jugend, ewige Dienstag, 31. 3. 2009, 0:00

bist du auf dem land und siehst dir dort die partezettel an, so kannst du sofort erkennen, ob einer adrenalin-, taurin- und sonstnochwasverstärkt aus der kurve gefahren und nicht mehr nach hause gekommen, oder ob die urgroßmutter nach langem, mit großer geduld ertragenen leiden, versehen mit den tröstungen der hl. kirche zu gottunseremvater heimgekehrt ist: letztere hieß eher amalia oder (wirklich wahr!) euphrosyne, ersterer möglicherweise kevin, am beifahrersitz, angeschnallt (immerhin) überlebt, mit halskrause beim begräbnis, saß jennifer oder schaklin. gehen wir einmal davon aus (und hoffen wir!), dass dieser auslese (bei den jungen; bei den ganz alten ists eher die spätl.) doch etliche jetzt mit jugendlichen vornamen behaftete entkommen und rechnen wir die bevölkerungspyramide wissenschaftlich-kalt aufwärts: ab wann klingt ein name alt? mein großvater hieß dominik, das klang für mich sehr alt. in gewissen, dem prekariat ferneren schichten als jene, die ihre kinder nach aktuellen von seitenblicken erfassten sternchen nennen, werden söhne längst schon wieder dominik, sebastian etc. genannt. und schön langsam kommen auch die ersten renés ist lift- und haarteilanmessalter. jawohl, die ewige jugend, sie wurde uns mit dem namen mitgegeben. (an die hirschgeweih- und djötzitatoos wollen wir jetzt – bitte! – nicht denken müssen.)



passage (2) Montag, 30. 3. 2009, 0:00

im hafenstädtchen fand er einen platz an der sonne, der solange ruhig war, bis reisebuszeit war, der frühe nachmittag. dann teilte sich vor ihm der strom jener frischentlassenen, die ihre zur freien verfügung stehende zeit abzuarbeiten hatten: geradeaus die, die stets dorthin gehen, wo alle hingehen, und links weg, alle die, die nicht dorthin gehen, wo alle hingehen.
die individualisten, eben. deren gab es auf atlantis mehr als hundert prozent (jawohl, das ist möglich, denken wir nur an die mobiltelephonpenetrationsraten). ihrer erlebnisse sind mannigfaltig, untoppbar, zumindest.



passage (1) Sonntag, 29. 3. 2009, 0:00

alle sind anfänger, die auf besuch nach atlantis kommen. das tragische ist, dass man sich augenblicklich gegenseitig als besucher erkennt: groß, hellhäutig, trekkingschuhe, touristenblick (stabiles hohlkreuz, kopf ins genick, sodass die offene kinnlade horiziontal verweilen kann). vor und nach dem nun einmal unvermeidlichen passieren ¡holla!t es im regen austausch mit den grußfreudigen atlantikern. während der passage stummes, ausdrucksloses zubodenblicken. weil man will ja der einzige sein, der den schönsten flecken von atlantis einzigundallein (und vor allem ohne extraatlantische=menschliche zeugen) entdeckt hat. zum nachweis der existenz genügen die bilder aus den digitalen spiegelreflexkameras oder ausm mobiltelefon. das ist man sich als expeditionsleiter seiner selbst schuldig.



unintegriert Samstag, 28. 3. 2009, 0:00

als er ankam und sich bei den busplänen schlau machte (zum hafen) sah er, dass es besser war, ein taxi zu nehmen, es ist ja nicht so weit. außerdem, so erzählte man ihm später, bleibe der bus weit oben im ort stehen. später, auf der anderen insel, wieder der blick in den busfahrplan, den er diesmal genauer studierte. man hatte ihn so gestaltet, dass der bus, der hier, immerhin, seine haltestelle gleich bei der mole hatte, vor dem eintreffen einer fähre abfuhr und nach dem ablegen wieder ankam. die fahrpläne dieser inseln waren ohne jeden zweifel von der taxiinnung ausgetüftelt worden. ihre gestaltung bot doppelt argumentative absicherung: ja, es gab öffentliche verkehrsmittel. nein, wie man ja an der fahrgastfrequenz ablesen konnte, es gab keinen allzugroßen bedarf nach einer ausweitung und verdichtung (geschweige denn einer vernetzung) der fahrpläne.
augenblicklich fühlte er sich daheim, und der fahrgast war die berühmte wurscht vom herrn edlinger, auf die er besser seinen hund aufpassen ließ, es sei das sicherste.
zugegeben, dieser vergleich ist etwas weit (und mit mehr als einmal umsteigen) hergeholt; es sind aber auch etliche meilen nach atlantis.



