gerecht Dienstag, 31. 1. 2006, 0:00

Akademietheater, Parterregarderobentrakt. Ganz am Ende des Ganges eine weibliche und eine männliche Klotür. Darauf der Zettel Bitte benutzen Sie auch die Toiletten im 1. Stock.
Ich setze mich auf meinen Platz und hoffe auf die Pause.



unsichtbar Montag, 30. 1. 2006, 0:00

17. November 2005. Ich radle meine Krähenroute (fast blau schimmert ihre Schwärze), durch den Türkenschanzpark, heim. Davor, drinnen und danach, bis hinunter zum Hugo Wolf-Park, sehe ich mindestens zehn Menschen (alle männlich; ich habe dann, mutlos, aufgegeben und dringend versucht, nur ja bitte schnell nach Hause zu kommen), die stehen einfach nur so herum, hohlkreuzig und mit, das ist ein freundlicher Hilfsausdruck, leerem Blick.
Als hätten sie einen Hund an der Leine, der gerade in die Wiese oder auf den Gehsteig scheißt und versuchten, sich so passiv wie möglich gebend, sich unsichtbar zu machen, stelle ich mir vor. Es scheint zu wirken.
Nur bei mir leider nicht.



KometenMütter 2006 Sonntag, 29. 1. 2006, 12:00

Liebe MBA,

ich veröffentliche mein (Un)periodikum nicht am musikhistorisch allzu aufgeladenen Freitag, sondern habe mir erlaubt, ein bisschen zuzuwarten, naja, ansich wollte ich diesen MütterBrief bereits letzten Montag loswerden, aber, wassollichsagen, es ist halt garsoviel losgewesen, und noch mehr wird passieren, wie es ausschaut.).

Wir schalten ins Paddlerparadies Steyr, Ende Jänner, exakt ein Vierteljahrtausend nach der Erscheinung des Kometen, und der, das weiß man in der Christkindlstadt, verfügt über einen Schweif aus purem Eiskristall (für mich als Kind hat man das -christall geschrieben), Obacht! heißt es, vor allem auf der zähflüssigen Enns, wenn du nämlich paddeln willst, pass auf, denk an den April 1912 und diesen den titanischen Schiffsverkehr umsonst warnenden Funkspruch, leicht abgewandelt geht der Vorsicht, treibende Eisschollen! – Zur selben Zeit ist das Schuberthaus, Stadtplatz 16, neu zu vermieten, dem dm ist es nämlich zu klein geworden.

Tags darauf…
Elfi Marinellei presents: The Legendary Original Gardenschlauch Jazzband
Elfi Marinelli (9.v.l.) presents …

… haben es acht Exjugendliche geschafft, schließlich doch noch ins regionale Epizentrum der Jugendkultur vorzudringen …

Gardenschlauch 1983
(was damals, Anfang der Achtziger, nicht und nicht gelingen wollte)

… und in streng konservativer, fast möchte ich sagen: Altherren- und also Dixielandweise das durchunddurch rückwärtsgewandte und desto bejubeltere, alle zehn Jahre abzuhaltende The Legendary Original Gardenschlauch Jazzband Reanimation Concert vor einem durchaus enthusiasmierten, aus allen demographischen und alterspyramidalen Schichten bestehenden Publikum zu begehen.

Gardenschlauch baba
Über die Anzahl der Jahre, die bis zum Recycle Concert vergehen soll, scheint noch eine gewisse Uneinigkeit zu bestehen. Mein Tipp: 1. Halten Sie sich an denn Herrn mit der grünen Krawatte. – 2. Karten sichern.

Aber, was vorbei ist, ist vorbei, es liegt, und so ist es auch gut so, wie letzthin schon gesagt, verbraucht und wesenlos da, nachzulesen und -schauen genau, wenn Sie da herklikken. Wenn Sie aber Exekutivorgan einer jahresberichtverlangthabenen, öffentliche Subventionen vergeben habenden Stelle sind, können Sie Alles aber sowas von nachprüfen hier, bittesschneu (um es wieder einmal mit dem Hl. Ernst zu sagen)!

