finger /1 Samstag, 31. 3. 2007, 0:00

ja, der osten, der slawische osten, unendliche weiten. hier tanzten noch flächendeckend lady-cigarettes recht fragil zwischen spitz manikürten hageren, aber auch knackwurschtdicken damenfingern.



recycling /2 Freitag, 30. 3. 2007, 0:00

jener alte ddr-witz war also so gegangen: warum ist in der ddr das klopapier immer zweilagig? – weil ein durchschlag nach moskau geschickt werden muss.

im ukrainischen kulturinstitut zu moskau (wo man ihn offiziell abgelegt hatte) war das toilettenpapier einlagig. und eindeutig recycelt. ja, in zeiten wie diesen galt es ressourcen zu sparen.



recycling /1 Donnerstag, 29. 3. 2007, 0:00

es war ein alter ddr-witz, an den er jetzt in seiner unterkunft im ukrainischen kulturinstitut in moskau denken musste, am etwas niedrig montierten klo, von dem er nur mühsam wieder hochkam, nachdem er ausführlich die zu früh für diese jahreszeit auf den ansonsten tadellos blanken fliesen kreuchenden (oder fleuchten sie?) silberfischerl studiert hatte, musste er feststellen, dass sein linker fuß eingeschlafen war (natürlich war es sein bein; aber er war auch in russland österreicher geblieben), und die klopapierhalterung bot auch keinen rechten halt, klumpfüßig also erhob er sich

(morgen: der witz)



zutrauen /3 Mittwoch, 28. 3. 2007, 0:00

nehmt euch also zeit zum gemeinsamen ausprobieren, zum hineinversinken und draufkommen auf die möglichkeiten dieser musik. lasst euch nicht täuschen vom wenigen notierten (und es ja wenig zum üben im herkömmlichen sinn auf den fünf zetteln).

und bitte: lasst euch zeit beim spielen, viel zeit, jederzeit, haltet die spannung von vor dem anfang bis nach dem schluss, wie ein tier (nicht: nilpferd; eher: reh, kätzchen, …), beabsichtigt nichts, keine genialität, misstraut einem augenblickemotionalisierten gestaltungswillen – es wird sich alles einstellen; die einzige (und allerdings im höchsten maß fordernde) bedingung ist die unbedingte und uneitle hingabe an die musik im hören.

und, keine angst, es ist ja in der tat eine ungeheuerliche musik! (es wird ein genuss, ich bin sicher.)

achja: 30. maerz, 20.00, echoraum, 1150 wien, sechshauserstrasse 66
elliott carter quintett
bertl muetter: holzstueck mit blech (ua)
etc



zutrauen /2 Dienstag, 27. 3. 2007, 0:00

das melodische, harmonische, rhythmische aber als prinzip (a principio) ist, was mich zu interessieren vermag, und in diesem sinn sind sämtliche melodisch-rhythmischen notate nichts anderes als das, was man auf lebensmittelkonserven (dorschleber, tunfisch pikant) serviervorschlag zu bezeichnen pflegt (wobei mir bis heute nicht recht zu erklären vermag, wie die das salatblatt und den petersil so sauber aus dem dosenblech heraus bekommen haben). nicht mehr also als ein vorwand (und auch wieder nicht, ich kokettiere, ehklar), wegweiser, wie ihr euch durchfressen könntet durch das material, das ebenso willkürlich ausgewählt ist: weniges, auf das wenige handlungsanweisungen anzuwenden sind, diese aber bitte, bei aller freiheit, recht strikt, ernsthaft, und so gesehen möchte ich auch den möglicherweise etwas respektlos erscheinenden titel holzstück mit blech als einen vieles offen lassenden und damit, so hoffe ich, ermöglichenden verstanden wissen.