legasthenikersommerfrische Freitag, 27. 3. 2009, 0:00

landweilig.
ahhh. (auch frühfrühlings)



quid sit veritas (2) Donnerstag, 26. 3. 2009, 0:00

ein volk, ein führer, ein theater
inschrift, theater im olympischen dorf, berlin, 1936 (knapp vor der eröffnung abgeändert)



quid sit veritas? (1) Mittwoch, 25. 3. 2009, 0:00

weberknechte (nicht nur tränen; anderen überlieferungssträngen zufolge: dänen) lügen nicht, und tausendfüßler haben nicht annähernd so viele kurze beine.



portionieren Dienstag, 24. 3. 2009, 0:00

er musste seufzen. die ersten zeilen, die ersten seiten ließen keinen zweifel, dieses buch würde ihn über alle maßen beglücken. er mochte sich gar nicht ausdenken (das hatte ohnehin der autor für ihn erledigt), wie treffende beobachtungen, wie wunderbare wendungen auf ihn warteten. und im gegensatz zu nabokov, bernhard oder kafka handelte es sich hier um einen lebenden (und noch dazu jungen) autor, man konnte also mit dem gesamtwerk mitwachsen und müsste sich nicht, da seine unwiderrufliche begrenztheit abzusehen war, alles schön langsam, wie beste schokolade, auf der zunge zergehen lassen, immer in der hoffnung, rechtzeitig mit dem zerschmelzen des letzten stückes (ganz am ende) auch zu vergehen.
dieses buch (nennen wir es beim namen: die frequenzen), er würde es sich nur als belohnung gönnen, in kleinstmöglichen happen, homöopathisches lesen, jawohl, so nahm er es sich vor, und wusste zugleich, dass er, heißhungrig wie er nun einmal war, den ganzen schinken auf einmal verspeisen würde.
setz dich nieder, halt den mund, der dir immer wieder aufgehen wird, lies, zeile um zeile, und schnalz mit der zunge. was für ein fest.



aufstiegshilfe Montag, 23. 3. 2009, 0:00

denn mit dem lesen verhält es sich wie beim anstellen zum schilift (heutzutage: mindestens ein vierersessellift): eine ganze menge schiebt nach vorn, und nicht jeder, der als nächster drankommen würde, steigt tatsächlich als nächster ein, wartet vielleicht noch auf freunde seiner gruppe, andere drängen sich vor, wieder andere gehen in der singleline selbstverständlich an den scherbereiten anstelllämmern links oder rechts vorbei, sodass manche, wenn sie sich nicht wirklich engagieren, nie hinauf auf das förderband kommen, wo sie den sessel in die kniekehle geschoben bekommen, ohja, manche stehen tatsächlich bis betriebsschluss knapp davor, bleiben, trotzdem sie einen wochenpass gelöst haben, ewig zwischen durchgangskontrolle und abfahrt, es wäre besser, sie hielten nicht die anderen auf, sondern gingen auf ihr zimmer und läsen ein gutes buch (aber welches, so viele drängen nach vorn!).
wäre das lesen nur annähernd so erwünscht undalso gefördert wie in gewissen fremdenverkehrsgemeinden die zügige finanzierung der neuerrichtung oder kapazitätsverbesserung sogenannter aufstiegshilfen (helmtragen und vermeidung der diese saison so aktuellen undalso medial beliebten tödlichen politikerunfälle selbstverständlich inbegriffen). und der sport ist doch so volksgesund, sodass keiner auf schlechte gedanken zu kommen braucht.



