geredert Dienstag, 6. 12. 2016, 10:23

sie werden in kürze mit einem unserer mitarbeiter verbunden. bitte haben sie etwas geduld.
telefonschleifenbeschwichtigung, drei

der derart treuherzig und mit vorschusslangmut erwartete mitarbeiter dann benötigte, wie angekündigt, etliche geduld. nach und nach diffundierten die rollen auskunftsuchender – auskunftgeber ins gegenteil (vgl. die verwandlung des fahrrads in den polizisten und des polizisten ins fahrrad, rein durch diffusion der atome infolge häufigen gegenseitigen gebrauchs in flann o’briens »der dritte polizist«), sodass der vormals auskunftsuchende am ende nahe dran war, eine gebühr für die unterstützung bei der auffindung der antworten einfordern zu wollen. ob er jetzt im call-center anheuern sollte? – sinnvollerweise nicht, denn ein teil der dreifältigen unternehmenspolitik war wohl, dass auskunfstssuchende eher nicht bei der hotline anrufen wollten und sich lieber bei den – ähnlich sperrig und zweifelhaftig aufzufindenden – informationen im selfcare-servicebereich (abermals ein euphemismus) schlau (eig.: blöd) machen sollten.
eines tages wird wieder miteinander geredet, steht zu hoffen.



reiche, tümer Sonntag, 4. 12. 2016, 16:44

daniela dé santosdie königin der panflöte

vorweihnachtliche plakatwerbung

rekapitulieren wir also, alles unter der prämisse, dass hier niemandem die position strittig gemacht werden soll – sei sie oder er namentlich bekannt oder nur kenntnis davon im umlauf, dass es ein für den jeweiligen bereich vorgesehenes eleviertes amt gibt:

die panflöte ist ein königreich, ihre königin daniela dé santos.

weiter.

die tiere sind ein königreich, der löwe ist ihr könig.
die löwen unter sich sind auch ein königreich.
ratten und ihre könige haben eine sonderstellung.
das belcanto ist ein königreich, angeführt von der primadonna assoluta.
der abfahrtssport ist ein kaisserreich, ebenso der fußball (klammer, beckenbauer).
die literatur (eig.: -kritik) ist ein papsttum, ebenso die musikkritik, deren papst kaiser ist.
die pinguine sind ein kaiserreich, unter ihnen gibt es aber auch ein königreich.
das adlertum ist ein kaiserreich.
das ganoventum ist ein königreich, detto jenes der bettler, wie auch jenes der ausbrecher.
wie es sich mit tischtennis oder wasserball verhält, ist nicht bekannt.
die blas- wie auch die sog. volksmusik haben eine krone, über deren nähere natur wenig bekannt ist.
das bariton und die tuba sind (teil-)kaiserreiche, weiters war maurice andré der könig der trompete(n?).

die posaune ist ein fürstentum. der fürst bin ich.



alles schein Freitag, 2. 12. 2016, 0:22

könnte es sein, dass jemand, der schneller denken kann, nur deshalb schneller denkt (zu denken scheint), weil er weniger denkt – und deshalb skrupelloser agiert?
nehmen wir doch tempo raus, vorschlag.
(also ich mag nicht von einem reptiliengehirnherumträger repräsentiert werden.)



wupnercity Samstag, 26. 11. 2016, 17:46

übers wochenende ist lugner mit seiner tochter in rom und will dort auch den petersdom besuchen.
orfon

als erstes also rom. im anschluss daran wird er mit dem papst eine damenmodeboutique in, na!, wuppertal aufmachen. then they take berlin.