Vorwärts, nicht zu weit, einen Tag vor die Lichtmess, genau genommen in die Vorlichtmessdunkelheit, nämlich Mittwoch, den Abend des 1. Februar, um 19.30 werden in der Sammlung Essl, Klosterneuburg, Farben aufkommen, farbige Schatten, die mein die Posaune Spielen im Licht Victoria Coelns ebenso flüchtig wie die Musik in der Luft über die Wände huschen lassen, chroma, das ist ein Sog, dem Sie sich nicht entziehen sollten.

chroma
Ich darf Ihnen empfehlen, zur näheren Information die Vorschau auf meiner Homepage aufzusuchen, und da finden Sie auch, wie Sie das gewohnt sind, meine nächsten Aktivitäten dauunddort, zum Lesen, Hingehen, Nachfahren; Überprüfen können Sie, wie gesagt, bei der Rückschau, weil: überprüfen kann man nur das Vergangene (gewählt wird für die Zukunft, so einfach ist das).

Zum Abschluss noch ein Vorschlag, ein Guter Rat und, finalmente, der Optimistische Blick in die Zukunft.

Vorschlag: Damit uns in den nun dräuenden Verfahren keine weiteren Bilder weggenommen werden können, empfehle ich, Robert Seeger als unseren Anwalt zu engagieren; die Art und Weise, wie darüber nämlich daunddort berichtet wird, erinnert in ihrer Unparteiischheit und, wenn es das Schicksal wieder einmal nicht gut mit uns meint, Patzigkeitslosigkeit und Wehleidigkeitslosigkeit an selbige, im Augenblick veröffentlichten und uns also Sprachrohr gebenden Tugenden dieses Herrn im Norwegerpullover bei internationalen Schirennen.

Der Gute Rat: Wenn er sich bei ihm ehrlich entschuldigt hätte für die Hetz damals, im 38er-Jahr, hätte er nicht sagen müssen Jetzt ist er bös, der Tennenbaum.
Anzunehmen ist allerdings, dass es ihm so eh lieber war. Wer bliebe sonst als das bedauernswerte Opfer übrig? Und vom Herrn Karl zur Frau Elisabeth ist nun einmal in puncto Larmoyanz reschpecktive Durchblick alles andere als Entwicklung festzustellen.
Österreich, was wärest du ohne deine herrliche Tradition, zumal in Zeiten wie diesen!

Wer aber herrscht mittlerweile in Österreich? – Freude und Erleichterung, wir dürfen uns eine Prise Salz genehmigen. Und mit Salz hat ja aller Reichtum angefangen, Österreich, jetzt atmest du auf; besser wäre: durch.

Jetzt aber ab in den Fasching!

Bertl Mütter, ca. 1985
Bertl Mütter (unverkleidet, etwa 1985)

P.S.: Von meiner Weihnachtsaktion zugunsten der Allianz für Kinder (vorm. Friedensdorf International) darf ich berichten, dass ich in Einlösung meines allzu leichtsinnig gemachten Verdopplungsversprechens das Zehnfache meiner monatlichen Spende überweisen musste.
Gut so. Und: Danke. Vor allem aber: Weiter so.



beflaggt /2 , 0:00

Gäbe es in der Himmelpfortgasse 8 (dem ehemaligen Stadtpalais des Prinzen Eugen von Savoyen; gegenwärtig – und nicht mehr lange – Sitz eines nicht kryptohomosexuellen, um nichts weniger society-bizarren prinzenhaften Parvenus aus dem Süden mit funkelnd-materieller Verankerung im Westen) einen Fahnenmasten, welche Flagge müsste dort aufgezogen werden?, stelle ich mir lieber nicht vor.



beflaggt /1 Samstag, 28. 1. 2006, 0:00

15. November 2005. Vor der Nationalbank weht, auf Halbmast, eine Trauerfahne. Heute machen sie Schwarzgeld, stelle ich mir vor.
Zumindest zur Hälfte.



Abteilung Freitag, 27. 1. 2006, 0:00

Rohrohrzucker
Gibts jetzt beim Billa, Billiger Laden.

