in (ruhig?) fließender Bewegung Mittwoch, 31. 1. 2007, 0:00

Besuch bei den Eltern. Die Quellen der eigenen Verhaltensweisen aufs ungeschminkteste vor Augen geführt bekommen, mit jedem Mal noch klarer erkennen.
Müssen.
Du weißt, du bist im selben Fluss. Wohl ist es an dir zu schwimmen oder dich treiben zu lassen; die Strömung aber tut auch das ihre.
Das kann ja noch heiter werden.



Hochdruck Dienstag, 30. 1. 2007, 0:00

Wien Landstraße. Die Kärchergasse wurde ihrem assoziativen Namensgeber alles andere als gerecht, so dreckig, wie sie war. Man sollte hier einmal mit dem Dampfreiniger säubern.
Die von der Tankstelle Hölzl könnten sicherlich behilflich sein, stellte er sich vor.



unwucht Montag, 29. 1. 2007, 0:00

Wien Landstraße, Tankstelle Hölzl, Kärchergasse 1A. Auf der Mauer vor der Einfahrt ist eine Blechtafel montiert, auf der steht in geschwungenen Blockbuchstaben DIENSTLEISTUNGEN / “FÜR SIE” / REIFENDIENST / ELEKTR. WUCHTEN / BATTERIEDIENST
Und “ER”?, dachte er sich? Macht Er es sich selber? Oder bedienstleistet man Ihn etwa nicht (bzw. nur in Damenbegleitung)?



völlig normal Sonntag, 28. 1. 2007, 0:00

Ein mit seinen Herkunftskreisen gerade zerstrittener Politiker hat vor ein paar Jahren (es sind etwa so viele, wie es braucht, um volljährig zu werden), als er noch (nach dem Räuberundgendarmspielen) mit ihnen beisammengesessen ist, drei Bier bestellt.
Bitte, was ist denn da dabei? Sind wir schon so zwangsabstinent, dass Fragen auftauchen wie: Wichtig ist, wie er heute dazu steht?! Clinton hat auch geraucht und aber (jedenfalls, ganz sicher) nicht inhaliert. Und Rauchen ist bitteschön vielviel böser, als blondes Bier zu trinken (wobei noch nicht einmal gesagt ist, dass er sie für sich selbst bestellt hätte; einer für alle, alle für einen).
Mein Vorschlag an den schneidigen Mann ohne (bzw. mit harmloser) Vergangenheit, wenn dann das offenbar noch im Talon befindliche Bild auftauchen sollte: Er möge sich spontan daran erinnern, dass er damals von seinen Mitburschen gefragt wurde, wie hoch er in einem Satz aus dem Stand springen könne. Dass er heute nicht mehr so hoch kommt, das mögen wir ihm bitteschön glauben, womit sich die Sache wohl erledigt habe.
Und dazu dumpfdreist um sich blickend in den Saal kudern, dass es auch wirklich alle verstehen. Einer Versöhnung dürfte dann nichts mehr im Wege stehen.



Anomalie Samstag, 27. 1. 2007, 0:00

Je kälter das Wetter war, umso länger musste man warten, genau so war es, dachte er sich, von einem Bein aufs andere tretend, als er durch eindringliches Schauen in die Herkunftsrichtung das Auftauchen seines Anschlussbusses beschleunigen wollte, vergeblich, denn es war so kalt wie das ganze Jahr noch nicht, etwas Winter hatte sich doch noch eingestellt, wie gerne hätte er darauf verzichtet (leider hatte man ihn wieder nicht gefragt). Im Warten redete er sich immer wieder gut zu, dass die Zeit bis zum tatsächlichen Eintreffen dieses unseligen Verkehrsmittels noch nie so kurz war wie gerade eben, ein eiskalter Trost, aber immerhin. Es war aber nicht nur so, dass der Bus unerträglich lange auf sich warten ließ, benötigten noch dazu die Sekunden, wohl aufgrund des Frostes auch frierend, zumindest ihre doppelte Verstreichzeit. Eigentlich, so wünschte er sich ebenso vergeblich wie sein Busherbeischauen, müssten sie dann ja schneller vergehen.
Später (viel später) bekam er einen Platz gleich neben der Tür, hinter einer den ärgsten Luftzug abhaltenden Plexiglasscheibe. Warm, das ist relativ, stellte er sich vor, immer noch die Schultern angezogen.



