spockolumbo Montag, 29. 11. 2004, 17:15

Heute nacht wieder der mit Leonard Nimoy (1973). Als böser Kardiologe hat er zwar nicht die gleiche Synchronstimme wie bei Raumschiff Enterprise (StarTrek hat das bei mir nie geheißen), aber die Art, wie er seine Augenbrauen hebt und auch seine Großflächenohren (wenn auch ohne die typische Zuspitzung), all das ist sehr vertraut.
Auf der Party, die Columbo mit seinem Auto besuchen muss, hat Spock (Dr. Spock) einen Pulli an, dem nur noch das Emblem der Sternenflotte zu fehlen scheint.
Wie Columbo (natürlich frühmorgens) zum Tatort kommt, kommt es zu folgendem Dialog: (ein älterer Mitarbeiter, sehr engagiert:) “Inspektor, hier ist Ihr Orangensaft” – “Kaffee habt ihr noch keinen?” – “Sssir, wir arbeiten dran!”
Aah!
Ergänzt wird diese zauberhafte Variation des obligaten Leichenbegutachtungskaffees direkt von folgender Szene: Ein anderer Mitarbeiter bringt die wahrscheinliche Tatwaffe (Schraubenschlüssel zum Reifenwechsel). Nachdem er sich vergewissert hat, dass sich keinerlei Spuren auf dem Werkzeug befinden, klopft er sein (immer von Mrs. Columbo fürsorglich im Trench verstautes) Frühstücksei daran auf. Und das Salz hat er in der anderen Manteltasche.
Mahlzeit.



oryctérope Montag, 22. 11. 2004, 22:11

Die Hoboë, haut bois, scheint einem Ameisenbäreninstrumentarium zu entstammen, während das Englischhorn, cor anglais, eher zum Erdferkel (französisch: oryctérope) tendiert. Beide sind Doppelrohrblättler, haben also eine klebrige, wurmförmige Zunge, und ihre Farbe in der freien Wildbahn ist definitv nicht blau.
Das Erdferkel, das sich in erster Linie von Ameisen und Termiten ernährt, ist eine genetische Besonderheit. “Es sieht zwar nicht aus wie ein Elefant, ist genetisch aber nahe verwandt mit Jumbo und Co”, so Terence Robinson von der Uni in Stellenbosch/Matieland, Südafrika. Viele Forscher gehen davon aus, dass das Erdferkel, der Elefant, die Seekuh, die afrikanische Spitzmaus, der Kurzohr-Rüsselspringer und die Goldmulle, die alle zur Gruppe der Afrotheriana gehören, sozusagen die Urväter der Säugetiere sind. Diese Tiere entstanden damals, als Afrika sich vom Rest des Urkontinents trennte. Nach ersten Untersuchungen der genetischen Struktur und der Chromosomen sind diese Tiere näher mit dem Menschen verwandt als bisher angenommen.
(Quelle: PNAS, 21.1.2003)

Ich stelle ein für alle Mal klar: Entgegen kollektiver Erinnerungen ist Elise keine Ameisenbärin, sondern ein – Erdferkel. Tut mir wirklich leid, es wäre so schön gewesen. Oder, um es mit Elise zu sagen: Sähr wötzig, sähr wötzig.
Ein – ich gebe zu: schwacher – Trost ist, dass (abgesehen von der Farbe) Elise dem echten
Erdferkel
Orycteropus afer wesentlich ähnlicher schaut, als jedem noch so plüschigen
Ameisenbär
Ameisenbär, Myrmecophaga tridactyla (frz.: Tamanoir).

Ein Lexikoneintrag: (…) Erdferkel sind plumpe Tiere mit einem dickem Leib, mit krummen Rücken, einen an ein Känguruh erinnernden Schwanz, ziemlich dickem Hals, langem, schmächtigem Kopf mit langen, rohrförmigen, sehr beweglichen Ohren und einem langen, schweineartigen Rüssel. (…) Das Erdferkel wird auch als der “Wolpertinger Afrikas” bezeichnet. Und wirklich: Wer dieses Tier genauer betrachtet, erkennt Hasenohren, einen Schweinerüssel, einen Kamelbuckel und einen Rattenschwanz. Dazu das Schönste an diesem Tier: Die Rehaugen. Als Entschädigung für seine schwachen Augen ist er mit einem guten Geruchssinn und Gehör ausgestattet.
Elise, oryctÉrope
Wie bitte?

Außer in der oben beschriebenen, sehr leidlichen Verwechslungsgeschichte kommen sich A-Bär und E-Ferkel aber eh nicht wirklich in die Quere, von Afrika nach Südamerika ist es ein schönes Stück. Bleiben wir also in Afrika, der Plot ist ohnedies von umfassender Gültigkeit: Groß, stark, aber dumm jagt klein, schwach, aber schlau.

