flügel, samtene(r) Freitag, 3. 9. 2010, 0:00

diese unfassbar unerschöpfliche lässigkeit, laszivität, mit der der junge gulda (der alte) seinen chopin aus den tasten schludert. da stimmt (und schwingt) jedes flimmerhärchen. und bebt busig.



zucker, letzter Donnerstag, 2. 9. 2010, 0:00

paul flora hat in seinem büchlein über die brotlosen berufe neben den darstellungen der üblichen verdächtigen (geigerzähler, fischmesser, regenschauer, …) auch eine treffliche darstellung des zuckers gezeichnet.

wie viele möglichkeiten es doch gibt, einen letzten zucker zu machen.

um beim verehrten paul flora zu bleiben: als er diese kleine zeichnung gemacht hat (sie ist, zugegeben, etwas verwackelt), wird er sicherlich, nach vielleicht ein zwei vorstudien (wenn er die denn nötig hatte), einen allerletzten zucker gemacht haben und dann nie wieder auch nur genaggelt.

orgasmische konvulsionen hören sich auch auf.

irgendwann wirst du nicht mehr zucken, wenn sie, das immediate hier!schreien erwartend, deinen namen rufen. zuvor aber wirst du deinen letzten zucker (dieser art) machen.

dann noch die mitarbeiter bei der agrana in hohenau an der march: bevor sie ihnen 2006 ihre fabrik zugesperrt haben (offiziell aufgrund ständig fallender zuckerpreise am weltmarkt), haben sie alle noch einen letzten zucker gemacht; ob der allerdings süß geschmeckt hat, darüber wurde uns nichts überliefert.

und so weiter, und wer zuckt zuletzt beim wort zuckerbrot vor der peitsche? (was für ein knall! es ist, wir wissen es, der des überschalls, und ein jeder zucker geht blitzschnell ins blut, aspartam aber kann eine phenylalaninquelle enthalten, wenn es, bei diabetikern auch gut für den blutzucker ist, zumindest aufkommensneutral.

sie aber, können sie sich noch an ihren ersten zucker erinnern? (in steyr, da kenne ich einen touretteartisten, das war mein erster.)



herbstmütter 2010 Mittwoch, 1. 9. 2010, 12:00

weiche, wotan, weiche
richard wagner, das rheingold, vierte szene

liebe mba,

ab morgen kommen keine frischen fünfundsiebzigwattbirnen mehr in den handel, hat die radionachrichtensprecherin eine stunde vor dem inkrafttreten des mitternächtlichen morgens, der längstschon einem mittag weichen musste (und auch der wird sich in einen abend vertschüsst haben undsoweiter) verkündet. das war doch etwas knapp, im finstern noch dazu, unfair sowas. nachrichtentatsache aber ist, dass ein nährwert von 75 watt (wieviele joule respektive kalorien sind das eigentlich? und: wie groß ist die zugestandene toleranzschwankungsbreite?) den birnen fürderhin vorenthalten ist, zumindest jenen frischen im handel. wollen sie also fünfundsiebzigwattbirnen, kaufen sie sich unfrische, und auch die mostbirn fallen schon von den bäumen, sie sind etwas kleiner, aber, sagen wir: drei fünfundzwanziger, so lehrt uns das mittelgroße einmaleins, machen auch fünfundsiebzig, und wenn du sie ordentlich presst, kannst du sie auch in ein großes gewinde hineindrehen, drehst du dann auf, wirst du schwarz sehen, das aber ist verboten, und gerbstoffreich sind sie noch dazu, die mostbirn.

herbst herbst herbst.

heute vor einem jahr war es heiß, täuschhochsommerlich heiß. so erinnert man sich, sehnend, in der kühle, vergisst dabei aber gerne, dass ab 3. september ein voroktober anbrach, der sich gewaschen hatte, schnee am grimming, ganz unschön weit herab, jawohl. mein erster trost: hält sich das wetter diesmal an den bericht (vieles spricht dafür), wird es diesmal angenehmer sein.

