ausgelagert (2) Samstag, 31. 1. 2009, 0:00

und in sankt pölten, wo sie den heiligen sankt pölten verehren, diesen patron aller querulanten, einfahrtzuparker und jener hirnlosen egoisten, die vorm einsteigen in die straßenbahn noch einen tiefen lungenzug nehmen und diesen in den geschlossenen innenraum ausblasen, verrecken sollen sie an ihren luftröhreneinwärts ausfallenden gelben zähnen, heiliger sankt pölten, bittfüruns, kuzi kuzi.
(es handelt sich hier, wie sie sicherlich sogleich erkannt haben, um karikierende, arg übertreibende vorstellungen, mit franzobelixscher motivik noch dazu, nicht einmal selber erfunden also; eine derart pauschal untergriffige, wenngleich in ihrer formulierung barocke, nachgerade abrahamasanctaclaraeske suadenzumutung muss sich jedenfalls keinesfalls mit der ansicht des verfassers dieser zeilen decken oder nicht.)



ausgelagert (1) Freitag, 30. 1. 2009, 0:00

100m deutsch lernen nur 250,- euro
plakatwerbung, rolltreppenwand, u1, karlsplatz. oper (auffahrt zum opernseitigen ausgang)

jetzt stellen sie sich vor, hundert meter deutsch, hundert meter, ungeheuerlich, man fragt sich unwillkürlich (unwillkürlich deshalb, weil, wenn man sich etwas fragt/frägt, dies in der regel unwillkürlich zu geschehen hat), ob man es selbst, deutschmächtig, wie man meinen könnte, auf hundert meter, einhundert meter deutsch bringt, bringen könnte und antwortet sich unmittelbar auf die willkürliche unwillkürlichkeit der ansichselbst gerichteten frage eher wirsch denn unwirsch fraglos so etwas ähnliches wie ich weiß nicht, da müsste ich nachdenken, wobei man längstschon nachzudenken angefangen hat, zu sinnieren, wie das gemeint sein könnte, hundert meter, stellen sie sich einmal vor, vermutlich in dünndruck, und wie lange brauchen sie für hundert meter, dünndruck, mein lieber, seite auf seite, bis es exakt hundert meter sind?, – ich weiß nicht, da müsste ich nachdenken, sinnieren, jawohl, und das ganze ist ja doch ziemlich ein unsinn, über den es sich nicht, keineswegs, auch nicht des rolltreppenaufwärtswegs lohnt, einen gedanken zu verlieren, da ist jede zeile der erörterung eine verlorene, weil das ganze ist ja doch ein schöner blödsinn, und eine person, der solches ins auge sticht eine notorische falsch- oder zumindest allesalscuriosverstehenwollerin, querulantin und damit aspirantin auf die ehrenbürgerschaft von, sagen wir: sankt pölten, womit es uns gelungen ist, diese saudumme frage aufs eleganteste auszulagern.



verwirt Donnerstag, 29. 1. 2009, 0:00

(aus für gewöhnlich gut informierten kreisen verlautet)

christiane hörbiger, auf einer hochzeitsreise (1962) von oben den blick gen italien schweifen lassend: wenn wir den krieg gewonnen hätten, wäre das alles österreich. darauf wolfgang glück, ihr eben angetrauter: wenn wir den krieg gewonnen hätten, gäbe es mich nicht mehr.
wie gesagt: wer wäre wir und: wann wäre wer wir und wann nimmermehr?

nb: ein paar jahre blieb die ehe heil. man fragt warum.



abfahrtsschlapp Mittwoch, 28. 1. 2009, 0:00

wehmut in wengen: riesendebakel für die ösv-herren am lauberhorn, der beste österreicher landet auf dem 18. platz. wer die ersten siebzehn sind, darüber wurde vom orf, bei androhung der ausweisung in die schweiz, eine nachrichtensperre verhängt.



jonknach (4) Dienstag, 27. 1. 2009, 0:00

diese paradox unpoetischen situationen, an denen uns gert jonke einfallen wird, etwa wenn sich elfjährige in prätuberant präpubertärer penetranz ein den waggon stinkbombendosisch umundum zerstörendes nasenzukleisterndes redbull hineingurgeln.
achja, den kleistpreis hatte er auch bekommen.