tugend:haft Freitag, 18. 11. 2016, 18:18

wiederverheiratete: kardinäle wollen klärung
orfon

was so ein kleiner doppelpunkt alles bewirken kann : nobody expects the spanish inquisition : call the late cardinal richelieu : merke : doppelpunkte treten meist paarweise auf :



radikal Dienstag, 15. 11. 2016, 12:08

nasenwurzel, ein wort mit in der bevölkerung unterschiedlich verteilter geläufigkeit. brillenträger: sehr. normalsichtige: weniger. junge (also ungeübte) altersweitsichtige befassen eher ihre nasenspitzen und sind noch ungeübt im reiben der nasenwurzel (das substantiv n. taucht zumeist in kombination mit dem verb r. auf). wie es sich mit kontaktlinsern verhält, das wäre gesondert herauszufinden. ob sie, oftmals umgelernte brillenträger, um ihre nasenwurzel vergessen, nach und nach oder augenblicklich?
man sollte nie die fassung verlieren.



nomenomen Freitag, 11. 11. 2016, 10:04

bei der frage, zu welchem ohrenarzt ich gehen soll, wenn die wahl besteht zwischen den doctores quint, biegenzahn oder stürtzlinger, muss meine wahl augenblicklich auf ersteren fallen. begründung: als posaunist bin ich intrinsisch an reinen intervallen interessiert (streng genommen: bin ich von ihnen abhängig; und sie allerdings von mir). biegenzahn jedoch, das hört sich nach einer massiven, nachgerade brutalistischen überschreitung der eigenen fachdisziplin an. und, bitte, stürtzlinger, in gehörsachen!, dieser name sollte zu einer behördlich erlaubten umbenennung berechtigen. oder reittherapeutin, jawohl, das wär‘s, stürzen und hernach heilen. reiterinnen werden ja immer gesucht.



abnehmendes licht Mittwoch, 9. 11. 2016, 16:17

beim ohrenarzt. man wird aufgerufen. zur gleichen zeit verfinstert sich, vom osten her, westwärts die welt. riskant das alles.



verflogen Samstag, 5. 11. 2016, 13:14

verkaufe 10 stück neue originalverpackte seifenblasen
kleinanzeige (online)

leider, sie waren, alle, schon weg, als ich mich dafür interessierte. die poesie aber, sie bleibet. wir benötigen ihrer viel mehr. danke.



kiebitze Montag, 31. 10. 2016, 22:35

forscher sehen mäusen beim denken zu
orfon

wesentlich öfter jedoch ist es umgekehrt, und nicht nur bei forschern, und nicht nur bei mäusen, und nicht nur beim denken.
wo man hinschaut, es ist ein rattenleben.



waldpret Donnerstag, 20. 10. 2016, 20:39

langsam kämpfen sich die waldbewohner hierzulande wieder auf unsere teller
derstandard.at

man stelle sich all die lebewesen, von den einschlägigen -ameisen über die stifterschen köhler, purkersdorfer bundesförster bis zu den zecken aus der buckligen welt vor, wie sie sich um ihre landung im zeitgeistkonformen kochtopf zwischen josefstadt und mariahilf regelrecht balgen.
mit vegan ist da bitte nichts, ihr lieben jungreifen bartträger!



abnehmende zufriedenheit Dienstag, 4. 10. 2016, 15:27

gb: mädchen zunehmend unzufrieden mit ihrem aussehen
orfon

semper crescis
aut decrescis
carmina burana

ich erspare mir den hier auszuformulierenden umkehrschluss. sicher sei: derart allzu zufriedene anorektikerinnen wollen wir bitteschön aber auch nicht sehen müssen.
(das glück, es ist ein vogerl, ein fluguntaugliches.)



rohnenrau Samstag, 1. 10. 2016, 17:39

der tristanakkord ist, sinnigerweise, nach dem englischhorn zu stimmen. das dauert.