An sich wäre es ja so vorgesehen: Um an die Termiten heranzukommen, öffnet das Erdferkel die Baue mit seinen scharfen Klauen und leckt die Termiten dann mit seiner langen, wurmförmigen Zunge auf, sie bleiben picken und werden gleich massenhaft ins Maul transportiert. Soweit die Zoologie.
Elise aber hat es seit mehr als 35 Jahren (Debut: 5. März 1969) mit
Charlie, Ameise
Charlie zu tun, und der ist gewitzt. Der Rest ist Trickfilmgeschichte.
Und für Elise die Geschichte einer unglaublichen Diät.

Es ist ein Vergnügen, für Markus Sepperer (*1977)
Pour Elise (oryctérope, bleue), pour un seul cor anglais
zu schreiben. Er wird es am 30. Jänner 2005 im Großen Sendesaal vom RadioKulturhaus zum ersten Mal einem interessierten (und hoffentlich amüsierten) Publikum präsentieren. Ob er die Rolle des Charlie übernehmen wird, ist bis anietzo nicht klar. Es wäre aber eine Möglichkeit wäre es aber, oder?



paparazzi Donnerstag, 11. 11. 2004, 16:43

Passau
Die Umstände des Todes von Prinzessin Diana im August 1997 (wir sind damals gerade aus Mexico zurückgekommen) haben in der österreichischen und deutschen Szenegastronomie nachhaltige Spuren hinterlassen: Kein Ort über sagen wir 20.000 Einwohnern kann es sich leisten, seinem ausgehwilligen Szenepublikum nicht ein Café oder Pub oder Spaghettilokal namens paparazzi anbieten zu können. Als besonders originell zu gelten hat dabei eine Auslage mit Fotos von Massen von Fotografen mit diesen großen Blitzlichtern, wie sie bei Rear Window (bei uns bekannt als Das Fenster zum Hof) dem ans Heim gefesselten James Stewart vermittelst Grace Kelly (auch so eine Prinzessin) letztlich das Leben retteten.



Sankt Valentin umsteigen Sonntag, 7. 11. 2004, 16:21

Im Zug von Steyr nach Linz. Sankt Valentin umsteigen, so der automatisierte Hinweis des Zugbegleiters, der auf dieser Strecke noch Schaffner heißen dürfte und heute das Leben nicht in vollen Zügen genießen kann, von Kleinreifling heraus auf dieser Nebenbahn.
Umsteigen. Ohne Worte liegt der Bahnhof da, die wenigen Wartenden stieren halbverschlafen ins Leere. Nicht einmal ein Handy rettet aus dieser Weltallsstille, und selbst Chris Lohner scheint bei meiner Ankunft noch außer Dienst zu sein. Exakt um 8 Uhr 45 meldet sie sich zurück: Vorsicht Bahnsteig Eins! Eilzug nach Linz fährt ein. Hat sie sich kurz geräuspert? Ich bin mir sicher, und das geht auch in Ordnung an einem Sonntagmorgen im September, in einer Stadt, die aus dem Umsteigen ihre alleinige Daseinskraft bezogen zu haben scheint.



Nebelmütter Freitag, 5. 11. 2004, 1:39

Liebe MBA,

der Herbst ist ins Land gezogen, die Blätter sind zu Laub geworden (zauberhaft die gelben Ginkgos im Türkenschanzpark), Hochnebel sorgt für dumpfe Stimmung und in Amerika haben sie gewählt. Es kann wieder zum Tagesgeschäft übergegangen werden.

Der November ist eine Gans, die will gefüllt werden (ohne Mehl, die Fü wird ja vom Entenkörper gehalten). Können Sie sich eine bessere Zeit für den neuen Mütterbrief vorstellen? Statt Rotkraut mit Maroni empfehle ich einen feinen und meinetwegen schweren Roten dazu (vomiraus mit Maroni, auch).

In medias res, weil wenn ich’s jetzt nicht sage, ist es zu spät:
Mütter, hörend in St. Lambrecht
Am Tage der Auslieferung dieses Unperiodikums, Freitag, 5. November gibt’s gleich zweimal Mütter: Um 19.30 mit Dichterinnen und Dichtern der Provinz im Stifterhaus, Linz. Und mit meiner schönen Schagerlblechposaune (bei welchem Wunderinstrument mir Robert bald noch diese Verbindungsmutter hornhautfeindlich zurechtmachen wird).

Wer nicht nach Linz kommt, soll aber bitte um 23.05 den Apparat (=das Radio) einschalten, Radio österreich 1. Unter dem vom ORF etwas sonderbar gewählten Titel Klangraum St. Lambrecht wird meine unmittelbar vor der endgültigen Produktion stehende neue Solo-CD parlando vorgestellt. Giselher Smekal und ich plaudern über meine Aufnahmen, die ich Ende Juni in St. Lambrecht eingespielt habe.

Sobald ich die CD in Händen habe (das dürfte noch im November sein), werde ich mir erlauben, in einem Extrabrief gehörig dafür Werbung zu machen.

Die einschlägigen Texte zu parlando gibt’s bereits auf meiner Homepage, und zwar
(1) italienisch (wunderbar übersetzt von Ombretta Sechi)
(2) deutsch und
(3) englisch (faszinierend übertragen vom großen David Koblick).