sie sehen, es will mir nicht recht gelingen, allzu redundant (ein recht regionalvorwahlszeitgemäßes wort) ist die wettersache, dieses in schwankenden varianten immergleiche, als dass es mir gelingen möchterte, sie zu einem tauglichen thema zu machen, und ich frage mich, ob es nicht interessant und beruhigender wäre, an einem ort zu leben, wo es keine jahreszeit gibt, am äquator, wo alles gleich ist, gleichgemacht, am besten überhaupt in ecuador, meinen panamahut aus bestem ecuadorischem handgeflecht am kahlen kopf. oder wo, wo es, zumindest saisonal, überhaupt kein wetter gibt, in einem attnangpuchheimeligen dauernovember, von mitte september bis nach ostern (und ostern ist 2011 sehr spät: der weiße sonntag fällt mit dem tag der arbeit zusammen – wo doch noch 2008, vor nicht allzu langer zeit also, der hundertste geburtstag von giovannino guareschi, dieser erste mai, sinnigerweise mit christi himmelfahrt ident war, was für eine liebevolle referenz der gestirne vor dem schöpfer von don camillo und peppone!). dieses kommende hochnebelnangpu ist ja gerade in unseren nördlich der alpen gelegenen mäßigungsbreiten sehr populär, würfeln wir uns doch hoch von, sagen wir: frankenburg, touchieren wir den rand des hochnebelfreilands in salzburg weiter, über, weils hier auch schon immer schön war, augsburg, neuburg (nein, der leberkäs, den man nicht leberkäs nennen darf, stammt aus ulrichsberg im böhmerwald), mainburg, regensburg, nürnberg (oops!), würzburg, coburg, zur wartburg, weiter nach altenburg, mit einem abstecher (den wir uns gönnen wollen!) ins nahe frohburg, dann naumburg, über die henne und den pödelist ins unstrutige freyburg, quedlinburg, magdeburg, wolfsburg, lüneburg, hamburg, rendsburg mit seiner nordostseekanalstahlhochbrücke bis hinauf nach flensburg – um ein paar burgen (und auch einen – recht eben daliegenden – berg) aufzuzählen.

ich muss zugeben, recht aussageprall war der letzte absatz auch nicht.

zurück, dennoch, zu den temperaturen. das hitzegedächtnis ist ein nur sehr wenig hilfreiches, wenn sich der herbst anschleicht. thomas manns satan hat im doktor faustus ein taugliches bild für die hölle gefunden:

… ihr wesen oder, wenn du willst, ihre pointe ist, dass sie ihren insassen nur die wahl lässt zwischen extremer kälte und einer glut, die den granit zum schmelzen bringen könnte, – zwischen diesen beiden zuständen flüchten sie brüllend hin und her, denn in dem einen erscheint der andre immer als himmlisches labsal, ist aber sofort und in des wortes höllischter bedeutung unerträglich.

zurück also in den süden, in windeseile und nicht mit dem auto (die strecke von franken- nach flensburg hat exakt dreiundzwanzig stunden und null minuten gedauert – wäre man am 31. august 2010 pünktlich zur mitternacht gestartet, hätte, astronautengleich, nie getankt oder, anhaltend, stoffwechselendprodukte ausgeschieden und hätte man zudem in flensburg noch österreich eins aufgedreht gehabt, so hätte man als spitzenmeldung in den nachrichten obige fünfundsiebzigwattbirnenabschaffungsmitteilung  gerade nicht mehr erhalten, weil man in dem moment den schlüssel aus dem schloss herausgezogen hätte, was das licht – und das autoradio – abgedreht hätte), ab in den süden, in die dolomiten, da ist es, höllenfern, nicht allzu heiß (manchmal mag es gewittern), am pragser wildsee servieren sie dir frittata dell’imperatore, das heißt dir nicht, den italienern aber, du kriegst dafür deinen kaiserschmarrn, gute alte zeit, fürwahr, und du gibst dir, vor dem abstieg, noch einen letzten zucker drauf, zwetschkenröster dazu, himmlisch.

mit dieser süße am imaginären gaumen will ich sie dem herbst überlassen, er sei ein goldener und bitter nur dort, wo sie es so wünschen, das kann ja zwischendurch auch ganz gut schmecken.

wobei ich den thomasmännlichen höllenvergleich jetzt nicht auf die grundliegenden geschmacksrichtungen anwenden will: was für ein unseliges hetzen im pentagon (oder ists gar ein hexagon?) zwischen süß, sauer, salzig, bitter bitter, umami (und möglicherweise fettig?)!

süß

sauer

salzig

bitter

weitere letzte zucker demnächst im mütterlog.

ihr bertl mütter
(der herbst ist so ein bilderreich, diesmal also fotolos)

service

vorbei ist vorbei.

mütterlog (täglich, seit 1.12.2004)

– kaufen sie tonträger.

