aufgekratzt Montag, 31. 7. 2006, 0:00

Ja, es war Sommer, das merkte er auch daran, dass ihn die Insekten – namentlich Gelsen (weibliche) – heftig begehrten und im Austausch zu seinem frischen Blut diesen ermöglichende Säfte durch ihren Stechrüssel in seine Haut injizierten, dass das juckt ist allgemein bekannt, und unwillkürlich hatte er sich beide Füße oben am Rist aufgekratzt, eine Wunde, die nicht und nicht abheilen wollte, unangenehm, wirklich wahr. Als er sich wieder einmal Betaisodona, dieses jodhältige Breitband-Mikrobizid darauf appliziert hatte und an sich hinabschaute, fiel ihm eine bemerkenswerte Ähnlichkeit auf: Wenn er sich jetzt auch noch die Handrücken aufkratzen würde, könnte er bei einem der so beliebten Passionsspiele anheuern, stellte er sich vor. Abnehmen müsste er halt noch, ein bisschen wenigstens; aber das dürfte keine allzu großes Problem darstellen, wenn sie gut bezahlten, und gerade das war der Haken an dem schönen Gedanken, pflegen doch Passionsspiele umsonst zu sein, und da konnte er dann doch nicht mit, welches Gelübde sollte er auch eingehen und vor allem wem gegenüber?
Mit der Zeit würden die Füße auch so verheilen, wenn er sich auch wünschte, dass der Sommer ewig dauere, wenn auch nicht mit diesen insektenvermittelten falschen Zeichen absonderlicher Spiritualität.



abwesend Sonntag, 30. 7. 2006, 0:00

Noch ganz in seinem Traum (wo er herkam, sagte man, unschlagbar treffend tramhapert) – er war Turnlehrer und stellte einem zwölfjährigen, allzu aufmüpfigen Mädchen als Entscheidungsprüfung knapp vor Schulschluss die Aufgabe, einen Ausflug für mehrere Familien vorzubereiten (Streckenprofil, Labestationen, Sehenswürdigkeiten, Spiele für Kinder verschiedenen Alters, …), was ihre Mutter als kreative Herausforderung für das Nichtmehrkind lobte, und das Mädchen machte sich tatsächlich mit Feuereifer an seine Arbeit an dieser (fiktiven) Wanderung; eine Nachprüfung würde ihr ohne Zweifel erspart bleiben, so amüsant sich das in ihrer Biographie später auch ausmachen würde - saß er auf der Toilette und hatte praktischerweise die elektrische Zahnbürste im Maul, als er nach gut vier Minuten (alle zwei Minuten gab die Bürste so ein Vibrationssignal) merkte, dass er wieder nur die rechte Innenseite der vorderen Mahlzähne des Unterkiefers aber sowas von blankgeputzt hatte. Er nahm alle verfügbare Konzentration zusammen und versuchte, auch den anderen Zähnen zu ihrem morgendlichen Recht zu verhelfen, und es gelang einigermaßen.
Diese zusätzliche Zahnputzphase hatte bei ihm den Namen Nachspiel.
Abends, aus anderen, ähnlichen Gründen, wurde, fast täglich, ein dentales Freispiel angehängt.
Aaahh.



Raucherbedarf Samstag, 29. 7. 2006, 0:00

Raucherbedarf stand auf jener Trafik in Viktring (die erste Silbe ist ident mit der letzten Silbe des vorherigen Wortes auszusprechen), und das ließ ihn innerlich umfassend zustimmen, hatte doch dieser Einwortsatz sowohl für die damit angeworbenen Kunden als auch für die Kundschaft anlockenden Kleingewerbetreibenden vollinhaltliche Gültigkeit, dachte er sich, stellte er sich vor.



