passworthinweisfragen Montag, 31. 8. 2009, 0:00

mädchenname der mutter
bübchenname des vaters
(kindchenname des sohnes)



später sommer, traumzeit Sonntag, 30. 8. 2009, 0:00

in der spaghettinacht, zum morgen hin, als der speisebreirest die ideale schwertraumgärungstufe erreicht hatte, hatte er bei (möglicherweise – aber da war er sich nicht mehr ganz sicher, auch in seiner traumrolle nicht – mit) chris lohner in ihrem tadellosen innenstadtpenthouse geschlafen. sie musste bald am morgen raus (vermutlich zur öbb, durchsagen machen) und sie war so liebenswürdig mit ihrer stimme, jung, sehr jung war sie auch auf einmal wieder (er, zum glück, nicht), hatte eine tadellos junge figur, entzückende straffe brüste, handliche hüften. als sie sich verabschiedete, war er sich nicht sicher, ob sie ihren akt ausagiert hatten (keine flecken – was nichts bedeuten musste, aber es war ein indiz), möglicherweise war er in ihr eingeschlafen, das wäre peinlich gewesen, aber chris ließ ihn keine unzufriedenheit, verachtung gar spüren (offenbar hatte er nicht geschnarcht, trotz der spaghetti – aber die waren im traum nicht vorgekommen; spaghetti kommen nie in träumen vor), sie war fröhlich und herzlich und hatte eine leichtigkeit, wie er sie so nur noch der jungen ingrid wendl zuschrieb, zum glück aber war er bei chris gewesen, kein plötzlicher herzkasperl hatte ihn aus dem leben gerissen, das der traum war, und mit einemmal lag er wach, die blase, der morgen, keine flecken und eine heimliche innige freude auf die nächste zugfahrt oja chris ich komme.



zweckzeit (2) Samstag, 29. 8. 2009, 0:00

späthochsommer, ahnungsvolle zeit, immer schon, vom bauch aus wummerte es drüberunddrunter, heutzutage aber konnte man sich, dazu noch, spätnachts bis frühmorgens anpixeln, sich teleprostend mit rosa sprudel oder anderem überschäumendem fernbesudeln.
und die realzeit (was aber wäre das?), sie würde schon noch früh genug dazukommen.
später sommer, traumzeit.



zweckzeit (1) Freitag, 28. 8. 2009, 0:00

und der sommer, dieser spätere hochsommer vor allem, war doch genaugenommen nichts anderes als der eigentliche zweck (der eigentliche geschäftszweck) des jahres, alles andere, zumindest bis anfang mai (eigentlich aber bis anfang juli), war doch nichts anderes als eine vegetative phase, funktionaler stupor, genau.



nachentzeit Donnerstag, 27. 8. 2009, 0:00

schwerter zu pflugscharen
beliebter kampfruf

krähen zu enten
faunische konsequenz

seit er sich mit friedlichzufriedenem entengeschnatter (hatte jemand von gequake gesprochen?) als anrufsignal bei seinem iphonalen mobilen kommunikationsgerät aus dem friedlichen alltag reißen ließ (eben, weil ihn dieser wohlige klang nichtgarsoarg riss), war es ums schlafen an salzkammergutseen geschehen; was in dieser saison ohnehin ein einmaliges gewesen war. wäre.
nun aber, in der stadt, auf dem fahrrad, hielt er an, da er meinte, jemand benötige dringendst ein persönliches ferngespräch mit ihm.
fehlanzeige. und auch keine enten, nirgentwo.
auf einmal, auffliegend zwischen den platanen: saat- (oder sinds nebel-?)krähen.
krähen können schnattern. oder meinetwegen quaken.
soistdas. sie mussten in der schönen wienerstadt ein pazifismusseminar besucht haben. extra für ihn.
gerührt und mit tränen in den augen stellte er sein rad auf den ständer und atmete tief durch.
das würde ein winter werden.



ad unk (2) Mittwoch, 26. 8. 2009, 0:00

da es sich bei unk. rufe um ein laboratorium handelt, stellt die dauer der uraufführung von etwa 30 minuten die untergrenze dar, unterhalb derer jedes wissenschaftliche ergebnis wertlos würde. angedacht und angeregt sei ein größeres sample, mithin ein tieferes eintauchen und genaueres erfahren der umstände, die hier, den themenkreis vertrauen betreffend, abgehandelt zu werden vorgeben. eine gute dauer könnte also eine ab zwei stunden sein, möglicherweise aber bis zu fünf stunden.
ich bin ein forscher, was sonst?!



