Schule des Staunens 4.2 Montag, 22. 12. 2014, 12:00

(Zum Wandern und zur entsprechenden Fantasie Schuberts, D 760)

Musik:  „mümü.01.wandern“

Zum Einlass (m)eine Verschneidung der beiden bekannten Vertonungen auf Wilhelm Müllers Text „Das Wandern ist des Müllers Lust“: Jene von Carl Friedrich Zöllner (1844), die immer noch viele für ein Volkslied halten (wollen) und die in aller Regel erst danach zum ersten Mal gehörte von Franz Schubert (1823) – ein Vexierspiel, verwirrend, auch für mich beim Spielen, und das ist gut so.
Neben den Toten vom Tage (Kaspar Hauser, 1833; Kim Jong-Il, 2011) ein kurzer Seitenblick auf Beethovens Geburtstag (alles Gute zum 244sten!), weiter zu Büchners Lenz: Da er „den 20. durch’s Gebirg“ ging, musste er letztlich, dem Wanderer des Flachländers Schmid von Lübeck ähnlich, einer, der von sich mit Recht sagen kann, ja muss: „Ich komme vom Gebirge her –“.

Musik: „Ein anderer Wanderer“

Das war meine allererste Bearbeitung eines Schubertlieds, ich habe sie am 25.8.1993 erstmals in Graz gespielt. Heute erklingt ein Abriss daraus, Unterbrechungen und Hinweise auf unterlegte Textstellen, auch ein Vergleich zwischen dem Text in seiner Originalgestalt und wie ihn sich Schubert für seine Zwecke eingerichtet hat: Was für eine Zurechtspitzung ins Düstere (eigentlich, gäbe es das Wort – jetzt existiert es! – eine Zurechtstumpfung)!


Des Fremdlings Abendlied/Der Wanderer – D 493
Georg Philipp Schmitt von Lübeck/Textadaption: Franz Schubert

Ich komme vom Gebirge her
Die Dämm‘rung liegt auf Wald und Meer;/Es dampft das Tal, es braust das Meer.
Ich schaue nach dem Abendstern
Die Heimath ist so fern, so fern.

Es spannt die Nacht ihr blaues Zelt
Hoch über Gottes weite Welt,
Die Welt so voll und ich allein,
Die Welt so groß und ich so klein.

Sie wohnen unten Haus bei Haus,
Und gehen friedlich ein und aus;
Doch ach, des Fremdlings Wanderstab
Geht landhinauf und landhinab.

Es scheint in manches liebe Thal
Der Morgen- und der Abend-Strahl,
ich wandle still und wenig froh/bin wenig froh,
und immer fragt der Seufzer: wo?

Die Sonne dünkt mich matt und kalt,/hier so kalt,
Die Blüthe welk, das Leben alt,
Und was sie reden, tauber Schall,/leerer Schall
Ich bin ein Fremdling überall.

Wo bist du, mein gelobtes Land,/geliebtes Land?
Gesucht, geahnt und nie gekannt?
Das Land, das Land so hoffnunggrün,
Das Land, wo meine Rosen blüh’n?

Wo meine Träume wandeln geh’n,/Freunde wandelnd gehn,
Wo meine Todten aufersteh’n,
Das Land, das meine Sprache spricht,
Und alles hat, was mir gebricht?/O Land, wo bist du?

Ich übersinne Zeit und Raum,/Ich wandle still, bin wenig froh,
Ich frage leise Blum‘ und Baum;/Und immer fragt der Seufzer, wo?
Es bringt die Luft den Hauch zurück:/Im Geisterhauch tönt’s mir zurück:
„Da, wo du nicht bist, ist das Glück!“/„Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück.“


Beim kulturgeschichtlich als bedeutsam einzustufenden Steyrer Kripperl gibt es übrigens auch eine Szene, bei der (wenn ich mich recht erinnere) ein Bergknappe die Zeilen „Ich komme vom Gebirge her, (Echo:) Gebirge her – es dampft das Tal, es braust das Meer, (Echo:) es braust das Meer.“ intoniert. Als Kind ist mir das immer merkwürdig vorgekommen, war doch das Gebirge jenes vom (steirischen) Erzberg, und der Ort des Hinkommens des dahergekommenen Knappen das Krippentheater mit der Kulisse meiner Heimatstadt Steyr, und dazwischen konnte beim besten Willen kein brausendes Meer gelegen sein. Es liegt wohl daran, dass mir diese Zeile auch heute noch jedesmal surrealistisch, wenn nicht dadaistisch vorkommen muss.

