düdt [tilt] (2013)

  
für Akkordeonduo                                                       (Dauer: gut 15 Minuten)

DÜDT (ein Akrostichon: Dialog über die Tumbheit) ist ein musikalisches Laboratorium über die Dummheit bzw. Torheit. Man spricht es ident aus wie [tilt] in Oberösterreich.

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1  auftritt: flimmern – erinnern – signieren
2  klopfen – schlagen – kreiseln
3  eulenspie(ge)l
4  etüde
5  lustig, durstig
6  selbstvergessen da
(ende als antwort mit integrierter frage o. u.)


DÜDTsein, das ist eine zentrale menschliche Verfasstheit. Als Halbwüchsige haben wir, wenn wir etwas duselig draufwaren, gesagt: „Ma, i bin heit’ gånz düdt.” Wollte man ein derartig temporäres (aber auch allgemeines) Nichtganzverfügen über die basalen geistig-körperlichen Fähigkeiten einem Anderen unterstellen, fragte man diesen, herausfordernd provokant: „Nau, is wås, bist leicht düdt?”

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Mich hat man das oft gefragt, und da ich – nicht aus protohumanistischer Gesinnung, sondern im pragmatischen Wissen um meine Unterlegenheit beim Kätschn – in solchen Dingen nicht völlig blöd war, habe ich dem stets eilfertig beigepflichtet, mit Witz (schlagfertig) allerdings, wobei es darum ging, den Spott genau so zu dosieren, dass die Provokation dem meist etwas tumben, dafür umso aggressionsbereiteren (schlagfertigeren) Fragesteller gerade nicht auffiel. Weil das hätte umso ärgere Schläge bedeutet. – Was für eine Lust!

DÜDT [tilt] ist eine – grob unvollständige – Abfolge von Übungen und Situationen, die jeweils unter Aufbringung gewisser Anstrengungen wiewohl größter Pfiffigkeit bis an ein stets anders sich darstellendes non plus ultra [ad absurdum] geführt werden sollen. Es ist doch so: Irgendwann wird selbst der gröbst gefederte Flipperautomat tilt.

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(Bei der legendären Raumpatrouille Orion hieß der dem entsprechende Notbefehl: Rücksturz zur Erde!)

DÜDT [tilt] ist deskriptiv komponiert: Anstatt alles auszunotieren und das Ergebnis präskriptiv bis ins Detail festzulegen, bevorzuge ich, wenn die Interpret*inn*en das in der Partitur präsentierte, teilweise auf anderes referierende Material1 und die gewünschten Intensitätspegel auf eine ihnen gemäße Weise umsetzen. Das verlangt ein hohes Maß des Verstehens und der persönlichen Kreativität; umgekehrt birgt das Werk keinerlei spieltechnische Hürden. Als lebender (lebendiger) Komponist biete ich – und leiste mir – den Luxus, mich in die Erarbeitung dieses Werkes hineinzureklamieren. Somit kann DÜDT [tilt] stets in größtmöglicher, auch augenblicksbezogener Authentizität aufgeführt werden. Vielleicht bildet sich so eine Tradition heraus, wie mit Werken von mir umgegangen werden kann. Ich wünsche mir: neugierig!

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1 DÜDT [tilt] ist eine kommentierte Komposition. Die jeweiligen Referenzen (u.a. Wagner, Schubert, Jandl) sind in Fußnoten angeführt (mit Quellenangabe).

