ausguss Montag, 31. 12. 2007, 0:00

auch die so seriöse wissenschaftsredaktion des österreichischen rundfunks im internet bringt spannende, die gedanken beflügelnde meldungen, die möglicherweise aber auch beängstigen könnten. aus diesem grund habe ich die meldung für meine sensibleren mütterlogleser bis zum ende dieses nun so gut wie erfolgreich undalso überlebt habenden jahres zurückgehalten. am 24. august 2007 meldete man nämlich auf orfon also: rätselhaftes riesenloch im universum entdeckt.

wenn es nur nicht ausrinnt, und wenn: wohin? jedenfalls bitte nicht zu uns, wir sind da nicht mehr zuständig, die schengengrenze ist bereits seit der wintersonnwend weiter im osten, ja?!

in diesem sinn: passen sie auf und rutschen sie nicht aus, zumindest nicht mehr heuer, und wenn, dann maximal gut ins gute neue jahr!



allumfassend Sonntag, 30. 12. 2007, 0:00

eine beliebte aufregerei ist das mit dem juvenilen ansaufen, komatrinken nennen sie es, wie gesagt. ich wundere mich, dass noch kein mateschitz oder sonstwer auf die idee gekommen ist, ein getränk gleichen namens zu kreieren, ein harmloses tschapperlwasser, und dann alle, die gegen das komatrinken wettern, juristisch zu verfolgen, auf unterlassung wegen kreditschädigung rufmord etcetera.
im strengsten patentrechtlichen sinn: hiermit deklariere und reklamiere ich die schutzmarke ©koma® als mein alleiniges geistiges eigentum. mein gebietsanspruch ist allumfassend und gilt auch für oberkärntner diskotheken.
der reichtum kann kommen.
prosit!



appetüt Samstag, 29. 12. 2007, 0:00

komatrinker, dieses (ich vermute) unwort des jahres ist ja beinahe so saublöd wie der ganz sicher nicht unterschwellige begriff gammelfleisch für verdorbenes nicht nur (bzw. eher nicht) in dönerbuden.
(ich persönlich mag ja dürüm lieber, nicht nur wegen der sympathischen, auch meinem namen eingeschriebenen üs; dieser herzhafte erste biss ins alu, unvergleichlich!)



an die wand (oder sonstwohin) Freitag, 28. 12. 2007, 0:00

bitte nicht benützen steht auf jenen zettel gekritzelt, der mit einem bedruckten klebeband (selfstorage – dein lagerraum) über den wasserauslass des rechten der drei keramischen u-profile gepickt wurde, die brusthoch in die wand eingelassen das pissoir der männertoilette vom café eiles bilden. unten steht das wasser, es kann nicht abfließen, und so versteht man augenblicklich, warum man hier besser kein wasser lassen soll. undaberdoch, das klebeband mit dem merkwürdig deplacierten text gibt denkraum für allerlei spekulationen. selfstorage? dein lagerraum? wofür? und sollte es nicht besser heißen: bitte nicht benetzen?

(soviel zum tag der unschuldig in ihre windeln ludelnden unschuldigen kinder.)



nach hause (4) Donnerstag, 27. 12. 2007, 0:00

es lohnt sich manchmal, jene schauplätze, wo die entscheidenden ereignisse unseres lebens stattfanden, wieder aufzusuchen, um zu erfahren, dass wir nichts mit uns selbst zu tun haben.
imre kertész, ich – ein anderer

wo sind meine schauplätze und was ist entscheidend? beim großen imre kertész ist es (nur in diesem zusammenhang) der ettersberg in weimar.
wir haben sie alle, diese orte, undaber diese sind nur in jamesbondfilmen venedig, der eiffelturm oder die freiheitsstatue. einer von mir ist der affenbaum (er steht noch, ist aber viel kleiner als erinnert), dann noch, im gleichen wald, dem bischofswald, tief drinnen, die bombentrichter. aber auch der sand zwischen den pinien hinten hinaus, zum strand hin und vor allem zurück zur mittagspastaschutta in der pensione da mario (oö. mundart für: der mario), caorle.
zeit und ort aber lassen sich (nicht erst seit heisenberg) nicht gemeinsam aufsuchen, und das passt schon so.
oder, wie kafka es einen seiner augenblicksallmächtigen sagen lässt: gibs auf! und lässt mich stehen wie einer, der mit seinem lachen allein gelassen werden will.
auch das kann, nach vorne wie nach hinten blickend, mut machen.



