parlandoreport/3 Dienstag, 28. 9. 2004, 22:07

Die CD ist fertig gemastert, wieder geht es an die Grenze des Erlaubten, im Fall vom parlando sind es fast 80 Minuten; sie teilen sich auf in drei Aktionsräume des Stifts St. Lambrecht: die als Kirchenraum herkömmliche, mittelkleine Peterskirche (samt gotischem Altar), den für die letzten Dinge reservierten romanischen Karner und die Schloßkapelle im über dem Kloster gelegenen Areal des mittlerweile verfallenen Äbteschlosses, die bei mir weltlich konnotiert ist. Drei sehr verschiedene und doch miteinander verwobene Sessions im Verhältnis 30 : 30 : 20 Minuten sind das Ergebnis.
Christian hat seine Ohren und seine große Erfahrung in gewohnt souveräner und dezenter Weise umgesetzt, feine Soundarbeit hat auch Charly Petermichl im Hintergrund geleistet. Man darf sich aufs Anhören wirklich freuen. (Nebenbei gehört würde es allerdings mit Sicherheit nerven.)
Letzten Samstag habe ich mit Michael Atteneder dann mögliche Wege einer graphischen Umsetzung andiskutiert, und es sind bereits konkrete Ideen vorhanden. Mehr dazu rechtzeitig.
Und auch übers Radio in der frühen Kindheit.
Und noch was: Absichtslos ist ein mögliches Stichwort, unter dem man die Stimmung der Musik auf parlando zusammenfassen kann.



kälter / nushu /2 Freitag, 24. 9. 2004, 20:48

Kälter ist es geworden. Verräumt der Ventilator (der diesen Sommer ohnehin nur Dekoration sein konnte), im Austausch kommt Fred, der Verdampfluftbefeuchter.
Heute Abend habe ich nun die Therme auf Heizbetrieb umgestellt. Das wird wieder dauern.
Umgekehrt und positiv gesehen: Der Rote schmeckt im Winter am besten. Erst recht der Amarone.

Ein Wort noch zu nushu.
Da erfährt man von einem Verlust von etwas, von dem man vorher gar nicht gewusst hat, dass es existiert. Wo liegt also der Verlust? (Und er ist da, der Verlust, er läßt sich nicht wegreden!)
Umgekehrt: Bei TCM zum Beispiel kriegt man – jede Woche eine neue Welt – Sachen, von denen man vorher noch gar nicht gewusst hat, dass man sie braucht (oder es zumindest jedes Jahr vergißt, TCM-Produkte erscheinen zyklisch.).
Schon irgendwie interessant.



nushu , 8:30

Der Standard meldet, dass nushu, eine Sprache, die nur von Frauen in einer abgelegenen Provinz Chinas gesprochen wurde, mit der letzten Muttersprachlerin (98 ist sie angeblich geworden) ausgestorben sei.
Ich habe nun recherchiert und muss den Standard korrigieren: Es handelt sich nicht, wie gemeldet, um eine Sprache, sondern um eine sehr spezielle Schrift:
nushu - die Schrift
li: nushu (original) re: nushu (chin. Umschrift)

Ich verweise auf meine Komposition AEIOU für tiefes Quintett (2002) und behalte mir vor, diese traurige Tatsache in einer weiteren Komposition zu würdigen.
Mich interessiert das wirklich.



Lärm versäumt Donnerstag, 23. 9. 2004, 15:22

Eben erfahre ich aus dem Amtsblatt der Stadt Steyr (April 2004), dass die Oö. Landesregierung 2004 zum Jahr des Lärms erklärt hat. Hätte ich das früher erfahren, mir wäre schon ein einzureichendes Projekt dazu eingefallen.
Ich zitiere aus dem oben erwähnten Periodikum: In einem Hör-Erlebnispavillon können die Besucher in die Welt des Lärms eintauchen. Stadtbetriebe Steyr, Ennser Straße 10, Hauptgebäude, 2. Stock; zu besichtigen jeweils von 9 bis 18 Uhr.
Schade, dass das schon vorbei ist.
Ich hätte zu gern gewußt, wie er denn ausschaut, der Lärm.
Mütter labil Photo © Dorothea Wimmer
So etwa?
Mütter horcht auf den Lärm
Und wie hört er sich an?