nicht nur im hochwinter Sonntag, 22. 3. 2009, 0:00

…von der außenwelt abgeschnitten.
(innenweltläufig zugänglich, jederzeit.)



zeitverschiebung Samstag, 21. 3. 2009, 0:00

wer sich mit lichtgeschwindigkeit bewegt, dem steht die zeit still, sagt der wissenschaftler im radio.
also steht fürs licht selbst die zeit still. warum brennen dann meine glühbirnen irgendwann doch aus? wie spät ist es bei denen?
soviel zur heutigen tagundnachtgleiche.



erhebend Freitag, 20. 3. 2009, 0:00

und die bananen, auf ihren stauden, was für eine unglaubliche anstrengung, derart gegen jede schwerkraft aufwärts sich zu krümmen, sich krümmend zu wachsen, sie streben dem licht zu, das sich wieder einmal als wesentlich stärkere, ach was, als die kraft herausstellt.
erregend.



verlesen Donnerstag, 19. 3. 2009, 0:00

der erbsbischof mitsamt seinen suppenwürsten steckte tief in der kicherkrise, diese dauerpubertät derer, die nie gelernt hatten, ein natürliches verhältnis auch zu jenen frauen zuzulassen, die nicht ihre erbswurschtsuppenkochenden selbstverständlich jungfräulichen mütter waren.
aber selbst akne wäre heilbar. wenn man wollte.



zart vs. dumpfdominanz Mittwoch, 18. 3. 2009, 0:00

holunderblütenduft zu idealtypisch spätwinterlicher grabsbesuchskleidung trägt die alte dame in erfrischender würde, sich wohltuend abhebend von den alkoholisierten rapidfans, die die vorortelinie (nicht nur) olfaktorisch dominieren.
der holler, er würde obsiegen, letztlich. (religion hinoderher.)



solarisch Dienstag, 17. 3. 2009, 0:00

bräunerhof, halbelf. herein stadlert petzners birne. das geheimnis, woher der restlebensmensch seine allzu gesunde farbe hat, es ist gelüftet. hat man ihn beim verzehr einer karottentorte beobachtet? nein, mohn wars.



fastenspeise Montag, 16. 3. 2009, 0:00

gelangweilte ferkel auf nacktem beton.
radioankündigung (morgen um fünf vor neun:), 11.3.2009

da rattern zwei denkassoziationen hemmungslos los. zum einen wären da legendäre filmtitel hochwertiger qualitätsprodukte der siebziger jahre wie hexen, bis aufs blut gequält; blutjunge mädchen, hemmungslos; heiße schenkel, feuchte lippen. filme dieser art waren in der legendären nachtvorstellung im biograph (nicht: pornograph) zu sehen, nicht für uns, und mit rücksicht auf den freizügig gestalteten inhalt können hier keine bilder ausgestellt werden. was haben unsere ohren vor imagination (zu der wir letztlich nicht in der lage sein konnten – und wenn, dann am ehesten bei den hexen) geglüht, vor den schaukästen, in denen es nichts zu sehen gab.
die zweite assoziation ist eine primär kulinarische (siehe: überschrift), und wir stellen uns ein sehr feines restaurant vor, beim charity-fasten, und der dompfarrer toni faber lächelt in die seitenblickkamera.
jedenfalls aber: malzeid.



berufen Sonntag, 15. 3. 2009, 0:00

herr kurti, bitte ‘neunhundertsechzig’ rufen!
durchsage (frauenstimme), möbel leiner, wien 7, 7.3.2009

… diese macht des befehls (der seit canetti ein stachel ist, bis er erfüllt wurde)!

nicht durchgesagt wurde, wie oft, wie laut, in welchem affekt (…) diesem für eine strafaufgabenähnliche anweisung freundlichen befehl seitens herrn kurtis nachgekommen werden sollte.



