aktuell

Montag, 23. Oktober 2017, 20.30
Wien (A)
, Stadtkino im Künstlerhaus
     sowie
Montag, 30. Oktober 2017, 11.00
Wien (A), Metro-Kino, Historischer Saal

Labor des Exo/Endo Korpus (A 2017, 12’)
Ein Film von Elisabeth von Samsonow
Im Rahmen des Kurzfilmprogramm 1 der Viennale 2017.

https://www.viennale.at/sites/default/files/styles/top_image_slider/public/pressimages/V17labor06.jpg?itok=A7M4vipp

Meine erste Filmpremière. 

Eingängige Soundscape, plug-in. Was haben weißgewandete junge Frauen, ein Fußballtorwart, eine Näherin, ein Shetland-Pony, die Mayröcker, ein Knabe mit Bipa-Einkaufswagerl oder z.B. ein Biker in voller Vanucci-Montur miteinander zu tun? Viel, denn deren Bewegungen sind durch einen assoziativen, rhythmisch oszillativen Bilderfluss verbunden, der das Innen und Außen (eines riesigen begehbaren Saiteninstruments) abseits narrativer Gesetze spiegelt. Auf surreale Weise, basierend auf einer Klangskulptur in der Dominikanerkirche Krems, will »Transhumanistin« Samsonow unser Bewusstsein erweitern. Eingängige Soundscape, plug-out.
(Viennale)

DISCLAIMER: Die sieben jungen Damen – offenbar ein Filmstill – sind mir persönlich völlig unbekannt. Als ich zum Drehen meines Parts in die Dominikanerkirche Krems kam, sind sie mir jedenfalls nicht begegnet. Da war nur ein weiß gekleideter Knabe mit goldenem Haar und ein Einhorn, glaube ich mich korrekt zu erinnern.

VERMERK (1): Da mit einem anschwellenden Popularitätsschub zu rechnen sein wird, hoffe ich auf kaltes Wetter, damit ich mich hernach gesetzeskonform gebührend vermummen darf. Ansonsten wär’s wohl allzu gefährlich, unerkannt durch die Hauptstadt zu gelangen.

VERMERK (2): Termine um den 4. März 2018 (Los Angeles/Dolby Theatre; Hin- und Rückreise, Aufenthalt) können wahrscheinlich nicht wahrgenommen werden; Ähnliches gilt für Mitte Mai 2018/Cannes.

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Sonntag, 5. November 2017, 18.30
Wien (A)
, Konzerthaus, Großer Saal
Fremde Ohren. Oder: Wie Musiker das hören
Bertl Mütter
zu Peter Eötvös

Es ist bitte Folgendes. Kurz, nein, sagen wir lieber knapp nach den österreichischen Nationalratswahlen meldet sich Sven Hartberger vom Klangforum und fragt mich, ob ich bereit sei, als Einspringer für Uli Fussenegger dieses Programm zu gestalten. Jetzt habe ich den Ohrwaschlsalat – und freue mich natürlich, quasi über die Schreamsn, wieder einmal das Konzerthaus bespielen zu dürfen, erstmals gar den Großen Saal.

In seiner Abonnentenpost schreibt das Klangforum also:

Die »Fremden Ohren«, mit denen wir uns seit der vergangenen Saison eine Stunde vor dem Konzertbeginn einhören, sind diesmal noch fremder: Das Ensemble hat mit Bertl Mütter – Musiker, Komponist und Autor – erstmals einen Gast zur Gestaltung der halben Stunde eingeladen. Bertl Mütter, so viel darf gesagt werden, ist einer der liebenswertesten, vielseitigsten und witzigsten unserer Musikerfreunde. Über seine eigene Musik sagt er auf seiner sehr besuchenswerten website www.muetter.at: »Vielleicht, ein Vorschlag zur Güte, könnte man meine Musik Slow Food für die Ohren nennen: Sie will, mitstaunend, entdeckt werden.«

Total lieb. Natürlich nenn’ ich’s (bei mir, streng intern!) eine Veranstaltung aus der Schule des Staunens. Hehe.

