jonken

  
ein sprachgewitter

Markus Hering, Sprecher
Bertl Mütter, Posaune

Gert Jonke war ein großer Sprachmagier und Erschaffer wunderlicher Welten. Zwei seiner engsten künstlerischen Freunde haben sich gefunden, ihm ihre Referenz zu erweisen. 

Markus Hering ist der zentrale Deuter Jonkes großer Stücke (Chorphantasie, Die versunkene Kathedrale, Freier Fall), wofür er mehrmals mit dem Nestroy ausgezeichnet wurde. Bertl Mütter war bis zuletzt Jonkes bevorzugter Partner in berückenden Text-Musik-Performances.

Hering und Mütter streuen Gert Jonkes Zaubersaat hinaus, staunend, voll heiterem Ernst. Ein poetischer Abend in des Wortes tiefster Bedeutung.

Und jeder darf seinem Vogel nachfliegen, unbeirrt. Beglückend.

Markus Hering, Sprecher

Geboren 1960 in Siegen/Westfalen. Abitur, Tischlerlehre, Waldarbeiter, währenddessen Mitarbeit in verschiedenen Amateurtheatern. Schauspielausbildung in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hannover. Engagements am Staatstheater Kassel und am Schauspiel Frankfurt/M.
1991 holte Hans Gratzer ihn an sein neueröffnetes Schauspielhaus in Wien.
1993 Beginn der Arbeit am Burgtheater u.a. mit Claus Peymann, Leander Haußmann, Karlheinz Hackl, Tamas Ascher, Matthias Hartmann, Andreas Kriegenburg.
1999 längerer Amerika-Aufenthalt mit der Familie. Danach wieder am Burgtheater, Arbeiten mit Nicolas Stemann, Stefan Bachmann, Tina Lanik und regelmäßig mit Christiane Pohle in ihren Gert Jonke-Uraufführungen (2003 und 2008 bekam Markus Hering jeweils den Nestroy für seine Hauptrollen in «Chorphantasie» und «Freier Fall»).
2004 entdeckte Markus Hering das finnische Epos «Kalevala» für sich, das er seitdem über sechzigmal im ganzen deutschsprachigen Raum sowie in Helsinki öffentlich erzählt hat. Gemeinsam mit seiner Frau produzierte er 2004 ein Hörbuch der Geschichten aus dem «Kalevala».
Neben der Bühnentätigkeit arbeitet Markus Hering auch für Kino und Fernsehen, u.a. mit Costa-Gavras im «Stellvertreter», mit Dieter Wedel in «Die Affäre Semmeling», mit Michael Kreihsl, Antonin Svoboda, Urs Egger, mit Andreas Dresen in «Whisky mit Wodka» und zuletzt mit Dani Levy in «Das Leben ist zu lang».
Seit der Saison 2011/12 ist er Ensemblemitglied im von Martin Kušej geleiteten Münchner Residenztheater.
Mit seiner Frau Bettina Hering und drei Töchtern lebt er in Wien.

(stand: 20.11.2011)

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Bertl Mütter, Posaune

Geboren 1965 in Steyr, lebt Bertl Mütter als freischaffender Musiker, Komponist und Schreiber in Wien und unterwegs. Im Zentrum seiner musikalischen Arbeit steht das Solospiel, das sich auf vertraute und auch entferntere Traditionen bezieht. Bertl Mütter spielt aber auch gerne in (kleineren) Ensembles, wenn das auf einander Hören praktiziert wird. Und er arbeitet/e mit Autor/inn/en wie H.C. Artmann, Franzobel, Josef Haslinger, Ernst Jandl, Gert Jonke und Angela Krauß zusammen.

Duoarbeit mit Miki Skuta (p), Matthias Loibner (drehleier) und Christoph Cech (p). Beständig forschender Workshopleiter für improvisierte Musik. Als primus inter pares kreiert er anlassbezogene Spontanensembles (seit 2015 unter dem Namen «ORCHESTER DER RADIKALEN MITTE – ORM»), mit denen er seine Kompositionen und Spielanweisungen erarbeitet, etwa das schwere und das leichte (dsudl) bei der styriarte 2011.

