unmöglich Montag, 28. 2. 2005, 0:00

Die Wiener Austria hat das Unmögliche möglich gemacht, sagt der aufgeregte und wie immer viel zu laute Sportreporter, den sie gottseidank nur selten in mein Ö1-Kastl lassen. Aber wenn es unmöglich ist, dann kann man es doch gar nicht möglich machen, stelle ich mir vor. Nein, das ist unmöglich möglich. Oder?



nachtragen Sonntag, 27. 2. 2005, 0:00

… neues Regal (schööön) … einräumen … umräumen … räumen … mir selbst dadurch keine Schreibzeit eingeräumt … wird nachgetragen …

(räumte er ein)

Pia et al., herzlichen Dank fürs Verständnis,

Bertl Mütter



Mütters Müllerin µµ/15 Samstag, 26. 2. 2005, 0:00

Wann immer ich Fritz die Zeile

… und die Engelein schneiden die Flügel sich ab
und gehn’ alle Morgen zur Erde herab
und gehn’ alle Morgen zur Erde herab

singen höre (aber er singt ja nicht, er berichtet uns, hat es selbst gesehen, war dabei!), schießen mir Tränen in die Augen. Da kann ich mir gar nicht helfen.

Schweizer Freunde sagen, wenn ihnen was nahe geht, manchmal schaurig schön. Den oben beschriebenen Zustand würde ich mit traurig schön bezeichnen. Schaurig schön natürlich auch.



diminuitiv (zu Marterl) Freitag, 25. 2. 2005, 0:00

Ich erinnere an die Geschichte zum Marterl. Dazu ist mir unter der Dusche was eingefallen.
Ich glaube, dass man es so übersetzen kann, dass die Endung -erl maximal ein Viertel (eig: Vierterl) bezeichnet, sozusagen halb so halb so schlimm. Der Sprachgebrauch bei den Hohlmaßen in österreich (und die sind ja entscheidend) legt eine solche Deutung nahe. Es werden Achterl und Vierterl getrunken; schon die Bezeichnung Seiterl und erst recht Krügerl beziehen sich nicht mehr auf eine nummerisch definierte Menge, wenngleich jeder weiß, dass damit 1/3 bzw. 1/2 Liter (Bier, und zwar vom Fass bitte) gemeint ist.
Zusammenfassend ist also zu sagen, dass uns der so freundliche Suffix erl in jeder Lebenslage gewissermaßen als Sketch-A-Graph der Verniedlichung zur Verfügung steht.

sketch-a-graph
Sketch-A-Graph

Glückliches Österreich!



Mütters Müllerin µµ/14 Donnerstag, 24. 2. 2005, 0:00

Montaigne, dessen Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland von 1580 bis 1581 ich gerade als Kurzstreckenlektüre in meiner schon sehr weichen Ledertasche mit mir herum schleppe (die Essais im nicht ganz so handlichen folio-Format liegen daheim auf dem Buchständer aus Isfahan), trägt möglicherweise bereits in seinem Namen den Hinweis auf sein mühsames Nierensteinleiden.
Vielleicht findet sich ja auch im Müller die Mühe, seines Glückes Last zu ertragen, in seinem namenlosen Namen eingeschrieben.



Der Längste Mittwoch, 23. 2. 2005, 0:00

Rom, St. Peter. Im Marmorboden sind da so Sternchen eingelassen, neben denen steht eine zentimetergenaue Längenangabe, dazu der latinisierte Name eines bedeutenden Domes irgendwo auf der allumfassenden (und nicht nur katholischen) Welt. Ehrfurchtsvoll schreitet der Pilger diese Marken ab, die Längenmaße der Christenheit ordnend.
Schon merkwürdig, dass eine spirituelle Großgemeinschaft, die sich um jene Dinge zu kümmern vorgibt, die jenseits irdischer Kategorien beheimatet sind, sich zur Demonstration ihrer selbsterklärten Überlegenheit in transzendierenden Dingen in der Welt weltlicher Maße (z.B. Meter) bedienen muss.
Unbestritten ist jedenfalls, dass Rom den längsten hat.