Energie Freitag, 26. 1. 2007, 0:00

Der Strom- und Gaszähler ächzte, als er sich, ballondick, die Stufen herauf wälzte. Wenn sein Kraftaufwand (der, das war offensichtlich und -hörbar, auch aufgrund ihrer alles andere als optimalen Übertragung gigantisch sein musste) zu den abgelesenen Ziffern dazugezählt würde, so müsste er sich auf eine geschmalzene Nachzahlung gefasst machen, stellte er sich vor.



EtwasWinterMütter 2007 Donnerstag, 25. 1. 2007, 12:00

Liebe MBA,

(sämtliche Drittpersonsformen inkludieren Femininum und Maskulinum – zumindest wo es sinnvoll ist; und, nun gut, Neutrum auch)

stift st. lambrecht, clausura

Sie ahnen es, und ich darf Ihre Ahnungen bestätigen: Dieser MütterBrief hätte wesentlich früher verfasst und abgeschickt werden sollen, allein, es war nicht möglich, das Wetter wollte nicht und nicht mitspielen, wofür ich mich hier, als wäre ich Alpintourismusverantwortlicher, in aller Form entschuldigen möchte, aber, D’oh, selber entschuldigen geht ja gar nicht (das können nur gewisse Politiker, manche sogar meinetwegen), also bitte ich um Ihre Nachsicht und hoffe, Sie mit diesem umständlichen und vielzulangen Ersten Satz nicht noch zusätzlich gegen mich aufgebracht zu haben.
Immerhin, ein Anfang ist gemacht.
Nach meinem letzten Brief wurden mir etliche Bananenwahrnehmungen zugespielt, ich darf zusammenfassen: Lediglich fast nur ein (um nichts weniger bemitleidenswerter) Freund musste von einem Bananenschalenfall berichten, welcher sich allerdings unter speziellen Umständen ereignete, nämlich in Costa Rica, der Bananenrepublik schlechthin, wo es, das konnte mir auch der glücklicherweise unverletzt Verunfallte bestätigen, unwahrscheinlicher zu sein scheint, nicht auf einer Bananenschale auszurutschen. (Ob er deshalb zum Trotz in die Atacamawüste aufgebrochen ist, ich werde ihn fragen.)
Soviel dazu, wenden wir uns jetzt dem Eise zu, das zumindest nicht mehr gänzlich unwahrscheinlich scheint in diesen frühwinterlichen Tagen, wenngleich unsere Abfahrer, die, ganz im Gegensatz zu allen anderen seit eh und je eine harte, eisige Piste bevorzugen (auf Gleitstrecken kann ein jeder gewinnen, das interessiert unsereins ja nicht einmal nicht), heuer auf Kitz verzichten müssen, ihre Eisüberlegenheit also nicht unter Beweis stellen dürfen (oder müssen, je nachdem), so hart im Nehmen sie auch immer sein mögen.
Die Frage ist also: Was nützt so einem Schifahrer der beste Werbevertrag, wenn er wenig bis keine Gelegenheit hat, seiner eigentlichen Tätigkeit nachzukommen, dem, was er am besten kann, der Kunst also, einen vorzugsweise brutalharten Eishang als halbwegs Schnellster, jedenfalls aber am spektakulärsten hinabzurutschen (sodass die Komantschen pfeifen).