nach hause (3) Mittwoch, 26. 12. 2007, 0:00

basteln – was für ein wort.
etwas mangelhaft zurechtmachen, anstatt es ordentlich zu reparieren, steht darüber im etymologischen lexikon.

der papst hat gegen die konflikte in der welt geredet. womit das wohl als endgültig erledigt betrachtet werden kann, was für ein glück undaber warum nichtschon früher? – ich weiß, jetzt ist rührungshochsaison.
undaber nicht nur auf der welt sondern auch im von platttiroler gebirgsmarinegendarmen, sandkistenministranten und etlichen weiteren demutsvoll betenden regierten inselösterreich selbstgerechtes, direkt aus bethlehem via radiooberösterreichkind eigenimportiertes licht in dieser dunkelkammer. was sich da entwickeln kann?
wie hat es die tante jolesch so schön gesagt: gott soll einen hüten vor allem, was noch ein glück ist.
was für eine drohung.

(soviel zum kirchlichen hochfest der steinigung des hl. stephanus, des ersten märtyrers.)



nach hause (2) Dienstag, 25. 12. 2007, 0:00

ich kenne die vielen bereiche am großglockner, wo man unerreichbar ist, rät sichnichtaufspürenlassenwollenden der tiroler berggendarm im interview und warnt zugleich, platter gehts nimmer, auch im hochalpinen.
österreich wird euch schon noch helfen meint die kz.
na warte.



nach hause (1) Montag, 24. 12. 2007, 0:00

platter gehts nimmer.
das bmi, bundesministerium für inneres hat als zuständiges ressort der einem verbrecherischen regime nachfolgenden und über alle grausamen untaten ehrlich entsetzten republik eine dvd über das konzentrationslager mauthausen herausgegeben. der name des informativen und wichtigen lehrfilms: „rückkehr unerwünscht“.
damit das nichtmehrkind etwas fürs leben in der heimat (woimmer diese sei) mitbekommt, könnte man damit die medial allseits beliebte (und von christlichen und ehemals in der sandkiste ministrierenden oberpolitikern befettnapfte) arigona zogaj beschenken, stelle ich mir vor. es käme zudem aus demselben, betreuenden haus. österreich hat immer geholfen, schreibt die kz. am 20. dezember, und wenn die das sagt.
aber, nachfrage: wogegen?



traumlos Sonntag, 23. 12. 2007, 0:00

bopp
bobopp
bopp
bopp
bobobopp
bopp

(frei nach ernst jandl)

das dumpfspitze biepen der strichcodekassen in den vorweihnachtlich vorabendlich hochfrequentierten billamärkten (z.b. salzburg, griesgasse). was die armen kassierdamen für eine musik träumen, will ich mir gar nicht vorstellen müssen. und so nah bei mozarts geburtshaus. jammerschade.

bopp.



in erwartung Samstag, 22. 12. 2007, 0:00

das schwachsinnige grinsen des völlig verblödeten lodens.
gert jonke, stoffgewitter
(in: insektarium, verlag jung und jung, salzburg, 2001)

eben. da haben wirs. christkindlgewühl am domplatz. undalso: schnell zum hum!



wintermütter 2007 Freitag, 21. 12. 2007, 12:00

(auf etwa 1100) geschätzte mba,

© dorothea wimmer
(spiegelglatt und doch eisfrei – was uns die zukunft bringen mag?)

