locked in (2) Montag, 30. 4. 2007, 0:00

die geschichte von gestern hat keine pointe.



locked in (1) Sonntag, 29. 4. 2007, 0:00

man war zum hinteren aufzug gegangen, der vordere wurde gerade gewartet. beim warten hörten sie eine fröhliche gruppe junger menschen, landesbedienstete, die in stößen gemeinsam loskuderten (so sagt man in oberösterreich). als sich dann die lifttür rumpelnd aufschlitzte und sie ungläubig bis neun zählten, wollten sie schon das stiegenhaus nehmen. kommt doch herein, gemeinsam ist es lustiger!



zeitlupe Samstag, 28. 4. 2007, 0:00

es gab prozesse, die schienen genau dann abzulaufen, wenn man nicht dran dachte oder gar hinschaute. das dachte er sich jeden frühling, wenn er im türkenschanzpark die gestern noch hellgrüne rotbuche in ihrer zielfarbe belaubt vorfand. nächstes jahr würde er campieren oder bei der benachbarten universität für bodenkultur die einrichtung einer zeitgemäßen webcam anregen. obwohl, auch das würde nichts nutzen; diese gefinkelten buchen erröten nämlich in weniger als einer fünfundzwanzigstel sekunde, war er sich ganzundgar sicher, jawohl.

[morgen, 14.00: parlando, ulrichsberg (oö), kaleidophon]



sinnig Freitag, 27. 4. 2007, 0:00

kurzzu signalisierte das vollelektronische zuganzeigedisplay am bahnsteig des heimkehrerflughafens höchst sinnig, zeichendeutkundige wurde so empfohlen, sich auch an diesem sonntag rechtzeitig ihren sitzplatz zu sichern. draußen, nach all den umständlichen schleusen vom auschecken im hotel über zwei flughäfen (an denen man nichts zu verzollen hatte) mit ihrem overkill an sicherheit, erinnerung, sich stets unsicher fühlen zu sollen, draußen also, spätestens nach dem flughafenbahnhofstunnel war es zwar noch früher als wo er herkam, aber merklich grüner an diesem 1. april, auch der schon zu warm für diese jahreszeit, zumindest beim abfliegen.



verkehr, transkontinental (3) Donnerstag, 26. 4. 2007, 0:00

natürlich, wenn man über einen kopfbahnhof verkehrt, fährt man immer in exakt die gleich richtung ab, recht viel abstrakter geht das nicht mehr, beim fliegen hängt es zumindest von der aktuellen windrichtung ab, da lacht die eisenbahn aber.
was aber noch die bahnhofssinnnlichkeit betrifft, vielleicht liegt es auch daran, dass ein bahnhof per definitionem keine soziale selektion betreibt, denken wir an die wichtige rolle, die bahnhöfe in älteren reiseerzählungen einnehmen, volk umundum, nicht nur erste klasse und economy zwischen dutyfreeshops und businesslounges, sondern auch und vor allem economyloser, menschelndes treiben, und lesen sie doch hotel savoy, so wie ich zwischen nischni nowgorod und st. petersburg.



verkehr, transkontinental (2) Mittwoch, 25. 4. 2007, 0:00

bahnhöfe sind in der tat um so viel sinnlicher als jeder flughafen, wo alle bei kurzfristig austauschbaren identen schaltern ihr gepäck abgeben und alle bei gleichen förderbändern ihr zerquetschtes zeug abholen, um dann beim gleichen ausgang herauszukommen, zurück zu den wartenden erdenmenschen, die auch dein flugzeug gar nicht sehen konnten, das auch du von außen immer seltener zu gesicht bekommst, wenn du auf modernen terminals durch flexible staubsaugerrohre hinein- oder hinausgeblasen wirst.



verkehr, transkontinental (1) Dienstag, 24. 4. 2007, 0:00

die übersichtstafel am bahnhof sankt petersburg lässt deine phantasie reisen, viel mehr als jede anzeige auf den departuremonitoren internationaler flughäfen: ganz links steht das reiseziel und dann dazu, in spalten, abfahrtszeit, ankunftszeit und, dazwischen, die fahrzeit. durchschnitt (ausgenommen die kurzzüge nach moskau, die fahren nur 7 bis 10 stunden): etwa 45 stunden. bester (gäbe es ein zugquartett) ist krasnojarsk. 97:50 steht vollkommen nüchtern auf der tafel. dann heißt es umsteigen, immerhin, du bist fast in der mitte (überland, nicht dort, wo es wärmer wäre.)
achja, stellen sie sich bitte beim inlandschalter an.