Jetzt: Das Wandern. „Oft schwankt der romantische Wanderer in darstellender Kunst und Roman zwischen Fern- und Heimweh, und oft wird der Wanderer auf verschiedenste Weise mit dem christlichen Mittelalter konfrontiert und die von der Zivilisation unberührte Natur wird zur Märchenwelt. Auch wird das Wandern mit einer kritischen Haltung zur gesellschaftlichen Konvention begründet.“ [wikipedia]

Ein sehr spezieller Wanderer ist der Pilger. Verweis auf Tannhäuser, der Anfang des zweiten Pilgerchors aus Wagners Oper, wenn man so will das Logo des Dramas, erklingt ab dem vierten Ton gemeinsam mit der leicht verstimmt dazu verlaufenden Pausenende-Signation des Konzerthauses, befreites Gelächter. Und anstatt dass ich jetzt eine Variation auf die auch im anschließenden zweiten Konzertteil Bertrand Chamayous auf dem Programm stehende Version Liszts über „Der Müller und der Bach“ spiele, kündige ich das zwanzigste Lied der „Schönen Müllerin“ an, „Des Baches Wiegenlied“ (bei mir: „mümü.20.bachwiegenlied“), verbunden mit dem Hinweis, dass ich alle fünf Strophen spielen werde, wobei ich dem p.t. publico versichere, dass es keine Beleidigung darstelle, wenn man sich während meines Spiels in Richtung Mozartsaal zurück begebe. So geschah es, und ich brauchte dann tatsächlich nur eine Strophe fertig zu spielen, auch die nicht annähernd so perfekt und fehlerfrei, wie das gesamte Konzert Chamayous, eines phänomenalen jungen Pianisten ablief, dieses allzu fhelerfrei, möglicherweise.

Da konnte man wieder einmal erleben, wie schwer es ist Schubert zu spielen. Für manche besser unspielbar.



sehr affirmativ Samstag, 20. 12. 2014, 10:59

kontinuierlich zwiebelbrot!
kontinuierlich knoblauchbrot!

lesebrillenlose spontandichtung

auf der kommode standen da diese ziegelfarben heimeligen tontöpfe, und hineingeprägt waren aber, genauer und schärfer besehen, die worte
ja!natürlich zwiebeltopf
ja!natürlich knoblauchtopf

die lose serie „poetische zurechtschreibung der welt“ wird fortgesetzt.
wien, am 90. geburtstag friederike mayröckers.



vergebliche übung Donnerstag, 18. 12. 2014, 18:26

wohl damit er besser mit dem instrument harmoniere, schienen die füße des pianisten nachgerade in schellack getaucht.
der musik, indes, nutzte es nichts.



Schule des Staunens 4.1 Freitag, 12. 12. 2014, 12:00

Mittwoch, 17. Dezember 2014, ca. 20.15
Wiener Konzerthaus (A),
Buffet vorm Schubert-Saal
Schule des Staunens
unterwegs
… wandern … Wand ändern … (ausbrechen?)

http://ais.badische-zeitung.de/piece/03/9d/29/96/60631446.jpg

Merkwürdig, wenn es um Schubert geht, schaue ich mir unwillkürlich die Toten vom Tage an. Nun, am 17. Dezember waren Kaspar Hauser (1833) aber auch Kim Jong-Il (2011) dran. Ersterer war plötzlich und unerwartet aufgetaucht: „Ein solcher Reiter möchte ich werden, wie mein Vater gewesen ist.“ Und Kim starb, angeblich, während einer Dienstreise in seinem Panzerzug. Unterwegs alle, irgendwie, wenn auch auf recht unterschiedliche Weise.

Was hat es mit dem romantischen Ziehen in die Welt hinaus auf sich? Was für ein Aufbruch, Ausbruch, aus welchen Verpanzerungen, winkt womöglich? Büchners Lenz, ging er auch erst „Den 20. (…) durch’s Gebirg“, fällt mir ein, seine Suche nach einem Anker, einer ungekannten, vielleicht auch gefürchteten Heimat: In Schuberts Wanderer, nach Georg Philipp Schmid von Lübecks (eines Flachländlers!) Gedicht Des Fremdlings Abendlied, heißt es am Schluss, baff und schroff: „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!“

http://gutenberg.spiegel.de/gutenb/autoren/signatur/lenz.gif

Wieviel besser hat’s da doch der Müller mit seinem Bächlein, das es so gut meint mit ihm.

