verhundst Freitag, 16. 6. 2017, 11:40

pflichtgetreuer hund
betreten auf eigene gefahr
tierschutzhinweis, kleingartenparzellentor

wie betritt man eigentlich korrekt einen hund? einen pflichgetreuen gar? wer würde hernach eher betreten aussehen? (wie betreten?)



Wie alles sein wird (in progress, 2) Mittwoch, 14. 6. 2017, 12:35

Von vergessenen schirmen (blauen, violetten, seegrünen) zu träumen, deutet auf einen trockenen sommer hin, sowie auf die zahl dreiundvierzig, derer du an gewitternahen juliabenden eingedenk sein sollst. Darüberhinaus zähle alle von dir gesehenen schwäne, töte den dreiundvierzigsten und du wirst finden in seiner bitteren galle eine perle von seltener größe. Sie macht dich unsichtbar.

H. C. Artmann: Grünverschlossene Botschaft, in: Ders.: Gesammelte Prosa II. Salzburg/Wien: Residenz, 1997. (S. 206)



überreif Dienstag, 13. 6. 2017, 13:13

3 selbstbräuner für faule
kurier.at

(äpfel, birnen, bananen, vermutlich.)



Wie alles sein wird (in progress, 1) Montag, 12. 6. 2017, 12:32

Das süchtige Herz des Menschen, das begierig auf ein Zerreißen des dunklen Schleiers wartet, welcher die Zukunft birgt, hat nicht genug mit den Blitzen, die unverhofft, und einen Blick eröffnend, hervorschlagen; es bemüht sich, in das Geheimnis des Kommenden einzudringen. Das treibt zum Erfragen der Zukunft.

Aus: Vorzeichen, Prodigia. In: Hanns Bächtold-Stäubli (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 8 (Silber–Vulkan). Berlin: de Gruyter, 1937/1987 (Sp. 1754).



evolutionsschritt Mittwoch, 7. 6. 2017, 11:59

lunchpaket rührt internet zu tränen
kurier.at

im kurier scheint es heimlich eine serie völlig angerannter überschriften zu geben, sie sind imstand und überholen noch die praktikanten bei orfon: dass das internet – abseits einschlägiger special interest-bereiche – sowas wie tränen abgeben kann, ist neu, und unvermittelt taucht die frage auf, wohin die wertvolle flüssigkeit denn abrinne.
andrea grills buch »das paradies des doktor caspari« handelt von einem lepidepterologen, dessen passion calyptra lachryphagus ist, eine art schmetterlinge, die menschlicher tränen bedarf um sich reproduzieren zu können. wie dürfen wir uns also derartige internet-butterflys vorstellen? und erst das lunchpaket?



langstreckenende Samstag, 3. 6. 2017, 9:09

david alabas wettlauf mit dem eigenen knie
kurier.at

es ist ein knie, sonst nichts
christian morgenstern

nach gut hundert jahren wissen wir endlich, wohin das von morgenstern besungene schenkelverbindungsgelenk sich verlaufen hat. wollen wir uns also freuen, wenn es hinfort nicht mehr einsam durch die welt gehen muss! beim zieleinlauf (dem abpfiff) wird unser weltkicker dann jedenfalls erfahren haben, wer gewonnen haben wird, er – oder er.
beiden halten wir alle daumen!



mit vollen händen Donnerstag, 1. 6. 2017, 13:09

was uns das internet nicht an großartigen, ja: längst überfälligen produkten beschert! bereits zumindest 80.000 leute vertrauen einem gewissen geldbörsel, und selbstredend (ich bin doch nicht blöd) werde auch ich schnellstens bestellstens zu ihnen gehören. da das in deutscher wertarbeit hergestellte produkt ohne zweifel hält, was es verspricht, nämlich »60 tage geld-zurück-garantie«, gilt es fürs erste penibel buch zu halten und alle belege für sämtliche ausgaben aufzubewahren, rollierend 60 tage zurück: noch heute beginne ich mit dem anstauen durch geldausgeben, und ab ende august wird kassiert!

wie heißt es doch so zutreffend im österreich: nur bares ist (bzw. war) es (bzw. wird es gewesen sein)!

(aber geh!)



raumzeit Dienstag, 30. 5. 2017, 10:28

österreicher sind länger krank als anderswo
kurier.at

zum raum wird hier die zeit.
gurnemanz, in: richard wagner: parsifal

bei uns gilt: zur zeit wird hier der raum.



große chance Samstag, 27. 5. 2017, 12:29

wolfsburg spielt um seine zukunft
orfon

mit einigermaßen historischem bewusstsein versehenen muss diese sportjournalistische kurzüberschrift wie ein prekärer beinahe-haiku erscheinen. im text erfahren wir, dass ein horrorszenario drohe, also wolle man die konzentration aufs sportliche legen. (worauf sonst noch?, frage.)
wollen wir hoffen, dass sich die spieler aus der volkswagen-stadt im kampf gegen den abstieg ins unterhaus nicht allzusehr verschanzen müssen und dass alle wieder gut herauskommen, aus allem.
der gegner indes ist kein lercherl: braunschweig. eintracht braunschweig.
aber dann: auf die autobahn! (die bleibt, nach allem.)