– konzerte, symposien, workshops: finden sie alles rechtzeitig auf muetter.at. ich erlaube mir, besonders auf klingenmünster (12.9., gregorianisch-hildiges mit witte-maria weber) und bingen (8.10., ähnlich hildiges, aber gaanz anders, mit ars choralis coeln) hinzuweisen. im oktober referiere ich in graz über harald kaufmann und györgy ligeti. im november bin ich zum workshopping im breisgauischen freiburg; womit auch das -burg-motiv zu seinem ende gefunden hätte, schloss damit!

– der nächste mütterbrief kommt zirka am 1. dezember 2010 zu mittag. bis dahin wird viel passiert sein (umgezogen bin ich und habe ich mich schon, und nach muetterlog.at wird auch muetter.at erneuert strahlen); die trauben werden gepresst sein, die mostbirn auch.

– ende. danke vielmals.



wahlkampf, avantgarde , 0:00

ein hugohypothetischer nachtrag zum sehr speziellen preisspiel (deftig von mir tuttellotterie genannt), das ein venezolanischer provinzpolitiker zum alleinigen zwecke seiner vorwahligen popularitätssteigerung ausgelobt hat; der erste preis (streng genommen sollten es zwei preise ex æquo sein) soll ja eine brustvergrößerung sein, für eine dame. jetzt, geschlechtergerechtigkeit, wie schaut das bei den männern aus, kriegen die keinen preis? asso, sie meinen, der preis sei die betrachtung der vergrößerten oberen extremitäten jener dame, welche den hauptgewinn gemacht haben wird, und ein preis dieser art gehe ja letztlich immer an die betrachter, die augenblickskonsumenten also.
trotzdem, was wird den herren angeboten? penisvergrößerungen kommen in hugos reich nicht in frage, weil erstens sind die weiblichen brüste sekundäre geschlechtsmerkmale (haben wir in der schule gelernt) und zweitens sind sämtliche männer in seinem land ohnehin per definitionem die bestbestückten von der ganzen welt.
mein vorschlag, zur güte: wampenreduktion (auch ein sekundäres – oder zumindest tertiäres männlichkeitsmerkmal). dann wäre das ganze zusammen möglicherweise aufkommensneutral, was auch den umweltgedanken in diese grundsätzlich (bleiben wir objektiv) hochlöbliche lotterie einfließen ließe.
obwohl, irgendein überhang bleibt immer. – möge der beste gewinnen!



wahlkampf, vorderfront Dienstag, 31. 8. 2010, 0:00

brustvergrößerungen sind in venezuela sehr verbreitet. nach angaben des verbands der schönheitschirurgen ließen 2006 etwa 30.000 frauen den eingriff bei sich vornehmen.
information, orfon

breitbrüste seien also das aktuelle busendesign in hugos reich, und wieviele frauen (aber auch männer, kinde, hunde) den erweiterungseingriff bei anderen vornehmen ließen, darüber schweigen die gewohnt informativen orfonischen auskunftsquellen und lassen uns nach weiteren, detaillierteren nachrichten über dieses losspiel (eine tuttellotterie, um es mit deftiger freude am neuen begriff zu sagen) im venezolanischen provinzwahlkampf dürsten.
wir sind gespannt und erregt: wer wird gewinnen? und: was könnten sich da unsere aktuell wahlkämpfenden stadt- und landmänner einfallen lassen? ob manch einer wiener milch! lallen wird? um sich hernach auf eine breite basis berufen zu können? weiße wochen!



ruhe, gespannt Montag, 30. 8. 2010, 0:00

samstag mähen die männer. die frauen saugen, wischen dann alles ab. alles ist nun schön und es kann zu regnen beginnen.

(zur veröffentlichung an einem montag vorgesehen. damit allem seine ordnung bleibt, ja, wohl.)



abstand gewinnen Sonntag, 29. 8. 2010, 0:00

warum nur so viele sogenannte fachbücher (als allgemeinbegriff auf buchhandelsrechnungen geschrieben ein beliebter posten auf etlichen steuererklärungen) überformatig waren, sodass sie nicht in die regelregalhöhe passen wollten und spezieller fächer bedurften, größere abstände, so etwas machte bedeutsam, und wer wollte schon damit ernst genommen werden können, wenn er bequem in jedes beliebige fach passen würde, na eben.
oder hatte es mit der im vergleich zu früheren zeiten besseren (ausgewogeneren) ernährung zu tun, dass alles größer geworden war, und wer würde auch heute noch in eine ritterrüstung oder selbst eine uniform aus dem ersten weltkrieg passen, na also. wie es aber zu der dazu indirekt proportionalen raumhöhe gekommen sein konnte, diese frage hinterließ ihn ratlos.
studieren, weiter.



