir aus den Geschichten von Sisyphos, Tantalos und Ixion. Für das Christentum hat Dante mit seiner »Göttlichen Komödie« ein anschauliches Bild von der Hölle entworfen und zugleich die Dreiteilung des Jenseits in Inferno, Purgatorio und Paradiso festgeschrieben. Außereuropäische Mythen berichten vom Ort des Grauens manchmal ironisch, manchmal in Form eines Schelmenromans, wie eine Geschichte aus der Mongolei.
Michael Köhlmeier

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

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© Richard Dannenmann, Südwestpresse
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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen. Ach, täte es da doch auch bald einmal ZACK ZACK ZACK machen.

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Da Intendant Thomas Wördehoff einer ist, dessen Leben nicht erst mit sechsundsechzig anfängt (bzw., seit diesem 29. Mai, angefangen hat) und er zudem über eine recht gute Portion durchaus auch schwärzeren Humors verfügt, hatte er sich punktgenau zu dieser Schnapszahl veritable Höllenvisionen gewunschen, und die haben wir ihm allerdings geliefert.

Des weiteren muss einmal gesagt werden, dass er da ein Team um sich hat, das einen sowas von auf Händen trägt; es kommt einem, wär’s nicht so herzlich dargebracht, fast schon unwirklich vor. Großes Danke!

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