______________________________

Das Konzert, auf das ich mich (derart und ganz anders) mit Posaune und Stimme erzählend implizit/explizit beziehe, beginnt um 19.30 im Mozart-Saal. Mein Staunbeitrag wird abermals eine Pausen-Intervention sein, eine voraushörende.

Interpret
Bertrand Chamayou, Klavier

Werke
Franz Schubert
: Zwölf Deutsche D 790 „Ländler“
Franz Liszt
: Auf dem Wasser zu singen S 558/2 (nach Schubert D 774)
Franz Schubert
: Ländler es-moll D 366/12 (Siebzehn Ländler)
Drei Klavierstücke D 946
***
Allegretto c-moll D 915
Franz Liszt
: Litanei auf das Fest aller Seelen S 562/1 (nach Schubert D 343)

Franz Liszt: Der Müller und der Bach S 565/2 (nach Schubert D 795/19)
Franz Schubert
: Fantasie C-Dur D 760 „Wanderer-Fantasie“



splattercharme Sonntag, 7. 12. 2014, 12:57

nach dem konzerthaus geht es in den legendären gmoa-keller, dem man nicht allein durch einen speisekartographischen horrorverweis („berühmtheit erlangte das lokal durch seine besitzerin grete novak, die nicht nur durch ihre geröstete leber in erinnerung blieb.“), einen trotz seiner größe doch beachtlichen gemütlichkeitsfaktor keinesfalls abzusprechen in der lage ist. man will selbiges auch gar nicht, wird man doch bestens und promptest umsorgt, blunzengröstl, zwiebelrostbraten, velkopopovickའkozel, und das war immerhin dem braven soldaten schwejk sein bier.
so einfach lässt sich das also sagen.



ad: porno Montag, 1. 12. 2014, 7:10

sämmertliche eigenwäscher
ernst jandl, wien, heldenplatz

du sitzt drin im konzert der legende, hancock, und du fragst dich, ob es gut ist, weiter noch aufzutreten, wenn man nur noch umringt ist von lauter adoranten, kritiklosen überrallhineinleckern, kommst dir vor, als wärst du adorno, kulturpessimistischer defätist.
aber es ist: porno. vier, die zeigen wollen müssen, wie stramm alles (noch) sitzt (und steht; und – nie ganz – spritzt), vier agitieren auf der bühne, und das publikum ist die kollektive gesamtnutte, stopf ihn mir in alle löcher danke.
liebe?
genitalmechanik.
millionen fliegen können irren.
tut mir sehr leid.



so weit, so gut Sonntag, 30. 11. 2014, 0:00

(in eigener sache)

heute ist der 30. november 2014. seit 1. dezember 2004 gibt es das mütterlog regelmäßig. mit einer ausnahme ist es mir gelungen, zehn jahre hindurch täglich um mitternacht einen beitrag zu veröffentlichen. (dieses eine mal war es 0.33 uhr.) dafür habe ich an etlichen tagen extraschichten eingelegt, zudem habe ich vierteljährlich die mütterbriefe verschickt: alles in allem handelt es sich um ein nicht unbeträchtliches pensum selbst gestellten zwangs, dem ich fröhlich gefrönt habe.
ich werde weitermachen, aber sporadisch und nicht mehr täglich; außerdem gibt es beiträge rechtzeitig zu und vor jeder schule des staunens im wiener konzerthaus oder sonstwo.
bleiben sie mir gewogen, kommen sie zu meinen veranstaltungen, reden sie mich an.
jedenfalls danke fürs bishierherlesen. und danke fürs weiterlesen.
weiter

bertl mütter



glück, deckchengehäkelt Samstag, 29. 11. 2014, 0:00

die atmosphäre im privat geführten kleinhotel war von einer niedlichkeit, panisch idyllisch.
alle menschen die da gingen ein und aus waren gut. alles würde gut. und sauber. und pfefferkuchenfein.