aufhausend Samstag, 28. 8. 2010, 0:00

träume sind wie katzen, sie gewöhnen sich als letzte ihr früheres zuhause ab.
georgi gospodinov, natürlicher roman

dieses mal hatte es seine traumkatze einfacher als zuletzt, wo man sie wohl als überfahren zu bezeichnen haben hätte können. abermals selbstbestimmt, aber zeitdrucklos und ohne den anschein einer flucht nach vorn (jawohl, nach vorn!) zog es ihn nordwärts, ein paar hausnummern allerdings nur, und jedes siedelguteinladen in einen transportkastenwagen hätte eine völlig unnötige, ja kontraproduktive zusätzliche übung dargestellt. schließlich stand jedes regal, wartete darauf, zum lager palindromisiert zu werden, ablage für die auslagerungen des gelesenen und mit- oder dagegengedachten und -gehörten, es hatte, ein glück, kein aufhängegut gebockt, er bezog also ein moltofillfreies heim, so etwas hatte die welt noch nicht gesehen. im radio spielte man zeitversetzt lebendige musik, was man mit inszeniertem szenegetöse (was denn das sei, eine szene?) für heutig halten wollte (es war eine historische manieriertheit, aber eine genüssliche manieriertheit, zum genießen obendrein), und zum ersten mal schnurrte er, leise zuerst und nur dem innenohr vernehmbar, aber es schnurrte in ihm, was für ein schweben, abheben, rechts über die schulter der fernblick funktionierte auch nachts.
schlafen, träumen, miaooo.



unhaltbar haltbar Freitag, 27. 8. 2010, 0:00

merke: wenn du die konservendose erfindest, vergiss bitte nicht, auch den dazu benötigten dosenöffner mit zu erfinden.
obwohl: dass eben der dosenöffner, wie neulich zu lesen, erst jahrzehnte später erfunden wurde, ließe sich auch als genialer werbetrick verstehen: seht her, jetzt erst brauchen wir den öffner, weil die speise in der dose so gut da drin hält.
mahlzeit, ihr pelati und ihr käferbohnen (entbeint & entfühlert)!



ja!, ja! Donnerstag, 26. 8. 2010, 0:00

gefällt mir
sozialnetzbeliebte zuspruchsäußerungsinformation (meist ungefragt preisgegeben)

natürlich nerven schostakowitschs allzuoft allzupädagogische fugati und fugensoggetti. sie werden aber durch seine aufbauarbeit in den dezent- unerbittlichen steigerungen wie auch in der beinah sachlichen innigkeit etwa des vierten satzes im klavierquintett g-moll mehr als wettgemacht.
um es unmissverständlich zu sagen: schosti verbucht klar auf der habenseite!



somatogalaktogeologisch Mittwoch, 25. 8. 2010, 0:00

die bemitleidenswerte dame in der vorderreihe hatte ganze sternbilder von gelsendippeln kopfhalsabwärts über ihrem gulaschblond hellhäutigen rückenausschnitt verstreut. dann musste sie – die ärmste! – auch noch husten, an einer leisen stelle eines konzerts, das selbst schon am rande der hörschwelle angesiedelt war, und es zerriss sie aber implosiv, so zivilisiert, wie man sich einen nach allen regeln der geheimhaltung ablaufenden unterirdischen atombombentest vorzustellen hat, niemand musste es bemerken, danach aber schien ihm, als ob an ihrem rücken ein neuer vulkankegel erstanden wäre, und zeit für eine neue seismische theorie wäre auch einmal wieder.
oder zumindest eine für die sternengenese.



niederkunft, vom himmel hoch Dienstag, 24. 8. 2010, 0:00

und dann, am beginn der anflugschneise in bzw. oberhalb von kaisersteinbruch über dem leithagebirge zwischen jois und bruck halt scheint es, besonders an sonnigen sommernachmittagen, als ob die einflugschneise selbst, als ob dieses immaterielle (eigentlich: metamaterielle, in diesem sinne sogar metaphysische) gebilde, leitstrahlprodukt der flugsicherung, die flugzeuge selbst aus dem himmel pickte, sie im wortwörtlichen sinn zeuge, so ähnlich wie beim spinnen von zuckerwatte muss das sein, ein holzsteckerl, zucker, rotation und: energie.
womit die das machen, flüge zeugen? und wer entsteigt eigentlich diesen himmelskörpern, frisch geerdet?



