Denkmal /2 Freitag, 31. 3. 2006, 0:00

Ab einem gewissen Denkmalstatus des Vortragenden hört das Publikum auf, zuzuhören. Es will jene legendäre Persönlichkeit und also sich selbst mit seiner Bequemlichkeit nicht in Frage stellen müssen.
Als müsse, um in der Boxersprache zu reden, Ali heute noch immer The Greatest sein müssen. Und genau das wäre ja der tragische Irrtum, am Punkt des höchsten Erfolges verweilen zu wollen, wider besseres Wissen über Schwerkraft, Alter, Entropie. Dies zu beherzigen hat mit Würde zu tun. Ali hat die, und nur deshalb ist er still The Greatest. Irgendwann muss man nämlich beginnen, nach Innen zu forschen und dort Räume (wenn geht: Paläste) auszubauen.
Manchen gelingt dies besser, manche schneiden dabei weniger gut ab.
Es ist aber, das sei eingeräumt, menschlich, allzu menschlich, und fern sei jeder Vorwurf, Verurteilung gar.
Beobachten aber wird man wohl dürfen; es ist nachgerade notwendig. Weil: selber wird man auch älter.

Ein Gruß von der Neuen Frankfurter Schule:

Elche

Ich bitte um schonungslose Assistenz.



Denkmal /1 Donnerstag, 30. 3. 2006, 0:00

Ein berühmter und also angejahrter, groß gewachsener Entertainer gibt sich die Ehre und liest aus seynen breit mehrheitsfähigen und also inhaltlich recht banalen, zudem ein waches Publikum mit ihrem vorhersagbaren Verlauf beleidigenden und sprachlich völlig uninteressanten Prosawerken. Längst schon sollte er es vermeiden, Texte mit allzuvielen sch vortragen zu versuchen; zumal, wenn zum dentalen Problem das eine oder, nein: und das andere Ölungsachterl gekommen ist.
Da jemand wie diese Legende die publikumseigenen, hedonistischen Geistlosigkeiten rechtfertigt, akklamiert man den simplen Pointen wie überhaupt dem gesamten selbstgefälligen Auftritt des platten Mimen mit den matt glühenden Alkoholflecken.
Wenigen nur bereitet seine peinlich zur Schau gestellte, gestellte Bescheidenheit körperliches Unwohlsein. Aber immerhin, einige sind es, und das macht etwas Mut.



Tektonisches Mittwoch, 29. 3. 2006, 0:00

Was hat man sich eigentlich unter Antifalten vorzustellen?

Antifaltencreme

Warum gibt es dafür Cremes?



Genf /4 – Literarisches Dienstag, 28. 3. 2006, 0:00

Mir ist Genf und die Region am Genfer See (ganz abgesehen von smoke on the water) eher eine literarisch aufgeladene, ich nenne, mich exemplarisch beschränkend, zwei Orte, das Palace Hotel, Montreux, letzte Wohnung des nicht nur als Hotelgast prawyverwandten größten Schmetterlingssammlers der Literaturgeschichte (ich nenne ihn mal Timofey Pnin, dann wieder Humbert Humbert) und Genf selbst, wo Anfang des 20. Jahrhunderts Borges, dieser Weltenerfinder und Erbauer unendlicher Bibliotheken, seine calvinistische Schulbildung genoss, um dann, als Jorge von Burgos selbst zur Romanfigur geworden, hierher zum Sterben zurück zu kehren, in seinem Fall die (erblindete) Spiegelung seines Lebens.

Die Huren haben viel Kundschaft bei so viel Internationalität, und die arabischen und levantinischen Kleinlokale im derart geschäftigen Bahnhofsviertel sind vorzüglich.
Das ist es, was ich noch zu Genf sagen wollte.



Genf /3 – Wahrzeichen Montag, 27. 3. 2006, 0:00

Genf/Genève. Ein annähernd 200 Meter hoch aufschießender Wasserstrahl ist das Wahrzeichen dieser unschweizerischen Stadt. Ich versuche, mir vorzustellen, was das bedeuten soll.
Andererseits: Was könnte ein vertikales Ringlgspüü (immer wieder fahrt man weg und bleibt doch stets am selben Fleck…) wie das Riesenrad im Wiener Prater bedeuten? Dass diese Stadt am Stand durchdrehe, das konnte ja wohl nicht gemeint sein. Oder?
Die grundlegende Frage, was denn Wahrzeichen seien, wie etwas dazu werde und wofür man sie brauche, sei wieder einmal zu stellen.