Der Geschmack des Sommers Freitag, 28. 7. 2006, 0:00

Den Essig nach einem Tomaten-, pardon, Paradeisersalat, selbstredend mit Zwiebelringerln (oder auch gehackt) nicht schlürfen zu dürfen, erschien ihm stets als gastronomisches Kapitalverbrechen; ein Kellner, der ihm diesen Genuss durch voreiliges Abservierenwollen vorenthalten wollen würde, müsste um seine Servierhand bangen, stellte er sich vor, zu Recht.



Kabinentücken Donnerstag, 27. 7. 2006, 0:00

Seit man angefangen hat, Zimmer mit Fließwasser kategorisch zu heben (Komfortzimmmer hat, etwas später, die nächste Ausbaustufe geheißen), weisen die bei Kleinhotelbetrieben beliebten Duschkabinen duschkabinentypische Konstruktionsmängel auf. Um den am häufigsten vorkommenden zu nennen: Die Schiebetüren lassen nur schwer die Bewegung zu, für die sie vorgesehen wären, es ist mehr ein Reißen, das die halbdurchsichtigen Plastikteile in ihren wackeligen Spurschienen erlauben, und manchmal kann es schon vorkommen, dass sie einen partout nicht aus ihrer kleinsträumigen Umklammerung freigeben wollen, etwa, wenn das Telefon klingelt, oder (früher häufiger, eher italienisch) die Temperatur des Brausewassers plötzlich Richtung Siedepunkt ausreißt.
In meinem kleinen kärntner Kämmerchen steht auch so eine Duschkabine, alles sehr sauber, und, servieceorientiert und also recht gastfreundlich, wird der aufmerksame Gast vor ihrem Betreten auf die arttypisch-konstruktionsbedingten Unzulänglichkeiten hingewiesen: Knapp vor der Schelle, an der die beiden die Rütteltüren führenden weiß lackierten Metallschienen zusammenlaufen, steht auf einem Aufkleber in liebevoll geschwungener, Schreibschrift suggerieren sollender Druckschrift, für den internationalen Gast bereits übersetzt: Bad Design.

Ich hätte es nicht gemerkt. Danke vielmals für die freundliche Auskunft.



Urheber Mittwoch, 26. 7. 2006, 0:00

ORFON, 18. Juli 2006: Der Papst schreibt ein Buch über Jesus.
Na bumm, das sind aber erstaunliche Neuigkeiten. Soll er etwa die Biographie von Paris Hilton oder Kate Moss verfassen? Na also.
Viel interessanter wäre es freilich umgekehrt. Nein, nicht Kate oder meinetwegen, Naomi (die aus der Warholschen Suppendose) hagiographierten Benedictus XVI. Wie wäre es, wenn wir endlich ein Buch von Jesus selbst hätten, sagen wir über den Papst? Oder über Kaiser Nero als Peter Ustinov?, stelle ich mir vor.



Jahrestag (Albert) Dienstag, 25. 7. 2006, 0:00

Vor einem Jahr ist Albert Mangelsdorff gestorben, einer der ganz Großen, nicht nur der Posaunisten (was wäre das auch?).
Umgekehrt gibt es Menschen (nicht nur Posaunisten – was wäre das auch?), die haben ihr ganzes Leben mit Intrigieren verbracht, mit dem Schüren von Neid; ihre physische (und metaphysische) Hinterlassenschaft dereinst wird in erster Linie aus Galle bestehen.
Da wundert es einen nicht, dass es scheint, als würde so jemand selbst dem Tod zu bitter schmecken.

Dann gibt es noch die Gallenanbeter. Es ist ein dunkler Kult.



Nachtrag zur multiplen Persönlichkeit /2 Montag, 24. 7. 2006, 0:00

(Fällt uns jetzt erst auf…)

Allgemeine Fragen, wie es sich im Plural lebt, beantwortet gerne der Verfasser dieser Zeilen (auch chiffrierte bzw. anonyme Zuschriften werden berücksichtigt).



