lauter leiser lärm!

ein staunkonzert vum bertl mütter

(siehe dazu auch den artikel im bereich „solo”, dort gibt es ein paar schöne bilder)

was so eine blechposaune alles erzählen kann.

bertl mütter kann nämlich mit seiner posaune so laut spielen wie ein startendes flugzeug und so leise schnurren wie eine katze auf der ofenbank, er wurlt so schnell wie ameisen vor dem gewitter oder zieht töne aus seinem blechrohr, die kommen langsamer daher als ein faultier, das sich kratzt.

stimmt das wirklich? wie macht der das? und: darf der denn das?

hernach, das kann garantiert werden, wissen alle, dass man eine posaune am besten mit pril mit soda-effekt wäscht. möglicherweise auch, dass man das putzerl für die posaune im musikgeschäft am einfachsten erhält, indem man nach einem putzerl für die posaune verlangt. vom plunger, diesem gummisaugnapf, wo man den herkriegt, erzähle ich nicht, und auch nicht, was man alles damit machen könnte (ob man es darf?!).

wer aber aufpasst, weiß es ohnehin, hernach.

Nach oben

ein erlebnisbericht, erzählt im clarino.print, april 2009

Nach oben

(eine stimme)

„… da kommt auf einmal ein mann daher, mit einem hut, und er hat so eine lange schwarze schachtel auf dem buckel, rucksack ist das aber keiner. die ganze zeit tut er so komisch mit den lippen, wie ein moped oder wie ein staubsauger, und so geht er auf und ab. dazu fuchtelt er wild herum mit seiner hand, hin und her, her und hin. vielleicht klingt sein lippengebrumm auch wie eine feuerwehrsirene oder eine fette fleischfliege, ich weiß nicht.
dann stellt er endlich seine schachtel ab, zieht seinen mantel aus – und zieht ihn der schachtel an, er setzt ihr auch den hut auf! und wieder, immer nervöser geht er auf und ab, sägt mit der hand und hummelbrummt mit den lippen. da fällt ihm was ein: er zieht den mantel wieder an, setzt auch den hut wieder auf und legt die schachtel um, ganz langsam öffnet er den reißverschluss – das klingt fast so, wie sein lippensurren – und klappt sie behutsam auf. er lässt uns aber nicht hineinschauen, sondern er nimmt nur so ein komisches rohr heraus, aus metall, mit einem schwarzen trichter, den schiebt er nach oben und macht ihn fest, dann fährt er mit der hand in ein loch und hat ein kleines metallröhrl in der hand, er kippt es und es werden drei!, die er bei dem größeren rohr hineinsteckt. dann dreht er das große rohr wieder und es wird länger, dann nimmt er eine schraube und eine flügelmutter, steckt sie durch das rohr und stellt das ganze ding auf den boden. wozu das gut sein soll, kann ich mir aber noch nicht recht vorstellen.
jetzt geht er wieder zur schachtel, die liegt noch da, und er nimmt einen schwarzen sack heraus, in dem ein blechding eingepackt ist, mit einem großen trichter, den sieht man schon, und er stellt es auf das andere ding, das er zuerst zusammengebaut hat (ein ständer ist das also!). leider nimmt er aber den schwarzen samtsack nicht herunter, sodass wir nicht sehen können, was das wirklich ist. wieder geht er zur schachtel hinüber und nimmt diesmal einen metallenen bogen heraus, so ein gebogenes rohr, an dem er so herumzieht, hin und her, und es wird länger und kürzer, man kann es ineinander verschieben, hin und her, ganz schnell, es geht ganz leicht. er schraubt das eine rohr in den anderen teil, der auf dem ständer steht und schaut recht glücklich aus damit.
dann sucht er noch was, oben, bei dem zugrohr, es kommt ihm eine idee und er nestelt ein säckchen aus der schachtel und nimmt aus einem plastikding, das er aufschraubt, wieder so ein metallenes stück heraus, das steckt er auf das instrument, von dem er – endlich – mit einer geste wie ein zauberer auch den schwarzen sack hochhebt. und der will doch tatsächlich, dass wir ihm dafür applaudieren, dabei hat er noch gar nichts gescheites gespielt. und das tut er auch jetzt noch nicht, weil er wieder den koffer zumachen muss. langsam und behutsam stellt er ihn auf, zieht wieder seinen mantel aus und dem koffer an, er setzt ihm auch wieder den hut auf.
dann aber geht er endlich zum instrument, er nimmt es in die hand und führt es zum mund, holt tief luft – und auf einmal graust ihm ganz fürchterlich, weil es aus dem mundstück so herausstinkt, wäääh. immer wieder schnüffelt er und es riecht aber nicht besser, igittigitt. er denkt nach und schließlich fällt ihm auch was ein – und weg ist er, einfach weg von der bühne und lässt uns allein mit dem stinkenden trumm.
nach einer zeit kommt er doch wieder, mit zwei kübeln in der hand, die stellt er auf den boden. jetzt schraubt er das zeug wieder auseinander, nimmt das dünne rohr in die eine hand, und aus dem einen kübel nimmt er ein geschirrspülmittel, mit einer zitrone drauf, daran riecht er und ist zufrieden mit dem geruch, er setzt es an und lässt ein paar tropfen durchs mundstück, das ihm jetzt als trichter dient, in den zug rinnen. dann schüttet er wasser nach, bis es übergeht, so eine pritschelei. er nimmt eine lange dünne bürste, nein, vorher noch eine ganz eine klitzekleine, mit der putzt er das mundstück aus, er spült es durch und macht dann – durchs mundstück – wieder diese komischen motorsägegeräusche, jetzt sind sie ein bissl lauter als vorher ohne mundstück. dann nimmt er aus dem kübel so ein langes, ganz ein schlangenlanges ding mit einer kleinen weißen bürste an jedem ende, das steckt er ins rohr, immer tiefer, bis es am anderen ende mit viel schaum herauskommt, wie ein rauchfangkehrer, halt mit wasser und ohne russ, er tut ein bisschen blödeln, hält den daumen auf das eine ende und schiebt den zug zusammen, sodass es voll herausspritzt, wie ein springbrunnen, sehr lustig. dann zerlegt er alles noch weiter, putzt alle rohre aus und spült alles sauber, sodass kein schaum mehr drinnen bleibt. er schnüffelt noch einmal und kann gar nicht aufhören zu schnuppern, so gut riecht das jetzt. ist aber auch zeit geworden.
jetzt holt er aus dem sackerl, aus dem er vorher das mundstück herausgenommen hat, so einen tiegel mit weißer creme, die tut er ganz vorn auf das innere rohr drauf, verteilt sie gleichmäßig, und was er zuviel auf dem finger hat, gibt er wieder in den tiegel zurück. dann steckt er das äußere stück drüber, aber nur ein rohr, nicht beide (das ist ein bisschen schwer vorzustellen, wenn du es nicht gesehen hast), und er verschmiert alles, dazu macht er so gatschige schmatzgeräusche, oder ist es das instrument, das so tut? naja, jedenfalls macht er das gleiche mit der anderen seite, aber er ist noch immer nicht fertig, weil er jetzt auch noch auf die gleichen stellen jeweils einen tropfen von so einem öl tut, wieder verteilen, das kennen wir schon. dann holt er eine kleine sprayflasche heraus und besprüht damit das ganze, auch in die luft pumpt er den feinen sprühnebel und stellt sich drunter, das kann also nicht schädlich sein.
der zug ist jetzt also geputzt, geschmiert und zusammengebaut. und wirklich, jetzt geht er wie geschmiert, haha, sogar so gut, dass er allein mit der luft das ding hin und her blasen und saugen kann, wie der das genau macht, hab ich so schnell nicht herausgefunden. jetzt steckt er wieder alles zusammen, verschraubt es, auch das mundstück ist drauf und es kann losgehen.
ist aber echt zeit geworden. wer jetzt aber höher, tiefer, schneller, kürzer, lauter, leiser und länger spielen hat können, er oder wir kinder, das musst du dir selbst anhören. du wirst sehr erstaunt sein, wie leise das geht, stell dir vor, das schnurren von einem kater ist nicht leiser. mehr aber verrate ich dir jetzt nicht.
achja, am schluss hat er kurz auch was gesagt: das ist meine posaune, die hält mich bei laune. sehr witzig. und wir sollen nur ja nicht auf die idee kommen, so etwas selber spielen zu wollen, weil das sei viel zu lustig für uns.
aber hineinblasen will ich schon wieder einmal …”