Genf /2 – Sissi trifft Zilk Sonntag, 26. 3. 2006, 0:00

Genf/Genève. Dem Österreicher sei sie zuletzt von Kaiserin Elisabeth besuchte Stadt, d.h. sie ist ja nur bis zum Quai gekommen und dann mit einer Feile im Leib wieder zurück aufs Schiff. Ein ausgesucht missglücktes Denkmal steht dort

Sissidenkmal Genève
(weshalb ich nur die Schleppe des Kleides und den Sockel photographiert habe),

unweit eines von der Stadt Wien gespendeten Muhr-Brunnens, die sich ansonsten zilkseidank in ihrer entsetzlichen Amorphheit kreuz und quer über Wien ausgebreitet haben und als gigantische, nicht ganz geglückte Lapislazuli-Erektion bis in die Weichteile der Republik hinein vorgedrungen sind, späte Bürgermeisterrache am Weltbürger Kreisky (danke, Walter Stach!) auf dem nach ihm benannten, adresslosen Platz, in Wien will man diese Brunnenkunstwerke jetzt auch nicht mehr und ist froh, wenn man sie anbringt, Zeit ist es auch geworden, wirklich wahr.
Überhaupt, was will ein Tröpferlbrunnen ein paar hundert Meter vom jet d’eau?



WinterFluchtMütter 2006 Samstag, 25. 3. 2006, 12:00

Liebe MBA,

so ein Blödsinn, wirklich wahr.

Da bin ich, um dem Winter zu entkommen (und, um von meiner, wie ich hoffe, recht fruchtbaren Klausur berichten zu können), nach Gomera geflohen, und dann habe ich ihn mir dadurch um gut eine Stunde verlängert. Zwar handelt es sich lediglich um den astronomischen, aber: Winter ist Winter; ja, das kratzt mich jetzt schon, ziemlich einigermaßen sogar, wenn man sich das näher überlegt, das kann ich Ihnen schon sagen, ich ringe seither um das Wiedererlangen der Synchronizität von Zeit und Raum. Immerhin bin ich noch rechtzeitig vor der Sommerzeitumstellung zurückgekommen; gar nicht auszudenken, was da erst mit mir passiert wäre.
Die neue Kamera geht damit übrigens völlig unbeschwert um, hat sie sich doch einfach unbemerkt ganz von selbst umgestellt, schon irgendwie gespenstisch, finden Sie nicht auch?

§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§

Wir unterbrechen diesen MütterBrief für eine wichtige Durchsage an alle AbonnentInnen.

Weil auch Sie, so wie ich, in den letzten Tagen und Wochen seit jenem 1. März (Inkrafttreten des geänderten Hundertsiebenerparagraphen vom Telekommunikationsgesetz) etliche pseudojuristisch ausgeheckte, in Wirklichkeit aber suamseitlerte sog. Disclaimer-Texte erhalten haben werden, erlaube ich mir, denselben winkeladvokatischen Zug und schreibe genauso windigen Inhalts wie alle anderen sich windenden, gesetzverbiegenden, sich selbst natürlich nie als Spam-Verursacher sehenden (das sind immer die anderen; wie bei den Touristen – mehr dazu weiter unten), dass Sie sich

jederzeit, und zwar problemlos und gratis und unverzüglich und überhaupt

Entmütterbriefen können. Einfach ein Mail mit Dankebittenichtmehr oder ähnlich unzweideutigen, meinetwegen auch beleidigenden Betreffformulierungen retourschicken und – wiedaschaun. Ehrenwort.
Umgekehrt: Wer schweigt bekennt, heißt es, und so bin ich devotest ergeben über Ihre durch keine Aktivität zu bekundende, durchunddurch passive Nichtablehnung, und das ist letztendlich doch das höchste vorstellbare Glück, eben nicht abgelehnt zu werden, von Anerkennung oder Nochhöherem wollen wir da gar nicht schwelgen, ich beliebe am (virtuellen) Boden zu bleiben, bittedanke.