grün, immerhin
Sehen Sie, genauso verhält es sich mit mir und meiner Kunst (die Posaune die Brettln, das Podium der Eishang). Nicht zuletzt dank meiner virtuellen Präsenz und auch mancher wohlwollend besprochener Tonträger wegen halten mich viele für einigermaßen erfolgreich, und das mag auch zutreffen. Auf der anderen Seite hat sich aus verschiedenen künstlerischen Gründen in den letzten Jahren eine zunehmende Konzentration auf die Soloarbeit ergeben, das engt die Auftrittsmöglichkeiten ein (ich spiele im übrigen keineswegs ausschließlich allein, habe große Freude, immer wieder mit wunderbaren Kollegen zusammen zu arbeiten, und eben befindet sich ein Ensemble in seiner Gründungsphase – mehr dazu, wenn es Spruchreifes zu veröffentlichen gilt).
Also: Who’s afraid of the trombonist? (Empfehlungsschreiben aufliegend)
- Ich kann garantieren: es ist keine Angst notwendig (warum darf man das unhinterfragt als Pianist, allein spielen?). Genug gesudert (Näheres gerne persönlich); naja, was immer noch verletzend ist, sind gewisse Veranstalter, die dir ob deines eigenständigen Wegs permanent auf die Schultern klopfen, Du bist in meiner Programmkonzeption fix drinnen, sich auf Nachhaken aber abwimmelnd gebärden: D’oh, habt doch den Mut, nein zu sagen, anstatt halbherzig zu vertrösten, ja?! – Bitte aber ins Angesicht.
schöne aussichten
(TschuldignS’, dass ich Sie mit derart Banal-Alltäglichem konfrontiert habe; es ist aber so, dass auch unsereins epiphytische Orchideenexistenz Austausch braucht. Wir – es betrifft auch viele Kollegen! – haben so viel zu geben.)

Indem ich auf den neu gestalteten Serviceteil verweise (bitte lesen und Vorschau- und aber auch Rückblick-Link anklikken), darf ich mich von Ihnen verabschieden. Ich freue mich, wenn wir uns daundoderdort sehen, hören, lesen und überhaupst, dankeschneu.

Nichtsdestotrotz auf zumindest die Slalomergebnisse vom Ganslernhang gespannt zu sein vorgebend,

Ihr

Bertl Mütter

nach den MDL-Aufnahmen

Bald – die Vorschau
weihnachtsorgiastisch!

Besonders hinweisen möchte ich auf den 2. Februar im Porgy & Bess, Wien, letzte Weihnachtsorgie in diesem vielzukurzen Winter.
Und, hinaus aus dieser Enge, am 8. Februar werde ich als Gast und EmCee mit dem Axyz-Ensemble im Bimhuis, Amsterdam musizieren.

Vorbei – der Rückblick
das ominöse chorzimmer (stuckdecke)

Eben habe ich MDL, muetters dichters liebe (nach Schumann nach Heine), im Chorzimmer der Clausura des Stifts St. Lambrecht aufgenommen, und am 26. Jänner zu Mittag wird der akustische Teil meines nächsten Albums (Aufnahme, Schnitt, Klangbild, Master-CD) fertig sein. Ein paar (genau: 268) Photos von einem bei mir paarweise vorhandenen Körperteil (hat nichts mit den weiter oben erwähnten Orchideen zu tun) hat Dorothea Wimmer auch schon gemacht; das wird spannend.

Weiter, jedenfalls.



Brauchtum (Winter) , 0:00

Ein Wunder war geschehen über Nacht (Wunder geschehen immer über Nacht), Schnee, mitten im heißen Winter. Endlich konnte er, einer spontan installierten Tradition folgend, sämtliche längst vorbereiteten Weißen Alben d.h. die in ihren euphemistisch jewel boxes genannten, oft zersplitternden Plastikschachteln oder, was ihm besser gefiel, die in geschmackvoll und einfallsreich gestalteten Kartoneinbänden sich befindenden Tonträger, wie man sagt: einlegen (früher, in der Vinylzeit, hatte man sie aufgelegt, aber da hatte es auch noch richtige Winter gegeben; obwohl, reziprok, schon 1975 hatte Rudi Carell die ausbleibenden Sommer besungen – Es war hier wie in Afrika, wer durfte, machte Efkaka*). Besonders gespannt war er auf die neue Winterreise mit Christine Schäfer.

Akustisches Schneeschaufeln jedenfalls.

*) FKK – FreiKörperKultur – siehe auch hier



Kontrabasskonjunktiv Mittwoch, 24. 1. 2007, 0:00

Es gibt Menschen, die mehr (viel mehr!) erreichen hätten können, hätten sie sich nicht – oft recht bald schon – einen Plafond eingezogen, den es sie wohl gelüsten würde, zu überragen, hätten sie sich nicht eine bequeme Angst vor den dann dräuenden Ungeheuerlichkeiten kultiviert, mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab’ ich mich nicht getraut. (Karl Valentin)
Insofern (und nur insofern) war Der Kontrabass das richtige Stück für seinen Uraltfreund geworden. Hätte sich doch der (echte) Kontrabassist einen Dramaturgen (kürzen! kürzen!) und einen (echten) Regisseur zu Hilfe genommen, stellte er sich vor.
Schade auch, dass dieser Monolog nicht von Thomas Bernhard stammte; der hätte ihn, bei womöglich doppelter Länge, auf zumindest vierfache Dichte eingekocht.