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DÜDT [tilt] – Beipacktext 2

Ich kann mich gut erinnern, wie empört ich war, als ich mir, in der späteren Pubertät, das erste Mal die Bedeutung des Begriffs Reinkarnation herleitete: Nicht Rein-Karnation (sauber sei der Mensch! – das leuchtete beim hormonell bedingt notwendigen Erlernen der Kulturtechnik des Desodorierens ein), nein: Re-Inkarnation! Noch einmal (was heißt da bitte einmal!?) also all die Mühen, um auch nur annähernd den aktuellen Ausbildungs- und Bewusstseinsstand zu erlangen! Das postulierte bzw. behauptete integrierte völlige Vergessen des bzw. der Vorleben (eine heutige Analogie wäre die rückstandsfrei gelöschte Festplatte) konnte da kein Trost sein: Wenn man es im aktuellen Leben weiß, dass es so kommen muss, dass man noch einmal, zweimal, hunderttausendmal alles von vorne erlernen muss, wozu sich bitteschön abmühen? Es ist doch alles so vergeblich! Hätte ich nur einen Bruchteil der Mühen geahnt, mit denen mich das Leben zuverlässig versorgt, ich hätte versucht, meine eigene Zeugung zu verhindern! Und überhaupt: Was für eine arrogante Anmaßung dieser vorgeblich Wissenden! Warum mussten die nicht ihrerseits dieses Kreiselsystem vergessen? Oder durften sie nicht? Wer oder was hebt sie derart empor? Sollte – horribile dictu – dieses Wissen der Wahrheit entsprechen, warum haben sie nicht ihren Mund halten können? Pubertieren ist schließlich auch ohne Reinkarnationsnöte schon anstrengend genug! (…)

Es sind aber nicht nur die Mühen, sondern auch die Freuden, die das Leben bereithält, über die wir besser nicht im voraus bescheid wissen mögen: Die daraus resultierende Erwartung würde uns zerfetzen. Eine gesunde Naïvität (wieder so ein Begriff mit einem Nichtdiphtong – deshalb ï) schützt uns vor allzuvielen derartigen Spekulationen. In DÜDT [tilt] lasse ich unter anderem Eulenimitatoren sowie zwei der größten Toren (nicht nur) Richard Wagners vorbeischauen, Parsifal (der Reine Tor) und den unschuldigen Narren Siegfried, Projektion Wotanschen Selbstbetrugs (man kann schon einmal ein Auge zudrücken, und wenn man nur mehr eines hat: umso besser!).

Für sämtliche herbeizitierten Wesen und Weisen gilt, dass sie bzw. das sie darstellende Material (Musik- und Textzitate) dadurch gewissermaßen ihre Aufladung ins Stück hineinbringen. Für ein – grundsätzlich unerreichbares – Hörverständnis des Publikums ist ein Vorauswissen dieses Materials nicht von Belang: Wer eine Perikope erkennt, möge sich still daran erfreuen; es ist aber nicht nötig.

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Bertl Mütter, 17. Mai 2013 – am Bild mit Tüte: Cáorle, 1. April 2013 (Ostermontag)

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die ersten Aufführungen

Donnerstag, 23. Mai 2013
Wien (A), Villa Gnad
Samstag, 25. Mai 2013

Gols (A)
, Weingut Anita und Hans Nittnaus
Paul Schuberth & Atanas Dinovski, Akkordeon

Es hat, beide Male, sehr gut geklungen und die Aufführungen sind auch tatsächlich gut gelungen: Phantastische Akkordeonisten, wirklich wahr! – DANKE.

Da der veranstaltende Verein AMBITUS (Außergewöhnliche Musik bedarf Initiative, Technik und Salär) sicher nicht ohne Grund die legendäre Ansage der The Who, nämlich „We don’t follow trends … we set them …” auf seinem Banner trägt, wird man sicherlich bald dazu übergehen, Konzertankündigungen auch bereits im vorhinein auf der einschlägigen Homepage zu veröffentlichen.


Aus der Vorrede zur Uraufführung am 23. Mai 2013

(hier handelt es sich um ein schonungslos unbegradigtes Stammeltranskript)

