paululum /5 Donnerstag, 31. 8. 2006, 0:00

P., der Betrachter, hatte sich begnügt, zuzusehen, wie andere diese von ihm als intressant gustierten Disziplinen erlernten (Architektur, Musik, Maschinenbau, wasauchimmer), in die Materie, wie es heißt, eintauchten, zweifellos intressante Studien abschlossen, wie sie im Beruf dann vorwärts kamen. Er sah sich nicht einmal leid, nein, ein neidiger Mensch war er ganz sicher nicht. Natürlich, es wäre schon klass, auch so einen intressanten Beruf zu haben, Erfolg, ja, sicher.
Aber letztlich diesen Aufwand, diese Mühe nicht wert.



paululum /4 Mittwoch, 30. 8. 2006, 0:00

Weiter mit P., dem Koster.
Allerlei wäre eh intressant, da müsste man sich halt näher damit beschäftigen, schon faszinierend eigentlich; aber letztlich doch zu mühsam, weil da müsste man unbequemen und sicherlich völlg unnötigen Ballast in Form von Nebenfächern oder Theorie lernen, sich jedenfalls so damit beschäftigen, dass es möglicherweise sicherlich nicht durchgehend Spaß machen könnte, und das ginge auf Kosten der Freiheit. Genau betrachtet: gar so intressant ist es dann doch wieder nicht, es lohnte den Aufwand nicht wirklich, also tauchen wir sicherheitshalber nicht zu tief ein, es würde zu sehr binden, letztlich ersticken.



paululum /3 Dienstag, 29. 8. 2006, 0:00

P., dem das Gustieren zum trägen Lebensmotto geworden war.
Seinem Lesen und Darübererzählen verdankte er wertvolle Anstöße, er hatte ihn etwa zu Canetti gebracht und auch auf den Zauberberg; zu Josef und seine Brüder hatte ihm dann die Muße gefehlt. Studieren, üben, proben, das musste P. ja alles nicht, und das Lesen von literarischen Schwarten kann die im Übermaß vorhandene, frei gestaltbare Zeit ja durchaus sinnvoll ausfüllen: Er kannte kaum einen umfassend Beleseneren als P., das heißt, belesen, so bemerkte er, das war er gerade leider nicht, nein, ganz sicher nicht sogar; P. wäre als Gelesenhabender besser zu charakterisieren. Was abging, das waren die Konsequenzen, die das Lesen mit sich bringt, bringen muss.
Tätige Empathie möglicherweise.



paululum /2 Montag, 28. 8. 2006, 0:00

Es gibt Menschen, die wollen nur kosten, mmh, das schmeckert eigentlich eh ganz gut; aber selber machen, nein, das wäre zu aufwändig, nein, doch lieber nicht.
Ins Kindlich-Kulinarische übersetzt: Pommes, Schnitzel und Spaghetti reichen auch zur Ernährung, oder?
P., könnte man sagen, war so ein klassischer Koster.



paululum /1 Sonntag, 27. 8. 2006, 0:00

Er habe ja einen Studienfreund gehabt, wollte er eben anfangen zu erzählen, da stockte es ihm schon, weil P. war ja kein Studienfreund im eigentlichen Sinn gewesen: erstens hatte er nicht Musik studiert und zweitens, umgekehrt, habe er weder Architektur, noch, was dem Kern der Sache näherkommt, nicht nicht Architektur studiert, so wie P., nicht einmal ein bisschen.
Abermals umgekehrt, Studienfreund, das stimmte gewissermaßen schon auch, weil er war ein großer Freund von Studien, viel gelesen hatte er, den ganzen Tag, die ganze Woche. Und auch ein bissl gesportelt, Volleyball.
Ja, und dann hatte P. auch noch ein bissl Posaune gespielt und, in der Absicht, sich ein kleinwenig (nicht zu viel) zu verbessern, hatte er einen Instruktor gesucht und in ihm gefunden.
So hatte es angefangen.



Umschulung oder Ausbürgerung Samstag, 26. 8. 2006, 0:00

Da es so weit weg passiert (bzw. die Zustellung sich als zeitaufwendig erweisen dürfte), erlaube ich mir ausnahmsweise, tagesaktuell zu sein.