zutrauen /1 Montag, 26. 3. 2007, 0:00

ich misstraue melodie, harmonie und rhythmus, wenn sie ihrer selbstzitation dienen, der ausstellung persönlicher tiefe oder (bewahre!) des gnadenlos originellen pointensetzhumors eines regelrechten und also inspirationsfreien komponisten, der sich, zigarette danach, beim uraufführungsgschamstadiena im rollkragenpulli mit gackbraunem schnürlsamtsakko steifgrinsend wie ein beim onanieren ertappter altburschenschafter mehr bückend als aufstehend erhebt und hölzern vorbeugt, dabei mit hexenschussgefährlich aufgespreizten schultern halslos auf die bra-vo! interpreten verweist*, JA SAPPERLOTE!, flieht alles betuliche, behagliche, kleine freuden bereitende, diese entsetzen versprühenden musikalischen florilegien, schafft die professorentitelverleihungen ab, sperrt die dafür errichteten wappensäle in den magistraten zu, verstopft die hörner, zerschnetzelt blätter und rohre, bevor die würdebeamteten musiker zu ihrer gnadenlos heiteren professorentitelzumsiebzigerverleihungsuntermalungsmusik ansetzen können, sei das ständchen auch von mozart oder stevie wonder. 

*) rein fiktiv; ähnlichkeiten mit tatsächlichen personen oder ereignissen sind unbeabsichtigt und zufällig, wirklich wahr.



gwirks /3 Sonntag, 25. 3. 2007, 0:00

dazu fällt mir, ich weiß nicht warum, der fluch des wüstenförsters von gert jonke ein, dem ich dieses mein holzstück mit blech nicht zuletzt deshalb von herzen zueigne:

bäume -
verlogenes pack!
ordnen sich hinter
meinem rücken zu
liederlich faden=
scheinigen alleen,
nur um einmal
einen ordentlichen
wald vortäuschen
zu wollen!

oder etwa nicht?



gwirks /2 Samstag, 24. 3. 2007, 0:00

dann aber, scheinbar plötzlich, geht alles sehr schnell, und das papier füllt sich mit unwillkürlich gesetzten kritzeleien, zeichen, worte, und das geht leichter noch, wenn das radio läuft dazu, dagegen eigentlich, musik oder wortsendungen, ganz egal, hauptsache, du hast etwas anderes zum mitdenken (gut, sog. neue musik sollte es nicht gerade sein), ein schöpferischer kontrapunkt, denkst du dir, erinnerst dich an glenn goulds staubsaugersehnsüchte und kannst diesen wirr erscheinenden erfahrungsansatz immer besser nachvollziehen. willst du nämlich, dass deine musiker absichtsfrei ihre musik erfinden, musst du auch und gerade bei dir alle vordergründigen absichten austricksen, es treiben ohnehin noch genügend aus den betonritzen aus.



gwirks /1 Freitag, 23. 3. 2007, 0:00

(anm.: ab heute wird klein geschrieben)

du schreibst ein stück (es ist immer nur ein stück, kann nie der ganze kuchen sein), notierst, formulierst spielanweisungen, schön schreiben!, klar formulieren!, je besser du deine gedanken in worte zu fassen vermagst, umso geringer sind die reibungsverluste, umso mehr kommen wir beim proben zur musik selbst, und darum geht es ja. dann stellst du fest, dass genau bei diesem werk dieses vordringen zum innersten der musik selbst zum eigentlichen anliegen, ja zu einem kategorischen imperativ! geworden ist, nach und nach kommst du dir auf die schliche, du willst aber nicht zu viel erfahren, nicht zu viel auf einmal, es wäre zu gefährlich, wer bitte hat seine vivisektion überlebt?, sträubst du dich, und nicht umsonst braucht es immer wieder etliche halbherzige anläufe (und idealer weise das damoklesschwert eines uraufführungstermins), bevor du dich dem ungeheuerlichen des schöpferischen aktes, diesem bergwerksherzen auslieferst, du bist ja nicht blöd, und so ein ausweg ist schnell zugeschüttet, die fluchtstollen sind ohnehin mit sicherheit verlegt oder es warten die geier am ausgang, immer wieder muss ich sagen: es gibt vielleicht kein kaisertreueres volk als das unsrige im süden, aber die treue kommt dem kaiser nicht zugute (kafka; es ist in der tat jeder compositorische act ein aufwand, mindestens so groß wie beim bau der chinesischen mauer), und das willst du dann doch nicht, nein, ganz sicher nicht, du willst, um beim bild zu bleiben, dass diese deine treue, die notwendige unbedingte hingabe an die kunst, diesem einzigem kaiser zugute komme.



