vorwärts Samstag, 30. 6. 2007, 0:00

unter oberndorf. nach heftigen unwettern steht der zug, fährt kurz an und steht wieder, diesmal aber richtig, man kann sich bald nicht mehr vorstellen, wie ein zug überhaupt zu rollen imstande sein kann, ähnlich den berechnungen früherer zeiten, dass die erde nur eine scheibe sein könne und so etwas wie ein flugzeug eine phantasievolle vorstellung bar jeder vernunft sei, tauchen im kopf theorien auf, warum ein zug nur eine immobilie sein kann, man selber sitzt ja im beweisobjekt.
nach und nach kommen passagiere aus den hinteren waggons und gehen durch in richtung lok, zur zugspitze. so werden sie früher in wien sein, es kommt auf jeden meter an.
unten, auf der straße, dreht ein verblasstroter vw golf dreieinhalb kreise, bevor er diesem lokalen pröllschen gravitationszentrum entfliehen kann.



kollateralverb Freitag, 29. 6. 2007, 0:00

durften wir uns gestern hier über ein schönes neues wort freuen, so darf ich heute ihre aufmerksamkeit auf das phänomen der selten gebrauchten und also im funktionalen aussterben begriffenen worte richten, unlängst erst wurde ja kleinod zum schönsten bedrohten wort der deutschen sprache erklärt.
z, der im hintergrund so zuverlässig und umsichtig die programmtechnischen belange auf muetter.at betreut, hat mir, nachdem er mir beim erwerben eines updates behilflich war (da die kreditkartennummer eintragen, gültig bis – [auf] ok [klikken]), worauf ich, in der nacht, die umstellung erst nach panikausbrüchen (alle daten weg!) und mit zehn linken fingern dochnoch geschafft hatte, am morgen – völlig zutreffend – geschrieben: da muss ich doch schmunzeln – beim kaufen lässt er sich helfen – beim update nicht?!
wie gut, solche freunde zu haben, musste ich betropezt lächeln. und in seiner schelte hat er gleich das schmunzeln auch noch mit belebt, der gute.
nb: dass ich gestern selber hier das wort schmunzeln verwendet habe, zeigt, dass es gegenwärtig in der luft zu liegen scheint. das stimmt doch froh.



voll scharf Donnerstag, 28. 6. 2007, 0:00

täglich dringen neue begriffe in unseren schön deutsch sprach, die meisten diffundieren aus dem computer- oder new-economy-englischen und sind daher alles andere als erfreulich oder gar sinnlich.
vom allzu seltenen fall einer neuen deutschen wortbildung (die sich noch dazu augenblicklich selbst erklärt) kann ich hier berichten:
m. will nicht in die verlegenheit kommen, zum lesen ihre brille herunternehmen zu müssen (gar zwischen zwei brillen beständig zu wechseln) und hat sich dafür eine dieser mittlerweile recht weit verbreiteten gleitsichtbrillen machen lassen, wunderbar, was die schon alles können heutzutage.
dieses harmlos-verschämte verbergen ihrer noch recht frühen alterungsstufe bezeichnet sie selbst schmunzelnd als gleitsichteitelkeit.
dieses schöne neue wort aber haben wir sch. zu verdanken, der es bei diesem kleinen sozialen zusammensein (wir waren zu dritt) verschmitzt sprachbastelnd eingeworfen hat.
zum sch.’ischen sprache(er)finden mehr demnächst.



vollkommen Mittwoch, 27. 6. 2007, 0:00

ein kreisverkehr ist ein kreisverkehr und kein halbkreisverkehr. und alles unter drei umkreisungen tätige beleidigung für den tiefbauingenieur und erst recht, für die landschaftsfloristen. (in nö: für den herrn landeshauptmann; anm.)
zwei der berüchtigsten sssp-raudis

so die unausgespochene losung der steyrer segway-spotter (sssp), die man sich aber eher als im stile der hell’s grannies agitierend vorzustellen hat.