(fade in)
… und es ist jetzt anders gekommen und umso zusätzlich … eine zusätzliche Freude ist noch, dass ich mit Atanas und Paul hier arbeiten … a … aa … durfte … und jetzt erzähl’ ich a klaans bissl über das Stück: Das Stück heißt DÜDT oder, in eckiger Klammer geschrieben, [tilt]. In Oberösterreich … ey … könnte DÜDT ähnlich ausg’sprochen werden wie DÜDT, also DÜDT (tilt, Anm.) wie beim, ah, wenn ma’ beim Flipperspielen zum Beispiel, na, dann ist er DÜDT (tilt, Anm.), na?, oder man ist selber a wenig DÜDT drauf, das sagt man in Oberösterreich so: „I waaß ned, i bin heit so DÜDT” – na?, also so, so bissl, net gånz eh … a … a … auf der Spur, also so ein wenig dizzy (haaßt’s glaub i im Englischen), oder daasmi … ist auch so ein onomatopoetisch geeignetes Wort dafür – und – lezei (unverständlich, Anm.) ist aber natürlich ein Akrostichon und heißt so was ähnliches wie „Das über die Tumbheit” oder „Das über die Torheit”, und da schließt sich womöglich der Kreis, dass wir dann auch wieder irgendwie DÜDT – aah … (Gelächter) … Es ist eine Abfolge von … von … aah, wie soll man sagen … von Übungen und Versuchen, laboratorischen, über Aspekte der Dummheit, wobei vielleicht auch ein zentraler Aspekt … aah … sich über Dummheit … ah zu … Gedanken zu machen sein kann, dass man im sich darüber Gedanken Machen man versucht, sich über was zu erheben, was dann nur umso größerer Ausdruck genau dieser Dummheit … ah … sein könnte … ah … ich hab, es ist ha(lt) irgendwo auch einer … einer gewissen Wissenschaftlichkeit auch … ah … ah … verhaftet, das heißt, wenn man es durch den Plagiator durchlässt, dann darf man das ruhig machen, weil ich hab’ sämtliche herbeizitierten und entsprechend aufgeladenen Materialien hab’ ich mit Fußnoten belegt, also es … es kommt … es kommt … also ein Reiner Tor muss natürlich vorbeischau’n, dann muss auch … a … der … a … a … wie soll man sag’n, der … der … a … a … dieser unschuldige Narr … aah … muss auch vorbeischau’n, diese Projektion des Wotanschen Selbstbetrugs, wie man so sagen kann … a … also diese beiden großen Wagner-Narren schau’n auf irgend eine Art vorbei … wir haben auch mit Nachtigallen zu tun, Eulen kommen auch vor … ah … was kommt noch vor? … auch oft einmal diese Frage, wie komponiert man, wenn man … ah … nicht an die … an den Einfall als genialen Einfall glaubt … und dann … sag ich, eine Methode ist das Outsourcen, das ist zeitgemäß, also nicht nur in der Wirtschaft … aahm … das heißt einerseits: Ich nehme mir Material, wo das schon glaubhaft gesagt wurde und … aah … hol’s mir in einen Zusammenhang herein – das kann sein, dass man das gar nicht explizit hört, aber indem ich’s von da herhole, ist es damit aufgeladen, ja? Oder ich … ich sag’, ich verzichte jetzt einmal drauf und mach einmal, wenn ma schon ein Stück mit einem Akrostichon håbn, dann schau ich einmal, was hamma denn da für Töne? … also es hat jeder eine Signatur, die hat mit dem jeweiligen Namen zu tun, des is sehr simpl – also wir haben keinen Dimitri Schostakowitsch dabei, wir haben auch keinen Bach dabei … ah … åwa … und dann ist aber grad was übergeblieben und denk ich (unverständlich, Anm.), na was ist denn da auf der Tastatur … a … a … also auf der ich am meisten arbeite, in der Mittelreihe: a s d f g h j k l ö ä, also j k l ö ä hab’ ich ausgelassen, aber a s d f g h kommt natürlich als … als Tonmaterial gern auch immerwieder vor – und – das ganz kuriose – es löst sich dann ganz am Schluss auf: Wenn ma des in die richtige Reihenfolge bringt, kommt man auf die entscheidende aufsteigende Linie, wie sie Schubert in „Du bist die Ruh’” komponiert hat, mit diesen fünf aufeinanderfolgenden Ganztönen, das ist eigentlich magisch und es ist … da schließt sich auch wieder ein Kreis, weil oft einmal, wenn man ganz viel denkt und so weiter, dann denken sich an einem vorbei noch wesentlich interessantere Sachen, die finden dann auch … hinein. Und … ah … jå … jetzt hab’ ich eigentlich alles schon verraten, und insofern könn’ ma gleich … nein, jetzt låssma amoi spüün euch … beide … ah … jå … danke im vorhinein und … und … ah … aah viel Vergnügen, hörendes und … und staunendes … und, wås i nu dazuasåg (jetzt gib i scho a Ruah) … aah … es ist, bei meinen Stücken … meine Stücke kann man nicht so üben, dass sie sozusagen vomalemein (unverständlich, Anm.) in eine gewisse … mit einer gewissen Trefferwahrscheinlichkeit hineinfinden … (beiseite) soll i no? … gehts nu, jå? … asso … ah … jetzt håb i in Fåd’n verlor’n, goi … na, i werd’n wieder … i werd’n wieder aufnehmen – also die … des kånn gelingen oder net, weil des … då geht’s Verläufe, Pegel beschreib’ ich deskriptiv – nicht präskriptiv … des heißt … åba es wird so sein, wie’s jetz’ is’ – und dann passt’s jetzt und a ander’smal ist es so, wie’s heite wår, völlig foisch … unlängst … hab’ ich noch wopen (unverständlich, Anm.) … des hab ich dann in den Umsch … in den Umschlag hineingegeben … also dafür wird man mich dann auch noch als … äh … trauriges Mmännlein, wenn ich da eb’n auch – seitenverkehrt, was auch a Blödsinn ist, womit jeder Posaunist entsetzt ist natürlich, weil das auch so ein schönes Stereo-Instrument ist, und ich hab’ dann auch, und ich glaub, des wår bei der Rinnerten Mauer in der Nähe1 … a … a … so ein … so eine Aufschrift gesehen, wie steht’s so schön ob’n: „Druckluftapparatetafel” – ich hab’ nicht gewusst, warum ich’s photographier’, aber immerhin haben wir’s hier mit zwei Druckluftapparaten auch zu tun und … jå … nåchadånn, beim … wenn ma dann „Alles Walzer” hab’n, können wir noch weiterplaudern … DANKE!

