Zug, wohin? Donnerstag, 24. 5. 2018, 12:22

Josef K.
Zugbegleiter
Namensschild, ÖBB

Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.
Franz Kafka, Der Proceß

»I sogs glei, i woars ned«
Harald Sicheritz, Muttertag

Der – schön sprechen! – Schaffner indes war völlig arglos, als man ihn darauf ansprach. Woll’n wir – um seinetwillen! – hoffen, dass es eine curiose Verwechslung war, merke: Verwechslung, nicht Verwandlung.

Was täte man, träfe man in ähnlicher Situation auf Gregor Samsa? Könnte man ihn warnen, wappnen? – »Vermeiden Sie unbedingt übergroße Nudelportionen spät am Abend, damit sie keine unruhigen Träume heimsuchen!«?

Es hülfe einzig generelle Schlafvermeidung. Oder Nichterwachen.



Karacho Montag, 21. 5. 2018, 17:28

Kassenreform laut Hofer auf der Zielgeraden
orfon

»Wir öffnen in Kürze Kassa 3 für Sie.«
(oder, wahlweise)
»Kassa 3 schließt in Kürze. Bitte nicht mehr auflegen!«
Hofer

Freie Fahrt auf Pannenstreifen ab Juli
orfon

Frage: Gibt es beim Hofer eigentlich einen Pannenstreifen? Bei welchem?

(Rettungsgasse?)



Schnabeltier Freitag, 18. 5. 2018, 12:17

Das Thema sei doch längst schon sowas von breigeschrieben, meinte, sich freudsch vertippend, der eine.

Well, das mag sein, beweist aber nichts gegen … (hier setze man, strikt nach persönlichem Gusto, das jeweilige Thema ein): Wurde doch gerade das Schnabelhäferl dafür erfunden (wurde es erfunden oder handelt es sich nichtvielmehr um die folgerichtige Hervorbringung der Produktevolution?), breiige Konsistenzen einnehmbar zu machen – eine wertvolle, oftmals überlebenswichtige Ernährungszufuhrüberbrückung, bis halt der Patient wieder Festes (Was Ordentliches) zu sich nehmen kann.

Schon kurios, dass diese Vorausentgegnung ausgerechnet von einem Protagonisten der Generation Smoothie gebracht worden war.



Gaumenglück Dienstag, 15. 5. 2018, 9:40

Es ist die Kombination aus Fett, Zucker und cremiger Konsistenz, die das Gaumenglück bewirkt.
derstandard.at

Gaumenglück, danke für das schöne Wort!

Ich erinnere mich an ein Stück von Oskar Mörth, das wir vor Jahren mit dem improviserenden Vokalquartett Timbre gesungen haben. Er hatte es »Ohrenblitz« genannt. 

Jetzt warte ich noch auf einen dritten ähnlich … ähm … griffigen Begriff, und wir machen eine Suite. Oder, barocker, etwas sechssätziges, für Aug & Ohr, für Gaumen, Nase und zum Spüren. Letzterem sind dann zwei Sätze gewidmet, spüre ich irgendwie, und der sechste (der zweite Spür-) Satz wird ähnlich proportioniert zu den anderen fünfen sein müssen, wie beim Lied von der Erde.

Auf für Thermorezeption, Gleichgewichtssinn, Tiefensensibilität und Schmerzempfindung fällt mir noch was ein, weiters dürften die erstaunlichen Sinneswahrnehmungen gewisser Tiergattungen äußerst inspirierend wirken.

Es ist ein einziges großes Welttheater. Was für ein Fest, und es beginnt mit dem Gaumenglück.

Bis dahin schnell einen Riegel Schokolade, Noisette, schön cremig.



zweimal täglich Donnerstag, 10. 5. 2018, 11:11

Je größer der Penis, desto höher ist das Selbstverstauen.
Werbewahrheit

Nöte gibt’s, und manche streben sie durch Einreiben an.



Nieten Montag, 7. 5. 2018, 21:26

Kein Sechser bei Lotto ›6 aus 45‹
Keine verborgenen Kammern bei Grab von Tutanchamun
orfon

Tut das gut, jederzeit topaktuell informiert zu sein!