Mütters Müllerin µµ/13 Dienstag, 22. 2. 2005, 0:00

(Zur Jäger-Müller – Thematik)

In Orvieto hat ein Spezialitätengreißler einen ausgestopften Eber, den er, montiert auf ein Felsboden imitierendes Skateboard, täglich vor die Eingangstür rollt:

Wildsau auf Rädern
Hier war der Jäger also schon.
Im Laden bekommt man neben Wildschweinprodukten auch frisches Brot. Ein grün-weißes Abkommen wäre also möglich gewesen.



Mütters Müllerin µµ/12 Montag, 21. 2. 2005, 0:00

Es ist zwar nicht neu, aber deshalb um nichts weniger evident, dass die Müllerin weitaus tragischer ist als die Winterreise. Schließlich macht das Tragische ja nicht der Untergang an sich aus, sondern die Fallhöhe. Und die erreicht der arme Müller durch einen hoffnungsfrohen Aufstieg in höchste Sehnsuchts- und (zumindest angedeutete, wenn auch bescheidene) Erfüllungshöhen. Im Winter dann beginnt die Wanderung gewissermaßen bereits im Tiefparterre; der bricht sich nicht mehr das Genick.



kolossal /4 – Rätsel Sonntag, 20. 2. 2005, 0:00

Ich bin Hirnspringer. (Wieder ein Beispiel, dass Begriffe, übersetzt aus dem Englischen, jeden Anspruch verlieren, dass man sich für das, was damit gemeint ist, interessieren könnte; es ist das selbe mit der �berlegenheit englischsprachiger Lyrik bei Heranwachsenden. Wer von uns hätte damals etwa Geboren, um wild zu sein oder Wir sind die Sieger gegrölt?)

OK. Brainjumping, die noch nicht olympische Disziplin. Synapsengymnastik.

Mein Outing zum Tag: Ein Wochenende ohne Vesely-Kreuzworträtsel (im Standard) ist nicht komplett (vergessen sie die wochentäglich dumpfen phoe-nixen!).

Die beim Veselykreuzworträtsellösen geübte Kombinationslust hat mich allerdings andererseits um sechs Uhr in der Früh nicht mehr einschlafen sondern Meldungen zu einer engführen lassen. Was soll’s. Ich lebe ja auch davon, dass sich die Leute z.B. meine musikalischen Hirnsprung-Kombinationen anhören wollen. Also, ein bissl sollte man da schon noch mitkommen können. Es gilt also, nicht zu überfordern (eine Unterforderung mit Banalem wäre allerdings noch schlimmer). Um es mit dem Rätsel zu vergleichen: Aufmerksame und kreativ denkende Geister sollen eine Chance haben, alles aufzulösen. Manchmal (meistens) helfen ja auch die von bereits gefundenen Antworten kreuzweise gespendeten Buchstaben den Hirnströmen über Widerstände hinweg. Und die Antwort, ist sie einmal gefunden, ist immer plausibel, so abstrus der Weg dorthin auch gewesen sein mag.

P.S. Dieses Wochenende verbringe ich außerhalb Österreichs. Kann mir jemand das Rätsel (fein wäre auch das Album dazu) aufheben und zuschicken?



kolossal /3 Samstag, 19. 2. 2005, 0:00

Zusammenfasssend und nachgestellt das Motto, das mir an jenem Morgen um knapp nach sechs eingeschossen ist. Wir verdanken es Ödön von Horvath, er hat es seinen Geschichten aus dem Wienerwald vorangestellt:

“Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.”

Gelöbnis: Ich verspreche, in Zukunft nur politische oder tagesaktuell veröffentlichte Nachrichten zu kommentieren, wenn es wirklich nicht anders geht. Das Fehlen eines Fernsehers hält zwar die allerblödesten Meldungen von mir fern. Der Preis dafür ist allerdings eine minder abgestumpfte Sensibilität gegenüber Informationsschwachsinn.