jonknach (3) Montag, 26. 1. 2009, 0:00

der himmel, der nichts anderes ist als die wasseroberfläche, zu der wir vom meeresgrund aufschauen, ist mit wolkentieren bevölkert. ab und zu schwebt mit auskragenden augen ein rochen oder hammerhai ostwärts zu boden.
gert aber ist längst am oberen bildrand hinausgeschwommen, lurchgleich metamorph. die venus steigt über die kuppel. vorbei an schubert und beethoven verlassen wir, quasi una fantasia, die nekropole.



jonknach (2) Sonntag, 25. 1. 2009, 0:00

die krähen behaupten, eine einzige krähe könne den himmel zerstören. das ist zweifellos, beweist aber nichts gegen den himmel, denn himmel bedeutet eben: unmöglichkeit von krähen.
franz kafka

oben auf der treppe, beim hinaustreten aus der kirchkuppel, die glocken übertönend, die vögel (kirschhackeramseln, raben, eisvögel, haselhühner, goldfasane, kondorsegler, fischadler, weißkopfgeier, hühnerhabichte, mäusebussarde, turmfalken, spottdrosseln, schneeeulen, amaranten, borstenschwänzler, saftleckerspechte, breitmaulbrillenwürger, blauscheitelorganisten, brutschmarotzstürzler, dickichtschlüpfer, erdhöhlentöpfer, gelbpürzelblütenpicker, gimpelhäher, klippenkleiber, lappenschnäpper, luftröhrenschreikropfpfeifer, molluskenschmätzer, pfefferfresstrompetenwürger, rotsichelspötter, schluchtenrötelstutzhaubenpürzler, schneeballwürger, graubrustraupenschmätzer, spitzschopftrugpürzelstelzer, großschnabelkardinäle, dompfaffdotterpinsler, rhinozeroshelmhornputzer, maiskolbenfagottstotterer, schilfrohrschalmeienkeifer und dudelsackbauchflatterer) mit ihrer betörend persönlichen erlösungslitanei, lassen sich dieses eine mal: heute nicht so gnädig erst bitten.
und die krähen, die es nicht geben kann, hinken wie die pompfüneberer nicht und fliegen schließlich ins abendlavendel, heim von eines kurzen tages arbeit, himmelwärts.



jonktraum | variante Samstag, 24. 1. 2009, 0:00

dieser traum in der nacht vor jonkes begräbnis. wir, eine größere gruppe von freunden, haben uns in einem salon oder pavillon versammelt, hell ist es, die stimmung gelöst, nicht traurig oder gar schwer. die tafel ist mit langstieligen blumen (lilien, calla) frühsommerlich geschmückt, die kleider der damen haben auch etwas helles, maiglöckchenhaft luftiges. es ist wie bei der landpartie in fritz lehners schubertfilm, noch ist tag, aber es wird abend werden, und alle anwesenden wissen, dass es zeit wird, auf den friedhof hinauszugehen. gert aber ist unter uns, und gar nicht zentrum der aufmerksamkeit, sondern einfach heiter anwesend, was eine merkwürdig zweischichtige zeitempfindung auslöst: alle hier wissen, dass wir ihn, den verstorbenen, gleich eingraben werden, und ganz sicher liegt er schon längst aufgebahrt in der luegerkirche, zugleich ist er aber hier unter uns, eine leicht unbeholfene peinlichkeit kommt auf, aber keiner, auch ich nicht, wagt ihn anzusprechen, sodass am schluss nicht ganz klar ist, ob jetzt ein begräbnis stattfindet, stattfinden kann.

im aufwachen und nach diesem merkwürdig durchträumten tag, an dem wir uns, nach dem begängnis, im schloss concordia versammeln, diesem patinierten pavillon, dem die nicht vorhandene frühere größe von den wänden abblättert und wohin wohl schon schuberts freunde ihre damals ebenso friedhofsfernen landpartien unternommen haben, ist alles vollends klar.
ich bin nicht der einzige, der gert gesehen hat, blinzelnd aus dem halbblinden spiegel.



jonknach (1) Freitag, 23. 1. 2009, 0:00

und, das wurde bei der rede des wiener kulturaals wieder einmal peinlich deutlich, es sind immer die auszeichnenden, welche anhand der ausgezeichneten sich selbst (durchaus auch persönlich) auszuzeichnen wissen. inklusive ehrengrab, den jonke nimmt wien keiner mehr weg. aber das passt schon so. man stelle sich nur vor: in klagenfurt.
vergessen wir diesen gedanken.