fuchteleien Montag, 23. 8. 2010, 0:00

die grundschwäche des menschen besteht nicht etwa darin, daß er nicht siegen, sondern daß er den sieg nicht ausnutzen kann. die jugend besiegt alles, den urtrug, die versteckteste teufelei, aber es ist niemand da der den sieg auffangen könnte, lebendig machen könnte, denn dann ist auch schon die jugend vorüber. das alter wagt an den sieg nicht mehr zu rühren und die neue jugend, gequält von dem gleicheinsetzenden neuen angriff, will ihren eigenen sieg. so wird der teufel zwar immerfort besiegt, aber niemals vernichtet.
franz kafka (nachlass, 1918-1922)

früher (er wusste nicht, ob heute auch noch, und wenn ja, dann sicherlich in zeitgemäßerer form) gab es in der kronenzeitung, unterhalb des kreuzworträtsels (fränkischer hausflur – ern) und neben der rubrik …wussten sie schon? (auflösungen im anzeigenteil, zwischen den traumweite 140-öffnenackt-inseraten) ein drittes rätselspiel, mit wechselnden, aber wiederkehrenden aufgaben. in einem musste man aus einem angegebenen namen durch anagrammatisches verschieben den angeblichen beruf der person herausarbeiten, z.b. war zweifelsfrei ernani zmmm von montag bis freitag zimmermann (am wochenende hat er als maurer gepfuscht).

warum ihn nur dieser name, dr. veronika prüller-jagenteufel – pastoraltheologin, der ihm unlängst untergekommen war, diese hörfunkvisitkarte, obwohl sie die – rätselregelgemäß falsche! – lösung gleich mitlieferte, ans kronenzeitungsrätsel erinnerte, noch dazu, verzögert (der name hatte in ihm einen sofortigen denkgärungsprozess ausgelöst), in jener großen abtei am pannonischen hügel?
eine hirtengottesgelehrte, die durch lautstarkes skandieren gewisser formeln auch den bösesten teufel in die flucht schlägt, möglicherweise mit schweißtuch, allerhand. womit kafka eindrucksvoll bestätigt wäre. aber auch der ärmste teufel kommt wieder, oja und gottseidank.
abt, eil!

(dieser text ist, wie er selbst erzählt, rein sprachassoziativ gewachsen und hat mit der realen person dr. v. p.-j., einer geachteten theologin, nichts zu tun.)



elend, endlich Sonntag, 22. 8. 2010, 0:00

das elend der welt hat sich nach seinem erscheinen allein in frankreich zweihunderttausendmal verkauft.
information, bildungsradio

es klingt, als würde das weh der menschheit aus einem tiefen ziehbrunnen geschöpft.
karl kraus, die letzten tage der menschheit, regieanweisung (5. akt, 9. szene)

… was für ein griss ums elend, und karl kraus hat uns immerhin einen kleinen hinweis gegeben, wo es herkommen könnte (es dürfte kakanischen ursprungs sein, zumindest vor etwa hundert jahren dürfte es von dort hergekommen sein), wie es klingt können wir uns aber nur im umkehrschluss vorstellen, und das ist ja das schöne bei den regieanweisungen, sie sind so plastisch, regen die phantasie an, verbunden mit der affirmation jetzt mach selber, ja, so!
und das kann ja wahrlich elendiglich sein. nachfrage danach gibt es zumindest in frankreich reichlich, nach seinem erscheinen halt erst.
halt, genau.
jetzt aber wieder zu den nachrichten aus aller welt.



die antwort Samstag, 21. 8. 2010, 0:00

die rechnungsnummer, wenn du die mir noch schickst, bitte, ja!?, bat ihn die managerin bei der auszahlung seines honorars, und er versprachs gern. daheim dann ergab die recherche tatsächlich die schöne zahl zweiundvierzig, woraufhin er es sich nicht verkneifen konnte, eine textlose nachricht zu schicken, mit allein den ziffern 4 und 2 in der betreffzeile.

die nachfrage, obwohl die erstfrage nicht siebeneinhalbmillionen jahre vor der antwort gestellt worden war, folgte auf dem fuß. was für ein diebisches vergnügen, dachte es tief in ihm drinnen.



bedürftig Freitag, 20. 8. 2010, 0:00

und eduscho/tchibo war ja nichts anderes als die alltags- und innenstadtvariante der ikeanischen daslebenistgutzuuns-philosophiebehauptung, und, genau besehen, hatten sie ja recht damit, und immer hatten sie genau die sachen im angebot, die du gerade brauchtest, akkubohrer, möbelverschiebteppichschoner, praktische portionierer und danke nein, kaffee keinen, auch nicht in schweden.