pelzig Donnerstag, 29. 9. 2016, 9:24

tristan und isolde in graz. abgesehen vom braten, den der intrigant melot gerochen hat, weshalb er ihn hernach, einzig als wilder aus vorzeiten kostümiert, im hintergrund des geschehens in der kühl eingerichteten villa direkt vom ganzen tier abkiefelt, flachsig ist das fleisch, abgesehen davon drängt sich einem keine assoziative plausibilität auf, außer vielleicht jener spätpubertären des aufbegehrens, schaut her, was ich (die regisseurin – ihr name sei hier dezent verschwiegen) mich trau und was ich schon alles darf, zwei, die sich nie berühren dürfen, schmieren sich mit humus ein und häuten einen hasen, sie hält ihn bei den löffeln, er schabt mit dem messer, und dazu müssen sie die himmlischen längen der ewigen melodie schlechthin singen, »o sink hernieder, nacht der liebe«, glücklich der logengast, der den blick abwenden kann, speziell isolde singt zum niederknien klar und rein, schön.
als nächsten auftrag schlage für ich die junge dame die inszenierung des neujahrskonzerts vor, alle musiker sitzend auf den ohren, das wäre schon einmal ein sinnhafter anfang. dann wollen wir weiterschaun, das dreikönigsspringen wäre eine nächste interessante option, gesprungen wird paarweise, von unten nach oben.



auslesemodus Mittwoch, 14. 9. 2016, 8:52

fpö will »zusammengehörigkeitsgefüh
l stärken«

orfon (lesemodus)

schon interessant, wie im ansichtspraktischen lesemodus genannten lesemodus gewisse innere verfasstheiten und vollzüge zutage treten, nachgerade eine versinnbildlichung dieser alles durchdringen wollenden abspalterei, wir und die anderen, solange sie in der minderheit sind, trauen wir sich, sollen besser deutsch lernen, und wie immer geht es nicht um die tatsächlichen verfasstheiten, es geht lediglich um das gefühl, etwas sei so, das dann auch nur halbherzig bzw. ohneellig, es ist nicht platz für alle, die zeile voll, und nach den anderen kommen die nächsten dran, die züge stehen rasch bereit.



aber jetzt! Dienstag, 13. 9. 2016, 9:46

der karibik gehen die kokosnüsse aus
orfon

ein sommer mit wenig sommerlochstopfungsbedarf neigt sich seinem verlängerten ende, heuer dürfte er sich bis zum 4. dezember bzw. bis zur höchstrichterlich final bestätigten gültigkeit der am barbaratag (knapp vor dem nikolausfest, wie der innenminister die interessierte öffentlichkeit informierte) abgehaltenen uhbp-wahlen ausdehnen, es tauchen bereits t-shirts auf mit der aufschrift »bundespräsidentenwahl 2016–2019: ich war dabei.«
und nun das! wir sehen: jetzt kommen endgültig die wirklich dringlichen probleme auf die agenda. bang fragen wir uns bereits, ob es denn wirklich kein bier auf hawaii gebe und was der maier (meier, mayr, mair, meir, meyer, maya?) am himalaya mache.



Entkommen (25) – so rund die Welt Sonntag, 11. 9. 2016, 12:00

Da war doch noch das Bestattungsunternehmen in jener Region im Süden Niederösterreichs, in der bereits manche Fünfzehnjährige den Bundespräsidenten zu wählen versuchen dürfen, und da im Spätsommer gleich drei recht alte Verwandte binnen Kurzem eingegraben werden mussten, fiel es auf, dass jedesmal bei Verlassen des Friedhofs von den professionell betrübt dreinblickenden Pompfüneberern kugelige Kaubonobons verteilt wurden, Kirsche, Orange, Himbeere, wonach das Herz begehrt und ganz ohne Werbeaufdruck, dass die sich diese Gelegenheit entgehen lassen, es muss eine glückliche Gegend sein, Miesenbach, Waidmannsfeld, so schön.



