aufgeräumt Mittwoch, 28. 2. 2007, 0:00

Die Tage, an denen er vor der Ungeheuerlichkeit des (längst überfälligen) kreativen Prozesses in organisatorische und, was sich besonders fatal auszuwachsen pflegte, in reorganisatorische Arbeiten flüchtete, brachten es zumindest mit sich, dass sein Büro endlich ausgemistet war, Containerladungen Altpapier entsorgt waren, er ordentlich Kreuzweh hatte und, jedenfalls, viel zu müde zum Künsteln war.
Morgen aber würde er endlich arbeiten können. Ja, nach dem Zahnarzt.

(morgen: nach dem Zahnarzt)



‘taufte Maus Dienstag, 27. 2. 2007, 0:00

Die – in der Tat bezaubernde – Verlegerin, deren Frisur im Laufe der Nacht immer mehr der ihrer Bundeskanzlerin glich, hatte Glück, dass sie keine Österreicherin war, stellte er sich vor.



Forelle Jerusalem Montag, 26. 2. 2007, 0:00

Im Restaurant
Gegrillt, viel Öl, Oliven, Kapern, dazu gegrillte Tomaten, Paprika, Zucchini, Erdäpfel, allesinallem: sehr üppig, um nicht zu sagen: deftig (was hiermit gesagt ist).

Religionstouristisch (sehr international)
Am Zionsberg, in der deutsch verwalteten katholischen Krypta, an der Stelle, wo, sie wollen es so, Maria ganz sicher gestorben ist, -
(begraben haben sie sie ja bei den Armeniern, neben dem Gethsemane-Garten am Fuß des Ölbergs, d.h. einmal quer durch die Stadt, hauptsächlich durchs arabische Viertel, dort ist sie dann maximal exakt drei Tage gelegen – oder hat es bis zum entsprechenden Dogma 1950 gedauert? – bevor sie mit Leibundseele in den Himmel gefahren ist; ihr Bub hat es da leichter gehabt, der war am Ölberg gestartet, etwa 200m näher am Himmel)
- ein deutscher Geistlicher instruiert eine Gruppe dunkelhäutiger Pilger, die Männer im schlabberigen Trainingsanzug, also wohl Amis (wären sie weiß, es wären Tschechen), dass das alles hier eh nur Tradition sei, da geht ein Mobeil, fünf Sechzehnteltriolen nach einer Sechzehnteltriolenpause, darauf die zwei Achtel, das ganze zweimal, und los geht die Melodei in frohohoher Eil.
Das hättert sich der Schubertfranzl aber nicht gedacht, damals (nicht in Steyr), stellte er sich vor.



0 – 100 (kategorisch) Sonntag, 25. 2. 2007, 0:00

Man könne Hotels recht gut nach der Qualität der Frühstücksorangensaftzumutung klassifizieren, hatte der lange poetische Weiler weltklug doziert und brachte seine Erkenntnis so, dass sie, um ihm eine Freude zu machen, die Überrascht-, ja, Begeistertheit über diese treffscharfe Pointe nur insgeheim gähnend zu heucheln sich gezwungen sahen, war das anstrengend.
Das so beliebte Hotel mit Tiefgang und Bunkerspeisesaal (nebenan, unverhohlen, war der Eingang zur Synagoge schlicht mit einer Luftschutztüre gesichert) konnte maximal ein 15er sein, mehr Fruchtgehalt war nicht drinnen.
So könne er sich mit der Hotelklassifikation anfreunden, stellte er sich vor. Aber so hatte es das poetische Originalitätsoriginal (0%) mit der Ausstrahlung eingeschlafener Füße (100%) nicht gemeint.
Achja: Das (dt: der) Joghurt aber hatte ganze null Prozent.