geschmack, verstärkt Samstag, 14. 3. 2009, 0:00

endlich wieder da: die shrimps.
werbebotschaft eines internationalen beinaheessunternehmens

wie das schmecken mochte, so frisch heraufgestoßen? wiederkäuerlich säuerlich.



schlankland Freitag, 13. 3. 2009, 0:00

fast jeder zweite fühlt sich zu dick. die hälfte davon will abnehmen.
kleine zeitungsmeldung, 27.2.2009

er nahm stanlaurelgleich die finger hervor, überlegte und sagte dann zum fiktiven ollie in sich (jeder hat beide, immer, in sich): von zweien die hälfte, das ist ja jeder erste, also alle.
auch der lebensmittelhandel, er würde die krise zu spüren bekommen. erst recht bei abnehmendem mond, jo-jo.



nuschelhart Donnerstag, 12. 3. 2009, 0:00

und: nuscheln? wo wäre das anzusiedeln? keine harten getränke! nur softdrinks. – sehen sie, jetzt wirds paradox.



lustrau | kuschelweich Mittwoch, 11. 3. 2009, 0:00

gibt es, analog zur mohsschen durskala, auch eine der weichheit, die kuschelsche mollskala? wie weich wäre ein kuschel?



kuschelweich Dienstag, 10. 3. 2009, 0:00

der lebensfreund aber, der wieder freund des lebens werden wollte, erstand nach überstehen der katastrophe als erstes eine familienpackung weichspüler. es gelang.



lustrau Montag, 9. 3. 2009, 0:00

natürlich, er hatte schon davon gehört, es sollte tatsächlich menschen (entgegen einschlägigen werbungen sogar frauen!) geben, die ein weichgespültes, schonend getrocknetes frotteebadetuch zurückschrecken ließ, die es grimmig genossen, wenn sie sich mit grobem schleifpapier die muttermale vom rücken raspeln konnten. das frottee mit seinen feinen maschen sei zu keinem anderen zwecke geschaffen, als die festen hartwasserrückstände bestmöglich ans und ins gewebe zu binden. und zum trocknen nach dem wäschwaschen kamen einzigundallein auf größte hitze aufgedrehte heizkörper in frage, schockgetrocknet, jawohl, und hitzschlagstarr harrten sie im badezimmerregal, auf dass ihre derart gezüchteten widerhaken im körper anker würfen.
wenn auch sie derartig deftigen badelustgenuss suchen, kommen sie nach romanshorn (auf anfrage verrate ich ihnen das hotel, ein tadelloser zeitreisebeherbergungsbetrieb mit zeitstillstand in den frühen siebzigern, den ausläufern der resopalzeit), es ist nicht weit in diese zeit, auch aus österreich nicht, lustenau etwa oder sonstwo in vorarlberg (das ja nur vom westen aus vorm arlberg liegt, ein sezessionistischer name das seit ehundje), kaum mehr als eine stunde, das geht auch am wochenende, zur verlängerung.
merkwürdig, dass just das klopapier von einer ausgesuchten vlaushigkeit war, obwohl das ja bestimmungsgemäß in einer region zur anwendung kommt, die für rauheiten solcher art als aufs lustvollste empfänglich zu gelten hat.



teuer genug Sonntag, 8. 3. 2009, 0:00

in nicht allzuferner zukunft wird es keine kriege mehr geben.
aber dann gibt es rollerball.