verkehr, submetropolitan Montag, 23. 4. 2007, 0:00

die in langgezogenen kurven geschwungenen gänge in den metrokatakomben von sankt petersburg, nachdem ein zug sein fracht ausgelassen hat: zyklische menschenströme, wie beim schichtwechsel der arbeiter in fritz langs metropolis, unwillkürlich stapfst du beim warten auf den zugang zur hölzernen rolltreppe im gleichen trott, eine art zweibeiniger passgang.
so weit unten hast du zudem das gefühl (nein, es ist wirklich so!), dass du bereits so tief in (ja, bittedanke, sagen wir in und nicht unter) der erde bist, dass es tatsächlich wärmer wird, und ganz so unangenehm ist das ja durchaus nicht, so weit unten so weit oben im norden, und bis zum mittelpunkt sind es eh noch ein paar meter undoder abenteuer, lässt jules verne grüßen.



doppelt Sonntag, 22. 4. 2007, 0:00

der gedanke war natürlich nicht neu, aber beim besuch etlicher hochherrschaftlicher pilgerorte dieses landes kam es ihm wieder in den sinn, nämlich: was es mit den doppeladlern als wappentier auf sich hatte; ein viech aus dem curiositætenkabinett, monströse missgeburt, ob eine derartige form von machtpostulation auf dauer gut gehen konnte (in deutschland oder österreich schon etliche jahre nicht mehr)?
in russland seit 1487; aber warum nicht mindestens siebenköpfig?

wieder daheim, würde er in der sternwarte von kremsmünster schauen, ob sie dort ein ausgestopftes exemplar hätten und welcher nation er wäre, nahm er sich in forscherischem eifer vor.



wachsen Samstag, 21. 4. 2007, 0:00

putin, dieses wachsgesicht. würde man ihn bei madame tussaud oder am arbat in moskau neben seinem abbild hinstellen, es finge eher die kopie zu atmen (oder gar zu lächeln) an. putin, die kopie seiner wachsfigur, jawohl, so war es richtiger.
da fiel ihm stan laurel ein, wie er in so einen glänzenden apfel beißt und tapfer hinunterschluckt, durchaus ohne geschmackskummer, ja ihn mit, so scheint es, wachsendem appetit ganz zusammenisst.
was für eine vorweggenommene parabel!, stellte er sich vor.
oder: stan, du russ!



rentier Freitag, 20. 4. 2007, 0:00

(ein österreichischer einschub, mitten in den russischen weiten, nicht umsonst an diesem tag)

beim dkt konnte man, hatte man bereits vier häuser, wenn man beim nächsten mal auf dasselbe feld kam, diese für einen geringen aufpreis gegen ein hotel umtauschen (heute sagt man dazu upgraden). so ähnlich scheint es jetzt in der billrothstraße, wien 19, zu sein, da steht in einer auslage: gasthaus wegen pension zu haben.
was auf den ersten blick aber wie ein aufstieg ausschaut, ist ein ausstieg, und das ist gut so: der urschulz sperrt zu. wohin sollen jetzt die altdöblinger arier mit ihren reißverschlüssen im gesicht zum saufen?, fragte er sich nicht wirklich besorgt.

längst zugesperrt, ums eck
das ist aber in salzburg, passt aber auch: ums eck kein burschi, nirgends.



ausgezogen Donnerstag, 19. 4. 2007, 0:00

in russland sind, das ist bekannt, die straßen nicht gerade durchgehend glatt asphaltiert, und oft bremst der taxifahrer scheinbar unmotiviert heftig ab, um seinen wolga oder skoda durch klaffende schlaglöcher zu manövrieren, da wäre einem der gurtentest (hängen sie sich niemals an in einem taxi oder privatauto, sonst ist der chauffeur aber sowas von beleidigt!) dann auch recht gewesen.
so ist es nur allzu verständlich, dass sich, wer es sich irgend leisten kann, aus reiner sorge um die bandscheiben seiner fahrgäste ein möglichst geländetaugliches fahrzeug anschafft, und da ist das beste gerade gut genug, woraus sich die höchste hummerdichte outside usa ganz von selbst erklärt. und weil die reichundschönen auch hier sprichwörtlich sozial veranlagt sind, kaufen sie, wenn sie nur können, sie schonen sich da nicht, die besonders teuren verlängerten modelle, mit denen sich eben mehr leute durchs großstadtgelände transportieren lassen. die sind so lang wie ein autobus, und ich verstehe nicht, warum sie aber so niedrig gebaut sind, weil in einem autobus kannst du ja auch stehen.