(Mist. Wieder so ein Dilemma.)



kolossal /2 Freitag, 18. 2. 2005, 0:00

Unser Sozialsystem braucht, das wissen auch die, die am wildesten dagegen wettern, Einwanderer; zur Errichtung des History-Wonder-Land südlich von Wien kommen wir ohne sie sicher nicht aus.

Für die für sie fürsorglich verpflichtend zu absolvierenden Deutschkurse empfehle ich, ihnen nicht unser Deutsch beizubringen. Wir brauchen eine Unterscheidung, sonst würde man bald schon nicht mehr nach jedem Verbrechen berichten können, dass es sich beim Täter zweifellos um einen eingewanderten Ausländer gehandelt hat.
Eine dem österreichischen verwandte Kunstsprache böte sich an: Ich schlage jenes eckige Hochdeutsch vor, das man in südtiroler Fremdenverkehrsschulen lehrt, keine Endung wird da verschluckt. Ein zusätzlicher Vorteil wäre, dass Verständnisschwierigkeiten bei Überfällen der Vergangenheit angehörten. So würde die Sicherheit selbst bei Gewaltverbrechen maßgeblich erhöht.

Ein anderer Lösungsansatz: Einwanderer ja; es sollen halt bitte keine Ausländer sein.



kolossal /1 Donnerstag, 17. 2. 2005, 0:00

Der Koloss von Rhodos soll wieder aufgebaut werden, heißt es. Um die Kleinigkeit von 100 Mio Euro soll, nach 2000, ein zweiter Versuch gewagt werden. Die touristisch findigen Rhodosen verschweigen uns, dass vor ihrer geplanten Weltwundertat bereits Kaiser Nero (der allerdings bei sich daheim), als auch, achtzig Jahre später (und in Rhodos), Kaiser Hadrian das zusammen gebracht haben. Es hat aber beides nicht allzu lange gehalten: Wie uns Malalas von Antiochia berichtet, war Zeus dem übergroßen Werk nicht zugetan und zwang den Bronzeriesen nach kurzen dreißig Jahren mit einem Erdbeben erneut in die Knie.
Die Kleinmütigkeit, mit der die Menschheit der Geschichte hinterher hinkt, wird schön langsam peinlich. Warum nur den Koloss von Rhodos wieder aufbauen, wenn es doch viel größeres zu vollbringen gilt? Baut ein History-Wonder-Land, in dem alle sieben Weltwunder der Antike um eine zentrale Zikkurat herum aufgestellt werden. Als Standort böte sich, wegen der Arbeitskräfte, der Raum südlich von Wien an, vielleicht kann man Herrn Stronach dafür gewinnen. Und, weil es auch in den 6-Uhr-Nachrichten vom 15. Februar 2005 war, vergesst (speziell beim Personal zur Errichtung des zentralen Turms, der in den Himmel reicht) nicht darauf, von Anfang an verpflichtende Deutschkurse für alle einzuführen. Und kontrolliert das bitte auch.



Mütters Müllerin µµ/11 Mittwoch, 16. 2. 2005, 0:00

muet bedeutet stumm im Französischen, wäre noch nachzutragen.
La mue muette wäre demnach eine still vollzogene Mauser, schweigendes Geweihabwerfen, lautloses Häuten oder, und das gefällt mir natürlich am besten, der stumme Stimmbruch.

Das wird was.



Mütters Müllerin µµ/10 Dienstag, 15. 2. 2005, 0:00

Kristina erinnert mich, dass das von mir für Mütters Müllerin verwendete Kürzel µµ, dieser schöne griechische (Doppel-)Buchstabe mit dem Lautwert [my] auch als dem Französischen entnommen begriffen werden kann. Dort hat das Wort mue viererlei Bedeutung: 1., die Mauser(zeit) bei den Vögeln, 2., das Abwerfen des Geweihs, 3., das Häuten und 4., der Stimmbruch.
Da ich dieses µ doppelt, µµ, verwende, ergeben sich durchaus reizvolle Kombinationen zur persönlichen Ausdeutung.

