ältlich Mittwoch, 31. 5. 2006, 0:00

60 Jahre Katholische Jugend haben sie ihn genannt, die Jubilare, die sich diesen Zug gekauft haben, unselig zwischen Wien und Salzburg hin und her pendelnd.
Für eine Nachwuchsorganisation scheinen die mir aber, mit diesem Alter, einigermaßen, nun ja, erfahren, stelle ich mir vor.



unmöglich /2 Dienstag, 30. 5. 2006, 0:00

Einen derart kurzfristigen Auftrag könne sie schon deshalb nicht übernehmen, weil es zu ihrer erprobten Arbeitsroutine gehöre, dass sie mindestens eine durchwachte Nacht darüber zu verbringen habe. Gleich einem großen Insekt vom Licht gebannt saß sie dann unbewegt da, der bleiche Schein des Monitors beleuchtete ihre müde Lider.



listig Montag, 29. 5. 2006, 0:00

Zur Vermeidung des bei west-östlichen Fernreisen durch allzu schnelles Überfliegen der vielen Zeitzonen auftretenden sog. jetlags bediente sie sich der paradoxen Methode, die Nacht vor der Abreise durchzumachen; es gab ohnehin noch zu tun (wie immer hätte es für drei Nächte gereicht). Alte Mathematikerin die sie war, hatte sie das arithmetische Grundprinzip minus und minus ergibt plus eben zutiefst verinnerlicht.



Reiseangsthaserln Sonntag, 28. 5. 2006, 0:00

Auf ORFON erfahren wir, wohin die Reise heuer geht, Strandurlaube sind weiter der Renner, auch wenn Ferien in den Bergen immer beliebter werden. Man kommt aber nicht umhin, uns auch ein achso überraschendes Detail zu hinterbringen: Von allen Befragten fürchten sich die Österreicher am meisten vor Terroranschlägen.
Österreich, du Land der Fürchterl, vergiss bitte auch nicht, dass jedes Kebab (vom verdächtigen Dürüm ganz zu schweigen) sowieso und höchstwahrscheinlich nichts anderes als eine Draufbeißmine ist, ganz im Gegensatz zu den sämtliche security checks passiert habenden Burgers und erst recht Leberkässemmerln. Und dass wir am meisten gegen eine Öffnung Europas (wie es so schön euphemistisch heißt) sind, versteht sich auch von selbst, schließlich profitiert man ja, wie alle einschlägigen Untersuchungen belegen, in Austria am meisten davon.

Und Sacher-Masoch hat Österreich erst erfunden, stelle ich mir vor.



Ausblasen Samstag, 27. 5. 2006, 0:00

Bei der Reinigung seines neuen Bartschneiders fiel ihm plötzlich auf, dass er genau so flachatmend-heftig hineinblies wie sein Vater in die Kappe mit den drei Rotorscherköpfen, nachdem er seine Philishave-Trockenrasur beendet hatte und die Gesichtshaut in Erwartung des Pitralonschocks zum Reißen gespannt war.
Philishave Rotorscherköpfe
Photo: Ralf Pfeifer

Rotorscherköpfe, was für ein Wort auch.



Otto M. Zykan (1935-2006) Freitag, 26. 5. 2006, 0:00

Gestern schreibe ich hier noch von der rechtzeitig zu Christi Himmelfahrt eingetroffenen Radlklingel. Dann ist dieser merkwürdige christliche Feiertag und Otto fällt vom Radl und ist tot. Plötzlich, wie so vieles in seiner Kunst.

Wir verlieren einen liebenswürdig-ruppigen Menschen und Freund und Menschenfreund, einen, den man gar nicht anders als agil, interessiert und zum Staunen bereit kennt und den man sich sicherlich in keinerlei Ruhestand hätte vorstellen können.

Wie wahr, wie traurig wahr.
Otto M. Zykan (1935-2006)
© Photo: Victoria Coeln

Otto, Du warst uns einer, der scharf beobachtete, ein, nun ja, unentbehrlicher Zwischenrufer, durchaus emotional und angreifbar, jedenfalls aber ehrlich und authentisch um die (Herzens-) Sache bemüht. Dass Du manchmal als Wurschtl verkannt wurdest, adelt Dich nur, ist es doch Hinweis auf das zynische Weltbild manch professioneller Beurteiler des Kultur- und Gesellschaftsbetriebs. Dazu passend: Wissen die Dinosaurier eigentlich, dass sie ausgestorben sind?