Lasset uns also nun die beiden Aussagesätze genauer betrachten, sie widersprechen sich nämlich selbst, binnen weniger Silben zumal.

Zum Ersten nämlich ist sehr wohl ein Sechser in ›6 aus 45‹ enthalten, gleichermaßen ein Vierer, ein Fünfer sowie, nicht zu übersehen, ein Fünfundvierziger.
Zum Zweiten: Sollten eine oder mehrere Kammern beim Grab des allzujung verewigten Pharaos verborgen sein, dann würden wir das ja nicht wissen. Umgekehrt ließe sich eine entdeckte Kammer nur schwerlich als verborgene apostrophieren.

Haben wir es also hier wie da mit astreinen Nieten zu tun.

Sehr super.

Generell gilt: Alle Angaben ohne Gewähr.



überführt Freitag, 20. 4. 2018, 23:29

Stichhaltige Gerüchte gebe es, sagt ein Klubobmann. Mehr eh nicht. Aber das genügt ohnehin, und diesen, wie hieß es, gewissen Kreisen, wird man schon noch beikommen. Sind einmal die stichhaltigen Gerüchte da, kommen die fadenscheinigen Beweise wie von selbst. Und dann haben wir euch, endlich. 

Man fühlt sich zunehmend so beunruhigend sicher in diesem Land. 

Am Abend ein gigantischer Meteorit über Graz. Aber sie kommen mittlerweile auch schon bei Tage. Was heißt mittlerweile: Seit eh und je!



Generalprävention Sonntag, 8. 4. 2018, 17:58

Die schauderhafterweise wahre Geschichte von einem abgetrennten Penis soll nun also verfilmt werden. Das wollen ganz sicher ganz viele sehen. Was dabei beklemmt ist der Umstand, dass es ein Vierteiler werden soll. Klingt also mehr nach Fleischwolf. Wer sich als Stuntman zur Verfügung stellt, wird wohl ein auf ewig versiegeltes Geheimnis bleiben müssen.

Indes, wir wissen es und sind beruhigt: Der Penis seinerzeit konnte wieder angenäht werden. Das Dokudrama dürfte demgemäß wie folgt verlaufen: 1. (blowup) Penis – 2. Cut! – 3. Zustand: ab – 4. Zustand: Annähung (fadeout).

Ob derart eine generalpräventive Katharsis für allzu vorwitzige Peniseigner gelingt, kann noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden.



bestemmt Dienstag, 3. 4. 2018, 11:14

Länder weiter für Rauchverbot für unter 18-Jährige

Im März des vergangenen Jahres hatten sich die Jugendreferenten der Bundesländer auf ein Rauchverbot für unter 18-Jährige ab Mitte 2018 geeinigt. Umgesetzt wurde es bisher in keinem Bundesland, alle Länder bekennen sich jedoch nach wie vor zu dem Beschluss.
orfon

Es ist doch ganz einfach: Man wartet, bis die unter 18-Jährigen zu über 18-Jährigen mutiert sind. Also alle, kommende Jugendliche inklusive.
Genauso verfährt man – mit dem allergrößten Erfolg! – bei sämtlichen zeitgemäß im Bundeskanzleramt evidenzbasiert evaluierten und – jetzt aber wirklich! – dann schön langsam zügig angegangenen Reformvorhaben, i.e. allüberfälligen Schulreformen, sowie bei der ungerührten Durchsetzung einer Anhebung des tatsächlichen Pensionsalters (wenn sich hier der Bestemm auch in die Gegenrichtung verspreizt).

Österreich ist das Binnenland mit den meisten Leuchttürmen, weltweit.