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/161118_CZ28790_500px.jpg

Folgt Inhaltliches:

Ich beziehe mich auf das Konzert um 19.30, in dem das Klangforum Wien unter der Leitung des Komponisten drei Werke von Peter Eötvös aufführen wird: Shadows (1995–1996), Sonata per sei (2006), sowie Chinese Opera (1985–1986).

Auch ganz ohne Bühnenbild, Kostüme und Film ist Peter Eötvös’ Chinese Opera »eine Oper zum sehenden Hören« (Peter Szendy). Gegen Oper hatte Eötvös – langjähriger Mitarbeiter von Karlheinz Stockhausen und Chefdirigent des Ensemble intercontemporain auf Einladung von Pierre Boulez – in seiner Studentenzeit am Kölner Studio für Elektronische Musik eine lebhafte Abneigung entwickelt. Dass er die spontane Theaterbegeisterung seiner Kindheit irgendwann wiederentdeckte, daran ist seine 1986 komponierte »Chinese Opera« nicht ganz unbeteiligt: »Der Titel – der eine vollkommen überbordende Art kreativer Fülle andeuten sollte – brachte den Dirigenten Kent Nagano dazu, Eötvös unbesehen einzuladen, das Werk in Lyon an der Oper zu inszenieren. ›Mit Vergnügen‹, sagte ich – ›aber es ist ein Orchesterstück‹«, erinnerte sich Eötvös in der New York Times. Im Gefolge des farbensprühenden, im wörtlichen Sinn fantastischen Werks entstanden seither nicht weniger als zehn Opern.
»Meine Chinese Opera hat mit der echten chinesischen Oper sehr wenig zu tun. In China hat jede Provinz ihren eigenen Theaterstil. Er wird nach der jeweiligen Provinz benannt, in der er vor Jahrhunderten entstanden ist und seitdem unverändert gespielt wird. Chinese Opera ist in Hinsicht auf eine szenische und filmische Präsentation geschrieben. Sie ist ›Oper‹ meiner eigenen ›Provinz‹.« (Peter Eötvös)
In diesem großen Porträtkonzert mit drei im Abstand von je zehn Jahren entstandenen Meisterwerken steht der 73-jährige Komponist persönlich am Dirigentenpult des Klangforum Wien.
Konzertankündigung, wien modern

Jetzt wird einmal intensiv recherchiert. Über Peter Eötvös und seine Werke. Es werden zudem wohl noch Jacques Tati, Karl Valentin, Adalbert Stifter und mein Freund Chris (dzt. Shanghai) befragt werden müssen.

Mit dem größten Vergnügen!

http://www.muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/161118_CZ28783_500px.jpg

Zum Nach-Denken

Fremde Ohren, das sind Große Ohren und gewisse große Ohren sind mir in der Tat fremde Ohren.

Genug politisiert.

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Montag, 6. November 2017, 20.00
Donnerstag, 9. November 2017, 20.00
Samstag, 11.
November 2017, 20.00
Mittwoch, 15.
November 2017, 20.00
Freitag, 17.
November 2017, 20.00
Samstag, 18.
November 2017, 20.00

Wien (A), Mondschein – ehemaliges k.u.k. Post- u. Telegraphenamt
7., Zollergasse 31
Die Reise Musique de Scène von Jean Barraqué
mit originalen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau (1958)
    
sowie
Sonata pour violin seule
(Jean Barraqué, 1949)
Etude pour bande magnétique
(Jean Barraqué, 1952/53)

ensemble sirene, Ensemble
Joanna Lewis, Violine
Jury Everhartz, Produktionsleitung
Cornelius Burkert, Bühne
Kristine Tornquist, Bühne
Edgar Aichinger, Licht
Selina Nowak, Assistenz
Helga Utz, Regie
François-Pierre Descamps, Dirigent