Entkommen (24) – abheben Samstag, 3. 9. 2016, 12:00

Zentrale ästhetische Strategie ist die eskalierende Repetition. Das mag einfallslos erscheinen (und ist es auch), es war ihr jedoch nicht beizukommen, gleichwie eine Rakete eine gewisse Geschwindigkeit erreichen muss, um den engeren Gravitationsbereich verlassen zu können. Mit unseren Budgetmitteln ist so etwas überhaupt nur in der Imagination möglich, und selbst da erscheint es mir merkwürdig, ja prekär auffällig, dass ich das finale Bild eines Entkommen(d)en (könnte er Major Tom heißen? – Nein, ich glaube nicht, dass er Major Tom heißen kann) abheben genannt habe und es, zur assoziativen Anreicherung, mit einem Erdmännchen sowie mit aufgeplustert zur Erde fallenden Männern erläuternd illustriert habe.
Die Option einer Reise zum Mittelpunkt der Erde wird viel zu wenig in Erwägung gezogen.
Starten wir von der Oberfläche. Die Ground Control hat das Wort.



Entkommen (23) – Wohin Sonntag, 28. 8. 2016, 12:00

Zentrale ästhetische Strategie ist die eskalierende Repetition. Das mag einfallslos erscheinen (es ist es auch), es war ihr jedoch nicht beizukommen, gleichwie eine Rakete eine gewisse Geschwindigkeit erreichen muss, um den engeren Gravitationsbereich verlassen zu können. Mit unseren Budgetmitteln ist so etwas überhaupt nur in der Imagination möglich, und selbst da erscheint es mir merkwürdig, ja prekär auffällig, dass ich das finale Bild eines Entkommen(d)en (könnte er Major Tom heißen? – Nein, ich glaube nicht, dass er Major Tom heißen kann) abheben genannt habe und es, zur assoziativen Anreicherung, mit einem Erdmännchen sowie mit aufgeplustert zur Erde fallenden Männern erläuternd illustriert habe.
Die Option einer Reise zum Mittelpunkt der Erde wird viel zu wenig in Erwägung gezogen.
Starten wir von der Oberfläche. Die Ground Control hat das Wort:



Entkommen (22) – kombabisch Dienstag, 16. 8. 2016, 12:00

Johann Gottfried Seume verdanken wir die Hinüberrettung des schönen Wortes Kombabusierung als Synonym von Entstellung, Kürzung, und zwar in ambivalentem Sinn: »Das Stück selbst [Gustav Friedrich Großmanns (1746–1796) Nicht mehr als sechs Schüsseln; es gilt als erstes sozialkritisches Zeitstück Deutschlands, Anm.] war beschnitten, und ich erwartete nach der Gewohnheit eine förmliche Kombabusierung, fand aber bei genauer Vergleichung, dass man dem Verfasser eine Menge Leerheiten und Plattheiten ausgemerzt hatte, deren Wegschaffung Gewinn war. Verschiedene zu grelle Züge, die bei der ersten Erscheinung vor etwa fünfundzwanzig Jahren es vielleicht noch nicht waren, waren gestrichen. Aber es war auch mit der gewöhnlichen Dresdener Engbrüstigkeit manches weggelassen worden, was zur Ehre der liberalen Duldung besser geblieben wäre.« (9.12.1801)
Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus. München: dtv, 1985 (S. 13).

Kombabus war nach Lukians Erzählung ein Syrer, der von König Antiochos Soter zur Begleitung seiner Ehefrau auf ihren Reisen bestimmt wurde. Der Erzählung nach kastrierte sich Kombabus vor Antritt dieser Reisen und übergab dem König zum Nachweis des vorgenommenen Eingriffs die entsprechenden Körperteile in einem verschlossenen Behälter. Als er später beschuldigt wurde, sich mit der Königin sexuell eingelassen zu haben und bereits zum Tod verurteilt war, rettete ihn die Öffnung dieses Kästchens. Christoph Martin Wieland (1733–1813) behandelte die Sage in der Verserzählung Kombabus (1771). In der Vergangenheit galten daher auch kombabusieren oder kombabisieren als Synonyme für eine Kastration.