Nachtrag zur multiplen Persönlichkeit /1 Sonntag, 23. 7. 2006, 0:00

Fürs nächste Jahr schlage ich vor, Alfons Haider die Hauptrolle im bis dahin zu kreierenden großen Lordi-Songcontestmusical zu überantworten.
Am Plakat prangt dann so ein Warzensaurier, schräg drüber das bereits im Druck integrierte rote Pickerl Alfons Haider ist Lordi.

o mei, lordi!
(den Mittleren meine ich, der ist am schnuckeligsten; ich behaupte, der Bart ist echt)

Das wird ein Erfolg. Bis nach Finnland hinauf.



Noch einmal Sechs Samstag, 22. 7. 2006, 0:00

Die Behaftung der Sechs mit dem Bösen, Verneinenden, diabolischen seitens der auf 3er und 9er spezialisierten christlichen Soundnichtanderssollstduleben-Körperschaften erscheint mir, mit Verlaub, zu gering: Wenn ich jemandem einreden will, dass er sich hüten und fürchten muss, muss ich drastisch daherkommen. Ein Zehntel Bösigkeit ist doch, bittSie!, wirklich zu wenig zum Fürchten. Wir sollten zulegen.

Was aber wären die (zumindest vier!) anderen Ziffern, vor denen wir uns in Acht nehmen sollen?



Jakarta Freitag, 21. 7. 2006, 0:00

Im Jahr 2003 durfte ich nach Jakarta reisen und beim jakart-Festival auftreten. Die ganze Stadt war voll von 476ern, jakart feierte den vierhundertsechsundsiebzigsten Geburtstag ihrer (der Stadt) Gründung. Als ich die Veranstalter fragte, ob die Zahl 476 eine spezielle Bedeutung im indonesischen (oder zumindest javanischen) Kulturkreis habe, haben sie gelacht und gesagt: Nächstes Jahr feiern wir 477 Jahre Jakarta.

So einfach geht das.



Jahrestag Donnerstag, 20. 7. 2006, 0:00

Und genauso willkürlich sind Jahreszahlen, Jubeljahre. Weil: Irgendwann ist man 50, 100, 250, 1.000, ja sogar 666 Jahre alt oder tot, je nachdem. Und Wer Wichtiger Wo gewohnt hat, gegangen ist oder von welchem Rilkefelsen in die Bucht von Duino sein Wasser abgeschlagen hat, – Wurscht.
Irgendwo müssen diese wichtigen Wichte ja das alles tun, weswegen sie so wichtig sind, wir teilen uns nun einmal nur diese eine Erde.

Genau genommen wäre das Gegenteil interessant oder aber verdächtig. Wie man das eben sehen will.



13817 Mittwoch, 19. 7. 2006, 0:00

Weil, der, sagen wir, 17. Juli ist genau so einmalig jedes Jahr wie der 1. Jänner, unwiederholbar, unwiederbringlich, unvergessen! Tut das gut.
Oder: Unlängst (das Datum ist unbedeutend) stehe ich mit dem Auto, amtliches Kennzeichen (es ist in diesem Zusammenhang wichtig) W-13.817L, vor unserer Häuserzeile, stellt sich ein roter Wagen mit W-31.817L direkt dahinter, am Eck ist ja die Apotheke und vor der Haustür die Trafik, je nachdem wird tagsüber von Nichtanrainern kurzgeparkt. So ein Zufall, wirklich wahr!
Die Wahrscheinlichkeit aber, dass diese beiden Wiener Autokennzeichen auf einander treffen, ist in Wien genau so groß wie die beliebiger anderer W-Wägen.

(Vielmehr sollte mich beschäftigen, warum mir derart banale Ähnlichkeiten überhaupt auffallen.)



667 Dienstag, 18. 7. 2006, 0:00

Im Grunde war diese Aufmerksamkeit, die man zufälligen, jedenfalls aus Gründen der Verteilungshäufigkeit unentbehrlichen numerischen Phänomenen zuteil werden ließ, reichlich merkwürdig, ja verschroben. Gäbe es keinen 666er, bitte wann käme dann dieser kurze Text mit der wesentlich unauffälligeren Nummer 667, dachte er sich, stellte er sich vor.