ad unk (1) Dienstag, 25. 8. 2009, 0:00

das stück steht unter dem primat des kairos über dem chronos. die zeitangaben sind demgemäß streng subjektiv und situativ und lassen keinen rückschluss auf die mit chronometern gemessenen toten strecken wesenlosen vergehens zu.



abgang, punktgenau, fett Montag, 24. 8. 2009, 0:00

freun wir uns auf die kompetente nachfolgerin. sehnsehr.
(siehe den eintrag von gestern)

wieweit eine – überfällige, nicht überfallsartige – pensionierung anlass gibt, in der letzten sendung dieser erbin nicht alles gute zu wünschen, sei dahingestellt. registriert wurde es jedenfalls, und diese patzige hofübergabe schäbiger art zeugt von beträchtlicher größe (nicht vorhandener).
die neue, das darf als sicher angenommen werden, hat sie.



abgang, punktgenau Sonntag, 23. 8. 2009, 0:00

im vorgefühl von solchem hohen glück
genieß’ ich jetzt den höchsten augenblick.

goethe, faust II (vv 11585/6)

die! salzburger! festspiele! live! welch für ein krönender abschluss! grautulieren wir der beliebten radiomoderatorin zur nachsalzburgisch-klassischen treffpunktspensionierung.
und freun wir uns auf die kompetente nachfolgerin. sehnsehr.



v.d.w. Samstag, 22. 8. 2009, 0:00

latürnich, der vater der welpen ist eine kindliche verhörblasphemie zum gloria in schuberts deutscher messe. womit wir bei der frage wären, wer bzw. welche einrichtung denn den tatbestand einer blasphemie zu konstatieren autorisiert sei (wie h.c. artmanns kasper bei den confœderierten konnte auch ich dieses wort blasphemie nicht verstehen, seiner sagt es sich zurecht mit blas für mi). und mit welcher strukturellen machtarroganz überhaupt von ungläubigen, agnostikern u. dergl. die rede sein kann. als wäre allein rot eine farbe, alle anderen wären unrot. oder als müsste man alle gesunden nicht die gesunden nennen, sondern sie müssten sich ex negativo die unkranken nennen. und die lebendigen wären untot, das aber wären ja die zombies, und gegen die, so hat man sauregurkenzeitig und strengwissenschaftlich herausgefunden, hülfe nur kompromissloseste gewalt, dagegen aber bin ich, prinzipiell.
da jaulen ja die hunde, die welpen japsen.



unk. rufe fuer fuenf optimisten und einen ténor (2) Freitag, 21. 8. 2009, 0:00

hinter dem vorhange
jorge luis borges in seiner bibliothek
gert jonke in seinem insektarium
m. cioran, planschend im seinem nichts
und
vladimir vladimirovich nabokovs chronophobiker, den so etwas wie eine panik ergriff, als er zum ersten male einige amateurfilme sah, die ein paar wochen vor seiner geburt aufgenommen worden waren. er erblickte eine praktisch unveränderte welt – dasselbe haus, dieselben leute –, und dann wurde ihm klar, dass es ihn dort nicht gab und dass niemand sein fehlen betrauerte. er sah seine mutter aus einem fenster im ersten stock winken, und diese unvertraute geste verstörte ihn, als wäre sie irgendein geheimnisvolles lebewohl. aber was ihm besonderen schrecken einjagte, war der anblick eines nagelneuen kinderwagens, der dort vor der haustür selbstgefällig und anmaßend stand wie ein sarg; auch er war leer, als hätte sich im umgekehrten lauf der dinge sogar sein skelett aufgelöst.

cameo
schubert und -mann (dieser mit eichendorff), mozart
etliche weitere habe ich sicher vergessen

u never know



unk. rufe fuer fuenf optimisten und einen ténor (1) Donnerstag, 20. 8. 2009, 0:00

ihr müsst euch das stück als eine art laboratorium vorstellen, es werden tierversuche* unternommen.