pfui Freitag, 28. 11. 2014, 0:00

schweizer initiative gegen verzehr von haustieren
orfon

rettet den lurch! kein versaug! kein zerkehr!
legendärer naturschutzaufruf

weil wir haben nämlich, insgesamt, eher weniger echte sorgen. und so sind absofort alle hausstaubmilben, kakerlaken, kellerasseln und alles käfergetier geschützt.
kannibalenland.



plusplus-plusminus-minusplus-minusminus Donnerstag, 27. 11. 2014, 0:00

links, dann rechts
wegbeschreibung, trier

richtig wäre allerdings gewesen: rechts, dann links. es empfiehlt sich, beim fragen nach dem weg, sowohl beim sender als auch beim empfänger vorweg abzuklären, ob einer der beiden kommunikationspartner legasthenisch veranlagt ist. sind es beide, passt es auch wieder.
ums westportal des doms dann waren zwei türme, einer rechts und einer links. oder umgekehrt.



es fliegt es fliegt Mittwoch, 26. 11. 2014, 0:00

flughafen wien: koch als dieb aufgeflogen
orfon

auf flughäfen fliegt ja, wie man weiß, allerhand auf. warten wir also, mit peter greenaway, auf die enttarnung seiner frau und, selbstredend, ihres liebhabers.



und innen Dienstag, 25. 11. 2014, 0:00

junge pianisten beiderlei geschlechts haben’s nicht leicht
gustav danzinger, radio österreich 1

hmm. möglicherweise ließe sich das auch von anderen behaupten: frisöre, hornisten, volksschullehrer, schuhverkäufer. und innen.



teambewerb Montag, 24. 11. 2014, 0:00

schispringen: kuttin schweißt ösv-adler zusammen
orfon

seinerzeit, bereits unter baldur preiml, schworen innauer, schnabl & co auf die vorzüge des autogenen trainings.



wo? Sonntag, 23. 11. 2014, 0:00

suchaktion nach frau in mur ergebnislos
orfon

man verdopple die anstrengungen, lasse den mann im mond vorderhand mann im mond sein, wende seine aufmerksamkeit ab vom kometen, schweife nicht weiter in die ferne, bis es da heiße: sieh‘ die gute liegt schon da!
besser und wünschenswert aber wäre, man fände sie nicht in mur, sondern wohlbehalten und gesund im herzen von graz (um einen ort zu nennen).



fällig, längst fällig Samstag, 22. 11. 2014, 0:00

künstlicher felsbrocken „schwebt” in kirche
neustart im steinbruch margarethen mit „tosca”
orfon

der aufenthalt unter der schwebenden last ist für unbefugte nicht gestattet. wir wissen nämlich: sie stürzen, alle. dann ist schluss.



Schule des Staunens 3.2 Freitag, 21. 11. 2014, 12:00

(Ein stream of consciousness zu Schuberts Oktett F-Dur, D 803)

Achten Sie auf die Stillstände … Schubert ist ein großer Meister (ein Großmeister) des … Innehaltens … Wobei … Kann einer Meister in einer Sache oder Fertigkeit sein, wenn die Meisterschaft im jetzt/so Nicht-mehr-weiter-Können besteht? In Lars Gustafssons „Der Tod eines Bienenzüchters“ gibt es ein eindrückliches „Verzeichnis der Kunstarten nach ihrem Schwierigkeitsgrad“. Die Musik ist am zweitschwierigsten, die schwierigste Kunst ist die Erotik. Am Ende der LIste heißt es: „Eine kann ich nicht einordnen: die Kunst, Schmerzen zu ertragen. Das hängt damit zusammen, daß bisher niemand eine Kunst daraus machen konnte. Wir haben es also mit dem einzigartigen Fall einer Kunstart zu tun, deren Schwierigkeitsgrad so hoch ist, daß es niemanden gibt, der sie ausübt.“