das jahr geht zu ende. na bumm, sagen sie jetzt, aber sehen sie, es lohnt sich, diesen umstand näher zu betrachten. die zukunft (und ihre vergänglichkeit) kündigt sich nämlich, genauer betrachtet, einer spirale gleich, an, so, wie eine schraubenmuschel: der bleistift braucht fürs zeichnen von 360° immer weniger, zuerst langsam, dann etwas rascher und schließlich geht es ganz schnell, du fällst ins tiefe loch des mittelpunkts, der auch, meist sogar exzentrisch, auf dich mausmensch wartet, wie die falle an der stirnwand des hintersten zimmers, du mußt nur die laufrichtung ändern, sagte die katze und fraß sie.
so ist nun einmal mit der zukunft, jawohl, seit eh und je: alles was wir einkaufen ist von seinem verfall her definiert, ein exaktes datum steht auf der verpackung, best before, futur exakt pur: ich werde zu spät in der speis entdeckt worden sein und du musst mich wegschmeißen. iss mich also bitte vor dieser zukunft, vor der mir graut, malzeid.
bis es so weit ist, die zukunft vorbei ist, tun es die tunfisch(stück)e im glas am längsten: gegenwärtig stehen wir beim 21.1.2012, vier jahre und ein monat noch; keiner, auch nicht die dauerhafteste dauerwurscht, ist länger am besten davor zu essen. weiter geht es mit den pelati und, wo dazu?, zu den spaghetti (silvester bzw. anfang juli 2010, immerhin zweieinhalb, drei jahre). als rechter kärntner nimmst du dein pesto am 10. oktober 2010, was für ein datum, zu dir, am 11. wärs verfallen, schad drum im schönen grenzland ohne passkontrolle am loiblpass, pass also auf, das pesto iss auf und basta. baasd.
wir überspringen die verfallszukunft (2009 verfällt nichts! es wird ein gutes jahr.), in den kommenden september: neun monate inkubationszeit haben maresi (27.), soletti (19.), milka (14.9.); im februar geht es mit cabanossi (24.) und lattella* (13.) zuende. womit wir bei der silvestermozzarella sind, und das faschierte verbrauchen sie bitte noch am selben tag, besser wäre gestern.

undaber genaugenommen: die physik beweist, hat längst bewiesen, nämlich es kann gar keinen blick in die zukunft geben, alles schon dagewesen. oder zumindest dort. früher einmal. auch wenn uns dafür noch die sinne fehlen. aber sie arbeiten fest an dieser evolution, was für ein trost.

vergangenes, dazwischen; dann in die nahe vorzukunft

auf der reise in den tiroler advent (wir wissen: die christkindlmarktgrenze verschiebt sich bedrohlich nach süden, bolzano, milano, bald palermo, kairo, dieweil der winter norwärts wandert), am zweitkürzesten (was für ein langes wort) tag des jahres, kommt es vor, dass du im höchstrangigen zug des tages sitzt, ein privileg, davon kannst du ausgehen, von wien nach feldkirch nur zwei fahrplanmäßige halte, dann macht es aber die nacht vor deiner reise von salzburg nach innsbruck bumm, ein güterzug kippt um, und schon ist deine ganze reiseplanung umgekippt, so ist es im leben jawohl, und möglicherweise ist es sogar besser so, du kannst es nicht sagen, weil dir ja nur eine option zur verfügung steht, passiv noch dazu, es ist wie beim essen, wenn du an einem überreichen buffet von allem probierst um zu herauszufinden, was du eigentlich essen willst und was eher nicht, aber dann ist auch schon aller hunger, guster gar, vorbei, du bist angefüllt wie die sprichwörtliche weihnachtsgans, die aber hat einen schlichteren fressgeschmack, gehabt, den du dir jetzt auch rückwirkend wünschst, vergeblich, vergib o herr die todsünd der völlerei, zu spät, leider, du selbstschopper mit sodbrennen, soistdasnuneinmal, doch zurück zum höchstrangigen zug, rangieren müssen sie ihn, arschlings hinaus aus dem salzburger hauptbahnhof, etliche regionalzüge und güterzüge musst du (der zug, das bist immer duselbst) passieren lassen, kreuzen, bevor du nach aigen, hallein, bischofshofen, zell am see, hochfilzen!, seinehons, kitzbühel, wörgl (wo sie – früher zumindest undalso längstverfallenes – lattella* erzeugt haben) abzweigen darfst und sammasieahlich, es ist ja auch wirklich die viel schönere strecke, und in einem durch die herrlichste winterlandschaft, was für ein luxus auch.

