1+1+1=1 (discursus trinitatis)


ein stück im auftrag von und für philipp harnoncourt

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dimitrios polisoidis, viola
peter sigl
, violoncello
bertl mütter, posaune

domchor graz

philipp harnoncourt, drei impulse

ua 19.6.2011, dom, graz


lieber philipp harnoncourt,

ich kann ihnen erfreuliche mitteilung geben: ich habe meine besetzung gefunden. mein stück wird für drei teilgruppen sein (die natürlich miteinander amalgamiert werden).

1) chor
2) zwei streicher (dimitrios polisoidis vom klangforum – bratsche | peter sigl vom öenm – cello; beides langjährige künstlerische partner)
3) posaune (myself)

also eins, zwei und die vielheit. ich verspreche mir einen spannenden diskurs untereinander, und das publikum soll ihn möglichst unmittelbar-sinnlich mitbekommen.

http://www.stolberg-abc.de/kult/dreifalt.jpg

lieber josef döller,

(…) die technischen anforderungen werden jedenfalls leicht bewältigbar sein. mein schreiben ist mehr ein beschreiben. ich wünsche mir leute, die sich mitdenkend einzulassen trauen. dann wird es ein kreatives vergnügen.

Datei:Kempele Church Paintings 2006 07 24 C.JPG

lieber bertl,

(…) dein stück soll am 19.6. bei der abendmesse im dom zur aufführung kommen – wahrscheinlich anstelle oder im zusammenhang mit der predigt. bitte, nicht länger als 10 minuten. es bleibt dir überlassen, wo die musiker und sänger postiert werden. wenn anstelle der predigt musiziert wird, wäre es schön, wenn die vortragenden am aufgang zum presbyterium ihren platz haben.

http://de.academic.ru/pictures/dewiki/84/Trifolium_repens_07_ies.jpg

lieber philipp,

(…) jetzt fängt es schön langsam zu kribbeln an. ich glaube, ich kann bald meine ersten konkreteren schritte bei der planung meines stückes setzen. irgendwie ist es vergleichbar mit einer wolke, die auf ihrer reise angereichert wird, aufsteigt, zieht, … und irgendwann sind zeitpunkt und umstände gekommen, dass sie sich abregnen darf (erst aufs papier, dann bei der aufführung…)

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lieber philipp,

es ist so weit, keine minute zu früh! … ich bin ganz aufgeregt und werd mir wohl noch einen kleinen schluck – steirischen – whisky genehmigen…

eben ist das stück so fertig geworden (so sonnenklar auf einmal, scheinbar auf einmal), dass ich morgen die reinschrift anfertigen kann. ich glaub, es ist ein stimmiges wesen geworden, das sowohl der besetzung wie dem raum und vor allem auch der situation im gottesdienst (mit dreimalig deinen worten als denkimpulsen) gerecht werden kann. selbstverständlich werde ich ein paar einleitende gedanken oder gedankensplitter, die mir beim schreiben durch den kopf gegangen sind, gesondert notieren, und die skizzen, so wirr sie scheinen mögen, nehme ich natürlich auch mit und geb sie dir.

ich kann es kaum erwarten, gemeinsam den dom, die menschen in resonanz zu versetzen. ich freue mich, sehr!

herzliche grüße aus meiner componîrwerkstatt zu steyr,

bertl

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Drei in Einem, Einer als Drei, alles zusammen Eins, dabei verschieden aber wesensgleich: Ich bin verwirrt. Und will diese Verwirrtheit kreativ polen. Ich kann mir letztlich nur vorstellen, mir etwas Unvorstellbares vorzustellen, dann stehe ich an. Der Begriff des Erhabenen drängt ins Bild.

Oft helfen naive Assoziationen. Ich stelle mir diesen Dreiineinemgott als neuartigen Verbundstoff vor. Ein Ring aus, sagen wir: Eisen, Holz und Plastik, an drei Polen ein Material pur, außerhalb dieses (asymptotischen) Punktes aber sind immer Anteile von anderen drinnen.

Fließende Übergänge, also Glissando: Eine Posaune (so ein Zufall). Wer noch? – Streicher (Cello, Bratsche – eine Dualität). Und die Vielheit, den Chor (auch die können glissieren).

Alles lebe aber vom Potential. Wer etwas selbstverständlich kann, muss es nicht dauernd ausspielen. Es ruht in ihm.

Drei Impulsgedanken bringen den discursus in Gang. Wir werden hören.

… und das nachdenken über das undenkbare, das ist allerdings ein spannendes unterfangen. philipp harnoncourts forderung …wer nicht bereit ist, sich bloßzustellen, oder wer immer nur ein gutes bild von sich selbst darstellen möchte, sollte besser schweigen… macht jedenfalls mut.

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1+1+1=1 kurzrückblick

ein – zumindest dreifaches – vergnügen und tiefe freude. (wann bekommt man schon für seine komposition anstatt – so erfreulichen wie gewöhnlichen – applauses sakralolfaktorischen weihrauchschwadensdank?)

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muetter.at
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