kühlend Donnerstag, 22. 3. 2007, 0:00

Zurück noch einmal zu jenem Vorfrühlingstag (erinnern wir uns: Schneeregen in der Innenstadt, in den Auslagen die sog. Leichte Bekleidung, Madonnen warben mit ihren Augen, in die er nicht recht zu schauen vermochte, etc…).
Was ihm aber besonders (als unpassend) auffiel war, dass an diesem trotzig seine Dochnochwinterhaftigkeit ausstellenden Dienstag in beinahe sämtlichen Geschäftszulieferstraßen in zweiter Spur vor ihren mit diesen zu großen, hochgestellten Autos zugeparkten Ladezonen aus Kombi-PKWs und Kleinlastern, jeden Verkehr blockierend, Kühlschränke abgeladen wurden, und jedesmal war es der Fahrer allein, dem man diese Schlepparbeit zugemutet hatte, das konnte dauern, bitte aber wer aber brauchte bei diesem Wetter ein Kühlaggregat?
Aber so war (und ist) es nun einmal, und Winterschlussverkauf war ja auch jedes Jahr gleich nach Weihnachten, seine Theorie von der fortschreitenden jahreszeitentektonischen Plattenüberlagerung wurde nicht zuletzt dadurch weiter untermauert, schien ihm. Was geplant ist, ist eben geplant und wird durchgeführt, da kennen wir nichts, auch beim Weingartner war der Schanigarten bereits aufgestellt, der Sommer konnte kommen.
Vorher aber noch schnell zu den Russen. Ob die in St. Petersburg noch im Eis badeten?



wärmend Mittwoch, 21. 3. 2007, 0:00

In Nischni Nowgorod, in Nischni Nowgorod,
da hat man Salz und Brott, das macht die Wangen rott
und einen Rostoptschin stellt man zu jedem hin
und singt und trinkt.
In Nischni Nowgorod, in Nischni Nowgorod,
dort gibt’s kein Kussverbott und keine Hungersnott
Und es wird Morgenrott und es wird Abendrott
und alle schlafen dann wie tott.

Fritz Löhner-Beda

Vorfrühlingstag (per definitionen der 20. März). Schneeregen in der Innenstadt, weiter draußen, wie er später beim Hinuntergehen zum Jonasreindl sehen konnte, blieb er gar liegen, so ein Wetter, zum Händübermkopfzaumschlong, wirkliwoa. Ein Tag, um in einem der stetig wandernden, Achtung! – Nur kurze Zeit! – Geschäftsauflösungsledergeschäfte eine gegen Nässe und Kälte wunderbar schützende Lederjacke zu kaufen, wenn auch, gegenüber, in der Auslage des schwedischen Textilmolochs bereits die sommerhelle Leinenware angeboten wurde; mit dem ungewohnten Gewicht auf den Schultern fühlte er sich gleich viel bedeutender, es war ein anderes Gehen, ein Schreiten, und das würde er brauchen können in den nächsten Wochen, wo es ihn nach Russland verwehen würde.
So gesehen konnte er das aktuelle Wiener Wetter als perfekte Einstimmung auf die um diese Zeit im Nordosten zu erwartenden Umstände dankbar annehmen, mit einemmal wurde ihm richtig behaglich. Und, wie er erst unlängst zum wärmenden Trost erfahren hatte, vor allem in Nischni Nowgorod(siehe oben)



da schau her Dienstag, 20. 3. 2007, 0:00

Angeblich entwarf Madonna jetzt Kleidung für einen skandinavischen Textilkonzern, jedenfalls warb sie mit dieser Behauptung, und es gibt ja überbegabte Menschen, denen traut man zu, in allem exzeptionell zu sein, und wer, wenn nicht die Madonna (so sagt man in Österreich, wenn man jemandem beim Namen nennt) wäre so jemand, oder nicht?

on your knees! (stucky)

Dazu die Werbeplakate, wo sie ihn mit ihrem Look into my eyes-Blick anschaute, dem er nicht und nicht entkam, wenn ihm auch nicht gelingen wollte, diesem anregend dominanten Befehl vollinhaltlich nachzukommen.