viele unerwartete freuden in der unsichtbaren zukunft wünscht ihnen ihr

das war in langenlois

bertl mütter

rohe
eihnachten

habe ich unlängst in einem recht passiv an mich gerichteten, links etwas abgeschnitteten (dafür an viele ergangenen) email gelesen. vielleicht könnte das schon ein vorfreudiger (eher allerdings krampussiger) hinweis auf das bereits heranbrausende osterfest, am 23. märz ist ja es schon so weit, die schokoladennikoläuse werden längst überpackt, und ich wünsche ihnen jetzt schon, dass ihre gefärbten eier dann auch gut durchgekocht sind, und ein gipsernes zum pecken.

am weihnachtsabend, 24.12.2007, zwischen 18.30 und 19.30 können sie mich übrigens live im radio österreich 1 als gast von renate burtscher hören. inkl. 18.57 stille nacht, heilige nacht auf meiner schönen posaune. ahh.

der nächste mütterbrief kommt am karfreitag. zumindest im mütterlog, weil ich mich da nämlich möglicherweise im reich des winters aufhalten werde. es kann also sein, dass ich ihn erst zu ostern verschicken kann. jedenfalls aber um den frühlingsbeginn. eben.

— der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil —

bald – die vorschau
da steht auch schon was über den juli drinnen. obacht nämlich: mein spielen!-kurs beim musikforum viktring-klagenfurt wurde um eine woche nach hinten verschoben und findet nun von samstag, 19. bis freitag, 25. juli 2008 statt, wird am 26. stattgefunden haben (um konsequent zu bleiben).
achja, wir suchen einen (oder mehrere) konzertpaten (-onkeln und -tanten!) für mein viktringer solokonzert am mittwoch, 23. juli 2008. die haben nämlich echte geldsorgen da unten, und ich mit ihnen, deshalb dieser aufruf. bitte sich bei mir (zahlreich; zahlend) zu melden. danke.

vorbei – der rückblick
manches, das jetzt bald ist, wird bald vorbei sein. hier zum nachlesen.

*) – die sternderlrubrik
nicht direkt im text untergebrachte links (von denen ich mich samtundsonders von fast allen distanziere):

* auf die verfallsidee hat mich, das darf ich verraten, am 8. november der blick ins molkeregal gebracht, mangogeschmack bis 1.1.2008 stand da drauf, lattellaende am neujahrstag, was für ein schicksal, *schluck*.

*mütterlog (unglaublich, wirklich täglich neu!)



einschauen , 0:00

don’t shoot the banjoplayer
(‚cause we’ve done it already)
alter dixielandwitz, überliefert aus dem wilden westen (deutschlands)

samstagnachmittag. salonmusik im bräunerhof. die pianistin beginnt, kaum dass sie zu spielen anhebt (bzw. die fingerkuppen auf die tasten des salonkonform etwas ausgeleierten pianinos absenkt), augenblicklich wie eine blinde nach innen zu lächeln, die augäpfel verschwinden, scheinbar. (zumindest schauen sie so aus wie bei prinzessin diana oder heide schmidt oder karli habsburg, in ihrer besten zeit.)
es schwebt ein weicher kugelblitz um sie herum.
(ob es gleich aus der wolke zu verkünden anfängt?)



pubertierend Donnerstag, 20. 12. 2007, 0:00

meine fünfzehnjährige waschmaschine will nicht mehr, schreibt die alte dame in ihrem sozialansuchen zur weihnachtszeit. ob man ihr erziehungsmaßnahmen als guten rat mitgegeben hat ist nicht bekannt.
ist so kalt der winter.
aber der marieantoinettesatz sollen sie halt kuchen essen ist so auch nie gesagt worden (auch nicht auf französisch).



endstationär Mittwoch, 19. 12. 2007, 0:00

memory, am beispiel eines sehr originellen mantels am ubahnmittelbahnsteig schwedenplatz, auseinanderziehend in zwei richtungen: hütteldorf, heiligenstadt. doch beides sind doppelte endstationen (s45, u4): wir treffen uns wieder, raunen sie sich weinrotsamtig zu, die mäntel, klimtisch-originelles einzelstück ein jedes.