Beim Auszählreim (dem das Zitat entstammt), 1986 zur Eröffnung der renovierten Grazer Oper so unvergesslich realisiert, habe ich ihn das erste Mal kennen gelernt und war unmittelbar fasziniert von dieser übersprühenden Originalität und diesem Mut zur Kompromisslosigkeit im besten Sinn, eingebettet in einer, wie er es nannte, grandiosen Heiterkeit des Scheiterns.

Mit Otto M. Zykan geht ein großer Mutmacher, und das finale Zitat aus Der Zurückgebliebenen Auszählreim lautet:

Die Lücke, die ihr hinterlassen werdet, wird euch restlos ersetzen.

(Ja, das macht Mut!)



klingelingeling Donnerstag, 25. 5. 2006, 0:00

Sie ist angekommen, bereits montiert, und sie ist auch durch abgedunkelte Autoscheiben und selbst an beide Ohren angelegte Mobiltelephone durchhörbar: meine original chinesische Fahrradglocke.
orig. chinesische Fahrradglocke

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Da freut sich das (offenbar, muss ich erkennen, noch nicht ganz verdorrte) Ministrantenherz, und das rechtzeitig zu Christi Himmelfahrt (in der Schweiz sagen sie Auffahrt, die mit dem Velo fahren)!



Telekinese Mittwoch, 24. 5. 2006, 0:00

Durch beharrliches Ausdemfensterschauen erreichte er, dass die angekündigte Sendung beträchtlich früher ankam als befürchtet. Und das, obwohl der Lieferant aus der entgegengesetzten Richtung daherkam.



Auswandererschicksal Dienstag, 23. 5. 2006, 0:00

Europe, get ready to get scared. (Zur Lage gewisser Orangen)

Es fängt immer mit der Flucht aus der Heimat an und hört mit der Sehnsucht nach einem Zuhause auf.

Dieser Satz, eine soziologische Erkenntnis, ist leider nicht von mir. Im aktuellen Fall ist die Sache erweitert um ein zyklisches Element. Wir müssen von gewerbsmäßiger Wiedergängerei reden.
Was aber das betrifft, so bevorzuge ich Lordi (Finnland im Gruseltaumel – danke, ORFON!), von denen auch das englischsprachige Zitat oben stammt.

Uiuiui, jetzt fürcht’ ich mich aber!



sauber (das Herrl) Montag, 22. 5. 2006, 0:00

Wie der Hund fertig ist, denke ich, ich traue meinen Augen nicht, das Herrl, ein Herr, ein eleganter Pensionist mit manierlichen Bewegungen, fängt der doch tatsächlich ein Papiertüchl heraus, sauber, wirklich wahr.
Die Reinigung aber betrifft eher nicht das Würschtl in der Wiese, das wäre aber auch wirklich zu gaga, schon gar für einen Herrn mit eleganter Sportsmenkappe, nein der um die Hygiene besorgte Hundefreund wischt seinem ondulierten Grautier die Arschrosette sauber. Da habe ich aber wegschauen müssen. Ich kann also nicht belegen, ob er sie ihm anschließend saubergeleckt auch noch hat.
Das nächste Mal passe ich besser auf.



sauber (der Hund) Sonntag, 21. 5. 2006, 0:00

Weil ich vorgestern aber das ist eine andere Geschichte geschrieben habe, habe ich gleich gestern eine andere Geschichte beobachten können. Müssen, wieder einmal.
Steht da am Rand des Parks ein grauer Pudel. Sie wissen schon, so einer mit rot unterlaufenen, immer tränenden Augen, zum Mitweinen, wirklich wahr, dazu schulterlange, geföhnte Ohren. Genau genommen kann man das kein Stehen nennen, sondern das Vieh plagt sich arttypisch (Großstadtkleinhund), sein wohl verhärtetes Hundefutter an die frische Luft zu bringen; wie gesagt, die tränenden Augen.

Ich sage es rundheraus und ohne Umschweife: er scheißt.
Angeleint, versteht sich.