verkehrt Dienstag, 26. 6. 2007, 0:00

meiden sie diese woche das burgenland, rate ich ihnen. da läuft nämlich etwas verkehrt, erfährt man im standard (19.6.2007):
in eisenstadt wird eine woche lang getestet, ob straßen mit weniger tafeln nicht sicherer sind.
wessen interessen werden da bedient?, kommen mir jede menge monströse verdächte.
ich liebe verschwörungstheorien.



owizahn Montag, 25. 6. 2007, 0:00

das ewig weibliche
zieht uns hinan

goethe, faust II (vers 12110/12111)

es muss ein fluch sein. warum singt jedesmal bei der achten mahler der erste sopran fast durchgängig (und bei den allerletzten, apotheotischsten worten fast florencefosterjenkinsesk) zu tief? und warum krawattelt der tenor immer bei blicket auf, blicket auf, alle reuig-zarten und erst recht bei höchste herrscherin der welt, derart, dass es einem die schuhe auszieht.
eine ebenso prekäre stelle ist in der zweiten, wenn sich die sopränin mit unsterblich leben wird, der dich rief, dir geben mit haut-goût verintoniert, das verzittert sich nämlich auch immer in die tiefe.
aber es kann ja auch gar nicht anders sein, vor so einem anspruch muss doch jedes stimmbandpaar versagen.
ein wunder eigentlich, dass sie nicht reißen, stelle ich mir vor.



sparen Sonntag, 24. 6. 2007, 0:00

iss dich fit
und nimm nichts mit

(morgengruß beim frühstücksbuffet)

das budget pro mahlzeit darf 7,90 nicht übersteigen.

oö. landesrichtlinie (20. jahrhundert; in euro also: 0,57), zweifelsfrei rekonstruiert im juni 2007.

heute waren aber viele heikel, wundert sich die landesbildungsheimliche küchen- und servierkraft im weißen arbeitsmantel (auskochen bei 95°) über die einer vollen scheibtruhe entsprechende rücklaufmenge der zuvor so aufmerksam grob faschierten und hartgebackenen lasagnespezialität, deren abdeckschicht aus unkaputtbarem eternit bestehen musste. einzig, dass es zu teuer gekommen wäre, machte die sich vom aufesszwang durch kapitulation lossagenden sicher, dass sie kein asbest enthielt.



prozentuell Samstag, 23. 6. 2007, 0:00

zur vertieften einkehr noch ein, nein: der wurstsatz, wie er uns vom zögling johann steiner, bassklarinettaler fundamentalphilosoph, überliefert wird:
die wurst als solches hat prozentuell um die wenigere hälfte mehr fett als die andere. dixit padre latrini seitenstettensis.
damit ist jetzt aber wirklich alles gesagt, das gegenteil inklusive.



geopfert Freitag, 22. 6. 2007, 0:00

der sieg damals war eindeutig, weil unsare wurrscht haben wir schon schön selber gewürzt. auch wenn sie zunehmend ausgekocht und also schal schmeckte, ganze sechs jahre haben wir an ihr gewürgt, aschowurscht. der im nachhinein gewissermaßen heiligende verdacht liegt nah, dass es sich, und das klingt religiös, um eine sechsjährig (sich) ziehende opferwurst gehandelt hat. jawohl, er hat sich für uns geopfert, damit wir alle freigesprochen werden, und den wurrschtl kaun kana darrschlong.
ob solcher dimensionen bleibt mir nichts anderes, als still in mich hinein zu erbeben.



