Essen ist eine Kantine Sonntag, 31. 10. 2004, 20:44

Mehr dazu folgt im Text, auf den unten verwiesen wird. Vorweg: Ich empfehle den 360� Rundblick im Kategorie-A Zimmer; passen Sie aber auf, dass Ihnen nicht schwindlich wird. Zimmer und Bett waren echt ok, um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen. Aber lesen Sie hier weiter.



Flughafenträume Samstag, 30. 10. 2004, 23:53

Ich sitze im ICE von Essen nach Wien und blicke in Fahrtrichtung rechts aus dem Fenster. Über Offenbach am Main, aufgefädelt auf einer unsichtbaren Schnur, schweben den Flughafen Frankfurt anfliegende Flugzeuge. Es wirkt, als stünden sie da oben.
Unsere Besuche bei Onkel Hansi und Tante Greti in Rüsselsheim habe ich als besonders attraktiv in Erinnerung. Mamas jüngerer Bruder konstruierte dort die Hinterlichter z.B. für den neuen Opel Ascona, Papas viertes Auto nach der dreistufig aufsteigenden Fiat-Reihe, 850 – 128 – 131. Die aufsteigende und somit den gesellschaftlichen Aufstieg belegende Tendenz wird Außenstehenden erst klar, wenn man die Typennamen ausschreibt, also: Ochtfuchzga (Acht Komma Fünfzig), dann der Hundatochtazwanzga (beginnt bereits mit Hundert, um Häuser besser) und schließlich, familiäre Fiatkrönung, der schweinfurtgrüne Hundatanadreißga. Diese Farbe allerdings (bzw. ihr Name) sollte bereits auf die Herkunftsregion von Auto Nummero Vier verweisen. Schließlich hatte Onkel Hansi ja in Rüsselsheim für Papa das Rücklicht konstruiert.
Deutschland, das hat modern geklungen, und auch Tante Greti (sie war mit Onkel Hansi aus Steyr aussi nach Rüsselsheim) war tatsächlich so modern wie die Frisuren der schlanken Damen, die samstags im Hauptabendprogramm Peter Frankenfeld, Rudi Carrell (seine Show, ein neues Wort für uns, und sein Akzent waren besonders lustig) oder Hans-Joachim Kulenkampff die Getränke oder Kuverts bringen durften. (Im Sachunterricht, der damals Heimatkunde hieß, hatte jedes oberösterreichische Kind gelernt, dass das ganze Land unter dem besonderen Schutz der Frauensteiner Schutzmantelmadonna steht. So hat sich das Kuli also gerichtet: Er wurde 1998 in Frauenstein begraben.)
Wenn wir bei Onkel Hansi und Tante Greti zu Besuch waren, freuten wir uns auf die Aussicht, wenn wir brav waren auf die Aussichtsterrasse des nahen Frankfurter Flughafens zu dürfen. Wenn ich genau schaute, konnte ich die Passagiere aus den Bullaugen der startenden Flieger herüberwinken sehen. Natürlich winkte ich zurück. Ob auch ich einmal fliegen würde?
Beim Heimfahren nach österreich und lange Zeit später, wenn wir durch weites, flaches Land gekommen sind, stellte ich mir vor, wie gut ein Großflughafen in diese Landschaft passen würde. Ich konnte nicht verstehen, wie es gegen so etwas prächtiges wie einen Flugplatz Einwände oder gar Widerstände geben konnte.
Geflogen bin ich das erste Mal schon mit Siebzehn, natürlich von Deutschland nach Amerika (wohin sonst sollte man auch fliegen?). Mit der Stadtkapelle Steyr besuchten wir die Kettering Civic Band in unserer Schwesternstadt im faden Ohio. Leider starteten wir nicht in Frankfurt. Schade, denn in München wusste ich nicht, wo die Besucherterrasse war.

Jahre später stieg ich das erste Mal in FFM um. Ich vergaß aufs Winken.