Wieder ist es – als heute, hundertneunzigeinhalb Jahre nach der Werkenstehung Hörende reisen wir vorwärts/rückwärts in der Zeit, ganz wie es uns beliebt – eine Vorauserinnerung. Nahm sich Michelangelo in der Sixtina Sà¡ndor Và©gh zum Vorbild, wie er die Musik den Bratschen (die eigentlich die zweiten Violinen waren) im Adagio von Bartà³ks Divertimento eingab, so sind es hier Bruckners Große Pausen … Abgründe tun sich auf, für die es keine Namen gibt. Schubert kommt noch ohne Fermate aus, er füllt einfach zwei ganze Takte mit Pausen, sodass durchgezählt werden kann oder muss: Sicherlich Streitpotential für die Probe, welches kreativ zu nutzen ist: mit oder ohne ritardando, vorher bei den Vierteln oder beim Einsatz der aufs Neue das Tempo gebenden Bratsche … Abgründe … Wir können es nie wissen, ob es nach so einer Pause weitergeht, und ich warte/hoffe, dass das einmal bei einem Konzert geschehe … Ob es weitergeht? … Am 31. März 1824, ein Monat nach der Vollendung des Oktetts, schreibt Schubert an seinen Freund Kupelwieser zutiefst erschütternde Worte: „Jede Nacht, wenn ich schlafen geh‘, hoffe ich, nicht mehr zu erwachen.“ Wie sehr unterscheidet sich doch diese Formulierung von so ähnlich klingenden Mozarts, der aus dem Gedanken, dass er, so jung an Jahren er sei, vielleicht am nächsten Tag nicht mehr sei, eine fröhliche Seelenruhe abzuleiten vermochte. Bei Schubert ist es die schwindende Gesundheit, das Bewusstsein, dass nichts besser werden wird, nie mehr. (Ende 1822 hatte er sich mit der Syphilis angesteckt, dürfen wir heute sagen.) Die nächste Werke dieser Zeit waren u.a. das Streichquartett d-moll („Der Tod und das Mädchen“) und „Die schöne Müllerin“.

Es geht nicht mehr weiter. Nicht mehr weit.

„Die Biene spricht sich durch Summen Mut zu.“ (Harald Gsaller)

Jetzt aber: Vorbereitung, Vorbereitung auf die Große Symphonie, und leider darf das Thema am Anfang nicht die Posaune spielen, es sind die Hörner … Was heißt vorbereiten, worauf? Auf den Ernst des Lebens, wann fängt der an (bei mir hat er bis heute nicht begonnen, so viele Stufen ich zu überwinden hatte: Kindergarten (die Kleinen) – Kindergarten (die Großen) – die Erste Klasse Volksschule – die 2. Klasse, wo man den Direktor als Lehrer hatte und den Pfarrer in Religion – die Erstkommunion – die Vierte, schaun wir, obs fürs Gymnasium reicht – das Gym – die 3. Klasse Gymnasium (Latein!) – die Oberstufe, da werden ganz andere Saiten aufgezogen – die Sechste, Siebte, Achte – die Matura – Studienbeginn – das Militär (Militär-Musikk!) – das Musikstudium – der zweite Studienabschnitt – das Diplom – Freier Künstler (…) (…) (…) demnächst bin ich fünfzig, und habe den Ernst des Lebens nur in Personen kennengelernt, die diesen Namen tragen (was allerdings durchaus als erfreulich bezeichnet werden kann, war doch auch Ernst Jandl darunter) … Besteht nicht der Ernst des Lebens darin, den Augenblick als gültig anzunehmen … so gesehen steht jedes Werk auch und zuallererst für sich selbst und nicht als vorläufige, halb gültige Zwischenstufe … Anders: Diesen Sommer haben wir (leider nur) drei Wanderungen gemacht, in aufbauender Reihenfolge: Anlaufalm – Ebenforstalm – Bosruck (alles im weiteren Umkreis, in der Marlen Haushofers Wand angesiedelt ist); es ging darum, sich Mut zu machen für die jeweils größere Aufgabe. Aber letztlich war jede Tour eine für sich und als solche perfekt.

Die Hummel hat kein Sich-Mut-Zusummen nötig, es ist ihr sogar egal, dass sie eigentlich gar nicht fliegen können dürfte.

Achten Sie auf die Gleichzeitigkeit (also nicht: Abfolge) von ernst und heiter. Schuberts Musik im Oktett ist ernst und zugleich heiter.

Und dann, die Melodie! Das Melodische an sich! (Es überwiegt bei weitem dem Kontrapunkt.) Überhaupt, die Melodie! Schuberts Melodien erwachsen aus sich selbst heraus, wie (und ganz anders wie) die Kohlensäureblasen im Bier.