Aufzug, orthodox Samstag, 24. 2. 2007, 0:00

Da standen sie nun im Lift, der großgewachsene hübsche Student von hinter der akustisch recht kommunikationsfreudigen Wand, der nachts keinen Damenbesuch erhalten hatte, mitsamt seinem Koffer, in den der Nichtdamenbesuch mit etwas Willen und reichlich Vorstellungsvermögen schon auch hineingepasst hätte, warum auch plagte sich der kräftige Jüngling derart, fragte er sich später, und er, keinesfalls taub diese Nacht verbracht habend, und sie warteten und warteten, bis die selbsttätige Schiebetür ihrem Namen gemäß verfahren würde, aber es tat sich nichts, 6-8 Personen stand von links und rechts zu lesen, keine Rede also von Überlastung, auch wenn sie, was immer wahrscheinlicher wurde, zu dritt in der Kabine waren, was aber nützte es, sie gingen auf den Gang hinaus und sogleich wollte die Tür zumachen, nichts wie in den Lichtschranken ausgeschritten, wieder in den Vertikaltransponder, und dann die ganze gleiche Prozedur noch zweimal, bis er beschloss, zu Fuß in den Frühstücksraum, der sich, wie gestern berichtet, als rechteckige Höhlengrotte herausstellen sollte, minus 2, ein Stockwerk noch unter den Autos, so war das hier, wie gesagt, und der sympathische junge Mann mit der Menschenkiste nuschelte, durchaus kommunikativ, unverständlich etwas , das sich auf seine Nachfrage hin wie Schabbátlift anhörte, und er erklärte es auch gleich, nämlich, dass ein Schabbátlift ein Aufzug für orthodoxe Juden sei, die ja am Schabbát nichts, aber schon gar nichts anrühren dürfen (wie gehen die eigentlich aufs Klo?), und der deshalb also am Schabbát dauernd aufundab fahre, nachgerade fahren müsse, an jedem Stockwerk anhalten müsse, wodurch gewährleistet sei, dass der gläubige Mensch keinen Finger rühren würde müssen, so ein Glück.
Er aber hatte sich das liftfreundlicher vorgestellt, nämlich dass jeweils ein Lift (wöchentlich alternierend) am Hl. Ruhetag auch tatsächlich ruhen dürfe.
Können Aufzüge zum Judentum konvertieren? Oder könnte man sie gleich so schaffen? – Fragen über Fragen in diesem faszinierenden Land also, schon am ersten Morgen.



egalitär Freitag, 23. 2. 2007, 0:00

Der Frühstückssalon des in den Hang gebauten Hotels (was war in J. nicht in den Hang gebaut?) lag im zweiten Untergeschoss. Da der Sabbat-Lift (morgen mehr dazu) auch montags nicht recht wollte, nahm er die Nottreppe und kam vorbei an Office (careful, low ceiling), Lobby und – Parkdeck. Unter den Autos also die Frühstückslemuren, aber, wie gesagt, das Hotel war ja in den Hang gebaut (was war in J. nicht in den Hang gebaut?), gleich würde sich der herrliche Blick auf die Stadt öffnen, der ihm im vierten Stock verweigert wurde.
Fehlanzeige. Katakombe. Ein besonders kniffliger Fall für eigens spezialisierte Gastronomiefotografen, deren Auftrag es war, aus Bunkern dieser Art Prunksalons zu imaginieren (hier: unlösbar; für den Hotelprospekt hatte man sich mit der Lobby begnügt und dafür Betonpfeiler wegblitzen müssen).
Aber immerhin: hier wurden Spätaufsteher gleich behandelt wie Ganzfrührausmüsser, das ganze Jahr über.



anfänglich elliptischer Kreis Donnerstag, 22. 2. 2007, 0:00

Das Flugzeug war ziemlich voll, und wenn man einen Sessel weniger aufgestellt hätte, hätte er schon auch musiziert, das Instrument war ja dabei.
Unnötig zu erwähnen, dass (man war ja nicht in einem Asterixheft) die Reise nach Jersualem ging.



herzlich (zum Tag) Mittwoch, 21. 2. 2007, 0:00

Warum man den bis vor kurzem transportunfähigen Untersuchungshäftling (für den in sämtlichen Medien die uneingeschränkte Unschuldsvermutung galt) ausgerechnet am Aschermittwoch am Herzen (dort, wo das Geldbörserl getragen zu werden pflegte) operieren wollte (was, denken wir an die Gefahren, die von als Chirurgen verkleideten Narren drohen könnten, ein eindeutiger Beleg war, dass die Justiz in diesem Land uneingenommen und objektiv arbeiten konnte), über diese Symbolik wurde er nicht müde, nachzusinnieren.

