dodo Dienstag, 30. 9. 2008, 0:00

im frühstücksraum, ein dunkles zimmer, das, allerhand, lysoform®frei gehalten wurde, lagen in stilisierten kistchen jahreszeitkonform zierkürbisse in form oranger schwäne. ein innerer dialog entspann sich in ihm:
- wozu brauchte man eigentlich zierkürbisse?
- nun gut, zur zierde.
- und schwäne?
- naja, zur zierde, von städten an seen, dazu lodenbürger; oder von städten an ruhigen flüssen, weidenbestanden; oder schlossparks mit weihern (dort: vorzüglich schwarze schw.)
- ja, und zum füttern auch.
- womit denn?
- mit zierkürbissen, möglicherweise.
- zerbissene zierkürbisse, oja.
wie zur bestätigung sahen sie später am ruhigen schwanenlosen fluss eine ente, fett wie eine dronte.



im treibhaus Montag, 29. 9. 2008, 0:00

sein nichtraucherzimmerchen hatte man ihm in jener pension gebucht, in dem, nach einer entspannungszigarette, die willie lomans des allgäus ihre müden vertreterhäupter betteten, ein hotel mit klassischer 4/7-fruchtwechselwirtschaft. da er geruchsbedingt ewig nicht einschlafen konnte (man konnte die augen schließen und die fenster verdunkeln, sich die ohren zuwachsen, nicht aber die nasenlöcher zukleben), war er, im zwang des immerwiedernachschnuppernmüssens, daran, die exakte olfaktorische biographie seines zimmers zu erstellen, es war, so stellte sich rasch heraus, wie mit den eiszeiten: zwischen zwei kalten perioden kam eine zwischeneiszeit, hier markiert durch die zimmerfrau und ihre interventionenen. montags war die nacht des generalvertretungsbevollmächtigten des oberen allgäus (gvbdoa) von nexalotte, dienstag vormittags legte die zimmerfrau eine schicht lysoform® drüber, dienstag zog meister proper® ein, es folgte die lage lysoform®, mittwochs kam herr wunderbaum®, lysoform®, donnerstags der gvbdoa-vandal®e, die vertreterendreinigung beinhaltete lysoform® und noch eine lage cif® im duschkabäuschen (aus dessen eckeinundausstieg er nur deshalb wieder hinausfand, weil er sich, der panik entgegenatmend, vergegenwärtigte, dass noch kein mensch in der dusche dicker geworden sein konnte).
das wochenende war freiatmenden freizeitmenschen vorbehalten.



… und durch! Sonntag, 28. 9. 2008, 0:00

geistige übernachtung
(aufgeschnappt, nicht verhört)

kahlenbergerdorf, hirnbrecherstiege
topgraphisches detail, wien

eigenheimerweiterungsgebiet pressbaum, mit friseurin renate: die idylle, eine bedrohung.

soviel reichlich unkreatives zum heutigen wahlsonntag in österreich, ja, in bayern auch. wenig einfälle, reihenweise ausfälle.
wir wollen uns nicht den kopf darüber zerbrechen, nicht allzusehr.

es geht uns gut
beliebte jenseitsnachricht, meist durch rückwärtsspulen von tonbändern extrahiert



brich auf! Samstag, 27. 9. 2008, 0:00

herr, lehre doch mich,
dass ein ende mit mir haben muß
und mein leben ein ziel hat,
und ich davon muß.

psalm 39 bei brahms, ein deutsches requiem

so sang der bariton in schlicht-berührendem tonfall. mehr aber hörte er nicht mehr, denn er schaltete das radio aus, schulterte sein gepäck und hastete in gewohnter panik zum bahnhof, knapp erwischt, uff.
soviel zum unmittelbaren nutzen des gebets, selbst wenn es andere singen. (aber man sagt ja, wer singt, betet doppelt; danke, lieber bariton!)



ohren auf! Freitag, 26. 9. 2008, 0:00

zuhalten wegen dem umbau
persischer restaurantaushang, wien 9

ich liebe physiognomien. ehrliche physiognomien, wie etwa die von bruno kreisky, karl valentin, bela lugosi oder homer simpson. warum gibt es eigentlich keine operationen für abstehende ohren. oder gibts die eh? weil irgendwo müssen die herausgeschnittenen knorpelteile ja hinkommen. und auch an der originalphysiognomie des hochgeschätzten karl ferdinand kratzl besteht nicht der geringste zweifel. und wenn irgendeiner etwas böswillig-anderes behauptet, dann halte ich mir die ohren zu.