Ich sage hier nichts von der Ewigen Melodie, die kommt ein andermal. Aber wo sie anfängt, das weiß ich gewiss.



drop-out , 0:00

babywippen-test: drei von elf fielen durch
kleine zeitung

wir wollen aber bitte doch hoffen, dass die drei kleinen, die es offenbar erwischen hat müssen, in ein weich gepolstertes sicherungsnetz gefallen sind.
(schon bedenklich, wenn die kompetitive auslese mittlerweile derart früh beginnt.)



vorsorglich Donnerstag, 20. 11. 2014, 0:00

nashörnern sollen vorsorglich hörner aufgesetzt werden
orfon

die frage ist: wem werden die dann aufgesetzt, vorsorglich? das muss schon ein rindvieh sein.
(vorsorglich, sonderbarer wortlaut.)



rundundunrund Mittwoch, 19. 11. 2014, 0:00

studie: runder geburtstag regt zum nachdenken an
orfon

haben die notorischen us-forscher herausgefunden. es gilt vor allem für bevorstehende, das nachdenken. wie das mit dem vordenken bei eckigen aussieht, erfahren wir nicht. dabei wäre das doch so wichtig!
heute zum beispiel ist der 186. todestag schuberts, der heuer 217 geworden wäre.
das stimmt einen irgendwie nachdenklich.



fernstumm Dienstag, 18. 11. 2014, 0:00

ich kann gerade nicht sprechen
sms-systemmeldung

ich kann nichts tun als dich beklagen,
weil ich zu schwach zu helfen bin

tamino, in: emanuel schikaneder, die zauberflöte

ja was? aber schreiben schon? … der empfänger einer solchen nachricht kann letztlich nur hoffen, dass der sprachlose (der wohl zu viel geplappert haben mag, sich mit leistungen gebrüstet haben dürfte, die er wohl nicht selber vollbracht hat) durch die königin der nacht begnadigt wird. womit, durch die hintertür, die (manchesmal auch netten) fräuleins vom amt wieder eingeführt wären. wo bleiben sie nun, die drei damen?



eines für alle Montag, 17. 11. 2014, 0:00

streit um gratiswürstl für 3.000 eröffnungsgäste
kurier

muss ein großes würschtl gewesen sein. und die, die sich darum bzw. die darüber gestritten haben dürften, das sind mir allerdings die größten.
jetzt stellen wir uns noch den rekordkochtopf vor, und schon sind wir alle stolz darauf, österreicher zu sein. ich, oberösterreicher, platze fast davor.
würschtln, alles würschtln. (die geplatzten nennen wir fledameis.)



avant la letttre Sonntag, 16. 11. 2014, 0:00

soso, benjamin brittens a young person’s guide to the orchestra war also so lang wie eine folge der simpsons, mithin die ideale länge zur herzensbildungsvermittlung nicht nur junger menschen.
damals aber noch nicht.



weiterwandlung Samstag, 15. 11. 2014, 0:00

wasser zu wein
jesus von nazareth, kanaa

wein zu fleischbällchen
wein zu fisch

neu bei ikea

jetzt wissen wir es endgültig: wir sind zeitgenossen einer religionswerdung.



hinterrücks Freitag, 14. 11. 2014, 0:00

jeder zweite wiener hat migrationshintergrund
orfon

zum beispiel ich (man tandiert nun einmal dazu, sich selbst zum beispiel zu nehmen, zumindest für einen selber – das muss dann doch erlaubt sein), ich habe sogar doppelten (eig.: mehrfachen) migrationshintergrund: zum einen stamme ich, wurde die mutter auch in wien geboren, aus steyr, wuchs dort auf, versicherte mich in den letzten jahren meiner steyrer (nicht: steirischen) wurzeln, indem ich dortselbst wohnte; zum anderen sitze ich beim schreiben dieser zeilen an meinem ottakringer schreibtisch, es ist ein zimmer mit abgeschrägter ecke, darin ein fenster mit blick auf die kreuzung, gegenüber, ebenerdig, der verein albanischer muslime in wien.
schreibend wende ich meiner kreuzung den rücken zu, stehe auf, ziehe mich an und gehe hinunter auf den markt, zum brunnen, gewissermaßen.
fürchtet euch nicht.



separat begabt Donnerstag, 13. 11. 2014, 0:00

kandinsky wäre gern synästhetiker gewesen. er war es aber leider nicht. man kann es sich nämlich nicht selber aussuchen, wie es gerade programmatisch passt oder schick ist. auch nämlich nicht, zwischen welchen sinnlichen erfahrungen so eine zwanghaft assoziierte brücke bestehe. prekär könnte es etwa werden, wenn sich taktiler und geruchssinn ungefragt ins system einschleifen. bei den klängen und bildern, mit denen man uns permanent ungefragt versorgt, erscheint es also doch besser, wenn wir, kandinskyähnlich, lediglich separat empfinden.