Pfeifkonzert Montag, 19. 3. 2007, 0:00

hoed ma se medanaund
en mund med n mund zua
das uns des bumpan en bluad
ned wia r a rode aumschl
aus n hoes schbringd ..

h c artmann, drei gedichta fia d moni

Ein paar Wochen schon (alles war dieses Jahr früher, selbst der erste Jänner, mochte man meinen, war bereits um Mariæ Empfängnis gewesen, eine jahreszeitentektonische Plattenüberlagerung gewissermaßen), lange vor dem endlich doch noch drohenden Wintereinbruch also, sangen nun die Amseln (aumschln), auf seinem Heimweg durch die Kottätzsch hatte er schon ein paar fixe Dialogpartner gefunden, die er, bergauf radelnd, mit seinen nach innen gepfiffenen Antworten zu verwirren sich vergnügte. Namen konnte er den schwarzen Sperlingsvögeln keine geben, es waren ihrer zu viele, zu individuell war auch ihre jeweilige Eröffnungsstrophe, wie es sich eben gehört, und Hansi sagt man zu Eichkätzchen oder zum eingesperrten Kanari; ein Amselname, wenn er auch artmannsch wäre, ist er mitnichten.
Bergab dann aber, durch den Wolfpark, passte er auf, dass ihm nicht wieder Hugo Dachs in die Quere kam.
Von einem Dachsgesang als solchem ist ja wenig bekannt. Wale, ja.



Hugo Sonntag, 18. 3. 2007, 0:00

Freitag abend, gegenüber. Ein Dachs (meles meles) im Wolfpark. Man war sich schon mehrmals über den Weg gelaufen, also war es Zeit, dem hundeartigen Allesfresser einen Rufnamen zuzuweisen. Praktischerweise und völlig spontan entschied er sich für Hugo, und näher betrachtet passte das Tier auch vorzüglich zu dem unglücklichen Komponisten, der im Gegensatz zu seinem etwas jüngeren Jahrgangskollegen nicht Operndirektor geworden war.



gaußsch Samstag, 17. 3. 2007, 0:00

Der berühmte Spruch Je weniger ich trinke, umso besoffener werde ich ist leicht als zutreffend erklärt, da sich der Salontrinker üblicherweise volumsprozentmäßig nach oben arbeitet, vom Bier (von den Bieren) oder Gschpritztn zum Wein (zu den Weinen) und, wenn noch nötig, zu Gebranntem, eine stark ansteigende Kurve.
Beim sehr sympathischen philosophisch-literarischen Frühlingsjourfixe (es gibt auch einen im Herbst) im Vierten war bereits vorgezeichnet, dass manche Gäste die empirische Erforschung dieser Kurve betrieben, ein selbstloser Feldversuch im Salon, sapperlote.
Wobei, das dachte er sich, als er einen Gast beim Versuch nach Hause zu torkeln beobachtete, ab einem Scheitelpunkt, da der Proband zu keiner Aufnahme mehr in der - Achtung, Wortspiel! - Lage war, diese Kurve wieder auslaufen müsse, eine alkoholische Glockenkurve, und dröhnen würde es in manchen Köpfen, morgen, beim Aufwachen, Flüssigkeitsmangel, dringender Suppenbedarf, ein gaußscher Kater würde sich zu Schrödingers Katze gesellen, stellte er sich, streng wissenschaftlich, vor.



putzmild, bremsbereit Freitag, 16. 3. 2007, 0:00

Als er sich bei seinem Besuch daheim die Hände wusch, bemerkte er verwundert noch nicht Dagewesenes: Zahnpastareste im Waschbecken! Seine Mutter war stets ein Musterbild selbstverständlicher Sauberkeit gewesen (ohne einem Reinlichkeitswahn unterworfen zu sein, immerhin), nicht nur daheim, sondern auch dort, wo man sie als Reinigungskraft zu schätzen wusste, einige Stellen hatte sie noch von ihrer Mutter übernommen, als diese, weit schon in den Siebzigern und gegen etliche Widerstände (auch ihrerseits), damit aufgehört hatte. Er inspizierte das Badezimmer genauer und fand tatsächlich etliche der zeitgemäß (1980) nescafé-mit-ein-paar-Tropfen-Maresi-braunen Fliesen um Grade weniger perfekt gereinigt, sowas.
Einen trefflicheren Indikator für ihr fortschreitendes Altern hätte er sich nicht vorstellen können, musste er schmunzeln; und er war ihm allemal lieber, als der mittlerweile beträchtlich verzögerte Bremsbeginn seines Vaters beim Autofahren. Ja das Auto, das war sein Leben.