ausgezogen

für die weniger potenten aber steht bereits der neue stretchsmart vor seiner markteinführung:

zum einkaufenfahren, sehr praktisch auch



schleuse Mittwoch, 18. 4. 2007, 0:00

dieses geruchsphänomen machte ihm wirklich zu schaffen, fiel ihm nach dem betreten seines internetcafés genau dann wieder ein, als es wieder einmal zu spät war. vom ersten besuch an war er ja vorgewarnt, dass der leer verflieste eingangsraum gleich nach den kellerstufen voller jugendlichem männerschweiß (schlank, blond) war, wie sich der hier halten konnte, da musste dauernd nachgelegt werden, wirklich wahr. also schnell durchgeatmet und die hormonstauduftzone durchquert.
aber nein, jedesmal, wenn er in den nächsten tagen seine elektronische fernkontaktnotdurft zu verrichten sich anschickte, nahm er eine extra volle nase, um sich seines ekels zu vergewissern, so ein glück, das es mich nicht unvorbereitet erwischt hat, schnupperte er noch mehrmals nach, wäh.



mitbringsel, gestaucht Dienstag, 17. 4. 2007, 0:00

rasch noch in die schuhe geschlüpft, da lagen gleich zwei schuhlöffel (unbedruckt, stellte er fest, und es war plausibel, dass sie nicht in die koffer der pt. gäste wanderten), in flinker bewegung entschied er sich für den hinteren. es wurde dann, mit verstauchten fingern, der vordere: in diesem hotel hatten sie aber wirklich überall spiegel. jetzt hinunter zum frühstück hinter den spiegeln, da war es ruhiger, und aus den lautsprechern diffundierte täglich, außer samstag, frühlingshaftes vögelgezwitscher.



pudern Montag, 16. 4. 2007, 0:00

dafür aber ist das salz in sämtlichen salzstreuern dieses weitesten landes von einer derartigen rieselfreude, dass man sich das in unseren mittel-, west- und südeuropäischen klumpsalzländern (rundkornreis im streuer; nützt aber nichts) überhaupt gar nicht vorstellen kann. da aber das salzen bei tisch eine üblicherweise ohne zusätzliche aufmerksamkeit ausgeführte, einfürallemal justierte verrichtung ist, passierte es ihm regelmäßig, dass er seine speisen, so geschmackfrei sie auch gnadenlos durchgegart worden sein mochten – daher wohl die notwendigkeit, (nicht nur in n.n.) salz aufs brott zu geben – salzte und versalzte.
das ging so lange, bis er an jenem frühstücksmorgen dieses quäntchen aufmerksamer war und er die körnung des russischen salzes genauer untersuchte, und augenblicklich zog er vor der russischen salzkornfeinmahlkunst seinen hut, zu recht nämlich könne man salzpuder dazu sagen, stellte er sich vor. allerdings war es, und das schien ihm die wahre kunst, genau so fein gemahlen, dass jedes körnchen aber doch groß genug war, gnadenlos schwerkraftunterworfen und also unaufhaltsam auf alles zu rieseln, wo man den streuer auch nur den bruchteil einer sekunde darüber hielt, geschweige denn, man rüttelte mit mittel-, west- oder gar südeuropäischer heftigkeit an dem hier im osten um soviel mehr geschmacksendbestimmenden tischutensil.



service /3 Sonntag, 15. 4. 2007, 0:00

russland, dienstleistungskultur. es wird dir nämlich traditionell allerlei abgenommen hier. etwa das heizen, und das sei nicht das schlechteste, versicherte man ihnen, lediglich an den rändern der jahreszeiten (zu früh zu kalt / zu früh zu warm – und umgekehrt) komme es vor, dass man sich eigeninitiativ (gewissermaßen umgekehrt subsidiär) helfen musste. je nachdem mumme man sich eben ein oder reiße die fenster auf, wenn dies möglich war.
was dir aber überhaupt nicht abgenommen wird in diesem land, ist das würzen deiner speisen (ausgenommen dill), im speziellen das salzen (und nicht nur in n.n.).