Sie lasen einen Absatz kreativer Gesetzesauslegung durch einen Bürger der Republik Österreich.

§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§§

Ich darf fortsetzen.

Agulo, ich war zum zweiten Mal dort, ist ein durchunddurch uninteressanter Ort, die Sonne geht wegen des nach Westen hin ausgerichteten Kessels, ein gigantisches Amphitheater, früher unter als daheim (drüben, im Walle müsste man sein, jedoch – siehe weiter unten), der Wind kann recht ungut sein, und viel zu Früh jagt dich die Sonne aus den Federn, wenn sie, nachdem sie sich hinter dem Teide angeschlichen hat, plötzlich recht kräftig hervorknallt, ungut, wirklich wahr.

Das Baden kann man in Agulo sowieso vergessen. Viel zu rau!

Wenn ich fortfahre, fahre ich fort, um fort zu sein, will, streng genommen, hier bitte nicht auf meinesgleichen treffen, will sicher sein vor meinem touristischem Spiegelbild und also vor mir selbst: Schon im Nachbarort, keine fünf Kilometer entfernt gibt es ein Lokal, in dem man auch Spanisch spricht. Warum müssen eigentlich speziell deutschsprachige Touristen immer so unwürdig daherkommen? Jene runderneuerten Permanentaussteiger, Trapper und Squaws, mit Henna- und Birkenstockzwang bis ins Grab, ein Freizeithütchen drauf, das allein schon hinreichender Klagsgrund wäre, schauderlich, wirklich wahr.
Als am gefürchtetsten gilt, wenn sich zwei Individualpärchen unbestimmten Alters im offenen Gelände (also nicht in Kreativbars oder überhaupt in jenem längst exterritorialen Bewusstlebental, dem Walle) begegnen: Noch stolzgeschwellt-heiter ob des ganz offensichtlich ohne jeglichen Akzent mit den Eingebornen leutselig ausgetauschten ¡HOLLA! (bei einer mexikanischen Fiesta sagt man, bekanntermaßen, ebenso akzentlos, ¡HOSSA!) schleichen sie blicklos an ihren eigenen Landsleuten vorbei, nur ja kein Wort reden jetzt, sonst merken die noch (ganz offensichtlich Deutsche oder so), dass man selber auch von dort kommt.
Wir reden hier von den so genannten Individualreisenden. Die tagesausflugsinselrundreisenden Seniorenfuhren werden von echten Gomerianern nicht einmal ignoriert; eigentlich sollte man dafür kassieren, wenn man sich als temporärer Aussteigerparadiesbewohner vom Autobus aus begaffen lässt.
Wie aber unterscheidet man sich selber von all den bunt bis abenteuersandbraun oder khaki uniformierten Individuellen? Wer ist sensibler Aufspürer von Verborgenem, wer bloßer Tourist?Ist es die mitgebrachte Posaune statt des günstigen Leih-Didgeridoos? Das wäre doch zu billig, oder?

Um zum Anfang zurück zu kommen: Sollten Sie also doch einmal nach Gomera kommen, meiden Sie Agulo; dort ist es komplett uninteressant, wirklich wahr.

Nicht meiden mögen Sie meine nächsten öffentlichen Aktivitäten, es sind ja nicht so viele (aber was für welche, rede ich mir immer ein, wenn – äußerlich – nicht so viel los ist).
Gegenwärtig ist etwa die beste Zeit, sich für meinen Sommerkurs beim Musikforum Viktring anzumelden, vom 16. bis 22. Juli 2006, mehr auch hier.
Verwiesen sei vor allem schon jetzt auf den 5. Mai, der alljährliche (und bereits 5.) WeinKult beim Wimmer-Czerny in Fels am Wagram, ein angemessenes Fest zur Eröffnung der warmen Jahreszeit, der Mai ist kommen der Winter ist aus!
Eben: Mütters Müllerin. Die ist CD am Fertigwerden. Muss nur noch zusammengebastelt werden.
Dann gibts auch den nächsten MütterBrief.

Herzlich,

Onkel Tuca

Bertl Mütter

(hier noch als Onkel Tuca, mittlerweile wieder zurück im Bärlauchland; und der B. hat doch, wie die Banane auch, parallelnervige bzw. zumindest unverästeltnervige Blätter)



Genf /1 – Vergleichendes , 0:00

Ankunft in Genève/Genf, eisenbahnmäßig das Salzburg der Schweiz.