666 Montag, 17. 7. 2006, 0:00

Die Sechs (in Österreich: der 6er) ist eine schöne Ziffer, sie spornt unser Denken und selbst die Triebe an wie keine zweite. Höchstens der 9er kann es noch mit ihr aufnehmen, allerdings nur in (korrekter) Kombination mit ihr. 96 erotisiert angeblich ungleich schwächer als die um 27 weniger zählende andere Zusammenstellung, welche auch dem Sternzeichenlogo des Krebses entspricht, in welchem ich zufällig geboren wurde. (Wenn man lebt, muss man ja ein Geburtsdatum – ob man es kennt oder nicht – haben, das fällt ganz von selbst in eines der zwölf Zeichen des Tierkreises; es ist ja nicht so wie beim Roulette, wo es noch den Nuller gibt, diese segensreiche Erfindung zugunsten der Glücksspielveranstalter.)
Was die Anspielungsbedeutung der 6 angeht, ist auf ihre phonetische Verwandtschaft mit dem längst schon auch im Deutschen gebräuchlichen englischen Ausdruck für das physische Geschlecht hinzuweisen. Ein 6-Ender wiederum könnte, dies nebenbei, auf die soziale bzw. sozial empfundene und gelebte Geschlechterrolle (gender) rekurrieren.
Telefonhotlines mit nach einer kostenpflichtigen Mehrwertvorwahlnummer bis zu siebenstelligen Abfolgen von 6ern werden, animierend bebildert, im deutschsprachigen Privatfernsehen sehr gerne und recht einträglich, wie es ausschaut, nachts zur Lockung bzw. Verheißung der Erfüllung derart hervorgelockter, wie es heißt, frühlingshafter Gefühle eingesetzt: Nullhundertneuzig, sexmal die Sex! Rufan!
Abgekürzt gesagt: Die 6 (der 6er) deutet auf Lust und Sinnenfreude hin, und dieser sehr persönliche Bereich interessiert natürlich auch traditionell alle gesellschaftliche oder gar persönliche Führung gewährenden bzw. zu übernehmen beanspruchenden Institutionen. Derber gesagt: Wer die Macht hat, den Leuten das Pudern zu erlauben (besser: zu verbieten), ist obenauf.
Da Führung und Verführung nun aber einmal einander bedingen, und weil ausgelebte erotische Sinnenfreude die Menschen fröhlicher und selbstbewusster macht, sodass sie sich nicht mehr so gerne mit süßlichen Jenseitsverweisen die Lust am Irdischen Dasein versauern lassen wollen, ist die 6 die Zahl des Tieres, des Teufels, des Bösen: 666.
Uiuiui, jetzt fürcht ich mich aber!

So, kurzgefasst, meine zugegeben wenig eigenständige kleine Theorie (in der Wikipedia habe ich aber erst später nachgelesen) anlässlich meiner sechshundertsechsundsechzigsten Kolumne im MütterLog, danke für Ihre Treue und bleiben Sie dran!



Persönlichkeit, multipel Sonntag, 16. 7. 2006, 0:00

Der bei sämtlichen präsumtiven Schwiegermüttern Österreichs leider ohne jegliche Hoffnung auf eine Schwiegersohnschaft überaus beliebte Entertainer, Schauspieler, Moderator, Kabarettist und Sänger Alfons Haider ist Johann Strauß!, und zwar diesen Sommer im schönen wienunfernen Stockerau, das ergreifende Spiel nennt sich Schani – mehr als ein Leben, und auf den Plakaten wurde obige Zeile (AH ist JS) extra drübergepickt, weil, so wurde kolportiert, vor allem die versammelten Damen aus der ersten Zeile dieses kurzen Textes ihn auf Grund der exzellenten Leistung der Maskenbildnerin (nehmen wir an, dass es sich auch hier um eine Dame handelt) nicht als Ihnselbst erkennen würden, was, so wurde befürchtet, zur Folge haben hätte können, dass ein wesentlicher Teil des Zielpublikums dem Stockerau Open Air Festival 2006 ferngeblieben wäre, und das wollen wir doch nicht hoffen.
Alfons Haider aber hat es auf sich genommen, fortan als multiple Persönlichkeit mit nicht ganz geklärter Identität durchs Leben bzw. zumindest durch diesen Sommer zu gehen.

