MaroniMütter 2005 Freitag, 30. 9. 2005, 12:00

Eigentlich wollte ich erst Mitte Oktober schreiben. Aber die Ereignisse überstürzen sich (wie überstürzt sich denn etwas?), zumindest ätherisch. Weil morgen, am 1. Oktober ist bitteschön von 22.05 bis 23.00 im Radio ein Österreich 1 extra von meinen parlando. posaunenplaudereien vom 16. September im Radiokulturhaus. Ich hab’s nur beiläufig beim Durchblättern der Programmzeitschrift gehö1t aufgeschnappt, so ein Glück, dass ich das noch derlesen habe und Ihnen somit sagen kann. Für Außerösterreichische gibt es hier das Webradio. Bevor es mit dem regulären MütterBrief losgeht, noch drei dokumentarische Photos (©Victoria Coeln) von jenem 16. September 2005, die im Radio aus bekannten Gründen nicht übertragen werden können, sie zeigen mich vor (Abb. 1), während (Abb. 2) und nach (Abb. 3) dem Umknöpfeln.
Bertl Mütter im Radiokulturhaus
Abb. 1

Bertl Mütter im Radiokulturhaus
Abb. 2

Bertl Mütter im Radiokulturhaus
Abb. 3 – das schaut doch gleich viel eleganter aus, zudem in voller Breite!

Also noch einmal: den unteren Knopf nicht einmal nicht angreifen! So ist es am sichersten.

Jetzt aber! Liebe MBA,

der Nachsommer, er scheint vorbei (nach welchem Sommer, bitte?), und der Oktober, von Christian Morgensterns weisem Galgenkind mnemotechnisch als Locktauber gespeichert, zieht ins Land. Allüberall wird die Ernte eingebracht, und auch ich denke mit regem Interesse an die Reben daunddort, vor allem aber am Wagram.
Locktauber, das erinnert daran, dass auch politisch geerntet werden will: Die Grüne Steiermark, das Sonnige Burgenland und Meine Goldene Wienerherzstadt kämpfen zur Wahl. Besonders anregend finde ich dabei eine Plakatreihe einer gemeinhin als schwarz bezeichneten wahlwerbenden Gruppe. Sie wirbt mit dem abschließenden Satz: weil in wien rot regiert. Davor, so ist es üblich, steht ein anschaulicher Impulssatz. Am besten gefällt mir der: stundenlang im stau. Ich stelle mir vor, dass der Reporter eines Privatradiosenders, von Radio Wien oder vom Hitradio Ö3 mitten aus dem Geschehen berichtet, wie es sich eben gehört. Der live aufgedrehte Radioagitator stellt sich also, sagen wir, auf die berühmte Südosttangente und befragt herumstehende Autopassanten, warum sie hier stundenlang herumstehen. Die freundlichen Wiener Autofahrer lächeln verklärt ins Mikrophon und sagen in charmantestem Ton Na ja, weil in Wien rot regiert. Ich stelle mir weiters vor, dass ein in meinem Wohnbezirk befindliches Wetterobservatorium (im Nebenberuf Fußballplatz), die Hohe Warte, von so einem Reporter besucht wird und der dortige Universitätsprofessor für Meteorologie und Geodynamik um eine Erklärung für den verregneten Sommer gefragt wird. Auch er wird um eine Antwort nicht verlegen sein.
Was mich betrifft, ich frage mich, was ich denn anziehen soll im Oktober. Weil physisch bin ich ganz schön unterwegs, und wenn es am 20. in Rom oder am 21. in Skopje noch recht warm sein kann, ist es möglicherweise bereits am 22. in Moskau bitterkalt. Ich werde berichten, hier im MütterLog oder beim AllerheiligenMütter.

Herzlich, Bertl Mütter

Meine aktuellen Termine finden Sie wie immer in meiner Terminvorschau. Und was vorbei ist, ist vorbei, und wer zu spät kommt, der hat das Nachsehen.