kinotrailer, ca. 1975

in der früh zum flughafenzug, natürlich würde er so bald in der früh zum flughafenzug schwarzfahren, der flughafenzug war teuer genug, und wer würde auch so bald in der früh mit einer kontrolle rechnen müssen?
in der nacht davor hatte er einen traum. oder war es nur eine vorstellung, die ihn überkam, als er fühlte, wie sich langsam wie das wasser in einem überschwemmten keller in ihm der schlaf ausbreitete (in diesem dämmerzustand noch zitierte er kehlmann)?
es ist ein ausgeklügeltes system, basierend auf den allerneuesten telekommunikationstechnologischen errungenschaften. dafür ist es nötig, dass jeder mensch ein funkchip am bzw. im körper trägt, von ihm unzertrennlich in der allertiefsten bedeutung. im speziellen anwendungsfall erfolgt durch das betreten einer fahrscheinpflichtigen zone des öffentlichen verkehrs ein automatischer anmeldevorgang, der dich, so du männlich und unbescholten bist und in vitalem alter stehst, einem verfügbarkeitspool zuordnet, vergleichbar dem geschworenenamt. wirst du jetzt vom system, das die zentrale ist (es ist eine virtuelle zentrale, weil das system rein algorithmisch und jedenfalls vollautomatisch nach fuzzy-logic agiert), aktiviert (ein leichter stromstoß, der ein eher angenehmes kribbeln auf der von dir selbst zu bestimmenden hautstelle – beliebt ist unter den achseln oder im schritt), das geschieht immer zusammen mit einem dir bis dahin üblicherweise unbekanntem zweiten im selben wagen, so ergeht der ruf an dich, dass du genau jetzt ausersehen bist, vom system, kontrollorische tätgkeiten undalso pflichten wahrzunehmen. zuallererst nimmst du fühlung mit deinem kurzzeitpartner auf (ihr werdet euch erkennen), dann beginnt der kontrollgang, undzwar indem zuerst die beiden waffenbrüder einander gegenseitig den gültigen fahrausweis vorzuweisen haben. hast du aber keinen (wer würde auch um halbsechs in der früh zwicken?), ist es sinnvoller, du ziehst es vor zu erwachen.
ganz abgesehen davon, dass es wesentlich einfacher wäre, bei betreten des autobuses, der bim oder der u-bahn, bei jedem angechippten fahrgast eine registrierung vorzunehmen und, sagen wir: zweimonatlich (im voraus) den dafür zu bezahlenden betrag direkt von seinem mobilitätserlaubniskonto einzuziehen. wer bräuchte da noch kontrollore, eben, gar um halbsechs in der früh, aufm weg zum flughafenzug.
dort haben sie einen schaffner. (sagt man jetzt nicht mehr.)



parsley, yes, please Samstag, 7. 3. 2009, 0:00

es darf kein kohl in das irish stew.
infoscreen, city airport train, wien (6.00 morgens)

ich empfehle auch ihnen: nehmen sie den grünen zug zum flughafen, wenn er auch eher grellgrün, phosphorgrannysmithgrün als kleegrün, keineswegs aber kohlrabi- oder gar kohlgrün ist. und was man da alles nützliches erfährt, so früh in der früh, malzeid.
petersilgrün ist er leider auch nicht, der stadteinwärtige neppzug, der frühmorgens hinaus so praktisch ist.



verspätet reconquistatives Freitag, 6. 3. 2009, 0:00

genau genommen habe die neuzeitliche unterwanderung unseres hl. christlichen abendlandes mit den minaretten von neuschwanstein ihren ersten, entscheidenden sieg errungen, und damit längstschon aufs perfideste einen fuß in der tür. weiteres indiz sei, dass weiland der prinzregent sich von seinem kammerdiener (heimlich, ins ohr zu flüstern) mit hadschi ludwig anreden ließ, vor den wahlen hätte man das besser rasch noch unters volk bringen sollen, so der zurecht verunsicherte erb-el-ha (für: landeshai-erbe).
man hatte glück: es reichte wieder einmal.



naturphänomen, selten (2) Donnerstag, 5. 3. 2009, 0:00

es schneite und die sonne schien. immer noch, auch gegen abend, als das licht schön schief einfiel und er allergrößte obacht übte. wieder nichts. kein schneebogen breit und weit. es musste an der inkommensurabilität der geschwindigkeit der zu boden taumelnden schneeflocken mit jener des lichts liegen. die sichtung des bogens, ein schneetor müsste es ergeben, vertagte er in seine träume.
blinzelnd erwachte er. es gelang.



naturphänomen, selten (1) Mittwoch, 4. 3. 2009, 0:00

es schneite und die sonne schien. er spähte rings umher. das müsste einen schönen schneebogen ergeben.
ergab es nicht. es war nämlich fast mittag. das licht fiel viel zu steil ein. gegen abend aber. er würde sich richtig aufstellen und obacht geben.