Tja, lieber Pluto, man hat Dich hinausgeschmissen aus dem Club der Planeten, zweieinhalbtausend, wie es heißt: Experten, in der Stadt Keplers, dieses kurzsichtigen und doch so bedeutenden Astronomen.

Mein Mitgefühl ist ganz beim zum Zwergplanet Degradierten, und mir bleibt neben dem Gefühl, in der Schule um genau ein Neuntel zu viel lernen gemusst zu haben, ein hämisch-professioneller Trost. Wie haben wir doch in der Unterstufe kanonisch singenlernen müssen:

Himmel und Ähärde müssen vergeh’n
Aber die Musici
Aber die Musici
Aber die Musihici bleiben besteh’n

Alsdann: Umschulen!



Aus dem Hut Freitag, 25. 8. 2006, 0:00

Als er beim Heimkommen (der Zug war der Gewitterfront ostwärts enteilt, nach dem Umsteigen auf die S-Bahn wurden wichtige Minuten verloren) in seiner Station vom Platzregen erwischt worden war, wurde sein eleganter Panamahut wieder einmal arg in Mitleidenschaft gezogen. Routiniert und gelassen legte er ihn auf den Tisch und beschwerte die sich aufgewellt habende Krempe mit schwerer Literatur. Dabei fiel ihm auf, dass er sich bisher nicht das vorgestellt hatte, was ihm auf einmal so plausibel erschien, nämlich, dass die gewichtigen Bücher auf diese Weise in den feuchten Hut diffundieren könnten, ganz sicher sogar. Heute bediente er sich Platons Meisterdialogen, des aktuellen Buchs eines österreichischen Großessayisten, einer gelehrten Schwarte über die Zeichen, die auf den einsetzende Zerfall von Gesellschaften hinweisen und des Variantenwörterbuchs der deutschen Sprache.
Das musste sich positiv auf seinen Bildungsfortschritt auswirken, stellte er sich vor.



Fressfeinde Donnerstag, 24. 8. 2006, 0:00

Merkwürdig. Wo er aufgewachsen war, hatte man nach einer dauerhaften Muskelanstrengung einen (singulären) ebensolchen Kater. Als er dann zum Studium in ein südliches Bundesland gegangen war (wie man sagt; natürlich war er gefahren), hatte man dort, derart zustandsgebunden, (plurale) Spatzen. Das sind doch sehr unterschiedliche Tiergattungen, dachte er sich, und der eine ist üblicherweise Fressfeind der anderen.
Ein (stets gründlicher) Blick ins Variantenwörterbuch des Deutschen bestätigte diese das Ziehen durchdringende Wortverwunderungserinnerung: A-südost (Grenzfall des Standards).
Nur: Waren es, bei ihm, jetzt Spatzen oder ein Muskelkater? Die Tour hatte er bereits im Tschilp-Bundesland unternommen, mit Blick allerdings in sein heimatlich-schnurrendes; und er selbst konnte identitätsmäßig, wie gezeigt wurde, als mehrspurig bezeichnet werden. Schließlich entschied er sich, dass die korrekte Bezeichnung möglicherweise Katerspatzen lauten könnte. Egal auch, wenn er nur bald wieder gerade gehen könnte. Und überhaupt, er wollte gar nicht mehr daran denken müssen, das wäre das beste: In der Nacht hatten sie ihm nämlich frische Betoninjektionen, in den Waden diesmal, gesetzt. Jetzt war es oben etwas besser. Das konnte nur aufgrund der Ablenkung durch den neuen Schmerz sein, stellte er sich vor.



Spatzen Mittwoch, 23. 8. 2006, 0:00

567 bis 1.699 m, das macht 1.132 m, Hütte; 1.699 bis 2.370 m, sind noch einmal 671 m, Gipfel; dann, wirkungsgeschichtlich von zentraler Bedeutung, vor allem 1.619 m einigermaßen steil und also möglichst schwindelfrei hinunter ins Tal, auf 851 m. Da brauchst du die Haxen zur die Schwerkraft verzögernden Dämpfung, dass dir die Kniegelenke zu wackeln beginnen, wirklich wahr.
Kein Wunder also, dass er (mit Spitzen am dritten Tage), vor allem, was die Oberseite seiner Oberschenkel betraf, das Gefühl, nein, die Gewissheit hatte, man habe ihm direkt schnellaushärtenden Beton injiziert (mangels applizierbarer Einheiten in Kalkgestein).
An solchen Tagen sei das einzige mit Würde zu verwendende Fortbewegungsmittel ein Segway, stellte er sich vor.