Yacht /1 , 0:00

Venezia, Riva San Biagio. Hier ankern Yachten, auf denen man überwintern kann. Sie sind so groß, dass man auf ihnen sogar überleben könnte, Personal inklusive.
Weiß gekleidete hübsche junge Männer verrichten schauend den öffentlichen Teil ihrer Arbeit: Sie putzen alles, was schon weiß und blank ist, bis alles schön weiß und blank ist. Zwischendurch schauen sie. Alles schön sorgfältig und langsam. Dabei sprechen sie kein Wort, auch miteinander scheinen sie sich ausschließlich durch höfliche Gesten und wächsern poliertes Blinzeln zu verständigen.



skål Donnerstag, 29. 9. 2005, 0:00

Dänen im Ausland freuen sich, wenn sie einander als Landsleute erkennen.
Dafür aber haben sie auch viel weiter nach (z.B.) Venezia.



maunz Mittwoch, 28. 9. 2005, 0:00

Venezia, Via Garibaldi.
Alles maunzt, je näher bei den Fischständen, umso leidvoll-dränge(l)nder.
Hätte ich einen Kater, ich würde ihn Garibaldi nennen.



biennal /2 Dienstag, 27. 9. 2005, 0:00

Biennale di Venezia, Arsenale.

Kunstarsenal. Rüstkammer für welchen Krieg? (Zeitgemäß wird dieser auf Videoschirmen ausgetragen.)



biennal /1 Montag, 26. 9. 2005, 0:00

Biennale di Venezia, Giardini.
Die Länderpavillons gleich nach dem Eingang links des Weges werden traditioneller Weise zuerst inspiziert: Spanien – Belgien – Holland. Mittendrin steht der bestbesuchte, W.C.; als ob man an einem bedeutenden Kunstwerk mitwirke, einer temporären Installation, staffettenartig weiter zu betreuen.



Indien, Italien oder Österreich Sonntag, 25. 9. 2005, 0:00

Restaurant Bayrischer Hof, es gibt österreichische, italienische und indische Spezialitäten.

Österreichische Gerichte
Hawai Schnitzel
Pariser Schnitzel
Bœuf Stroganoff

Guten Appetit und Spaß beim Genießen unserer Speisen wünscht Ihnen Bhola Nath mit seinem Team.

Indisch war eigentlich eh recht gut.

oder:

Also, wenn Sie nach Salzburg kommen, da muss ich Ihnen aber ein Restaurant empfehlen, ein Geheimtipp, sag’ ich Ihnen!



Australien oder Ecuador /2 Samstag, 24. 9. 2005, 0:00

Wir treffen in Salzburg ein.

Es regnet. Filzwetter.



Australien oder Ecuador/1 Freitag, 23. 9. 2005, 0:00

Lange schon trage ich mein Haar offen und kurz, es war eine pragmatische Entscheidung, denn über kurz oder lang wäre seine Ungleichverteilung auf dem Haupt, ein unausgewogenes Verhältnis zwischen den Regionen Stirn und Hinterkopf, prekär zutage getreten.Völlig unabhängig davon brauche ich seit Jahren gar keine Frisur mehr, ich bin, ausgenommen beim Autofahren, begeisterter Hutträger. Als solcher sind mir April und September besonders heikle Monate, erst recht, wenn ich verreise, speziell gegen Ende September kann es für den sommerlich leichten Panama ganz schön rau hergehen. Und fährst du die Wochenroute Wien – Salzburg – Venezia – Salzburg – Wien, verlangt es dir nicht wenig Intuition ab, die richtige Kopfbedeckung zu wählen. Da ich aber hoffe, dass ich, nähme ich den australischen Kaninchenfilz, an der Adria unmäßig schwitzen müsste, entscheide ich mich für das Geflecht aus Ecuador. Und promeniere, das Adagietto im Innenohr, auf den Spuren Gustav Aschenbachs am Grand Hôtel des Bains den Lido entlang, natürlich mit weißem Schal.
Aschenbach mit dunklem Filz in Venedig, das wäre nämlich schlechterdings unvorstellbar.



meistens /3 Donnerstag, 22. 9. 2005, 0:00

Einmal noch:
Österreichische Jazz-Musiker spielen oft nur selten im eigenen Land.