es treten auf (in order of appearance)

vier fatæ als weberknechte (spinnend, kntetend, knüpfend)
guillaume de machaut soi-même mais un peu mimicrié
eine gottesanbeterin und ihr partner (lebensbeziehung)
taumelnde welpen (ebenso der vater der welpen), farfalle, wölfe
die drei tauben
katzen (schrödingersch-quantenmechanische, wollknäuelige)
dazu ein albtraumtamino und zwei halbe geharnischte
rehe und rebhendln und betender hände betende
dazu ein separat abgetrennter arm samt etlicher potenziell vergrößerter körperteile
ein versteinerter ritter im zwielicht
und
unken, unken, unken
diese aber unken, dann ist es genug
sie erheben sich in höh’re sphären
landen ohrwurmstichig
tänzelnd, tändeln

*no animals are to be harmed whilst producing or executing diese unk



musica suspecta (2) Mittwoch, 19. 8. 2009, 0:00

da aber, so ebenfalls cioran, zum glauben entschieden mehr schablone gehörte als zum zweifel, so brauchte er nur eine schablonenlose musik zu erfinden.
so schwer konnte das nicht sein, und es wäre nur konsequent.
und da die religionen nur so lange dynamisch sind, so lange sie sich nicht dogmatisch definieren, die menschen also bereit sind, alles zu glauben, wenn es noch nicht ausformuliert und kodifiziert ist, nahm er sich vor, eine solche musik auch zu erfinden. was vordogmatisches; und es würde im davor bleiben können, weil es immer rechtzeitig vor den plastinatoren entwischen würde, sich aufschwingen, in die luft, aus leben.



musica suspecta (1) Dienstag, 18. 8. 2009, 0:00

es gebe keine skeptische musik, hatte cioran gemeint, und der hatte, bevor er etwas irgendetwas niederschrieb, stets sämtliche eventualitäten möglicher ungenauigkeiten aufs peinlichste abgewogen. da nun er aber bereits mehrere tage in den reinschreibwehen seiner neuen komposition lag und dementsprechend an chromatischer schlaflosigkeit litt, war er sich ciorans nicht mehr so ganz sicher. skepsis sei immer angebracht, und überhaupt, sicher, bitte, was wäre denn das auch?
er würde sein werk, ganz im sinne ciorans, völlig im nichts planschen lassen; und das nichts, wie es sich gehörte, in sich selbst.
er rief eine musikalische unschuldsvermutung aus. mit streng begrenztem geltungsbereich, versteht sich.



farfallando Montag, 17. 8. 2009, 0:00

unwuchtester taumel, höchste stufe eines poetischen zustands, inwendige trunkenheit am schwungrad der gewichter der welt.
aber haargenau.



entzeit Sonntag, 16. 8. 2009, 0:00

sowas auch. da hatte er sich am telephon seines neuen mobilen kommunikationsgeräts als klingelton das auch beim – stets gegenwärtigen – amerikanischen präsidenten für heiterkeit sorgende zufriedene quaken glücklicher enten eingestellt, ansich ein wohltuend unaufdringlicher klang, kein estetischer nokiajodler im klangkleid der ballade pour adeline, kein verlogenes schielen in die bakelitzeit mit ihrem vollen, hundertprozent echten wandtelephonklingelgeklingel (bei gleichzeitig schamlosem ausnützen heutiger technologien), und wirklich, niemand schien gestört zu sein, wenn ein anruf störte und doch wichtigste neuigkeiten daherbrachte. sehr angenehm, wirklich wahr.
nun hatte man ihn – auch auf seinen wunsch hin – wieder im so angenehmen patinerten hotel schwan untergebracht, seeseitig und mit blick auf den traunstein samt vorgelagertem grünberg, sehr fein. vor dem balkon, behaglichst am ufer des sees zwischen den weißen haustieren herumwatschelnd und im wasser planschend: allerlei enten. zufrieden. quakend.
kein mensch rief an, auch nicht im beginnenden morgengrauen.
es gilt die unschuldsvermutung.



im reich der wilden tiere Samstag, 15. 8. 2009, 0:00

die taxifahrer an ihren sommerlichen standplätzen am rand der innenstadt, wie sie ihre wagentüren aufgeklappt haben und so auf kundschaft warten, um sie in ihrem leib zu transportieren, ganz so wie die krokodile auf siesta ihre klappkiefer, pass aber auf, dass du dich nicht einzwickst beim einsteigen.
es gilt die unschuldsvermutung.