[blockakkordarbeit] Donnerstag, 25. 5. 2017, 9:15

der so umfassend gelehrte klavierspieler, faszinierend, was der alles wusste und wie beredt er es unter die leute bringen konnte! dass es wirkte, wie man sich einen boogiewoogietänzer in schischuhen vorzustellen hätte oder, genau! …

…, wie ein überlebensgroßer kirsteinblockmalzmann – der hat’s mir angetan! –, spielte dabei keine rolle und war dem erlebnis des vortrags tatsächlich in keiner weise abträglich. (nämlich: wer die ohren aufsperrte, hörte differenziertestes musizieren – wiesehr der sehsinn doch trügt!)

… beglückend! (macht mut.)



Futur, exakt Dienstag, 23. 5. 2017, 12:12

Vorschau s. Nachtrag
Lemma, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (Bd. 8: Silber–Vulkan)

Wir werden es gesehen haben.
(Korrekt: Wir werden es schon seit eh und je gewusst haben.)



kein reim Sonntag, 21. 5. 2017, 9:59

auf ihn kann österreich immer zählen …
… während andere nur kurz vor wahlen scheinbar klüger werden
fpö sonst wird sich nie was ändern
die soziale heimatpartei (2017)

wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich ändert.
il gattopardo (1958)

wir sehen den obmann der fpö (ohne seine intellektualistisch so kleidsame neue brille), in der hand hält er einen tablet-computer (vermutlich mit auto-schrift- bzw. bildscharfstellfunktion), aber irgendwie wirkt das alles nicht wirklich dynamisch. und schon fragt man sich im österreich, wie das den kommen könne, dass wir keinen knackigen diskontreim lesen dürfen: ob er gar schwächle, der kickl?

(anm.: auf bildliche darstellung wird – stichwort: abbildungsverbot – verzichtet.)



zündend Donnerstag, 18. 5. 2017, 10:29

gitarre von jimi hendrix unter dem hammer
orfon

jaja, wir kennen die schlagzeilenkreativität einschlägiger medien, ein wurstherstellungsbetrieb muss abspecken, ein autounternehmen nimmt nach der krise wieder fahrt auf, die aktie einer airline stürzt ab. nun also kommt jimis gitarre unter den hammer, sehr witzig, haha.
es muss sich um eine handeln, die er nicht angezündet hat. wir brennen schon auf die bekanntgabe des versteigerungsergebnisses.



zügige übernahme Dienstag, 16. 5. 2017, 9:09

i sog glei, i wors ned
großvater, in: muttertag

am bahnhof sagt chris lohner die verspätung eines ankommenden zugs durch, an die 90 minuten, und sie fügt sogleich hinzu – man möchte meinen mit verdeutlichend angehobener stimme –, dass es nicht an ihr und den öbb liege, sondern einzigundallein auf eine international durchgereichte verzögerung zurückgehe, die nachgerreichte österenglische version unterstreicht die aufdeckung dieser international beispiellosen unfreundlichkeit, ein diplomatischer eklat dürfte wohl nur noch von unserem jungen außenminister abgewendet werden können, scheints. wir wissen: der kann nämlich alles, selbst öbb. huch.
hl. sebastian, bitt’ für uns! (wie alt ist der eigentlich geworden? – man frage gerald matt.)



Ihre Sorgen möchten wir haben Sonntag, 7. 5. 2017, 19:11

http://www.tuev-sued.de/uploads/images/1238496277548717350737/mehr_zukunft-b.jpg

Am 7. Mai 2017, es ist ein Sonntag, erscheinen die Aushängetaschen dreier Tageszeitungen mit dem wohl in Werbeabsicht applizierten Einlagebild einer Versicherung, diese fordert oder verspricht, je nach Zeitung für 90 Cent, 1 oder 1,20 Euro »MEHR ZUKUNFT!« Abgebildet sind zwei Kinder im besten Kinderalter, die, da sie gemeinsam von einem Trampolin hochgesprungen zu sein scheinen, sich in der Luft räkeln, ja, im Augenblick regelrecht festgehalten sind (die Zeit steht still); es droht ihnen jedoch in Kürze das Eintreffen dieser geforderten Zukunft als Auftreffen am Rand, auweh. Wir wollen hoffen, dass es sich um eine Fotomontage handelt. Was das nun über die Versicherung aussagen mag, bleibt uns aufmerksamen Damen und Herren Betrachterinnen und Betrachtern überlassen. Indes, deren Sorgen möchten wir haben.