Entenschwimmkindergarten , 20:42

Ich sitze im ICE auf der Heimreise von Essen nach Wien.
Am Rhein. Enten schwimmen im betonierten ovalen Abwasserbecken einer Kläranlage. Nahe beim großen Strom wirken sie wie übende Kinder im Verkehrskindergarten neben der richtigen Straße.



steirisch-vegetatives Montag, 25. 10. 2004, 15:47

2000
Sauvignon blanc
Dieser Wein erfüllt Ihre Erwartungen mit seiner reifen Nase nach Paprika und grünen Bohnen. Sein steirisch-vegetatives Auftreten wird von der überragenden Reife des Jahrgangs 2000 ergänzt.
Qualitätswein LS 2057/01
Südsteiermark
österreich
alc. 12,0 % vol trocken 0,75l
Abfüller
Weingut Scheucher
A-8423 Labuttendorf 20
Tel. +43/3184/4080

Tja. So steht es auf dem Etikett.
Das Epitheton steirisch-vegetativ ließe sich problemlos exportieren, z.B. nach Kalifornien. Und steirisch-vegetativ ist möglicherweise eine ähnlich überflüssige Tautologie wie der Namen unseres größten Außersteirischen aller Zeiten, dort, im fernen Westen, am Ende aller tracks, Sapperment.

PS: Der Wein war gelb wie das legendäre Gold von Sacramento. Und er hat vorzüglich geschmeckt. (Speiseempfehlung: Hummer?)



Franzobel & Mütter in Lambach Samstag, 23. 10. 2004, 17:30

Am 22. Oktober haben Franzobel & Mütter in Lambach im Rossstall als Gast des Vereins o2 (sprich: ozwei) gespielt.
o2 beschreibt auf seiner Homepage den Weg zum Rossstall: Am westlichen Ende des Marktplatzes zweigt zwischen Gemeindeamt und Bipa die Hafferlgasse ab. Dort findest du linkerhand den Rossstall. Zum Eingang unseres Veranstaltungslokals gehe die Hafferlgasse weiter, durch die hölzerne Tür links und die Stiege rauf.
Also, wer da nicht hinfindet, habe ich mir gedacht, und ich habe sogar selbst und ganz von allein hingefunden in den Rossstall. Das kam so: Um 19.03 wurde nämlich auch Franzobel vom Zug abgeholt, er allerdings in Attnang-Puchheim; ich kam aber um 19.03 in Lambach Markt an; tja, da hat es geheißen: 20 Minuten Fußmarsch, selber schuld, wenn ich kein Handy habe, denke ich mir, aber es soll schon schlimmeres passiert sein, auch wenn es im Augenblick mühsam ist, eineinhalb Kilometer mit Posaune und sonstiger Ausrüstung auf der B1 zu spazieren.
Unser Auftritt fand dann vor einem wunderbaren Publikum statt. Da ich mich entschieden hatte, in der Nacht noch nach Wien zu fahren, bekam ich auch noch sechs perfekte Hascheeknöderl samt warmem Sauerkraut mit auf die Reise, Mahlzeit und danke vielmals, liebe Andrea und weiter dem ganzen o2-Team.
Und zum Schluss auch noch schriftlich: Ich verspreche, dass ich das nächste Mal nach dem Auftritt über Nacht bleiben werde! HUGH.



in memoriam Klaus Johns (1950 – 2004) Freitag, 22. 10. 2004, 1:21

Gestern haben mir ognat das erste Mal meinen tetigi tactum. ognatango vorgespielt, und ich war voller Freude unterwegs zu meinem Auftritt in Krems. Wie ich beim Umsteigen in Heiligenstadt Beat Furrer getroffen habe, hat er mir die traurige Mitteilung gemacht, dass der große Tangoaficionado Klaus Johns im 55. Lebensjahr verstorben ist. In seiner Tangavan Latin Band hatte auch ich Ende der 80er Jahre das Vergnügen, mit zu musizieren. Der Tango und die Musikwelt verlieren in diesem in Graz gestrandeten Hamburger einen großartigen, umfassend gebildeten Musiker und Menschen.
Ihm sei meine verdichtete Tangostudie zur Erinnnerung gewidmet.