»Musik ist Drama, Pathos, Tod. Sie ist das komplette Spiel, die Erschütterung, bis zum Selbstmord. Ist sie das nicht, ist sie nicht die Überschreitung aller Grenzen, dann ist sie überhaupt nichts. Eine Musik, die nur schön ist, ist lachhaft. Für mich ist die Musik alles, sie ist das ganze Leben.« (Jean Barraqué)
»Einer der originellsten Komponisten der Nachkriegszeit. Der Klangfarbenreichtum Barraqués ist gewaltig. Die Klänge sind flirrend in Bewegung wie Kolibriflügel.« (Die Zeit, 1998)

Jean Barraqué, 1973 mit 45 Jahren verstorben, war serieller Komponist, Schüler von Langlais und Messiaen und zeitweiliger Liebhaber von Michel Foucault. Er gilt als ein composers composer - als ein Künstler, der, auch wenn er einem weiten Publikum nicht bekannt worden ist, viele Künstler massgeblich beeinflusst hat. Sein schmales Œuvre erweitert sich mit dieser Uraufführung durch das sirene Operntheater. Die Reise kreist um Barraqués lange verschollene Musique de scène von 1958/1959, eine Schauspielmusik zu einigen Theaterminiaturen von Jean Thibaudeau.

Der Regisseur und Theoretiker Jacques Polieri hatte eine Aufführung der Stücke mit mehreren MalerInnen geplant, darunter René Allio, Jean-Michel Atlan, Maurice Béjart, Sonia Delaunay, Serge Poliakoff, Pierre Soulages und Maria Helena Vieira da Silva, die »die Musik in Bilder umsetzen« sollten. Das Projekt kam nie zustande und wurde nun für Wien Modern aus den Archiven der Association Jean Barraqué und der Bibliothèque nationale de France ans Licht geholt. In Windeseile entstehen Assoziationsketten, Bilder, die sich auflösen, bevor sie deutlich werden. Spürbar wird nur die Reise, die vom Unsteten ins Unbekannte führt.

Eine Produktion von sirene Operntheater in Kooperation mit Wien Modern 2017.

Bemerkung: Ende September hat mich Jury Everhartz gefragt, ob ich denn sowas auch mache, in einem Orchester mitzuspielen. – »Nein, aber für Dich schon.« (Freundschaftsdienst.)

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Mittwoch, 29. November 2017, 20.00
Wien (A)
, Musikverein, Gläserner Saal
Höllenvisionen
Michael Köhlmeier, Erzähler
Leonhard Paul & Bertl Mütter, Posaunen, Mut- und Wunderhorn

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Die frühen Helden des Abendlandes kehrten auf ihren Reisen in der Unterwelt ein und schilderten, was sie dort gesehen haben. Odysseus begegnete dem Achill, der berichtete von unerträglicher Langeweile; lieber würde er auf Erden für den ärmsten Bauer als niedrigster Knecht das steinigste Feld pflügen, als hier der König der Schatten zu sein. Dass die antike Welt in der Unterwelt auch einen Ort sah, an dem gestraft wurde, erfahren wir aus den Geschichten von Sisyphos, Tantalos und Ixion. Für das Christentum hat Dante mit seiner »Göttlichen Komödie« ein anschauliches Bild von der Hölle entworfen und zugleich die Dreiteilung des Jenseits in Inferno, Purgatorio und Paradiso festgeschrieben. Außereuropäische Mythen berichten vom Ort des Grauens manchmal ironisch, manchmal in Form eines Schelmenromans, wie eine Geschichte aus der Mongolei.
Michael Köhlmeier

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

http://static6.swp-plus.de/storage/scl/import/swp-beta-import/bietigheim/lokales/ludwigsburg/print/2335025_t1w600h392q90v22092_swp-8662603_16595451_01_3005_LUBU_aeneas_4C_1055765876.jpg?version=1464589449
© Richard Dannenmann, Südwestpresse

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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) – hoffentlich kurzfristig – gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen.
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… Höllenvisionsvorfreude!

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