Zugsalbe Sonntag, 1. 4. 2018, 1:04

»… wenn Vöglein nach dem langen Winterschlaf endlich wieder erwachen …«

Abmoderation (Blockflötengeblubber), Radio Ö1

Die Winternachtschwalbe (Phalaenoptilus nuttallii) ist das kleinste Mitglied der Nachtschwalben-Familie in Nordamerika. Sie ist der einzige Vogel, der Winterschlaf hält.
Wikipedia

Erwacht sie aus ihrem starrem Zustand, geht ihre Körpertemperatur von etwa 10° auf gut 40°C hinauf. Für die kurzfristig originelle ornitho-affine Morgenmoderatorin dürfte das plötzliche Aufleuchten des Rotlichts denn doch ein kleinwenig zu viel gewesen sein. Es klang, als spräche sie in plötzlich hochkochendem Fieber.

Für weitere Moderationshäppchen in ähnlichen Verfasstheiten eines derartig akut anbrechenden geistigen Posttopors schlage ich die Einführung der Gattung »Zugfossilie« vor.

Was werden da erheitert sein, in aller Frühe.

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Es gibt Reis.



stillos Donnerstag, 29. 3. 2018, 7:17

Würstelstand in Salzburg mit Messer überfallen
orfon

Man kann das nur über alle Maßen stillos nennen. Würstel isst man mit den Händen oder, maximal, mit einer Gabelbissengabel (vlg. Pommesgabel), wie man sie lediglich für die unklassischen Würste (aufgeschnittene, vor allem Käsekrainer) verwenden darf. Der nächste Räuber kommt dann wohl mit bereits umgebundener Serviette. Sowas gehört sich nicht, nicht bei einem Würstlstand (sic!).



Zugsalbe Dienstag, 27. 3. 2018, 21:18

»… wenn Vöglein nach dem langen Winterschlaf endlich wieder erwachen …«
Abmoderation (Blockflötengeblubber), Radio Ö1

Die Winternachtschwalbe (Phalaenoptilus nuttallii) ist das kleinste Mitglied der Nachtschwalben-Familie in Nordamerika. Sie ist der einzige Vogel, der Winterschlaf hält.
Wikipedia

Erwacht sie aus ihrem starrem Zustand, geht ihre Körpertemperatur von etwa 10° auf gut 40°C hinauf. Für die kurzfristig originelle ornitho-affine Morgenmoderatorin dürfte das plötzliche Aufleuchten des Rotlichts denn doch ein kleinwenig zu viel gewesen sein. Es klang, als spräche sie in plötzlich hochkochendem Fieber.

Für weitere Moderationshäppchen in ähnlichen Verfasstheiten eines derartig akut endenden geistigen Posttopors schlage ich die Einführung der Gattung »Zugfossilie« vor.

Was werden da erheitert sein, in aller Frühe.

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Es gibt Reis.



Platzangst Samstag, 24. 3. 2018, 8:07

Unlängst in Padua. Da es nämlich allüberall Fluchtwege geben muss heutzutage, und sie dürfen allesamt nicht verstellt werden, wer nimmt sich eigentlich all der Agoraphobiker an, die sich auf offenem Flur und Platz plötzlich panisch zu fürchten beginnen als wie. Wo sind bitte die dringlich benötigten Noteingänge, hinein, ins geschlossene Kabäuschen, wenn’s pressiert?

Heiliger Antonius, hilf!



eingeschoben Mittwoch, 21. 3. 2018, 8:03

Am 21. März um sieben Uhr in der Früh erfahren wir, dass in Klagenfurt und Salzburg heuer bereits zweihundert Sonnenstunden fehlen. (Jaja, morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung hat ein populärer Ohrschmeichler von James Last geheißen.)

Heute werden sie nachgeholt.

Einst hatte Österreich einen Bundeskanzler, dessen sämtliche Bestrebungen auf den Zustand am Ende des Tages gerichtet waren. Verfinsterung, fortschreitende, seither, dazu: Rotwein.