(Bleibt die Frage, ob schlichtes Herunterlassen der Hose nicht besser geeignet wäre, die zweifellose Unfähigkeit zu einer unstattgemäßen Kohabitation zu beweisen. In der Schatulle könnte ja das Stück eines anderen aufbewahrt worden sein, gibt es doch so allerhand in Verse geschmiedete Freundschaftsdienste in jenen antikenseligen Zeiten: Wer weiß, wer in diesem Bunde der Dritte gewesen sein mögen hätte können. (Man gewähre ihm die Bitte.)

Zitiert nach Wikipedia/Kombabus [10.8.2016] (U. a. um die Jahreszahlen ergänzt).



Entkommen (21) – Der Erschöpfung Montag, 8. 8. 2016, 12:00

»Weniger Fleisch essen, weniger fliegen, gut isoliert wohnen.«
Tipp zum Welterschöpfungstag, gegeben im Radiojournal des 8.8.2018 um 8 Uhr.

Also beim isoliert Wohnen sind wir im Österreich schon Weltmeister, es kommen so ja auch weniger Fliegen herein, es gibt für die ja heutzutage recht taugliche Gitter. Red’ uns also keiner an zwengan Fleisch.
(Wer dringe denn auch durch in unsere Wattewelt?)



Entkommen (20) – Dem Epigonentum (2) Sonntag, 31. 7. 2016, 12:00

Einem seit Erscheinen des zuletzt geschalteten Beitrags vom 26. Juli 2016 massenhaft geäußerten Wunsche nachkommend, und weil ich es als meine genuine Pflicht betrachte, will ich hier versuchen, eine möglichst lückenlose Liste meiner Poly-Epigonie, mithin der mir bewussten Quellen kreativer Selbstbedienung, deren Ergüsse in mein Werk OPERAN! geflossen sind, zu veröffentlichen. Sie muss, das liegt in der Natur der Sache, unvollständig bleiben; schon jetzt bitte ich also mein p.t. publico, mich auf allfällig vergessene Einflussnehmer so dezent hinzuweisen, dass ich mein Gesicht wahren kann. Ich gelobe – nach eingehender Prüfung – niemandes Namen zu unterschlagen, von dem irgendein Einfluss auf mein Werk ausgegangen ist. (Im Gegensatz zu den anderen Beiträgen in diesem Blogbuch werde ich diesen Artikel also von Zeit zu Zeit erneuern, eben, um neu gewonnene Erkenntnisse einzuarbeiten.)

Die Aufzählung kann selbstredend lediglich über die Vornamen meiner vorangehenden Kollegen Auskunft geben: Da ich mir ihr Werk (oder zumindest Parameter daraus) derart angeeignet habe, dass davon Anregungen mehr oder minder direkt in meine Arbeit einfließen konnten oder mussten, kann man von einer – wenn auch zeitversetzten, so doch sehr persönlichen – privaten, ja: intimen Beziehung reden, und mit so jemandem verkehrt man per Du.

Meine mit tiefer Verbeugung dargebrachte höchste Wertschätzung gilt also folgenden Freundinnen und Freunden*:

Charles, Ernst, Franz (2), György, Helge, Jacques, Ludwig, Richard, Werner.

Danke und – weiter so! Gemeinsam schaffen wir das!

Bertl
________________________
* Weil ich keinesfalls irgendetwas vertuschen will (wozu auch!?), reiche ich hier auch sämtliche Nachnamen äh nach (gleichfalls in alphabetischer Reihung): Beethoven, Ives, Jandl, Kafka, Ligeti, Pirchner, Schneider, Schubert, Tati, Wagner.