Eigentlich definiert sich eine Menge auf dieser Welt dadurch, dass es etwas von etwas anderem ist. (Die Riviera des kleinen Mannes, das Paris des Ostens, Klein Mariazell, …)
Nun gut, wir lernen nun einmal durch Vergleichen: Bis etwas als eigenständige Größe kategorisiert ist, die dann ihrerseits wieder für weitere, verfeinernde Vergleiche dient, ist es entweder wie oder nicht wie.*
So betrachtet, erscheint mir diese Form der Trivialisierung ein künstlicher Rückschritt zu sein. Als ob sich das Unniversum wieder in sich selbst zusammenziehen würde. Oder ist diese Beobachtung ein Hinweis, dass die Deflation bereits eingesetzt hat?

*) In einem bemerkenswerten Text hat Franzobel in überzeugender Weise den Urbegriff von Allem herausgearbeitet; er nennt ihn MAMA.



rechtsstehend Freitag, 24. 3. 2006, 0:00

Ein weiteres Rolltreppenphänomen.
Wien und Österreich im Allgemeinen hat die größte, besser: gewaltigste Dichte Anstehungeduldiger und also Anstellunfähiger in der Welt; im öffentlichen Verkehr sind das die (© Herbert Hufnagl – du fehlst!) Fahrgasttrotteln, jene Leute, die etwa stets bei der Tür stehenbleiben und diesen Platz auch die nächsten zehn Stationen gegen Ein- und Aussteigewillige grimmig verteidigen, schließlich steigen sie ja bald aus.
So betrachtet erscheint es paradox, dass es just in Wien praktisch immer möglich ist, auf einer (in diesem Fall stets rollenden) Rolltreppe links an den (auf- oder abwärts, jedenfalls aber vorwärts) stehenden Fahrgästen vorbei zu huschen. Nur an den Stationen, wo eine größere Anzahl Außerwienerischer oder Autowienerischer (die sonst nicht die U-Bahn benutzen, aber heute Angst haben, keinen Parkplatz bei der Mariahilfer zu bekommen) ins öffentliche Verkehrsnetz strömen, ist das Linksvorbeigehen schwer bis gar nicht möglich.
Was mich aber immer wieder völlig fassungslos macht, ist, dass dieselben Menschen, die es vor zweieinhalb Stunden in Wien noch gekonnt haben, beim Auffahren aus den Unterführungskatakomben ins Koglergeschlinge des Grazer Hauptbahnhofs dieser sozialen Eigenschaft komplett verlustig gegangen sind.
(In Linz werde ich beim nächsten Mal auch aufpassen.)



festgefahren Donnerstag, 23. 3. 2006, 0:00

Es gibt keine schlimmere Bremsung, als wenn du, sagen wir: zur U-Bahn hetzt (die Ankündigungstafel hat bereits blinkende Sternderl), um die Ecke zur Rolltreppe kommst, zwei, drei Stufen aufwärts rennst und dann erst merkst, dass sie – steht!
Wie lässt sich das eigentlich erklären, dass man auf einer rollenden Rolltreppe bequem – durchaus auch aktiv – gehen mag (treppauf wie treppab), ist sie jedoch festgefahren, erstarrt, einem die Stufen viel zu hoch erscheinen (nein: sie sind es!), bedrohlich schauen dich ihre Zähne an, und hinunter überkommen dich (ich weiß, ich übertreibe – aber nur leicht!) Sturzängste ob der Steilheit, dabei wäre die Situation bei rollender Treppe wesentlich gefährlicher, addieren sich doch die Geschwindigkeiten v1 (Rolltempo der Treppe) + v2 (Gehtempo) bis zu einem regelrechten schrägen Geschwindigkeitsrausch, der dich überkommt wenn du bereits das Zischen der U-Bahn-Türen hörst, tschuldige, darf ich durch?
(Dazu mehr morgen)



Schichtwechsel /2 Mittwoch, 22. 3. 2006, 0:00

Lilli geht jetzt heim, Herr Peter übernimmt. Gleich. Um fünf nach kommt aus der Tiefe des Billardsalons folgende Bestellung: Herr Peter, wenn’S dann warmgelaufen sind, mochn’S ma a Kunstwerk?
Umgehend wird die Melange serviert.