Naja, Mittwoch war Kasperltag, seit eh und je.



nicht heikel (mit Pointe) Dienstag, 20. 2. 2007, 0:00

Als der freundschaftlich entführte Gast bei ihnen ankam und es ans Kochen ging, fragte man ihn, ob es irgend etwas gebe, das er keinesfalls essen wolle (und hatte dabei, wie man das von einem anderen Freund gewohnt war, an Knoblauch, Fisch oder Pilze gedacht), kam, nach kurzem Überlegen, die präzise ausformulierte Angabe: I eat anything but liver and – cheese.
Deutsch (A D-südost; nicht: A-west/Tir. CH D-südwest – so das Variantenwörterbuch des Deutschen) weitergedacht, hätte man jetzt sehr mephistophelisch böse sein können, indem man, mit Püree samt süß gerösteten Zwiebeln, einen frisch herausgebratenen (oder -gebackenen) Leberkäse serviert hätte, Ihr Mittagsmenü bitte (montags bis mittwochs, donnerstags gibt es ja Spinat, und Freitag ist Pangasiustag, wir wissen bescheid).
Aber probieren Sie einmal, diese harmlose und zugegeben recht schlichte Pointe ins Amerikanische zu übersetzen.



narrisch Montag, 19. 2. 2007, 0:00

wo bleibb da
hummoooa
wo bleibb da
hummmoooooa
wo bleibb darrr
hummmmmooooooooooa
darrr kööönich vonn
hummmmmmmmoooooooooooooooooa
rrrrr

(ernst jandl)

Dann die letzten Tage, wo in sämtlichen Vorstädten die ganzjährig gut unter Verschluss gehaltene Fröhlichkeit ausgerufen wurde, Stunden nach den Umzügen noch ein Hauch von Marillenmarmelade (oder war es Barack?) in der Luft lag und Konfetti und Papierschlangen die Straßenbahngeleise verstopften (diesmal war es nicht so arg, es war trockenes Wetter).
All diese Individuen vermassenden Menschenaufläufe wie auch die kollektiv offenbar dringend benötigten fixen Widmungszeiten für Ausgelassenheit, Besinnung, Heilefamilienweltverlogenheit etc. waren ihm derart zuwider, er konnte sich gar nicht restlos erklären, warum, und es war ganz sicher nicht allein Canettis Schuld und/oder der Umstand, dass er dieser Tage mehrmals am frisch renovierten Justizpalast vorbeigegangen war.
Ebenso unerklärlich war, warum ihm gerade bei diesen Gedanken die Frage kam, ob es, auf Friedhöfen etwa, eigene Fahnenmasten, die nur für Halbmastbeflaggung vorgesehen waren, gab, und ob man dann nicht die obere Hälfte einsparen könnte.



Opernball /2 Sonntag, 18. 2. 2007, 0:00

Noch einmal zu den Helikoptern, die jedes Jahr am letzten Donnerstag im Fasching alles sichernd durch die Wiener Innenstadtluft ratterten: Als er von der (bisher) hubschrauberlosen U-Bahn zur Wollzeilenoberfläche emporschwebte, fiel ihm dieser Roman seines Freundes ein, und ihm fiel auf, dass er jedes Jahr heimlich (meist von ihm selbst unbemerkt) damit rechnete, dass bereits in den Mitternachtsnachrichten exklusiv von seiner opernballbedingten Festnahme berichtet werden würde (bzw. müsste).
Heuer aber schien er es besonders perfide (um ein ihren Abonnenten Bildung vorheuchelndes Fremdwort aus dem Wortschatz der Krone und ihrer durch sie informationsdeformierten Leser zu verwenden) zu treiben, hatte er doch vor, sich zwischen Faschingssonntag und Aschermittwoch ausgerechnet nach Israel abzusetzen.
Darauf wäre nicht einmal Der Geringste gekommen, stellte er sich vor.

Wurscht, er würde ihn jedenfalls begleiten. Freundschaft. Da müssen wir jetzt durch.



Opernball /1 Samstag, 17. 2. 2007, 0:00

Warum auch musste er jedes Jahr ausgerechnet am letzten Donnerstag im Fasching in die Stadt (nein, weder in noch vor die Staatsoper), dachte er sich, als er sich beim Stubentor aus den U-Bahn-Katakomben hinaufrollen ließ, oben hörte er dieses fast schon folklorehafte Helikoptergeratter, panta dreh, Alles Walzer auch in der Luft, und Alles zu Ihrer Sicherheit, und er fühlte sich, ganz im Gegenteil, mit einem Mal verunsichert, kam gewissermaßen, völlig unalkoholisiert, ins Torkeln, was wäre, wenn der bei diesem Regen herabkäme, woher dürfte man dann noch Hilfe erwarten, Kampftaucher vom Donaukanal?