jonktraum Donnerstag, 22. 1. 2009, 0:00

dieser traum in der nacht vor jonkes begräbnis. wir, eine größere gruppe von freunden, haben uns in einem salon oder pavillon versammelt, hell ist es, die stimmung gelöst, nicht traurig oder gar schwer. die tafel ist mit langstieligen blumen (lilien, calla) frühsommerlich geschmückt, die kleider der damen haben auch etwas helles, maiglöckchenhaft luftiges. es ist wie bei der landpartie in fritz lehners schubertfilm, noch ist tag, aber es wird abend werden, und alle anwesenden wissen, dass es zeit wird, auf den friedhof hinauszugehen. gert aber ist unter uns, und gar nicht zentrum der aufmerksamkeit, sondern einfach heiter anwesend, was eine merkwürdig zweischichtige zeitempfindung auslöst: alle hier wissen, dass wir ihn, den verstorbenen, gleich eingraben werden, und ganz sicher liegt er schon längst aufgebahrt in der luegerkirche, zugleich ist er aber hier unter uns, eine leicht unbeholfene peinlichkeit kommt auf, und in einem unbeobachteten moment am gang meine ich zu gert, dass wir schwerlich aufbrechen können, wenn er nicht vorgehe, damit er, der unzweifelhaft tote, sich in seinen sarg legen könne, es wäre doch besser, wenn da niemand von uns zusehen müsse, und die pompfüneberer würden ihm beim besteigen seiner hölzernen raumkapsel behilflich sein, man habe da eine spezielle treppe, gangway, nur kürzer und aus schmiedeeisen, den kranzständern zum verwechseln ähnlich, eigentlich ist es ein kranzständer mit zusätzlicher treppenfunktion, weshalb sie bei begräbnissen niemandem auffalle, da sie dann den kranz an der scharnierlosen längsseite des sarges halte, der die geheimtreppe vollends verberge, und das sei auch besser so.
ob er mit seinem rabengang vor uns aufgebrochen ist oder nur eine abkürzung, ein metaphysisches wurmloch, genommen hat, etwa beim tor eins die stichstraße zur luegerkirche, während die trauergemeinde den offiziösen haupteingang zur nekropole nehmen wird, nehmen muss, wird im traum nicht bekannt gegeben.
beim begräbnis dann funktioniert alles tadellos. fraglich allerdings ist, ob er sich nicht verkehrt und so uns alle hineingelegt hat.



jonktrauer (8) Mittwoch, 21. 1. 2009, 0:00

zu sich nach hause auf die terrasse seines penthouse lädt er uns ein, wo wir jederzeit willkommen sind, aber nur, wenn wir pünktlich und vollzählig versammelt sind.
ich habe diesen text zum abschied stets geliebt, die verblüffung, die sich langsam im publikum breit macht, wenn es die pointe kapiert und dann seine freude, sein vergnügen an den variationen dieser pointe.
gerts penthouse (das einzige seines lebens, in dem er als kauz, wenn auch höflich, so doch weitgehend ignoriert wurde) hat jetzt die adresse gruppe 33 g, nr. 41, unweit von jandl (nr. 29), und unbefristet: auf friedhofsdauer, das gibt sicherheit. sie brauchen aber nicht hinzukommen, weil sie nie nie nie vollzählig sein werden können.

lesen und leben sie ihn, jederzeit willkommen, in seinen texten.

er macht uns so reich.



jonktrauer (7) – choreographiephantasie Dienstag, 20. 1. 2009, 0:00

ob die sargtragenden pompfüneberer bei jonkes beerdigung, die ohne jeden zweifel den gang mit gestutztem flügel gegangen sind, annähernd pinguinisch und selbstverständlich synchron, dies unbewusst oder nach tagelangem training taten, wir wollen es nicht so genau wissen, es ist letztlich egal, es ist jedenfalls im letzten poetisch.


jonke (als webern) und schönberg, berlin, ca. 1926



jonktrauer (6) Montag, 19. 1. 2009, 0:00

heute um 15.30 ist die begräbnisfeier für gert jonke
(wien, zentralfriedhof, karl-borromäus-kirche)

im nachwort zur schule der geläufigkeit schreibt jochen jung: vor langer zeit hat jonke sogar fliegen können; im traum gelingt ihm das heute noch. damit er das nie vergisst, hat er sich einen gang mit gestutztem flügel angewöhnt.
jonke du mutmacher, dass jeder seinem vogel nachfliegen darf, soll und, sich durch niemand und nichts beirren lassen dürfend,  k a n n.  du lebst es vor, und abgehoben bist du schließlich aus deinem allzu engen leib, mein lieber gert.