Schichtwechsel /1 Dienstag, 21. 3. 2006, 0:00

Mein Vorstadtcafé. Herr Peter geht sich umziehen, um vier beginnt sein Dienst. Ein Gast, feixend aus der Tiefe des Raumes: Ah, der Herr Peter fangt zum Arbeiten an. Herr Franz (viel Tagesfreizeit, arbeitet in der Dispo am Zentralverschubbahnhof Kledering): Na, da Herr Peter ziagt se nua um. Oabeitn tuat dea do ned.
Herr Peter, auf dem Weg zum Lager, das Hemd heraußen, laut vernehmbar (und ganzundgar gelassen): Nojo, i muas jetzad glei wieda gescheiterte Existenzen betreuen.
Ich liebe das Weingartner.



Engerl Montag, 20. 3. 2006, 0:00

Es gibt Freunde, die begleiten einen immer.

Angela Krauß hat die vierte ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen im Frühjahr 2004 Die Vorfreude genannt.

Deine Gedanken weiten, verleihen Flügel, machen sowas von Mut, sich wasauchimmer vorstellen zu dürfen:

Eine Musik, grenzenlos, die in einer anders strukturierten Zeit und also außer der Zeit geschieht, eine Musik, die nicht gegliedert ist als Abfolge von abmessbaren Ereignissen, sondern in der unmessbaren, imaginären (und deshalb umso realeren) Dichte von Erlebnissen.

Angela, Dein Name ist Dir wirklich Programm, und das ist ein großes Glück für alle, denen Du kündest, die Du beschenkst.



Bachweg Sonntag, 19. 3. 2006, 0:00

Leipzig. Die Musikalienhandlung gegenüber der Thomaskirche hat sonst Johann Sebastian in der Auslage. Aber auch hier und heuer herrscht das Mozartjahr, kein Bach weit und breit.
Naja, gegenüber, da liegt Er begraben, und das wäre ja auch wirklich übertrieben; obwohl es gewissen gerissenen Eventstrategen schon auch zuzutrauen wäre.



plus ultra! Samstag, 18. 3. 2006, 0:00

Eislaufen am Neusiedlersee.
Hinaus, ganz weit hinaus treibt es mich. Wie auch ein paar Tage danach auf dem Wörtherseeeis.
Wörtherseeeisstop
Auch beim Schwimmen, am Meer, in einem See, sowie am Berg treibt es einen hinaus, hinauf.
Als wäre dort draußen, droben der Berg mehr Berg, der See mehr See, das Meer mehr Meer, das Eis mehr Eis.
Aber genau so ist es, wirklich wahr.



letzte Ruhe /3 Freitag, 17. 3. 2006, 0:00

Wohin aber hat man, um bei Citroën zu bleiben, die verblichenen Göttinnen geschafft?, stelle ich mir vor.
In eine geheime Tiefgarage beim Pantheon?



letzte Ruhe /2 Donnerstag, 16. 3. 2006, 0:00

Zur gleichen Zeit bedeckten die Elefanten ihren toten Gefährten mit großen Blättern. (Roland Heer, Am Berg)
Eine Frage kommt mir in den Sinn: Treiben sich auf Entenfriedhöfen auch skrupellose Grabräuber herum, die es, bereit, über Leichen zu gehen, nur auf das Entenelfenbein abgesehen haben?
Tarzan, hilf!



letzte Ruhe /1 Mittwoch, 15. 3. 2006, 0:00

Ein lose umzäuntes Rasenstück zweieinhalb Hügel südlich der Eisenbahntrasse fünf Minuten östlich von Rennes ist ausschließlich Enten vorbehalten; jede von ihnen entsprach einst dem Verkehrswert von zwei Pferden. Nun aber haben sie ausgedient und sind, einer tibetisch anmutenden Himmelsbestattung preisgegeben, am Rasen erstarrt.
Ich vermute, dass es in diesem Land noch weitere Entenfriedhöfe gibt.



polyglott /6 Dienstag, 14. 3. 2006, 0:00

Jetzt sage ich Ihnen den Namen von unserem Herrn Staatssekretär:
Er heißt Sigisbert Dolinschek.