linkshändisch Donnerstag, 15. 3. 2007, 0:00

(Ein kleiner Nachtrag)

Gaius Iulius Cæsar, der (nach julianischem Kalender) vor längerer Zeit nach kurzem, schwerem Leiden allzuplötzlich verstarb, er war ebenfalls Linkshänder.
Da ist es richtig ein Glück, dass es noch Anfang der Siebziger Jahre in unseren Breiten üblich war, möglichst alle Schulkinder auf rechts zu trimmen, sie, so hieß es, wären spätestens im zweiten Semester, wenn mit dem Jollyfüllfederschreiben begonnen wurde, arm dran, weil sie den eben gesetzten Buchstaben unweigerlich unverzüglich mit der bösenbösen Schreibhand verschmieren würden, Außenseiter also fürs ganze Leben.
An meinem Freund M. erweist sich die Richtigkeit jener pädagogischen Überlegungen von vor der Ölkrise nachgerade idealtypisch, ist er doch, längst schon, perfekt integriert, ja, das kann man schon sagen, wirklich wahr. Trotzdem aber merkt man ihm, wenn man aufmerksam ist, dieses Makel heute noch an, dann nämlich, wenn er das Lineal oder die Schere in die rechte Hand nimmt, undaber das tut man nicht.

selbstnachdunkelnde brillen (dieser herr ist nicht blind!)

Trotzdem und gerade heute: Ad multos annos!

(Und wie er die Holzhacke in die Hand nimmt, das werden wir uns beim Waldbauern anschaun, schrieb er kryptisch…)



Kreisen! Mittwoch, 14. 3. 2007, 0:00

Ich bin Ihnen gestern die zweite Frage schuldig geblieben, mal sehen, ob ich sie überhaupt beantworten kann; wenn ich auch ein Schelm sein mag, es ist keine Suggestivfrage!
Also: Sagt man jetzt herum oder umher, umherfahren oder herumfahren, herumgehen oder umhergehen, und überhaupt, was hat es mit diesem syllabisch so variablen, jedoch nur scheinbar (das sei vorweg verraten) kommutativen Wörtchen auf sich?
Ich biete (mir selbst) einen – nur partiell befriedigenden – Lösungsansatz: Könnte sich die Silbenreihenfolge nach der Bewegungsrichtung (im Uhrzeigersinn: herum / gegen die Uhr: umher), äh, richten? Oder verweist herum immer auf eine Kreisbewegung, umher aber sei orientierungsloses, arhythmisches, wuseliges, nachgerade wirres, äh, Herumgehen?
(Zeit, zurück in die den Autor fruchtblasengleich schützende Dritte Person zu wechseln.)
Solche und ähnliche Fragen kreisten in seinem Sinn, morgens im Bade beim Betrachten des abfließen wollenden Wassers, nördlich des Äquators, was nicht unbedacht bleiben sollte, zu berücksichtigen aber sei stets auch die Forschungsperson, ob sie Rechtshänder oder Linkshänder sei und ob sie ihre Versuchsvorführung frontal und also mit seitenverdrehender Wirkung einem wissenschaftlich bestens ausgebildeten Fachpublikum (welches wiederum in welchem Verhältnis aus Links- und Rechtshändern zusammengesetzt sein würde?) geben würde, da fiel ihm ein, dass es in den USA überproportional viele Linkshänder gab, und das war möglicherweise der eigentliche Grund allen Klimaübels, dies bedenken müssend begann sich ihm augenblicklich alles zu drehen, es kreiste, und in welche Richtung (umher oder herum), ist nicht mehr rekonstruierbar, und wenn, dann kann, ja: darf! dieses letzte Geheimnis nicht verraten werden, es wäre zu gefährlich, vergessen wir nicht, die Erdumdrehung zu beachten, eben.