männersachen Donnerstag, 19. 8. 2010, 0:00

multitasking 1: elektrisches zähneputzen (anfänger)
multitasking 2: elektrisches zähneputzen (fortgeschrittene: telefonierzertifikat)
multitasking 3: + bügeln

(volkshochschulkurseinreichungsvorschläge)



schuhgrößenmaßstabversetzung Mittwoch, 18. 8. 2010, 0:00

das elefantenbaby in schönbrunn tritt in die fußstapfen des berühmten panda-bären fu long und mausert sich zum publikumsliebling.
orf wien, 13.8.2010

merkwürdig metamorph also präsentiert sich das meistpopuläre jungtier im ältesten zoo der welt, und hier ist es – zumindest den praktikanten von orfon – gelungen, ein tier in die umgekehrte richtung zu verwandeln, also nicht vom stechsauginsekt (od. kleinnager) zum größttrompeter, nein, aus dem elefanten ward ein mäuslein, im pandakostüm noch dazu, und sowas muss uns einmal einer nachmachen, also wirklich wahr!

in diesem sinne: gedenken wir wieder einmal des sketch-a-graphen!

sketch-a-graph



siedelnd, immer vorläufig Dienstag, 17. 8. 2010, 0:00

ein teil nach dem anderen konnte der entropie entrissen werden und einem geordneten neuewohnungsleben beigefügt werden (dieweil an der alten adresse eins nach dem andern in einem malstromwirbel versank), was ihn, sinnierend nach den besten (stets vorläufigen) ruheplätzen für all das zeug in den schachteln, nicht allzulang in den federn weilen ließ (liegst du allein, kreisen sie um dich, durch dich durch, diese denkprogrammgedanken), und darum war es wohl doch besser aufzustehen, aufauf!, einblasen dann!, halali! und auf zum proben, am weg lag ja auch das kindheitsvertraute jagdmuseum, und heiliger sankt florian, verschone unser haus, zünd s’haus vom nachbarn an!, nicht aber hier am dichtverbauten altstadtrand, ordentlich gezierte, vor allem negentropische ordnung, das war jetzt von vordringlicher wichtigkeit. proben fürs eigentliche, das ja jetzt (immer jetzt!) bereits geschah. die aufführung war ja stets nur ein quasiritueller vollzug und hatte keine über sie selbst hinausverweisende bedeutung, verfiel augenblicklich dem verfall, schon im errichten des vorführungskartengebäudes. genau, was man ewigkeit nannte war nichts anderes als permanente veränderung des gleichen.
oder so ähnlich.



sinoramisch damisch Montag, 16. 8. 2010, 0:00

keine ruhe tag
zusatzinformation, chinarestaurantstraßenplakatwerbeaufsteller (form: kartenhausgrundelement, hochkant)

und wirklich, der selbstversuch durch eintreten bewies es abermals (obwohl sie es ohnehin vorher schon wussten): chop-suey-muzak diffundierte wie gewohnt und erwartet ausm und übers glutamatbuffet, man war daheim, und die chinesen würden uns sowieso noch überrollen, hatten es vermutlich ganz sicherlich bereits längst, und sie arbeiteten acht tage die woche mit dröhnend unterschwellig aufgedrehtem chinapop, ruhelos wäre ein hilfsbegriff dafür.
bloß weg.



hololo Sonntag, 15. 8. 2010, 0:00

die dicken werden europaweit gejagt
aufregungsaugenfänger, kronenzeitung

was für gewohnt schlanke gedanken im österreichischen leithetzmedium. die überschrift hololo aber, weil halali allzu schlank klänge, vom dürren aussehen der letternkombination -lali anstelle des vollbauchigen -lalo ganz zu schweigen.



himmelfart Samstag, 14. 8. 2010, 0:00

wenn du aber den feiertag am fünfzehnten an einem sonntag begehen willst, so ist es unvermeidlich, dass dem ein freitagderdreizehnte vorausgeht. was wiederum nur was für abergläubische (oder sagt man abergläubige?) ist, und das sind wir doch nicht, und falls doch (ein bisschen) dann lasset uns unser beliebtes ohomaharihiahahilf bittbeten, das hilft, ganz sicherlich möglicherweise.
und außerdem: zwischen dreizehntem und fünfzehntem ist ja noch der demarkationssamstag, ein vierzehnter: puffertag, genau definiertes niemandsland zwischen gläubig und gläubisch, gewissermaßen.