Entkommen (19) – Dem Epigonentum (1) Dienstag, 26. 7. 2016, 12:00

Natürlich will jeder kreative Mensch Neues, noch nicht da Gewesenes schaffen. Den meisten gelingt lediglich so noch nicht da Gewesenes, und das ist allerdings bereits allerhand: Wir entkommen nicht unseren Vorbildern, mögen wir uns ihrer bewusst bedienen, unbewusst oder qua Negation (ein Anrecht der emporstrebenden Jugend). Wenn schon, dann sind es ein paar Millimeter, und wenigen ist es vergönnt, dass just ihre paar Millimeter Umbrüche größeren Ausmaßes bedeuten oder auslösen – oftmals mit der Verzögerung einer nicht unbeträchtlichen Latenzzeit (Inkubation). Bleiben wir also bescheiden und bekennen wir uns freimütig zu unserem grundsätzlich unentrinnbaren Epigonentum. Wer sich hingegen seiner epochemachenden künstlerischen Eminenz völlig sicher ist und dabei aber bescheiden wirken will, rede sich selber klein, winke ab und schwafle in Künstlergesprächen von seinem zwergenhaften Riesenschulterstehen, »Mag mein Werk als hochgradig individuell gefeiert werden, ich sage Ihnen, es kann allerhöchstens poly-epigonal genannt werden.« So ist allen geholfen, und der Künstler hat, zu seinem Staunen machenden Werk dazu, transdisziplinär ein neues, ehrliches Wort kreiert, voll eigenständig, ohne Vorläufer und mit etlichen populistischen Abkupferern und Umpfallern.
Nun wissen alle: Wir haben es mit einem Ganz Großen zu tun. Später wird man behaupten, dabei gewesen zu sein und sogleich die epochemachende Tragweite erkannt zu haben, damals im 16er-Jahr.
Anders gesagt: Dem Epigonentum ist nicht zu enkommen. Weder aktiv noch passiv.



Entkommen (18) – Dem Kreisverkehr Sonntag, 24. 7. 2016, 12:00

(1) konventionell: Gewünschte Ausfahrt anvisieren – rechts blinken – abbiegen. Gegebenenfalls – wurde die Ausfahrt nicht rechtzeitig ergriffen – kann über 360° hinaus gekreist werden: Alles kommt immer wieder.
(bewährt, irgendwie faad)

(2) System Hammerwurf: Beschleunigen – Lenkrad festhalten – wenn die Muskelkraft dafür nicht mehr ausreicht: loslassen.
(Action-Effekt)

(3) Dem Kreisverkehr an sich: Den Innenminister beauftragen, den Landeshauptmann (den LH) zu verhaften. Jedoch: Da der Innenminister vom LH sowohl bestellt als auch dirigiert wird, scheidet diese Methode aus.

Wir müssen erkennen: Dem Kreisverkehr an sich ist nicht, weder ent- noch beizukommen. Es bleibet die Wahl zwischen Action und Fadesse. (Bis auf weiteres, und das ist aber bitteschön keine Drohung!)



warnung Donnerstag, 21. 7. 2016, 8:27

ACHTUNG
WACHHUND

damit ist eigentlich alles gesagt, in größter klarheit zudem und ohne alle drohung oder hüstelwitz. bei legasthenikern dürfte bereits ein wort genügen.
ich bin für ACHTUNG. und kann (obwohl kein legastheniker) auf den wachhund verzichten.
(zur nachahmung empfohlen.)



Schule des Staunens 18.3 Mittwoch, 20. 7. 2016, 12:00

Noch Anfang der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren Blockflöten in Australien nicht erhältlich und mussten importiert werden. Ähnliches wird für hierzulande von Didgeridoos berichtet, die wir uns zu jener Zeit als bei uns noch gänzlich unbekannt vorstellen müssen. Ein wohltuend großes Schweigen also, hier wie dort.

Bis heute ist es ambitionierten Köchen nicht möglich, das schmackhafte Emu-Fleisch nach Europa einzuführen. Ob es demnächst in Großbritannien erhältlich sein wird, werden die Verhandlungen der kommenden Monate zeigen. Emus aber gelten als paradigmatisch blöd, was immer das nun auch in diesem Fall bedeuten bzw. bewirken mag.



