KHM, akustisch Dienstag, 28. 2. 2006, 0:00

Man sollte zusätzlich zu den so beliebten und informativen Audio-Guides im Kunsthistorischen Museum auch Ohrstöpsel verteilen: Das Fischgrätparkett knarzt derart, dass man seine eigenen Gedanken nicht fertig formulieren kann.
Ich stelle mir vor, hier 4’33″ von John Cage aufzuführen. Da bräuchte keiner mehr zu husten.



Portrait /2 Montag, 27. 2. 2006, 0:00

Dieses späte Goyaportrait Schuberts, es hinge, naturgemäß, unter keinen Umständen im Kunsthistorischen Museum, soviel wären wir dem auch schon Alten Meister Bernhard schuldig, es wäre das mindeste.
Obernathal
© Ruprecht Hattinger, Andromeda (Danke!)

(Vielleicht sollte man da nachschauen.)



Portrait /1 Sonntag, 26. 2. 2006, 0:00

Trotzdem es Goya 1828 nicht bis in die Firmiansgasse (nachmalig: Kettenbrückengasse) geschafft hat (er verstarb schon am 16. April in Bordeaux, und es ist nichts über Reisepläne nach Wien bekannt), trotzdem sie sich ganz sicher nie getroffen haben, verwundert es, dass es kein Schubert-Portrait aus seiner Hand gibt.
Es hätte uns viel Überlieferungskitsch erspart.



würzig /4 Samstag, 25. 2. 2006, 0:00

Gegen 18 Uhr erreichte die Spannung dann ihren Höhepunkt: Vorsichtig wurde die Kiste geöffnet. Und darin lag, fachgerecht nach allen Regeln der Kunst verpackt, die verschwundene Saliera.
So steht es im Kurier, und bis zu sechs Journalisten haben an diesen Sätzen gefeilt.
Es ergibt sich eine Fragenkette:
Nach welchen Regeln welcher Kunst kann man etwas Verschwundenes verpacken?
(Es ist jedenfalls anzunehmen, dass man sich daür der so praktischen Luftpolsterfolie bediente.)



würzig /3 Freitag, 24. 2. 2006, 0:00

Zusatzfrage (100 Punkte): Das berühmteste und wertvollste Maggiflascherl der Republik, wo befindet sich das? Und was kostet es?



würzig /2 Donnerstag, 23. 2. 2006, 0:00

(Es hat ja auch eine Zeitl gedauert, bis es wieder da war; also darf ich auch mit leichter Verzögerung meinen Senf dazu geben…)

Das berühmteste und wertvollste Salzfass der Republik (©Kurier) ist wieder aufgetaucht, d.h. es wurde aus winterlich hartgefrornem Boden ausgegraben.

Leider wurde uns nicht berichtet, wo sich die in dieser Rangliste nachgereihten Menaaschn befinden und was sie wert sind. Haben die auch dreizackige Zahnstocher?, frage ich mich, stelle ich mir vor.



würzig /1 Mittwoch, 22. 2. 2006, 0:00

Ein wachsende Anzahl halböffentlicher Toiletten (wie man sie etwa in Kaffeehäusern vorfindet) definiert ihr olfaktorisches Erscheinungsbild in aparten Duftnoten. Gegenwärtig scheint (nicht nur im frühstücklich geschätzten Eiles Pfirsich/Pesca sehr beliebt zu sein.
Analog und in heftigster Opposition dazu stelle ich mir Feuchtpapier der Geschmacksrichtung Chilli/Chili vor.



