Wir kommen in Frieden Freitag, 9. 2. 2018, 14:44

Das gödelsche Universum sei ein rotierendes, während es tatsächlich ein sich ausdehnendes und wieder zusammenziehendes sei, sagt der Physiker im Radio.
Der Laie fragt: Worin? bzw.: Wohin?

Es fällt einem die Unendlichkeitsspekulation des Lukrez ein:

»Nimm einmal an, das Ganze des Raums wäre endlich, und dort, an dieser äußersten Grenze, nähme jemand Anlauf und schleuderte seinen Speer. Dieser wird, mit männlicher Kraft geworfen, weit fliegen und sein Ziel wohl erreichen. Oder meinst du, irgendetwas könnte ihn bremsen oder von seiner Flugbahn abbringen? Nur diese beiden Möglichkeiten gibt es, für eine musst du dich entscheiden. Beide allerdings lassen dir keine Ausflucht, sie sind zwingend, und du musst einsehen: Das Universum ist unendlich. Denn in beiden Fällen, ob nun irgendetwas den Speer zu bremsen und aufzuhalten vermochte oder ob er sein Ziel erreicht hat, von der Grenze des Alls wurde er nicht geschleudert. Und ich lasse nicht locker, werde dich, wo immer du die äußerste Grenze annimmst, fragen: Was wird mit dem Speer geschehen? Und unser Schluss wird sein, dass sich nirgendwo eine Grenze festmachen lässt. Gibt es Raum für den Flug, wird dies den Flug stets verlängern.«
(De rerum natura, 1.969 ff; in deutsche Prosa übertragen von Klaus Binder)

NB: Rhetorisch betrachtet nicht uninteressant mag erscheinen, dass der Wurf eines Speers über eine Grenze nach römischem Brauch einer Kriegserklärung gleichkam.

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