Sicher erscheint mir: der Stimmbruch ist jedenfalls immer dabei.



Mütters Müllerin µµ/9 Montag, 14. 2. 2005, 0:00

Die Mrs. Bubbles & Bones Kurztour (inkl. Ritt über den Bodensee) ist vorbei. In drei Wochen soll es die neue CD geben, ab Anfang April folgt die Princess-Tour, Erika hat schon jetzt immer eine Erbse mit.
Der 19. Mai wirft seine vorsommerlichen Schatten auch ins Ausland, vor allem in den Bodenseeraum: Bei eineinhalb von drei Konzerten bin ich wohl wieder einmal wohlmeinenden Korrektoren über den Schreibtisch gehuscht und demgemäß als Müller aufgetreten. (Beim jenem halben hat man mich, nach Interventionen, wieder rückverwandelt.)
Schön langsam beginne ich, mich mit mir als Müller zu identifizieren.
Das wird wohl das beste sein.

Aber: ist es gut für mich armen, armen, weißen Mann?

Es könnte gefährlich werden. Gut so.



Mütters Müllerin µµ/8 Sonntag, 13. 2. 2005, 0:00

Stucky meint ja, ich sollte das Programm hemmungslos aneignend Die schöne Mütterin nennen. Das traue ich mich doch nicht, obwohl es der Auftraggeberin wahrscheinlich taugen würde.
Erika hat aber meinen Vorschlag, die nächste Platte Stucky Fingers zu nennen, auch nicht aufgegriffen.

Noch ist ja Zeit.



Mütters Müllerin µµ/7 Samstag, 12. 2. 2005, 0:00

(Nachtrag: kehr um!)

Im istrischen Karst hat im August 2002 die Pazinica die Richtung gewechselt und ist der Quelle entgegen geflossen.
Das war seit Menschengedenken nicht mehr geschehen, erzählt Karl-Markus Gauß von nah, von fern.

Gauß ist auch so ein Wanderer. Schön ist, dass er immer wieder zurück kommt, um uns zu erzählen, ohne je zu prahlen. Womit soll einer auch angeben, der sich im Unbemerkten, Unberühmten umschaut?

Um die Jäger brauchen wir uns nicht zu sorgen, die haben ihre Öffentlichkeit ohnehin. Woher aber wüssten wir sonst von den Müllern dieser Welt?



Mütters Müllerin µµ/6 Freitag, 11. 2. 2005, 0:00

Nach dem großen Schneefall haben sie auf ORF.at geschrieben: Lawinen halten an.
Ich stelle mir vor, wie die weiße Gewalt zu Tal donnert und urplötzlich anhält, vielleicht so, wie in Cecil B. DeMilles Die zehn Gebote das Meer gleich einer Mauer stehen bleibt, damit die Israeliten trockenen Fußes vor den �gyptern abpaschen können.

Oder, wie es in der Müllerin heißt:
(zuerst)
Vom Wasser haben wir’s gelernt, vom Wasser
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht
Ist stets auf Wanderschaft bedacht
Das Wasser, das Wasser.

(dann aber)
Wohin so schnell, so kraus und wild, mein lieber Bach?
Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jäger nach?
Kehr um, kehr um, und schilt erst deine Müllerin
Für ihren leichten, losen, kleinen Flattersinn
Kehr um, kehr um, kehr um!

(Mehr dazu morgen)



Mütters Müllerin µµ/5 Donnerstag, 10. 2. 2005, 0:00

Probenbesprechung bei Wolfram Berger. Auf dem Weg zu ihm entscheide ich mich, diesmal in der Station Urban-Loritz-Platz hinten auszusteigen und den 48A die Stiftgasse hinunter zu nehmen. Bei den Gelenksbussen (so ein schönes Wort!) steige ich gerne ganz hinten ein und genieße den Überblick vom rechten Platz. Außerdem kann ich mein Zeug auf die Ablage stellen, dort, wo man eigentlich einen fünften Sitz erwarten würde. (Auf den Waschmittelpackungen, ist mir früher aufgefallen, steht immer Leerraum produktionsbedingt, und so wird es wohl auch bei den städtischen Autobussen sein.)
Heute habe ich nicht so viel Glumpert wie sonst mit, es ist auch zu kalt, das Buch herauszunehmen, und so schaue ich auf die Ablage zu meiner Rechten.
Da hat jemand sein Leid mit schwarzem Stift aufgeschrieben:

nur weil ich sie liebe hat sie mich
in baumgartner höhe gesperrt
und sagt ich verrückt sie sagt
sie liebt mich nicht aber
ich liebe sie immer und ewig und bis tod

Wenn ich gestern einen möglichen Jäger gesehen habe, so hat mir heute ein Müllersbursch geschrieben. Die Müller erkennt man nämlich nicht einfach so auf der Straße; ihre Spuren aber sind dauerhafter, als die der Jäger.



Mütters Müllerin µµ/4 Mittwoch, 9. 2. 2005, 0:00

35A. Zwei Buben, halbstark, sitzen ähnlich dem Paar, von dem ich am 29. Jänner erzählt habe, im Bus nebeneinander und schauen ausdruckslos ins Narrnkastl. Beide haben kurzes, geliertes Haar mit so einem frechen Spitzerl in der Mitte der Stirn. Ihre Körper sind durch den geteilten Ohrhörer des mp3-Players, den der linke Bub in seiner rechten Faust birgt, verbunden, während der rechte ein lebendiges, wolfsähnliches Wollknäuel auf dem Schoß liegen hat. Ihnen gegenüber liegt je eine rote Tasche mit dem Logo eines Markenturnschuhherstellers, der sich einer amerikanischen Großkatzenart als Vitalitätssymbol bedient und ihre Kräfte zu verleihen verspricht.
Beide Burschen sind, fast möchte ich sagen: selbstverständlich gepierct. Der mp3-Boy hat an der rechten Augenbraue ein kleines, würfeliges Raiffeisen-Zeichen montiert, der Junghundehalter spielt mit seinem offenbar noch nicht ganz integrierten Zungenspitzelklöppel. Wenn der Bus gerade steht, kann ich, ohne hinzusehen, hören, wie das Metall auf seine Zähne klopft, der Zahnschmelz um Gnade fleht.
Das Schmusen mit gepiercten Zungen muss ganz schön scheppern, stelle ich mir vor.

Beide Jugendlichen sind enorm lässig (cool wäre ein Hilfsausdruck), und sie beeindrucken nicht nur mich.
Vor allem der Hundehalter gäbe einen idealen Jäger ab. Wäre ich noch einmal siebzehn Jahre alt, hätte ich gegen ihn keine Chance, stelle ich armer, armer weißer Mann mir vor.



Mütters Müllerin µµ/3 Dienstag, 8. 2. 2005, 0:00

Ohne Fritz Wunderlich gäbe es Die schöne Müllerin gar nicht, stelle ich mir vor. So wie keine Goldbergvariationen ohne Glenn Gould oder Cello-Suiten ohne Pablo Casals. Und den Theatermacher naturgemäß nur mit Traugott Buhre.

Wer danach kommt, steht also schön blöd da.

Wie gehe ich aber damit um?

Denkbar wäre, dass ich ein paar Memento-Momente einwebe, etwa durch Ver- bzw. Entrückung in Seine Lage, die höchste Region.

War es also gemeint?



Mütters Müllerin µµ/2 Montag, 7. 2. 2005, 0:00

In der Volksschule haben wir natürlich auch Das Wandern ist des Müllers Lust gesungen. Seit ich aber viel später die wunderliche Deutung Franz Schuberts gehört habe, kann ich mich an die Melodie des Volksliedes nicht und nicht mehr erinnern.

Vielleicht will ich aber auch gar nicht.