jonktrauer (5) Sonntag, 18. 1. 2009, 0:00

(am 9. jänner hätten wir in steyr gespielt. und im frühjahr wollten wir gemeinsam nach lissabon.)
was wollen sie noch erleben?, war die letzte frage im filmportrait reise zum unerforschten grund des horizonts von ingrid ahrer und martin polasek.
einmal möchte ich nach lissabon, hat jonke geantwortet, oder nach steyr, da war ich nämlich auch noch nie.
und hat verschmitzt geblinzelt.



jonktrauer (4) Samstag, 17. 1. 2009, 0:00

jonke hat, oft befragt, warum etwas wie sei oder was etwas bedeuten solle, geantwortet: das weiß ich doch nicht. des kann man nicht wissen.
eben. wissen in diesem quasimateriellen sinn ist nämlich letztlich überhaupt nichts. und sowas beruhigt, macht lächeln, darf zahnlos sein sogar, beim frühstück im hotel in st. petersburg die prothese vergessen habend, laut herauslachen. sokratisch, besser: jonksch (jonkesk, das würde nicht so gut passen).



jonktrauer (3) Freitag, 16. 1. 2009, 0:00

überhaupt hat jonke kaum von seiner arbeit gesprochen, war ja an ihr leidend. glücklich, wenn er fertig war, konnte er sich nicht vorstellen, je wieder etwas schreiben zu wollen, gar zu müssen. so war er auch, nach dem abschluss der stücke und des filmportraits, sehr zufrieden, ja, entspannt in der letzten zeit. viel lieber hat jonke nämlich über die musik gesprochen, klaviermusik zumal, szymanowski, skrjabin, rachmaninow, ihre spieler, richter, hamelin, michelangeli, anderszewski, immer mit begeistertem respekt. ansonsten war das innigste gespräch mit ihm, gemeinsam über die wesentlichkeiten der kunst, des lebens zu schweigen. weil es war alles klar in ihm und auch, von anfang an, zwischen uns, nichts zu besprechen: einfach eine stunde im café sitzen, warten, bis der kaffee wirklich ausgekühlt ist, ihn hinunterstürzen, vielleicht noch einen, oder, früher, red bull, später zuckerfrei, ein paar dosen binnen kurzer zeit, dazu einige zigaretten. zuletzt bitzelwasser, dann ungezuckerter tee, dann stilles wasser. aber immer gestürzt.



jonktrauer (2) Donnerstag, 15. 1. 2009, 0:00

man muss das machen, was man machen muss, und alles andere ist ja lüge … und opportunismus.
gert jonke, etwa 2005

jonke war kein sich mit genialischem nimbus umgürtender großschriftsteller, hatte nicht diese irlandsausgewanderte bedeutungsnot, war keiner, den man nur schräg von unten und mit flatterdem grauhaar posierend ausschließlich für apotheosen ablichten durfte. sowas hatte er nicht nötig. jonke kannte borges kannte jonke kannte canetti kannte jonke. borges und canetti hielten, auf unterschiedliche art und weise, hof. der eine hatte seinen sprechtag, und da ließ der erblindende, schließlich blinde seher nur zu, wen er wirklich sehen wollte, gerne und immer wieder jonke. canetti wiederum mochte in london das gleiche lokal, und er schätzte jonke, seinen geometrischen heimatroman, hat mir jonke erzählt, nebenbei, ohne zu prahlen, das war ihm fremd, und er hat sofort weitere autoren genannt, handke, innerhofer, andere noch. jonke jedenfalls redete mit canetti und borges, über allerhand, und ganz sicher nicht über durch sie zu beförderndes vorwärtskommen in einer zu planenden dichterkarriere. die er ja gar nicht plante, planen wollte. andere sind da geschickter, keine frage, er aber hat das gemacht, was er machen musste (siehe das zitat oben).