heißundsowasvonaktivmütter 2007 Donnerstag, 21. 6. 2007, 12:00

liebe mba,

ich sitze im turmzimmer von schloss weinberg und schaue über kefermarkt ins weite tal der feldaist, aber das stimmt ja gar nicht, weil ich schaue ja auf meinen laptopbildschirm, was täte ich da auch für einen blödsinn zusammenschreiben, wenn ich beim tippen anstatt auf den bildschirm zum fenster hinausschauen täte, wirklich wahr. obwojl, so schlecjhz gejt es gse nichr, und da sind wir schon bei einem phänomen, das es näher zu betrachten lohnt: du kannst etwas leidlich gut, aber wenn du es bewusst machen willst oder gar sollst, kommst du ins stocken: hundertmal blind die schuhe gebunden – kein problem, einmal dabei daran denken – ritscha.

juni ist, dieser halbzeitadvent, wo alle noch irrsinnig viel zu erledigen haben, aber wir schaffen es schon, dass wir uns vorher noch sehen, der countdown zum stillstand hin, zeugnis (könnte man weihnachten nicht auch nach bundesländern staffeln? – das wäre doch praktisch!), studienjahr, arbeitsjahr, wimbledon, alles endet dieser tage, gleitet in die sommeragonie, geistiges kofferpacken allüberall (auch die daheimbleiber), wir legen uns saure gurken ins gehirn ein, damit wir all das aushalten und ihn wirklich lesen und in künstlicher aufregung nachreden, diesen blösinn, den uns die neuigkeitsbuntblätter mit ihren schreienden fernseh- und radioäquivalenzen längst schon ganzjährig zu servieren sich nicht entblöden: welches tier wird heuer die beste bestie der saison, der haifisch im wörthersee, ein bärli oder doch wieder eine neue spinnenart?, dürfen wir auf ein taugliches hochsommerhochwasser hoffen, wann bricht der vesuv endlich aus (er wird uns nicht entkommen!)?

weit weg von allem, hier, im schloss als landesbildungsheim sind sie meiner vollen sympathie sicher. ich liebe nämlich diese fürunseregäste!zettel. sie sind in erster linie dazu da, alle, kollektiv, (zumindest der absicht) des vandalismus zu bezichtigen (jede verunreinigung ist nicht erlaubt – ich wüsste zu gern, welche genau), und augenblicklich fühlst du dich wie ein pflichtschüler, der beim spielen im pausenhof ein fenster eingeschossen hat und vom schulwart ertappt wurde, ab zum direkter. der vom land zu bildende wird natürlich völlig zu recht angeherrscht, mit drei rufzeichen pro zeile, damit das klar ist! einmal so zusammengestaucht, suchst du in den informationen von a-z vergeblich, wieviele zentimeter (mit inventarisierungszeichen versehenem) klopapier dir pro sitzung zustehen, tschuldigndasileb.

und natürlich hat sich der betrieb hier nach den hier angestellten beamten zu richten (selbst in der küche tragen sie ärmelschoner), die sind ja immer da, unsereins aber nur zwei, drei tage, versteht denn das keiner?
und damit alle wissen, wem persönlich wir das alles hier (es ist wunderbar, daran besteht kein zweifel, selbst die lasagne mit eternitabdeckung; auf ihre art halt) verdanken, thront über allem gütiglich schmalzlächelnd und bitzlfest wohlfrisiert der allhierheilige josef, dieweil sich, daneben, sein falscher bub in kreuzschmerzen windet; es ließe sich zusätzlich geld sparen, würde man das bild des landeshauptmanns in einer noch zu bestimmenden weise mit dem kruzifix verschmelzen, nicht zuletzt in kefermarkt gibt es ja reichlich holzschnitztradition, oder nicht?, stelle ich mir vor.

verstreutes

eine cd kommt wieder daher, hat sich vor muetters dichters liebe gedrängt: in kürze erscheint auf vielfachen wunsch meine allererste solo-cd grenzkæmpfe (1993) als 2., beträchtlich erweiterte, völlig überarbeitete, vielfach verbesserte und neu gestaltete auflage.
mit bonus- und! malustrack! bitte sich das keinesfalls entgehen zu lassen. beim wieser-verlag oder direkt bei müttern.