Ausstrahlung Dienstag, 23. 1. 2007, 0:00

Ob es an ihm lag, dass, mit wem immer er in eine Theater- oder Musikvorstellung ging, diese befreundete Person jedenfalls annähernd augenblicklich einschlief?
Er fühlte sich dann, berichtpflichtig, für das Gesamtverständnis zuständig und konnte seinerseits nicht abschalten, auch wenn von der Bühne her alles daran gesetzt wurde, dass er sich wegbeamen wollte.



sublim Montag, 22. 1. 2007, 0:00

Der berüchtigte Moderator (nicht jener fortgeschrittene Schlagersendungsmacher, welcher dieser Tage seine letzte Zigarette vom Herrenspitz gesogen hatte) rezitierte den Romananfang des Dichters in einem Ton, als wollte er zeigen, dass wir (der Dichter inklusive) nur einzigundallein kraft seiner verstehenmachenden Lesekraft (er las alles so, als wäre es Rilke), der Accelerationen und Pausen (diese hielt er kaum aus, es schien, als wollte er vor jedem Wort mit erhobenem Zeigefinger Achtung, jetzt kommt’s sagen) die annähernde Chance, das Glück also, hätten, das zu verstehen, was der Dichter gemeint hatte, und dieser schien ebenfalls erstaunt, sowas.
Hinterdrein, keinerlei Pause lassend, stellte er ihm noch eine Suggestivfrage, die unmittelbar bewies, dass es sich genau umgekehrt verhielt, eine regelrechte Erkenntnisverdampfung, ja, Verstehenssublimation.
Trotzdem, er mochte ihn. Er hatte das Zeug dazu, jetzt, wo der Kollege abgetreten war, zum Doyen der grumpy old men im Rundfunk aufzusteigen.



vorzeitig Sonntag, 21. 1. 2007, 0:00

(Bleiben wir beim Wetter.)

Sehr angenehm, die Sonne so im Gnack, dachte er sich, obwohl er, wie alle, vielzuwarm angezogen war. Das Wetter, es passte jedenfalls schon. Man müsste nur einfach in der Sonne stehen bleiben können und warten, bis das Datum auch angekommen wäre, stellte er sich vor; so zweieinhalb Monate halt.



abgehoben Samstag, 20. 1. 2007, 0:00

Seit Tagen wurde der Sturm angekündigt, Berichtpflicht, Katastrophenvorfreude. Man wurde über die Nomenklatur vom Mailüfterl bis zum Orkan aufgeklärt und konnte mitverfolgen, wie sie ihre Worthülsen in Angriffsstellung brachten, um sie, wenn der Wind daherkomme, sofort durch die Nachrichtenwindkanäle zu pressen.
Wenn es regnete und bei Überschwemmungen war es praktisch und inflationär beliebt, die Sintflut herbeizuschreiben; zu blöd also, dass es keinen mythologischen Megasturm gegeben hatte, auf den man sich angstlustig händeringend beziehen hätte können.

Die beiden Sportsfreunde hatten sich zum Badminton verabredet, Wettersnobs. Die einmalige Chance für ihn, erstmals zu obsiegen, wollte er sich jedenfalls nicht entgehen lassen.



ausblenden Freitag, 19. 1. 2007, 0:00

Wann kommen endlich geruchlose Parfums auf den Markt? Die Gefahr einer Überdosierung ließe sich so auf ein Minimum reduzieren, stellte er sich unwillkürlich vor, als er vom heurigen privaten Opernballgast erfahren musste. Und: ließe sich dieses Prinzip auch auf Opernballgäste (und ihre Gastgeber) ausdehnen?
Ja.
1. daheim bleiben
2. Fernseher ausstecken
3. geradeaus schauen (keine Seitenblicke)