Auch die aus dem Werbefernsehen bekannte Formulierung

nicht immer, aber immer öfter

ist auch nicht ohne und ließe sich sicherlich gewinnbringend in diese löbliche Kampagne einbringen.

Vor allem im eigenen Land.



meistens /2 Mittwoch, 21. 9. 2005, 0:00

Noch einmal:
Österreichische Jazz-Musiker spielen oft nur selten im eigenen Land.

Der große (und recht schlanke) Karl Valentin (auszusprechen wie Viktring) pflegte eine fehlende Häufigkeit mit dem sprachlichen Dreisprung

selten, oft nie

noch eindringlicher ins Bewusstsein zu rufen.



meistens /1 Dienstag, 20. 9. 2005, 0:00

Ich wiederhole den schönen und zu tiefer Meditation Anlass gebenden Satz

Österreichische Jazz-Musiker spielen oft nur selten im eigenen Land.

Der von mir überaus geschätzte Radioredakteur (er ist weitaus mehr!) Giselher Smekal dichtete diesen an Ebenmaß so reichen Spruch, und ich denke, seine grammatikalisch zu bemäkelnde leichte Widersprüchlichkeit kann als ohne jeden Zweifel im Dienste des inhaltlichen Engagements stehend durchgehen gelassen werden.

Im Schularbeitsheft gäbe es hier von mir eine rote Wellenllinie und ein Fragezeichen.



Brauchtum Montag, 19. 9. 2005, 0:00

Österreichische Jazz-Musiker spielen oft nur selten im eigenen Land.
Das hat aber wirklich auch einmal gesagt gehört.
Hiermit oute ich mich als begeisterter Fan des weit verbreiteten (vom Neusiedler- bis zum Bodensee, von der March bis an die Karawanken) Austro-Jeiers. Und hoffe, dass viele, die sich damit nicht begnügen wollen, beim MM-Jazzfestival in St. Pölten waren.
(Was aber wäre das grammatisch korrekte Gegenteil obiger Jeier-Leier?)



Moebius /2 Sonntag, 18. 9. 2005, 0:00

Der Redakteur, mit dem ich erst unlängst ein Gespräch für eine Ankündigungssendung des Österreichischen Rundfunks geführt habe, hat versprochen, mir eine CD beim Portier des Funkhauses zu hinterlegen, ich kann sie auf dem Weg zur Garderobe meines in der Ankündigungssendung angekündigten Auftritts abholen.
So einfach geht das aber nicht, ich erlebe ein Beispiel, wie eine genaue Adressierung (so genau, dass ganz sicher nichts daneben gehen kann), die Fähigkeit zu Improvisieren lähmt, eben, weil ja alles so genau auf dem Packerl oben steht. Zwar ist mein Name diesmal korrekt geschrieben (keine aufkeimenden Mythen), und auch, dass ich vorbeikomme, es abzuholen. Die Datumsangabe aber schießt meine schöne CD in eine moebiusschleifenartige Umlaufbahn: Der Tag meines Besuchs beim Funkhausportier ist Freitag, der 16. September. Auf der CD-Hülle steht: z.H. Hr. Bertl Mütter. Kommt am Samstag (18.9.).
Ich weiß nicht, ob das Geschenk im Samstag-Fach oder im 18.9.-Fach gelegen ist; unter Aufbietung aller uns gemeinsam zu Gebote stehenden Kreativität haben wir es schließlich an Hand des Namens identifiziert (es wurde ja nicht, wie jene Nachricht unlängst, telefonisch hinterlegt).
Wundern täte es mich ja nicht mehr an dieser Portiersloge in diesem sympathischen Haus.
Möbius-Schleife
Moebius-Schleife