Winterfrösche Dienstag, 21. 2. 2006, 0:00

Lichtmess war es hell und klar, das bedeutet, dass das warme Wetter, das einem das Schlafzimmerfenster zu kippen erlaubt, einem Trugvorfühling angehört. Gegen Morgen erstmals im Hinterhof schüchternes Finkengepiepse, das in den Hintergrund gedrängt wird, sobald sich die Krähen sammeln. Ich stelle mir vor, dass, bevor sie zur Arbeit nach Transdanubien fliegen, höflich und gesellig, wie sie untereinander sind, alle allen einen guten Morgen wünschen, dazu ein paar kurze Bemerkungen übers Wetter austauschen und darüber, dass es nach einem mehr oder weniger erholsamen Wochenende nun wieder ans werktägliche Geschäft gehe. Wenn das nur (und es sind sicher mehr) fünfzig Krähen sind, die sich einander versichern, sind das gleichzeitig zweitausendvierhundertfünfzig Einzelfloskeln, während, sagen wir, etwa zwanzig Minuten.
Das ist kein Krähen mehr, es ähnelt eher einem Quaken. Die schwarzen Vögel sind die Frösche des Winters, so ist es ganz bestimmt. Spätestens Mitte März werden sie ablaichen. Umgeschult, in Zeiten der Geflügelpest.

Ganz schön gerissen, diese Viecher.



Hotelleiden /2 Montag, 20. 2. 2006, 0:00

Das Frühstückszimmer wirkt wie ein Aufwachraum, alles schweigt, nicht einmal Säuselmusik. Fast möchte man fragen, wer denn bitte der Letzte war.
Oder nein, das ist kein Spital. Mir fällt auf, dass alle Patienten in Fahrtrichtung frühstücken. Möglichst unbemerkt schaue ich unter den Tisch, ob bei den Sesseln Fesseln vorgesehen sind oder Ruderholme hereinragen.
Rechtzeitig bevor der den Takt angebende Trommler kommt, flüchte ich von der Galeere.



Hotelleiden /1 Sonntag, 19. 2. 2006, 0:00

München, Kulissenstadt. Das Hotel, in dem man uns untergebracht hat, scheint die Sterne einzig aufgrund der Anzahl der Stockwerke erschummelt zu haben. Passiv-muffiger Empfang, zuerst ein Besenkammerl, dann, nach Reklamation, ein, doch, ein Zimmer, in dem offenbar seit dem letzten Umbau (wurde dieses Haus je umgebaut?) für alle Gäste Rauchpflicht bestanden haben muss, man wurde nachts telefonisch alle zwei Stunden zur Pflichtzigarette aufgeweckt, stelle ich mir vor, und das Zimmerpersonal ist angehalten, die dafür eigens in der Rauchstube (wo auch die erkaltete Asche samt Tschickstummeln aus sämtlichen hauseigenen Aschenbechern für die Dauer von mindestens sechs Wochen aufbewahrt wird) lagernde Wäsche, vor allem Kopfpolster, zum Überziehen des Bettes zu verwenden. Ein mutiger Durchschlafenwoller muss wohl vor kurzem das Telefon manipuliert zu haben. Aber ich hätte den Weckanruf um 7.00 Uhr ohnehin nicht gebraucht, wie üblich erwache ich fünf Minuten vorher, will den Portier informieren, dass er nicht mehr anrufen muss (damit es nicht klingelt, wenn ich gerade unter der Dusche stehe) und stelle dabei fest, dass die Leitung tot ist.
Einzig die Intensität des kalten Wasserstrahls wäre vortrefflich. Wenn er davor auch thermisch regulierbar und also warm gewesen wäre.



non stop Samstag, 18. 2. 2006, 0:00

Graz Hauptbahnhof. Hier fährt kein Zug durch, ohne dass er vorher angehalten hätte.
Mein Blick schweift von meinen Zimmer im vierten Stock des österreichisch-europäisch-halbjahresadäquaten Austria Trend Hotels Europa über das Bahnhofsareal: Ganz links das hotel daniel, welches, man kann sagen, jahrzehntelang in sämtlichen in sämtlichen (auch jenen, die Graz weitestmöglich verfehlten) IC-Zügen der ÖBB aufliegenden Faltblättern Ihr Zugbegleiter mit den Worten Modernes Hotel, zentral am Hauptbahnhof gelegen. 100% Ruhe durch Lärmstopfenster (so ein schönes Wort, wirklich wahr!) beworben wurde, bis ganz rechts, zum einem apokalyptischen Schlachtschiff gleichenden Hotel ibis. Dazwischen der eigentliche Bahnhof, und im linken Trakt das Porno-Kino, es ist eines der letzten, handelt es sich doch um eine aussterbende Spezies. Warum es aber ausgerechnet Non Stop heißen muss, will mir nicht recht in den Sinn.
Den Darstellern beider Geschlechter in den hier einem sehr interessierten Publikum vorgeführten läufigen Bildern wünschte ich nämlich schon auch eine Pause zum Auskeuchen, stelle ich mir vor.
Und den Herren Zuschauern auch.