markierung Dienstag, 18. 12. 2007, 0:00

wir bersten vor aktivität. in den letzten jahren hat sich auf dem sektor der inwendig und auswendig anzuwendenden energiezuführungssäfte beträchtliches getan, wir werden von power und energy übermannt, es sprengt uns nachgerade den brustkorb auf, so kräftig und männlich sind wir alle geworden, man hat nämlich den sich zu waschen behauptenden mann entdeckt, guarana, taurin, koffein, am besten alles zusammen, adstingierendes glacier water & deep sea mint, dynamisch-kraftvolles dark red mit markant maskulinem duft undundund.
davor und danach aber nichts anderes als eine blaue sau, ein red bull oder, eine etwas pubertärere duftmarkierung, keine frage. und am häusl dann für das red nosed reindeer oder den sich darin schaukelnden bären von der verpackung der so zeitgemäße apfelzimtwinterduft vom klopapier, very charmin‘.
so ein scheiß. alles zusammen. damit das nämlich auch gesagt ist.



luftlosung Montag, 17. 12. 2007, 0:00

eine krähe war mit mir
aus der stadt gezogen
ist bis heute für und für
um mein haupt geflogen

wilhelm müller (1794-1827), gedichte aus den hinterlassenen papieren eines reisenden waldhornisten – die winterreise

langjährig getreue leser dieses meines zeitgemäßen reisetagebuchs: das warten auf den heurigen krähentext hat ein ende. obwohl, ich hatte nicht extra vor, auch heuer wieder mir wahrnehmungsgedanken zu den schwarzen galgensingvögeln zu machen. da es aber so gekommen ist wie es eben gekommen ist – hier mein heuriger krähentext, in enger assoziativer annäherung zur ersten strophe der krähe, die wir natürlich alle samtundsonders in der skurrilen schubertschen deutung im ohr haben, als gedicht allein ist es ab dem moment, wo du den text durch schubert erzählt bekommen hast, nicht mehr möglich, und wer würde etwa die ode an die freude lesen können, ohne beethovens melodie dazu im ohr zu haben, jene melodie, der die europäische union soviel übles angetan hat, aber das nur nebenbei.
mir hat nämlich eine äußerst dynamische krähe auf dem heimweg von der tagesarbeit auf den metropolischen müllhalden jenseits der donau zum schlafplatz im hugowolfpark mit unkrähenhafter verve aufs fenster gepatzt.
na sowas, sagen sie. und ich sage: ja sowas auch.
halten sie ihre fenster, so sie an lande- oder startschneisen schwarzer singvögel liegen, also nur für die so beliebte und viel zu wenig praktizierte stoßlüftung geöffnet, am besten zu normalen krähengeschäftszeiten, nicht jedoch am morgen oder am frühen abend. dies mein rat für die kürzesten tage, in denen wir uns gerade befinden.
zum abschluss noch eine frei dazu (oder auch nicht) zu assoziierende zeile, wieder vom unglücklichen herrn müller:

der reif hat einen weißen schein
mir übers haar gestreuet
da glaubt ich schon ein greis zu sein
und hab mich sehr gefreuet

(zur beruhigung: der greise kopf steht im original unmittelbar vor dem vogelvieh)



aufgeklart Sonntag, 16. 12. 2007, 0:00

rechtzeitig zu beginn der eventsaison habe ich bereits anfang november eine nachricht bekommen, deren inhalt mir leider entfallen ist, was mir nicht allzuviel ausmacht, denn wohlmeinende mails kommen täglich daher, und alle eingehenden werden selbstverständlich – äh – eingehend studiert. was mir aber an diesem elektrobrief so gut gefallen hat, dass ich ihn mir bis heute, so knapp vor weihnachten aufgespart habe, ist eben diese einleitende phrase: rechtzeitig zu beginn der eventsaison.
wann begänne eine solche saison und (wichtiger noch, da sie ja schon beg. hat), wann höre sie bittebitte wieder auf? – mein nachfragen ist freilich rhetorischer art, wird doch jahrjährlich ihre allesumrundende präsenz zelebriert, es ist wie bei der hl. kirche, die sich ja auch des advents als gleichzeitigen anfang und endes des kirchenjahres sich zu bedienen weiß (gewissermaßen: 1. advent = anfang; weihnachten, ein jahr später = ende). du kommst ihnen (wer immer sie sind) also nicht aus, nieundnimmer.
und mitten in dieser eventpermanenz hat mir dann (u.a.) mein alter freund will berry ein sehr vertrauliches mail geschickt, das ich ihnen nicht vorenthalten kann (bezügl. dessen ich mich als inkontinent erweisen muss), ich reiche es mit den besten wünschen weiter, twimc (dt. wiebm: wen immer es betreffen möge):
potenzschwache – wir haben die losung! schreibt mir der alte spezi.
darauf kann ich nur sagen: waidmannsheil!