(glückliches kiew.)



jubilant Dienstag, 3. 3. 2009, 0:00

der spätglückliche wusste alle wichtigen ereignisse in seinem leben (es gab ausschließlich wichtige) zu katalogisieren: das erste mal papa auto sagen, alle wimmerl (ort, größe, dauer, maßnahmen), sämtliche pubertären pullutionen (er hatte sie in einem eigenen kalender der nachwelt zur zurkenntnisbringung bewahrt – die daten, nicht den inhalt), alle urlaube mit binnenreiserouten, mietautotankrechungen und straßenmautbelegen (auf den touringkarten war er die gefahrenen routen mit filzstift nachgefahren, mautstrecken rot, überland grün, die landschaftlich besonders reizvollen küstenstraßen blau), etliche unverwirklichte liebesprojekte bis hin zu den trennungen von den seiner mutter doch nicht ausreichend ähnelnden lebensfreundinnen mit menükarte und rechnung des abschlussessens (bei kerzenbeleuchtung, stets). nun aber war er gelandet, und regelmäßig informierte er katalogartig und umfassend über den verlauf seines glücks, das nun ihres war, alles in die auslage, der vermessene muskeltonus bei der kniebeuge des umihrehandanhaltens, die kartographie der ersten spinatprotuberanz des wunschsohns, dem man einen edelexotischen namen verpasst hatte, welcher ihn zeit seines lebens als der bildungsschicht angehörig markieren würde.
heuer würde man nun zweiundneunzicheinhalb. es gab, mit bestemm, immer etwas zu feiern. und alle durften mitfeiern wollen müssen, genauestens informiert seit eh und je.



haareinfall Montag, 2. 3. 2009, 0:00

seit etlichen jahren nun trug er sein haar minimalkurz. nach der jugendlichen matte samt engellocken hatte es sich bald als würdiger erwiesen, die fliehenden stellen an der schläfe, diese einsetzende kähle, welche auf nichts anderes als auf frühesteinsetzende außerordentliche intellig- wie längstfristige potenz verwies, nicht mit einer sogenannten frisur zu antworten, etwa einen in diesen jahren durchaus auf creativitæt hinweisenden, mit einem gummiringerl zusammengebundenen (in der regel strähnigen) haarbuschen hinten hinaus und die schultern hinab hängen zu lassen.
so hatte er sich daran gewöhnt, in mehr oder weniger regelmäßigen abständen sein haupthaar einer maximalwäsche zu unterziehen, für deren umfassendes gelingen es sich als unumgänglich erwies, die mehr oder (eher) weniger kurzen stoppel gründlichst undalso völlig vom kopf abzuscheren. wannimmer er also bei einem griff auf seinen hinterkopf eine beginnende verdichtung konstatierte, war es zeit zur rasur, es galt, proaktiv die zyklisch wiederkehrende glatze (um es umunwunden beim namen zu nennen) herzustellen.
woran mochte es nun liegen, dass sich in letzter zeit in immer kürzeren abständen immer dichteres haar gewissermaßen von hinten anschlich? dieser regelrechte haareinfall würde ohne zweifel seine aufwendungen (heißwasser, schaum, klingen, balsam, arbeitszeit, gefahr) beträchtlich erhöhen.
wenn es mäßig nützliche wässerchen und beschwichtigende therapien gegen haarausfall gab, müsste da nicht auch in seinem gravierenden fall hilfe, abhilfe von der hinterrücksen hinterkopfverstrüppung zu bekommen sein?



marterl aller orten (2) Sonntag, 1. 3. 2009, 0:00

orang et laborang
lebensmenschenmotto

kärnten 2009. überall im land werden die hydranten abmontiert und durch orangerne marterl ersetzt. dieweil ziehen sie mit dem aufs phaetonrossgespann gebundenen toten cid in die schlacht gegen die mauren. brennen solls, gegen abend, der himmel ein monochromes farbenspiel, dass die feindeskarawanen wanken.



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