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1 Hier irrt der Vortragende. Es war in einem Wiesel-Doppelstockwaggon der ÖBB. Das Bild wurde am 3. Mai 2013 um 15:55:19, unmittelbar vor Ankunft des R7198 in der Station Fels am Wagram, gemacht.

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Vorrede zur BEA (burgenländischen Erstaufführung) am 25. Mai 2013

… frei gehalten am Weingut Anita und Hans Nittnaus, Gols.

[Da der Sprecher des veranstaltenden Vereins AMBITUS – Gruppe für neue Musik1, Fritz Keil, zu Anbeginn des Konzerts, im Verlauf dessen auch noch Werke von Balduin Sulzer (*1932), Alexander Wagendristel (*1965), Fritz Keil (*1957) und Gunter Waldek (*1953) erstmalig im Burgenland aufgeführt wurden, angekündigt hatte, dass die anwesenden Komponisten noch ein paar kurze Worte zu ihren Werken sagen würden (O-Ton: „Die Komponisten werden dann noch ein paar kurze Worte zu ihren Werken sagen.”), war es mir als (um exakt 105 bzw., verrechnet man beide Geburtstage voll, 106 Tage jüngerem) jüngstem Komponisten vergönnt, mit meinem Stück DÜDT [tilt] das Konzert, das unter dem sprachoriginellen2 Titel „d’accord” firmierte, zu beschließen. Jedoch, wie gleich zu merken sein wird, die Vorbereitungszeit war dann doch nicht lang genug, um dem spezifischen Wunsch des Veranstalters seinem ganzen Wortsinn nach zu entsprechen. Hier also mein Versuch, vor dem burgenländischen Ersterklingen von DÜDT [tilt] in freier3 Rede ein paar kurze Worte zu meinem Werk zu sagen.]