Härtefall Donnerstag, 18. 1. 2007, 0:00

Ein reichlich unsinniges Erwachen war das gewesen; bei der doppelt (er litt seit gestern Nachmittag auch an einer schmerzhaften Muskelverspannung, links unter dem Schulterblatt) erschwerten Wälzwendung fiel ihm augenblicklich der so treffende englische Begriff morning wood ein, die unverblümte Beschreibung seiner unwillkürlich aufgerichteten Härte schien heute einigermaßen berechtigt.
So schnell aber fiel ihm niemand ein, dem er seine beträchtliche, mit keinerlei ihm bewussten Erregung verbundene morgendliche Erektion hätte widmen können, gar hier als Gast im Kloster.



hyper Mittwoch, 17. 1. 2007, 0:00

Da er ein recht aufmerksamer Hörer des so sinnlichen Bildungsradios war, fand er oft bald schon nach dem Erlernen oder Wiederandentagbringen von einmal Gelerntem Anwendungsbeispiele im Richtigen Leben.
Es geschah sonntags in einem Kloster in den Bergen (von Zeit zu Zeit zog es ihn für künstlerische Arbeiten in die ihm so wohltuende Stille dort zurück), als es ihn, keineswegs unvorbereitet, um fünf vor acht aus dem Bett, nun ja, vibrierte. Fünferlei Glocken riefen die christlichen Lämmer zu ihren Schäfern in die Klosterkirche (kurios, dachte er sich, sonst haben die Viecher die Glockerln), und er, voll der Erinnerung an den Unterricht aus dem Äther, wusste sich augenblicklich im Epizentrum eines regelrechten Bimmelerdbebens (um im Bild zu bleiben: Fünf auf der nach oben offenen Schäferskala; die Richterskala würde erst bei den apokalyptischen Posaunenstößen angewandt, sie reicht von Eins bis Sieben). Und, ebenso unmittelbar, kam ihm in den Sinn, dass wir es hier mit einem wenig beachteten Sonderfall der Seismologie zu tun hatten, da sich der Schwingungsverursacher nicht im Erdinnern, sondern weit oberhalb der Erdoberfläche befand, im Glockenturm nämlich (für die Gläubigen sogar noch viel weiter oben, er aber blieb streng wissenschaftlich).
Da ja das Griechische nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern, aus vielerlei Gründen, auch in der Hl. Kirche eine wichtige vermittelnde Rolle spielt, prägte er, erst einmal für sich, als Begriff für die Lokalisation der Schwingungsquelle eines oberirdisch ausgelösten (nicht nur sonntäglichen) Erdenerbebens, den Terminus Hyperzentrum.

(Ein weiterer, gesondert zu untersuchender Spezialfall wären die Kartage, stellte er sich vor.)



hype Dienstag, 16. 1. 2007, 0:00

In Vom Leben der Natur, dieser nicht nur ob ihrer tarzanesken Pirchnerkennung bezaubernden Radiominiatur – er verdankte ihr so bildungsmehrende Merksätze wie: Ein gesundes Chamäleon trifft zu praktisch hundert Prozent (weitere Ch.-Sätze folgen; es gibt auch welche über Gibbons) -, redete dieser Tage ein führender Seismologe über Erdbeben in Österreich, dabei erklärte er die Grundbegriffe der Tektonik und Erdbebenkunde, Richterskala (von Kindheit an klang das immer nach Gottesstrafe), Mercalli-Sieberg, was ist ein Epizentrum (darunter, mehr oder weniger tief, befindet sich das Hypozentrum), sehr interessant und spannend wie immer, es fiel ihm stets leicht, bei diesem volksbildnerischen Unterricht in der ersten Reihe zu sitzen und aufzupassen, schade, dass man nicht aufzeigen konnte, dazu die Portionierung, eine Einheit keine fünf Minuten, dann ist wieder Pause, so hätte Schule immer sein sollen.