(mehr dazu morgen)



service /2 Samstag, 14. 4. 2007, 0:00

russland, selbstbedienungskultur. das frühstück servierte man sich noch selbster als sonstwo im spiegelsaal, so nannte er den speisesaal bei sich, den man, an fünf bis acht angestellten (ja, das wort hatte das stehen, besser: das hingestelltsein bereits in sich) sich nahezu vorbeizwängend erreichen konnte. während nämlich etliche hotels dieser welt ihre beengten frühstückszimmer mithilfe von spiegeln zu salons zu vergrößern trachteten, bediente man sich hier, in dieser weite, um den raum auf ein menschliches maß zu verkleinern, der imagination von spiegeln: das buffet war in einem dreischiffigen raum gleich zweimal im mittelschiff aufgebaut, die speisen genau parallel (spiegelgleich) angeordnet. trotzdem sich also der  bleiche schwammige herr gegenüber seine teewürste sicherte, war auch für ihn noch ausreichend essen da, und auch faschierte kugerln gab es reichlich, so ein glück.



service /1 Freitag, 13. 4. 2007, 0:00

dienstleistung in russland schien hauptsächlich in selbstbedienung zu bestehen. man wollte wohl dem seufzenden genervtsein einer einem arbeiterdenkmal gleich aktiv ruhenden bedienung entgehen. beim eingang zum hotel waren das etwa gut fünf herren in stumpfmarineblauen anzügen, die stets sehr geschäftig dastehen konnten. ihr dastehen war so wichtig, dass selbst zierliche damen, gegen einen streng eingestellten schließmechanismus, die eingangstür selbst aufstemmen mussten. immerhin, nach genauem mustern grüßten sie einen stets sehr freundlich, dankbar fast, was man ihnen für eine arbeit abgenommen hatte. und mit jedem ein- oder austreten wurde der gewechselte blick verschworener.



diese weite /2 Donnerstag, 12. 4. 2007, 0:00

die russische speise schlechthin ist weder borschtsch noch sind es blini noch pirogi, nein, es ist das bei allen gelegenheiten angebotene faschierte (ziemlich ungesalzen, mehr dazu demnächst), gleichgemachtes fleisch (mind. 50%), und als es bei seiner heimreise im flugzeug (aua) fleischlaberln gab, fühlte er sich, obwohl er bis dahin nicht meinte, zur paranoia zu neigen, doch etwas verfolgt. daheim dann das gute lamm, fein gewürzt mit koriander und – faschiert.
warum man aber in russland so viel faschiertes aß? er versuchte es sich mit der landschaft zu erklären, die ja auch sehr gleichförmig, wenn man so will: faschiert war. die faschierte russische flachlandschaft.
auf englisch sagt man auch kindergarten
und landschaft heißt auf russisch – erraten: landschaft.
(frage: was aber heißt faschiertes?)



diese weite /1 Mittwoch, 11. 4. 2007, 0:00

nischni nowgorod

in russland, stellte er auf der reise nach st. petersburg (wie auch zwischen moskau und nischni nowgorod oder, später, zwischen st. petersburg und weliki nowgorod) fest, ist alles gleich: feuchtes birkengehölz, ebenen links und rechts der ziemlich gerade verlaufenden bahn. nur abends wird es manchmal finster. oder auch nicht, je nachdem.



enfin! Dienstag, 10. 4. 2007, 0:00

sankt-peterburg, issakskathedrale (dach)

sankt-peterburg, das war der westen! die körnung des toilettepapiers war hier bereits so fein, dass man kaum gröberes holz als balsa damit feinschleifen konnte und: zweilagig. zivil ungehorsam entsorgte er original und durchschlag.



weinundwerbemütter 2007 Montag, 9. 4. 2007, 12:00

liebe mba,

ein herzliches guten tag!

viel werbung diesmal, man hat mich darum ersucht, danke für ihr verständnis (wenn sie welches haben).