jonktrauer (1) Mittwoch, 14. 1. 2009, 0:00

mariazeller lebenselixier
tinctura longæ vitæ
anwendung: 3x tgl 10 tropfen
apo. ‘z. gnadenmutter’
mhd 12.2009

arzneimittelaufschrift (50ml)

er hat es mir, als er mir zum geburtstag geschenkt wurde, und wir auch von sankt sebastian in die stadt spaziert sind, augenzwinkernd und mit ernstem blick, jedenfalls vollen herzens, geschenkt. als ehemaligem alkoholiker war dieser alkoholische auszug aus passionsblume, weißdorn, melisse, taigawurzel, orangenschale, zimtrinde und ginkgo wohl nichts für ihn. und er hat damals, anfang juli, zumindest geahnt, dass dieses elixier für ihn zu spät kommen würde. aber es war ein wunderschöner, entspannter, befreiender tag, abend und morgen mit ihm in mariazell, beim lurgbauern und auf der heimreise, für den wir lebenslang, und das bedeutet: über den tod hinaus dankbar und glücklich sein dürfen.
gert, paradieskauz, ganzundgar unabwesender, seit eh und je.



klarsicht Dienstag, 13. 1. 2009, 0:00

in paris blieb es mit minus 15 grad in der nacht auf mittwoch zwar eisig kalt, der eiffelturm, konnte aber wieder besichtigt werden.
der standard, 8.1.2009

nur kurzzeitig also hat sich das stahlgetüm einen weggefroren. was sind wir erleichtert.



klirrsicht Montag, 12. 1. 2009, 0:00

blasssonnenaufgang anfang jänner. dass im winter der osten so weit im süden liegt. dem ist auch kalt.



verzogen Sonntag, 11. 1. 2009, 0:00

die route damberg-schwarzberg-laussa-losenstein war eine beliebte schulwandertagswanderung, waldig, keine ausgesetzten stellen, aber ziemlich ein hatscher – ein wort, das jungen gymnasiastenmenschen die strapazen der großen muslimischen wallfahrt inkulturiert erfahrbar macht.
die laussa, wie man sagt, und erst recht losenstein sind, das ist klar, hinter dem berg, beinahe schneewittchenland, hügelaufhügelab. undaber hinter dem berg ist vor dem berg. und du kannst, nach andern ufern!, das schiff besteigen und wirst nichtsdestotrotz dort aussteigen, wo du schon warst, in dir nämlich, es ist eher so, dass du deine neue umgebung mit dir gewissermaßen kontaminierst, deine ganze fluchtgeschichte ist mit dir, und jenseits des ufers, hinter dem berg, das sind doch unerheblichkeiten. nicht nur als boatpeople auf pantelleria oder lampedusa, auch innerhalb deiner stadt, deines landes, vor, auf oder hinter dem berg.



verlesen Samstag, 10. 1. 2009, 0:00

after-shame balsam
sensitiv
alkoholfrei

(produktaufschrift)

tat das gut, betupfte er sein weißes kinn, danach.



südseetraum (2) Freitag, 9. 1. 2009, 0:00

ob der fisch am boden wohl giftig ist?, so seine schnorchelsorgen, konnte er sich an keinen filmdialog erinnern, in dem gefragt wurde, ob haie giftig seien, gar der weisse. auch bei walen stellte sich diese frage nicht. und auch von rochen würde er nicht gestochen, wachte er auf, klatschnass, badehosenlos.



südseetraum (1) Donnerstag, 8. 1. 2009, 0:00

nicht nur die eidechsen, auch die krabben fliehen vor einem. auch sie haben ihren streng abgesteckten lebensraum, bei ihnen ist es das klar definierte dazwischen.
aber sie fliehen unhörbar, das rascheln der eidechsen wird ihnen vom rauschen der brandung abgenommen.



zuordnungsschemata Mittwoch, 7. 1. 2009, 0:00

rotwein sei in b-tonarten zu klassifizieren, weißer in kreuz. interessant wären die quart/quintenzirkelberührungen im enharmonischen bereich (amarone? marsala? strohwein? trockenbeerenauslese?) cis/des, fis/ges, h/ces. weiters: schaumweine. brände. porter (wie es in erzählungen, die sich englisch geben, heißt).
natürlich ließen sich auch dafür ordnungen finden, neue skalen, klangfarbenmelodien, ich fühle luft von anderem planeten, kam es ihm, entrückend. denn alles braucht seine ordnung, heißt es, auch das chaos. achnein, das ist ja die höchste form der organisation, die nur krankhafte ordnungstypen (niederer ordnung) in ihrer komplexität nicht zu erkennen vermögen.
rotwein, jawohl, rotwein.