(morgen: non scholæ sed vitæ)



unkreativ / ein Trost Montag, 15. 1. 2007, 0:00

Die liebe Mirjam Jessa hat unlängst (2. Jänner 2007) in einer ihrer Radiosendungen (Österreich 1 bis 2), ein Motto setzend, einen wunderbaren Satz mit ihrer so cremigen Stimme gesagt, er könnte ein Trost sein, nicht nur in diesem nächtlichen Unglück: Traumwandlerisch sicher oder traumverloren – das sind doch nur zwei Seiten ein und desselben Schlafes.
Ich will das gerne als Trost gelten lassen, wenn ich auch unter traumwandlerisch durchaus anderes verstehen will, als einen blasenbedingt nächtlichen Weg über den marmorkalten Flur in der Klausur des Stifts St. Lambrecht.
(Die Aufnahmen hier lassen sich gut an, übrigens.)



unkreativ Sonntag, 14. 1. 2007, 0:00

Als er, halbzwei, erwachte, erwachen musste, war er zunächst verwundert, dann von sich selbst enttäuscht. Er hatte eben geträumt, dass er unter allen Umständen und ziemlich dringend seinem doch recht frühen Harndrang entsprechen und also aus dem warmen Bett in die Fellpatschen, hinaus auf den marmorkalten Flur musste, hoffend, niemandem (schon gar keinem Mönch) begegnen zu müssen, schnellschnell, und gleich wieder zurück, weiterschlafen, jetzt aber bitte durch.
Genau so war es aber eben im wirklichen Leben.
Dabei konnte diese körperliche Drangsituation der Auslöser spannendster Traumszenen sein, ihn Piratenabenteuer, abschüssige Autobusfahrten bei defekter Bremse, Raketenstarts mit Countdown, auch explizit Erotisches erleben lassen, schade.
Danach schlief er nur unter Protest wieder ein.



Tagung Samstag, 13. 1. 2007, 0:00

Mag sein, er war ein kleinwenig zerstreut.
In der lachsrosa Zeitung seiner Wahl standen in den letzten Tagen etliche Artikel über selbst ihm attraktiv erscheinende Innovationen eines Technologieunternehmens, dessen Namen und Logo an eine angebissene Obstsorte der mittleren Breiten erinnerte, faul waren die nicht; am Ende würden die ihn zum Einstieg in die mobile Kommunikation verführen. Abwarten, aber vorwärtsgewandt, dachte er sich; die Aufbruchstimmung (dem Neuen zu!) in den Technologiegusto machenden Berichten veranlassten ihn jedenfalls schon einmal dazu, während des Lesens von Zeit zu Zeit rechts oben nicht nur das Erscheinungsdatum des Blattes, sondern auch die aktuelle Uhrzeit ablesen zu wollen.
Das würde auch noch kommen, ganz sicher; heißt ja: Zeitung.



Pastorale Freitag, 12. 1. 2007, 0:00

KHGeht (das hatten wir schon). Bevor er in seine Privatwirtschaft – äh – geht, nimmt er sich, wie man das so macht eben, eine Auszeit (merkwürdige Worthülse; was wäre ihr Gegenteil? Einzeit? Und: Nehmen?).
Wir sind jedenfalls schon ganz gespannt auf die Exklusivberichte vom Einfachen Leben (1. Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande. Allegro ma non troppo), wie er sich rührend um alles (inkl. Hunde) kümmert (2. Szene am Bach. Andante molto mosso), Beziehungen mit den einfachen Menschen aufnimmt (3. Lustiges Zusammensein der Landleute. Allegro), sich mit den Naturgewalten auf der Leeseite des Gebirges misst (4. Gewitter, Sturm. Allegro) und – besteht (5. Hirtengesang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm. Allegretto).
Die Fönwelle, sie wird halten. Ist ja aus Teflon.



Schockwelle Donnerstag, 11. 1. 2007, 0:00

Es wird karg. KHGeht. Österreich* muss jetzt aber wirklich verzichten lernen. Sein Beliebtester und Bester, ein fescher Mann von bescheidener Bescheidenheit zieht sich ins Privatleben zurück. Nur mehr Seitenblicke**, ob das auszuhalten ist?
Dass er auch Österreich*** erhalten bleiben wird können, ist zu hoffen – und anzunehmen.
Dann wird Er uns weiterhin wirklich nicht wirklich fehlen.