service is our success Sonntag, 18. 3. 2018, 16:16

Ossy’s Pizza
Abholung und Zustellung
Lokalaufschrift, Wien XX

»Guten Tag, hier Mustermann, ich hätte eine Pizza zum Abholen, wann könnten Sie bitte kommen?« (…) »Sie wäre aber gerade fertig und heiß.« (…) »Gut, dann werde ich sie Ihnen warmhalten.«



special interest Donnerstag, 15. 3. 2018, 13:14

Zwei Männer haben sich in der deutschen Stadt Mainz mit einer Schaufensterpuppe und einem Spielzeugauto derart unglücklich ineinander verkeilt, dass sie von der Polizei aus ihrer misslichen Lage befreit werden mussten. Den beiden Männern war es nur noch möglich, die Wohnungstür einen Spalt breit zu öffnen und laut um Hilfe zu rufen, wie die Polizei mitteilte.
Der 58 Jahre alte Bewohner hatte sich zusammen mit dem 61 Jahre alten Bekannten, der in einem Ritterkostüm steckenden Schaufensterpuppe und dem fernsteuerbaren Geländewagen im Gang der Wohnung zu einer Art »Knäuel« verkeilt, wie es in der Mitteilung der Polizei hieß. Die Beamten entwirrten das Knäuel schließlich – niemand wurde verletzt.
kurier.at

Vermutlich war die Puppe minderjährig; der Geländewagen, da fernsteuerbar, jedenfalls.
Sehr suspekt, all das.



nicht schlicht Dienstag, 13. 3. 2018, 8:10

Auf der Suche nach der Imagination. Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens steht nichts, ja es gibt überhaupt kein Lemma, das mit dem Buchstaben »I« beginnt (Irrlicht? Impfpflicht?). Was das wohl bedeuten mag? Spräche es für den notorischen Realitätssinn der Deutschen und dafür, dass man ihnen nichts vormachen kann, sie sich selber noch weniger? Jedoch sie, das sind doch wir, ich und du!
O sinnenleere Welt!

Man kann es sich schlicht nicht vorstellen.



ausgeliefert Samstag, 10. 3. 2018, 10:09

Türkis-Blau bestellt neue Verfassungsrichter
Agenturmeldung

Etwas später auch die Uniräte. Wann werden sie geliefert? Die Auftragsbücher scheinen ja übervoll zu sein, und auch der A380 soll, zumindest die nächsten zehn Jahre, weiter gebaut werden, das beruhigt.



ETF Mittwoch, 7. 3. 2018, 16:06

Das genaue Alter von Krokodilen ist nur schwer festzustellen
orfon

Waren wir auch in zentraler Rolle dabei, so fehlt uns doch jegliche Erinnerung an unsere Geburt und die ersten Jahre. Ich kann etwa von mir nur sagen, dass ich wohl vor der Mondlandung geboren worden sein muss. Ansonsten bin ich auf Dokumente angewiesen und darauf, was man mir halt gesagt hat. Demgemäß handelt es sich bei der Altersfeststellung um ein generelles Problem, nicht nur aber auch für einen selber.

Außerdem ist da noch die Problematik einer tauglichen, lebenspraktischen Kalibrierung. Denn, zurück zu unseren Tieren, was ist ein Jahr für einen Hund, eine Katze, eine Eintagsfliege, bzw., umgekehrt, was ist für einen Hund (Katze, ETF,…) ein Jahr, ein Tag, der Wimpernschlag einer Libelle, eines Ais, eines Kaimans?

Wie ist das dann mit einem Jahreswagen? Welcher Marke? Welcher Jahrgang? (Ein guter?)

Und wir, wir wollen bitte ausschließlich Markenkrokodile und keine billigen Kopien, damit das klar ist.



ausgenetzt Sonntag, 4. 3. 2018, 8:57

Wo landet die Austria nach Finks Abflug?
kurier.at

Kältewelle in Wien. Von Vorfrühling keine Spur. Vor dem Start müssen alle Flugzeuge enteist werden: Die Sorge des Towers gilt zuvorderst ihrem sicheren In-die-Luft-Bringen; wo sie hinfliegen ist mehr deren autonome Abgelegenheit – im Rahmen getroffener Abmachungen, an die sie sich in aller Regel auch halten, außer es geschieht unvorhersehbares.