verlaufen Dienstag, 22. 8. 2006, 0:00

Der sympathische Gastgeber wünschte dem Fest einen guten Verlauf.
Und es verlief sich prächtig.



negativ /2 Montag, 21. 8. 2006, 0:00

Einmal war ich bei einem großen Geburtstagsfest eingeladen, der Jubilar hatte viele verschiedene Freundeskreise, die kaum oder eben nur an diesem Feierabend bei jenem Grinzinger Heurigen eine Schnittmenge bildeten. Da der stolze Sechziger ein sehr kommunikativer Jungsenior war und auch seine Freunde miteinander vertraut machen wollte, jedoch zu erwarten war, dass sich nur die einander Bekannten zusammen setzen wollen würden, man aber nicht aktiv die Gäste durch eine willkürlich-wohlüberlegte Sitzordnung bevormunden und also brüskieren wollte, entschied man sich, die Sitzplätze zu verlosen, sehr originell; so war zunächst dafür gesorgt, dass bei den unvermeidlichen, sog. launigen Reden geschwätzt wurde; wer sollte auch miteinander reden, wenn man sich nicht kannte?
Kaum war das Buffet eröffnet, kam das Prinzip der negativen Entropie zum Tragen, und keiner war beleidigt, seinen Platz von jemand Anderem, ihm Unbekannten besetzt zu finden; so konnte auch er mit seinen Freunden zusammen schmausen, und bald wurde in fein sortierten Freundeskreisen der Jubilar hochleben gelassen, Prost!



in Umwandlung Sonntag, 20. 8. 2006, 0:00

Ganz verstehe ich es ja nicht, aber die Definition, dass Entropie bedeutet, dass in einem thermodynamischen System die Unordnung im Lauf der Zeit beständig zunimmt, ja zunehmen muss (und letztlich genau darüber das Phänomen Zeit definiert ist), die ist mir einigermaßen, nun ja, sympathisch.
Die Zeit, die ist nämlich ein sonderbar Ding, wirklich wahr.

(morgen: negative Entropie)



negativ /1 Samstag, 19. 8. 2006, 0:00

Angesichts angehäufter Holzhämmer, mit denen immer ungenierter zugeschlagen wird, nämlich: Verletzung religiöser Gefühle stellte er sich die Frage, ob es (negativ formuliert) nicht so etwas gäbe wie negative Blasphemie, die hauptsächlich die monotheistischen Religionen durch Aufzwängen ihrer glaubensgemeinschaftlich-hegemonialen Heilsvorstellungen jenen aufpressen, die nicht dran glauben wollen, sondern schlicht freie humane Individuen sein wollen, und das sei bzw. (genau betrachtet) wäre doch ein Menschenrecht, stellte er sich vor.
Nämlich die Beleidigung atheistischer Gefühle.
Diese auf ein Sich-Umgeben mit (äußerlichen) Religionsattributen abzielende pseudospirituelle Zwangsbeglückung sei zudem erschreckend weit verbreitet, und dass sie ein Vielfaches an nachhaltigen Schäden angerichtet habe, sei ohnehin evident. Für klar denkende Menschen halt, stellte er sich vor.
Schlimmstes in der Tat.



Reisemutation Freitag, 18. 8. 2006, 0:00

Allgemein bekannt ist, dass sich in der herrannahenden Zielzone eines Zuges (Westbahn: Linz – Salzburg – Innsbruck – Feldkirch; Südbahn: Graz – Klagenfurt; Gegenrichtung jeweils: Wien) die sprachliche, d.h. dialektliche (oder heißt es dialektische?) Dominanz eben der Zielumgebung durchsetzt, und das auch bei unveränderter Personenbesetzung im Abteil, ja, auch in Großraumwägen, gar nicht zu reden von Speisewägen): Die Einheimischen werden eben je heimischer desto selbstbewusster desto kecker.
Diesmal aber, so schien es, beobachtete er diesen Umstand beim Fliegen.
Beim Einsteigen: Lauter Düsseldorfer.
Beim Aussteigen: Alles Wiener.
Beim nächsten Flug würde er unterwegs Obacht geben müssen; da jegliches Zusteigen unterwegs völlig auszuschließen war, musste die Mutation (und um eine solche handelte es sich zweifellos) irgendwo in der Luft passieren.
Aaarrgh!



