aktuell

Freitag, 8. September 2017, 20.00
St. Marein bei Neumarkt/Stmk (A)
, Schloss Lind
Jagdstube »Zur Überfuhr«
Von einem römischen Jäger im Schwarzwald,
seiner Luftbarke am Gardasee
und einer Wunderlich Schönen Müllerin aus Waidmannsfeld

Anne Bennent – Die Schöne, Bürgermeister; weitere
Otto Lechner – Der Jäger Gracchus; Charon; weitere
Bertl Mütter – Müller (was sonst); weitere

http://austria-forum.org/attach/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Lind/lind%20b%20neumarkt.jpg

  
Es gibt soviele Jubiläen, denen runde Zahlen nicht gewachsen sind.

Am 10. April 2017 sind es 93 Jahre, dass die gerade sechzehnjährige Berta Wöhrer – sie wusste damals noch nicht, dass sie gut 41 Jahre später die Großmutter von Bertl Mütter sein würde – in einiger Entfernung aber deutlich Franz Kafka gesehen hat, wie er, trotz nachwinterlicher Kälte im offenen Wagen und nur von seiner aufrecht dastehenden Geliebten Dora Diamant vor Wind und Wetter geschützt, das Sanatorium Wienerwald in Feichtenbach talauswärts verließ – es sollte seine vorletzte Reise auf Erden sein –, ein Schauspiel ungeahnter Tragweite, welches sich da vor ihren Augen begab.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/9/92/Sanatorium7.jpg/1280px-Sanatorium7.jpg

Nicht genug des Raunenswerten, befand sich die Welt just im einhundertundersten Jahr seit der Komposition der Schönen Müllerin, die Franz Schubert, wie allgemein bekannt, für einen 107 Jahre später geborenen Tenor ersann, nur noch gut sechs Jahre, und die Gewichter der Welt würden tauglich neu justiert werden können, »Wir haben einen Fritz!«; dazu: Hörnergebraus.

http://www.karlbauer.com/wp-content/uploads/2014/06/Schwebeschiff.jpg

Was das fernerhin mit dem Jäger Gracchus zu tun hat, der im September 1966 in seinem Kahn, der ohne Steuer fährt mit dem Wind, der in den unteren Regionen des Todes bläst, im Wunderlichen Schwarzwald vorbeigleitet, und wohin diese Reise geht, die so lang ist, dass jeder Essvorrat vergeblich wäre, kann nicht verraten werden, schlicht, weil niemand es wissen kann. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.

http://www.lebensspuren-deutschland.eu/wp-content/uploads/2011/07/1943-Heim-Wienerwald_Foto-um-1943a2.jpg

Willhelm (ahd.: »der auf Schutz bedachte«), so der Vorname des einzigen echten Einheimischen, der im (arisierten) Lebensbornheim Wienerwald geboren wurde, am 27. Mai 1939; sein Vater: Jäger. Vor 51 Jahren, am 17. September 1966, ist Fritz Wunderlich gestorben, nah beim Schwarzwald.

http://2.bp.blogspot.com/-jC44A1NtnME/TivblzwFCAI/AAAAAAAAEB4/pxqmHJdtluM/s1600/Borges.jpg

Es gibt so viele Jubiläen, denen runde Zahlen nicht gewachsen sind.

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PS1: Siehe (auch): muetters muellerin.
PS2: Umfassender Dank dem Andreas Staudinger/Schloss Lind

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Sonntag, 1. Oktober 2017, 16.00
Essen (D)
, Ruhr Museum
Erdgeschichten. Geologie im Ruhr Museum

Ausstellungseröffnung
Musikalische Gestaltung: Bertl Mütter, Posaune

https://www.ruhrmuseum.de/fileadmin/_processed_/csm_75_6750a20a5de4f5a_f9a1299981.png?13

Das Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist das Regionalmuseum des Ruhrgebiets.

Nach einem Showcase-Auftritt mit Erika Stucky und Jon Sass im Rahmen der WOMEX (ca. 2007) darf ich mich nun abermals auf das faszinierende Gelände der Zeche Zollverein begeben. Eine vertiefende Begegnung, wie die Thematik verspricht.

http://oe1.orf.at/uimg/5c/cc/5ccc5279af56d8d4f8ee1f0ab1998ac56601cc88.jpg

Gekommen ist es, streng linear, so: Ein die Bestätigung seiner Pensionierung erwartender Posaune spielender Gynäkologe aus Oberösterreich, der in Innsbruck studiert und damals mit dem späteren Bundespräsidenten regelmäßig Carambol (nicht jedoch Posaune) gespielt hat und den es später nach Klagenfurt verschlug, nahm elfmal an meinem SPIELEN!-Kurs in Viktring teil (mittlerweile ist die Zwölf komplett). Rasch hat sich eine freundschaftliche Annäherung ergeben, ein Enthusiasmus, und der hat dazu geführt, dass er mich einem Freund vorgestellt hat, Harry den Installateur. Der scheint sowas wie die Inkreisfigur in einem sehr weiten Freundeskreis zu sein, ein Freundeskreis, wie man ihn sich bei einem Installateur nicht jetzt so ohne weiteres erwarten würde. Dieser Zirkel reicht weit über seine genuine Wirkungsstätte (unweit Krems, NÖ) hinaus, etwa nach Solothurn und Basel (CH), Klagenfurt, Wien (A) – und eben bis nach Essen (D): Die Leiterin der geologischen Sammlung des Ruhr Museums ist auch darunter.