Schneeregen Donnerstag, 21. 10. 2004, 12:55

In Innsbruck hat es am 20. Oktober 2004 bei einer Razzia aus einem Haus am Südtirolerplatz Schnee geregnet, ist in der Zeitung gestanden. Es habe keine Gefährdung für die Passanten unten gegeben, der Schnee hat sich auf eine Dichte zerteilt, die unter jedem Grenzwert liegt.



nobelpreisen / 2 Freitag, 15. 10. 2004, 10:47

Sowas, jetzt ist doch der Hl. Stuhl in Rom mit der Entscheidung vom p.t. Nobelpreiskomittee in Stockholm nicht wirklich zufrieden, mag Elfrieden nicht so gern wie alle Österreicherinnen und Österreicher.
Dürfen wir sich das gefallen lassen? Nein, was genug ist, ist genug, halt, es reicht, bis hierher und dann aber stop für eine choc-o-top.
Da haben österreichs Adel und eine ganze Gebetsliga dazu im voraus und in jahrzehntelanger Aufopferung als Gegengeschäft für Elfis Nobelpreis der Hl. Mutter Kirche und dem Hl. Vater Papst unseren letzten Kaiserselig überschrieben. Und dann dieser Bericht im osservatore. Das war nicht fair, wirklich wahr!
österreich, steh auf, erwehre dich und schütz deine poeta laureatissima!
Tätärätäää! Ich höre Hörnerschall! Es knallt in den Wäldern! Wackere Waidmänner, sie wanken nicht und trotzen manniglich dem Vatikanischen Bannspruche: Wildschweine wühlen in Osttirols Wäldern und Feldern, sie wandern aus ihren vatikanischen Weiden herüber zu uns. Was zuviel ist, ist zuviel, jetzt gibt es keinen Pardon mehr (hat der stellvertretende niederösterreichische Landesjägermeister in Osttirol angekündigt). Es wird zurückgeschossen! Wir können sich nicht alles gefallen lassen!
Was wird immer gejammert darüber, dass Rückgrat und erst recht Ziwilkurasch ein Frembdwort in Österreich sei.
Jäger, ich bin stolz auf euch: Wissend um die Naturverbundenheit unserer Heimatdichterin setzt ihr Taten, wo unsereiner nur redet.

Ich kann mir kein ergreifenderes Bild der einträchtigen Nation vorstellen.



immer wieder nobelpreisen Freitag, 8. 10. 2004, 15:57

Das ist ja eine wirklich schöne Überraschung, Elfriede Jelinek hat den Nobelpreis für Literatur zugesprochen bekommen, da ist uneingeschränkt zu gratulieren, und unverzüglich wurde im Kaffeehaus (beim Weingartner wie auch im Westend, einem ihrer bevorzugten) in den Tageszeitungen das Wesentliche unterstrichen, mit BIC-Kugelschreiber zittrig hingekraxelt: dass ihr Vater aus einer jüdischen Familie (Kommentar: no, na!) stammt und dass sich Jelinek ganz passabel auf Dreck reimt und dass sie mit Genuss immer wieder Österreich in diesen Jelinekdreck zieht und man sich also trotz immawiedaöstaeich nicht uneingeschränkt freuen darf und wer hat den Nobelpreis denn aller nicht bekommen und wer hat ihn bekommen, das muss man sich auch einmal anschauen, man denke nur an Karl Schranz 1972 in Sapporo…
Erinnern wir uns: entweder man liebt Kunst und Kultur oder E. J. & Co… Österreich ist in seinem Freudentaumel aufgerufen, sich einmal mehr in seiner Kunst des Entwederundoder zu beweisen, und es gelingt selbst der Kronenzeitung, Gratulationen also, von allen Seiten, ein jeder halt auf seine Façon.
Die Nachricht an sich aber ist unglaublich, und ich habe sie, seit ich es erfahren habe (es war Donnerstag, zehn nach Eins), immer wieder via Internet, Radio etc. verifizieren und in der Folge in allen erreichbaren Zeitungen die gleichen Zitate nachlesen müssen, immer wieder, immer wieder, zwickts mi, i man i tram. (Ich kann mich an wenige Situationen eines derartigen Nichtwahrhabenkönnens erinnern; diesmal ist der Anlass zum Glück ein sehr erfreulicher.)
Amüsant ist, dass der zeitgleich und seit Wochen als Spitzenmeldung des Tages angekündigte Wechsel in St. Pölten (K.K. folgt auf K.K., alles bleibt besser) komplett hinweggespült wurde, da kann nicht einmal unser Kaiserselig helfend eingreifen (und schon vorher wollte er aufs Nobelpreiskomitee auch keinen rechten Einfluss ausüben).
Also noch einmal, liebe E. J., herzlichen Glückwunsch; ich verspreche, dass kein Knopfloch auf meinem Sakko für Deinen Großen Preis reserviert ist. Hermann Maier – wenn schon nicht Karl Schranz – eignet sich dafür ohnehin besser. (Der aber auch nicht so recht. Wie wäre es mit Andi Goldberger?)