werkzeugend (2) Freitag, 13. 8. 2010, 0:00

imbus oder inbus oder imbuss (keinesfalls amboss), dieser schlüssel war ihm seit ehundje der merkwürdig sympathischste, er hatte so etwas nobles, distinguiertes, setzte mehr auf diskretion und innere werte.
bei den justierungsversuchen an der so eleganten und praktischen schiebegardine aber, überkopfige kleinfuzelei, war er nahe daran, den (war er katholisch gewesen, so sicherlich seliggesprochenen) weiland imbuserfinder in die hölle zu verdammen (wenn die für ihn, den vielleicht in einem höllenlosen welt- und nachweltbild befangenen, überhaupt zuständig war – und auch er selbst war ja qua diesbezüglicher glaubens- undalso angstlosigkeit letztlich gar nicht in der lage).
wie sich das auch immer winden mochte: weiterschrauben.



werkzeugend (1) Donnerstag, 12. 8. 2010, 0:00

a fool with a tool is still a fool
lebensweisheit (engl.)

dass ihm dieser satz ausgerechnet in den tagen des übersiedelns – des bohrens, dübelns, schraubens und aufhängens also – wieder in den sinn kam (nach dem besuch im baumarkt war es), das war jedenfalls merkwürdig. dass er im umgang mit diesen einer männlichen sphäre zugeordneten dinge und tätigkeiten nicht zu den allergeschicktesten gehörte (gehören wollte!), veranlasste ihn aber nicht, gleich den kopf hängen zu lassen, und immerhin, der haken für die schlafzimmerlampe (eine kugel, wie eine himmelsboje hing sie daran herab) hielt allemal.



durchhaltend Mittwoch, 11. 8. 2010, 0:00

dieses männlein im boden der neuen wohnung, ein wurzlseppgesicht (genau, alswie ein alter tiroler vom riesenrundgemälde schaute es aus, mit breitkrempigem hut und langem zwergenbart), bei offener klotür sitzend konnte er ganz genau sehen, wie es ihn ermunterte, jetzt nicht aufzugeben, so ein einziehtief komme doch für jeden einmal, er möge sich doch umschauen.
das tat er, schaute sich um und zählte dann wieder die sieben laminatparkettstreifen von der türschwelle hinauf, aber das männchen, es war verschwunden mit einemmale.
es würde morgen früh wieder auf ihn warten, natürlich an einer anderen stelle, er hatte es schließlich noch jeden tag gefunden, hatte es ihm doch so schön zugewunken die letzten tage und würde ihn auch durch diese zeit heben.
sonst aber war er allerbester verfassung.



gräberfeld, tautologisches Dienstag, 10. 8. 2010, 0:00

… und jeda wird amoi fürn totengräber
der auftraggeber…

josef hader

trögern/korte, beinah verlassener (ausgestorbener?) hochweiler hinter der langen (klammen) klamm, und dann noch hinauf auf 1.000 meter. auf dem kleinen friedhof wäre noch viel platz. der dominierende name dort: smrtnik. die trivialen slawischkenntnisse verweisen auf smrt, den tod. anderntags die nachfrage beim slowenischkärntner freund ergibt, dass smrtnik eigentlich nichts anderes heißt alswie: der verstorbene.
nona, und warum steht das nicht überhaupt bei jedem grab, weltweit (in der jeweiligen lokalsprache)? tod, finaler gleichrichter, der endgültige (und einzig wahre) demokrat.
nachsatz: der bürgermeister von bad eisenkappel / železna kapla, dem auch der hof neben der trögerner kirche gehört, natürlich heißt er smrtnik, meint, sein name bedeute eher der mit dem tod zu tun hat, und auch das haben wir ja alle, permanent understrecht final, was raubritterhaftes könne es auch haben, sagt er noch (der smrtnik), eine weitere bestätigung dieser thanatotautologie…



über leben Montag, 9. 8. 2010, 0:00

dieser planlose plan der evolution, ausschließlich auf den anpassungsfähigsten ausgerichtet! es gilt die eitelkeit des fittesten (besten, stärksten, intelligentesten, klügsten) in dieser oberflächlich-falschen übersetzungsbedeutung hinter sich zu lassen. sie (die evolution sei eine dame) macht ohnehin was sie will.
das ist nicht schlimm, immerhin, aber so ist es.
eigentlich befreiend; auch, das nebenbei, vom – vielgepriesenen – sog. freien willen.
jetzt aber genug gescheit geredet.
abwarten, aktiviert.



