bertl mütter solo


http://muetter.at/cms/fileadmin/user_upload/pix500px/bertl/121014_CZ21623_zac.jpg
 
Also ganz aus der Nähe  

Wenn es ein gewöhnliches Flötenspiel gewesen wäre, würden wir wahrscheinlich bald weiter gegangen sein; denn es ist nichts seltenes, dass man auch noch spät in der Nacht aus irgend einem Hause unserer Stadt Musik hört; aber das Flötenspiel war so sonderbar, dass wir länger stehen blieben. Es war nicht ein ausgezeichnetes Spiel, es war nicht ganz stümperhaft, aber was die Aufmerksamkeit so erregte, war, dass es von allem abwich, was man gewöhnlich Musik nennt, und wie man sie lernt. Es hatte keine uns bekannte Weise zum Gegenstande, wahrscheinlich sprach der Spieler seine eigenen Gedanken aus, und wenn es auch nicht seine eigenen Gedanken waren, so gab er doch jedenfalls so viel hinzu, dass man es als solche betrachten konnte. Was am meisten reizte, war, dass, wenn er einen Gang angenommen und das Ohr verleitet hatte, mit zu gehen, immer etwas anderes kam, als was man erwartete, und das Recht hatte, zu erwarten, so dass man stets von vorne anfangen und mitgehen musste, und endlich in eine Verwirrung geriet, die man beinahe irrsinnig hätte nennen können. 
Adalbert Stifter, Turmalin (1853)

oder

Hörend möchte ich das zu Hörende stenografieren, um es zu wissen. Die Verbindungen und Verwandtschaften zwischen den langen Tönen und dem rhythmischen Trappeln, Laufen ... zu schnell vergänglich ist es, dieses zu Hörende. Übersetzen möchte ich es können in ein erinnerndes Hören, das im Hirn haftet, nicht als Erinnerung oder als Befindlichkeit, sondern als das, das es ist: Töne. Sprache. Dorthin, wo man meint, daheim zu sein. Wenn es dann da ist, sehnt man sich auf der Stelle zurück. Möchte hören, das eben verklungene. Nochmal. Aber es wiederholt sich nicht. Nicht so. Grausam ist das und heilsam. Es zwingt in Sanftheit zur Konzentration auf das Seiende, im Moment Geschehende.
Michaela Haibl, 2007

oderaber

Wer, unter dem Vorwand, einem Publikum verständlich bleiben zu wollen, sich vor unbedingter persönlicher Authentizität drückt, verscheucht jeglichen Zauber.
Ein verzaubertes Publikum aber versteht und erträgt nur das Pure.
B.M., 2006

oderauch

Man muss das machen, was man machen muss, und alles andere ist ja Lüge … und Opportunismus.
Gert Jonke, etwa 2005

oderaberauch

Wer allein in der Badewanne singt, hört innerlich das ganze Orchester, kein Instrument geht ihm ab; meine Badewanne steht auf der Bühne, ein sehr intimer Vorgang.
B.M., vor 2000
  

http://muetter.at/pix/pix300/b_tb_blau050315MS300.jpg

Dieses Bild gibt (entgegen dem Stifterzitat) keinen Hinweis auf ein Flötenspiel, und ich stehe, unbebadewannt (oder heißt's unbadebewannt?), in einer Konzerthöhle. Aber es geht um ebendenselben Zauber, den ich mit Begeisterung bis zu jenem beglückenden Irrsinn weitertragen will.
  

Nach oben

muetter.at
muetter.at
muetter.at