immer forscher Sonntag, 23. 4. 2017, 12:19

forscher gingen weltweit auf die straße
orfon

bitte können die nicht, so wie alle anderen auch, am gehsteig gehen?

jedoch, anders: bitte, das machen forscher doch tag für tag. also kann es sich nicht um bloßes auf-die-straße-gehen handeln. oder es handelt sich um bloßes auf-die-straße-gehen, die auf-die-straße-geher wollen uns jedoch auf besondere aspekte des auf-die-straße-gehens hinweisen, wobei es für das gelingen der absicht von vorteil sein dürfte, wenn sie etwas weniger geschickt im auf-die-straße-gehen sind als die mehrzahl. oder nicht weniger geschickt sondern (hier): forscher.

(bekenntnis: ich bin forscher.)



und folgende (ff) Donnerstag, 20. 4. 2017, 14:00

neue giraffen in schönbrunn eingetroffen
orfon

bald wird der neue giraffenpark eröffnet und man kann die eingetroffenen giraffen angaffen.



einfach kompliziert Mittwoch, 12. 4. 2017, 13:20

In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.
Karl Kraus

Jene frühen Menschen, die stets bedächtig abgewogen haben um keine vorschnellen Entschlüsse zu fällen, sind nicht unsere Vorfahren. Es leben auch etliche Schnellentschlossene nicht in uns fort: Wir stammen von den Richtigentscheidern ab. Alle anderen Kandidaten wurden aufgefressen oder sonstwie aus der Generationenfolge eliminiert. Allesamt, man glaubt es kaum. Die Evolution jedoch geht immer noch weiter. Wo das, nach all den richtigen Entscheidungen, noch hinführen mag?



nie gelungen Montag, 10. 4. 2017, 12:25

salbei*
salzburg
ofenbank
südtirol**
walfang
walküre***

allgemein gilt: in aller regel wird der spezifizierende wortteil in der aussprache durch eine leichte hebung hervorgehoben.

* wird in zürich (z.b.) salbei gesprochen
** in thüringen und dem südlichen sachsen-anhalt gerne auf der letzten silbe betont: südtirol
*** eig. neun stück damen, im titel ist jedoch eine spezielle gemeint, ihr name ist brünnhilde (2. silbe). und auch der ominöse verfluchte ring ist nicht der der, sondern der des. alberich (1. silbe), nibelungengnom. – bildung, sauf!, trag!



gans sozial Samstag, 8. 4. 2017, 9:33

aus hannover, dem gänsehauterforschungsepizentrum wird uns berichtet, der gänsehautreflex sei ein sehr zerbrechlicher. er begründe sich zumeist im beginn von etwas neuem, wenn sich ein musikalischer strukturbruch ereigne. das eine die testpersonen, bekennende gänsehauthörer allesamt. auffällig viele der gänsehautpersönlichkeiten (synästheten allerhöchster ordnung, anm.) würden in sozialen berufen arbeiten.
posauneblasen, sozialberuf: ich hab’s gewusst.



ned woa Montag, 3. 4. 2017, 12:54

du kannst alles
a1.net

werbewahrspruch

lasset uns nun das ganze (alles) abermals aufsagen, mit österreichischem akzent: was denn a1 nicht alles können mag, wir können es uns gar nicht vorstellen.
a1 schon.



xu Samstag, 1. 4. 2017, 8:22

riesenjacht auf südautobahn gestrandet
orfon

nie wischt der yogi seinen hintern
auf yachten kann man überwintern
h.c. artmann, aus: orient und akzident, oder: morgen- und auch abendlandel ich im a-b-c verbandel (buchstabe y, anm.)

nun, so lassen wir uns denn ein j für ein y vormachen. und erinnern uns des kleinen fahrschulwitzes, was man denn unternehme, wenn vor einem auf der autobahn ein flugzeug lande. (antwort des kandidaten: »ich blicke in den rückspiegel, ob mich nicht von hinten ein u-boot überholt.«)
es ist alles nicht so einfach wie man denken mag.



unverdenklich Donnerstag, 30. 3. 2017, 21:26

münchen. »›dein wille geschehe‹ – ein arschloch, der sowas erfunden hat!«, skandiert der elende im elektrischen rollstuhl beim rumpeligen entern des stachus, immer wieder, ein rauhes aber nicht heiseres gebell.
unwillkürlich macht man ihm etwas mehr platz als nötig und beachtet ihn irgendwie ein bisschen weniger nicht als die anderen ins innenstadtbild zentral eingeschriebenen randexistenzen. ob ein paar aktiv weghörende über die ungeheuerlichkeit (des ausgangssatzes, nicht seiner attribuierung) nachzudenken wagen?
wenigstens ein anfang wäre so gemacht.