(fade in) … so, jetzt werde ich auch genau das gleiche sagen wie vorgestern, so wie auch … aah … meine beiden wunderbaren … aah … Musiker – Interpreten – genau das gleiche spielen werden wie vorgestern … a … Interpreten, der Begriff heißt ja nichts anderes als wie, dass sie das übersetzen, wås i g’schriem håb … aa … Ich … nnotiere Musik … eher so, dass ich es beschreibe, wie i’s håm wüü und nicht vorschreibe, wie’s kli- … wie’s genau dann klingen soll, das heißt, das is oft einmal sehr verbal … aah … komponiert und beschrieben, es ist auch eine Musik, die gewissermaßen ihre eigene musikwissenschaftliche Leiste mitliefert: es sind Fußnoten drinnen, wo drinnen steht, woher das genommen ist, das Material, das ich da … verwende … uund der Titel, DÜDT[tilt], is’ ein Akrostichon, und ein Akrostichon, des is’, wenn ma die Ånfångsbuchståbm nimmt und … dazugehörige … aah … ah … Worte findet, als Kinder håmma zum Beispiel g’wusst, des woa UdSSR – unglaublich, dass solche Schweine regieren … a … KONSUM – kauft ohne nachzudenken schnell unseren Mist … aah … daun FIATfehlerhaft in allen Teilen, oder fällt in alle Teile – ich komm’ aus Steyr, zufällig, wie der Paul … aah … aber wir haben uns damals noch nicht gekannt4 … aah … (Publikum amüsiert) … uuund … (beiseite) also ich hab’ ’83 maturiert … aahm … aber am gleichen Gymnasium wie der Paul, ja?, also des is … hoidwias (unverständlich, Anm.) es wird noch verhandelt, ob das Gymnasium später einmal Paulschuberth- oder Bertlmüttergymnasium heißen wird … åba es heißt jetzt schon Be-Ge, oiso des sch–aut ssehr zu meinen Gunsten aus … um då wiederum das Akrostichon ’reinzubringen … aah … ålso fehlerhaft in allen Teilen, Steyr-FIAT, na?!, ffällt in alle Teile håd ma xogd, ADEG woa alle Deppen essn Gurkn oder Alle Dosen enthalten … Gift … aa und … mm … mm … nachdem mein Onkel in Rüsselsheim … a …  zuhause war und då beim Opl gebaut hat, haben wir nach … n’türlich auch versucht, ô für OPEL ein Akrostichon zu finden, und wie es … ich bin dann auf dieses sångmamoi radikal-abstrakte ohne Platz er lenkt gekommen, des woa radikal abstrakt, also då woa schon die Vorahnung über … a … weitere Irrwege da, dieses Stück heißt DÜDT und des is’, wenn ma ois (unverständlich, Anm.) in Oberösterreich so ned gaunz då fühlt oder bissl übernachtig is’, sågt ma: „Ma i bin heit so DÜDT”, jå, und wir håm owa dåmois nu ned g’flippat, oiso des, des mit [tilt] is’ erst nåchhea gekommen, owa des is jå ähnlich, ned … d d … irg’ndwie so DÜDT oda – daasmi is’ a so a Begriff, åba i waaß ned, ob ma den då im … Ostn kennt, wir sind übrigens auch … oiso weil … g’haßn håd, es sind sso viel tolle Osteuropäer då, wir sind einerseits ausm Osten von Oberösterreich, åndererseits sågt man zu dieser Region jå auch Mosteuropa … ah … (Gelächter) … und … ja … jå und und a, dieses [tilt], då geht’s … a … DÜDT, das hh(ei) is’ (e)inmal nach (g) Akrostichon, und es heißt soviel wie Das über die Tumb-heit oda über die Torheit, und aufgeladen, homöopathisch, is’ es mit einigen Toren … aa … die beiden wagnerschen Toren … sind drin, also dieser … a… unschuldige … a aa … Reine Tor, der sich Parsifal nennt und der … der … aa … dumme und nicht selbst seiner allzu bewusste Siegfried – die kommen vor, åwa so, dass sie drinnen sind, das haaßt, ma kauns aus de Notn außales’n, hör’n wird ma’s ned unbedingt … aa … Es kommen auch Eulen vor … daun hör’ ich schon auf, weil daun soi’n dé spüün … aa … es kommt auch ein Schubert vor, allerdings kein Paul … sondern ein Franz … aahm … gaunz am Schluss dånn … und wenn Sie woll’n und es passt nåcha oda … ff …  vvomiraus nu a bissl späda kann i des Lied alser ganze dann auf der Posaune auch vorspiel’n, de håb i mid … aah … Es kommen zwei Eulen vor, und zwar … aa . desd sind zwar in dieser Fassung die Jandl-Eulen, aber es gibt eine … eine Geschichte dazu, die ich noch erzähle, de kann ma daun mittrag’n … aa … då wår eine Agenturmeldung – der Rudi Palla håt des in einem Buch, des heißt „Lebensläufe der Narren”, hineingeschrieben … aa … von zwei Männern in einer englischen Kleinstadt, die einander über die Dauer eines Jahres gegenseitig … für Eulen gehalten haben … oiso … der aane håd a Eule g’hört und håd ihr, weil er Voglliebhåba woa, geantwortet und – ma waaß oba ned, wer ang’fangen håd … oiso und irgendwaun sind ihre beiden Ehefrauen irgendwie beim Wäschaufhängen übern Zaun oda so … (lautes Auflachen des Aufnahmeleiters, fortwährend) … håt de – håt die aane erzöhd: „Du, då is irg’ndwoasoa (må) soa Eule.” – „Jå, oba mia hean de aa, jå” – „Nau mei Mau … auntwortet ihr imma” – „Jå, meina aaa…” (Gelächter) – oijee … jå? … Und daun håm sie praktisch ein ganzes Jåhr lang diesen Eulen-Dialog aufrechterhalten und und und gegenseitig gemeint, auf der anderen Seite is’ eine Eule … jå … und … so is’ es jetz’ … und jetz’ (verschmitzt) … gemmas aun … goi, jetzt håb i ganz wås aundas xogd – (zu den Solisten) ihr spüüts ma bitte genau des gleiche … (vernuschelt, Übergang zum Stück, fade out…)