Menü /2 Samstag, 17. 9. 2005, 0:00

Das Wirtshausmenü in Österreich (und erst recht in Wien) folgt einem strengen Reglement. Je näher das Wochenende rückt – in Ämtern wünscht man sich neben dem obligaten Mahlzeit (vorzüglich auf dem Weg vom bzw. zum Häusl) bereits ab Mittwoch, 11.00 Uhr, ein schönes Wochenende - desto strenger: donnerstags gibt es Spinat mit Spiegelei und, so war es immer schon, freitags Scholle gebacken / Seehecht paniert / Dorschfilet mit Erdäpfelsalat. Das Fünfhauser Stüberl, das seinen Menüplan auch an die Tür vom Café Weingartner anschlägt, ist da keine Ausnahme. Ein weiterer Fixposten sind die gerühmten Augsburger mit Erdäpfelschmarrn, jeweils mittwochs, seltener dienstags. Zu jedem Menü à € 5,- (von 12 bis 14 Uhr nur € 4,-!) gibt es, natürlich fünfmal wöchentlich, die beliebte Tagessuppe.
Vor gut einem halben Jahr aber wurde jener Stabilität gewährende Rhythmus empfindlich verwirrt: Statt der freitäglichen, die Woche ruhig abschließenden katholischen Scholle (und, meinetwegen, des protestantischen Dorschs) stand da plötzlich ein unentzifferbares Wort am Speiseplan: Pangasius.
Das ist gesessen, und was nicht bekannt ist, wird bekanntermaßen nicht gegessen.
Doch siehe, der Esser Sorge, sie ward umsonst: man brachte, Wochen langen Analysierens später, den erklärenden Zusatz (Welsart) in Klammer an, und seither wird auch freitags das Menü wieder, selbstredend mit Erdäpfelsalat, gerne verzehrt.
Und natürlich auch ins Weingartner serviert.



Menü /1 Freitag, 16. 9. 2005, 0:00

Freitag in Wien 15, Fünfhauser Stüberl.
Ich selbst war noch nie drinnen, das ist auch nicht nötig, ist es doch die Gastwirtschaftsnachbarschaft von meinem
Café Weingartner
, Herr Heinz, der Junior, ist der gerne sich recht geschäftsmännisch gebende Boss von beiden Lokalen. Und wenn du wasauchimmer von der Speisekarte des Fünfhauser Stüberls willst, servieren sie es dir, je nach Wetter und Jahreszeit, durch den Innenhof oder über die Gasse, völlig unproblematisch jedenfalls auch ins Café, und du gehst nicht der angenehmen Atmosphäre verlustig.
Natürlich gibt es in dem u.a. in der Rubrik Essen mit Hund bzw. preisgünstig essen im Wien, wie es isst verzeichneten, gastronomisch recht einfach gestrickten Kleinrestaurant von Montag bis Freitag ein Menü; dem will ich mich hier näher widmen.

(Fortsetzung morgen – trotz Samstag)



merken Donnerstag, 15. 9. 2005, 0:00

Das Radiokolleg auf Österreich 1 ist eine unentbehrliche Bildungsquelle. Jede Woche von Montag bis Donnerstag werden zwischen 9 und 10 Uhr die unterschiedlichsten Themen behandelt, und das mit dem Luxus der Gründlichkeit, den eine Sendezeit von 4 x 23 (für den jeweiligen Hauptbeitrag) bzw. 4 x 14 Minuten (für die zweite halbe Stunde, davon am Schluss die Musikviertelstunde) erlaubt. In dieser Woche erfahren wir allerhand über die Entwicklung und das Vergehen von Sprachen, sowie über die musikalische Inspiration (ob und wenn ja, wie). Der mittlere Beitrag, Generationentheater, präsentiert u.a. ein faszinierendes Theaterprojekt, das es in Wien seit etwa 1998 gibt. Es heißt Erinnerungstheater, und ich empfehle, sich auf der spezifischen Homepage näher darüber zu informieren.
Zudem besonders bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass die Gründerin und Leiterin des sich mit dem persönlichen Erinnern der Protagonisten aber auch des Publikums beschäftigenden Theaterprojekts den Namen Michaela Schwind trägt.
So könnte etwa auch eine Romanfigur heißen, die sich mittels gezielten Vergessens durchs Leben gestrudelt hätte, derart, dass sie es z.B. bis zum Staatsoberhaupt eines kleinen mitteleuropäischen Landes gebracht hätte.