Schule des Staunens 3.1 Mittwoch, 12. 11. 2014, 12:00

Mittwoch, 19. November 2014, ca. 20.15
Wiener Konzerthaus,
Buffet vorm Schubert-Saal
Schule des Staunens
Studie? … Werk? … Hauptwerk?
… zur Symphonie und ins Darüberhinaushaus

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/89/Schubert_octet_Autograph.jpg

Welche Anmaßung/(Fehl-?)Einschätzung/(…) lässt uns etwas als Studie, Vor-Studie, Werk, Hauptwerk, Meisterwerk erscheinen?
Was fällt uns zu Schuberts Selbsteinschätzung bezüglich seinem (grandiosen) Oktett ein? Will Schubert mit seiner in einem Brief überlieferten Notiz „überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Symphonie bahnen“ lediglich den Ball flach halten?

______________________________

Das Konzert, auf das ich mich (derart und ganz anders) mit Posaune und Stimme erzählend implizit/explizit beziehe, beginnt um 19.30 im Mozart-Saal. Mein Beitrag geschieht diesmal als Pausen-Intervention.
(Der 19. November wird übrigens traditionell als Schuberts Todestag begangen. Diesmal handelt es sich um den einhundertsechsundachtzigsten.)

Interpreten
Quatuor Modigliani
Philippe Bernhard, Violine
Loà¯c Rio, Violine
Laurent Marfaing, Viola
Franà§ois Kieffer, Violoncello
Knut Erik Sundquist, Kontrabass
Sabine Meyer, Klarinette
Dag Jensen, Fagott
Bruno Schneider, Horn

Werke
Franz Schubert
: Streichquartett Es-Dur, D 87 (1813)
***
Franz Schubert: Oktett F-Dur, D 803 (1824)



angeleint , 0:00

merkwürdige gradation: online – abwesend – offline. und offline, das ist die steigerung, eigentlich der (wohl verbotene) superlativ der nichterreichbarkeit.
… bleiben sie dran!
(als offlne anzeigen)



labil Dienstag, 11. 11. 2014, 0:00

frühstück im abgedunkelten souterrain des südwestdeutschen dreistern-superior-hotels. wie beim schifferlversenken die uboote sitzen die gäste einzeln und mit zumindest einem leeren tisch respektabstand an ihren quadraten im raum verteilt. vier blicken, schauten sie denn, buffetwärts, vier in richtung ausgang: eine perfekte parität, wie das geahnte novemberwetter draußen.
wie plötzlich aber steht der in dieser blicklosen morgengesellschaft noch am freundlichsten anmutende herr mit indischem genhintergrund auf, grüßt mit den augen, und die ganze harmonie ist zerstört.
die lokführer, sie streiken weiter.
weiter.



verkehrsmalheur Montag, 10. 11. 2014, 0:00

zuchtstier rammte pkw in salzburg
orfon

stand da wirklich lediglich „rammte“? welches hybridwesen der testosterongigant wohl gezeugt haben würde? – wohl so eine art kentaur, in heutiger gestalt: praktisch mit radln. und gps, abs, airbag etc, weils halt der gesetzgeber so vorschreibt.



allfälliges Sonntag, 9. 11. 2014, 0:00

der absturz ist nicht das ende
kurier

am ende wird alles gut. wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das ende.
oscar wilde

am ende jedes absturzes steht der aufprall. dieser kann unterschiedlich ausfallen.
immerhin.



holen lassen (toilettendialog) Samstag, 8. 11. 2014, 0:00

(es klopft)
„jaaa?“
(eintritt, in den vorraum, die wc-dame)
„nicht schrecken, ich hol‘ mir nur wasser!“
„ahja. nicht schrecken, ich – ach, lassen wir das!“



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