viril Freitag, 17. 2. 2006, 0:00

Jännervollmond in Portogruaro, einst für drei Jahre rhetorische Wirkstätte Lorenzo da Pontes, Trattoria Tre Scalini, Hinterzimmer: Außer mir gibt es noch zwei Kahlköpfe, es geht ganz schön maskulin zu heute Abend, wirklich wahr, und einer erinnert frappant an Captain Picard, er ist jedenfalls bereits ein Silberrücken und kann also ganz sicher ein Raumschiff umsichtig und entscheidungsstark befehligen. Beim Kauen wird seine Gesichtsmuskulatur bis über die Schläfen hinaus aktiviert.
Bei mir schaut das sicher ganz anders aus.



angesehen Donnerstag, 16. 2. 2006, 0:00

Jetzt haben sie, das machen sie turnusmäßig, die angesehensten Berufe herausgefunden: Ganz oben, im Penthouse, räkeln sich nach wie vor die Ärzte mit ihren Krankenschwestern, dicht gefolgt von weiteren Linderung gewährenden Pflegeberufenen. Das Handwerk hat einen Rang gut gemacht, die Lehrer sind, auch nicht unerwartet, noch weiter abgerutscht. Politiker finden sich sowieso und wie eh und je im Souterrain.
Ganz unten aber, in den Kellergeschoßen, schaut es (in aufsteigender Reihenfolge) so aus: Prostituierte, Immobilienmakler, Schauspieler und Künstler.
Ich bin ja Musiker und schreibe täglich dieses unbedeutende Diarium. Das ist doch keine Kunst.



Wettermacher Mittwoch, 15. 2. 2006, 0:00

Wenn ich einmal nicht vergesse, auf eine Reise meine Sonnenbrillen zu Hause nicht zu vergessen, ist bereits die wichtigste Bedingung dafür erfüllt, dass sie auf dieser Reise ganz sicher nicht gebraucht werden.
Leider gelingt mir das Wettermachen in die sonnige Richtung noch nicht so.
Ich übe noch.



verständlich /4 Dienstag, 14. 2. 2006, 0:00

(Weil es gerade dazu passt.)
Sehr verständlich äußerte sich einstens der somit sein Briefing perfekt umsetzende Herr Ingenieur Bürgermeister meiner schönen Heimatstadt Steyr, als er die im Gemeindegebiet zur Betreuung angesiedelten nordkaukasischen Flüchtlinge als Liebe Schoschonen begrüßte.
Wir erinnern uns des Buches, das Herr Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll dereinst gelesen zu haben bekannte. Und gedenken der Eloquenz des Amerikanischen Herrn Präsidenten, wie er unlängst den Turm des Buches in einen der in L.A. offenbar doch nicht gar so existenten Freiheit verwandelte. Auch er ein Belesener, ein veritabler man of lettuce.



verständlich /3 Montag, 13. 2. 2006, 0:00

Eine Präzisierung, wie man sich das Münchner Bediendeutsch, MBD vorzustellen hat, sie noch angefügt: In einem Indianerfilm bairischer Filmproduktionsprovenienz etwa grüßte man sich mit seawus.