Beten Donnerstag, 17. 8. 2006, 0:00

Beten kam ihm in dieser Zeit nur mehr beim Fliegen in den Sinn. Er saß dann bereits auf seinem vom System zugeteilten Platz, und sah idealtypisch Adipöse sich den Gang entlang ächzen.
Naja, ein Beten war es nicht, oder eben eine quasiflorianische Stoßbitte, nicht wirklich altruistisch also; weil, wenn nicht neben ihm und also ihn überwuchernd, so musste das Dickmannsnachbarschaftslos ja irgendjemanden treffen, nur halt nicht ihn, und diesmal sogar gleich zwei: Drei Reihen vor ihm zwängte er sich auf den Mittelplatz, eine schlechte Notausgangserreichungsprognose für die junge Dame auf Platz F (Fenster).
Nun gut. Immerhin erhört. Es gab eine höhere Gerechtigkeit. Werauchimmer die gewährleistete.



Deutschdeix Mittwoch, 16. 8. 2006, 0:00

(Wuppertal, die dritte.)

Jetzt weiß ich, wo all die deutschen Bekleidungsmonster an den Gepäckförderbändern sämtlicher Charterdestinationen und in den Busse-Willkommen-Rasthäusern entlang österreichischer Ferienrouten herkommen.
Erraten. W., die Stadt mit den meisten 1-€-Shops der westlichen Welt; eine steigende Zahl von 75-Cent-Shops ist gerade dabei, sich im unteren Preissegment zu etablieren.



Rossbreiten Dienstag, 15. 8. 2006, 0:00

Wuppertal, die zweite.

Bob Ross, du fehlst uns so

Warum hängen in alpinen Wirtshaushinterstuben keine Bob-Rossschen Nass-in-Nass-Ölmaltechnik-Gemälde mit, sagen wir, bergischen, ruhrigen, meinetwegen nordrheinwestfälischen Ideallandschaften? An der Wupper jedenfalls scheint der Königssee sehr hoch im Kurs zu stehen bzw. zu hängen, es rauschen die Bächlein, und fast möchte man meinen, das Klack Klack aufeinanderprallender Steinbockhörner zu hören.

Es muss an der Jahreszeit liegen.



Metropolis Montag, 14. 8. 2006, 0:00

Wuppertal.

Gmünd N.-Oe in der Zukunft

Sieht aus, wie man sich die Zukunft (etwa in Gmünd N-Oe.) vorgestellt hat vor nicht ganz hundert Jahren. Fehlen nur die kleinen Doppeldecker für den aeronautischen Individualverkehr. Und natürlich , hoch droben, die gravitätischen Luftschiffe und Fesselballons.

Fahlfarbig, wie schwarzweiß handkoloriert, dieser Effekt ist ihnen hier aber gut gelungen, alle Achtung.



Ruhesitz Sonntag, 13. 8. 2006, 0:00

Endlich einmal, so stellte er zufrieden fest, als er sein recht bescheidenes Zimmer bezog, ein Häusl ohne Zwangszyklon, diesen vielzulauten in die Wand oder in die Decke eingelassenen Propellern (Filter bei Verunreinigung ersetzen), die gemeinhin ohnehin olfaktorisch völlig wirkungslos waren. Lieber saß er dann im Finstern. 

In diesem sympathisch spartanischen Hotel aber durfte er beleuchtet den nachfrühstücklichen Morgengedanken nachhängen.



Flugwetter Samstag, 12. 8. 2006, 0:00

Die Fliegen, ach die Fliegen, die fliegen, vom Wetter hereingedrückt, herein, erklärte der Hendlgriller in der an der Bundesstraße gelegenen Jausenstation und fuchtelte dem Gast, dem diese Drohung ansich nicht gelten sollte, mit seinem grünen Fliegenpracker, der das zweidimensionale Raster eines Frosches darstellte, gefährlich vor der Nase herum.