alles neu Mittwoch, 14. 9. 2005, 0:00

Im Kunsthistorischen Museum wurde die Antikensammlung völlig neu gestaltet, sehr schön, wirklich wahr. Mein Geruchssinn führt mich zu einem monströsen Verdacht: Es ist nämlich so, dass der Bereich des Museums mit den angeblich ältesten Kunstschätzen sonderbar neu riecht, nach Frisch gestrichen bzw. Achtung, neu verfliest! Ich stelle mir aber vor, dass die Ausstellungsstücke selbst Neuanfertigungen sind und aus einem neuartigen, auf antik getrimmten Plastik hergestellt wurden. Die Originale hat der Direktor in seinem Büro, wo ja auch die Saliera ohne jeden Zweifel weilt (obwohl, die ist ja schon vom Grundmaterial her nicht echt, aus einer Art Pappmaché, haben sie uns gesagt). Der Beweis für meine These ist, dass man die Originalität der Exponate nicht überprüfen kann, Berühren verboten.
(Überleitung/1:) Wer füllt schon alten Wein in neue Schläuche?
Eingeräumt sei, dass die auf den Stand der Zeit gebrachte (und somit elektrifizierte) Sammlung jetzt wirklich traumhaft schön zu durchwandern ist.
Altes in Neuem, das hat halt was (Überleitung/2), wie ja auch der neue Wein von alten Reben eine besonders begehrte Spezialität ist, vor allem natürlich, wenn er vom Wimmer-Czerny ausm Weelfel kommt und Grüner Veltliner oben steht. Und dem Hans gratuliere ich zu seinem heutigen 40er aber so was von herzlich (ich sags ihm am besten am Nachmittag selber)!



Arithmetik Dienstag, 13. 9. 2005, 0:00

(1) Auto in zwei Teile zerrissen – ein Toter.
(2) Sechzigjährige stürzt achtzig Meter in den Tod.

ORF ON stellt regelmäßig makabre Schlussrechenaufgaben.

Mögliche Fragen:
(1) In wie viele Teile muss ein Auto zerrissen werden, damit
a) zwei
b) fünf
c) n
Tote herauskommen?

(2) Wie weit muss eine
a) Dreißigjährige
b) Achtzigjährige abstürzen?
Zusatzfrage:
c) … um halbtot zu sein? (Könnte das eine Fangfrage sein?)



sauber Montag, 12. 9. 2005, 0:00

Im Zug. In den Waschräumen haben sich längst die praktischen Lichtschranken durchgesetzt: Du brauchst nur deine Hand darunter zu halten, und schon fließt das Wasser oder du wirst vom Fön getrocknet. Oder – ich erinnere an eine Reise nach Schottland – beides zugleich.
Ich muss hier eine Warnung aussprechen: Misstrauen Sie dem Wasserhahn! Raspeln Sie sich keinesfalls vom Drehspender die harte Seife in Ihre Hände, betätigen Sie bitte nicht den Flüssigseifpumphebel, ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass der praktische Wasserhahnlichtschranken auch tatsächlich in der Lage ist, Wasser zum Fließen zu bringen! Ich stehe, zumal in österreichischen Zügen, regelmäßig mit sauber angepatzten Händen da.
Vergeblich nehme ich mir jedesmal vor, diesmal Obacht zu geben; allein, der Einseiftrieb scheint stärker zu sein.
(Vielleicht hilft mir ja dieses Memento. Und wenn nicht mir, möge es wenigstens Ihnen hilfreich sein.)



prominent /2 Sonntag, 11. 9. 2005, 0:00

Die Stadt Wien veranstaltet jährlich im Rathaushof eine Szenefest genannte mildtätige Künstlerausspeisung. (Ich frage mich, durch welchen administrativen Irrläufer man mich auf die nicht anders als ominös zu bezeichnende Gästeliste gesetzt hat; was ist das für eine Prominenz, deren man mich bezichtigt?) Weil im Oktober gewählt wird, hat man heuer den An-sich-Frühlingstermin bis Ende August warten lassen.
Ich erlebe eine nette Zombieshow: Wo trifft man sonst noch Stars, die einem das erste Mal von Heinz Conrads, im Seniorenclub oder meinetwegen in Peter Rapps Spotlight präsentiert wurden?
Ich stelle mir vor, dass ein würdig gekleideter Zeremoniär nach den obligaten Politikerreden Unsere besonderen Gebete für denjenigen aus unsrer Mitte formuliert, welcher dem eben Verewigten als nächstes nachfolgen wird.