Ein Fink ist also fort, und schon tauchen Fragen auf, da einem die Finkabflugsmeldung aufs erste nicht einleuchten will. Wir lesen den Satz wieder und wieder, können aber keinen rechten Sinn darin erkennen. Klar, dem Reisenden in seinem Fahr-, Schwimm- oder Flugzeug scheint sich der zurückgelassene Ort wegzubewegen, insbesondere an Bahnhöfen gibt eine solche Erfahrung oftmals Anlass zu amüsierten Anstellungen: »Schau, sie tragen uns den Bahnsteig weg.« Sowas sagt man aber im Scherz, als wär’s zu Kindern. Lustig.

Zunächst kümmere man sich jedoch bitte um die Zurückgebliebenen (Amsel, Drossel, Star, die ganze Vogelschar), indes man die Austria (schwebt sie gar, finklos?) einer wachsamen Beobachtung unterziehe. Netze könnte man auch vorbereiten.



caligulös Donnerstag, 1. 3. 2018, 10:01

Als Gastgeschenk hatte der Innenminister eine Pferdedecke sowie Hafer mitgebracht. Die neu entdeckte Tierliebe soll aber noch weiter gehen. Kickl schloss nicht aus, nach seiner Politik-Laufbahn selbst als Reiter aktiv zu werden: »Es gibt bestimmte Dinge, die man sich vornimmt. Das steht ganz oben auf meiner Liste.«
kurier.at

Wir haben eine fabelhafte neue Regierung. Endlich werden die wirklich wichtigen Probleme angepackt.

Bereits seit Loriot wissen wir’s, und da wir, wie offenbar auch der Herr Innenminister, massiv an gleichen Berechtigungen für Damen und Herren (und Pferde) interessiert sind, lässt sich der einen erbeben lassende, tiefwahre Spruch »Und Reiter werden ja immer gebraucht« aufs einfachste auch auf den Herrn Kickl ausdehnen.

Gespannt warten wir auf die ebenso dringliche Errichtung einer polizeilichen Jodelstaffel (Jodra – vgl. Kobra), vorerst in den Tourismusgebieten im Westen aber sicher bald auch in der Bundeshauptstadt.

Genau so ist es: Wir haben eine fabelhafte neue Regierung. Endlich werden die wirklich wichtigen Probleme angepackt. Danke, Herbert.

(Zu denken gebe uns jedoch der Verlauf, den jede noch so konsensuelle Diskurssituation rasch nehmen kann. Bei Loriot heißt es bald nach der Reiterbedarfsbestätigung: »Mit seinem Kosakenzipfel versteht Walter keinen Spaß«. Lasst uns also gut auf Herbert, Norbert und all die anderen Zipfelhuber aufpassen, weil wundern werden wir uns noch, was alles möglich ist, hat der eine schon einmal in kreidefreier Rede gesagt.)



Abtreter Montag, 26. 2. 2018, 18:10

Wiener Polizei fahndet nach Bankräuber mit Tretroller
orfon

Nun, da das Innenministerium in rechten Händen ist, werden endlich die, weil von ihm gewünschten, beim Publikum ankommenden, mithin richtigen Maßnahmen getroffen. Offenbar hat man bezüglich der baldmöglichst einhergaloppierenden berittenen Truppe noch nicht alles fertig durchevaluiert, also setzt man auf ein gleichermaßen zeitgemäßes Mobilitätsmanagement, eben, indem man mit Tretrollern nach unten tritt.
Mit ausgezeichnet bestandener Fahrradprüfung (»Dem guten Radfahrer«) bin ich, zwölfjährig, seinerzeit vom Roller abgestiegen.