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1 ein Akrostichon: Außergewöhnliche Musik bedarf Initiative, Technik und Salär. AMBITUS trägt, vermutlich sicher nicht grundlos, die legendäre Ansage der The Who, nämlich “We don’t follow trends … we set them …“ auf seinem Banner. – Siehe: www.ambitus.at [30.5.2013]

2 … ob es sich hier um einen augenblinzelnden Seitenhieb auf den im Pädagogischen geläufigen Begriff verhaltensoriginell handelt, überlasse ich den Lesern dieser Zeilen; den Leserinnen sowieso, grundsätzlich.

3 Wie angedeutet, kann man eine solche Rede nicht gänzlich als frei bezeichnen: Einerseits, weil sie sich auf das neue (fürs Burgenland völlig neue!) Werk zu beziehen hatte, andererseits bezüglich des Auftrags, kurzwortig ans (Mund-)Werk zu gehen. (Frei – in dem Sinn, als ich keinerlei Manuskript oder Stichwortzettel in Händen hielt – war die Rede und ihr Fluss allerdings doch, irgendwie.)

4 Paul Schuberth, Akkordeon, geboren 1994 in Steyr. Erstes persönliches Treffen: Steyr, 27.2.2013, 15.30.

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Vorrede zur OÖEA von DÜDT [tilt] für Akkordeonduo am 11. Juni 2013

(… abermals ein schonungslos unbegradigtes Stammeltranskript – das ermöglicht einen gewissermaßen unmittelbaren Einblick in die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden)