prominent /1 Samstag, 10. 9. 2005, 0:00

Beim Fliegen tauchen speziell in der Ferienzeit immer wieder Menschen auf, die sich so benehmen, als hätte man sie zu kennen. Zuerst nur, wenn man in ihre Nähe geraten ist; dann aber, wenn der Steward leider nicht erlauben kann, das dritte Handgepäckstück (Schminkköfferchen) beim Notausgang abzustellen, sollen und müssen es alle erfahren, was ihr an Unerhörtem widerfährt, Frechheit, Zumutung. Ab sofort steht das Personal bis hinauf zum mittleren Management unmittelbar vor dem Rausschmiss. Schließlich hat man potente Freunde, müssen alle erfahren.
Ich bewundere in solchen Situationen die Contenance der Crew.
Schon merkwürdig, dass die erboste Dame beim Aussteigen (das zuvorderst ihr zustünde, wie sie von sich gibt) ganz am Schluss erst drankommt, irgendwie ist der Weg von der Mitte des Flugzeugs zu einer der beiden Treppen eigenartig versperrt; dabei sitzt sie doch am Notausgang.



Papier /2 Freitag, 9. 9. 2005, 0:00

Kaum mache ich mir triviale Gedanken, schon lande ich auf einer Toilette, deren im gleichen Gelbton wie der vorjährige Saisonrenner gehaltenes Papier zwei überaus freundliche, ja, verheißungsvolle Worte aufgedruckt hat:
Happy End

Ich denke mir: Hoffentlich.



Papier /1 Donnerstag, 8. 9. 2005, 0:00

Letztes Jahr war es der Renner der Saison: Gibt es eigentlich noch das gelbe Klopapier mit den Trivial Pursuit-Fragen?
Wie soll ich mir einen öffentlichen Wettbewerb damit vorstellen?
Und: wie definiert sich eine Klopapiersaison? Mit den Jahreszeiten oder mit dem Arbeitsjahr? (Das beginnt ja bekanntermaßen mit der Auslieferung des neuen IKEA-Kataloges.)



mythologisch Mittwoch, 7. 9. 2005, 0:00

ORF Funkhaus, Empfang. Der Portier hat sich auf einem Zettel eine telefonisch entgegengenommene Anweisung notiert, wie er bei meiner Ankunft verfahren soll: Wenn Hr. Mytha kommt, bitte folgende Nummer anrufen: (…)
Danke, lieber Herr Portier; nicht nur, dass Sie mich jedes Mal, wenn ich Sie sehe, vor allem der nachdunkelnden Brillen aber auch des Haaransatzes wegen, an Tito / Alfons Dalma (die waren für mich als Kind ein und dieselbe Person) erinnern, kann ich ihnen nun persönlich für diese spitzenmäßige Sprachschöpfung dankbar sein!
Ich überlege ernsthaft, dieses Pseudonym anzunehmen.



Image Dienstag, 6. 9. 2005, 0:00

Die Geschichte vom Wahrsager in Edinburgh, der in den Botanischen Garten ging und dessen Kristallkugel während seiner Abwesenheit einen Brand entfachte, ist so traurig, dass sie nicht einfach von den immergleichen Tagesaktualitäten hinfort gespült werden sollte: Nicht nur hat der bedauernswerte junge Schotte seine Mansarde abgefackelt, hat er nun auch schwer wiegende Imageprobleme zu gewärtigen, wenn er, (eben kein) Profi, dieses Unglück nicht voraussagen hat können.
Ob jetzt allerdings vorhergesagte und nicht eingetroffene Ereignisse oder unvorhergesagte, jedoch tatsächlich passierte Vorfälle häufiger sind, diese Statistik wird noch zu stellen sein.
Ich bin gespannt, ob es zu einer Rehablitation des unglücklichen Zukunftserkunders kommt.