Ja! natürlich interessiert mich, wie man Rohrohrzucker richtig betont. Und, erst recht, abteilt.
(OK, – zucker teilt man in zuk- und -ker*)

*Nein, hat man, bis zur segenbringenden Rechtschreibreform, wurde ich eben aufgeklärt. (Nachtrag vom 29.1.2006)



Borschtsch Donnerstag, 26. 1. 2006, 0:00

Lendenelend. tetesept® Muskel+Gelenk Meeressalz hilft bei der Lockerung und Entspannung von Muskeln und Gelenken. Die rote Badesäure verschafft tatsächlich die versprochene Linderung. Trotzdem werde ich den Gedanken nicht los, in Borschtsch zu schmoren.
Unlängst, als ich einen Tag in Moskau war, habe ich keine Suppe bekommen. Und nicht einmal einen Wodka getrunken.
Oder eingerieben.



Brrr Mittwoch, 25. 1. 2006, 0:00

Jännerkälte. Im Atelier ist der kleine Heizlüfter für die ganz strengen Tage eingegangen. Ein neuer ist schnell gekauft. Beim Warten auf den Bus nach Hause (wenn es kalt ist, kommt er immer fünf Minuten später), stelle ich mir vor, dass meine leichte Fracht gerade eben aber sowas von nutzlos ist.
Sinnlos.
Zwecklos.
Brrr.



Synergie Dienstag, 24. 1. 2006, 0:00

Wien, Mariahilfer Straße 117, unweit des Gürtels. Direkt neben Beate Uhse ist jetzt das Österreichische Verkehrsbüro eingezogen.
Unter der gemeinsamen Hausnummer arbeitet man sich in trauter Nachbarschaft zu, stelle ich mir vor.



Buffet Montag, 23. 1. 2006, 0:00

Großer Neujahrscocktail bei einem international führenden Technologie- und Elektronikgroßkonzern. Als Eröffnung muss, nebst einer angeblich aus tv media populären, charismafreien Moderatorin, auch der erste Teil einer Tanzshow durchgestanden werden, der man ansieht, dass sie von einem wie in allem auch in diesen Dingen hochkompetenten Führungsteam (an der Spitze: der schweizstämmige Österreich-Chef) nach etlichen, reiflich überlegten Gesichtspunkten schlussendlich einstimmig beschlossen wurde; später dann, Richtung gemütlicher Teil wird es, wie es sein muss, noch lockerer. Einstweilen kreisen, Haifischen gleich, die durch ihr zu dieser Veranstaltung als gleichermaßen sehr wichtig ausgewiesenen Männer um das noch nicht freigegebene Buffet.
Keiner aber hat einen besseren Startplatz als ich beim Schreiben dieser Zeilen.



Etüde Sonntag, 22. 1. 2006, 0:00

Ich stelle mir vor, dass, im Sinne einer therapeutischen Übung (um etwas los zu werden, übertreibe es maßlos, damit du es isolieren kannst), ein, sagen wir: Streichquartett im Carré sitzt, oder besser: steht, und sie halten, kreuzweise, mit fest zusammengebissenen Zähnen eine Hanfschnur mit Aufbeißnubbel im Mund. Das Seil zum Gegenüber muss aber wirklich fest spannen, wie bei den Hühnern der bedauernswerten Witwe Bolte, bevor und während jedes noch schnell ein Ei legt.

Danach erst spielt Mozart, K 421, in d-moll.



Zu-ga-be! Samstag, 21. 1. 2006, 0:00

Fritz Kreislers Salonstück Schön Rosmarin gilt als wienerisch. Warum steht als Vortragsbezeichnung dann grazioso drüber?



Pedal Freitag, 20. 1. 2006, 0:00

Die Pianistin überschätzt die doch beträchtlich geminderte Hebelwirkung mit ihren Bleistiftabsätzen.
Ich stelle sie mir an der Kirchenorgel vor.



Berufsekzem Donnerstag, 19. 1. 2006, 0:00

Ein Geiger oder Bratschist ohne Wetzstelle am Goderl übt zu wenig.
(Wo haben die CellistInnen das Ihre?)
Ich wünsche, sie hätten zu wenig geübt. Und dafür gespielt.
Es hätte auch schöner ausgeschaut.



heilig Mittwoch, 18. 1. 2006, 0:00

Orchestermusiker müssen zuverlässig und pünktlich zu spielen in der Lage sein. Für die Inspiration gibt es ja den Dirigenten.
Genaus so ist diese Musikgattung nämlich nicht enstanden. Schwirren muss es, wuseln, oder, wie Morgenstern seinen Galgenliedern als Motto voranstellt:

Laß die Moleküle rasen,
was sie auch zusammenknobeln!
Laß das Tüfteln, laß das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen.