So, jetzt darf ich mich auch kurz vorstellen. Ich freu mich, dass ich heute hier … a … sein darf und den phantastischen jungen Leuten – und des gilt jetz für alle, die ich da gehört habe, auch in verschiedenen Stadien, des is nur zulässig … aa … då … zuhörn durfte und und … äh … es is unglaublich inspirierend … im im Nåchhinein ärgert man sich, wenn man ein Stück für zwei Akkordeons geschrieben hat, dass man ned jetz erst ånfångt, wenn ma diese Erfahrung des Hörens auch gesammelt hat, jå, åber des is … des geht dånn immer im Kreis und dann dann iähh kånn ma’s erst wieder vergessn, weil ma is imma – so gehts em mir auch beim Komponiern, wenn ich, wåsweißich, auf Seite dreizehn bin und ich schau auf Seite eins, denkimaa, wås wår i dåmåls nu fia a dumma Mensch … also, weil diese gånzn Erkenntnisse, die in der Zwischenzeit heranwachsen jå … aa ah … plötzlich schon völlig veraltet san nur åber nur, då geht ma … im Prinzip kånn ma d(a) dauernd die Welt umrunden und und maa maa kummt eigandlich ned vom Fleck, euso es hhh is so ein Dilemma … aaa … mein Stück heißt…” – (Einwurf aus dem Publikum: „Man kann ein zweites Stück schreiben, hn?!”) – Jåå, zum Beispiel, jå, schaumaamoi, jå, von hintn … jetzt schaumaamoi wia des heite gelingt, oiso, nåjå, a bisher die Vorgåbn san relativ hoch muaßi sågn, oiso sowohl vvom Gelingen der vorherigen Stücke åls auch von den beiden Aufführungen, die ma g’håbt håm … aaa … … des Stück heißt DÜDT, des brauch i in Oberösterreich ned erklärn, wås des haaßt … euso wenn ma ssi so DÜDT fühlt, na? – du i waaß ned, i fühl mi heit so DÜDT … jå … euso in Owaösterreich glaubi brauchi oiso mmaga (unverständlich, Anm.) … es gäbe vielleicht eine zusätzliche (Erk)lärungsmöglichkeit, dass es irgendwie von [tilt], oso vom Flipper kommt, euso i bin irgndwie – åwaa i glaub, des håt zwei verschiedene Ursprünge, ich håb åba zur Sicherheit beide Namen in den Titel ‘gebn, DÜDT oda [tilt] (in eckiga Klamma), DÜDT is ållerdings … ein … Akrostichon, drum håb ich’s auch mit großn Buchstaben geschrieben … Sie wissen: Akrostichon, des is des, wås, zum Beispiel da Bach im Musicalischen Opfer über die Buchstaben … Anfangsbuchstaben von RICERCARe genommen, Regis iussu und so weita, ich weiß es nicht auswendig, åba des lernt ma ålles, wenn ma Musikgeschichte studiert oder ein bisschen … lernt, im Zuge eines Nebenfaches, eines sogenannten … (schnalzt) … aah … meines heißt Das über die Tumb-heit oder Torheit … und … aah … (schnalzt) äah … es sind vv verschiedene Aspekte der Torheit, um die’s ma geht, die ich jetzt nicht exemplifiziere in dem Sinn, aber es sind verschiedene … Übungen oda a oda laboratorische Situationen darüber … und … mmein Komponieren … passiert sehr oft … nicht auf dem, dass ich eine Impression einer Musik herüberhole, also wie wir’ss zum Beispiel … zuerst bei diesem a a agroßn a a Walzerstück gehört haben … also des … ich glaub, des wår des … des ah aah aaah aaauu From Home oder so, ålso, (zu den im Saal anwesenden Interpreten des genannten Stücks) des wår, wås ihr gespüt håbts … aa … wo also auch so eine eine es-ch– ich hab’s heute s’erste- ich hab’s zum drittenmal jetz gehört und håb’s erstemal irgndwie g’hört: Ahaa, des funktioniert auf a Årt, so ähnlich wie La Valse, jå, åwa irgendwie ånders, owa es håt damit zu tun irgndwie, jå? … aah … Mmeines funktioniert so, dass ich Mmusik hernehm’, wo das schon gesagt wurde, des heißt, des is eine Musik, die kann man durch den Plagiator lassn und man wird ganz viele Såchn findn, wobei … wenn ich amoi Unterrichtsminister oder sonstwås werdn sollte … aah … dånn håt … kånnma immerhin sång: Na, er håt eh Fußnotn gmåcht … euso es sind immer die Fußnoten, wo die jeweiligeQuelle da is … aah … (schnalzt) wenn ma Glück håm, dann spielt uns oben die Tuba wieder1 und dann hoffe ich, dass sie zweiter Akt Siegfried spielt … (Publikum amüsiert) aah … weil ma då hätt’ ma den den Wurm, der immerhin mit dem … aa … einem der beiden Haupttoren in Wagners Werk a a verbunden is’, nämlich mit dem Siegfried, der nix dafiakånn und ois zsammbringt und si vor nix fiacht … aa … aa … der kommt natürlich auch a … e … quasi explizit … vor … aa … an einer Stelle, åba wiederum so, dass a … eingekapslt is … Der åndere Große Tor natürlich Parsifal, kommt auch a  a a a mmehrmals vor, und auch da Gurnemanz, der nicht der Tor is, åber der immerhin den Toren zum Toren letztlich auch irgendwie macht und ihn ihn formt und wegschickt … mit diesem schönen unglaublichen … Rreim am Ende des ersten Aktes … aa …  wie såkta … Fort mit dir, du bist doch eben nur ein Tor … a … doch rät dir Gurnemanz – es’ immer schwer, auf Gurnemanz an Reim zu findn, na? – lass du hier künftig die Schwäne in Ruh und such dir, Beistrich, Gänser, Beistrich, die Gans! – Wunderbåra … wundabåra Reim … aah … Es kommen auch … es komm’ auch Kuckuck und Nachtigall vom Mahler kommen vor undesåbaålles irgendwie eingebaut … und und ich såg für mich is des eine eine Möglichkeit, das … Mmusikstellen schon mit einem gewissen Inhalt aufgeladen sind … euso … quasi wie in der Homöopathie … und … die kommen då hinein – ob ma’s hört oder nicht, um des geht’s ned, es is’ anfåch drinnen, jå, euso ich ich håb jetz zum Beispiel … aa … amoi … Ausschnitte aus meiner solistischen Reflexion über die Winterreise mit der Posaune in Jakarta gespielt, und die Leute håbn weder an Schubert ‘kennt noch an Winter, euso de wissen Schnee maximal, wenn’s an Fernseha håm, ausn Fernsehn … aah … und … die Leut san åwa durt drinneng’sessn und håm gread … oiso des wår irgndwie wosne (unverständlich, Anm.) des haßt, des is schon aufgeladn mit wås, då muaß man nicht dieses gån diesen ganzen Wissensballast håbn und in dem Sinn … a … hör’ i jetzt auf und wir horchn uns des anfåch ån. Danke für die Aufmerksamkeit.
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1 In den Kleinen Saal der Bruckneruniversität konnte/musste man während des Konzerts einen in einem der oberen Stockwerke des Gebäudes übenden Tubisten durchhören. (Den Wurm hat er nicht gespielt.)