Bald würde es regnen.



Wildwechsel Freitag, 11. 8. 2006, 0:00

Ein wild gewordenes Schwein stelle ich mir vor als ein ausgewildertes Hausschwein (vgl. bei den Gänsen die Geschichte von Nils Holgersson). ORFON berichtet von einem solchen Tier (es hatte in Panik drei Menschen niedergerannt): Das wild gewordene Schwein konnte laut Polizei schließlich ohne weitere Verletzten (sic!) eingefangen und der Schlachtung zugeführt werden. Die Meldung endet bekannt tierschutzkämpferisch, schweineempathisch schließt die Pietätszeile: Zu diesem tragischen Ereignis kann nicht gepostet werden.
Tja, bei Themen dieser Art (leider nur bei solchen) erreicht der Österreichische Rundfunk eben auch heute noch sein früheres, von der maßstabsetzenden Edith Klinger fernsehselig bis 1999 vorgegebenes Qualitätsniveau.



Angebot und Nachfrage /2 Donnerstag, 10. 8. 2006, 0:00

Heute: Die Nachfrage

(Wir haben vom Wettervorhersagefensterln geredet.)

Meine Frage lautet: Was ist das für ein merkwürdiger Dopplereffekt, der das schlechte Wetter sich beschleunigend, die Wetterbesserung aber retardierend aufziehen lässt?
Nur ein Beispiel: Die diesen Karsamstag für Wien vorhergesagte Sonne hat sich etwas Zeit gelassen, dafür hat der für Montag prophezeite Regen in Potsdam bereits am Ostersonntag die Sonne und damit jegliche nachwinterliche Feinstaubgefahr aber sowas von hinweggespült.
Dies nur, um die Umstände eines mütterlich verregneten Osterwochenendes freundlich zu formulieren, wer wollte denn auch nachtragend sein.

(Dieses Wochenende verbringe ich in Wuppertal.)



Angebot und Nachfrage /1 Mittwoch, 9. 8. 2006, 0:00

Heute: Das Angebot

Es gibt ja so Wettervorhersagefensterchen, die bei seinem intervernetzten Computer mittels selbst definierbarer Tastenkombination (etwa: Apfel-F12) auf die Schreibtischoberfläche des Bildschirms zaubern kann. Sehr praktisch und für so gut wie jeden Ort auf der Welt (St. Lambrecht ausgenommen, wie ich unlängst feststellen musste; aus unerklärlichen Gründen sind die viel kleineren benachbarten Kleinstorte Karchau, Steirisch und sogar Kärntnerisch Lassnitz problemlos anwählbar), aktuell und sechs Tage im Voraus, wahlweise in Degrees Fahrenheit oder Grad Celsius und auch mit den Tiefstwerten oder auch nicht. Wenn du dann wo hinfährst (außer nach St. Lambrecht), kannst du dich vorher schon aufs Wetter einstellen und dementsprechend Gewand einpacken, sehr praktisch, ich habe es schon gesagt, wirklich wahr, das Internet lässt uns immer wieder staunen.

Morgen: Die Nachfrage



Luxus Dienstag, 8. 8. 2006, 0:00

Er trat aus dem Kaffeehaus. Während er sich drinnen besprochen hatte, hatte es zu regnen begonnen. Die ersten Meter, etwa bis zum Parlament, empfand er es als regelrechten Luxus, nach dieser Rekordjulihitze endlich wieder einmal frösteln zu dürfen. Dann, bis zum Mannershop, wo er sich so einen praktischen schweinchenrosa Regenmantel kaufte und gleich überzog, begann er bereits zu hadern, dass es nicht so etwas wie einen thermischen Notgroschen gab, ein Konto, auf dem man Kälte und Hitze speichern könnte mit der Möglichkeit, bei Bedarf die benötigte sinnliche Erinnerung gegen die aktuellen Außenbedingungen gewissermaßen gegenzurechnen.
Ihm fiel ein, dass Thomas Mann im Doktor Faustus ein sehr plausibles Bild der Hölle gezeichnet hatte, als einen bzw. zwei Orte, an dem es unerträglich heiß sei, aber dort drüben habe es die ersehnte Kälte, kaum sei man dort angelangt, dränge es einen augenblicklich wieder nach der Hitze, die einem jetzt wie der Himmel und so weiter, hin und her ad infinitum: Die Hölle bestehe im Hinundherwollen- bzw. -müssen.
So weit war es jetzt, an jenem dritten August zwischen Eiles und Stephansplatz noch nicht, dachte er sich, stellte er sich vor.