pinups (3) Samstag, 15. 12. 2007, 0:00

ein nachtrag (genaugenommen ein zutrag) zu den pinups in den ihnen gewidmeten mehrfärbigen hochglanzmagazinen:
könnte es am nur gorbachsch-peinlich ins englische übersetzbaren titel undoderdochauch an der etwas vergeblich-verschwitzten grundlinie des blattes liegen, dass das in der verlagsgruppe bauer erscheinende schlüsselloch (engl. wohl: keyhole) international doch nicht so recht reüssieren hat können?



ombra felice Freitag, 14. 12. 2007, 0:00

venezia, schattenreich.
zum weintandler bringen die leute ihre leeren eineinhalbliterpetflaschen san benedetto, wiederaufgefüllt kostet das keine drei euro, salute! und cincin!
in palermo (das nebenbei) gibt es gar regelrechte weintankstellen, mit zapfhähnen an zapfsäulen, und sie führen drei sorten: bianco, rosso, rosato. zur abholung fährt man mit dem cinquecento vor (dem alten wie dem – wohlgelungenen – neuen), hat aber ein eigenes gebinde dabei, da wird nix in den tank gefüllt, damit das klar ist.
zurück in venedig.
auf einmal nämlich kommt, wer weiß von wo, einer mit einem fünfliterkanister daher, der schaut aus, als wäre er mit (destilliertem?) wasser gefüllt.
ob da im hinterzimmer so ein weinjesus pfuschen tut? und: wo ist die hochzeit? (wer heiratete denn heutzutage noch, in zeiten wie diesen?)



fabelhaft Donnerstag, 13. 12. 2007, 0:00

aber immerhin freiheit, immerhin ein besitz.
franz kafka, forschungen eines hundes (1922)

sowas. da liest du jahrelang einen text, er wird zu einer lieblingserzählung, du kannst ganze absätze auswendig, hast ihn, in vielfacher hinsicht, verinnerlicht, aufeinmal setzt sich, wie ohne dein zutun, ein mosaik vor deinen augen zusammen, die einzelnen, garnichtsokleinen kacheln ergeben plötzlich ein neues, ganzanderes bild, und du bemerkst, dass du sehenden auges, lesenden bewusstseins, praktisch alles übersehen, drüberhinweggelesen hast. obgleich du mit diesem neuen blick das unerhörte schon vonallein und selber so wahrgenommen hast, zweifelst du doch, und sicherheitshalber – zwickt’s mi – fragst du einen freund, und nocheinen, ob du dich nicht täuschst, täuschen könntest, bitte, daskanndochnichtwahrsein!, täuschen müsstest?!
seither aber kannst du nicht mehr anders, als im text, in der textur das zu erkennen, was offensichtlich da gestanden ist, alle haben es gesehen, nur nicht du, und dabei hast du dich für einen der intimsten kenner jener geheimnisvollen fabel gehalten, bist du doch selber ein hund, seit ehundje.
im richtigen abstand betrachtet, mit leicht unscharf gestelltem blick (der bekanntermaßen zumeist präziser ist als die detailbetrachtung) können die pixel des als solches neu erkannten kachelbildes sogar eine schärfe bekommen, die ein glattes photo nie und vor allem nimmer zusammenbringt.
ohne kratzer, das auch noch. nieundnimmermehr.