Hörverständnis Freitag, 16. 2. 2007, 0:00

In der Schule damals, im Englischunterricht gab es Übungen, wo das Verstehen des eben Vorgetragenen abgecheckt werden sollte, es war ihm stets leicht gefallen, und wahrscheinlich waren diese Übungen als Dazwischenmotivation, um vom öden Vokabellernenmüssen abzulenken, ja auch extra leicht gestaltet, sodass die Schüler mit ihrem recht beschränkten Wortschatz die Vorkommnisse beim Frühstück (porridge, wääh - aber die mochten das angeblich!) oder auf dem Schulweg von Ann and Pat zufrieden stellend nacherzählen konnten.
Listening comprehension, so hieß diese beliebte Unterrichtssequenz, es war ihm nachts eingefallen, als es in ihm über die anstehende Zusammenarbeit mit A. B. gärte (man würde bald schon ins Studio gehen und zu zweit musizieren), Hörendes Einverständnis, jawohl, das war es in der Tat und vom ersten Augenblick des Kennenlernens vor nicht ganz zwei Jahren, was sie verband, sehr vielversprechend.
We must do it as long as we’re alive, hatte A. ihm am Vorabend noch einigermaßen nachdrücklich gesagt, shakehands.
Antony Braxton & Bertl Mütter, Wien, 15.2.2007
A.B. (l) – B.M. (r) Foto: Victoria Coeln

Er klikkte ins online-Wörterbuch und fand bei listening comprehension noch to be past comprehension, und das bedeutete Über alle Begriffe gehen.

Abmarsch.



eingeholt Donnerstag, 15. 2. 2007, 0:00

In der Früh dann, d.h. am späten Vormittag, nach dem Abwaschen, schienen ihm die Affen vom Vorabend beim Abtrocknen aus jedem einzelnen der zahlreichen Gläser entgegen zu kreischen.



davongekommen Mittwoch, 14. 2. 2007, 0:00

Jetzt, da der Fasching, beginnend mit seinem donnerstäglichen hochgesellschaftlichen Tiefstpunkt, auf seinen Höhepunkt zuzusteuern begann, war es vielleicht doch nicht so ungünstig, dass ihm sein Zahnarzttermin so kurzfristig abgesagt worden war, zur hemmungslosen Aushöhlung dreier Unterkieferzähne schien ihm ein Tag nach dieser kurzen Zeit, in der der ganzjährlich existente allgemeine Irrsinn öffentlich angesagt, es geradezu erwünscht war, dass er nach Außen durchbreche, wesentlich besser geeignet, wirklich wahr.
So würde dann er weniger auszucken müssen, stellte er sich vor, hoffte er.
Immerhin.



superlearning Dienstag, 13. 2. 2007, 0:00

je müder / ich bin / umso lieber / bin ich / in wien (ernst jandl)

Nun war er also zurück aus der Spätaufsteherstadt in diesem Spätaufsteherland, wo selbst das Morgenlicht später daherkam, weil es es sich gemütlich machen zu wollen schien.
In seinem Land wurde der wissenschaftlich belegten Tatsache, dass es volkswirtschaftlich weitaus vorteilhafter wäre, den Arbeitstag später, so gegen 9.00 Uhr, zu beginnen, einzigundallein deshalb nicht nachgekommen, weil die entscheidenden Posten in Gewerkschaft und Industrie aus einem teufelskreisenden Grund von militanten Frühaufstehern usurpiert waren, und die würden sich hüten zuzulassen, dass gewisse Sitzungen erst dann begännen, wenn die (ohnehin in diesen Regionen dünn gesäten) Gemütlichaufstehenwoller auch ihre volle Reaktionsschärfe erreicht hätten, wo kämen wir auch hin.
Er aber, müde und aber lokalbewusst, hatte sich den Radio (sic!) in bester Absicht heute früh aufgedreht und konnte so zwei Morgenjournale (eines davon mit ausführlicher Kulturberichterstattung), eine gründliche Programmvorschau (eig. -horch), zwanzig Minuten angeblich am Morgen so wohltuender Barockmusik (er bezweifelte das), eine Sendung über Menschen, Moden, Lebenskunst, Nachrichten in englischer und französischer Sprache, ein ganzes, mit süßelnden Kommentaren durchsetztes Pasticcio (dem Moderator mussten, bei gleichzeitiger Gebetshaltung, die Mundwinkel von einem helnweinschen Klemmapparat nach oben gezogen worden sein), und, im Heraufdämmern, von Drachenhöhlen, Wildfrauen und Riesen im Schlaf (mit einigen wenigen Bewußtseinsinseln) konsumieren.
Ausgerechnet beim Radiokolleg (das Thema diese Woche: In Morpheus’ Armen) hielt es ihn nicht mehr, ab in die Dusche. Aber die Sendung wurde ja am Abend wiederholt, er könnte sie sich dann im Bett anhorchen, jawohl.