zwei termine möchte ich extra ankündigen, bevor ich sie mit dem allgemeinen serviceteil in den sommer entlasse:

1) am kommenden samstag, 23. juni 2007, 19.30 gebe ich mütters posaunenvarieté beim verein für kunst und kultur in eichgraben; ist äußerst bequem mit der öbb erreichbar: das alte wienerwaldwirtshaus steht direkt neben dem bahnhof, der garten ist schlichtweg eine sensation, wirklich wahr.
ich zitiere, was ich denen von musik aktuell (die das ganze franzhautzingerkuratiert unterstützen) über mpv gesagt habe:

mütters posaunenvarieté ist eine verschmelzung meiner statements und glossen mit meiner musik. vorgefasstes (texte, kompositionen) und spontanes (improvisation, freie rede). in welchem verhältnis das zueinander steht, davon lasse ich mich selbst überraschen, wie auch von jenem berühmten roten faden, von dem ich noch überhaupt gar nichts weiß …
(und mehr weiß ich jetzt auch nicht; gusto? – gutso!)

2) einmalnoch: spielen!, mein sommerworkshop zur improvisation: vom 15. bis 21.7.2007 wird in viktring (musikforum viktring/klagenfurt) wieder gespielt! wollent ganzganzschnell sich der wenigen restplätze zu versichern…

abermals verweise ich auf den (da zum dritten mal in dieser form präsentiert, nicht nur längst traditionellen, sondern bereits wieder zu evaluierenden) serviceteil (vorschau, rückblick), und darf mich von ihnen verabschieden. kommen sie gut überall hin und zurück und schauen sich dabei doch auch bei mir vorbei, virtuell und, lieber noch, alser ganzer.

ihr

sommeraktiv!

bertl mütter

— der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil —

bald – die vorschau
wie lange dauert bald?

vorbei – der rückblick
jedes fragment ist eo ipso vollkommen.



gefühlt , 0:00

a wuaschd is a gfüüde haud. sagt man bei uns.
gar vieles ist da drinnen, von dem ichselber nicht so gern wissen will, was genau es ist. alles schön klein und durcheinander. die mischung macht das aroma. und da hat der österreicher immerschon das richtige gespür dafür, da haben wir uns nie was dreinreden lassen brauchen, und die frankfurter kommen ja auch aus wien, damit das klar ist.
eine wurscht war nie irgendwo dabei, und von welchem esel oder pferd die salami ist, wurscht bleibt wurscht.



der tag wurst Mittwoch, 20. 6. 2007, 0:00

das wäre nicht nur ein tag, an dessen frühem abend man drei bioknackwürste auf frisch hergeschnittenen haselstecken im feuer zu würziger schwärze verbrennen würde (wie schaffen die das im krematorium, zu asche zu kommen? – es ist die hitze, erfahre ich), nachdem man bereits zu mittag eine bosna groß und eine oderberger mit kren, schwarzem weckerl und schartnerbombe (zitrone), nachmittags aber eine saure in essichundöö mit reichlich zwiebel, paprika und radieschen, kleingeschnitten (ganz zu schweigen vom belegten, eigentlich: überlegten brot zur vormittagsjause am halben berg), eingeschnitten hätte, nein, der tag wurst wäre auch eine passende, nachgerade paradigmatische bezeichnung für zumindest einen dieser purgatorischen tage zwischen tod und grablegung eines ehemaligen großdieners internationaler (mehr noch: verschiedener – oder war es doch nur eine? – nationaler) sache(n).



unverrückt (4) Dienstag, 19. 6. 2007, 0:00

die eltern altern. ja, fixstationen. das schaudern angesichts ihrer konsequenten weiterentwicklung, im dämmernden bewusstsein der vorschau auf einen selber einmal. wie wichtig, familienferne partner zu haben, die einen liebevoll von vorgezeichneten spuren abdrängen. so gut das eben möglich ist.