product placement Donnerstag, 25. 9. 2008, 0:00

familie hartlauer
kranzspende (mittig), großbegräbnis, steyr

fragt man bei den pompfünebern nach, erfährt man, dass bei keiner leich’ ab einer gewissen zu erwartenden größe der familie h.-kranz fehlen darf. in der mitte versteht sich. und auch, wenn auf dem partezettel bittekeinekränze steht.
es haben sich alle sehr gefreut. und sind zum löwen getigert.



beherzt Mittwoch, 24. 9. 2008, 0:00

mein arzt rät mir immerzu zum rauchen. seinen ratschlägen fügt er hinzu:
„rauchen sie, mein freund, sonst raucht ein anderer an ihrer stelle!“

erik satie

das wäre jetzt wirklich meine letzte zigarette gewesen.
italo svevo (dem selbige am sterbebett von seinem arzt verweigert wurde; kolportiert)

beim hinausgehen aus der trafikbox im haus schält er sich aus den zeitschriften, der schüchterne, etwas blutleere junge mann mit den für sein alter sehr höhligen scheuen schwarzen augen und den vergeblich gezähmten wuscheligen haaren. mit knochigen fingern seine beinahe unhörbare stimme nicht wirklich unterstützend scheint er sich ein herz zu nehmen: guten tag äh, ich bin von äh marlboro, darf ich sie äh fragen, ob sie äh rauchen?
man würde zu recht als herzlos bezeichnet, würde man da nicht aus mitleid mit äh ja antworten.
herzlos verlasse ich die trafik. der knochenmann zündet sich eine an und nimmt einen rückzug. wieder oben plagt mich das gewissen und ich nehme mir, saties arzt im sinn, fest vor, endlich mit dem rauchen zu anzufangen.
jetzt geht es mir besser.



die schöne wunde Dienstag, 23. 9. 2008, 0:00

die wunde sei zu gut verheilt. das sei aber kein problem. um die fäden heraus zu bekommen, brauche es nur einen kleinen schnitt, nicht der rede wert, und die neue wunde würde er wieder gut zunähen. in zwei wochen solle er dann zum ziehen der fäden wieder kommen, dann sei die wunde gut verheilt.



tungl Montag, 22. 9. 2008, 0:00

seltsam. am ende des sommers war er keineswegs des lichts und der wärme überdrüssig, wohingegen ihn bereits spätestens mitte dezember genug des kalten, finsteren spiels war. um sich zu beruhigen, klikkte er von zeit und zeit nach tromsø, wo sie ab der tagundnachtgleiche, diesem allerdurchschnittlichsten erdentag, an dem sich die sonne auf ihrer winterreise hinter den äquator verzog, für das mehr an licht zurückzahlen mussten, das hatten sie nun davon, hehe, streng aber gerecht.

(ein schwacher, nirgendwo einlösbarer trost; s.a.g. – so ein blöder, allzuviel schaden angerichtet habender nachkriegsschulkinderziehungsspruch.)



generell Sonntag, 21. 9. 2008, 0:00

nur gebildeten menschen kann schreiben das gespräch ersetzen.
italo svevo, una vita (1892)

zögern sie also meinetwegen nicht mich anzusprechen.

(z.b. demnächst – vielleicht sogar heute noch!)



auf schiene (4) – abstellgleis Samstag, 20. 9. 2008, 0:00

warum hat das garnicht zur wahl stehende orangenoriginal, dessen fratze an die rückkehr zur rückkehr vom planten der affen entstammt, auf einem wahlwerbeplakat ein vierterl vor sich, daneben einen krug, dem deutlich weniger entnommen wurde, als er-hat-euch-nicht-belogen im glas hat? wem hat er meinetwegen die uringelbe flüssigkeit weggenommen? stammt sie gar von ihm? warum ist sie dann nicht orange?

der durchunddurch gläserne kandidat.