Entkommen (17) – jedweder Marter Dienstag, 19. 7. 2016, 12:00

Viktring, der berühmte Freskensaal: Schweift der Blick (er schweife nicht!) nach oben, so sehen wir, von weißem Stuckputz eingerahmt, schlecht ra- und frisierte, gealterte Athleten mit holzapfelroten Wänglein und ihren wie Trainingsgeräte präsentierten, ihre von Höchster Stelle approbierte Marter bezeugenden Werkzeugen (Sägen, Kreuze in diversen Designs, Schwerter,…), weiters eine Schlange mit den Ohrwaschln eines Llamas, die die Bösen ins Höllenfeuer expediert.
Bitte das alles abhängen! – Es kehrt im Leider-nicht-Trance-Konzert das Konzept der (hegelschen) schlechten Unendlichkeit nur umso schonungsloser hervor.
Wie gut, sich bei den in jeder Hinsicht zweifellos gaanz Braven wissen zu dürfen.

Merke zudem: Die Zeitgemäße Form eines Martyriums ist die einer unverbindlichen Vorausleistung, ohne explizite vorherige Vertragsvereinbarung. Passt die Form (sagen wir zehn ungeplante Mitmärtyrer aufwärts), wird der Inhalt in aller Regel im Nachhinein bereitwilligst approbiert. (Die – möglicherweise bittere – nachgestellte Frage: War’s nicht immer so? … Durch welches wie verkehrt gehaltene Brennglas betrachtet man die Welt und das behauptete Dahinter, Drunter & Drüber!?)



Schule des Staunens 18.2 Montag, 18. 7. 2016, 12:00

Einige Thesen/Fakten zu Australien

• In Australien gibt es keine essbaren Pilze.

• Noch Anfang der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren Blockflöten in Australien nicht erhältlich und mussten importiert werden.

• (1) Die Nullarbor-Ebene heißt nicht etwa so wegen der (nur vorgeblich) fehlenden Bäume, sondern weil ein expansionistischer norditalienischer Reisproduzent nach etlichen Versuchen einsehen musste, dass hier kein Risottoreis zu ziehen ist (»null’ Arborio«)
(2) Nein, die Nullarbor-Ebene beherbergt den Highway to Hell (seit Juli 1979)
(3) Ganz baumlos ist Nullarbor-Ebene dann aber doch nicht. Aber völlig reislos. (Womit These 1 bestätigt wäre und die Nullarbor-Ebene der Lüge überführt.)

• Der Emu ist ein blödes Vieh, das versucht, intelligent dreinzuschauen. Hat was. Gelingt aber nicht. (Wir kennen das aus dem veröffentlichten Leben.)

• Das Schnabeltier verfügt über einen betörenden Gesang, ähnlich dem des Schwans. Deswegen wird es im Idio- bzw. Soziolekt der Australoologen (das sind die Australo-Zoologen) umgangssprachlich, jedoch durchaus zärtlich ›cygnus antipodicus‹ genannt. Ihr Standpunkt ist, nebenher gesagt, dass nicht das Schnabeltier als Irrläufer der Evolution zu betrachten sei, sondern der Rest (inklusive dem Biber, wie er im Marchfeldkanal in Wien-Floridsdorf schwimmt – und staut).

• Die erste Begegnung mit einem Schnabeltier markiert einen magischen Wendepunkt auf Charles Darwins Reise zur Erkenntnis: »Glaubt jemand nur seinem eigenen Verstande, könnte er ausrufen: Gewiss müssen hier zwei verschiedene Schöpfer am Werk gewesen sein.« Indes, was meine erste Sichtung eines Bibers im Marchfeldkanal in Wien-Floridsdorf ausgelöst haben wird, wird dereinst die Nachwelt zu klären haben: Künstler schaffen Arbeitsplätze, über den Tod hinaus…

• Das Schnabeltier wurde auch als Beispiel dafür angeführt, dass Gott Humor (gehabt, pers. Anm.) haben muss.