verständlich /2 Sonntag, 12. 2. 2006, 0:00

Das Münchner Bediendeutsch, MBD basiert auf einem imaginierten Normbairisch mit fränkischer Verflachung und, was die sprechpraktische Anlage betrifft, einem Hauch Südtiroler Tourismusfachschulhochdeutsch, STTFSHD. Beiden Sprachregionen gemein ist ja, dass der auswärtige Gast (außer natürlich der Österreicher) die lokale Umgangssprache nur schwer bis gar nicht zu verstehen in der Lage ist. Dass man sich da was einfallen lassen musste, ist jedem verständlich.
Und damit hat es sich mit der Verständlichkeit auch schon wieder.



verständlich /1 Samstag, 11. 2. 2006, 0:00

Das Südtiroler Tourismusfachschulhochdeutsch, STTFSHD, (ein jede Silbe gleich_mä_ßig be_to_nen_des Spre_chen, du kommst dir vor als würdest du für einen für blöd genommenen Schwerhörigen gehalten; dazu werden Nichtsüdtirolern ganz sicher nicht geläufige Italismen eingeflochten: Kcha_mi_onn, Se_ma_phor, Ron_dell, …), dieses durch Unverständlichkeit, verursacht durch professionelle, in der Tat aber lebensferne Hypergenauigkeit der Gleichbehandlung aller Gäste dienende Idiom hat ein Geschwisterl in der bairischen Metropole: Das Münchner Bediendeutsch, MBD.
(Mehr dazu morgen.)



Aufschwung Freitag, 10. 2. 2006, 0:00

25. November 2005: Kaum ist in Deutschland die neue Regierung im Amt, schon steigern sie das Bruttosozialprodukt. Zum Beispiel in München, Hotel an der Oper: Ab 7.00 Uhr wird umgebaut, Luft läßt sich auch um den Gefrierpunkt zusammenpressen und damit Hammer und Meißel antreiben. Die weniger rüttel- und geräuschintensiven Pinselarbeiten folgen um 8.00 Uhr. Da sitze ich, voll begeistert, bereits beim Frühstück.
(Es wäre ein Tourneetag zum Ausschlafen gewesen.)



Mutation Donnerstag, 9. 2. 2006, 0:00

Der rechte Daumen des jungen Fräuleins mir gegenüber ist ein wenig verkrüppelt: Platt, nagellos und leicht nach innen gebogen. Aus der undank charakteristischen Tastendruckgeräuschs mürbe machenden Tippfrequenz beim regem SMS-Verkehr schließe ich, dass ihr ihre – so eingesetzt durchaus praktische – Handanomalie ganz willkommen sein dürfte.
Erleichtert steige ich in St. Valentin St. Valentin aus dem Zug.



Halbzeit Mittwoch, 8. 2. 2006, 0:00

21. November. Schnee auch in den Eigenheimgärten der wüstenroten Zersiedelungszone zwischen Wels und Linz. Aus dem Zugfenster schauend schießt es mir durch den Kopf: Die Grillsaison ist gelaufen.
Mittlerweile, so ist zu hoffen, ist wohl, allen äußeren Anzeichen (inkl. Lichtmess hell und kloar) zum Trotz, der Scheitelpunkt der grilllosen Zeit erreicht, wenn nicht sogar überwunden.



bescheiden /4 Dienstag, 7. 2. 2006, 0:00

Muhammad Ali (I’m so bad, I’m so bad, I make medicins sick), der von sich selbst – zweifellos zutreffend – als The Greatest sprach, ist so jemand, der für mich stets eine wahrhaftige Bescheidenheit gelebt hat und noch lebt, ein wirklich demütiger Mensch, humble ist, glaube ich, eine mögliche korrekte Bezeichnung für jemanden, der, sich zwar grußtuerisch gebend, die Bescheidenheit selbst ist.
Umgekehrt, wie gesagt, mag ich’s nicht gar so gern.



bescheiden /3 Montag, 6. 2. 2006, 0:00

Fragt mich so eine mit Euer Wenichkeit anzuredende Kaumperson dann noch, ob ich verfügbar sei, kann es passieren, dass ich böse werde. Ich habe nämlich, soweit ich mich erinnern kann, keinerlei Subordinationsgelübde abgelegt.
Im Übrigen spiele ich natürlich gerne, wenn man mich einlädt, gegen gute Bezahlung und wenn man meinen Namen richtig zu schreiben in der Lage ist.