auf schiene (3) Freitag, 19. 9. 2008, 0:00

entspannt 60 minuten nicht kommen.
vertraulich gefilterte werbemitteilung

wenn du aber auf den anschluss wartest?
und: rückerstattung?



auf schiene (2) Donnerstag, 18. 9. 2008, 0:00

jesus lebt
vom zug aus sichtbares christliches plaktat beim bahnhof wien-penzing

unmittelbar daneben plakatiert eine wahlwerbende partei mit zahntechnisch grinsender fratze jetzt geht’s um uns österreicher.
im abstand von knapp 2.000 jahren dräut uns also der zweite akt der erlösungsgeschichte.
welch wehrhafter krist könnte da wen anderen wählen wollen?



auf schiene (1) Mittwoch, 17. 9. 2008, 0:00

heiligenstadt, endstation
wiener linien, u4

soisses, das sagt der sprecher der wiener linien, mit seiner stimme, die so unsinnlich ist, dass sie schon wieder sinnlich ist, die ich in all ihrer staubtrockenheit und nicht zuletzt ihrer offenbaren ungeschultheit wegen der allzu engagiert-bewussten der kottankontextuell durchaus geschätzten chrislohnerstimme bei den öbb fast schon fanclubgründungsanregend bevorzuge (aber wer kann es sich schon aussuchen?).
aber nein, weiter gehts, er sagt, nach einem herausgeschnittenen einatmer sein unvermeidliches umsteigen zu den linien… (etc.)
und auch für beethoven war ja 1802 hier noch nicht wirklich endstation, keineswegs.
weiter gehts.
und wie auch.
spitzen wir die ohren, herr spock.



abwärts, alles Dienstag, 16. 9. 2008, 0:00

ach du gute alte zeit!
aber heute!
statt isometrischer buckübungen zum verjazzlten happy-trumpet-sound james lasts qi-gong zur geruchsfreien mittelalterusurpation arvo pärts.
das aseptische weisheitsgewäsch zum tag von paulo coelho statt wirklich und unverlogen erbaulicher bibelsprüche auf postertapetenpostkarten zur fotobibel.
und kombucha statt des guten carokaffees.
und so weiter.
nein, gut sieht es nicht aus.

(und buckte sich, mit bestemm; es zoog.)



zip – unzip Montag, 15. 9. 2008, 0:00

im sommer war er doch auch auto gefahren, zuletzt aus dem ausseeerland in den slowenischen collio und zurück, zeit für komplette opern (2008, ein wagner-jahr), unterbrochen nur vom schnellsten verkehrsdienst österreichs. gleich dem fernsehen in der kulturtechnik des verkehrsradiohörens ungeübt reagierte er allzu aufmerksam, ja, sensibel auf die allen autofahrern unterwegs zugedachten mitteilungen. ihm fiel auf, dass man vor allem für berüchtigte autobahntunnel mit einem gewissermaßen rot blinkendem wort warb, und das lautete: zeitverlust.
auf einen schönen sommer zurückblickend wollte er hoffen, dass sowohl die nach süden als auch jene nach norden strebenden ihre zeitverluste wider wettmachen hatten können, aber wo bekämen sie diese dann zurück, etwa ab der tunnelmitte im tausch gegen die entgegenwartende autoschlange? oder dürfe man es sich so vorstellen, wie friedrich torberg, im alter von etwa siebzig jahren seine leiden und wehwehchen aufzählend, meinte, wenn er gesünder, gesund gar gelebt hätte, wer weiß, vielleicht wäre er jetzt schon fünfundsiebzig oder achtzig.
könne man sich also derart (wartend; rauchend, saufend, sein leben woesnurgeht verlotternd) unnötige leerräume sparen, wie uns das ja auch in der computerwissenschaft vermittelst der möglichkeit, daten zu komprimieren, äh, vorgelebt wird?



flieg! Sonntag, 14. 9. 2008, 0:00

eignet sich aufgrund seiner größe beim einchecken zum vermeiden von zusatzkosten durch gewichtsüberschreitung.
argumentative produktinformation zu einem trolley-koffer

erleichtert hob er ab.



einposauniert Samstag, 13. 9. 2008, 0:00

ah, sind sie das, der mit der posaune gespielt hat?
obsolete frage

(nein, ich halte sie nur; spielen, das tut ein anderer, beinahe nicht ich.)



die befreiung des drachen Freitag, 12. 9. 2008, 0:00

flieg!
seine befreiung vermittelst losbinden begleitende ermunterung, dambergwarte, 6. september 2008.