parlandoreport/2 Mittwoch, 22. 9. 2004, 11:49

Gestern haben wir das master so gut wie fertig gemacht, ich kopier’s noch schnell und schick’s dem Michael nach Steyr, damit er weiß, wie’s klingt und sich seinen grafischen Kopf ordentlich zermartert.
Drei Teile hat die CD bekommen, das war ja auch irgendwie klar, habe ich doch in drei Räumen – der Peterskirche, dem Karner und der Schlosskapelle aufgenommen, Anfang Sommer in St. Lambrecht. Das macht auch drei Silben, wie par-lan-do. Und italienisch ist der Titel (und auch die Stücke werden italienische Namen tragen), weil es geht ja um pure Musik, die wurde die längste Zeit italienisch beschrieben, zumindest die Tempoangaben, (ich weiß, schon Berlioz hat die erläuternden Zusätze französisch geschrieben).
Musik jedenfalls ist bei mir Reden, im Fall von parlando ein spontanes Reden. Wie man ja auch, wenn man miteinander spricht (und sich was zu sagen hat) letztlich improvisiert; man einigt sich (in der Regel unausgesprochener Weise) auf ein Thema, dann kommt das Werkl ins Laufen: Vokabel, Grammatik, Syntax, Gliederung, Rede und Gegenrede. Und idealer Weise einen feinen Wein dazu.
Abgesehen von diesem gepflegten Gespräch gibt es auch (und vor allem) die herkömmliche Standardsituation des Sprechens, die alltägliche Gebrauchssprache, sGott, eine Melange bitte, Kannst du bitte deine Tür leise zumachen und so weiter.
Schon kurios, dass es genau einen Beruf gibt, wo überwiegend nicht Spontanes geredet wird; und das Publikum geht ins Theater, um sich das anzuschauen. Die Schauspieler werden gewissermaßen dafür bezahlt, dass sie uns vorspielen, ihre wohlgeprobten Dialoge entstünden im Augenblick, seien das richtige Leben.
Und wie ist das mit der Musik?
Auch hier wird meist stark Vorherbestimmtes wiedergegeben; die Jazzmusik behauptet von sich, sehr starke Improvisationsanteile zu haben. (Ich bezweifle das.) Und manche (es sind wenige) lassen sich darauf ein, gänzlich blank aufs Podium zu gehen und im Augenblick etwas erstehen zu lassen. Auch hier gibt es natürlich Fraktionen und Untergruppen, sektenhaft mag es oft anmuten: Frei, aber bitte nur ja keine Melodie, kein rhythmisch-melodisches Kontinuum etc… Ja wie denn, kann nicht frei sein auch bedeuten, dass es nicht unstatthaft sei, die Füße zum Gehen, den Hintern zum Sitzen und die Finger zum Nasenbohren verwenden zu dürfen? (Obwohl: es war schon Büchners Lenz unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehn konnte)

Um all das geht es bei parlando.
Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.



parlandoreport/1 Freitag, 10. 9. 2004, 12:05

Seit 9. September arbeite ich nun gemeinsam mit
Christian Mühlbacher (Klang)

Spinat ist gut für die Ohren!

und Michael Atteneder (Grafik Design)

Dieser Mensch liebt die schöne Blasmusik!

an meiner neuen Solo-CD, parlando wird sie heißen. Aufgenommen haben wir sie ja schon Ende Juni in den Kirchen von St. Lambrecht, jetzt heißt es auswählen, hören, weiter vor- und nachdenken, Texte schreiben uvm…
Bis Mitte Oktober soll sie fertig sein. Dann gibt es nämlich auch wieder ein paar Konzerte.