(morgen: bucolica)
____________
*) Land im Herzen Europas; worum sich die Welt dreht
**) österr. Art, geradeaus zu schauen; nichts krummes eben
***) Medium; Synonym für alles, worum sich die Welt dreht



beware! alert! sports! no chance! Mittwoch, 10. 1. 2007, 0:00

Eine weitere Bestätigung seiner hoffnungslosen Unattraktivität folgte nach dem Sporte stets, wenn er den männlichen Sanitärbereich in Richtung Ausgang verlassen musste (gab es denn keinen Hintereingang?):
Die karottenfarben-naturgebräunten Mädchen (auch fortgeschrittenen Alters) aus den Damenregionen mit ihren durch Einfärbigkeit zweidimensional anmutenden Gesichtsflächen (Mundwinkel beständig nach unten gezogen, auch das ist gans schön anstrengend!) würdigten ihn jedenfalls auch keines Blicks.
So ein Pech.



beware! alert! sports! Dienstag, 9. 1. 2007, 0:00

Schon als Heranwachsender hatte er es vorbewusst geahnt, heute aber, als er nach der Sportausübung (Badminton, der einzige fitnesscenterkompatible Herrensport) zur Körperpflege in den Sanitärbereich kam, schoss ihm die unumstößliche Gewissheit ein, dass er es nie und nimmer schaffen würde, so richtig selbstbewusst-männlich-attraktiv zu sein.
Meist kamen sie aus dem angeschlossenen Saunabereich, diese Kraftbinkerln, etwas untersetzt, leicht obeinig (von der Maschin’), im Brustkörbchenbereich dieser leicht mitdrehende Gang (etwas entig, um nicht zu sagen pinguinesk), jeden Schritt gewahr der vermittelst Anspannung zu bedienenden Muskelpartien, pur, weil nackig konnte man die nicht wirklich zu unterdrückende Arbeit dahinter sehen – schließlich sollte man ja auch bei angelegten Textilien (Schtretschtschiens bevorzugt, dazu enges Tischört) erkennen, was für ein Kerl in diesem Mannsbild (bzw. was für ein Mannsbild in diesem Kerl stecke(n könnte). Am besten, er hatte Glück, es schien eine ganze Kohorte brainbuildingresistenter Testosteronzugefüttertbekommer aufzumarschieren bzw. (s.o.) einherzuwatscheln, gefielen ihm ihre idealtypisch marilleneiskugelkleinen, muskulös zusammengekrampften karotin- und solariumgebräunten Popos mit slipbedingt handtellergroßer Topfenneger- bzw. Ferkelchenhaut um das Arschfältchen.
Wahrscheinlich war er ihnen nur ihre Lässigkeit neidig, gestand er sich ein; er jedenfalls würde schon beim Gehen (s.o.) mit dem von ihm nicht einmal besessenen Pflichtaccessoire Blaue Badeschlapfen kläglich scheitern. So etwas wollte nämlich peinlichst geübt sein. Oder nein, entweder man hatte es, oder man hatte es nicht.
Er hatte es nicht. An ihren mitleidigen Blicken aber labte er sich.



beware! alert! Montag, 8. 1. 2007, 0:00

Da haben sie eben die bizarrsten Warnhinweise auf amerikanischen (welchen auch sonst?) Produkten ausgezeichnet, auf dass kein Mensch im Lande der Braven (of the brave), das soviel dransetzt, sich selbst bei gleichzeitigem Weltvorherrschaftsanspruch unter allen Umständen das Hausverstandsniveau eines Kleinkinds zu attestieren (es lassen sich Millionen Dollar damit verdienen), und schon scheint diese schöne Kunst der Produktauszeichnung über den Atlantik diffundiert: In Berlin gibt es eine Schuhfirma, die nennt sich Trippen, sie machen abartig schöne Schuhe, und sie legen jedem Paar einen beidseitig zweispaltig klein und dicht beschriebenen Avierzettel bei, da steht zur Pflege der Holzschuhe folgender, abschließender WARNHINWEIS:
Bitte bewahren Sie Ihre Holzschuhe für Haustiere unzugänglich auf. Es wäre nicht nur schade um Ihre Schuhe, die Materialien sind auch nicht für den Verzehr geeignet und die Tiere könnten sich dadurch verletzen.
Da werden die Silberfischerl aber aufatmen (Kiemen? Lungen? Tracheen?).



