skuta | mütter

miki skuta, piano
bertl mütter, trombone

fangen wir mit der zugabe an:

miki skuta | bertl mütter | nitra (sk) | nitrianska galeria | 20.5.2010

bertl mütter | miki skutabertl mütter | miki skuta | illésháza, 10.12.2008 | photo: nora skuta

gekannt haben sie sich schon länger, wie man sich halt kennt, man hat von einander gehört (ausschließlich gutes, um etwas zu untertreiben), der eine hat den anderen schon vor jahren einmal improvisieren gehört und gesehen (es wird nicht verraten wer wen wasjetzt) und war zutiefst beeindruckt, wie man sich beim ersten richtigen treffen versichert hat. für dieses, wie sich herausstellen sollte, initiale treffen bedurfte es eines sog. besonderen zufalls, beide waren mit tscho theissing verabredet, der einem jeden dringend benötigte pagolibre-noten

[einschub: eine mögliche schwierigkeit für jedwede kooperation (gar eine künstlerische) kann in einem unterschiedlichen verständnis kompromissloser unbedingtheit und hingabe begründet liegen. vielleicht mag das auch ein grund sein, warum beide musiker nur in wenigen, sehr ausgesuchten ensembles spielen; ensembles, in denen eine unbedingtheit der musik, der kunst herrscht, das auf einander hören oberste, gelebte bzw. zu verwirklichende priorität genießt.]

aushändigen wollte, beide nämlich sind dort zuweilen gäste, der eine bei platzdada! (mit agnes heginger und patrice héral), der andere sollte die cd zu mussorgsky revisted mit elisabeth kulman aufnehmen, da hat man dann einen halben kaffee miteinander getrunken (was eine nicht wörtlich zu nehmende ungefähre zeitdauerangabe darstellt), die elektronischen adressen ausgetauscht, dann ging jeder seiner wege. es folgte höfliche elektrokorrespondenz, schließlich eine essenseinladung (gesagt wird nicht, wer bei wem was), bei dieser gelegenheit kam es neben dem ausschank von bestem wein zum austausch der jeweils aktuellen tonträger (aktuell ist immer alles, damit das klar ist! – jede cd ist ein willkürlich herausgenommenen jahresring), das neugierige anhören war unvermeidlich, beidseitige begeisterungssteigerung, man vereinbarte ein datum (es war im dezember 2008) zum ersten gemeinsamen musizieren in mikis studio eliason zu illésháza (sk), dort warteten ein perfekt intonierter bösendorfer und einige ideal positionierte hochwertige mikrophone auf die ersten gemeinsamen klänge, weiters ein paprikahendl (du isst es mit dem löffel!), zum frühstück dann nora skuta messiaen spielend (es war der 100. geburtstag; messiaens). was soll also da bitte schiefgehen?

posaune und klavier, klavier und posaune, klavier eine posaune begleitend, clavîr mit dem accompagnement einer posaunn, da hat man was. und was kann jeder (der posaunn, der clavîr), was der andere nicht kann (nicht können kann)? was tut(et) die posaune, wenn das klavier dichte gleichwohl transparente (also nicht von jahrelang gähnender jazzpraxis versaut linkshändig derb zubetonierende) akkordschichtungen, cluster spielt? was macht das klavier, wenn die posaune wiederum ihr vorbehaltenes treibt, etwa halbintonierend zwischen den tasten herumschmiert, glissiert, wabert, oder auf einem einmal angeblasenen einzelnen ton ein auch nur zartes crescendo ausatmet?

die theorie der improvisation informiert uns über die verschiedenen, grundsätzlich gar nicht so zahlreichen möglichkeiten des auf einander eingehens: imitieren, opponieren, ganz was anderes machen (in bestimmten eruptiven momenten der kunstentwicklungsgeschichte hat man sich auch gegenseitig oder das publikum geohrfeigt – warum sagt man nicht ohrgefeigt? – oder mohnnudeln oder paprikas csirke gekocht, dann erst wars besonders kunst); und komponisten, richtige!, sie quälen sich mit augmentationen, diminuitionen, krebsen, umkehrungen, spiegelungen, krebsumkehrungen, umkehrungskrebsen, umkehrungskrebsspiegelungen, ultraschall und werweißwasnochwas. . . .
eine, die vitalste option aber wird zumeist vergessen: es einfach zusammenfließen zu lassen. tropfen, tröpfeln, rieseln, rinnen, fließen, strömen, genau, die donau ist nie weit. und verdunsten, genau, verdunsten, weil letztlich geht es ja den berg hinan, ad fontes, zu den quellen.

die musik des duos skuta | mütter, wie sie sich augenblicklich eingestellt hat, sie ließe sich also am ehesten mit einem langsamen, zugleich affig schnellen kugelblitz, äh, vergleichen, sie könnte ein elektromagnetisches kontinuum sein, ja, ein energetisches metawesen, das du nicht berühren, aber mit auratischen händen einem klumpen oder ball gleich bannen kannst, aber nicht berühren, gib eher deine spannung zu, lass locker dabei, dann kannst du sie beim schweben im raum staunend erstehen erleben und sie zugleich gestalten. wenn er|sie|es dich lässt.


(irgendwie wie ein tiefseefisch.)

seien sie also bitte mit uns genauso neugierig wie wir selbst.

soviel vorerst.

skutmutmiki skuta | bertl mütter | illésháza, 23.4.2009 | photo: nora skuta

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klänge

gibt es auf unserer cd 10 initial epilogues

http://www.hevhetia.com/hevhetia/tmp/thumbnails/tmp-246-DPigimutterskuta.jpg

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