bescheiden /2 Sonntag, 5. 2. 2006, 0:00

Es dürfte bezeichnend sein, dass Ihro Wenigkeiten mit ihren derart ausgestellten Bescheidenheiten häufig bis ausschließlich in sich christlich gebenden Gesellschaftsbereichen anzutreffen sind.



bescheiden /1 Samstag, 4. 2. 2006, 0:00

Wer sich selbst gering achtet, wird dereinst groß sein.
Das ist zweifellos, kann jedoch nicht kalkulierter Weise funktionieren. Wenn mir jemand von sich unter Vermeidung der Personalpräposition ICH als meine Wenigkeit spricht, spitze ich die Ohren als wäre ich Vulkanier, und es stellen sich mir die Härchen auf den Unterarmen auf (und nicht dort, wo es wohlig wäre, im Nacken).



Taubengott Freitag, 3. 2. 2006, 0:00

Gott sieht alles. – In der Erziehung hat dieser – zweifellos zutreffende – Zeigefingersatz etliche Heranwachsende am (z.B.) Nasenbohren gehindert oder ihnen zumindest, nachher, aber auch, obzwar eingeschränkt durch die akute Erregung, im Augenblicke selbst ein heilsam-schlechtes Gewissen (= unsanftes Ruhekissen) beschert.
Natürlich ist klar, dass Er sowieso alles weiß. Davon, dass der Allmächtige alles höre, so ein Satz jedoch ist nicht geläufig; ich wünsche es Ihm auch nicht. Mir z.B. genügt schon ein Eisenbahnwaggon: Was nämlich die Leut’ so zusammenreden (vornehmlich bzw. ausschließlich am Mobiltelephon), ich sag’s Ihnen. Unser Herrgott (zumindest jener derer, die ihn sich nach ihrem Bild erschaffen haben) hätte sowas von Kopfweh, stelle ich mir vor.
Wenn Er aber eine Frau wäre, Sie wäre eine Taube.
Eine gehörlose Hl. Geistin.



tadellos Donnerstag, 2. 2. 2006, 0:00

Porgy & Bess, NDR-Bigband, Gulda antik.
Der Trompeter und der Posaunist (1965: Freddie Hubbard bzw. Jay Jay Johnson) schlagen sich wacker. Was an ihrem netten, alles in allem harmlosen Spiel besonders ins Auge sticht ist, dass sie, um es in der, wie ich finde, trefflichen Automechanikersprache zu sagen, eine stark verzogene Spur haben: Die Trompete zieht nach links, der Posaunist – fast bei den Mahlzähnen setzt er an – nach rechts. Es wirkt, um ein anderes Bild zu verwenden, als schielten sie, und besonders beim Posaunisten ist die Blickachse arg inkongruent zur Zugachse, das tut beim Zuschauen weh. Besser also: hinhören, denn spielen tun sie formidabel, leider aber insgesamt fad, weil die Musik ist, wie gestern schon angedeutet, aufgewärmter Kaffee.
Sonst aber tadellos, wirklich wahr (wenn das noch was nützen würde).



Missverständnis Mittwoch, 1. 2. 2006, 0:00

Die NDR-Bigband gastiert im Porgy & Bess. Man gibt Musik von Gulda, die er 1965 für sein Eurojazzorchester komponiert hat. Heute klingt es in doppelter Weise museal und erinnert fatal an Jazz at the Philharmonic, schon damals Ausgeburt künstlerischer Missverständnisse, missglückte Synthese, weil Beweismusik, dass klassische Form und Jazzsprache eh zusammen passen, Klassik also nicht verzopft und Jazz eh Kunst sei. Hätten beide Seiten ein gesundes künstlerisches Selbstverständnis, weder Jazz (oder was man dafür halten möge) noch Klassik (was immer das sei), hätten einen derartigen Krampf nötig gehabt.



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