Wenn du dir aber dienstbeflissen deine Identität auswacheln hast lassen, mach uns bitte einen Gefallen: Spiel keine Kammermusik. Danke. Und keinen Mozart. Bitte.



Heizkörper Dienstag, 17. 1. 2006, 0:00

Hausmusikabend bei Freunden in einem Wienerwaldrandbezirk, es ist der Vorabend des Nationalfeiertages. Klavier und Cello sind weiblich, die Violine und Bratsche männlich besetzt, und ebenso paritätisch das freundlich-bürgerliche Publikum.
In der Pause lüftet man, damit die betuliche Katatonie des uninspiriert durchgesabelten Mozart-Divertimentos den Raum verlasse. Es nützt nicht viel, Haydn und (mehr noch) Beethoven verzeihen aber mehr; recht schnell sorgen zumindest jene Heizkörper auf den barockisierten Sesseln wieder für ordentlichen Dampf im Salon.



Moskau / aktiv Montag, 16. 1. 2006, 0:00

Am Moskauer Aerodrom gibt es für den Passagier immer etwas aufregendes zu tun: warten. Aber es ist nichT einfach ein gewöhnliches Warten, nein, es ist ein feinst strukturierter Ablauf verschiedener Warteakte. Die Summe des Wartens nennt sich Abflug.
Warten (1) Eintritt ins Flughafengebäude, security check. W(2) security check (mit Pickerl beim Eintritt zur Anstellzone für W(3), Anstellen zum Check-In. Unmittelbar darauf erfolgt W(4), Anstellen zur Passkontrolle, W(5), Warten bis der steingesichtige Grenzbeamte alle Zettel- und Computerdaten verglichen hat, um einem völlig unvermittelt einen Stempel in den Pass zu knallen, W(6) security check zum Eintritt in die Boardingzone und W(7), Warten aufs Einsteigen in den Flieger.
Der Flug selbst ist auf die Minute pünktlich. Und im Gegensatz zu den Warteprozessen (1)-(7) mit einem Sitzplatz verbunden. Wir haben zudem Glück, d.h. im Flugzeug reichlich Platz. Als wollten sie uns für Belgrad – Moskau entschädigen.



Moskau / American Style /2 Sonntag, 15. 1. 2006, 0:00

Unser Flug nach Düsseldorf geht um 12.20 Uhr. Wir sind, Viktorseidank (er meint, man könne nie wissen), trotz Sonntagmorgen und also, wie berichtet, im Tiefflug mit 120 km/h von Zentrum bis zum Aerodrom gerast, bereits um 9.00 Uhr am Flughafen, viel zu früh, noch nicht einmal das Check-In-Gate ist bekannt, früher als früh also.
So hat derjenige von uns, der als erster ausspricht, was sich alle denken (Ikh vastehe ubahaupt nigcht, warum wir so fruh hia sein mussn?!) noch ausreichend Zeit, seinen Reisepass vom Hotel nachkommen zu lassen, der soll samt seinem Inhaber auch dabei sein bei der Ausreise; und es ist sich ausgegangen. Uff!



Moskau / Maximundus /2 Samstag, 14. 1. 2006, 0:00

Wenn man an einem Sonntagmorgen eine halbe Stunde mit 120 km/h dahinbraust (jaja, der brave Viktor!), ist selbst Moskau aus. Knapp bevor die Birken die Rolle der Häuserblocks übernehmen (landes- und also knapp ein Drittel der Welt weit) gibt es, nicht zu vergessen, noch schnell den

Ikea Moskau

(Und so schreibt sich das auf Arabisch:)
Ikea Dubai



Moskau / Marionetten Freitag, 13. 1. 2006, 0:00

Die Wohnblocks hier sind mit einander verkabelt, von ihren Dächern aus sind sie mit Drähten verbunden. Häusermarionetten, jederzeit bereit zum Tanzen, wenn ihr Puppenmeister kommt, stelle ich mir vor.