Vielleicht mag jemand am Sonntag, 7. November 2004, 11.00 zur Matinee ins Oö Landesmuseum nach Linz kommen.
Ich werde auf jeden Fall da sein und werde auf Wunsch von Judith Lehner und Thomas Frey eine kleine Einleitung zu verborte. geographisch-erotische Sonate für Sopran und Bassflöte extemporieren. (Ext. ist deshalb ein gut gewählter Begriff, weil das Stück selbst der noch nicht olympischen Disziplin des brainjumping verpflichtet ist; ich soll also gewissermaßen auf die Sprünge helfen, und das mache ich mit Vergnügen.)
In der Folge bitte ich, diese und die weiteren Termine der Vorschau meiner Homepage zu entnehmen:
(Deutschland, vor allem liebe Wildthurner, Achtung: Franzobel & Mütter kommen nach Passau – Mannheim – Ulm!)
(Schweizer, auch zu euch kommen wir, nach Stans bei Luzern und nach St. Gallen!)

Die Rückschau bietet auch allerhand Curioses und Erzählenswertes, hoffe ich, denke ich.
In den Rückblick passen zwei neue Gelegenheitstexte zu Erlebnissen in Essen und Gedanken beim Heimfahren (sie stehen auch weiter unten in diesem Logbuch).

Immer wieder kurzfristig recht aktuell ist das MütterLog, aber das wissen Sie, Sie lesen ja hier.

Eine kleine Glosse zum Literaturnobelpreis 2004, mit dem sich das im Selbstfeiern so begnadete Österreich doch irgendwie ich weiß nicht wie ich das sagen soll schwer tut. (Simmel wäre ja noch gegangen, zur Not.)

Zu guter Letzt möchte ich bereits heute auf eine besondere Veranstaltung im RadioKulturhaus Wien hinweisen: Am 30. Jänner 2005, 11.00, findet im Großen Sendesaal (ja, der vom Heinz Conrads) eine Matinee in der Reihe Frühstück mit Neutönern statt (in Google schlagen sie einem vor: “Meinten Sie: Frühstück mit Neutronen?”). – Bei Kaffee und Kipferl wird Josef Haslinger mit mir über meine Musik und was es sonst noch gibt (und uns einfällt) plaudern. Das ist eine große Ehre und Freude für mich, und ich würde mich sehr freuen, diese Freude mit möglichste vielen freundlichen Menschen zu teilen. Also bitte die Urlaubsplanung ein bissl darauf abstimmen. Der Untertitel der Veranstaltung lautet parlando. posaunenplaudereien. Auch dazu gibt’s einen kleinen Text auf der Homepage.

Am 30. Jänner sollte dann aber auch die Nebelzeit langsam zu Ende gehen, drei Tage darauf wird von Maria das Licht gemessen, und wer weiß, auch das Wiener Konzerthaus z. B. könnte dann in einem anderen Licht erstrahlen.

In der Zwischenzeit sehen oder hören wir uns aber noch, ja? (Und wenn Sie den Nebel nicht mehr aushalten, lesen Sie ihn doch einfach von hinten.)

Herzlich,

Bertl Mütter



Keine Sorgen Donnerstag, 4. 11. 2004, 22:20

Ihre Sorgen möchten wir haben ermuntert uns eine Versicherung. Man weiß nicht so recht, ob dieses Ihre als Höflichkeitsform 3. Person Plural oder aber 3. Person Femininum Singular gemeint ist.
Das Bild zum Text (Unsere Sorgen hat die Wiener Städtische) zeigt eine fast lasziv lachende Hochschwangere im Schneidersitz, wie sie ihren Busen mit der Hand abdeckt und den runden Bauch so richtig rausstreckt, auf ihm aufgemalt ein Punktipunktistrichistrichi-Lachgesichti mit dem Nabel als Nase.
Ihre Sorgen wären in der Tat beträchtlich. Das Sujet wurde nämlich bereits vor gut einem halben Jahr schon einmal affichiert. Wir wollen doch der guten Hoffnung sein, dass die attraktive junge Mutter mit ihrer so übermütig lachenden Leibesfrucht mittlerweile niedergekommen ist.
Ansonsten: Macht nichts. Die Sorgen hat ja die Versicherung.

keine Sorgen
Abb.: keine Sorgen



Allerheiligen im Radio Montag, 1. 11. 2004, 11:56

Vor vierundvierzig Jahren haben Konrad Bayer und Gerhard Rühm die Operette “Der Schweißfuß” verfasst. Jetzt wird sie im Volkstheater uraufgeführt. In der die Feiertagsmatinee teilenden Sendung leitet Maria Rennhofer ihr Gespräch ein mit: “Ich begrüße heute einen der Autoren bei mir…”
Sie begrüßte Gerhard Rühm. (Die Sendung kam ja aus dem Künstlerzimmer, nicht vom Friedhof, wie das Datum der Ausstrahlung nahelegen würde.)



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