morendo vivace – vivace morendo (2015)

  
für Posaune, Basstrompete und Stimme
von Bertl Mütter

Dauer: ca. 33 Minuten

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Der große Henning Mankell ist am 5. Oktober 2015 gestorben. Seinen allerletzten, postum veröffentlichten Text schließt er mit Per Olov Enquist: «Eines Tages werden wir sterben. Aber an allen anderen Tagen werden wir leben.»

So will ich mein bescheidenes Werk also Mankells Angedenken widmen.

Uraufgeführt wurde mvvm am 9. Oktober 2015 im Nationalpark Besucherzentrum Ennstal zur Ausstellung «Herwig Zens: Leben & Tod – Tod & Leben. Malerei & Grafik», komponiert habe ich es jedoch – bei dem Thema – keinesfalls lediglich dafür.

Die Komposition von mvvm wurde vom Land Oberösterreich (Institut für Kunst und Volkskultur) gefördert. DANKE.


chronophob – Dieser nabokovsche Lichtspalt
Nachtigall – Rose
Dieses Ticken wieder!
ex BWV82
Kondukt
mutich!
zwielichtig
Ein Gleiches / Ruh’
Wetterbraus’
Dieser berühmte FINALE Tunnel (ins Licht?)

Encore


Alle Welt wird sterben – außer Ihnen und mir. Dieser Grundgedanke ist durch die Notwendigkeit der Existenz gerechtfertigt: Wir wären nicht lebensfähig, es würde uns zerfetzen. Aber es gibt sie, naturgemäß, die qualitative Entropie des menschlichen Werdens, einem Streben zum Sterben hin. Denn das, was nicht stirbt, lebt nicht. Hat zuvor nicht gelebt. Kann zuvor gar nicht gelebt haben.

«Alles was ist, endet.» (Erda, in: Das Rheingold)

Deshalb also: So What?

Oder:

«You know, you come from nothing – you're going back to nothing. 

What have you lost? Nothing!»*

Quia absurdum: Ich weiß, dass ich sterben werde, aber ich glaube es nicht…

(Weitere Details werden folgen; allerdings sehr individuell)
__________________________________
* Eric Idle: Always Look On The Bright Side Of Life. Wir erinnern uns: Es handelt sich um die eben kollektiv (laut Drehbuch: 140; im Bild: lediglich 23) erlittene Kreuzigung, angesichts derer ein Kreuzesnachbar (Eric Idle) Brian (Graham Chapman) vergnügt-subversiv Mut zuspricht. (Monty Python’s Life Of Brian, 1979)

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mvvm erscheint drehbuchartig, mit in ihrer Präzision der jeweiligen Situation angemessenen Angaben, mal in bei Musikstücken allgemein vertrauter Notenschrift, mal als Regieanweisungen geäußert werden. Zeitangaben stehen nur dort, wo es besondere Umstände verlangen, die Dauer und Proportion der Teile zueinander wird sich letztlich erst aus der konkreten Aufführungssituation ergeben; ausdrücklich ermutigen will ich auch zum spontanen Abweichen vom Manuskript.

Wesentlich für mvvm sind ausgewählte Texte: assoziative, zu sprechende, je nachdem. In aller Regel ist die Art des Vortrags angegeben. Wo ein Text kursiv eingeschrieben steht, ist er dem jeweiligen Klangmaterial als zu bedenkender Hintergrund zugeordnet, wird also weder gesprochen noch gesungen. Dabei ist er mal silbengenau unterlegt, teilweise dient er lediglich als Assoziationshilfe, zur Pegelsetzung.

mvvm ist ein Wechselspiel beständigen Vergehens (morendo), zwischen dem etwas auflebt (vivace). Demgemäß wechseln sich Teile mit dem Präfix M und solche mit V ab. Am Schluss steht ein halboffenes Ende. mvvm ist nämlich so eklektisch wie das Leben. Jedes Leben ist doch grundsätzlich eklektisch: Wir leben nach, allerdings jede/r für sich, und das ist das Neue. Da ist nichts banal. Und alles.

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Appendix (S. 12–19)

Einem vielfach gehegten Wunsche nachkommend, werden in mvvm oftmals lediglich fetzenhaft oder als interne Anspielungen verwendete Materialien hier, soweit mir dies relevant erscheint, in ihrer vollen Länge zitiert. Auch biete ich Erläuterungen zu ausgewählten dramaturgischen Situationen, etwa dort, wo ich found footage einwebe. Anspruch auf Vollständigkeit der Darstellung (oder Ausdeutung gar) kann ich grundsätzlich keinen erheben; vielleicht führe ich auch (bewusst?) in die Irre.

Das Leben ist eo ipso als fragmentarisch zu akzeptieren.

Genug.


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Wenn Sie sich für das Manuskript von mvvm interessieren, so schicke ich Ihnen gerne ein .pdf-Dokument zur unverbindlichen Ansicht. Email genügt.

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muetter.at
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