unverrückt (3) Montag, 18. 6. 2007, 0:00

ich drifte weiter ab, kleinformatig, was halt geht bei dera hitz.
unlängst, in meiner tankstelle genannten gemischtwarenhandlung mit trafik, wo sie auch benzin verkaufen und radfahrern luft spenden: kommt eine aufgebrachte zahnluckerte frau mitteljungen alters herein, in beiden händen die gleiche ausgabe der krone, und will den kaufpreis für eine zurück, da das ja die gleichen seien; sie habe erst in der mitte der zweiten gemerkt, dass ihr das eben angeschaute bekannt vorkomme. man erweist sich kundenfreundlich und nimmt die zur hälfte ausgelesene zeitung zurück.
hätte sie zwei ausgaben verschiedenen datums gehabt, sie hätte das gleiche gefühl haben müssen, stelle ich mir vor.



unverrückt (2) Sonntag, 17. 6. 2007, 0:00

erinnern, da war doch was mit einem hageren herrn, nein, einer ganzen, immer ausgezehrteren generation (dicke werden keine neunzig, kaum achtundachzig), die ganz sicher nirgendwo nicht mitgemacht hat, und wenn, dann nichts verbotenes und wenn, dann hat sie es ganz sicher vergessen, mir österreicher vergessen was mir wollen.
es gibt menschen die werden zur symbolfigur und können gar nichts dafür.
nein, ich spreche nicht von diesem sich hinter einer kronenzeitung verbergenden ehemaligen minister (merkwürdige selbstpositionierung für diesen eigenmarker, sich zu verbergen, wirklich wahr), weil was gäbe es in diesem kleinformat zu lesen?



unverrückt (1) Samstag, 16. 6. 2007, 0:00

vom, abgewandelt: augen zu und durch habe ich geredet.
je älter du wirst, umso weniger fixstationen bleiben dir, weil wer weiß denn, wie alt du wirst, die kindheitspassage hat aber ein dreißig- wie ein neunzigjähriger jedenfalls durchgemacht, wurscht auch, ob und wiesehr er sich daran erinnert.

morgen: der vergesser (oder waren es mehrere?)



kratzenmüssen Freitag, 15. 6. 2007, 0:00

es gibt fixstationen im leben, an denen kommst du nicht vorbei. der affirmationssatz wir müssen da jetzt durch bzw. da gehen wir jetzt durch wurde für solche passagen geprägt.
kinder scheint man nicht an (eine sehr willkürliche auswahl:) hamburgern, fritten und ketchup, diddlemäusen, generellem haustierbedarf (von den urzeitkrebsen bis zum pferd) oder dauerpubertierenden quadratischen zeichentrickfilmschwämmen herum manövrieren zu können, auch mit besten absichten nicht, wirklich wahr.
undaber trotz dieser prinzipiellen anerkennung dessen, was ich als der gravitation unterworfen sein bezeichne: warum führt bei kindern, die (wie löblich!) frühgefördert das klavier erlernen (und die diewanddurchhörbar daran vergnügen finden) kein weg am flohwalzer vorbei)?
ich freu mich schon so auf für elise.



zweifellos Donnerstag, 14. 6. 2007, 0:00

ansich ist ja das zweifeln, das positive kritische zweifeln, das skeptischsein, das hinterfragen, das nichtvoreiligurteilen grundbedingung echter zivilisiertheit, und bemühen wir uns doch bitte alle, weg von diesem allzusimplen, neomanichäischen gutbösedenken zu kommen, in dem es sich besonders sich religiös legitimierende politiker bequem machen, seien sie nun in der sog. christlichen welt (evangelikal als ameriganische präsidenten oder als katholnisches zwillingspärchen) oder in einem anderen monotheismus gefangen.
die alten römer haben dafür das rechtsprinzip des in dubio pro reo aufgestellt, bravi und danke.
allerdings ein beispiel fällt mir doch ein, wo es ganz sicher kein lasches pardon geben darf: korkt ein wein ein bissl nur, schütt ihn weg; er wird nicht besser durch gutzureden oder verständnis zeigen: üb zero tolerance, zweifle nicht!
dann gib einer neuen flasche die chance.
nasixtas. und prost.