vorverkostnotizen Dienstag, 6. 1. 2009, 0:00

ach! ach!, ächelte er milde vor sich hin, heute noch würde er ihn ausgiebig verkosten den neuen jahrgang, o was freute er sich auf ihn, dem die lorbeeren gebührten, und naturgemäß würde er damit aufs freudvollste herausrücken, mit allen lorbeeren prämieren, wie ja letztlich die prämierer durch die – gewährenden – prämierten zu den reziprok undalso eigentlich ausgezeichneten wurden, jederzeit und überall. im vorgefühl von solchem hohen glück schleckte er sich ums frisch rasierte maul, was stets den größtmöglichen genuss im höchsten augenblick versprach.
alles andere als ein diesseitiger hedonist, war er jedenfalls verfechter einer umfassenden epikuräischen sinnlichkeit, hoffte er stets das beste von sich.
ach! ach!, ächelte er milde vor sich hin, abermals.
nun denn, es ging ans entkorken. erbebend sog er einen tiefen zug ein
(allzusehr im augenblick erbebend bricht der text an dieser stelle ab.)



hirnnahrung (bypass) Montag, 5. 1. 2009, 0:00

das nichtlesen von zeitungen und das nichtsehen von fernsehsendungen war ihm ähnlich pauli in der tat eine quelle ungetrübten vergnügens. weil was erführe man denn, als wer wo mit dem radl hingefallen, wer sich den schädel eingerannt und wer irgendwo auf dem heimweg überfahren worden sei. ihn würde dann schon mehr interessieren, von den leuten zu lesen, die gut heimgekommen sind. wolfgang pauli, so ein geistreicher geist. wegen seiner in bälde zu erwerbenden villa sollte er sich vielleicht zu allererst sein geburtshaus an der ecke anton frank gasse / weimarer straße ansehen.



vorsätzlich Sonntag, 4. 1. 2009, 0:00

fürs neue jahr nahm er, statt der üblichen, postchristlich gefärbten vorsätze (abnehmen, weniger alkohol, mehr bewegung – zum gähnen) ein praktisches ziel ins visier: hölzln [hœltchlhn] erlernen und, zum richtigen zeitpunkt, so anwenden, wie es sonst nur wichenchaftler oder literaturgrochkchritiker zusammenbringen.
der endgültige durchbruch war ihm cho chicherlich nicht mehr tchu nehmen.
weil, wie er gelernt hatte, man rechtzeitig drauf schaut, dass mans hat, wenn mans braucht, war jedenfalls klar, dass es zeit war, sich nach einer standesgemäßen villa umzutun.

_____________

gert jonke ist heute in der früh gestorben. was für ein lieber mensch, zauberer, freund. mehr als ein freund: poetisch verbündeter.



irreprehensibilis Samstag, 3. 1. 2009, 0:00

… der werfe den ersten schuh
irakesisch abgewandeltes bibelzitat

franz schuh im magazin des glücks spricht, knapp vor weihnachten, von einem deutlichchprecher und von einem undeutlichchprecher, beides chauchpieler, und der deutlichchprecher, horst buchholz, hatte in jungen jahren einen hochchtapler gechpielt, einen glücklichen.
ich liebe ihn, den fraanz, und seine unerreichte grandezza.



kontinentalverschiebung Freitag, 2. 1. 2009, 0:00

den neuen kineser am wieserfeldplatz gibts nimmer, statt seiner, wie man in steyr sagt, ist dort jetzt der nächste türke eingezogen. den namen, asian house, aber hat er sich behalten.
mit dem eu-beitritt (nicht nur chinas) sieht es schlecht aus.



der ferne klang Donnerstag, 1. 1. 2009, 0:00

für 2009, wo man feiert, dass er zweihundert jahre tot ist: das haydn-handy, wahlweise mit drei klingeltönen.
1) (für aufsteher:) es werde licht – und es ward LICHT!
2) (für traditionsverbundene:) das kaiserquartett, 2. satz.
3) (für ruhebedürftige:) the surprise (der leise teil, nur der, in endlosschleife)
4) achja, die abschiedssymphonie und
5) die welt auf dem mond,
wo es kein telephon gibt, danke vielmals, ein gutes neues jahr auch, und rufen sie uns bald wieder an.



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