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Die Komposition von DÜDT [tilt] wurde großzügig vom SKE-Fonds der austro mechana unterstützt, außerdem ist sie in Oberösterreich (…) nach Einlangen der Partitur und vorbehaltlich der Genehmigung des Herrn Landeshauptmannes Dr. Josef Pühringer für eine Landesförderung vorgemerkt (…).


DÜDT [tilt] – zur Entstehung

Drenska Yova und Andrej Serkov – als Akkordeonduo (eig.: Bajanduo) nennen sie sich DYAS – hatten mich kontaktiert, weil sie wollten, dass ich ein Stück für sie schreibe. Persönliche Treffen haben mich überzeugt, dass sie nicht nur phantastisch spielen können (das wäre lediglich die Grundgebühr), sondern dass sie in der Lage sind, meine Ideen kreativ und eigenständig umzusetzen. Nun, dann hat ihnen ihr kleiner Sohn einen temporären Strich durch die künstlerische Hochrechnung gemacht: Er brauche nämlich gegenwärtig ihre volle Aufmerksamkeit, und wer wollte da zurückstehen. Aber Drenska und Andrej haben geholfen, eine kreative Lösung des Problems zu finden. Im Fall meines Stücks bedeutet das, dass die beiden jungen und erfreulich erfolgreich aufstrebenden Akkordeonspieler Paul Schuberth und Atanas Dinovski sich seiner Ersterarbeitung annehmen wollen, und das ist allerdings ein großes Glück, und nicht nur für mich. Außerdem können wir so bei mir daheim in Steyr probieren, kurze Dienstwege, gewissermaßen.

Sobald es sich irgendwie ausgeht, werden auch DYAS mein düdtes Stück spielen, haben sie mir versprochen. — What a stroke of luck!

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