Essmensch Freitag, 23. 2. 2018, 16:08

Ein Hotel in Langenlois (es latinisiert seinen Namen, wär’s ein katholisches Knabenseminar, hieße es, wohl der implizit-expliziten letzten beiden Silben wegen, Loisianum) lässt im Internet elektronische Banner schalten, die um »Winelovers & Foodies« werben, welche man offenbar bevorzugt als Gäste begrüßen will, symbolhaft abgebildet durch eine dunkelblonde, etwas hohlwangige und halbjunge Dame und einen sehr schlanken Herren – das slimfit geschnittene Hemd wellt sich leicht auf seiner ungewölbten Brust (Typ: Marathonathlet, jedoch selbstverständlich mit dem heutzutage obligaten, vorschriftsmäßig gepflegten Bart). Vor ihnen (sie sitzen nebeneinder an einem Tisch; wohl ein Letztes Abendmahl à deux) stehen zwei zum Verzehr bereite nichtvegane Mahlzeiten, beide halten sie in ihren zu Fäusten geballten Händen das korrekte Esswerkzeug, und auch ein halb gefülltes (vermutlich als voll zu deutendes) Glas Weißwein ist ihnen (ihm links, ihr rechts) beigestellt. Er blickt den Betrachter an wie ein Illusionist, sie schaut, mit dem Anflug eines Lächelns, seitlich weg, was ihr rechtes Jochbein gut sichtbar hervortreten lässt. Wir wollen hoffen, dass die Speisen nicht allzuschnell auskühlen. Demgemäß wirken beide ernst, aber gefasst. Sie werden’s gleich tun.

So also sollen wir uns »Winelovers & Foodies« vorstellen. Das Paar oder Pärchen wird wohl nach Einschätzung der Auftraggeber die derzeit größte phänotypische Deckungswahrscheinlichkeit mit einem sich hoffentlich wunschgemäß im Hotel einstellenden Publikum haben. Man stelle sich das aperativische Zusammenkommen am frühen Abend in der Hotelhalle vor, lauter »Winelovers & Foodies«, man erkennt sich sofort, was für eine Distinktion.

»Foodie«, diesen Typenzuordungsbegriff öffentlich österrenglisch auszusprechen wäre noch vor einigen Jahren hierzulande als (möglicherweise beleidigende) Zuordnung an der Untergrenze des Standards herübergekommen. Heute wissen wir: Foodie (ab hier verzichte ich, das Wort endgültig in unsrer Mitte aufnehmend, auf die Anführungszeichen), Foodie, ein Foodie!, das ist ein Mensch, der isst.

L’homme qui mange. Sapperlote! – Auf nach Langenlois!



mickrig Dienstag, 20. 2. 2018, 8:49

Sie sind ein Kenner
Loriot

Mickys Kindersekt ist nichts für Kinder
orfon

Vermutlich eher für Mäuse. Wird aber nicht aus Kindern hergestellt, der K.Sekt.

Mäuse!? Mögen Mäuse Sekt? (Kenner schlürfen ihn, über die Vorderzähne hörbar belüftend, einwärts ein.)

Und lütfen heißt bitte auf türkisch.



außerplanmäßig Samstag, 17. 2. 2018, 14:48

Spektakuläre Flucht von Häftling offenbar länger geplant
orfon

Man wollte den Verfolgern wohl eine Chance geben; dann aber ging alles doch unerwartet schnell – und weg war er!



mineurschlau Dienstag, 13. 2. 2018, 8:46

Tunnel für Einbruch in Tresorraum endete in Küche
orfon

Wir erinnern wir uns an die – gerne auf Enten hinten draufgepickte – (angebliche) Weissagung der Cree. Genau, die, dass man draufkommen wird, dass man das Geld auf den Banken nicht essen kann.
So gesehen ein äußerst kluger Coup.



Wir kommen in Frieden Freitag, 9. 2. 2018, 14:44

Das gödelsche Universum sei ein rotierendes, während es tatsächlich ein sich ausdehnendes und wieder zusammenziehendes sei, sagt der Physiker im Radio.
Der Laie fragt: Worin? bzw.: Wohin?