mikro Sonntag, 7. 1. 2007, 0:00

Die subatomare Welt des Allerkleinsten ist ein riesiges Forschungsgebiet.
So stand es am 5. Jänner 2007 auf oe1.orf.at zu lesen. Ob sich die Gasttexter vom regulären ORFON ausborgten, jetzt, in den Weihnachtsferien, wo das Personal knapp war?
Er würde auf jeden Fall acht geben, fasste er einen weiteren Vorsatz; bis Lichtmess war das Jahr ja noch neu (schon als Kind hatte er das beschlossen, als er etlichen Leuten, wenn er sie zwischen Neujahr und Lichtmess erstmals sah, ein Gutes Neues Jahr wünschte).
Jawohl, auf die kleinen Dinge des Lebens kam es an, ein in der Tat riesiges, unerschöpfliches! Forschungsgebiet.



lind /3 Samstag, 6. 1. 2007, 0:00

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe
Ich wendete mich nicht

Wieder einmal fiel es ihm ein: Wien heißt ja Wien wegen des Winds; sonst würde der Leichengeruch überhand nehmen.
Deswegen kommen auch die vielen Touristen, nicht nur, aber gerne gerade zum Jahreswechsel.
Eben, Luftveränderung.



lind /2 Freitag, 5. 1. 2007, 0:00

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe
Ich wendete mich nicht

Volksbildnerisch sei noch angemerkt, dass zu den obigen Zeilen keinesfalls die harmlosen Gitarreharmonien C – G7 – C (etc.) gehören. Der Lindenbaum (sagen Sie nie: Am Brunnen vor dem Tore – außer Sie wollen bei den Fischerchören mitmarkieren) ist kein herkömmlich-harmloses Strophenlied (außer bei den Fischerchören, Tausendschaft des Grauens), wir haben (1) Dur (2) Moll (3a) Wurlzwischenstrophe und, scheinbar klärend (3b) Dur.
Bei Das Wandern ist des Müllers Lust ist ja die Trivialisierung auch so ähnlich passiert.
Gut, wenn Sie nach Japan kommen, finden Sie sich damit ab, dass sie es geglättet singen müssen. Dann aber gleich My Way.



lind /1 Donnerstag, 4. 1. 2007, 0:00

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe
Ich wendete mich nicht

Nungut. Gar so war es auch nicht. Weil: Ein gut sitzender Hut fliegt nicht so einfach vom Kopfe, auch dann nicht, wenn man aus der U-Bahn heraufkommt, nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil der Weg am Hutgeschäft vorbei führte, wie sähe das auch aus, wirklich wahr. Festen Schritts stemmte er sich gegen die unerwartete Böe, als könne es doch noch so etwas wie einen Winter geben, zumindest im Neuen Jahr. Angenommen, ein Städter sehnte sich danach, könnte man vermelden: Ein Anthrazitstreifen am Horizont.
Bevor es allzu hell würde, zur Unzeit.



Frequenz Mittwoch, 3. 1. 2007, 0:00

Die neue Zahnbürste, voller Strom (kein Geschenk; nicht alles was neu ist, muss gleich ein Geschenk sein), wie sie vibriert im Mund, ganz oft, und doch mit einem um vieles tieferen Ton als diese unausblendbaren Zahnarztgeräusche, gegen die kein Ohrstöpsel helfen würde, kommen sie doch von innen und werden also über das Innenohr, direkt sozusagen, übertragen (die wahre Folter beim noch so liebsten Zahnarzt war ja eine akustische, das aber wurde von den weißen Knechten und ihren ruhigäugigen Assistentinnen völlig ignoriert), diese Braunzahnbürste also, stellte er sich vor, soll den um seine Zahnhygiene bemühten Bürger mit ihrem Brummen gewissermaßen vorbereiten auf das oben beschriebene peinigende Fiepen.
So, fertig. Sie können jetzt ausspülen, bitte.
War eh nicht so schlimm.



Omen Dienstag, 2. 1. 2007, 0:00

Der Champagner zu Mitternacht hatte sehrwohl geprickelt, so, wie er es musste. Aber, ausgerechnet zum Jahreswechsel, er hatte gekorkt.
Wenn, was zweifellos eintreffen würde, ihm, ihnen, der Welt überhaupt in diesem Guten Neuen Jahr Glück oder Unglück beschieden sein würde, er würde es nicht auf den pampigen Geschmack seines ersten neujährlichen Schluckes zurückführen.
Gerülpst hatte er erstmals um 0.07 Uhr. Damit ließe sich noch manche Kausalität konstruieren.



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