Moskau / Marzipan Donnerstag, 12. 1. 2006, 0:00

Moskau. Die Basilius-Kathedrale am Roten Platz ist aus rotem, orthodoxen Marzipan, und die Turbane auf den Türmchen bestehen aus bunter Windbäckerei, wirklich wahr, ich habe es selbst gesehen!
Kosten habe ich mich aber nicht getraut.



Moskau / Maximundus /1 Mittwoch, 11. 1. 2006, 0:00

Moskau, unterwegs zurück zum Flughafen. Alles hier scheint vergrößert. Mindestens im Maßstab 3:1, die Häuserblocks mit achtzehn statt sechs Stockwerken, die Anzahl der Fahrbahnspuren, die Weite des Blicks. Nur der Rote Platz mit der Basilius-Kathedrale und erst recht das Lenin-Mausoleum wirken kleiner, als ich es mir vom Fernsehen her vorgestellt habe; lediglich 1:1 halt.



Moskau / Eurovison Dienstag, 10. 1. 2006, 0:00

Moskau, Hotel Ukraine, gegen Mitternacht. Im Fernsehen läuft eine Gala zu fünfzig Jahren Songcontest. Ausgewählte Sieger von damals dürfen (oder müssen) sich noch einmal feiern lassen. Meine persönlichen Favoriten sind Brotherhood of Men, die ja im fernen Jahr 1976 mit der undankbaren Startnummer 1 (Franz Klammer hatte ein paar Wochen vorher die die Spannung maximierende 15 auf seinem gelben Abfahrtsanzug) bei der von Telefonsprechern in den Teilnehmerländern verkündeten Wertungsrunde tatsächlich am öftesten das von mir damals nicht einmal annähernd verstandene Royaume Uni – douze points hören durften.
Dazu kommt, dass die mittlerweile natürlich durchaus überwuzelten Gutelaunerbringer vor der Projektion des historischen Originalvideos aufzutreten haben. Alle Achtung, die machen das augenzwinkernd und also selbstmitleidlos, sehr sympathisch ist das.
Waterloo und Robinson (im selben Jahr mit ihrer kleinen Welt fünfte) haben sie zur Gala nicht eingeladen. Aber ich hätte sie in dieser Nacht im Hotel Ukraine eh lieber nicht sehen wollen, gefurchten hätte mir (um es oberösterreichisch zu sagen).



Moskau / American Style /1 Montag, 9. 1. 2006, 0:00

Das Waschbecken auf der Toilette des dom kulturni centar trägt den Schriftzug American Style. Als ob die das nötig hätten: So kurz wir uns in Russland aufhalten mögen, der uns dargebotene Ausschnitt vermittelt, dass dies alles andere als ein upgrade wäre, wenn sie auch in diesem Land, wie es scheint, auf dem besten Weg zu diesem so genannten Stil sind. Unbedingt nachvollziehbar ist jedenfalls, dass nicht wenige Menschen nach dieser Stadt, diesem Lebensstil eine regelrechte Sucht ausbilden.



Moskau / in Fahrt Sonntag, 8. 1. 2006, 0:00

Samstag, 22. Oktober 2005, 18.00 Uhr. Moskau, endlich. Nach den eineinhalbstündigen Gepäckreklamationen (bei der Aeroflot müssen sie eigens Personal angestellt haben, das die Koffer derart zuzurichten in der Lage ist, wie Jons Tubaschachtel auf dem Förderband dahergekommen ist) erreichen wir den Club, in dem wir gleich schon spielen sollen. Unser Fahrer hat eine Narbe auf der linken Wange, die er sich wohl früher, als er (ehrlich!) für den KGB gearbeitet hat, verdient haben muss; es erklärt auch seinen Fahrstil. Im dom kulturni centar erzählen sie uns, dass sich unlängst ein japanischer Musiker bei einer ähnlich rasanten Fahrt zum Flughafen (wohl in japanischer Angst) regelrecht ange… (bei Japanern ist stets die bizarrere Option die wahrscheinlichere) hat. Wir sind also nicht falsch gelegen, ihn um besonneneres Fahren zu bitten; da Viktor nur Russisch spricht, fühlt er sich von unserem engagiert vorgetragenen Anliegen jedoch leider angespornt und legt noch einen Zahn zu. Wir kommen, obschon gebrochen, äußerlich heil im Club an, gleich neben dem Roten Platz.
Rote Ampel am Roten Platz
Sinnigerweise ist dort auch die Ampel zum ersten Mal nicht grün gewesen.