(ein ungeahnt elegantes gleiten.)



endlich anfangen Donnerstag, 11. 9. 2008, 0:00

der eine wollte in der pension endlich das buch schreiben, das er schon so lange mit sich herumtrug, der andere: russisch lernen, nicht zuletzt um dostojewski endlich auch im original lesen zu können, hat er mir anfang august schmunzelnd erzählt.
natürlich, dann wäre zeit gewesen, wenn die täglichen anforderungen ihrer kommunikationsintensiven und beseelt belebten berufe von ihnen abgefallen wären.
dann geht der eine auf einen berg und den anderen erwischt unvermittelt (wie auch sonst) eine, ich sage es auf russisch, эмболия легких (emboliya legkich, sprich embolija ljohkich).
dabei waren sie keine vertager, verjährer gar, ein jeder hat seine sache, sachen gemacht, belesen wie sie waren, jeder auf seine art. und belesen ist man nicht, wenn man viele bücher gschnupft hat, das ist der kleinste anteil, ähnlich dem technisch perfekten musiker, der nur die noten, das notenbild, die töne, exekutiert, nicht aber die musik! spielt – und von letzteren, einzig zur kommunikation, zur kommunikation mit dem herzen fähigen gibt es allzu wenige.
die mitten im ernst des lebens stehenden warter mögen weiter warten, bis er von ihnen abfällt, aber dann ja was dann.
vornehmen aber will ich mir, weiterhin (wie es mit lebensklugen vorsätzen nun einmal zu sein pflegt): anfangen.
ein erster schritt.



vorgänger (2) Mittwoch, 10. 9. 2008, 0:00

in memoriam des entfernten freundes ging er weit, nicht aber ausschließlich bergan. querfeldein, durch wildes gestrüpp, höhenmeter und tiefenmeter. und er kam weiter unten an.
wohlbehalten, wie man sagt.
(aber was wäre das?)



vorgänger (1) Dienstag, 9. 9. 2008, 0:00

die hinterbliebenen
die trauernden hinterbliebenen
die tieftrauernden hinterbliebenen
die tiefsttrauernden hinterbliebenen
die tiefsttrauerndsten hinterbliebenen
die tiefsttrauerndsten hinterbliebendsten

(wer wohl welche wären, bei einem selber, dereinst baldschon.)

nach dem begräbnis tranken sie ein glas heller freude.



abheben (für k) Montag, 8. 9. 2008, 0:00

2008, ein brennnesseljahr
persönliche erfahrung

und wenn du den traunstein hinaufgehst, was auch sonst als den naturfreundesteig, willst du gar nicht bis zum gipfel, zum riesenhaften gipfelkreuz pilgern, das wäre was für abnicker und zustimmer, dem bombast des katholizismus und perpetuierenden kriegergedenkens erliegende, nichts für dich also, nein, das ziel ist nicht sosehr dieses vorläufige oben, es ist das gehen, das weiter gehen, das ruhen, die aussicht, weit, weithin weg.
es geht immer weiter. abheben.



wellenbrecher (2) Sonntag, 7. 9. 2008, 0:00

warum aber die sonne, die umweltbewusstsein vortäuschende gastwirte und hoteliers auf die badezimmerspiegel kleben lassen (können sie sich vorstellen, wieviele tonnen waschmittel tag für tag in den hotels dieser welt… – natürlich nicht!) ein sonnenbrille aufhaben muss, ich kann es mir nicht vorstellen. und: sollte es nicht eine umgekehrt aufgesetzte oder zumindest eine verspiegelte sein?
oder so eine sonnenfinsternisbrille vom hartlauer? – jawohl, das wärs!



wellenbrecher (1) Samstag, 6. 9. 2008, 0:00

schließlich kaufte er sich doch noch eine neue sonnenbrille, womit, über nacht und bei neumond, die hitzewelle vorerst gebrochen werden konnte.



innovation für unterwegs (2) Freitag, 5. 9. 2008, 0:00

vorschlag für eine andere nützliche doppelcreme: nutella mit sonnenschutzfaktor afrika (aus plausibilitätsgründen jetzt neu mit bounty-geruch!)



innovation für unterwegs (1) Donnerstag, 4. 9. 2008, 0:00

(seufz)
geschirrspülen, tilly*
(…)
sie baden ihre finger drin
(… – hhh!)