(Morgen: das Herrl)



trust in me Samstag, 20. 5. 2006, 0:00

Eine beträchtliche Anzahl jugendlich-männlicher bzw. jugendlich sich gebender männlicher Automobilisten in vornehmlich (jugendlich:) ursprünglich teuren, jetzt mit viel Liebe individuell aufgemascherlten schwarzen oder roten Vehikeln bzw. (altjugendlich:) tatsächlich große (finanzielle) Potenz andeutenden, oftmals breit- und hochgestellten, mit abgedunkelten Gläsern ausgestatteten Fahrzeugen hat es in der Tat so eilig, dass kein Gurt angelegt werden konnte, beim Anzünden der Zigarette und dem gleichzeitigen Hantieren mit dem Handy am Ohr kann halt nur mit den Knien gelenkt werden, oder es ist doch eine Hand frei, (erinnern wir uns an die in keiner Weise hierher gehörige Szene, wo dem Dude während des Fahrens der Joint zwischen die Schenkel fällt), jedenfalls Schauen geht sich leider nicht mehr aus.
Wie gesagt, Radeln in Wien, das schärft die Sinne, Aufmerksamkeit für dich und für alle jene, für die der Vertrauensgrundsatz* nicht gilt.
Für eine sachdienliche Kennzeichnung jener rollend-rempelnden Testosteronbomben könnte man den Herrn Verkehrsminister anregen, einen kreativen Wettbewerb veranstalten zu lassen, stelle ich mir vor.

The Dude
(The Dude)

*) Straßenverkehrsordnung (StVO) 1960 in der derzeit geltenden Fassung
§ 3 Vertrauensgrundsatz
(1) Jeder Straßenbenützer darf vertrauen, dass andere Personen die für die Benützung der Straße maßgeblichen Rechtsvorschriften befolgen, außer er müsste annehmen, dass es sich um Kinder, Seh- oder Hörbehinderte mit weißem Stock oder gelber Armbinde, offensichtlich Körperbehinderte oder Gebrechliche oder um Personen handelt, aus deren augenfälligem Gehaben geschlossen werden muss, dass sie unfähig sind, die Gefahren des Straßenverkehrs einzusehen oder sich dieser Einsicht gemäß zu verhalten.
(2) Der Lenker eines Fahrzeuges hat sich gegenüber Personen, gegenüber denen der Vertrauensgrundsatz gemäß Abs. 1 nicht gilt, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft so zu verhalten, dass eine Gefährdung dieser Personen ausgeschlossen ist.



Frisur Freitag, 19. 5. 2006, 0:00

Radeln in Wien, das ist Training. Täglich zum Weingartner, auf dem Heimweg über die Höhe des Türkenschanzparks, das dürften schon gute zehn Kilometer sein, wahrscheinlich mehr.
Radeln in Wien, das schärft die Sinne, du kannst, dich im Recht wissend, so richtig schimpfen, und das ist gut für den emotionalen Ausgleich.
Seit ein paar Tagen bin ich als Zielgruppe-1-Feindbild für vornehmlich männliche Autofahrer weithin erkennbar: In Folge sehr nüchterner Überlegung und eines - sammasieahlich – beinahe fatalen (nicht selbst verschuldeten) Unfalls einer lieben Freundin (Schädelbruch, eh alles OK, und der Tinnitus wird auch noch weggehen, darf gehofft werden, sagt der Osteopath) habe ich mir endgültig einen Helm angeschafft und setze ihn auf auch noch. Schaut urblöd aus, keine Frage.

Keinen Velohelm zu tragen, kann Ihre Frisur ruinieren
Keinen Velohelm zu tragen, kann Ihre Frisur ruinieren

… hat es in der Kampagne der suva 2004 geheißen. In der Schweiz halt. Da scheißen die Hunde auch nicht auf den Gehsteig. (Aber das ist eine andere Geschichte.)