endlich Mozart Samstag, 7. 1. 2006, 0:00

1. Jänner 2006. Seit Monaten (oder sind es die Jahre seit 1991?) werden wir eingestimmt, eingeschworen, jetzt ist es passiert: das Mozartjahr ist ausgebrochen, allüberall Wolfgang Amadé, in Büchern, Filmen, Radiosendungen, Zeitungsartikeln, und selbstverständlich setzen sich alle irgendwie ganz anders damit auseinander, am liebsten nicht mit Mozart oder gar seiner Musik, sondern mit dem Mozartjahr selbst. Den kritischen Informationen ist kaum zu entkommen, wir werden gebildet, so etwas hat die Welt noch nicht gesehen.
Als ob man uns gegen Ende des Jahres einer Prüfung unterziehen würde. Praktischerweise sollte man dieses Examen mit den anstehenden Wahlen zusammen legen, stelle ich mir vor.
Und wer sich verwählt, wiederholt.



Christkindl /7 Freitag, 6. 1. 2006, 0:00

Christkindln, wie ich sie hier zu beschreiben versuchte, reagieren, weist man sie auf eben durch andere verrichtete Schutzengeldienste hin, meist so wie die berühmte Jungfrau, die keine Ahnung hat, auf welche Weise sie zu ihrem Kinde gekommen ist.
Heute ist Epiphanie, und die Ostkirche (z.B. in Moskau, wohin wir uns morgen, pardon: übermorgen wieder begeben) feiert die Erscheinung des Herrn. In diesem Sinn: Froe Weihnacht!



Christkindl /6 Donnerstag, 5. 1. 2006, 0:00

ernst jandls weihnachtslied

machet auf den türel
machet auf den türel
dann kann herein das herrel
dann kann herein das herrel
froe weihnacht
froe weihnacht
und ich bin nur ein hund
froe weihnacht
froe weihnacht
und ich bin nur ein hund

… sagt der Heilige Ernst, womit sich auch der Kreis zum Berner Sennenhund geschlossen hätte.



Christkindl /5 Mittwoch, 4. 1. 2006, 0:00

Kirchenjahrsbedingt, beim ersten Aufkeimen des (noch fernen) Frühlings, hört man in einem solchen Zusammenhang den Kosebegriff Palmesel. Nicht ganz sechzig Tage später kommt dann der Pfingstochs zu Ehren.
Womit sich der Kreis zum Käüwi wieder schließt.



Christkindl /4 Dienstag, 3. 1. 2006, 0:00

Die gestern hier geschilderte weihnachtliche Benennung von Käüwin könnte auch ein Hinweis sein, dass auf ihnen ein besonderer Segen laste, brauchen (und beanspruchen) 4411er doch ob ihrer 4411heit meist zusätzlich zu den üblichen himmlischen Heerscharen an Schutzengerln ein weites, von ihnen selbst keinesfalls wahrgenommenes Netz aus irdischem Bodenpersonal, und das sind zuvorderst jene, welche den oben genannten Ausruf, dieses Druckablass gewährende Stoßgebet gen Himmel samt himmlischem Kalb von sich geben.



Christkindl /3 Montag, 2. 1. 2006, 0:00

In Oberösterreich, soviel ist sicher, sagt man angesichts einer einer solchen (vgl. Christkindl /1 bzw. /2) Person typischen täppischen Handlung zu derselben, die Hände zusammenschlagend und den Kopf nichtglaubenkönnend schüttelnd Mei, du bist åba aa a Käüwi! Statt des gebräuchlichen Dialektbegriffs für junges Rind wird gerne auch der zur Sonderpostamtspostleitzahl 4411 gehörige Ortsnamen, Christkindl, gemeint hier in seiner tiefsten Bedeutung, stoßgebetsgleich geseufzt.



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