Es fällt einem die Unendlichkeitsspekulation des Lukrez ein:

»Nimm einmal an, das Ganze des Raums wäre endlich, und dort, an dieser äußersten Grenze, nähme jemand Anlauf und schleuderte seinen Speer. Dieser wird, mit männlicher Kraft geworfen, weit fliegen und sein Ziel wohl erreichen. Oder meinst du, irgendetwas könnte ihn bremsen oder von seiner Flugbahn abbringen? Nur diese beiden Möglichkeiten gibt es, für eine musst du dich entscheiden. Beide allerdings lassen dir keine Ausflucht, sie sind zwingend, und du musst einsehen: Das Universum ist unendlich. Denn in beiden Fällen, ob nun irgendetwas den Speer zu bremsen und aufzuhalten vermochte oder ob er sein Ziel erreicht hat, von der Grenze des Alls wurde er nicht geschleudert. Und ich lasse nicht locker, werde dich, wo immer du die äußerste Grenze annimmst, fragen: Was wird mit dem Speer geschehen? Und unser Schluss wird sein, dass sich nirgendwo eine Grenze festmachen lässt. Gibt es Raum für den Flug, wird dies den Flug stets verlängern.«
(De rerum natura, 1.969 ff; in deutsche Prosa übertragen von Klaus Binder)

NB: Rhetorisch betrachtet nicht uninteressant mag erscheinen, dass der Wurf eines Speers über eine Grenze nach römischem Brauch einer Kriegserklärung gleichkam.



seit eh und je (iterum) Dienstag, 6. 2. 2018, 14:43

»Ich war vor vielen Jahren schon in der Zukunftskommission.«
Expertin (Radio)

»Vorwärts in die Vergangenheit!«, wird es wohl dereinst geheißen haben.



Fleißig, tüchtig Mittwoch, 10. 1. 2018, 12:04

So also soll es sein: Wer länger versichert ist und mehr eingezahlt hat, soll im Bedarfsfall die Versicherungsleistungen auch länger erhalten, und höhere Beträge obenhin.

Das gesunde Volksempfinden ist’s zufrieden.

(Die Rede ist von der Arbeitslosenversicherung.)

Frage: Warum tun sie’s nicht generell anwenden? Das wäre doch ehrlich – und dabei auch rechnerisch nachvollziehbar. Umgelegt auf die Krankenversicherung bedeutet(e) das fürderhin: Wer weniger und kürzer eingezahlt hat, wird halt nur soweit wiederhergestellt, dass er nicht (nicht gleich) stirbt. Heilung gibt’s nur gegen Aufpreis.

Ja, und wer als Pensionist gar zu alt wird, tja, von dem werden wir uns – leider, leider – trennen müssen.

Bald schon stehen Abschiebungen in die Schweiz an.



Beiseltalk Dienstag, 9. 1. 2018, 13:18

»Der Kartoffelsalat war eine Katastrophe.«
Touristisches Resumée (Nebentisch)

Und das war noch nicht alles. Die gastronomische Besprechung bezog sich jedoch nicht auf das im Geheimtippratgeber empfohlene und zum krönenden Abschluss des Wientrips des südwestdeutschen Paares aufgesuchte Typische Wiener Beisel. Man bestellte auch, sehr gelehrig, den Schweinsbraten mit korrektem Genitiv-s, war mit allem inkl. Ambiente sehr zufrieden. An einem der Vortage also musste sich die Kartoffelsalatkatastrophe ereignet haben. Merkwürdig, dass nichts davon in den Medien zu lesen war.

Dennoch gilt, vorderhand zumindest: Ördöpfüsolod haaßt des.



Husar, rasend Samstag, 6. 1. 2018, 12:58

Ferrari erschlichen (…)
orfon

Einem darob bedingt zu verurteilenden Fünfzehnjährigen ist dieses fürwahr als solches zu bezeichnende Husarenstück geglückt. Er habe seine Freunde beeindrucken wollen.

http://oekastatic.orf.at/static/images/site/oeka/20171250/img_0167.5690979.jpg
Mir imponiert der ferrarirote Knabe.

Jetzt muss ich mir auch was überlegen. Was tut man nicht alles für seine Freunde!

PS: Dass man den recht Hurtiges anklingen lassenden Begriff Ferrari sinnig mit dem Verb schleichen zu verbinden vermag, dafür ist den Praktikanten von orfon für diesmal ein ausdrücklich anerkennend zu verstehendes »Allerhand!« und »Sapperlot!« zu zollen.



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