Futter Donnerstag, 18. 5. 2006, 0:00

Jetzt, wo es endlich wärmer war, hatte er von Zeit zu Zeit doch wieder Lust, sich zum Frühstück jenen mit de facto fettfreiem Joghurt angerührten, aus Vollkorn-Haferflocken, Rosinen, Vollkorn-Weizenflocken, Vollkorn-Roggenflocken, verschiedensten getrockneten (ungeschwefelten) Fruchtstücken, Maltodextrin und Ascorbinsäure zusammengesetzten, von führenden Ernährungsberatern so empfohlenen Müslizement in seinen Ikea-365+-Napf zu pappen. Dazu schnitt er sich einen grünen Apfel aus Israel fein klein hinein. Die vielen gesunden Flöckchen in den Zahnzwischenräumen waren eine nützliche Beschäftigung für seine Zunge, lange noch nach der stets überstürzt aufzusuchenden Toilette.



Dancing Stars Mittwoch, 17. 5. 2006, 0:00

Das an der Sieveringer Häusltür klebende Plakat wirbt für eine Tanzveranstaltung, in fetten Lettern steht da Rock’n'Roll Akrobatik. Sowas ist mir ansich wurscht. Was mein Interesse aber anzieht, ist, dass die Sporthalle, in der akrobatisch gerockt und gerollt werden soll, sich in einer Brigittenauer Gasse befindet, deren Name in einem Sinn stiftenden Verhältnis zur Veranstaltung steht.
Am 25. Mai 2006, Christi Himmelfahrt, lädt der Verein Rockexplosion zur Rock’n'Roll Akrobatik in die Sporthalle Hopsagasse.

Schönen Gruß.



Plakatives Dienstag, 16. 5. 2006, 0:00

Unlängst, beim Heurigen (so fangen viele Wiener Geschichten bzw. Gschichtln an), wie ich aufs Klo gehe, bleibe ich bei einem Plakat hängen, das an die der offenen Stube zugewandten Häusltür mit reichlich Tixo angepickt ist, als wäre es besonders widerspenstig in Bezug auf seine Haftwilligkeit, stelle ich mir vor, wie ich es genauer studiere, was, genau genommen nicht stimmt, denn wenn wir ein Plakat näher in Augenschein nehmen, hat ja schon ein sogenannter eye-catcher unsere Aufmerksamkeit angezogen, das müssen gar nicht immer charmante junge Damen mit hohem Spekulationskoeffizienten sein, manchmal kann auch rein die grafische Gestaltung ausreichen, in der Regel ist das ein dickundfett gedrucktes Schlagwort, ja, oft besteht das Plakat aus nicht viel mehr als einer solchen headline, jenes beim Sieveringer Heurigen aber war gar nicht sonderlich interessant gestaltet, Überschrift und Erläuterndes eben, dazu die heute unvermeidliche Internetadresse, kein Bild oder dergleichen, also müssen sämtliche Assoziationen durch den durch die Kombination der Überschrift mit dem Erläuternden in Gang gesetzten Gedankenfluss angestellt werden, dies soll zum Kauf eines Produktes, der Wahl einer Partei, oder, wie in diesem Fall, zum möglichst zahlreichen Besuch der angekündigten Veranstaltung am angegebenen Ort führen, und morgen werden Sie verstehen, warum mir sofort klar war, dass sie das mich inhaltlich übrigens gar nicht sosehr anziehende Plakat mit derart viel Tixo (ich bleibe dabei!) an die Privat-Klotür gepickt haben.



Sprechstundenhilfe Montag, 15. 5. 2006, 0:00

Ein Schulkollege hat mir gesagt, dass seine dermatologische Praxis mittlerweile so gut geht, dass er eine Sprechstundenhilfe engagieren hat müssen.
Sprechstundenhilfe, was für ein Wort auch. Zum ersten Mal habe ich es im deutschen Fernsehen gehört, wohl in einer witzigen Sendung, vermutlich mit Grit Böttcher oder Ingrid Steeger. Bis dahin waren Sprechstunden etwas unangenehmes, wo die Eltern hinbestellt wurden, außerdem haben unsere Lehrer (allesamt Professoren!) zur Abhaltung derart hochnotpeinlicher Einheiten keine Assistentinnen gehabt, keine stummen Damen mit dunklen Teint, naturlangen Wimpern und vollen Lippen, die Sanftheit selbst, wie sie bei Dalli Dalli oder Am laufenden Band Kuverts gebracht haben oder Quizgäste in der richtigen Handhabung des Mikrophons unterwiesen haben, stets stimmlos für uns Fernsehzuschauer, wie gesagt. Bei Abhaltung von, sagen wir: achtzehn Unterrichtsstunden war die wöchentliche Abhaltung einer Sprechstunde jedenfalls nicht die typische Tätigkeit eines Lehrers. Worin läge also der berufstypische Wochenarbeitsablauf eines Arztes, und warum würde ihm nur bei der Sprechstunde geholfen?
So habe ich mir das vorgestellt.
Heute zu Mittag lasse ich mir, wie jedes Jahr um den zweiten Sonntag im Mai, meine Müttermale anschauen, eine gute Gelegenheit, Berndt zu fragen.
Oder seine Sprechstundenhilfe.