Sigisbert Dolinschek

Dieser Herr ist eine zweisprachige Ortstafel.



polyglott /5 Montag, 13. 3. 2006, 0:00

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.

Nachem wir, gestern, den Vornamen (engl.: given n.) und, vorgestern, den Familiennamen (engl.: first n.) betrachtet haben, ist es an der Zeit, die Kombination beider näher unter die Lupe zu nehmen.

Es mag vorkommen, dass man (seien es die Eltern, sei man es selber) mit dem Familiennamen nicht recht zufrieden ist, aber es einem doch übertrieben oder auch unstatthaft erscheint, diesen amtlich ändern zu lassen. Der Vornamen kann in einem solchen Zusammenhang zum Gegensteuernamen werden; dabei kann es allerdings auch passieren, dass, um beim nautischen Bild zu bleiben, das Boot ins Trudeln kommt.
Zur Erläuterung ein paar fiktive (gleichwohl geläufige) Beispiele: Elvis Wurmberger; Aristoteles Dodlhuber; Madonna Teufel; Shakti Katholnigg; Chenyl Wrbala. Oder erinnern wir uns an Mundls Enkelsohn René (gesprochen: Renne) Sackbauer.

Morgen: die polyglotte Ortstafel



polyglott /4 Sonntag, 12. 3. 2006, 0:00

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.

Betrachten wir vorweg den Vornamen als solchen. Diesen können üblicherweise die Eltern frei aussuchen; im österreichischen Telefonbuch findet man etwa einhundertsiebenundsechzig Menschen mit dem Vornamen Elvis.
Möglicherweise lässt sich daraus schließen, dass die Eltern zur Zeit der Geburt ihres Kindes besonders begeisterte Anhänger von The King gewesen sein könnten.
Keinesfalls sei aber daraus zu schließen, dass sich diese Anhängerschaft automatisch auf den Buben, aus welchem dann, erinnern wir uns, (morgen) ein Bursche und schließlich (übermorgen) ein Mann werden wird, übertragen muss. Umgekehrt versteht sich von selbst, dass die Eltern ein möglichst positives Bild vom Vornamenspaten zu transportieren bestrebt sein werden. Elvis, der Erwachsene, ist sich vermutlich gar nicht der Einflussnahme auf seine lebenslange Begeisterung für das große Vorbild bewusst, und es bedarf möglicherweise eines bewussten Loslöseprozesses von dieser Prägung, oder aber eines Damaskus-Erlebnisses.
Vorausgesetzt, er möchte sich vom Schatten einer solchen Vergangenheit loslösen.

Morgen: Vor- und Zuname



polyglott /3 Samstag, 11. 3. 2006, 0:00

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.

Nämlich: Was kann uns ein Name sagen?

Ganz pauschal ist festzustellen, dass der in unserem Kulturkreis bei einer ehelichen Geburt patrilinear (ansonsten: matrilinear) vererbte Familiennamen üblicherweise auch an die Kinder weiter gegeben wird. Eine Ausnahme könnte sein, dass man seinem Sprössling aufgrund eines als möglicherweise zum Hänseln Anstoß gebenden Namens jugendlichen Unbill ersparen will. Ich entsinne mich beispielsweise eines Kollegen bei der Militärmusik, welcher zeit seiner Jugend immer wieder hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand in gröbster (und tiefster) Umgangssprache Futburli gerufen wurde, der dann seinen (hochsprachlich!) an das weibliche Genital erinnernden ersten Namensteil amtlich retuschieren ließ; allerdings erst in einem Alter, in dem es ihn, mittlerweile erwachsen und also gestärkt, eigentlich nicht mehr kratzen hätte müssen. Es wäre also möglicherweise weiser gewesen, bereits das Kind vor der Einschulung umnennen zu lassen.
Wir erinnern uns auch an einen sehr begabten Politiker, der sich, wohl nach einem Damaskus-Erlebnis, von Hojac (quasi: Saulus) zu Westenthaler (Paulus) wandelte.