(legendärer werbedialog)

(die zarten tillyfinger beruhigen die nervösen hände der namenlosen dame, worauf diese, erst verunsichert, schließlich aber doch ihre hände wieder ins mit lauer werbelauge befüllte gläserne obstschüsserl zu versenken wagt.)

(männliche stimme aus dem off:)
palmolive – pflegt die hände schon beim spülen

* tilly, jene etwas bürgerlicher situierte kusine der omo-clementine

vorschlag für eine weiteres nützliches zweiineinsprodukt, vor allem fürs reisen: die rasierzahncreme, mit gilette*-geschmack.

* mittlerweile bei fünf (in worten: fümpf) klingen angelangt.
frage 1: wo dürfen wir uns hier die asymptote der utopie vorstellen? (vgl. die entwicklung des 100m-weltrekords bis zu ununterbietbaren 0 sekunden)
frage 2: wieviele borsten hat die zugehörige rzb (rasierzahnbürste); und: doppelprodukt?



kontinent k (3) Mittwoch, 3. 9. 2008, 0:00

linz – man lächelt immer in österreich, wenn jemand diesen stadtnamen nennt, er reimt sich zu unwillkürlich auf provinz.
stefan zweig, joseph fouché – bildnis eines politischen menschen

kleinwüchsige blicklose schufte, die an allem bedeutenden, das ihnen erscheint, immer nur ihre eigene gemeinheit erkennen.
ernst bloch

in linz müsste man sein.
volksweise (beim abschminken)

(dieses dräuende kulturhauptstadtjahr. ideale gelegenheit, den angestammten kleingeist grellstmöglich ans licht der öffentlichkeit treten zu lassen. mit vollen hosen.)



im fond Dienstag, 2. 9. 2008, 0:00

nicht genug damit, daß es lamm und katze ist, will es fast auch noch ein hund sein.
franz kafka, eine kreuzung

dogg, dogg
nach ernst jandl

unversehens war er zum hundehalter geworden. die rückbank, auf die man ihn setzte, barg eine französische bulldogge, ein possierlich kompaktes vieh mit dem gesicht eines tiefseeanglers. kaum hatte er platz genommen, wälzte sich das tier leise grunzend auf ihn zu, schien (vergeblich, was es nicht genierte) die brust zu suchen und rollte sich dann ein paarmal gegen den uhrzeigersinn auf seinem schoß, um unmittelbar in einer mischung aus grunzen, schnurren und röchelndem schnarchen zu erstarren.
ganz selbstverständlich (und wohl vorsorglich) hatte er weiße kleidung angelegt.
vorbildlich. (der hund blieb sauber, die kleidung teilweise weiß.)



herbstlmütterbertl 2008 Montag, 1. 9. 2008, 12:00

liebe mba.

hoffen, hoffen, hoffen. es ist alles offen. der tunnel, in den ich beim schreiben dieser zeilen einfahre, er ist für den zug eine ein- und ausgangsoffene angelegenheit (will ich hoffen), die längstvergangengeglaubte olympiade, sie hat allerdings vor kurzem erst begonnen (um in vier jahren mit den o. spielen in london zu enden), ebenfalls ergebnisoffen, und olympische spiele, sie sollen angeblich seltener sein alswie, sagen wir: wahlen, die ja bekanntlich ab sofort in österreich alle fünf jahre sind, die symbolik ist evident, so kann die opposition (und das österreichische parlament scheint zumindest zu hundert prozent aus o. parteien zu bestehen, ein vorteil, den sog. große koalitionen mit sich bringen, wobei alle immer darauf hinzuweisen wissen, dass gerade und nur sie die eigentlichen gestalter sind bzw. gerne wären, ließen sie die anderen, seien sie regierungspartner oder alleinideenspendende opposition oderaberauch tageszeitung, was dem fass die sprichwörtliche krone aufsetzt, und ganz unten im glas, was sie in deutschland neige nennen, da wartet der abgestandene hansi, unsterblicher noch als selbst canetti war, klammer zu), so kann die opposition also alle theoretisch fünf jahre die im österreich so beliebten schulnoten vergeben, und was sonst als lauter fünfer, was allerdings nicht bedeuten dürfte, dass man dafür eine wiederholung einfordern wird, nein, die durchgefallenen sollen am besten aus der schule geschmissen werden, jawohl, und kein bild entspricht dem kleinwüchsig kleinformatigen selbstverständnis österreichs treffender, als das des unterstufenschülers, es braucht einfach geschlossenen systeme mit klaren hierarchien, und solange du brav hingehst, nicht schwätzst noch schwänzst und ansonsten am besten nicht (nicht einmal nicht) auffällst, ist dein und unser soll erfüllt, jawoll, und zum bedeutendsein (das sind wir, alle!) genügt die vergangenheit (welche eigentlich?) und der wintersport, außerdem, dass wir seit ehundoje ein volk der tänzer und (bestohlenen) geiger sind, soisses.