weitermachen Sonntag, 14. 5. 2006, 0:00

(Eine Selbstaffirmation)

Jetzt ist es schon recht warm und so schalten vor allem an den Wochenenden viele den Computer nicht mehr ein, auch nicht, um z.B. diese Zeilen hier zu lesen (da brauche ich mir nichts vormachen), gilt es doch an einem Frühlingswochenende auch nicht, Dienstzeit kreativ zu gestalten, nein, es könnte die Freizeit versäumt werden, und dafür habe ich, Freiberufler und also immer Freihaber, allerhöchstes Verständnis, wirklich wahr.
Ihnen allen, d.h. vor allem den Nichtlesern und den passiven Sympathisanten (ah, das war gestern, zu blöd, ich dachte morgen, ich wäre so gerne gekommen, wie wars denn?) aber kann ich versichern: Ich werde weitermachen. Schreibend, componîrend, musikmachend. Ehrenwort.

Und sag mir keiner, dass er ganz sicher kommt. Einfach kommen genügt nämlich.



Spaghettitraum Samstag, 13. 5. 2006, 0:00

Vergeblich wehrte er sich gegen das Aufwachen und musste so tatenlos dem aus dem Bahnhof fahrenden Dampfzug nachsehen. Die Oberschenkel zogen noch beträchtlich, als er sich im Bad dann den öligen Russ von den Augen wischte.

(Def.: Ein S. ist ein T. nach dem Genuss einer beträchtlichen Portion S. und ab ins Bett.)



Gröschtl /2 Freitag, 12. 5. 2006, 0:00

Das Restlessen aus Erdäpfeln, Zucchiniwürfeln und männlich-pikant gewürztem Lammfaschierten lag ihm noch lange gärend in den Därmen. Es schien vom festen Zustand nachgerade direkt ins Gasförmige zu sublimieren, genau so fühlte es sich an. Ein Glück, dass er diese Nacht allein verbrachte, stellte er sich am Bauch liegend vor, um dem windigen Prozess etwas positives abzugewinnen.



Gröschtl /1 Donnerstag, 11. 5. 2006, 0:00

Das Team vom Weingartner ist von seinem alljährlichen Billardausflug nach Innsbruck zurückgekommen. Diesmal setzte es eine empfindliche Niederlage, aber das Billard ist ja nur der Vorwand für ein verlängertes Wochenende der Geselligkeit. Was die Männer um ihren Reiseleiter (ich unterstelle das; aber er ist der Ober) Herrn Peter viel mehr bedrückt hat (und das heißt beim ehrgeizigen Herrn Peter einiges!), ist die Tatsache, dass es ihnen auf ihren vier Reisetagen nicht geglückt ist, auch nur einmal ein echtes und originales Tiroler Gröstl serviert zu bekommen.

(Morgen: umso besser)



Ranking Mittwoch, 10. 5. 2006, 0:00

Nr. 403 Franzobel (bürgerlicher Name: Stefan Griebel)
In der aktuellen Cicero-Liste der 500 wichtigsten deutschsprachigen Intellektuellen (Erhebungszeitraum: 2005/2006) steht natürlich auch mein Duopartner; was für einen Schifahrer oder eine Fußballnation katastrophal wäre, gereicht einem Geistesmenschen zur Ehre. Und ein kleiner Abglanz fällt ja auch auf seinen Herren Kollegen, stelle ich mir vor und werde den nächsten Badmintonsieg ein klein wenig tiefer empfinden.
Dieses Spiel gewinnst du nämlich im Kopf, um das auch einmal gesagt zu haben.