Ferkeleien Dienstag, 7. 9. 2004, 9:01

Quallenferkel
Welches Schweinderl hätten’S denn gern? Robert Lembke (1913 – 1989)

Dem linken Ferkel wurde das Leuchtgen einer Qualle eingepflanzt. Und dem rechten wurden die Gene eines Punschkrapferls übertragen.
Wie die wohl schmecken werden einmal? (Im Zweifelsfall bevorzuge ich den Rumgeschmack.)
Obwohl, das mit dem Leuchtgen gibt mir zu denken. Man sollte das in Taschenlampen einbauen. Dann brauchst du keine Batterien mehr, hoffe ich.



Jakobsleiter Samstag, 4. 9. 2004, 9:42

Samstag, 4. September 2004, 19.00
St. Jakob am Mitterberg bei St. Marein-Pöllau
Jakobsleiter
Veranstalter: Jeunesse Murau in Zusammenarbeit mit der Gemeinnützigen österreichischen Baukultur-Privatstiftung
Bläserensemble Naturpark Grebenzen
Victoria Coeln, Farbraum
Bertl Mütter, Posaune, Stimme, Euphonium, Musik

Verborgen über St. Marein, auf dem Weg nach Pöllau (das ist bei Neumarkt in der Steiermark, am Weg nach Kärnten, auf der Triester Bundesstraße) liegt die lange Zeit unbeachtet verfallende roman(t)ische Kirchenruine, die Jakobikirche. Seit mehreren Jahren arbeitet die Gemeinnützige österreichische Baukultur-Privatstiftung an der schonenden Revitalisierung dieses kleinen architektonischen Juwels.
Beim kurzen Spaziergang über die Weide hinab zum kleinen verfallenen Weiler wird das Publikum von Bläserklängen empfangen. Verteilt im Wald (und nach und nach sichtbar) leiten sie,

Bojen gleich, zum Ort des zentralen Geschehens um und in der Jakobikirche, vergleichbar den Lichtstrahlen und den Farben, in die uns Victoria Coeln später zu baden einlädt.

Dabei wird die Musik immer konkreter, setzt sich aus vereinzelten Klängen nach und nach zusammen. Aus der Bläserschar wird sich Bertl Mütter lösen und das Publikum einladen, ihm auf seinem Weg (um die Kirche, aber auch im Innenraum) mit allen Sinnen zu folgen, es ist eine kontemplativ-abenteuerliche Expedition. Aufsteigendes, Schwebendes, Absteigendes.
Auf der Erde wieder, werden das Bläserensemble Naturpark Grebenzen das Publikum mit bodenständigen Stücken erfreuen, das Jakobsfest nimmt seinen Lauf mit Speis und Trank und einer Leiter,

die zum Himmel leuchten wird.

Victoria Coeln schreibt über den Farbraum Mitterberg:

Mit der Dämmerung reduziert sich der gewaltige Lichtraum, der gerade noch die Umgebung erhellt hat. Licht zentriert und verdichtet sich um die Jakobikirche. Dabei wird das natürliche Licht nahezu unmerklich von einem kontemplativen und zugleich lebendigen Farbraum aus Fackeln und gemaltem Licht abgelöst. Dieser immaterielle Raum erweitert und durchdringt das sakrale Bauwerk. Er ist so aufgebaut, dass jeder Besucher in den Farbraum eintreten kann, um sich bewusst oder unbewusst mit der Architektur zu verbinden, ja tatsächlich für einen langen oder auch nur kurzen Moment den Gesamteindruck der Architektur zu verändern.
Bertl Mütter wird den Farbraum Mitterberg öffnen und die Besucher dazu einladen, die Kirche durch die Bewegung der eigenen Farbschatten zu ertasten und selbst vielschichtig bewegte Raumbilder zu schöpfen, eine Einladung zu Begegnungen im Licht.

Ein großes und auch recht vergnügliches Erlebnis, bis spät in die Nacht waren wir draußen, die Feuer haben gut gewärmt, es war aber auch unerwartet warm für Anfang September auf 1.000m. Und ein Buffet, ich sag’s Ihnen!



Powered by WordPress kostenloser Counter