schubert:winterreise:mütter

Bertl Mütter
Posaune, Stimme, Euphonium, Muschelhorn, NachKomposition

meine destillation der winterreise, genau in dieser reihenfolge: schubert:winterreise:mütter.

„Ich bin kein im klassischen Sinn ausgebildeter und agierender Vokalist. Posaune und Euphonium sind zu Körperteilen geworden. Ich antworte dem Ruf von Schuberts Musik und Müllers kraftlosem Helden mit meinen heutigen, sehr persönlichen, vielleicht auch verstörenden Sprachen. Im Idealfall ohne Scheu, Hemmungen oder vorauseilende Selbstzensur. Es ist meine mir mögliche und notwendige Hommage an die Winterreise, Schubert, Müller, Patzak, Louis Armstrong, Hotter, Prégardien, Hampson, Quasthoff, Fischer-Dieskau, Chet Baker, Wunderlich...”


nachtrag (vorweg)

(1) „Die Krähen behaupten, eine einzige Krähe könne den Himmel zerstören. Das ist zweifellos, beweist aber nichts gegen den Himmel, denn Himmel bedeutet eben: Unmöglichkeit von Krähen.” (Franz Kafka)

(2) Die Posaune ist ein himmlisches Instrument. Sie verschafft aber auch und vor allem der Unterwelt Gehör.

(3) Den Wiener Schubert können wir uns nicht in München oder Zürich vorstellen.

(4) Der Himmel in Wien hängt voller Geigen.

(5) Im Winter, schätzt man, leben in Wien etwa 300.000 Saatkrähen.


(hören)

8. februar 2009, romanshorn (ch), klangreich alte kirche

http://www.klangreich.ch/archiv/rezens_winterreise.jpg

hier finden sie, wie es im konzert sein kann: die letzte phase (nummer 17 bis 24), pur und ungeschönt. herzlichen dank an christian brühwiler.

17 IMDORFE S:W:M

etwas langsam.
sempre trrrrr, rauh! (der dämpfer als maulkorb für die bellenden hunde, sicher ist sicher – knurren werden sie erst bei nr.24.)

18 DERSTUERMISCHEMORGEN S:W:M

ziemlich geschwind, doch kräftig.
durchaus fröstelnd, händereiben zum wärmen am feuer. gesang immer undeutlich, rau und ungenau.

19 TAEUSCHUNG S:W:M

etwas geschwind.
sempre falsetto, geschlechtslos, künstliches dauerlächeln. im mollteil in die hand singen, bei der modulation zurück aus der hand. letzter ton gebrochen multiphon (wie später die ganze nr.23).

20 WEGWEISER S:W:M

mäßig.
durteil zurücklehnend, wie eine marschkapelle beim kondukt, breit. beim multiphonen schlussteil text durchs instrument andeuten.

21 WIRTSHAUS S:W:M

sehr langsam.
bin matt. das ist ein choral am offenen grab.

22 MUT S:W:M

ziemlich geschwind, kräftig.
so schnell & wild wie möglich, durchaus schlampigst. noch wilder, hetzen! wenn der letzte ton auf der knatterposaune sauber gespielt werden konnte, wurde zuvor zu wenig gerotzt!

23 NEBENSONNEN S:W:M

nicht zu langsam.
lamentoso. poco rubato. gebrochene kopfstimme. der text kann durchaus unverständlich (quasi nach innen gesagt) sein. die textlosen phrasen sollen dargebracht werden, als wolle man das klavier (sich selbst oder dem publikum) imaginieren. intonationsschwankungen (sinken) sind erlaubt bzw. erwünscht.

24 LEIERMANN S:W:M

etwas langsam.
text durchs instrument singen, immer regelmäßig, klavierphrasen beiläufig. am schluss ausatmen, ins weiße rauschen.

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© 2009 bertl mütter | nur für den privaten gebrauch


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