https://pictures.tvinfo.net/pictures/81/d9/a4/a6/73/da/e1/69/e0/ba/a3/82/5d/df/7d/cc/large_zdi_170508_1245_234e8140_expedition_deutschland__1_.jpg

»Ulrike Stottrop vom Ruhrmuseum Essen – Zeche Zollverein. Der Industriekomplex galt einst als ›schönste Zeche der Welt‹. Heute freut sich Ulrike Stottrop über die Natur, die das Gelände langsam zurückerobert.«
Aus: Expedition Deutschland – Eine Zeitreise durch 500 Millionen Jahre (D, 2013), Folge 1, gesendet am 8.5.2017 auf ZDFinfo.

Wir lernten uns allerdings auf einer alpinen Hütte kennen, konkret der am Türnitzer Höger, Mitte Juni 2017. Dass ich mein Wunderhorn dabeihatte, war – bei aller Schlepperei – von Vorteil: Es gibt immer wieder unerwartete und so nicht erkennbare Auditions; man mag nicht glauben, wo überall sonst noch.

https://img.oastatic.com/img2/7105506/max/tuernitzer-huette.jpg

Der Rest wird Geschichte gewesen sein (wie sich das bei einem Museum gehört).

PS: Übers Konzert auf der Türnitzer Hütte (1.372m ü. d. adriat. Meere) wird auch noch ankündigenderweise zu berichten sein, wenn es Zeit ist: Manches läuft eben wie beim Carambol, zumindest über drei Banden.

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Mittwoch, 29. November 2017, 20.00
Wien (A)
, Musikverein, Gläserner Saal
Höllenvisionen
Michael Köhlmeier, Erzähler
Leonhard Paul & Bertl Mütter, Posaunen, Mut- und Wunderhorn

http://s1.wohintipp.at/uploads/events/transformed/153084-116515-7.jpg?v=2

Einmal schon sind Köhlmeier, Mütter & Paul in die unteren Bereiche hinabgestiegen, wie sie 2016 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen gemeinsam »Aeneas oder Die Kunst der Flucht« gestaltet haben. Was man über die Musik der beiden Mehr-als-Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter hernach geschrieben hat, können Sie hier lesen.

http://www.muetter.at/cms/uploads/RTEmagicC_3c8fc15be8.jpg.jpg

Von jeher ist die Posaune den chthonischen Regionen zugeordnet. Geht es um die Letzten Dinge, schweigt die hell strahlende Trompete*; von Monteverdi über Mozart, Schubert, Berlioz, Bruckner, Mahler und Schostakowitsch bis zur Gegenwart greift die Posaune ins final-eschatologische Geschehen ein. Und zugleich gilt sie als das himmlische Instrument schlechthin (sehen wir von Harfe und Celesta ab): Was wäre also eine Apokalypse ohne Posaune?, und die Mauern von Jericho wären wohl vor einem Blockflötenensemble eher nicht eingestürzt – was jetzt bitte nichts gegen die Blockflöte sagen will, sei sie allein geblasen oder im Consort.
Leonhard Paul und Bertl Mütter, diese beiden Posaunenpoeten, erzählen Unerhörtes mit ihren nicht zufällig Mut- und Wunderhorn genannten kommunizierenden Gefäßen: In ihren Posaunen wohnt fürwahr sowas wie zärtliche Wucht.

http://static6.swp-plus.de/storage/scl/import/swp-beta-import/bietigheim/lokales/ludwigsburg/print/2335025_t1w600h392q90v22092_swp-8662603_16595451_01_3005_LUBU_aeneas_4C_1055765876.jpg?version=1464589449
© Richard Dannenmann, Südwestpresse

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* Allerdings: In der gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidentialperiode hat dies eine prekäre Verschiebung erfahren, sodass die Trompete (engl.: trumpet) – hoffentlich kurzfristig – gewissermaßen über so etwas wie apokalyptische Kernkompetenz verfügt. Nicht nur Posaunisten sind vom Bestreben getrieben, dieses einigermaßen verantwortungsvolle Amt wieder in erfahreneren Händen geborgen und von besonneneren Lippen in aller Sonorität ausgeübt zu wissen.
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… Höllenvisionsvorfreude!

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