Umsteigen! Dienstag, 13. 3. 2007, 0:00

Natürlich, er würde wieder mehr mit dem Rad fahren, das wollte er sich fest vornehmen, und es fiel ihm auch nicht wirklich schwer, besaß er doch überhaupt kein Auto, war begeisterter Nutzer des öffentlichen Verkehrs und, in der sich – ein positiver Effekt der global verheerenden Erderwärmung (als Österreicher war man gewöhnt, Anspruch auf Sonderbehandlung zu haben) – ausdehnenden Saison, vorbildlich (bzw. durchaus pragmatisch aufs Überleben aus Seiender) schwammerlgleich behelmt- und, im Finstern, beleuchteter Radfahrer, eine Einschränkung also, die ihm so schwer fiel wie einem Vegetarier der Verzicht aufs Bratl, die sich aber laut, pardon, herausposaunen ließe, wäre er ein medienobservierter, sagen wir: Expolitiker, um den herum, ähnlich wie bei der Tour de France, ein ganzer Pulk von Motorrädern und Betreuungsfahrzeugen Kohlendioxid in die Atmosphäre entließen, er aber wäre das leuchtende Beispiel, zu dem er sich auserkoren hätte, für alle Zeit und darüber hinaus.
Es blieben zwei Fragen. Erstens: Wie wäre es anzustellen, eine aufwändige, für Titelseiten unabdingbar notwendige Männerfrisur so energiesparend wie möglich in Form zu bringen? Zweitens: (siehe morgen, für heute würde sie, nach all der Herumradlerei, weitaus zu weit führen.)

Achja: Winters filzbehaubt kreist Kristina tagtäglich in der Radfahrerstadt, jetzt kommt aber bald der Frühling und überhaupt, ein neues Jahr beginnt undalso Alles Gute zum Geburtstag!



Sparen! Montag, 12. 3. 2007, 0:00

Jetzt zum Sparen. Kreisky hatte etwa 1974 auf Nassrasur (in der Pension dann überhaupt, 100% sparsam, auf den Patriarchenbart) umgestellt, und so stand er auch an diesem Tag vor dem Spiegel und fragte sich unwillkürlich, ob er jetzt mit seiner Grundsatzentscheidung zur stromlosen Enthaarung eine positive oder negative Energiebilanz vorweisen konnte, man bedenke den Heißwasserverbrauch, eben. Mit einemmal war er unschlüssig, was jetzt das richtige war, völlig unschlüssig, verunsichert, ganzundgar, und das war keine gute Voraussetzung, mit dem Rasieren zu beginnen, viel zu gefährlich.
Er müsse sich besser andere Klimaschutzstrategien ausdenken. Radfahren, ja; aber unbedingt: Kettenölverschleiß drastisch reduzieren.



Energie! Sonntag, 11. 3. 2007, 0:00

Die Klimaerwärmung und was man dagegen tun konnte beschäftigte dieser Tage das ganze Land und also die ganze Welt. Eine Welle der Solidarität schwappte umher, jeder wollte sein Scherflein beitragen, es wurden gewaltige Anstrengungen angedacht, Energie einzusparen, sparen, wo es nur geht. Er erinnerte sich seiner Kindheit, als man sich mit dem Zusatzpickerl SO von der Verpflichtung, MO, DI, MI, DO, FR oder SA das Auto stehen lassen zu müssen freikaufen konnte; damals war man noch auf diese doch recht uniforme Wichtigkeitssignatur am Wagen angewiesen und wagte noch nicht einmal von den Jahre später so beliebten inividualisierenden Wunschkennzeichen (CHEF 2, IGEL 6 etc.) zu träumen, ganz zu schweigen vom Mobiltelefon, das gab es als Selbstverständlichkeit nur bei James Bond und im Raumschiff Enterprise, dort brauchte man sogar nicht einmal einen Hörer, sondern musste nur auf das Emblem auf der rechten Brust greifen, und die Frauen hatten meistens ein Headset auf, Knopf im Ohr.

(morgen: sparen!)