an diesem sonnigen ostersonntagmittag sitze ich an meinem schreibtisch und lausche in meinem persönlichen radioprogramm zwei bachschen magnificaten (js, cpe). etwas vorher haben sie eine öeinsclubermäßigte veranstaltung angekündigt, die ich etwas nachher auch mit der bitte um zahlreichen besuch bewerben soll, hat man mich gebeten, und das mach ich auch gern (siehe weiter unten), und, jaja, der neue mütterbrief steht längst an, wie so vieles andere auch, dauernd neues wird von einem erwartet und am schluss etwas unvollendetes, damit die sog. nachwelt was zum speculîrn hat, es ist eine alte geschichte, doch bleibt sie immer neu, achja, muetters dichters liebe ist aufgenommen und bereits akustisch fertiggestellt, gegenwärtig ruht sie zur albumumwandlung, es gilt, fruchtfleisch anzusetzen, alchimie, eben.

ein nachtrag zum letzten mütterbrief: es gingen zahlreiche (selbstredend unmartialischen) durchhalteparolen gleichende ermunterungsadressen ein; von den programmmaschinisten, in deren programmkonzepten meine musik seit eh und je fix drinnen ist, hat sich natürlich keiner gemeldet, nicht einmal eine halbherzige vertröstung (die ich mir auch nimmer abzuholen gewillt bin), noch weniger der mut, eine absage ins angesicht zu placieren, so eine feige selbstzufriedene partie, wirklich wahr. aber, glauben sie mir, ich grolle nicht.

definitely not afraid of the trombonist sind demnächst die literarischen salzburger (13.4.), die langenloiser jazzzeitweintrinker (14.4.), die felsamwagramer weinkultaffinen (27.4.), etliche oberösterreichisch-kaleidophone kurzzeitulrichsberger (29.4.) und die kammermusikabonnierten villacher (3.5.).

zum wein jetzt näheres. in ihm liegt wahrheit (unter anderem; anm. d. v.), weiß schon (historien 1, 133) herodot (ohne diesen spruch zu zitieren), wenn er von den persern erzählt, dass sie einen beschluss nur dann umsetzen, wenn er der überprüfung in beiden aggregatzuständen standhält. damit es aber zu einer gedeihlichen erwägung kommen kann, muss das medium der entscheidungsfindung seinerseits wohl geprüft und erwogen werden, am korken wird hundegleich die witterung aufgenommen, das nicht zu üppig befüllte glas sodann im gegenuhrzeigersinn beschnuppert, ein vorsichtiger erster nippschluck wird durch die schneidezähne schlürfbelüftend eingesogen (manche – wer, wird hier nicht verraten – machen das auch mit kolaleit), dann wird der saft im mund links und rechts, oben und unten und diagonal hin und wieder her gespült, dabei weiter nach hinten und, kopfstandlos, zum gaumen verfrachtet, gurgelgeräusche, vorsichtige partialschlucke, nasenaufziehen, am end wir das alles möglicherweise doch noch ganz hinunter geschluckt, sodass der wein einen ordentlichen abgang hat, wollen wir zumindest hoffen.

die haben nichts verschüttet
merke: was ich getrunken habe, kann ich nicht mehr verschütten

sehen sie, und dazu trifft man sich am kommenden samstag (14.4.2007, 19.00, busabfahrt 18.00 vom schwedenplatz) in jenem loisium genannten bescheidenen betonklotz oberhalb langenlois. sechs ausgewählte weine aus der region (weißburgunder, riesling, grüner veltliner, traminer, zweigelt, rieslingsekt) werden von dazu berufenen menschen erläutert, dazu bringt die sehr charmante angela maria reisinger literarisches und, nach einem kräftigen schluck, folgt meine posaunistische, völlig objektive persönliche deutung. von den sechs jazzzeitweinen kann ich übrigens fünf tatsächlich persönlich empfehlen, das ist doch allerhand, oder? (sie selbst sollen natürlich alle sechs probieren, und vielleicht schmecken ihnen ja fünf andere als mir.)