• Die Schnabeltasse hat ihren Namen vom Schnabeltier – oder umgekehrt. Diese Frage bedürfte einer dringlichen Klärung. Man beachte zudem die Nähe des Schnabeltiers zur Wärmeflasche vulgo Thermophor (Phänotyp): Wir dürfen also von einer wie auch immer der Gesundheit zuträglichen Wirkung des Schnabeltiers ausgehen.



wort des tages Freitag, 15. 7. 2016, 12:14

uhudlerengpass
orfon

uhudlerengpass. bereits heute darf prophezeit werden, dass wir es mit dem wort der jahres zu tun haben: non plus ultra.



Schule des Staunens 18.1 Dienstag, 12. 7. 2016, 12:00

Sonntag, 17. Juli 2016, 15.00
Stift Viktring (A), Marienhof
walkabout
ein Vortrag klingender Gedanken aus der Schule des Staunens
völlige Neukonzeption (UA: 2001, Sammlung Essl)
Bertl Mütter, Mut- und Wunderhorn, Vortrag
(garantierter Didgeridooverzicht)

»Schöpfungsmythen der Aborigines berichten von den legendären totemistischen Wesen, die einst in der Traumzeit über den Kontinent wanderten und singend alles benannten, was ihre Wege kreuzte – Vögel, Tiere, Pflanzen, Felsen, Wasserlöcher –, und so die Welt ins Dasein sangen.«
Bruce Chatwin: Traumpfade – The Songlines (1987), aus dem Englischen von Anna Kamp. Frankfurt/M.: Fischer, 1992. (S. 9)

Grundlegend ist die Musik (zu der auch die gesprochene Sprache gehört) mein Werkzeug, um außermusikalische Phänomene zu untersuchen. Diesmal begebe ich mich mit ihr auf einen explizit imaginären Weg, durch Raum und Zeit. Es erklingen (keine gewöhnlichen) Lieder, als akustische Landkarten eines wohlgeplanten – und deshalb ungeahnten – intiatorischen Wegs in den Grauzonen der Wahrnehmung, Pfade, die erst im Traumwandeln real werden – und die zugleich doch in der Tagwelt erfahrbare Auswirkungen haben. Dabei wird Flüchtiges, Unnützes hörbar. (Und was für einen Nutzen hat eigentlich die Musik?)

Auf meinen Wegen trete ich als Subjekt zurück, werde als gewissermaßen Dritte Person zum Kommentator einer Reise ins Unbekannte, Geahnte.

Traumpfade als Gehörgänge, Lebensknoten. Zu einem (welchem?) Goldenen Zeitalter?

Grundprinzip sei, die Dinge in Bewegung zu halten. Spazieren also, nicht eilen und schon gar nicht hetzen, zwischen den vielfältigsten Assoziationsangeboten pendeln: jaywalking (›Eine Straße regelwidrig, unachtsam bzw. rücksichtslos überqueren und dabei sich selbst und/oder andere gefährden.‹): JAYWALKABOUT. Jeder trombonophile Jazzmusiker weiß es sogleich: Jedem Jay sein Kai; auf die zu begründende Dichotomie ›Blockflöte – Pilze‹ übertragen heißt das: Was es nicht alles nicht gibt, (nicht nur) in australis. Und jedes Meer war seit eh und je von einer Landmasse umgeben; neueste Ausnahme-Erkenntnisse bestätigen lediglich diese Regel. Wie ja auch nicht das Schnabelteier als Irrläufer (eig.: -schwimmer) in Gottes Evolution zu betrachten ist, sondern der Rest im Verhältnis zu diesem: »Wir wollen es, das Schnabeltier!«, bekennt Robert Gernhardt, und wer wollte da widersprechen, wie wortgewaltig gar?



zwischenfrage u.a. ans brucknerorchester Sonntag, 10. 7. 2016, 20:12

warum klingt bei symphonieorchestern, die (oder deren angloamerikanische dirigenten) jazz spielen wollen müssen, das schlagzeug immer nach schuhschachtel? und das saxophonsolo maximal wie jaggerty sax? aber voll echt jäzz und authentisch.
merke: der blues ist in the shoes, not in the box.



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