mutation, mutmaßliche Freitag, 14. 8. 2009, 0:00

spar marillen, gelegt
4,99
herkunftsland: frankreich

produktbeschreibung und -auspreisung

beim betrachten des anpreisungsschilds konnte er es noch nicht ganz glauben, derart unvermittelt zeuge eines epochalen evolutionären sprungs von der flora zur fauna geworden zu sein, und nach und nach begann er sich das ohne zweifel buntgefiederte tier vorzustellen, welches die edelaprikosen unter marillenadäquatem erfolgsgegackere seinen wackeren bauersleuten ins nest legen mochte. auf nach frankreich!
es gilt die unschuldsvermutung.



jobaussichten, zynismusfreie Donnerstag, 13. 8. 2009, 0:00

charity event developer, das wäre doch ein schöner böser beruf, befand der berufsberater vom arbeitsmarktservice, der sein vertreterkariertes sakko wie einstmals ein vizekanzler mit körperlosen ärmeln über die schultern geworfen hatte. ausreizen, wie weit man gehen kann (es geht immer noch weiter) bei den sich im gutseinausstellen übertreffenwollenden sogenannten prominenten. und zur weiterbildung und vertiefung (des niveaus) gäbe es die option sich zu spezialisieren. man suche beständig leute, die noch
blödsinnigere spiele erfinden, mit denen man – zu nicht ablehnbaren benefizzwecken – respektspersonen (die hat es gegeben – politiker, erzbischöfe, dirigenten ernster musik, polizeischarfschützen, überhaupt weltheiler aller art – anm. f. m. jugendl. leser), lächerlich macht, ja, sie geradezu ermuntert (hetzen, das wäre das andere wort), sich gegenseitig darin noch zu übertrumpfen und sich dafür niederzurempeln als gäbs freibier mit gratiswürschtln.
nun gut, an ideen mangelte es ihm keinesfalls, dachte er bei sich. einen würdigen wohltätigkeitszweck zu finden, das war dann schon schwieriger; genau besehen: es gab keinen (auch das war früher einfacher gewesen).
in zwei wochen würde er wieder kommen.
es galt die unschuldsvermutung, weiterhin und fürderhin.



peng, pauschal Mittwoch, 12. 8. 2009, 0:00

natürlich, er würde sich unweigerlich in einen noch chaotischer drehenden wirbel hineinreden, wenn er jetzt auch noch anfangen würde, sich für einen freudschen versprecher (und die kommen nun einmal vor) zu entschuldigen, gar mehrere, und die gedanken sind frei, also auch die gedankenlosigkeit, die ist noch freier, und wäre er polizist, er würde jedenfalls auch freudsche verschießer für sich beanspruchen, ein jeder soll, vergleichbar allinklusivpaketen etwa von mobiltelefonanbietern, pro zeiteinheit (sagen wir ein jahr) eine gewisse anzahl zur pauschal freien verfügung haben, wobei unverbrauchte schüsse leider nicht in die neue verrechnungsperiode übernommen werden können, und wieso soll bitte ausgerechnet ich auf meine mir zustehenden rechte, claims, verzichten, na eben.
es gilt die unschuldsvermutung.



zur sicherheit Dienstag, 11. 8. 2009, 0:00

dieses sich panzernde, hohlkreuzig steife, wie wir es auch von politikern nach wahlniederlagen kennen: jene polizisten, die den einkaufseinbruchstatort absichern, an dem zwei kollegen dem waffengesetz nach unbewaffnete jugendliche kaufhausdiebe abgeknallt haben, dieses gehen sie weiter, es gibt nichts zu sehen bzw. das ist eine niederlage der partei, ich habe keinen fehler gemacht…
… als nächstes gilt es, das waffengesetz auf schraubenzieher und gartenkrallen auszudehen, bis dahin aber seien wir froh, dass die polizei in österreich derweil noch nicht über die atombombe verfügt, man hätte sie bestimmt schon mehrmals eingesetzt, zur sicherheit.
es gilt die unschuldsvermutung.



hypoventil (2) Montag, 10. 8. 2009, 0:00

umgekehrt, beim lufttanken, wo er ja das ventil an einer bestimmten stelle (ca. 5 uhr) haben wollte, ja musste, damit er das bei der tankstelle ausgeborgte druckluftaggregat ideal zum nachfüllen der luft anpressen konnte, musste er stets den reifen zumindest um 180° weiterdrehen, und hernach fiel ihm immer wieder ein (und er nahm es sich ganz fest vor), dass er vorher einen der bereitgestellten plastikernen einweghandschuhe anziehen hätte sollen, das wäre ja nicht nötig, dass man sich beim luftholen schmutzig macht, und kuzi kuzi auf den händen radelte er auf wunderbar hartgeronnenen reifen heimwärts, zur handwaschung, die er das nächste mal so nicht nötig haben wollte, aber auch darauf würde er vergessen, was ja das wesen eines jeden vorsatzes ist.