Darwinistisches Dienstag, 9. 5. 2006, 0:00

Eine in der Tat perfide Auslese ist jene, welche mittels angeblich so erholsamer Charterflüge (z.B.: Abreise von Tenerife Sur) vollzogen wird. Zuerst einmal anstellen zum Einchecken, bitte zwei Stunden vorher da sein, also verstopfen die – wir erinnern uns – bereits beim ankünftigen Gepäckerwarten den Urlaub eigentlich schon versäumt habenden Senioren und Jungfamilien bereits dreieinhalb Stunden vor dem Abflug die nicht wirklich großzügig angelegte, recht niedrige Halle. Dann haben sie sich über den Security Check, durch Shopping (Chartergäste sind unabgebrühte und also beliebte Duty-Free-Käufer) und (es dauert noch, Hunger!) Fress-Stress bis zum Gate-Check vor- und also durchgeschwitzt und sie dürfen im mittäglich sonnendurchflutenden Sammelkäfig auf Flugfeldniveau auf den Zubringerbus warten, warten, da kommt er schon, weiter warten… Angesichts all der angestauten Aufregung muss ich der Konstitution meiner (so wie ich) deixischen Landsleute Tribut zollen, niemand kollabiert. Obwohl, ein paar sind nahe dran, nach all der konsumierten Urlaubserholung.



Akustisches /5 Montag, 8. 5. 2006, 0:00

Ist ein Sinn ausgeschaltet, helfen die übrigen aus. Also ist an ein Einschlafen nur zu denken, denn erstens schmerzt meine (rechte) Schmetterhand bereits einigermaßen, zweitens spüre ich mittlerweile sich überall auf meine Haut setzende Gelsen. Ich schlüpfe ganz unter die Decke, bald aber wird das zu heiß, ich spüre (oder täusche ich mich?) die lautlos (was man nicht hört, erklingt auch nicht) gelandete Mücke, wie sie mir mitten auf der Stirn einen Dippel impft. Einmal noch Jagd, ich sehe sie, sehe sie nicht und sehe sie wieder, dann aber bleibt sie unauffindbar, über eine Viertelstunde lang, und völlig übermüdet ergebe ich mich, erspare mir das Träumen und habe – Happy End – eine störungsfreie Restnacht.
Am Morgen begrüßt sie mich mit unvergleichbarem Vorwitz im Badezimmer, und mit einem – roten – Fleck verabschiede ich mich in den für Insekten um diese Jahreszeit noch viel zu kühlen Norden.



Akustisches /4 Sonntag, 7. 5. 2006, 0:00

Da der Lärm (per definitionem: störender Schall, eine sehr subjektive Größe) den überwiegenden Anteil am nächtlichen Grauen hat, verschaffen mir meine praktischen Maßohrstöpsel taugliche Abhilfe, uaahh.

(Morgen: Sinnliche Substitution)



Akustisches /3 Samstag, 6. 5. 2006, 0:00

Immerhin, erst nach zehn Minuten sirrt es abermals. Die Prozedur wiederholt sich, leichte Beute (schwarz), Schmerzen im Handgelenk, und die gehen in ein paar Minuten auch vorbei, gute Nacht!
Aber es geht weiter. Diesmal zwei Viecher und der erste rote Fleck. Und dann noch einer. Diese Klimaanlage muss einen integrierten Gelsenspender haben, stelle ich mir vor, nein, das ist erwiesen.

(Morgen: Nachtruhe)



Akustisches /2 Freitag, 5. 5. 2006, 0:00

Ich mag keine Klimaanlagen, aber noch (wir schreiben Ende März) ist es ja nicht so heiß, und ich kann nachts – natürlich unter Einhaltung einer dreiminütigen Schutzfrist nach dem Abdrehen des Lichts – das Fenster öffnen, sehr fein.
Ich liege keine fünf Minuten, und da ist er, dieser lauteste Klang, den es auf der Welt gibt, dieses im Sopran angesiedelte, in der Amplitude und zugleich auch (geringfügiger) in der Frequenz sehr stimmhaft vibrierende sssss lässt Sie sämtliche Athener Presslufthämmer, garniert mit Rettungs-, Feuerwehr- und Polizeisirenen, vergessen.
Also auf, Licht machen, nein, zuerst das Fenster schließen, sondieren, das ist ganz leicht, gleich neben dem Bett sitzt es, das Biest, an der Wand, den Handballen mit ihn selbst beinah zertrümmernder Gewalt an die Mauer geschmettert und es ist Ruhe, noch nicht einmal ein roter Fleck ist auf dem Putz, mich unangezapft wissend darf ich mich, nach genauester Inspektion des Zimmers, wieder niederlegen. Das Fenster bleibt zu und ich drehe die Klimaanlage auf, konstant 17 Grad sind doch auch fein zum Schlafen, wirklich wahr.