Morgen: Der Vorname



polyglott /2 Freitag, 10. 3. 2006, 0:00

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.
Bevor ich das tun kann, ist auf einen spontan eingesprungenen Beispringer in der sog. Kärntner Ortstafelfrage zu verweisen, welcher nicht anders als als eine regelrechte Brezn zu bezeichnen ist, und schon am nächsten Tag ließ der aus dem schönen Rosental stammende Anliegenvertreter verlauten, dass er missinterpretiert worden sei, als er seinem höchstrichterlich gerügten Parteichef japsend beisprang.
Diese armen Politiker, immer werden sie falsch verstanden, wirklich wahr; weil an der unzweifeligen rhetorischen Eloquenz kann es ja nicht liegen, dass sie sich immer so mehrdeutig ausdrücken müssen.
Zur Illustration ein reichlich abstraktes Beispiel des Ablaufes einer umfassenden und in diffamierender Absicht verbreiteten Fehlinterpretation in drei Schritten:
1) A behauptet, 1+1 sei 2.
2) Berichtet wird, A habe behauptet, 1+1 sei 2.
3) A beklagt, wieder einmal falsch verstanden worden zu sein; natürlich habe er, was auch seiner Überzeugung entspreche, gemeint, 1+1 sei sicher nicht 2, und das wisse doch ein jeder, der nicht böswillig falsche Behauptungen über ihn, A, und seine Meinung aufstellen wolle.

Morgen: Was uns ein Name verraten kann.



polyglott /1 Donnerstag, 9. 3. 2006, 0:00

Bleiben wir noch kurz im Sozial, genau: im Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, wie es sich so schön nennt. Dort gibt es nämlich zwei Chefs, eine Chefin und einen Chef, und damit es nicht zu zuviel Vielfalt durch allzufreie Meinungsentwicklung kommt, sind praktischerweise beide Chefs von den Orangen, dieser zukunftsträchtigsten aller österreichischen Parteien.
Beide Protagonisten präsentieren sich in sympathistischen Portraits, und besonders interessant erscheint mir der Herr Staatssekretär. Er ist, so heißt es, der direkte Stellvertreter der Bundesministerin und erfüllt ebenso wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben wie Frau Ursula Haubner selbst. Dass er ebenfalls im höchsten Maße die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertritt, versteht sich von selbst.
Mir tauchen dabei Fragen auf.
Frage 1: Was wäre ein indirekter Stellvertreter?
Frage 2: Wer ist dann zuständig, wenn was ist? Immer der/die Andere?
Frage 2a: Wer ist für den gestern hierorts erwähnten Männerbericht zuständig?
Frage 2b: Könnte diese Doppelzuständigkeit auf eine neue Bedeutung des Wortes polyglott verweisen; eine, die aus der Karlmayindianersprache stammen könnte?

(Mehr Aufschlussreiches zum Herrn Staatssekretär morgen)



Der Report zum Tag Mittwoch, 8. 3. 2006, 0:00

Buben und Burschen sind die Männer von morgen.
So beginnt der dieser Tage erstmals vorgelegte Männerbericht der hochlöblichen Sektion V (bei der Gründung unter dem unverzichtbaren Minister Haupt war es noch die wesentlich symbolträchtigere Abteilung 6) im Sozialministerium.
Hauptsachen
Hier auf Englisch eröffnungsredend, Teheran, Jänner 2004 (Photo: B.M.)

Erfreuen wir uns gemeinsam an einem fürderhin legendären Ersten Satz.
Anders gesagt: Na bumm.

Vorfreude besteht außerdem auf das nicht mehr allzu ferne Jahr 2011: Da gibt es den nächsten Männerreport. Und aus Buben werden Burschen und aus Burschen werden Männer geworden sein. (Wenn der Bericht des Jahres 2006 korrekt ist.)



eschern Dienstag, 7. 3. 2006, 0:00

Wenn du von Wien oder von Zürich nach Saint-Brieuc, Heiliges Bröckerl, willst, kommst du an Paris nicht vorbei, da musst du durch. Die umständehalber zu begehenden Umsteigewege zwischen S-Bahn, Metro und schlussendlich bis zum Gleis auf der Gare Montparnasse schlingen sich unterirdisch, als wäre man in einem Gedärm, das praktischerweise mit Treppen ausgestattet wurde. Recht schnell verlässt dich jegliches Orientierungsgefühl und der damit verbundene Mut, du argwöhnst, man hätte dich in eine Escher-Kulisse gelockt, eine gigantische Möbiusschleife. Das finale Lange Marsch entlang der gut zwanzig TGV-Waggons findet, in einem leichten Linksschwung, unglaublicherweise auf einer Ebene statt.
Ich stelle mir vor: Noch einmal davongekommen.