hypoventil (1) Sonntag, 9. 8. 2009, 0:00

wobei natürlich noch anzufügen ist, dass jetzt, wo wir das mit dem hyperwahrscheinlichen ventilmitdemschlosszusammentreffen im bewusstsein haben, uns genau dies bestimmt nicht häufiger passieren wird, nämlich weil wir darauf warten, sodass es wahrscheinlich sogar seltener vorkommen wird, dass es beim einfädeln des bügelschlosses zu einem touché kommt, aber das alles ist in einem völlig natürlichen statistischen rahmen, drüber stülpt sich sozusagen die gaußsche glockenhose, und wie immer ist alles das streng objektiv, wie überhaupt alles, was sie hier lesen können, damit das auch wieder einmal gesagt ist, genau.



(aus gegebenem anlass) Samstag, 8. 8. 2009, 0:00

889 ist doch auch eine schöne zahl.
bertl mütter (notat, bestimmt zur veröffentlichung am 8. august 2009, graz, im august 1989)

oder, wie verkündet eine wiener abbruchfirma auf ihren besenreinen baubrachen mit blauen transparenten triumphierend: versprochen & gehalten!

ps: 889 aber ist keine primzahl!

(morgen wird wieder ventiliert)



hyperventil Freitag, 7. 8. 2009, 0:00

ärgert dich dein auge, so reiß es aus,
ärgert dich deine hand, so hau sie ab,
ärgert dich deine zunge, so schneide sie ab,
und ärgert dich deine vernunft,
so werde katholisch.

heinrich heine (1797-1856)

als er sein fahrrad großstadtgemäß mit seinem unerbrechbaren bügelschloss absichern wollte (eine art metallsandwich: das vorderrad zuunterst, eine laternenstange dazwischenfädeln, schließlich noch die in einem winkel von 45° zur tretkurbel führende rahmenstange einfangen, den absperrbaren teil, der das große bügel-u abdeckt, draufdrücken, worauf sich der schlüssel um 90° dreht und leicht abzuziehen ist, fertig) fiel sein augenmerk wieder einmal auf das reifenventil, das ihn, wenn er es sich genauer überlegte, mit sicherheit öfter beim einfädeln irritierte als es der statistik nach gedurft hätte, nämlich das ventil störte öfter als 1/x-mal, wobei x die anzahl der zwischenspeichenleerräume sei.
als erstes schoss ihm ein monströser betrugsverdacht durch den kopf, dann jedoch, als sich seine erste aufregung gelegt hatte und sein gemüt abgekühlt war, fiel ihm ein, dass bekanntermaßen die bank beim roulette immer gewinnen musste, nämlich weil der gewinn maximal 1/36 ist, die grüne null, diese fiese (entschuldigen sie den teutonismus) siebenunddreißigste zahl aber geflissentlich übersehen wurde und nur gewinn bringen konnte, wenn man sie direkt setzte (vorausgesetzt die elfenbeinimitatkugel fiel in den ihr zugeordneten rotierenden fächer); und, auch daran erinnerte er sich, den unvermeidlichen technischen ungenauigkeiten (in bezug auf die letztlich theoretische wahrscheinlichkeitsrechnung) auf den verschiedenen spieltischen (es gab da ausgefuchste kiebitze, die sich durch genauestes beobachten solche ungenauigkeiten zunutze machen wollten) wurde entgegengearbeitet, indem man täglich die achsen, auf denen sich das roulette drehte, untereinander austauschte (beliebig und nicht nach einem gleichbleibenden schema, damit das klar ist!), sodass man immerhin von einem habituellen zufall sprechen konnte (der natürlich galaxien entfernt ist vom puren, quantenmechanischen, wie wir ihn uns nicht einmal vorzustellen in der lage sind), was ihm jetzt, da er den reifen weiterdrehen musste, sonst würde er das rad nicht großstadtgemäß sichern können, wenig nutzte, es war ohne zweifel so: in der vorderradlotterie beschiss ihn sein ventil aufs dreisteste, und er würde sich maßnahmen überlegen müssen, dich mach ich schon noch katholisch, drohte er ihm mit seinem schlimmen finger und konnte so seinen dampf ablassen, es war ihm wohler jetzt und er konnte das kaffeehaus, wiewohl nicht ganz locker, so doch einigermaßen entspannt betreten, jaja, danke, wie immer.