genießreizend Sonntag, 8. 8. 2010, 0:00

bitterschokolade (extrembitterschokolade, hundertprozentschokolade), das war ein klassischer lerngenuss, der, im vorzeigen, distingiertes genussvermögen undalso fortgeschrittene menschliche reife (vergleichbar einem gorgon- oder, hierzulands, österzolischen blauschimmel) propagierte.
wo man nicht überall mitmachen müssen musste.
zu meinen glaubte.
schoko-, nein nicht -verzicht, so wichtig war das nicht (was auch für alkohol, schnaps und zigarren gelten durfte), schokoladenlosigkeit also, warum nicht? und wenn, dann mild und weich, noisette, crème, nichts anspruchsvolles halt, und: schmecken sollte sie, genau!



essig (scharf, doppelt, rund, bitter?) Samstag, 7. 8. 2010, 0:00

ach es ist so gut
ernst jandl

noir special
72% cacao
extra dunkle schokolade
chocolat extra noir
finissimo cioccolato nero

produktaufschrift (ch)

süsse reise! hatte ihm die kollegial bestbefreundete schweizer sängerin scharfesslos undalso korrekt schweizerisch auf die ihm hinterbrachte schokolade geschrieben (man schrieb in diesem panisch weitweltgewandten land auch gerne chocolade), und unwillkürlich musste er das doppeless inwendig doppelessig, also scharf aussprechen, was eben gerade nicht die ihm gewunschene süße ausfahrt menetekelisierte, und, da aprüü mochd wåsawüü, es war dann auch einiges herbes dabei gewesen unterwegs, am ziel.
was denn das sein könne, ein ziel? nein, ziel, von diesem konzept hatte er sich schon länger verabschieden wollen, nicht verbittert, sondern – sub specie æternitatis – rational und pragmatisch der allem grundgelegten sterblichkeit wegen, und wenn die sonne, die nicht einmal die hälfte ihres lebenszyklus hinter sich hatte, dereinst ausgebrannt sein würde, würde, falls es leben geben würde, die erde von – unvorstellbaren – lebewesen besiedelt sein, die mit uns so viel zu tun haben würden wie wir mit amöben oder blaualgen. es war ihm diese vernunftbegründete gelassenheit auch immer besser gelungen, mit zeitweiligen rückschlägen halt, und an den letzten größeren dachte er nun unwillkürlich zurück, als er die bittere süssspeise seinem diesmalignen reiseproviant entnahm, kräftigend und zugleich beruhigend das alles, und der nächste bahnhof würde die blickwende nach vorn mit sich bringen.
so war es gut.



freizeitbeschäftigung Freitag, 6. 8. 2010, 0:00

doch spuckt den ozean
ein lotse an
so gibt es einen sturm

georg kreisler

im überfliegen der aufregungsaufmerksamkeitszeilen des elektronischen leitmediums stach ihm die folgende meldung ins erregungsbereite auge: die spanischen fluglotsen streiken in der urlaubszeit. er wusste nicht, warum darüber so aufschreierisch berichtet werden musste: so etwas ist doch höchst rücksichtsvoll. weil entweder wir urlauber merkten nichts davon, weil wir im urlaub waren oder wir urlauber merkten nichts davon, weil die auch im urlaub waren; möglicherweise saßen sie sogar neben uns am strand und erholten sich von ihren verantwortungsvollen aufgaben.



vergeigt Donnerstag, 5. 8. 2010, 0:00

spar aus dem schönen bild den menschen aus
damit die tränen du, die jeder mensch verlangt,
aussparen kannst; spar jede spur von menschen aus:
kein weg erinnere an festen gang, kein feld an brot
kein wald an haus du schrank, kein stein an wand
an schwimmer, boote, ruder segel, seefahrt
kein fels an kletternde, kein wölkchen
an gegen wetter kämpfende, kein himmelsstück
an aufblick, flugzeug, raumschiff – nichts
erinnere an etwas; außer weiß an weiß
schwarz an schwarz, rot an rot, gerade an gerade
rund an rund;
so wird meine seele gesund.

ernst jandl, das schöne bild

der ausrufezeichenvirtuose schoss die von ihm usurpierte, ihm inwendig (in pectore) leider völlig fremde lyrik aus seinem kunstgefechtsturm, derart nichts der imagination überlassend, als hätte thomas mann sie, atteste über seine idealtypisch intakte verdauung schwenkend, in stetiger präseniler verstopfung hervorgepresst, argumentativ in jedem fall zu hundert prozent unantastbar.
unberührbar, genau.
den nachsommer, jawohl, den nachsommer, sollte er lesen; die wahrscheinlichkeit aber, dass er es daraus kapieren könnte, war leider eine verschwindende, nein: verschwundene.



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