//:immer wieder:// Österreich Montag, 12. 2. 2007, 0:00

Bei der Ankunft in Wien einen Packen Gratiszeitungen aus dem Spender, diesem Selbstbedienungsblech, zu entnehmen, um sie unverzüglich im so praktisch extra unmittelbar daneben aufgestellten Altpapiersammelbehälter zu entsorgen, so etwas durfte man durchaus als einen heroischen Akt medialer Zivilcourage bezeichnen, stellte er sich nicht nur vor, als er in den Keller zur Flughafenschnellbahn ging.
Trotz dieser Tat, er konnte nicht umhin sich einzugestehen, dass ihm eine ganze Woche Österreich jetzt bevorstand.



umtost Sonntag, 11. 2. 2007, 0:00

Wem es im Flugzeug zu eng ist, der freut sich auf die geräumige Festlandtoilette am Flughafen, und in Amsterdam Schiphol ist ja auch alles recht sauber, wirklich wahr, und das liegt sicherlich zu einem Gutteil auch an den Toiletten mit automatic flush, dachte er sich, als ihm bei jeder noch so geringfügigen Bewegung aufs Neue sein Gemächt beinahe hinweggespült wurde, er kam sich wie Jacques Tati in playtime vor, so modern alles, und so sauber, wirklich wahr.
Obwohl, ein Fön wäre schon auch noch angenehm gewesen, stellte er sich vor.



Peripetie Samstag, 10. 2. 2007, 0:00

Dieser eine Tag vor dem Vollmond war es, da sämtliche Straßenbahntüren defekt waren, Weinkrämpfe am öffentlichen Mobiltelefon in den im ganzen durchgängigen Wagen übertragen wurden, allenthalben Blaulichtautos blinkten und in Folgetönen, sich vergeblich vorrempeln versuchend, hupten, als überhaupt alles verrückt war, und so gesehen dürfte es halbsoschlimm sein, nicht in freier Fahrt zum Spital brausen zu können, warteten dort doch auch die heute besonders verrückten Ärzte und Notaufnahmeassistenten.

Jawohl, einen Tag vor Vollmond war es am ärgsten; das eigentliche vollrunde Katastrophenlicht mitsamt seiner Seelengezeitenkräfte, es war dann bei weitem nicht mehr so arg.

So musste es mit dem eigentlichen Wesen der Peripetie sein, stellte er sich an jenem Vollmondabend vor und beschloss, seinen Text erst an einem lunar unverfänglicheren Tag zu veröffentlichen.



Transformation Freitag, 9. 2. 2007, 0:00

Schweizer machen aus Erde Emmentaler.
ORFON dichtet weiter.
Irgendwie passte diese Meldung als Wurmfortsatz zu den Einschaltungen der letzten Tage, stellte er sich vor.



vornämlich Donnerstag, 8. 2. 2007, 0:00

(Um es abzuschließen)

Wo Bechtold Poesie schafft, wird der Wurm zum Wolf.



auflockernd Mittwoch, 7. 2. 2007, 0:00

Die oberste Bodenschicht, knapp unterhalb der Waldoberfläche, wird von allerlei Lebewesen bewohnt, deren Aufgabe es ist, alles locker aufzubereiten.

Bechtold, du Tanne.



stichig Dienstag, 6. 2. 2007, 0:00

MUMOK, Wien. Erwin Wurm. Gerade noch rechtzeitig.

BRU HA HA.



Zugvögel (venezianisch) Montag, 5. 2. 2007, 0:00

Um einen taubenfreien Markusplatz zu erreichen, müssten auch die traditionellen fliegenden Händler verschwinden, die Touristen Körner zum Anlocken der Tauben verkaufen.

Hn? Oder aber: Wie wär’s mit Gebärdensprache?
Und: Wohin werden sie nun fliegen, die traditionellen Händler?

Immerzu zuverlässig, die ORF-ON-Poesie. Danke. Alles bleibt besser.



bissfest Sonntag, 4. 2. 2007, 0:00

Zitat von der Homepage des sehr verdienten Wiener Traditionsbetriebs Wojnar’s Wiener Leckerbissen, kurz: Wojnar:
Der Gabelbissen ist heute fixer Bestandteil der österreichischen Kultur und ebensowenig aus Wien wegzudenken wie der Stephansdom.
Versuchen Sie einmal, irgend etwas wegzudenken, sagen wir: Mannerschnitten (nur echt mit dem Stephansdom). Oder: Das Haas-Haus. Oder, gegenüber: Den Stephansdom.
Na sehen Sie. Nicht auszudenken.
Ich wiederhole, nun vollends überzeugt:
Der Gabelbissen ist heute fixer Bestandteil der österreichischen Kultur.
Soisses.