JoJo Montag, 6. 3. 2006, 0:00

»Ach Gott«, dachte er, »was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tag aus, Tag ein auf der Reise. Die geschäftlichen Aufregungen sind viel größer, als im eigentlichen Geschäft zu Hause, und außerdem ist mir noch diese Plage des Reisens auferlegt, die Sorgen um die Zuganschlüsse, das unregelmäßige, schlechte Essen, ein immer wechselnder, nie andauernder, nie herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll das alles holen!«

Danke, lieber Gregor Samsa (wenngleich diese Erkenntnis bei dir leider ein klein wenig zu spät gekommen sein mag), für das einleitende Gaststatement.

Einzelkonzert weit westlich, in der Bretagne, eine Stunde hinter Rennes, das macht zwölfeinhalb Stunden von Tür zu Tür. Und morgen in der Früh wieder retour, ehklar. Stucky nennt solche Gigs (möglicherweise in Anlehnung an einen Film von Stanley Kubrick) das Reinrausspiel.



aus dem Takt Sonntag, 5. 3. 2006, 0:00

Seit nach einer kräftigen Abflussreinigung das Wasser der Badewanne nur mehr kaum halb so lange zum Abfließen benötigte, war sein morgendlicher Körperpflegerhythmus empfindlich gestört.



Spitze /2 Samstag, 4. 3. 2006, 0:00

Stockhorn, Gipfelrestaurant, 2.190m.
Ob das Röschti geschmäckcht habe, fragt die Panoramawirtin den Seilbahnführer.
Tip Top antwortet dieser.
Wie es sich halt für diese Höhenlage gehört.



Spitze /1 Freitag, 3. 3. 2006, 0:00


Stockhorn, am Gipfel (2.190m), hoch über Erlenbach im Simmental, im Berner Oberland.
Heute nicht über dem Nebelmeer, sondern mittendrinnen: Ein unglaubliches Aussichtspotenzial, viel größer noch als bei blauem Himmel, stelle ich mir vor.



Höchstes Glück vs. Katzenmusik Donnerstag, 2. 3. 2006, 0:00

Der Kineser unter uns hat seinen Hack- und Schneidetisch an der tragenden Außenwand montiert. Die Schallübertragung in den zweiten Stock funktioniert perfekt.
Aber: So viel Besuch haben die doch nicht, dass sie so viel schneiden und hacken müssen.
Ich überlege mir bereits, ob Kahixin, welches angeblich Glücksgefühl heißt, soviel bedeutet wie Klopfzeichen: In mühevoller Heimarbeit werden von blauschwarzhaarfarbigen Arbeitssklaven die Gussformvorlagen für sämtliche Buddhastatuen zumindest für die Region Ostmitteleuropa aus festem Stein gemetzt; nicht zuletzt das -hix- ist ausreichendes Indiz für die Richtigkeit meines schrecklichen Verdachts.
Ich gehe jetzt nachschauen.

(Dieser Text wurde erstmals am 30. Mai 2004 veröffentlicht; umständehalber – Umstände, auf deren nähere Umstände ich hier nicht eingehen kann – sehe ich mich gezwungen, eine Gegendarstellung anzubringen. Oisdaun:)

Entwarnung. Alles in Ordnung da unten, eigentlich kochen sie eh recht gut (alles ist stets frisch gehackt, das bürgt für Qualität), ja es ist sogar so, dass wir manchmal selbst hinuntergehen, in den Schlapfen, das ist praktisch. Sehr dankbar sind wir auch, dass die chinesische Lüftung an unseren Nasen vorbei geleitet wurde, wirklich wahr.
Und: Man muss sich umgekehrt natürlich auch vorstellen, was für eine Katzenmusik tagtäglich vom zweiten Stock bis hinunter ins Exotenlokal dringt. Fiona kann nämlich schon ganz schön maunzen, vor allem wenn sie rollt. Wir werden auf sie gut aufpassen, das versteht sich von selbst, gerade in diesem Zusammenhang.

Mahlzeit.



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