nachziehend Donnerstag, 6. 8. 2009, 0:00

rettet den lurch! kein versaug, kein zerkehr!
facebookgruppe (anregung)

eine gnadenlos epigonale war seine rolle als sich avantgardistisch gebender afterkünstler, der behauptete, alles zu entstauben und dadurch neues! zu erringen und sich in wirklichkeit im windschatten der entstauber eingenistet hatte, der ja, speziell bei der sog. zweiten wiener schule, nachgerade als vakuum zu bezeichnen war, kein nochsostarker beutelfreier zyklonstaubsauger konnte hier auch nur den kleinsten lurch aufspüren, wirbel waren es, chladnische klangfiguren, die nie aus sich selber, sondern ausschließlich als abhängige illustration, völlig wesenlos und ausschließlich zum vergessen existieren, gut so.
erfinden nämlich kann man nur neues, erspart uns doch diese unwürdige kreißerei. bitte also: mehr mut!



gerade durchkommend Mittwoch, 5. 8. 2009, 0:00

als vernissagenjausner brauchst du eine genügend große stadt oderaber gesteigerte mobilität, dann kommst du schon durch. klagenfurt? ja, wieso denn nicht? nicht der mobiltät wegen, die sei hier garzu gefährlich, räumte er ein, entschuldigte sich sodann, denn er hatte keine zeit mehr, du musst verstehen, samstag vormittag, zur festspielzeit, da muss auf vorrat gefuttert werden, hoffentlich gibts dort nicht wieder nur pringles, diesen real existierenden sozialismus für kartoffelchips*, ausgerechnet hier, in der unmarxistischsten secession von österreich.

*[© franzobel]



orfon – auffallend Dienstag, 4. 8. 2009, 0:00

mesner fiel in kirchengewölbe
orfon, 1.8.2009

schauet nicht hinauf!
(biblisch überliefert)

oder stellen sie sich einmal ins schiff einer schönen hohen gotischen kathedrale und versuchen sie, nicht abzuheben. am schlimmsten undalso am gefährlichsten aber sind durchbrochene turmhelme, etwa der von freiburg im breisgau, das ist ein regelrechter inversbrunnen, und man darf nur in den offenen raum unter der freien turmspitze, wenn man sich mit gewichtern zumindest des halben eigengewichts um die knöchel und am gürtel fixiert, außerdem musst du dich mit karabinern in die bereitgestellten drahtseile einhängen. trotzdem fallen immer wieder menschen hinauf, und weil der turm offen ist, wird bis heute keine genaue statistik geführt, kann ja auch gar nicht geführt werden, da die opfer (menschenopfer, da haben wirs!) nie gefunden werden, speziell vierzig tage nach ostern ist hochsaison. zeit wirds, dass – nicht zuletzt aus diesem prekären grunde – endlich fangnetze installiert werden!



gewunnen! – gespendert! Montag, 3. 8. 2009, 0:00

endlich war das glück auch zu ihm gelangt, hatte die böswilligen elektronischen schranken und filter ausgetrickst, ha!, an jenem morgen gratulierte ihm, gleich nach dem aufstehen der desk des honda unternehmen london, in zusammenarbeit mit sicherheitsrates der vereinten nationen rat und erleuchtung, daheim in 754 main road, biggin hill, london, vereinigtes königreich, und sogar eine award notification telefonnummer +44703592XXXX hatte man ihm hinterlassen. hier wechselt der text zur originalen typo- und orthographie:

GLÜCKWÜNSCHE!
Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, der die Freigabe des lange erwarteten Ergebnisse der HONDA AUTO INTERNATIONAL Förderprogramms am 31. Juli, 2009. Sie wurden als abhängige Kunden mit Seriennummer: K44CBXXXX und Chargennummer: HDC-451-575X-XXXX. Ihre E-Mail-Adresse an die Ticket-Nummer: 0122549877XXXX, dass Lucky zog die Gewinnzahlen (1-5-6-8-X-X-X-X) gewonnen, die somit die Lotterie in der 2. Kategorie, in vier Teilen.
Sie wurden für eine Zahlung in Höhe von £ 850,000.00 (acht hundert und fünfzig Tausend Great British Pound Sterling) in bar gutgeschrieben Aktenzeichen: HDCA/4155247787XXX-X. Dies ist aus einem Geldpreis in Höhe von insgesamt fünf Millionen Euro von allen unserer internationalen Gewinner in allen Kategorien.
Herzlichen Glückwunsch!
Alle Teilnehmer wurden über ein Computer-System Wahlgang aus 50.000 (fünfzigtausend) Namen der E-Mail-Nutzer auf der ganzen Welt, als Teil unserer internationalen Förderung Programm. Aufgrund der gemischten einige Namen und Adressen, bitten wir, dass Sie diese Auszeichnung persönlich, bis Ihre Ansprüche verarbeitet wurde=2 0und Ihr Geld für Sie erlassen. Dies ist ein Teil unserer Maßnahmen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung Behauptung oder ungerechtfertigte Teilnehmer oder Betrüger, unter Ausnutzung der Vorteile der Lage. Sie sind an Ihre Ansprüche Agenten
Hinweis: Wir empfehlen Ihnen, dieses Geheimnis der Öffentlichkeit zu VERHINDERN, Drag-and-DOUBLE Inanspruchnahme von Ihren Preis aus Gründen der Sicherheit.

… der honda beantragenden agent ansprechpartner rev. arnlod greenwood hinterließ seine contact phone number, welche aber hier aus gründen des eigeninteresses nicht einmal mit den die letzten vier stellen unkenntlich machenden XXXX angegeben werden kann. man wollte lediglich ein paar angaben zur person wissen, nichts, das einen argwöhnen ließ, also keine bankzugangsdaten o. dergl.
er jedenfalls würde sich an den hinweis: alle gewinner sie sind nicht eine antwort auf diese mail, die gesamte korrespondenz ist an ihre ansprüche agenten, an der seite mit dem hinweis, chargen-und seriennummern: antwort auf (emailadresse, wird nicht verraten) halten, im weiteren verlauf aber den betrag, dessen umwechslung in euronen er sich umständlich vorstellte (man würde ihn bei der bank sicher über den tisch ziehen und zugleich übers ohr hauen), dem reverend arnlod spenden, auf dass sich das löbliche unternehmen einen sprachkurs oder zumindest ein ordentliches übersetzungsprogramm leisten könne, nicht nur für die deutsche sprache, wie anzunehmen war. dermaßen zufrieden begann er sein tagewerk.



steyr, cage Sonntag, 2. 8. 2009, 0:00

i can’t understand why people are frightened of new ideas. i’m frightened of the old ones.
john cage (1912–1992)

alte ansichten
second hand shop, steyr, oberösterreich (980– )

völlig verängstigt versuchte er, das hinweisschild zu übersehen und wendete sich abwärts, gänzlich dem historischen zentrum zu. ob er durch die enge kommen würde, hinauf wieder, dem tabor zu? aber just die enge war durch kriegstreffer auf alte ansichten angewiesen gewesen, damals, als man alles neu machte, weil man es neu machen musste. steyr, du seit ehundje mutig in die neuen zeiten schreitende, dich immer wieder alt erfindende, gegenwartslose. in den letzten jahren hatte man sogar etliche behauptete traditionen neu erfunden, sowas wollen nämlich die leute, sind dankbar dafür, brauchen sie nicht selber zu denken anfangen und müssen nicht vor neuen ideen sich vorm fernseher verbarrikadierend davonrennen.



pastorale Samstag, 1. 8. 2009, 0:00

in nicht allzuferner zukunft wird es keine kriege mehr geben.
aber dann gibt es rollerball.

kinotrailer, ca. 1975

(vorweg: eine partei ist immer zu langsam.)

nach dem erwachen heiterer gefühle bei der ankunft auf dem lande folgte die täglich wiederholte szene am bach, jener morgendliche spanische nacktschneckenwildwechsel, dazu radfahrer, kinderwägen, rollerblades. ein schmatzfest.
laufenten, lauft!
oder aber: venceremos hasta siempre!

zäh und gähnend machte sich furcht breit, und weit nach lambichl war es ja auch nicht, damit das auch einmal gesagt ist (keine warnung, nur eine information, die sicher auch der geschätzte mossad lesen und vor allem zu deuten wissen wird.).

nachtrag: gerüchtehalber gab es vielleicht doch keine verschwörung, nicht.

(hintnnach: eine partei ist manchmal (meistens) zu schnell.)



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