Trophäen Montag, 5. 9. 2005, 0:00

Ich stelle mir vor, dass die Trophäen an den Wänden von Jagdstuben oder Großjagdsalons, im Sprung durch die Wand erstarrt, nur den Vorderteil der ausgestopften Viecher zeigen. Der (wesentlich größere) Rumpf hängt auf der anderen Seite, oft weit, in den Raum hinein. Diese Zimmer sind gemeinhin nicht öffentlich zugänglich und dem Personal vorbehalten. In besonders große Tiere klettert von Zeit zu Zeit die Herrschaft oder (wir sind in Belgien, vergessen wir das nicht) Hercule Poirot, um die Gäste, ein jeder ist verdächtig, ausgiebig beobachten zu können.
Oder kam der Schuss gar aus dem Bären? Wer aber hat das Opfer dann in den Sessel gesetzt? Und was hat es mit dem Spiegel auf sich?

(Fortsetzung folgt)



Jogdstumöwi Sonntag, 4. 9. 2005, 0:00

Mein Warten (auf Tournee sein heißt: Warten) verbringe ich in einer Salon genannten Jagdstube aus den frühen Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts: Vorne im Kamin liegt das Brennholzsurrogat auf einem schmiedeeisernen Sockel, welcher von zwei großbusigen Sphinxen auf dem Rücken getragen wird; hinter ihnen verläuft das Kabel seitlich weg. Die Sesselgarnitur samt halbhohen Wohnzimmertischchen (alles Eiche rustikal) kann nur ein Restposten vom Möbel Hiendl in Passau gewesen sein. Von dort aus wurde nämlich, vor Ikea noch, ein nachhaltiger Möbelfaschismus (©Franzobel) überallhin exportiert; nach Oberösterreich etwa wurde, Zoll inklusive, gratis geliefert, was unser Möbel Braunsberger arg zu spüren bekam. Jedes Jahr beim Sternsingen konnte ich mich von der unaufhaltsamen Durchsättigung der Münichholzer Wohnzimmer mit jenen amorphen Verbauen (nomen est omen) und ihren klobigen Sesseln, die mit dem Kurvenlineal gezeichnet sein mussten, vergewissern; alle habe ich sie wieder gefunden, hier und heute, in Belgien, Province de Luxembourg.
Was aber wäre eine Jagdstube ohne waidmännisch-regionstypische Trophäen an den Wänden? Hier in Gaume ist es ein Keiler mit aggressiv gefletschten Hauern.

(mehr dazu morgen)



Kiemen Samstag, 3. 9. 2005, 0:00

Es hat dann doch noch geregnet. Wir sind, so versichert man uns, eben in Belgien, da gibt es, ähnlich den Inuit in Bezug auf Schnee, ein recht differenziertes Vokabular für den zentralen Wetterbegriff Regen. Am Vormittag kommen gleich mindestens fünf davon (genauer bin ich nicht zu beschreiben in der Lage) zur Anwendung: zuerst nebelartiger Sprühregen, dann nieselt es, ansatzlos schüttet es, dass man zum Patron der Dachdecker beten mag (wer ist das eigentlich?); zwischendurch peitscht der plötzlich einsetzende Sturm den Guss horizontal daher, bis sich das Ganze zu einem schnürlartigen Landregen auszuheitern scheint. Aber auch der währt nicht lange, die Sonne blinzelt durch, und der Sprühregen kann von vorne beginnen. Ein ganz normaler Sonntag eben.
Unbeeindruckt davon (warum sich auch vom Gewöhnlichen ablenken lassen?) fischen ganze Familien ihr Mittagessen aus dem Teich hinter der Hotel genannten Unterkunft. Oder, stelle ich mir vor, sie warten, bis ihnen selber Kiemen wachsen.