parlandoreport/4: radiohören Dienstag, 5. 10. 2004, 20:19

Beim Radio, wenn man an der Skala von links nach rechts und wieder zurück gedreht hat, war da dieses warme Rauschen, und manchmal waren kurz irgend ein Musikstück oder Sprachfetzen zu hören (kaum etwas auf Deutsch), und nie hat nur der Funken einer Chance bestanden, zu erfahren, was man da eben im Hörfunk gesendet wurde (und wenn, dann war die zufällig getroffene Ansage in einer ganz und gar unverständlichen Sprache). Es ist dies lange Zeit mein einziger direkter Eindruck vom Ostblock gewesen, sieht man vom Moldaublick oder vom Dreisesselberg ab.
Das ungeheure Potenzial, stellt man sich die Gleichzeitigkeit aller möglichen Sendungen vor und das absichtslose Durchrauschen (das nicht zu vergleichen ist mit dem angeödeten Durchzappen auf der Fernseherfernbedienung) übte eine magische Anziehung auf mich aus. Magisch war auch dieses grüne Licht im Schlitz an der Vorderseite der Stofffront des Apparats, das von links und rechts außen zueinander wollte und sich je nach Empfangsstärke recht träge mit sich vereinte und gleich wieder trennen musste, denn ich habe weiter gedreht, nur am Sonntag um 10 nach 8, wenn die Landesnachrichten mit den Flugwetterwerten der Wetterwarte Hörsching, achtelattostratokumuluss, langsam Richtung Großer Sendesaal des Funkhauses Wien wiesen, war es Zeit zu verweilen, um gemeinsam mit Oma beim Frühstück bis gegen 9 mit allen anderen österreicherinnen und österreichern und allen Marodnmadlnundbuam zu erfahren Was gibt es Neues.
Dann aber schnell hinüber in die Kirche zum Ministrieren.

Auch darum geht es bei parlando.
Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.



Jubeltag Freitag, 1. 10. 2004, 16:53

Profimusiker Bertl Mütter
Der 1.10.2004 markiert mein 20-jähriges Jubiläum als Berufsmusiker: Am 1. Oktober 1984 bin ich in Linz-Ebelsberg zur Militärmusik eingerückt.
Ein Jubeltag!
Anders betrachet bedeutet dieses Datum das Ende eines schönen Hobbys: Seither werde ich - no shilling, no feeling - fürs Musikmachen bezahlt.
Mütter mit Kuh
(Nicht von allen; außerdem ergeben sich immer wieder schöne Projekte mit interessanten Kolleginnen und Kollegen.)

Die überwältigende Popularität schmeichelt zwar, ist aber zugleich das wahre Kreuz des Musikerdaseins: Wo immer du hinkommst, überall erwartet dich diese Meute von Paparazzi (meine nennen sich Mamarazzi), und die vielen Autogramme, die man den Leuten auf der Straße, im Taxi und in den Lounges geben muss! Mit der entsprechend dezenten Tarnung ist es mir aber unlängst gelungen, nicht einmal in Attnang-Puchheim sofort erkannt zu werden:
Bertlzorro
Je öfter ich mir dieses Bild anschaue, desto mehr überlege ich, ob ich mir nicht doch die Nase machen lassen sollte. Hn?



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