heißa Mittwoch, 13. 6. 2007, 0:00

wien hat seine erste tropennacht diesen sommer hinter sich, und möglicherweise befinden wir uns im mitternächtlichen moment der veröffentlichung dieses, ich kann es nicht lassen, als tausendundersten nummerierten beitrags mitten in der zweiten, alles keucht feucht bei so einer luft, sowas na (um in umkehrung zum gestrigen anfang zu schließen).
interessieren täte mich die raumtemperatur (wenn möglich: die gefühlte und die tatsächliche), die bei ihrem lesen dieses ebenso belanglosen artikels wie gestern geherrscht hat; ich würde dann die durchschnittstemperaturen (tatsächliche wie gefühlte) errechnen und zum gegebenen zeitpunkt veröffentlichen. streng vertraulich und also anonymisiert, versteht sich.



hoppala Dienstag, 12. 6. 2007, 0:00

na sowas. aber schauen sie selbst und fahren sie doch mit ihrem mausgesteuertem fingerl am bildschirm die überschriftzeile drüber (umgangssprachlich in österreich: mausober) und lesen sie das ziellink bzw. die ordnungsnummer, die das system in aufsteigender reihenfolge zu vergeben beliebt (wenn sie wollen, können sie es auch anklikken): heute ist nämlich der tausender dran.
um missverständnisse zu vermeiden: der (reichlich private) feiertag 1.000 tage mütterlog en suite fällt auf den 27. august 2007, habe ich mir, fortzählend vom 1. dezember 2004, eben ausgerechnet.
und doch will ich diesen tausendsten entstandenen text zum anlass nehmen, wenig wie selten von tatsächlichem belang zu schreiben, danke für ihr verständnis. und einen schönen heißen tag; was heißt einen? – gut und gerne tausend und mehr!
heißa, weiter gehts!



blendend (4) Montag, 11. 6. 2007, 0:00

jelinek. eine blendung.
wie ich das beobachtbar-selbstvergessne tun des obers im jelinek gesehen habe, musste ich unwillkürlich an die art und weise denken, wie die ungebildete haushälterin therese in elias canettis die blendung an kien und sein vermögen herankommt: den allergrößten büchermensch beschämt sie damit, dass sie ein ihr von ihm zur verfügung gestelltes, schmuddeliges buch, mit noch größerer sorgfalt behandelt, als dies kien mit seinen schätzen tut. er beobachtet sie dabei und heiratet sie. und ist aber einer kalkulierten blendung aufgesessen.
wie gesagt, die im jelinek können mich nicht täuschen, mich nicht.
(beim nächsten mal schau ich wieder, heimlicher.)



blendend (3) Sonntag, 10. 6. 2007, 0:00

seit ein paar jahren ist das jelinek nun neu übernommen, phantastisch. die stemans haben alles so gelassen, und das ist das beste, das einem kaffeehaus in wien passieren kann.
jetzt aber folgendes: unlängst war ich wieder einmal dort, besprechung im roten salon, zur spätvormittäglichen frühstückszeit, mein platz ist die loge rechts hinten, mit gutem blick auf die tiefer liegende budl. unwillkürlich schaue ich hinunter, wie der stets freundliche, fast schon buddhistisch lächelnde chef die melange herrichtet: ist das häferl mit dem selbstredend perfekten milchschaum auf dem serviertablett, geht das wesentliche an: die zuckersackerl werden, sternbild nach oben, geordnet (die stammgäste bekommen sicherlich ihre eigenen serviert), dann wird das achteckige wasserglas unter dem kühlenden wienerhochquellwasserstrahl gefüllt und, bevor es aufs tablett kommt, auf einem eigenen frotteehandtuch abgetupft.
alles, wie gesagt, mit diesem stillen lächeln, wie wenn ein schlechter schauspieler spielen muss, dass er nicht merkt, dass er eben beobachtet wird.
mein misstrauen ist angezündet.