Besucher Montag, 7. 8. 2006, 0:00

Aus einem Hochgebirgsdorf stammend, hatte er als Student in der Hauptstadt seines zweigeteilten Bundeslandes einen Job bei einer international tätigen deutschen Erotikhandelskette gefunden. Anfangs war er überrascht, wie viele Bekannte er in seinem etwas vom Zentrum abgelegenen Lokal persönlich begrüßen durfte; ja, die Liste der Nichtbesucher wäre kürzer gewesen als die der Kunden, die sich halt das ganze nur einmal anschauen wollten. Der Gedanke, dass sie alle da waren, aber keiner vom andern erfahren durfte, amüsierte ihn; genau besehen aber bedeutete es eine ungeheuerliche Macht, vergleichbar nur dem zugebeichteten Pfarrer daheim.
Aber auch der würde noch kommen.



Der Schiefling /2 Sonntag, 6. 8. 2006, 0:00

Ein Schiefling stellte er sich vor, wäre demnach jemand, der nicht im rechten Winkel und mit beiden Beinen auf der Erde stehe; allgemein meine man, dass bildhafte Bezeichnungen wie schräger Vogel der Stellung einer solchen Person zur, sagen wir: Gesellschaft, korrekt entsprächen. Dabei aber sei es immer eine Frage, wie der Horizont der Betrachtenden gestaltet, was oder wer jetzt also als schräg zu bezeichnen sei. Zudem lasse man in derlei Betrachtungsspielen (unabsichtlich oder nicht) allzugerne die Ekliptik außer Acht, und streng genommen stünden möglicherweise mit einemmal all jene Aufrechten ganz schön schräg da.
Mindestens 23,44°.



Der Schiefling /1 Samstag, 5. 8. 2006, 0:00

Mittendrin, völlig fehl am Platz an diesem inferior besetzten Podium, fegt der Große Gert Jonke alles irdische Aschengeschnatter hinweg, er hebt an, nein: ab, zu lesen, zu eifern, zu sein, und es ist – wie immer – phantastisch, ihn beim Denken zu erleben, das ist nichts anderes, als die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden, ihre Werdung ist gewissermaßen mit Händen zu greifen, seine Sprache, Wortlehm, quillt aus ihm heraus.
Derart entschädigt und bereichert darf man zurück kehren in seine Gedanken.
Gert, auch du ein Mutmacher, wirklich wahr.



Schiefling /2 Freitag, 4. 8. 2006, 0:00

Eine so genannte Kunstdiskussion in jenem Allerheiligsten am Wörthersee.
Die Leitung der Runde hat ein sich selbst Philosoph nennender schwitzend aufgeblasener Breitmaulfrosch vorweg usurpiert, der mit schleimigen, demonstrativen Demutsgesten (den anderen wie der Kunst gegenüber) nichts anderes als beständig ICH ICH ICH quakt. Bald wird es ihn zerreißen, stelle ich mir vor; dieser unwillkürliche Gedanke erschreckt mich nicht, er hat etwas Tröstliches, im Gegenteil. Eigentlich, so prustet der Halslose ins Publikum, stünde einzig & allein ihm (diesem Ministranten) das Papstamt, ja, in aller Bescheidenheit, die Prophetenrolle dieser sich hier & heute als vorgestrige Aschenstiftung präsentierenden Memorialeinrichtung zu. Unerträglich.
Aber auch wieder köstlich komisches Sommertheater.