(Morgen wird es blutig.)



Akustisches /1 Donnerstag, 4. 5. 2006, 0:00

Morgen geht es heimwärts. Um die recht zeitige Fähre bequem zu erwischen, übernachte ich in San Sebastian de la Gomera, dem Inselhauptort, da gibt es eine Reihe recht sauberer, kleiner Hotels, die genau auf Frühfährentouristen eingestellt sind.
Gewissermaßen als Ausgleich zur unüberbietbaren Fernsicht der letzten Woche weist man mir ein Zimmer (es ist das letzte, wie auch die Zimmer der nach mir eintreffenden Touristen) mit Fenster zum Lichthof zu, obwohl, Lichthof klingt etwas übertrieben, mit langem Hals und viel Phantasie lässt sich irgendwo ein Himmel erahnen, möglicherweise oben. Aber, wie gesagt, das Zimmer ist zweckmäßig und wirklich recht sauber.

(Morgen: Der nahe Klang)



Agulog /11 – kreativ Mittwoch, 3. 5. 2006, 0:00

(Eine Pauschalerregung.)

Überhaupt, das mit der urlaubend mit einem Mal endgültig zum Durchbruch kommenden Kreativität.
Es gibt Menschen, die alles, was sie an reichlich Stumpfsinnnigem tun oder denken, für etwas Einmaliges, in höchstem Maße Besonderes, so und überhaupt noch nie Dagewesenes halten und die das entsprechend nach außen stülpen und es allen Anwesenden, sie aufs rücksichtsloseste vereinnahmend, umhängen. In (den Vereinigten Staaten von) Amerika scheint man dafür speziell erzogen zu werden, es ist nachgerade Weltmissionsprogramm (die gegenwärtige Machtpolitik ist nur die ungustiöseste Ausprägung davon). Fahren Sie einmal in einem Zug, und am anderen Ende das Waggons sitzen US-Bürger. Erstens müssen Sie alles hören, alles, was sie zu sagen haben, kann ja nur gut für alle im Raum sein. Wird es besonders wichtig, heißt es let me tell you my personal opinion oder so ähnlich, ich erinnere an die schöne Todesszene in Monty Python’s The Meaning of Life; was folgt, ist eine Dutzendmeinung aus Reader’s Digest, darauf noch die unvermeidliche, von affirmierenden yeahs begleitete Grundsatzrede, diese wird mit dem hochtrabenden Begriff concept überschrieben.
Meine Bitte, mein Rat: Verwenden Sie mir gegenüber bitte nie einen irgendwie an diesen Schwammbegriff erinnernden Terminus. Und wenn, dann nicht in diesem mir die Ganslhaut aufziehen machenden Tonfall. Konzeppt, das gefällt mir schon weniger nicht. Und noch wichtiger: Wenn Konzept, dann bitte wirklich Konzept. Keine ausgewaschenen, die Welt zurecht biegen- und brechende Wunschvorstellungen.

Danke. (Gallenende.)



Agulog /10 – Tausende Dienstag, 2. 5. 2006, 0:00

Sie sind etwa so lang wie die Zeigezehe, schwarzbraun, haben unzählige (d.h. per definitionem fünfhundert) Flimmerbeinchenpaare, wollen und gelangen tatsächlich unablässig ins Haus und sind deshalb vor allem eines: lästig. So lästig, dass man hier nicht einmal einen über die behauptete Anzahl ihrer Flimmerbeinchenpaare (s.o.) hinausgehenden, näher spezifizierenden Namen für sie übrig hat. Hätten sie aber Härchen oder Börstchen, als Raupen wären sie einem sympathisch, ganz sicher, man würde sie sogar putzig finden, so eine liebe fusselige Raupe, du wirst aber bestimmt ein schöner Schmetterling.
Eigentlich eine ungerechte Zuneigungszuteilung.