Johann Strauß ist Alfons Haider! - oder wie?

(Ich behaupte: Der Schnauzer ist echt.)



Koinzidenz Samstag, 15. 7. 2006, 0:00

ORFON, Rubrik Leute.

Klaus Maria Brandauer hat drei Wochen nichts gegessen
Paris Hilton: Ein Jahr kein Sex

Im flehe dich an, KMB: Mahlzeit!



Kühlschrankprinzip Freitag, 14. 7. 2006, 0:00

Jetzt, wo es tatsächlich Hochsommer geworden war, war es nicht nur tagsüber drückend heiß in seiner Wohnung, die ansich über keine Klimaanlage verfügte, und das machte sie, genau genommen, eigentlich recht sympathisch, es gibt ja nur ein paar Hundstage jedes Jahr (das Vorjahr ausgenommen).
Endlich aber hatte er die Lösung gefunden, wie sein Räume effektiv zu kühlen waren; es galt, das berühmte Kühlschrankprinzip kreativ anzuwenden, und zwar mittels der jährlich gewarteten Gaskombitherme: erst stellte er sämtliche Heizkörper auf die Schneekristallposition; sodann ging er zum Thermostat und drehte aber sowas von auf. Whbbb, entzündete sich das Gas in der Therme, und schon, war er sich sicher, würde es kühler.



Klagelaute Donnerstag, 13. 7. 2006, 0:00

Warum bitte müssen die österreichischen Sportreporter immer so laut schreien? (Das ist noch keine Aussage über den Inhalt.) Auch, wenn sie in einem geschlossenen Kammerl sitzen, also nicht mitten unter einem enthusiasmierten, jedenfalls erregten Publikum, schreien sie Unsägliches in ihre Mikrophone, ununparteiisch, wie das nur ständig unterlegen sich fühlende, kleingewachsene Kleinstaatler zusammenbringen.
Aber wartet nur auf den Winter, da zeigen wirs euch. Naja, zumindest beim Schifahren; da haben Brasilien, Côte d’Ivoire und selbst Trinidad & Tobago keine Schauns. Gegen uns. Wir allein gegen die ganze Welt. Sollten wir aber doch verlieren, ist das der beste Beweis für die ohnehin unleugbare beständige antiösterreichische Weltverschwörung, sammasieahlich.



Alles Gute Mittwoch, 12. 7. 2006, 0:00

Ansich hatte er Geburtstage nie recht gemocht. Letztes Jahr aber, das runde Überraschungsfest, das war schon eine Freude. Heuer, primzahlig, wollte er den Tag nicht so gerne mit anderen teilen.
Dann. Das erste Mail kam von einem Versandhaus, das auch Kaffee verkauft; man verwies auf eine reichlich unoriginelle Geburtsanimation mit einem einsamen Teddybären und einer Sektflasche, traurig, sehr traurig. Später, gegen Mittag, die Post: Sein bester Freund schickte ihm ein geschäftliches Schreiben, genau genommen eine Rechnung.
Na dann alles Gute und Prost, grub er sich für die zweite Tageshälfte ein.