feuerfest Mittwoch, 12. 12. 2007, 0:00

deutsch im falle eines brandes.
heinweis: eine geschlossen und bennaste, mit feuchten turchem behangene tur, schutz fur lang zeit.
(im östlichen oberitalien trifft man einfach die besseren brandschutzmaßnahmen, in portogruaro etwa, mit seinem schiefen turm.)



pinups (2) Dienstag, 11. 12. 2007, 0:00

mein schön deutsch sprach!
ernst jandl, die humanisten

die kassandrarufer von der deutschsprachigen sprachpolizei regen sich regelmäßig (selbstverständlich völlig zurecht) darüber auf, dass immer mehr frembde wörter unsere schöne deutsche sprache durchsetzen, ja, ersetzen, sprachsklerose, jawohl so ist es, und es sind ja in der tat ereignislose zeiten, in denen wir leben, dafür hetzt der wohlerzogene freizeitmensch von event zu event. (ich erspare ihnen weitere beispiele, sie können ja die regelmäßigen leserbriefe über den sprachverfall, wie sie von pensionierten konsulenten verfasst werden in ihrem provinzblatt oder in der presse nachlesen.)
zwei miteinander korrespondierende aspekte aber möchte ich zu bedenken geben. zum einen diffundierte das deutsche durchaus auch ins ausländische, le blitzkrieg (fr.) und blitz (it. für razzia), schlagbaum, landschaft (rus.), aberjetze (zulu für ungeduldiger tourist); ins englische haben wir es nur zu rucksack oder kindergarten gebracht, reichlich unaufregend.
undaber wer würde sich, umgekehrt, für ein noch so ansprechend gestaltetes farbfotomagazin mit wohlproportionierten jungen damen interessieren, das spielbub oder dachgeschoßwohnung hieße?



pinups (1) Montag, 10. 12. 2007, 0:00

lee miller, deren lebensweg zwischen 1907 und 1977 von poughkeepsie nach chiddingly führte, hat viel gesehen und uns eine vielzahl eminenter bilder hinterlassen. ein diptychon der besonderen art habe ich in barcelona gefunden: links der kraftraum mit vier muskulösen männlichen halbakten, von denen zwei ruhen, während die anderen beiden sich hintereinander und ganz nah beieinander abplagen, alle lachen dabei, in die kamera, ein merkwürdiges gym-bild, in perfekter schwulenästhetik. rechts das bild zeigt den kraftanwendungsraum, damen der gesellschaft aufgereiht an der wand, es ist ein salon undalso sitzen sie unter trockenhauben, die unvermeidliche illustrierte in händen, dickliche bedienerinnen kauern zu ihren nägeln während den damen oben der scirocco durch die haare fährt. die beiden photos vom september 1944 haben den entzückenden titel hairdryers powered by tandem riders at salon gervais, paris, france.
was einem als frisurloser nur draußenradfahrer so alles entgeht, stelle ich mir vor.



aviator (2) Sonntag, 9. 12. 2007, 0:00

i mecht so gern laundn
mecht in deina nähe bleibn
dauern fliag i midm kopf
aun deine scheibm

maria bill, 1983

was hatte es nun aber mit dem merkwürdig schnarrenden aufschreckgeräusch seiner selbst aufzuziehenden und ansonsten vollautomatischen fliegeruhr auf sich? nach etlichen monaten zufriedenen tragens (und aufschreckens) war es zeit, sich darüber eingehendere gedanken zu machen, mittlerweile war er nämlich vollständig von der bewestheit seines mechanischen wunderwerks überzeugt.
das schnarren konnte nichts anderes sein als das geräusch – vergeblichen, weil eingesperrten – abhebens. ein miniaturisierter postkommunistischer kakerlak, spin-off des kalten kriegs, dem durch stellen der weckzeit für ebendiesen zeitpunkt futter versprochen worden war, wurde hungrig und machte darauf durch ungeduldiges herumflattern aufmerksam. demnach war das aufziehen des weckers das raspeln parmesanähnlichen (selbstverständlich geruchlosen) käses, wobei gleichzeitig die zu entsorgenden exkremente des so praktischen nutzinsekts vollends zerstäubt und verdampft wurden, wodurch sie unbemerkt an der spindel der stellschraube hinausdiffundieren konnten.
ungefähr genau so war es.
aviator, fliegeruhr. eben.