(wie zur bestätigung treffen wir in kürze in sanktpölten ein; gerochen haben wirs schon vor der durchsage des einheitsakzentisch-mehrsprachigen ansagers in der – so heißt der schnelle zug – betrieblichenaltersvorsorgeateh.)

(wie um das prekäre jedweder planmäßiger abläufe zu illustrieren, verweilt der zug ohne dass man die fahrgäste informiert weshalb, in der duftmetropole, ausgerechnet hier, jaja.)

offen gesagt: posaunen werden ja eher weniger gestohlen, zumindest nicht nach streichquartettkonzerten. es kann aber etwa ein tragegurt reißen, das ist auch unangenehm. wie für alles in österreich, hat man für einen solchen (zu verhindernden) fall ein voll implementiertes sicherungssystem vorgesehen, hier in form eines zweiten gurten, der sich in dieser brenzligen, der betrieblichen altersvorsorge hinterherkeuchenden, situation bestens bewähren konnte, geschafft, uff.

wer zu schnell geht, kann auch abstuerzen

offen. habe ich oben gesagt.
das müssen nicht nur nach insektenstichen am rist messiasfußwundengleich beidseitig zerkratzte beine oder eine kurzfristig diagnostizierte krankheit sein, offen kann auch freudige aussichten bedeuten: die flasche, entkorkt, drinnen guter wein. dafür braucht es wenig mut, der mut liegt manchmal eher im aufhören. nicht nur beim trinken, a viech waas, wauns gnuag is, hat man uns fünfzehnjährigen biertrinkadepten beibringen wollen, wodurch wir unseres entkoppeltseins von der natur innewurden.
ich weiß, das klingt etwas geschraubt, aber einer, der unerträgliches (und sei es in der zukunft) nicht länger mitmachen will und befreiende, mutige undalso unverstandene schritte setzt, muss deshalb noch lange nicht einer sein, der sich, kameraden und kusöns – alternde altbauern gar – im stiche lassend, davonmacht, weil es so nicht weitergehen kann.
nun aber ist alles gute offen, wollen wir hoffen, und das möchte ich ihnen diesmal durchaus fröhlich mitgeben, ins neue arbeitsjahr, ins neue leben, das immer nur ein befristetes sein kann: sie haben (immer, wenn sie das wollen) die wahl.
weiter (viel weiter) gehts.



service

1. kauft cds (mütterliche; jedes quantum)

2. neben meinen konzerten, die sie alle auf der vorschau von muetter.at finden, darf ich diesmal ganz besonders auf ein musikalisches mitmachwochenende in schönen kempten im schönen allgäu hinweisen. von 26. bis 28. september wird gespielt. nähere hinweise finden sie selbstverständlich auch in der vorschau.

3. schauen sie ruhig auch zurück.

4. weiter gehts.

herzlichst ihr,

bertl mütter

(der nächste mütterbrief kommt zirka am 1. dezember.)



weite , 0:00

das tote gebirge, dieses unermesslich geheime massiv jenseits der baumgrenze mit den karstspalten wie steingewordne gletscher. wo alles so sehr es selbst ist. zarathustrisch, bis du erst einmal oben bist.
wenn du dann weggehst von oben (ein untergang), es bleibt immer dort, das ganze jahr, tag und nacht, vor allem aber die zeit dazwischen.



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