Nennen wir es Besinnung.



guten Morgen /2 Dienstag, 11. 7. 2006, 0:00

Oder fühlt man sich, wenn sich philippinische Krankenschwestern mit moagn grüßen, möglicherweise doch wie im Spital? – Es wäre eine Klinik unter Palmen, allein schon wegen der freundlichen (und kompetenten) Betreuung, wie man immer wieder hört.



guten Morgen /1 Montag, 10. 7. 2006, 0:00

Acht nach sechs in der Früh, Station Krottenbachstraße. Zwei (sprichwörtliche) philippinische Krankenschwestern treffen sich. Moagn, sagt die eine. Moagn, sagt die andere. Weiter dann reden sie in der Sprache ihrer südostasiatischen Herkunft.
Da fühle ich mich gleich wie im Urlaub. Weil z.B. die Deutschen auf z.B. Gomera grüßen einander auch mit dem sie nicht anders als einheimisch erscheinen lassenden ¡Holla!; oder, z.B. in Mexiko, ebenso einheimisch, mit ¡Hossa! (Aber das ist eine andere Geschichte.)



Blaupause Sonntag, 9. 7. 2006, 0:00

Wien XVIII, Währinger Gürtel. Die Johanniter – Akutpflegedienst. Akute Abkühlung mit Blaulicht* beim Eissalon Zanoni, einsatzadäquat den Rettungswagen schräg über den Randstein eingeparkt.

*) stelle ich mir nur vor, weil’s so schön wäre (das Blaulicht). Die leicht schmerbäuchigen Männer in ihrem schmucken kurzärmeligweißen sommerhemdigen Rettungshabit aber laben sich an Stracciatella und Vanille. Es sei ihnen vergönnt bei diesen Temperaturen, und blau (auch, wenn ich es mir nur vorstelle) ist ja die Farbe, die Linderung durch Abkühlung schenkt.



Wien ist … (2) Samstag, 8. 7. 2006, 0:00

… Nacht & Musik, erklärt uns die Tourismuswerbung bei allen Einfahrten Wiens (weshalb ich, nicht zuletzt, bevorzuge, mit dem Zug anzureisen).

Ich als Tourist würde natürlich sofort kehrt machen vor so einer Stadt, wo man kein Auge zutut, weil sie überall so laut spielen, gar noch mit der Posaune, um halb drei in der Früh.



Wien ist … (1) Freitag, 7. 7. 2006, 0:00

… Kultur & Erbe, sagt das Stadtmarketing auf den modernen city light genannten Hinterglasrollplakaten.

Ein Schelm, wer bei diesem griffigen Slogan an Restitution denkt.



tetrig Donnerstag, 6. 7. 2006, 0:00

Am nächsten Morgen füllte er sich beim Frühstück ebenso lustlos wie unbewusst wieder diese Orangensaftbehauptung aus dem Krug, in dem die Illusion von Fruchtfleischflankerln obenauf schwamm, ins Glas; diesmal aber fiel ihm das passende Adjektiv zum eigenartig hart schmeckenden Gelbsaft (orange war er nie und nimmer) ein: tetrig, jawohl, so musste das heißen, von der langen Lagerung in den praktischen Quaderkartons war dem Naturprodukt aus tiefgekühltem Saftkonzentrat genau so schlecht geworden, wie es tatsächlich schmeckte.
Morgen würde er wieder zum Krug greifen, die Hohes-C-Werbung seiner Kindheit hatte ihn ausreichend konditioniert, da brauchte er sich nichts vorzumachen, musste er sich eingestehen.

Hohes C, Tetrapak®



don’t disturb /2 Mittwoch, 5. 7. 2006, 0:00

Übertrieben war, dass ihm das Herz bis zum Hals gepocht hätte. Geschlagen aber hat es schon (was auch sonst, er wäre ja tot umgefallen).
Was weiter passierte, ist im übrigen völlig belanglos; oder wie man sagt: nicht wirklich nennenswert.
Geschehen aber war: Die Putzfrau hatte das Schild auf die Schnalle gehängt. Es musste wohl eine Art Generalrevision sämtlicher Bittenichtstörenschilder gegeben haben, denn auch an den anderen Türen im vierten Stock hingen die gleichen mattglattlackierten Dünnkartons mit dem praktischen Loch zum Überdieschnallehängen, oben.
Oder die Stubenfrau wollte sich einen geruhsamen späten Vormittag machen, stellte er sich vor. In welchem Zimmerchen sie wohl ihre ohne Zweifel wohlverdiente Ruhepause eingelegt hatte? 410, soviel war erwiesen, war es nicht gewesen.