Mütters Müllerin µµ/1 Sonntag, 6. 2. 2005, 0:00

Ich stelle mir vor, dass der Jäger, der dem armen Müller die eingebildete Geliebte ausspannte und ihn so in den Tod trieb, auch damals, im September 1966, Fritz Wunderlich in dessen Jagdhaus (!) auflauerte, ihn zu seinem besoffenen Blödsinn aufhusste und somit auf dem Gewissen hat.

Welchen Namen hat der Jäger?
Sollte man beim Jäger Gracchus nachforschen?



zweimal plus Samstag, 5. 2. 2005, 0:00

Im November habe ich mir in Stans Finken gekauft.

Finken
Stanser Finken

Wenn jetzt jemand zu uns nach Hause kommt und mich in meinen aus reiner Schurwolle gewalkten Schlapfen (made in austria, wie ich bei genauer Betrachtung erkenne) sieht, variieren die Kommentare erfahrungsgemäß zwischen genau zwei, wie sich zeigt inversen Sichtweisen, nämlich Ah, Schweiz? oder Oh, Rotes Kreuz! Beides in amüsiertem, wenn nicht witzelndem Ton. Besonders Schlaue kombinieren beide Kommentare, mit dem zweiten jeweils den ersten korrigierend, wobei die Reihenfolge beliebig ist.

Wenn ich meine Schlapfen von oben betrachte, sehe ich zwei Pluszeichen, ein Appell, stets positiv einen Schritt vor den anderen zu setzen, weiter, weiter, nur nicht stehen bleiben.
(Ob das für Hausschuhe nicht doch ein bisschen viel verlangt ist?)



Reifen Freitag, 4. 2. 2005, 0:00

Auf ORFON haben sie interessant formulierende Texter. Am Lichtmesstag schreiben sie: Papst will “sexuelle Reife” von Priesteranwärtern prüfen. Wie das der alte Mann, den sie gerade mit einer argen, jedoch zu keinerlei Sorgen Anlaß gebenden Verkühlung in die Gemelli-Klink eingeliefert haben, anstellen wird, überlassen sie unserer christlichen Phantasie. Wird es bald neben den Warteschlangen vor den vatikanischen Museen in den Gemächern des Vatikan (in Papstvorwahlzeiten fehlt uns Alfons Dalma besonders schmerzlich) auch eine eigene PA-Reihe geben?
So viele Schlangen scharwenzelten dann um den Petersplatz. Ich erinnere mich, dass unter all den niedlichen Kosenamen, die Eric Idle in seinem Penis Song in The Meaning Of Live sang, auch die entzückende one-eyed trouser snake herauslugte. Die bei diesen Themen, Ev’ry Sperm Is Holy, immer höchst kompetenten Monty Python’s wissen halt, wovon sie erzählen, und die gestrenge Moral des leichtfüßigen Liedchens kommt ohnehin am Schluß:
But don’t take it out in public
Or they will put you in the dock
And you won’t come back

Wie ich jetzt aber die Schlagzeilenkoinzidenz Prozess gegen Michael Jackson vertagt und erst recht Nordkorea sagt Langhaarigen den Kampf an mit der päpstlich überprüften Priesteranwärterreife kombinieren soll, darüber werde ich noch in mich gehen.

Papapaloma
(ausm Standard)



Marterl Donnerstag, 3. 2. 2005, 0:00

(Nachtrag zum Kripperl)

Meine Freundin Angela Krauss aus Leipzig hat, als sie 1989/90 Stadtschreiberin in Graz war, die österreichischen Wörter ja aufgesogen wie ein Schwamm. Am besten, weil das (nicht nur) sprachliche österreichertum am konzentriertesten abbildend, hat ihr dabei das Wort Marterl gefallen, dieser Diminuitiv hat sie nachgerade begeistert, weil sie hat sich das Wort ja wo herleiten müssen. Wir Eingeborenen haben es als selbständigen Volksbegriff vorgefunden und dabei nicht an eine kleine, feine Marter gedacht. Außerdem wäre Bildstock ja auch wirklich ein fader Ausdruck, viel zu neutral für das sinnenbegabte österreich, mit seinen Hauptmarterlregionen Tirol und natürlich Kärnten.