aviator (1) Samstag, 8. 12. 2007, 0:00

so hieß die russische präzisionsuhr die er im touristischen hochgefühl am arbat erstanden hatte, über hundert euro undalso gut ein viertel des preises heruntergehandelt zu haben; später dann, es ließ ihm keine ruh, eruierte er (seltener werdende verben verwenden!) den eigentlichen handelspreis, und das hätte er sich besser sparen sollen. nichtso aber die schöne klobigrobuste armbanduhr, so praktisch, und sie hatte einen wunderbaren wecker, vollanalog, mit einem schnarrenden, etwas zu früh auslösenden geräusch, das ihm immer, wenn es wie wild vibrierend losging, einen wohligen schrecken durch die glieder jagte, diese erinnerung, den gegenwärtigen seinszustand zu verändern (aufstehen, zumzugegehen, nichtaber: schnellschnell einschlafen), letztlich das memento mori eines jeden weckers, sich erheben, wie ein aviator.
eben.

abb. leicht vergrößert dargestellt

morgen: der aviator im aviator



umsteigen Freitag, 7. 12. 2007, 0:00

diese fatale zielsicherheit, mit der es ihm beim heimkommen gelungen war, stets die falscheste (der superlativ hier untertreibt noch!) verkehrsmittelwahl zu treffen, ließ ihn zweifeln, ob es überhaupt richtig gewesen sein konnte, aus dem süden heimzukehren.
nichts wie weg wieder!



rätselhaft Donnerstag, 6. 12. 2007, 0:00

sudoku – kreuzworträtsel für phantasielose. kein wunder, dass vor allem die profi-hefte auf den internationalen reiseunterhaltungskiosken so gut gehen. beim einsteigen in den flieger nach wien aber hat beinahe jede/r zweite so ein heftl in der reißn. ich schlucke. aber eigentlich eh klar: wozu noch selber phantasie aufbringen, wenn wir doch schon im vorhinaus als ganzes volk voll begnadigt für das schöne sind?, stelle ich mir vor, odernicht?



barcelona (4) Mittwoch, 5. 12. 2007, 0:00

gleich beim ikea entsteht eine konzentrische hochhaussiedlung, alles hochgestellte ziemlich in die länge gezogene schuhschachteln. die häuser werden vormontiert geliefert, in weitest entwickelter fertigbauweise.
der inneneinrichtungsexklusivvertrag mit nebenan ist evident.
und so praktisch.



barcelona (3) Dienstag, 4. 12. 2007, 0:00

auf den montjuic. die seilbahn mit sageundschreibe achtundachzich überwundenen höhenmetern. pah! und ehklar geht der alpenländler da zu fuß, selbstachtung auf der schiefen ebene, eben. das in den park heraufdringende klangbild dieser zauberstadt besteht vor allem aus eingelegten lkw-retourgängen. die fahren hier nämlich gerne rückwärts, pass also auf!



barcelona (2) – gaudí (2) Montag, 3. 12. 2007, 0:00

barcelona, das scheint für etliche – zumal japanische – touristen, ausschließlich gaudíhalber aufgesucht zu werden. das aufspüren von imaginierten kindheitsorten, die bestätigung, dass es all das, was man in den märchenbüchern (mehr noch: in disneymärchenfilmen) gesehen hat, pfefferkuchenhäuser (nicht ganz ausgebacken und deshalb mit augenblicklichem genuss verzehrbar; aber pass auf, du kriegst bauchweh!), wirklich gibt.
wie ja neuschwanstein auch gipserne realität ist.
aber trifft das denn zu?



advent (2) Sonntag, 2. 12. 2007, 0:00

(wir bleiben noch in wien, in einer vergangenen zeit)

(kolportiert:)

sauwetter.
heller zu qualtinger, köhlmeier vorwegnehmend raunend: na bei den wetter mecht i ka hua sei.
qu. zu h.: aso. bei wölchm wetter daun?

(morgen: wieder zurück ins warme)



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