Bertl Mütter gilt heute als der große österreichische Posaunenindividualist, der sein Publikum mit seiner sehr persönlichen Musik zu bannen versteht. 2001 präsentierte er seine Staunen machende Nachkomposition der schubertschen Winterreise einem vorerst irritierten, dann umso begeisterteren Publikum. Nach der akklamierten Solo-CD parlando (arbe 12, 2004) folgte 2005 muetters muellerin (arbe 13, 2006). Im Rahmen und als Auftrag der styriarte wurde 2006 muetters dichters liebe (nach schumann nach heine) uraufgeführt (CD arbe 14, 2008). 2010 folgten die mütterkinderlieder (nachmahler) zu Mahlers Kindertotenliedern (CD Raumklang RK 3009) in Viktring/Klagenfurt.

Seit 2014 lädt der promovierte Doctor artium in seine Schule des Staunens, u.a. ins Wiener Konzerthaus.

Bertl Mütter spielt mit seiner «muthorn» genannten Posaune von Schagerl.

www.muetter.at | www.muetterlog.at

(stand: 3.5.2015)

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Blitzende Worte – donnernder Schall

jonken – ein sprachgewitter

Ein poetischer Abend mit Texten von Gert Jonke
Festspielhaus St. Pölten, 17.11.2011

 „Wenn ich etwas geschrieben habe, bin ich eine Zeit lang ruhig.” 
Gert Jonke

Jedoch was Jonke schreibt, ist alles andere als ruhig. Da blitzt es und donnert es, da kracht es und stöhnt es. Einer läuft einem Gewitter nach und schreit: „Blitz triff mich!”, ein anderer schleudert einen Blumentopf von der Bühne in den Zuschauerraum und schlägt damit einem engen Verwandten ein Auge aus. Und spätestens wenn zum Vortrag der „Chorphantasie” Markus Hering seinen Frack anzieht und den spitzen Dirigentenstab zur Hand nimmt, fürchten auch die Zuhörenden in der Box im Festspielhaus um ihr Augenlicht. Dann wieder gibt sich der Dichter – und mit seinen Worten der Vortragende – leutselig und lädt alle Zuhörer zu sich nach Hause ein. Die Einladung knüpft er jedoch an die Bedingung, dass alle hier und jetzt Versammelten, vollzählig zu erscheinen hätten. Das wiederholt er dann so lange in jeweils leicht variierten Formulierungen, bis auch dem letzten Zuhörer klar geworden ist, die Einladung ist nichts anderes als eine besonders von Herzen kommende Ausladung. Wenn Jonke sein Publikum veräppelt, dann geht es fast nicht freundlicher.

Vermittelt wird das authentisch von Markus Hering, dem aus Theater und Film bekannten Schauspieler, der vor noch nicht allzu langer Zeit in Dany Levis Film „Das Leben ist zu lang” als Alfi Seliger auch in St. Pölten zu bewundern oder treffender gesagt, zu bedauern war.
Unterstützt, bekräftigt, paraphrasiert, kontrapunktiert und parodiert werden die von Markus Hering zum Leben erweckten Worte Jonkes von Bertl Mütter an seiner Posaune. Zu Hilfe nimmt sich Mütter dabei noch fast alle anderen einem menschlichen Körper zur Verfügung und zur Vergnügung stehenden Geräusche, dass es einem die Hose hineinziehen möchte: „Plopp, kloing, zrrrb, krtsch, mmmm, pling, doing”. Und damit der Zuhörer nicht meint, es handele sich bei Mütter um einen Dilettanten, der dem kulturbeflissenen Auditorium bloß einen Streich, oder passender, einen Blas spielen will, intoniert er gelegentlich gleichzeitiges mehrstimmiges Spiel mit Posaune und Stimmbändern. Kehrtwendend machen dann Jonke und Hering nicht davor Halt, dem blechblasenden Musiker, und mit ihm all seinen Kollegen „auf der ganzen Welt”, vorzuwerfen und nachzusagen, sie verunreinigten sämtliche Bühnenböden mit ihrem aus den Rohren abgelassenen Speichel. Feuchtfröhliches zum Lachen und zum Denken.

Fast könnte man an höhere Fügung glauben, wenn wenige Tage nach der Verleihung des diesjährigen Nestroypreises, der zweifache Nestroypreisträger Markus Hering (2003 und 2008) Texte des dreifachen Nestroypreisträgers Gert Jonke (2003, 2006 und 2008) vorträgt und der Posaunist Bertl Mütter die Artikulation auf seinem Instrument soweit vorantreibt, dass irgendwann auch ihm der Nestroypreis zuerkannt wird.

Ernst Punz

… wenn das so ist bzw. ankommt, dann humpeln wir gern – still uns freuend – weiter …

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