don’t disturb /1 Dienstag, 4. 7. 2006, 0:00

Als er nach dem Frühstück zurück zu seinem Zimmer zurückkehrte, wurde ihm den Eintritt von so einem Bittenichtstörenschild auf der Türschnalle verwehrt.
Atemlos horchte er eine Weile.

Schließlich nahm er sich ein Herz. Vorsichtig führte er die zeitgemäße Türöffnungskarte in den Schlitz, chipgesteuert wurde die Schnalle mit einem ihm in diesem Augenblick laut erscheinenden, in Wirklichkeit aber kaum bemerkbaren elektronischen Piepsgeräusch zum Niederdrücken freigegeben.
Er öffnete und – sein Herz pochte ihm bis zum Hals – trat ein.

(morgen: was weiter geschah)



Traumberuf Montag, 3. 7. 2006, 0:00

AUA-Stewardess, das war etwas, patriotischer Traumberuf, Botschafterin des Österreichischen Lächelns (und damit unter nationalem Denkmalschutz), Erkunderin unendlicher Weiten, austrianische Protoastronautinnen. Mit Wehmut dachte er an seine Kindheitsvorstellungen, in der es noch keine männlichen Flugbegleiter, nur Flieger, also Piloten und Kopiloten (Männer, richtige Männer, mit pitralonrasiertem Ballackkinn – das damals noch nicht so heißen konnte; aber er dachte sich das ja heute), gegeben hatte, als eine geschwätzige Chartercrew beim Frühstück neben ihm Platz genommen hatte.
Samstag war Herakliontag, Freitag Rhodostag und donnerstags flog man nach Mallorka. Auf die anderen vier Tage wäre er auch noch draufkommen, er aber erhob sich und ging aus dem morgendlichen Speisezimmer, der Sonne entgegen.
Wenigstens ein keines Stück, sein Zimmer lag im vierten Stock.



Schnurre Sonntag, 2. 7. 2006, 0:00

Wenigen ist bekannt, dass die Schnauzerdichte am Kizilay und in Kavaklıdere geringer ist als in der österreichischen Bundesregierung.
Ich verdanke diese Erkenntnis Peter Lachnit.

Und K & K, das sind zwei Stadtviertel in Ankara, Türkei.



Nasengedanken Samstag, 1. 7. 2006, 0:00

Die in Verkühlungszeiten als Rotzrinne bekannte Region unter der Nase, deren schnauzerartiges Zuwachsen in seinem Land seit jeher unerlässliche Aufnahmebedingung für sämtliche Polizeischüler (bis zum 1. Juli 2005 auch der an diesem unseligen Datum ins Nichtexistieren verbannnten und seither polizeilich incorporierten Gendarmenaspiranten) war, erwies sich bei jedem Rasieren aufs Neue als Problemregion; da man die Klinge nie gegen die Wuchsrichtung der Bartstoppeln setzen durfte – seine Haut war, darauf war er stolz, empfindlich, was sich auch im Kauf von After-Shave-Balsam für die sensible Männerhaut niederschlug -, den letzten Härchen direkt unter den Nasenlöchern aber nur so beizukommen war, stellte er sich jedesmal vor, wie praktisch es wäre, könnte man für diesen unvermeidlichen und manchesmal schmerzhaften, weil die Haut reizenden Vorgang die Nasenkuppe einfach wegklappen, wie das ja auch bei den Seitenspiegeln moderner Autos längst schon gang und gäbe war, wenn man z.B. eine schmale Toreinfahrt zu passieren hatte.

(morgen: Schnauzererkenntnis)



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