atemlos durch die nacht Dienstag, 28. 3. 2017, 11:52

der täter ist flüchtig, die tatwaffe wurde nicht gefunden. die ermittlungen laufen.
kurier.at

messerstecherei am gürtel (wo sonst?): atemlos, wie alles läuft. man bringe ein schnürchen, den mörder zu binden.



coriol Sonntag, 26. 3. 2017, 11:09

adler flogen am podest vorbei
orfon

die österreichische sportberichterstattung verrät uns aufs erste nicht, wer gewonnen hat, wer zweiter oder dritter wurde. so ist das in einem seiner selbst gewissen land.
was uns jedoch, da wir darüber noch nicht nachgedacht haben, speziell interessiert, ist, ob dieses – wohl als kreiseln zu deutende – ampodestvorbeifliegen (eine meisterleistung der eleganz sonder art) ein rechtsdrehendes oder ein linksdrehendes war. des weiteren: verhält es sich analog zum badewannenausfluss oder gegenläufig, links- oder rechtsdrehend, nördlich oder südlich des äquators?
schifliegen am äquator, dann träfen alle das podest: lauter sieger, vor allem wir.



plusminus fünfzig prozent Dienstag, 14. 3. 2017, 14:39

österreicher trinken mehr oder weniger bier
statistisches erhebungsergebnis

unter derartigen ergebnisbedingungen biete ich studien jeder art zum halben preis an. für die auftraggeber gilt: es liegt an ihnen, ob sie das berühmte glas (darinnen, je nach wunsch und rein abhängig von der größe desselben, mehr oder weniger bier) dann als halb leer oder halb voll zu betrachten in der lage sind.



geschäftsmodell Freitag, 10. 3. 2017, 13:58

subtropische inselinsekten gibt es, deren weibchen es gelernt haben, dir fiepton- und saugstichschmerzlos sowie ohne hinterlasssung einer juckenden vulkanschwellung dein blut abzuzapfen. es erinnert an den braven und unscheinbaren buchhalter (mittelscheitel, brille, ärmel- und ellenbogenschoner am braunen cordjackett), der über jahre und in größter regelmäßigkeit einen unauffällig unbedeutenden betrag auf ein nicht weiter von belang erscheinendes konto fortschafft: möge er nicht erwischt werden und sich zur ernte eine spätwinterliche reise in eine subtropische inselidylle gönnen.
gleich bei der ankunft werden sie ihn erwarten.



kaswurscht Montag, 6. 3. 2017, 8:16

kunst aus käse in braunschweig
orfon

braunschweiger, herrliche wurst des kleinen mannes (mit dem wunsch nach größerem). jetzt aber: käse!?
wir verwahren uns vor allfälligen weiteren, möglicherweise tendenziös-populistischen assoziationen, und zwar kreuzweise; umkehrungen und krebs eingeschlossen.



Unbeherrscht Donnerstag, 2. 3. 2017, 8:43

Mit zusammengebissenen Zähnen tritt die Referentin der lückenlosen Unentspanntheit für ein generelles Freudeverbot am Konzertpodium und, davon ausstrahlend, im Publikum ein. Wo kämen wir denn sonst auch hin.
Das ist doch das zentrale Thema in »Der Name der Rose«, da geht es auch ums Lachen, darum, ob denn Jesus gelacht haben dürfen könne. Die Experten (die Weltgeschichte ist durchsetzt mit Experten, sie hausen in die Macht ausübenden Institutionen) sind – unter sich – einig, dass daran nicht zu zweifeln sei. Würde sich diese Frohe Botschaft allerdings zum Volk (dem Publikum, das der Führung bedarf) durchsprechen, aus wär’s mit dem Guten Leben. Also jenem der Experten, wo kämen wir denn sonst hin.

Auslaufmodellen ist nicht hinterherzuweinen, wenn ihre Zeit gekommen (also vorbei) ist. Man lasse sie unter (und hinter) sich.

Die Macht unbeherrschten Lachens indes ist grenzenlos.



zwanglos heiter Dienstag, 28. 2. 2017, 11:11

ak: kein zwang für faschingsmaske in arbeit
orfon

man beachte: die sache ist keineswegs fertig verhandelt, die zwanglosigkeit lediglich in arbeit.
wir werden berichten.



testimonial Sonntag, 26. 2. 2017, 17:19

die interessenvertretung der pharmazeutischen industrie, pharmig, sprach von einem schweren verlust
orfon

(berührend ehrlicher nachruf auf eine verstorbene chemotherapeutische patientin.)



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