dichter Freitag, 2. 9. 2005, 0:00

Gaume Jazz Festival, Province de Luxembourg, Belgique. Unsere Hotel genannte Unterkunft ist gut zwanzig Kilometer durchs Kurvenreich vom Festivalgelände, einer Art Klein-Woodstock (ohne rain und also ohne no rain), getrennt. Den Shuttle-Bus teilen wir mit fünf Finnen; sie haben ihren Auftritt bereits hinter sich, und (vor allem ihr Tourmanager) reichlich Frostschutz in sich. Was sie sich gegenseitig in dieser knappen halben Stunde zu erzählen haben, ist uns Außerfinnischen naturgemäß völlig unverständlich (nicht eine einzelne Silbe!). Zweifel kommen auf, ob es sich bei diesen curiosen Gestalten um Finnen handeln könne: Die Anzahl der von ihnen in dieser kurzen Zeit im Bus gesprochenen Silben übersteigt jene sämtlicher Kaurismäki-Filme zusammen genommen um ein Vielfaches. Ich kann mich nicht erinnern, jemanden dichter reden gehört zu haben, höchstens vielleicht Roberto Benigni als römischer Taxler in Night on Earth; der ist, wiewohl eine Episode mit einem kaurismäkischem Personal in Helsinki gedreht wurde, von Jim Jarmusch. Mich beunruhigt die Erinnerung, dass der römische Fahrgast, ein Bischof oder zumindest Monsignore, die nächtliche Reise herzausfallsbedingt nicht lebend überstanden hat.



KastanienMütter 2005 Donnerstag, 1. 9. 2005, 12:00

Als hätte er es mit einem Blick herabgeholt, wirbelte leicht und langsam ein breites Kastanienblatt aus dürrem Gold nieder und blieb auf dem breiten Hutrand der Matzner liegen.
(Josef Roth, Die Geschichte von der 1002. Nacht, 1939)

Liebe MBA,

die gemeinhin Sommer bezeichneten Monate neigen sich ihrem Ende entgegen. Ich hoffe, Sie haben Ihre Zeit zum Ausrasten so genießen können wie ich.
Bertl Mütter erholt sich, Husarenschlaf

Ich will hier gar nicht meine diesjährigen Verweile noch, du bist so schön-Orte aufzählen.

Bertl Mütter im Pantheon (zu früh!)
(Zum Verweilen im römischen Pantheon o. Ä. wäre es, wenn je angebracht, ohnehin ein bissl früh, und das sollen dann auch andere entscheiden – idealerweise aber bitte nicht der Herr Berluskoni.)

Sicher haben Sie wesentlich interessantere Ziele aufgesucht und – Wo bist Du, wo bist Du, mein geliebtes Land? - hoffentlich gefunden und vor allem erkannt.
Schon ein sonderbares Wort, aufsuchen; dazu dann noch absuchen, durchsuchen, untersuchen, versuchen, und sehen Sie, damit sind wir beim einzigen, somit Hauptthema: Ich versuche es wieder, diesmal ganz allein, Ihnen neue und alte Gschichtln einizdrucken. Sie wissen es bereits, es handelt sich um den
Freitag, 16. September 2005, 20.00 Uhr, Wien, Radiokulturhaus,
und da ist auch schon das zugehörige Link zu
ppp – parlando. posaunenplaudereien.
Schwelgen werde ich halt, von den familiären Fahrten an die Adria in den späten Sechziger und frühen Siebzigerjahren etwa; selbstredend mit Livestream im Internet.
Bertl Mütter in Caorle
(Man beachte: Bereits zu Zeiten der Mondlandung pflegte ich im Sommer Weiß zu tragen.)

Und von sonst noch allerlei werde ich erzählen, was mir halt so unterkommt; sicher auch Einiges aus dem (von Ihnen hier aufgesuchten und täglich erneuerten) MütterLog. Wie es halt so ist: Worüber ich nicht sprechen kann, darüber muss ich spielen – und umgekehrt halt. Es möge Halt sein im Alltag.

Und da war es schon wieder, das Stichwort, ich darf mich verabschieden, hoffentlich bis zur Mitte des Monats. Sooderso wünsche ich einen gelingenden Wiedereinstieg ins praktische Erwerbsleben; beeilen Sie sich, Weihnachten kommt heuer recht bald.

Herzlich,

Bertl Mütter

Meine aktuellen Termine finden Sie wie immer in meiner Terminvorschau, im September ist das nach außen hin wenig, dafür wird im Oktober fest und umso heftiger herumstrawanzt.



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