(warum zuletzt das wort angezündet gewählt wurde, erfahren sie morgen.)



blendend (2) Samstag, 9. 6. 2007, 0:00

das jelinek.
besonders gut war auch der apfelstreuselkuchen, den herr knapp, zuckerbäcker und prikopalookalike gezaubert hat; leider aber war er dazu noch ein ungustl, und was für einer.
irgendwann haben sie dann begonnen, zettel auf die zeitungen zu picken: “bitte” die zeitungen nach dem lesen wieder auf ihren platz legen. dazu allerlei sonstige maßregeln, wie man sich im kaffeehaus richtig zu verhalten habe. so etwas nervt den stammgast. wiedaschaun.



blendend (1) Freitag, 8. 6. 2007, 0:00

neulich, im jelinek.
aber lassen sie mich weiter ausholen.
(…)
das jelinek war, ich weiß nicht mehr, auf wessen empfehlung hin, mein erstes wohnzimmer, als ich 1993 vom schon siebenmalsogroßen graz ins abermals siebenmalsogroße wien gezogen bin. es hat erstaunlich lange gedauert, bis mir die aufgesetzte großmütterliche erwürgeumarmung von frau knapp (eine dame aus dem ottfach) beim hals herausgehängt ist. (immerhin, eine soziale kontrollfunktion im bezug auf ihre stammgäste hat sie ausgeübt; als kurt kren eines tages nicht aufgetaucht war und sich vorher nicht abgemeldet hatte, wusste sie als erstes, dass etwas passiert war: man fand ihn zu hause.)
danach bin ich ins westend zum mondsüchtigen herrn robert übersiedelt und nur noch ganz selten, nicht zuletzt des rasenbrotes (butterbrot mit schnittlauch) und des coupe fehringers (zwei eier im glas) wegen, zu wichtigen frühstücksverabredungen in die otto bauer-gasse im herzen von gumpendorf geradelt (bitte, vom zweiten!).



zeitliches Donnerstag, 7. 6. 2007, 0:00

operan!
schuber und brahmst!
schrammenmusik!
österreich sein ein kunstland!
donau zu blau, zu blau, zu blau

ernst jandl, die humanisten

wenn diese zeilen erscheinen, werden es, spitzenmeldung, alle längst erfahren haben. wieder so eine futurexakte angelegenheit. sie scheint (siehe vorgestern) eine für die musikbranche wesentliche zu sein: heute wurde der wichtigste posten österreichs nach dem uns längst schon zustehenden nächsten papst bekanntgegeben.
wobei bei der musik das verhältnis zur gegenwart ein gesondert zu untersuchendes wäre, nämlich etwa: wie lange ist eine melodie gegenwärtig? gar die sog. unendliche eines wagner?
und: wie also komponieren, so, dass es im gedächtnis bleibt?

bin ich auf den ersten auftrag des neuen herrndirekters gespannt. meine bereitschaft habe ich – damit es dann nicht heißt: wir haben es ja nicht geahnt – hiermit deponiert.



motiviert Mittwoch, 6. 6. 2007, 0:00

so eine schweinerei
folgt auf den mai
nicht glei
der juley

beschwerte sich die gymnasiastin und beugte sich über ihre nun doch auf einmal dringlichen mathematiksachen. geo war, uff, abgehakt, übermorgen würde sie es der blöden geschichtelehrerin zeigen (nur das minimum). am montag aber dann, zum ersten mal, die lateinprüfung.