Typologie Samstag, 3. 2. 2007, 0:00

Ob sich die (österreichische) Menschheit in drei gleich große Gruppen von Typen einteilen ließ? Das (nicht nur wojnarsche) Gabelbissenangebot ließ bei ihm diese Vermutung aufkommen, und sie erschien nur auf den ersten Blick auf bzw. Biss in die gallertige Aspikwabbelmasse abstrus.
Wer waren die Schinken-, die Russen- und die Ei-Typen unter uns? Wie sah es mit den Schnittmengen aus? Konnte man, ähnlich dem Licht, wo sich alles aus RGB – Rot-Grün-Blau zusammenaddierte, anhand dieses Speisefarbkreises die Menschen (zumindest im Osten des Landes) hinreichend beschreiben? Je mehr er darüber sinnierte, desto klarer war, dass daran nicht der mindeste Zweifel bestehen konnte. Ein nur noch ergänzendes Indiz waren jedenfalls die Plastikdegerln, alles umfassend kreisrund.
Er nahm sich ernsthaft vor, das gabelbissenerstehende Publikum bei den Kühlregalen genauer zu beobachten. Und nach angemessener Frist und Tiefe der Erkundungen Bericht zu geben.

PS: Bitte benutzen Sie die Kommentarfunktuion hier und geben Sie an, welcher GBT (Gabelbissentypizität) sie sich am ehesten zuordnen würden: S – Schinken / R – Russ’ / E – Ei; Mehrfachnennungen möglich.
Danke für Ihre Mithilfe.



Vielfalt Freitag, 2. 2. 2007, 0:00

Einem treuen Katholiken war ja an einem strengen Fasttag wie dem Aschermittwoch nur der Genuss von zwei der drei der üblicherweise angebotenen Standardvielfalt (Schinken – Russ’ – Ei) des Gabelbissens gewährt, und, wenn man es genau überlegte, nicht einmal das: Einmalige Sättigung, so die Vorschrift ist Vorschrift. Da diese Köstlichkeit aber als klassische Zwischenmahlzeit bezeichnet werden musste, die von den nebenan bohrenden und flexenden Arbeitern genau dann eingenommen wurde, da er, endgültig mürbe, doch aufstand, fiel der Gabelbissen aus dieser Aschermittwochskategorie eindeutig hinaus, weshalb an diesem Tag nur Heiden und Protestanten eine Jausenpause zugestanden wurde, in diesem Land.

(morgen: Typen)

Aktuell: Heute aber ist Lichtmess. Also kommen Sie, wenn Sie sich in Wien aufhalten, um 20.00 Uhr ins porgy & bess. Franzobel und Bertl Mütter geben, Zum Letzten Male in dieser Spielzeit, Die Weihnachtsorgie.



Tendenzen Donnerstag, 1. 2. 2007, 0:00

Bereits zu Beginn dieses Februars musste er den Aschermittwoch mitdenken. Dieser jährlich erste vom Mondlauf festgesetzte Tag -
(der heuer erst am Ende seines dritten Viertels alles aschfahl ankreuzeln wollte, nicht aber ihn, würde er sich doch, zusätzlich zu seinen Glaubensabfallsgründen und wenn es kein Faschingscherz mit Realitätsernüchterungsflash war, womöglich die ganzen Faschingtäg samt diesem fischigen Appendix in einer unchristlich-urchristlichen Gegend aufhalten, wie er eben erfahren hatte, jaja, Freiberufler waren nachgerade opportunistische Verfügungsausführer, man brauchte sie nur mit kurzfristig-lukrativen Aufträgen aus ihrer windgeschützten Unterkunft zu locken – nach Kyrill und Olli umbrauste eben ein ihm namentlich noch unbekannter Sturm seine westseitigen Fenster, dass es ihn fast aus dem Schreibtischsessel hob)
- war für ihn immer auch mit der kulinarischen Erfahrung Gabelbissen verbunden, wenn er sich auch nicht genau erklären konnte, warum.

(mehr zu dieser austrokulinarischen Konsistenzkonstante ab morgen)



Powered by WordPress kostenloser Counter