Gesundheit! Samstag, 10. 3. 2007, 0:00

We are expecting some little turbulences, so you may better have your seatbelts fastened as it might be a bit bumpy ahead, hatte der Pilot unvergleichlich trocken vom cockpit durchgegeben, sehr beruhigend, und es war dann auch wirklich nicht so arg gewesen.
Eine ähnliche Ansage sollte es auch in Liederabenden geben, zumal in Wien oder Salzburg bei Programmen zum Nichtmitschunkeln, stellte er sich vor in dieser als Konzertsaal getarnten Lungenheilanstalt mit chronisch Katarrhischen.



take-off Freitag, 9. 3. 2007, 0:00

So oft war er in den letzten Wochen geflogen, dass er, als er im Saal Platz genommen hatte, vergeblich nach dem Tischchen vor ihm suchte. Das Konzert selber aber hob besser ab als so mancher Flieger. Kein Wunder bei einem Piloten wie Pierre-Laurent Aimard und Christine Schäfer als dem Publikum sympathisch-unnahbar zugewandte Stewardess. Auch die Landung erfolgte an einem ganz anderen Ort, als von wo man mit Haydn und Mozart weggeflogen war, um dann in höchsten Spären Wolf, Webern und Ives zu umkreisen.
Praktisch war jedenfalls, dass man beim Verlassen des fliegenden Mozartsaals sich auch der Seitengänge bedienen konnte.



cassis Donnerstag, 8. 3. 2007, 0:00

Vollkommen verwirrt aber war er bei der Körperpflege nach dem Badmintonsport, zu dem man früher Federball sagte und bei dem sich wieder einmal seine – natürlich nur diesem einen Sparringpartner gegenüber existente – Nervenschwäche als unüberwindliches Siegeshindernis erweisen hatte, ein Sieg, der längst überfällig war, war er ihm doch selbstredend sowohl technisch als auch taktisch und erst recht konditionell um Häuserblöcke überlegen, was auch seinem stets siegreichen Partner nicht schwer fiel, zuzugeben: Auf einmal roch das Duschgel genau so, wie sein den entscheidenden Energiekick gebender Traubenzucker aromatisiert war.
Verbissen kämpfte er gegen seinen Drang an, einen kräftigen Schluck zu nehmen. Es gelang.



Sensation, formatfüllend Mittwoch, 7. 3. 2007, 0:00

Und dann noch die Schlagzeile der Kronenzeitung in den sonntäglichen Gratisaushängtaschen: Atombilder aus dem Iran!
Endlich ein Thema, das dem meistgelesenen Kleinformat gerecht werden konnte, stellte er sich vor.



einnehmend Dienstag, 6. 3. 2007, 0:00

Bei seiner sonntäglichen Radfahrt durch Wien kam er auch am Kalvarienbergmarkt vorbei. Sein Wahrzeichen ist der Zöllner Zachäus, der höchste Palmenkletterer der Welt, der gegen eine geringe Münzgebühr seine Plastikpalme hochklettert und so, in der schaustellerischen Umsetzung dieser neutestamentlichen Geschichte von der demütigen Neugierde des geldeintreibenden Sünders, selbst wieder zur Geldquelle wird, ein merkwürdiger Kreis schließt sich, ziemlich schlau, dachte er sich begeistert. Phantastisch, wie die das machen, war er ganz eingenommen.
(Wer immer die sind.)



endlich: Erfreuliches Montag, 5. 3. 2007, 0:00

Da hatte er sich ganz schön in was hineingeritten, weil hineinreiten lassen konnte man ja nicht behaupten, er selber hatte am Vortag aus freien Stücken, wohl auch aus Überdruss über das Thema der letzten Tage vollmundig verkündet, endlich Erfreuliches zu berichten, und jetzt kam und kam ihm nichts Erfreuliches unter, das war wenig erfreulich, den ganzen Tag radelte er kreuz und quer durch seine Stadt auf der Suche nach Erfreulichem, es war aber noch zu kühl, das Wetter zur Erfreulichkeit des Tages zu stilisieren, außerdem wollte es dazwischen immer wieder regnen, na gut, da ließe sich an Erfreulichem nennen, dass es ihn doch nicht erwischt hatte, das Wetter, aber das war ja doch wohl zu wenig und sicher nicht berichtenswert, so blieb ihm nichts anderes zu berichten, als dass er, einen ganzen halben Tag am Rad unterwegs, kein einziges Mal in die Scheiße gefahren war, so ein Glück, wirklich wahr.