berechtigte ängste Dienstag, 5. 6. 2007, 0:00

fünftessechstesnuisim (oberösterreichisch für fünfter sechster nullsieben), 567, das ist, genauer betrachtet, nichts anderes als zuerst -1 dann ±0 dann +1, quersummenadäquat sowieso ident mit dieser eo ipso gefährlichen zahl schlechthin. wie einem das ins aug springt, ich fürcht mich so!
in einem jahr und einem monat und einem tag, [+1(d)+1(m)+1(a)], werde ich 43, und das ist dann aber eine primzahl, da brauche ich keine angst mehr zu haben.
oder heißt das, ich kann sie mit niemandem teilen?
uijegerle.



futurexakt, biographisch Montag, 4. 6. 2007, 0:00

bis heute haben wir noch nicht erfahren, was aus harry potter werden soll. ich vermute, dass er sich in die udssr zurückzaubern wird und dortselbst zu komponieren beginnen wird.
härri oder doch dmitri?

oderanders: wer war wem wofür vorbild?



dreier Sonntag, 3. 6. 2007, 0:00

a schachtal dreia en an bisoaa
ist eines der dinge/zustände/situationen, die an weana en s gmiad gehen. alles jedenfalls sehr proletarisch, da draussn en bradnsee. hadseschauowa.
was – brainjump und auch wieder nicht (proletarisch) – uns (nächtelange erwägungen und spekulationen mit meinem besten freund) immer wieder beschäftigt, ist die frage, wann und wo denn bmw derart viele schwarze automobile der in ihrer restlverwertung auch erwachsenden goldketterlträgern mit migrationshintergrund erschwinglichen dreierserie bauen hat lassen; neuwagen davon gibt es nämlich keine.
unser verdacht: sie werden zwar neu gebaut, kommen jedoch nicht auf die straße, sondern werden werksseitig in einem aufwändigen verfahren auf alt getuned (pimped down), um dann (vor allem mit bassfrequenzen) wieder aufgemotzt werden zu können.
damit wir alle eine freude haben, etwa bei der kreuzung vor meinem fenster; in regelmäßigen abständen (etwa jede dritte ampelphase) wird das rot regelrecht weggewummert.



auf der jagd Samstag, 2. 6. 2007, 0:00

ich gebe es zu, im straßenverkehr bin ich dünnhäutig (nachgerade pergamenten) und daher nicht wirklich geeignet, in österreich oder gar weiter östlich zu bestehen, erst recht um den vollmond: die ganz stadt voller eifriger kavaliere, bedacht, die zur automobilen standesehre zugehörigen lässlichen verwaltungsübertretungen in größtmöglicher dichte (anzahl pro kilometer, gewertet wird auch die vielfalt) zu gewährleisten. aber wenn du das weißt, kannst du ja damit rechnen: als radfahrer mußt du dich nämlich, willst du überleben, als jäger begreifen. das kann auch lustig sein, vgl. tom vs. jerry oder charlie vs. elise.
abermals verweise ich auf herrn rauscher vom standard in der herrengasse.
ja, genau: herrenfahrer, die fehlen.



lunatisch Freitag, 1. 6. 2007, 0:00

wenn du beim radeln aufpassen musst, keine tauben zu überfahren (das klingeln ist denen total wurscht), weißt du, dass es wieder einmal auf den vollmond zugeht, da werden sie alle deppert und, meiner
© manufactum (man gönnt sich ja sonst - äh - wenig)

wunderbaren neuen japanischen glocke höhnend, derrisch. im februar habe ich dieses prälunare syndrom als nutzer öffentlicher verkehrsmittel erörtert. diesmal, ende mai, an diesem der peripetie vorangehenden, schlimmsten tag bin ich mit dem fahrrad unterwegs; ich werde es beim zweiten vollmond in diesem blue moon-june besser stehen lassen. und überlasse das an sich und vor allem an solchen tagen völlig berechtigte undaber ganzundgar nutzlose klagen über die allseitige schlechtigkeit der welt (vor allem der autofahrer und raucher, region: österreich, insbesondere wien) herrn rauscher vom standard.



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