Josef Haslinger hat in seinem Rap folgende Verse geschrieben:
(…)
Mein Grandpa, sagt der Cop, konnte Wien nicht vergessen
Mein Grandpa, sagt der Cop, war geradezu versessen,
Von den vielen, verlogenen Wienern zu erzählen,
Die zuckersüß reden und dich hinterher quälen.
(…)

Das könnte es sein.



Kripperl Mittwoch, 2. 2. 2005, 0:00

Wauns zu Liachtmess stüamd und schneid,
is da Frühling nimma weid.

Alte Volksregel (1/2)

Der 2. Februar, auch Darstellung des Herrn oder Mariä Reinigung genannt, markiert den 40. Tag nach Weihnachten, und die Kripperln werden überall abgebaut.

Inwieweit das Wort Kripperl etwa auch mit Krüppel verwandt ist, kann ich jetzt nicht sagen. Rührendes hat beiderlei, weiß das goldne Wienerherz.

Is es Ã…ba hell und kloa,
bleibt da Winta wiara woa.

Alte Volksregel (2/2)

Zu uns aber kommt heute der Elektriker, um da und dort neue Lampen zu montieren. Könnte es einen besseren Lostag dafür geben als Mariä Lichtmess?



Herzig Dienstag, 1. 2. 2005, 0:00

In der Volksschule Am Plenklberg gingen ja nicht nur wir Arbeiterkinder. Walters Vater war geschieden und Ingenieur im Werk, und der Vater von Oliver war gar Vorstandsdirektor. Sie wohnten in einer Direktionsvilla am Rand von Münichholz, wo die Gablerstraße diese Kurve gemacht hat, gleich nach dem Ledigenheim.
Oliver war rothaarig, dick und patschert (ich war auch nicht gerade eine Sportskanone, aber gegen ihn war ich Hans Krankl). Hätte er nicht so unerreichbar ausgefinkelte Spielsachen für apokalyptische Weltraumschlachten gehabt, ich wäre nie zu ihm zum Spielen gegangen, einmal korrumpierten mich die echten Raumschiffmodelle und das Deutsche Fernsehen doch. Aber eigentlich war es dann so fad, dass ich nie wieder bei ihm war und lieber wieder mit Hala meine proletarischeren, erdgebundenen Mätschi-Abenteuer erlebte.

Olivers Eltern waren schon recht alt, er war Nachzügler, und er war wirklich widerlich. Wann immer sich Gelegenheit bot (und er fand etliche), benahm er sich genau so obergescheit wie sein einziger mir damals bekannter Namensvetter, der bei uns damals nur Dick hieß.

Zum Beispiel: Italien, das waren für mich immer Sonne, Sand, Meer und ausschließlich Spaghetti, und ich wusste, wovon ich sprach, waren wir doch jedes Jahr die ersten beiden Ferienwochen in Caorle. Oliver (sein Familienname war unpassendster Weise Herzig) jedoch trumpfte süffisant (ein Wort, das für seine vorstehenden Mauszähne erfunden wurde) mit Pizza auf, dabei markierte er das i mit einem deutlich höheren Sprechton, der beinahe wie Mäusepiepsen klang. (Ich sollte die belegten Germfladen erst mit etwa vierzehn Jahren persönlich kennen lernen.) Fehlte nur noch, dass er über Brunello referierte, während unser familäres Weinwissen maximal bis zu den Tschianti-Korbflaschen reichte.

Und, wir befinden uns immer noch in der Volksschule, gefragt nach seinem Lieblingsbuch, kam mit unvergleichlich arrogantem Ton (so, wie ich das aus diversen Laurel & Hardy-Filmen kannte) der für uns völlig unverständliche Begriff Kischonn. Weil er so wunderbar ironisch ist, erklärte er uns noch ungefragt und seine Beliebtheit nicht gerade in neue Höhen treibend.

Wenn das der selige Ephraim (oder die beste Ehefrau von allen) gewusst hätte.



Powered by WordPress kostenloser Counter