mütter-polisoidis-haider | sentiment

cd arbe 3 (1994)



SENTIMENT – diese ewigen auftakte!

bertl mütter, posaune, stimme
dimitrios polisoidis, viola, violine
siggi haider, akkordeon, stimme

[1]   Prolog    3’19
[2]   Leise. Sparsam. Mit Interventionen    12’55
[3]   Diese ewigen Auftakte!    3’52
[4]   Mobile    9’33
[5]   Auseinander. Durcheinander    5’58
[6]   Tanz    3’31
[7]   Epilog    0’59

Komponiert von Bertl Mütter, Dimitrios Polisoidis und Siggi Haider.
SENTIMENT ist ein Projekt der Kunst.Halle.Krems (Koordination: Jo Aichinger) im Auftrag der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich zur Ausstellung „Alfons Mucha – Das Slawische Epos”.
Live aufgenommen vom ORF, Studio NÖ, am 10. September 1994 in der Minoritenkirche Stein.
Aufnahmeleitung: Gottfried Zawichowski
Tontechnik/Schnitt: Karl Petermichl
Grafik Design: Michael Atteneder
CD-Produktion Bertl Mütter

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SENTIMENT – diese ewigen auftakte!

Es geht um eine Stimmung, wie sie oft slawischer Musik eigen ist, die aber genauso im selbstmitleidigen – immer von Selbstironie begleiteten – Raunzen des Wieners, aller balkanischen und jüdischen Musik, im Blues, im Fado der Portugiesen… vorkommt. Diese süße Schwere aus dem Bauch. A schöne Leich. Das Schon und Noch Nicht. Die bittere Lust der letztlichen Unerfülltheit: Am Gipfel stehend erkennen wir die Selbsttäuschung; was eben noch als Inbegriff der letzten, tiefsten Befriedigung aller uns denkbaren Sehnsüchte und Gelüste erschien, verliert mit einem Mal allen Glanz und stellt sich als unbedeutende, nicht einmal das kurze Verweilen zulassende Kuppe inmitten von einem Meer kleiner Erhebungen heraus. Aber in der Ferne leuchtet bald ein neues Ziel, viel strahlender noch als selbst das himmlische Jerusalem. So umrunden wir mit ungebrochenem Optimismus ums Mal die Welt. Und weiter, weiter. Kafka läßt grüßen. SENTIMENT ist keine Weltmusikreise der Bluesterz. Elemente aus der Musik von Janácek, Tschaikowsky und Mahler dienen uns neben eigenem Material als Kristallisationspunkte, von denen aus wir jenen Zuständen nachspüren. SENTIMENT ist unsere Begegnung mit Muchas Slawischem Epos im schlichten Raum der Minoritenkirche Stein.

Bertl Mütter

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SENTIMENT – this perpetual upbeat!

It deals with a certain mood often caracteristic of Slavic music, but occurring just as frequently in the self-pitying laments of the Viennese—these always accompnied by irony. It’s also found in Balkan and Jewish music, in the blues, in Portuguese fados… This sweet heavy-heartedness comes from the core, oxymoronic as say “a beautiful funeral“, contradictory as “already“ paired with “not yet“. The painful joy of final unfulfillment: standing on the summit we recognize our self-deception—what just now seemed to be the apex, the very embodiment of assured and deepest gratification of all our conceivable longings and desires suddenly loses its glamour, and shows itself to be an insignificant projection amidst a sea of small hillocks, not worth lingering on even briefly. But soon in the distance a new goal glitters, even more radiant than divine Jerusalem. So once again we orbit the world with untarnished optimism, going on further, ever further. Kafka sends his greetings. SENTIMENT is not merely a musical round-the-world journey of the blues minor third. Besides our own material, elements of the music of Janácek, Tchaikovsky and Mahler serve us as points of crystallisation from which we trace these, our own musical modes. SENTIMENT is our convergence with Mucha’s Slavic Epic, performed in the unpretentious sanctum of the Minorite Church of Stein.

Bertl Mütter (translated by David Koblick)

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