(eine andere stimme)

„… also erfahren haben wir da gar nichts, der ist nur auf die bühne gekommen und hat blöd herumgetan, und es hat elendslang gedauert, bis er endlich zu spielen angefangen hat, weil er zuerst noch seine posaune – eine mit quartventil und, das hab ich noch nie gesehen, mit ferngesteuerter wasserklappe – hat waschen müssen. kann der das nicht vorher machen? und geglänzt hat sie auch nicht, wie es sich gehört. naja, wahrscheinlich kann er sich keine ordentliche leisten. wie er dann gespielt hat, hat er nur blöd herumgetan, hoch, tief, laut, leise, schnell und so, ich glaub, der kann gar nicht ordentlich spielen, keine berühmte stelle wie das tuba mirum oder den bolero hat er uns vorgespielt, wahrscheinlich kann er das gar nicht, auch kein lohengrin oder walkürenritt, nichts gescheites halt. dass der davon leben kann. naja, kann er wahrscheinlich eh nicht, weil sonst hätte er ja eine saubere, lackierte posaune, nicht eine, die so alt aussieht. gelernt haben wir gar nichts, dass die posaune aus messing ist, wie lange das rohr ist, welche bohrung er spielt, welches mundrohr, welche zahnstellung die richtige ist (kann man auch mit meiner zahnspange spielen?), dass es vier verschiedene züge gibt (innerer innenzug, äußerer innenzug, innerer außenzug, äußerer außenzug), kein wort dazu vom schuh, nicht einmal das quartventil hat er erklärt, kein wort, in welchem orchester er spielt und wo und bei wem er studiert hat (hat der studiert?). immerhin verblüffend, wie leise der spielen konnte, aber das war sicherlich ein trick von ihm. gut, dass ich mich so gut auskenne, sonst wärs schad um die zeit gewesen. den nicht so gescheiten hats aber spaß gemacht, geschrien haben die (selbst die von meiner klasse, mit vierzehn!), und, das muss ich schon zugeben, dass einer alleine mehrstimmig blasen kann (es war die charakteristische kadenz von der egmont-ouverture), das habe ich doch nicht gewusst. aber was kann man schon damit anfangen, wenn man das zusammenbringt. – naja, es ist halt schon besser, wenn man ein instrument so ordentlich lernt und sich so gut auskennt wie ich.
wie hat der geheißen? mütter? muss ich googeln.”

Nach oben

soviel also zu lauter leiser lärm!, dem staunkonzert für neugierige und allzu gescheite kinder.

Nach oben

und jetzt blas aber ich!

Nach oben

muetter.at
muetter.at
muetter.at