MütterMaiMeteorologisches 2006 Montag, 1. 5. 2006, 12:00

Fredi-Keks (originalverpackt)
Fredikeks (originalverpackt)

Liebe MBA,

Alles erwartet den Mai. Die märzliche Thomasbernhardkulisse des Volksgartens hat schließlich doch noch grün ausgetrieben, und der lila Flieder parfümiert den Heldenplatz mit seinem Kindheitserinnerungsduft. Alles ist also bereit, und in Wien bedeutet das zuerst fürs ÖVP-Stadtfest und wenige Tage darauf für den Maiaufmarsch. Weil aber hier die Roten doch letztlich das Sagen haben, meldet sich für das beliebte Innenstadtfest gerne noch einmal der sprichwörtliche April, und das geht schon in Ordnung, beruhigen uns die Wetterkommentatoren, wie überhaupt das Wetter bei uns nie ungewöhnlich ist, höchstens vielleicht zu kalt für diese Jahreszeit, das wiederum gemessen an einem praxisfernen langjährigen Durchschnitt, vergleichbar der durchschnittlichen Kinderanzahl von, sagen wir, 1,34 Kindern pro Mutter (1999).

Die von mir überaus geschätzten Radio- und Fernsehmeteorologen (bei denen ich mir vorstelle, wenn sie vom Wetter der nächsten Tage erzählen, dass sie deshalb so genau bescheid wissen, weil sie für uns schon dort waren) verfügen über eine merkwürdig sprachprägende Macht, denken wir nur an den Terminus Starkregen für den guten alten Wolkenbruch.

Fredi-Keks (Detail)
Fredikeks (Detail)

Rechtzeitig für den Rüsttag des schwarzen Innenstadtfestes wird, wie es sich gehört, Schlechtwetter prophezeit, der Wettermacher im Radio kündigt allerdings für den Osten des Österreichs schon auch Regenpausen an. Zu Mittag bin ich im Zweiten verabredet, und da bis dreiviertel zwölf kein Tropfen gefallen ist, schwinge ich mich, eine Pause ist eine Pause ist eine Pause, auf mein Fahrrad. Noch im Neunzehnten erwischt mich eine ausgedehnte Regenpausenpause, und bis in die Leopoldstadt habe ich eine Vorstellung, wie sich zu Brei zerkaute Fredikeks fühlen mögen, keine Regenpause, weder zeitlich noch räumlich (abgesehen von den sehr flüchtigen, wenig Trockenheit spendenden Tropfenzwischenräumen) wird mir gewährt.

Bei meinem bevorzugten Cembalisten nehmen wir dann (Vorarbeit für Mütters Dichters Liebe) das Nachspiel von Die alten, bösen Lieder, den Epilog zu Schumanns Dichterliebe, auf, in zwei Varianten, mit durchaus opulent zu nennendem, vollem Cembaloklang, zuerst aber, molto secco, mit dem abgedämpften Lautenzug; als würde ich mit feinen Frotteehandtüchern abgetupft.

Danke, Giovanni, geht schon wieder.

Fredikeks (Serviervorschlag)
Fredikeks (Serviervorschlag)

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Weiter aber geht’s dieser Tage in St. Pölten, cinema paradiso, und am Freitag beim WeinKult 2006 in Fels am Wagram, Weingut Wimmer-Czerny, alles sog. Exklusivereignisse. Dies und alles weitere finden Sie ja in der bald-Rubrik auf muetter.at.

Jetzt einen schönen Mai, mit (Typ: Max, Moritz etc.) oder ohne (Typ: Onkel Fritz u. dergl.) Käfergetier,

Bertl Mütter

Bertl Mütter, das Ei
(hier als nachösterliches Ei; © Christof Zachl)

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Zwei Postscripta:

1) Bei meinem Sommerkurs im Rahmen des Musikforum Viktring sind noch ein paar Plätze frei, vom 16. bis 22. Juli 2006.

2) Mütters Müllerin, die CD, wird schon noch fertig, man schreibt noch an Texten, darf ich berichten.



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