die zweite weinveranstaltung ist die sechste dieser art bei meinem freund hans czerny in fels am wagram (27.4.2007, 18.00), weinkult (intendanz: bertl mütter – so heißt das in niederösterreich; obwohl, so eine formulierung mag eher zu felix dworak, elfriede ott oder harald serafin passen): unter dem vorwand musikalisch-literarischen interesses (gäste diesmal: gert jonke, agnes heginger, peter herbert, christoph cech, das ist ein flöten und geigen) wird alljährlich die warme jahreszeit unter zuhilfenahme besten (mittlerweile biologischen) weins und exquisiter speisen begrüßt. vom weingut wimmer-czerny kann ich keine weine empfehlen, denn erstens bin ich befangen (und muss mich also der aussage entschlagen) und zweitens bleibt nämlich sonst zu wenig für mich übrig (und sie, die zwischen den zeilen zu lesen in der lage sind, dechiffrieren das als empfehlung, habe ich recht?, uijegerle!)

weil wir schon am werben sind und aus dem ganzen brief nichts anderes als eine ganze werbeverkaufsveranstaltung (mit weinkost) geworden ist, noch zwei workshopankündigungen.

mein sommerworkshop zur improvisation: vom 15. bis 21.7.2007 wird in viktring (musikforum viktring/klagenfurt) wieder gespielt. restplätze … (etc.)

und wer ins spielen! reinschnuppern will, wir (christoph cech und ich) hätten da auch einen am 19. und 20.6.2007 im schloss weinberg bei kefermarkt, veranstaltet von der bruckneruni linz und offen für alle.

abermals verweise ich auf den (da zum zweiten mal in dieser form präsentierten bereits traditionellen) serviceteil (vorschau, rückblick, *-rubrik), und darf mich von ihnen verabschieden.
kommen sie zur literatur, zum wein und, meinetwegen, zur musik. wenn wir uns daundoderdort sehen, freue ich mich aber sowas von.

beim wein ists fein

ihr bertl mütter


(der aber doch auch noch heftig zu componîren hat und am 6. april, karfreitag, memento mori, erstmals die anrede herr professor zu gewärtigen hatte)

— der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil —

bald – die vorschau
was nach anfang mai kommt, wird später eingetragen.

vorbei – der rückblick
inkl. russland (faschiertes land – begriffsklärung demnächst hier im mütterlog), jerusalem, paris, amsterdam

immer weiter, jedenfalls. und am schluss irgendwas, hauptsache unvollendet.



servil , 0:00

nischni nowgorod, wolgapromenade. schon am vormittag spazieren sehr jugendliche pärchen in der hellen, noch recht kühlen sonne, unten treiben die faltbootgefährlichen eisschollenreste, eine art vorgezogener osterspaziergang also. es herrscht ein strenger, geschlechterspezifischer dresscode, zuckerlrosa die maid, der junge herr darf alles anziehen, das aussieht wie leder, alle farben sind erlaubt, solange sie schwarz sind. undaber, entzückendes detail, man ist kavalier. und trägt seiner natascha das barbiehandtäschchen, zum abbusseln der anblick, stellte er sich in der kussverbotlosen salzaufsbrotmetropole vor.



packen wirs an! /2 Sonntag, 8. 4. 2007, 0:00

man könnte für die sich zahlreich gebenden ökonomiegewinnler (vor allem für jene, die sich im korrekten neureichengehabe noch üben wollen), statt der möglicherweise für nochnichtsteinreiche armutsgefährdenden vans, vergleichbar den händiattrappen der neunzigerjahre, autozentralverriegelungspiepserlsoundalikes auf den markt bringen, jawohl, damit ließe sich, nicht nur in nischni nowgorod, prächtig geld machen, stellte er sich vor, weil auf arbeit (manuelle, aber auch, siehe gestern, geistige) ließe sich kein geldvermehrendes geschäft aufbauen, nicht in diesem land, noch nicht jetzt, es wäre auch völlig irrational, wirklich wahr. dann lieber fonds. oder schutzgebühren. oder schutzgebührenfonds, jawohl, das war es.



packen wirs an! /1 Samstag, 7. 4. 2007, 0:00

bei der straßenarbeit etwa, stellte er fest, waren für jeden aktiv arbeitenden mindestens drei hierarchieebenen an vorgesetzten anwesend, es war nachgerade verwunderlich, dass bei einer derartigen kompetenzkonzentration dem letzt- und alleinausführenden ob dieser endverantwortlichkeitsbürde nicht die hände ihren dienst versagten, stellte er sich vor.



vielfalt Freitag, 6. 4. 2007, 0:00

sicherlich würde es ein gericht geben, über das man keinen dill streute, hoffte er und wagte es dann doch nicht, die blinis mit honig zu bestellen.