glücklich /3 Sonntag, 4. 3. 2007, 0:00

Nicht zweifelsfrei herausgefunden hatte er aber auch, welcher Fuß nun der Glücksfuß und welcher der Pechfuß war, wenn er einmal unabsichtlich (lauteren Herzens) profilgebräunt war, die Meinungen dazu in Paris gingen auseinander.
Immer säkularer sich entwickelnd, hatte er auch keine Lust mehr, darüber weiter zu spekulieren. Für ihn blieb der Tritt ins Glück ein unangenehmes Ereignis, das sich so selten passieren sollte, wie eine Mondfinsternis bei klarem Himmel (eben peitschte der Sturm gegen die westlichen Fensterscheiben, das schaute für diese Nacht nicht wirklich gut aus).
Überhaupt war er es mittlerweile leid, damit angefangen und dann mit der Erörterung dieses Scheißthemas so viel Zeit verbracht zu haben.

(morgen aber, endlich: Erfreuliches)



glücklich /2 Samstag, 3. 3. 2007, 0:00

wo gehen ich
liegen spucken
wursten von hunden
saufenkotz

ich denken müssen
in mund nehmen
aufschlecken schlucken
denken müssen nicht wollen

ernst jandl

Was es aber mit der Behauptung auf sich hatte, dass, wer ins Volle steige, nichts als Glück haben müsse, war ihm vollkommen schleierhaft. Oder wünschte Volkes Mund beim Hundekot, dass einem nichts schlimmeres passieren möge?
Gleich beim Heimkommen, nachdem er seine Schuhe ausgezogen und vorgereinigt haben würde, würde er seine Bettdecke inspizieren, ob ihm nicht auch noch le chat de notre portière einen markanten Besuch abgestattet hätte. Das bedeutete dann nichts weniger als ein Lottosechser, stellte er sich vor. Oder, um es französisch auszudrücken: O la la.



glücklich /1 Freitag, 2. 3. 2007, 0:00

unruhig begießt das hundelvieh
ein knisterndes laternenknie

ernst jandl

Wien darf nicht Paris werden, dachte er sich, als er auf dem Heimweg vom Studio (links, geradeaus, links, rechts; allesinallem keine zweihundert Meter), knapp vor seiner unversehrten Heimkunft, dieses unwillkommen weiche Einsinken unter seiner in festem Schritt aufgesetzten rechten Ferse spüren musste, hellbraun wie schmelzende Milka-Noisette-Schokolade sah es aus als, er schmerzfrei humpelnd bei einem Laternenmast anhielt, und er hatte sich seinen Pariser Abdruck nicht an der Gehsteigkante sondern mitten am Trottoir eingetreten, wenigstens so weit war man in seiner Sackerlfürsgackerlstadt mittlerweile doch schon, immerhin.
In Momenten wie diesem sehnte er sich nach Istanbul oder Teheran, wo man halt keine Hunde hält, und damit ließe sich doch auch einmal Wahlkampf machen, stellte er sich glückliche Stadtbewohner vor.



gesund – und weiter! Donnerstag, 1. 3. 2007, 0:00

Nach dem Zahnarzt (Bergbau) träumte ihm von einer Radtour mit Hugo und Fidel, in hügeligem Land fuhr man ohne allzuviel Anstrengung einen kleinen Fluss entlang, daunddort blitzte die milde Vormittagssonne durch die grünen Blätter: heitere Gelassenheit, wie im ersten Satz der Pastorale.
Auch Fidel, der einen Bart hat, so lange, als wäre er der dritte Bruder von ZZ Top (seiner ist aber braun, so vital, immer noch!) geht es schon viel besser, darf ich berichten.

Und meinem Kumpel Franzobelix, diesem früh schon in den Zaubertrank gefallenen Kampel, , wünsch ich heute ebendiegleiche Vitalität immerdar, jetzt, da man zum ersten Mal auch ihm etwas hämisch (aber nicht minder amikal) ad multos annos! zuprosten darf.



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