Schiefling /1 Donnerstag, 3. 8. 2006, 0:00

Schiefling ist eine kleine Ortschaft am Südufer des Wörthersees, nahe am westlichen Rand ist es gewissermaßen das Maiernigg Veldens, und das auch in einem musikalischen Zusammenhang: Komponierte Mahler in Maiernigg den Sommer über, so ehrt man in Schiefling Alban Berg, der es hier nicht bloß zu einem kleinen, in den Wald und also ohne jeden Anschluss an die Südbahn verschlagenen Weichenstellerhüttl (das Berühmte Komponierhäuschen) gebracht hat, sondern zu einer stattlichen Villa samt Park, statusgemäß ruht der alte Ford von etwa 1930 in der Garage; die Eisenbahn am nördlichen Seeufer hört man recht gut herüber, Hier ist Friede, steht über der Haustür.
Das Alban Berg Haus ist naturgemäß das Allerheiligste der Alban Berg Stiftung, es gibt ja auch viel Hinterlassenes: Besonders stolz scheint man auf die Unterwäsche Sr. Kaiserlich & Königlich Apostolischen Majestät Franz Joseph I. (dessen Tochter aus der vorschrattischen Beziehung, wie es heißt, Albans nachmalige Frau war) zu sein, sowie auf die Geige Gustav Mahlers, die mit einem Seidentuch zugedeckt ist, mit seidengesticktem Monogramm, wie man sich bemüht, Staunen zu machen (na was denn sonst – soll es ihm seine Schwester oder die Alma aufgebügelt haben wie die Zunge von den Stones?). Große Menschen ihrer Zeit waren hier, es ist alles sehr bedeutend, wirklich wahr.
Aber, bitte, eine Geige von Mahler ist doch tot, wenn sie in ihrem Holzkisterl gleich einem Sarg ausgestellt wird; entweder es ist ein gutes Instrument, dann lasst sie von anderen spielen, oder sie ist mies, dann, bitte, lasst die Reliquienverehrung bleiben.
Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche, dieser (auch) Mahler zugeschriebene Satz, muss mir da wieder einmal einfallen.



Spezialinsekt Mittwoch, 2. 8. 2006, 0:00

Außer acht lassend, dass die Natur (jedenfalls was den Makrokosmos betraf, wie man unlängst herausgefunden hatte) wohl die Kugel, nicht aber das Rad erfunden hatte, beobachtete er die Libelle mit dem konstruktionsanalytischen Blick eines Ingenieurs; sie hatte sich in den mit Stuck verzierten großen Konferenzsaal, in welchem die Probe stattfand, an jenem möglicherweise gewitterschwangeren Sommernachmittag verirrt, kreiste panisch ums künstliche Licht und wollte, obwohl alle Fenster geöffnet waren, nicht und nicht hinausfinden. Libellen, deren Männchen sich bei der Paarung am Kopf des Weibchens festkrallen, sodass es vorkommen kann, dass sie ganze Stücke herausreißen, was für das Überleben der Partnerin keine gute Prognose bedeutet, Libellen, das waren so etwas wie insektoide Helikopter, Hubschrauber mit vier noch technologisch-innovativ nachzuempfindenden Schwirrrotoren, halt ohne Halt gebenden kleinen Stabilisierungspropeller hinten, wie bemerkt, aufgrund der Nichtraderfindung seitens der Natur. Trotz ihres ruckartigen Fluges mit seinen unvermittelten Halten (gerade dann, wenn sie besonders panisch schien, pflegte sie plötzlich auf unbestimmte Zeit auszuruhen, völlig ansatzlos) stellte er sich vor, wie es wäre, in so einer Passagierlibelle mitzufliegen, es müsste phantastisch sein, nicht zuletzt wegen der Gedankenkraft, die man aufbringen musste, sich so etwas vorzustellen, stellte er sich vor.
Irgendwie fühlte er sich plötzlich wie Leonardo da Vinci.



individuell Dienstag, 1. 8. 2006, 0:00

Reihenhaussiedlung Projekt Viktring. Eine Top-Doppelhaushälfte pro Reihenhaussiedlungsbesiedlerfamilie mit vorgelagertem Erdwall zur Vermeidung eines zu weiten Horizonts. Aufkeimende Individualität am Beispiel der Bodengestaltung des feinsäuberlich vorne, rechts und links eingezäunten Gärtchenstreifens. Die eigenheimbewährte Thuje wird sich auch hier durchsetzen, soviel ist schon sicher.
Hier ziehen Legofamilien ein; und ein Lego-Männchen (dunklerer Teint)  liefert den Rindenmulch, stelle ich mir vor.



Powered by WordPress kostenloser Counter