aufwärts! Donnerstag, 5. 4. 2007, 0:00

warum man, da man mit dem aufzug gefahren war, am schluss noch eineinhalb stockwerke gegangen war, wo doch im fünften stock auch ein lifthalt war?
die antwort versetzte ihn zurück in die kindheit mit, ging es um dieses land, ihren vertrauten orakelsprüchen von radio eriwan, die stets mit im prinzip ja (oder nein) begannen, um dann das gegenteil, mithin die praxis, pointiert und in einer sehr eigenen, trägen, resignativ-humorvollen logik zu begründen.
radio nischni nowgorod antwortete also: selbstverständlich geht der lift bis zum fünften stock; es ist aber so, dass er, wenn drei leute drinnen sind, dieses stockwerk nicht anfährt.
sie waren zu dritt.



ra ru rick Mittwoch, 4. 4. 2007, 0:00

(doch noch einmal moskau)

arbat, fußgängerzone moskaus, touristenmeile, manches ist gar in englisch angeschrieben, sie wollen dir, wie überall, alles allzutypische andrehen, dessen typischheit vor allem dadurch beglaubigt wird, dass das glumpert (gut, natürlich ist nicht alles ramsch, sie haben z.b. auch sehr schöne uhren, aber: handeln sie!) in souvenirgeschäften (und nur dort) angeboten wird, damit da keine zweifel aufkommen, eben.

matjoschkas, alle größen, jedes quantum
und, vorwissend zwar, kam es zu einem aha-erlebnis, als er vor allem die schlichteren und also billigeren matjoschkas betrachtete, mit einemmal nämlich wusste er, dass, entgegen der irrigen meinung, sie seien franzosen, es sich nur um nachgerade typische (s.o.) russen handeln konnte, nämlich bei den barbapapas.



klänge der heimat Dienstag, 3. 4. 2007, 0:00

in nischni nowgorod, dieser sandigen stadt an bzw. über der wolga, frühling keimte auf, wenn auch noch eisschollen von der oka in den, ja, bildung, längsten strom europas drifteten, deshalb, titanisches im taschenformat, stellte er sich vor, dass an die faltbootfahrer, derer es hier sicher jede menge geben musste, die warnung vorsicht! treibende eisberge! ausgegeben worden sein musste, er aber saß sicher im wolgatelekomcenter, etwa fünfzig plätze hatte diese vierundzwanzig stunden geöffnete serviceeinrichtung, und alle handies um ihn herum hatten alla turca als klingelton, lustig war das bei allem nerven, weil um ihn herum immer alle meinten, es klingele bei ihnen, suchbewegungen bei den frauen, ruckartige kontrollblicke bei den männern, wirklich wahr.

ob es in der stadt bei aller vorfrühlingsvorfreude aber besser regnen sollte, das fragte er sich insbesondere, als er einige alte frauen getrockneten fisch offen auf der sanddurchwehten straße anbieten sah.

salz aufs brott

soviel noch zu nischni nowgorod, vielleicht morgen mehr.



quack Montag, 2. 4. 2007, 0:00

näher betrachtet hatte moskau gewisse ähnlichkeiten mit entenhausen, stellte er sich vor.

achja, in nischni nowgorod würde er sich noch seine füße eingehender anschauen müssen, fiel ihm unterwegs ein; obwohl, an seinem gang hatte sich nichts wesentliches geändert, oder?



finger /2 Sonntag, 1. 4. 2007, 0:00

obwohl, es war gar nicht so kalt (viel wärmer als in amsterdam vor eineinhalb monaten, wo es auch nicht wirklich kalt gewesen war, ausser im bad), trotzdem duschte er auch in moskau lange (wo, wenn nicht hier hatten sie ausreichend erdgas für ihre durchlauferhitzer?), so lange, bis ihm schwimmhäute zwischen den fingern gewachsen waren, bis zum ersten knöchel rauf, merkwürdig schaute das schon aus, wirklich wahr.

da man aber diesen tag mit dem zug (ja, vom kursker bahnhof!) überland fuhr, nahm er seinen amerikanischen nagelzwicker (er stammte noch aus der zeit des kalten kriegs, noch unter breschnew hatte er ihn bekommen) und manikürte sich, gründlicher als sonst, stellte er sich vor, nicht aber die ebenfalls (aber warum?) angeschwollenen augenbrauen.



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