rückblick

natürlich, in unserer erinnerung erscheint vieles in einem mildern licht, und nach und nach scheint sich die vergangenheit (was ist das eigentlich; ich meine: eigentlich) zu einer art harz zu verdichten – canetti wüde es einen kristall nennen, ich bin mir da aber nicht ganz so klar –, in klaren momenten ergibt das, bestenfalls, ein in bernstein konserviertes konzentrat, leblos, vergangen, aber immanent, präsent, also anwesend, wann immer wir wollen und wann immer wir nicht wollen oder wollen dass nicht.
soistdas.

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2004

august 2010

sonntag, 22.8.2010
erzabtei pannonhalma (hu), kápolna
arcus temporum festival



duo skuta | mütter

skuta miklos, zongora
bertl mütter, harsona
initial epilogues


bertl mütter | miki skuta | wien, 1.7.2009 | © dorothea wimmer

was für ein stilles, konzentriertes festival in dieser bemerkenswerten abtei (die zum unseco-weltkulturerbe gehört). was für ein konzentriertes, neugieriges publikum, was für exemplarsiche aufführungen vor allem der musik beat furrers durch das klangforum wien, aber auch miki skuta und etliche andere. dazu schostakowitsch in zum teil nicht ganz so bekannten werken, video, theater, performance.  bei so einem kunstfest mitwirken zu dürfen, was für eine ehrende freude.
unser konzert ist uns wunderbar gelungen und wurde heftig akklamiert. als vorletztes stück haben wir eine referenz auf christoph schlingensief gespielt; ehklar hat da parsifal vorbeigeschaut, wenn auch nur heimlich.
danke!


donnerstag, 19.8.2010

st. florian (a), bibliothekskeller (brucknertage)
janus ensemble, spring string quartet, bertl mütter
christoph cech, die unnummerierte

ein vielteiliges kaleidophon, assoziativisch sich bruckner und schubert nähernd, sie umkreisend, aber schon (nahezu) hundert prozent cechisch. meine rolle war die an der wanderposaune, aus dem saal durfte ich kommentierendes zum geschehen beitragen, und bemüttert schubertige und brucknerische musik flog durchs gewölbe, über die köpfe eines hochkonzentrierten publikums, bewandernd, irreprehensibilis und, zum ende hin eine raue ruh’.
was für eine schöne aufgabe, was für eine dichte, intensive stunde.
bilder gibts auch schon, nämlich hier.

sonntag, 1.8.2010

gmunden (a), stadttheater (festwochen gmunden)
jazz me if you can – ein fest für ernst jandl

das öffnen und schließen des mundes (film)
franz schuh, erinnerungen an ernst jandl
trombohuwabone – eine ernste jandliade vum bertl mütter



heul
igör örnst, bötte för öns!

tja, das jandlfest im festwochenfestgetue. viel gescheites, manches gescheiter, manches gescheitert, manches vergeigt und manches präpotent usurpatorisch. was jetzt was ist, wessen könig neue kleider anhatte und welcher könig nackert herumgegangen ist (und in seinen communiqués auf die besondere güte seines tuches hinweisen ließ), das mögen andere beurteilen. es war gut, dabei gewesen zu sein.
wer ordentlich auf den putz haut, wird kriecherisch hofiert, wer das nicht tut, ignoriert; dabei wäre einfache und ehrliche wertschätzung alles, worauf es ankäme. niemand ist mit seiner kunst und seiner person selbstverständlich und beliebig drückbar.
mit interesse will ich die entwicklung der gmundner festwochen
beobachten; mal sehen, wie es weitergeht. günstlings- und schranzenhafter? oder doch kultivierter und damit ihren verlauteten ansprüchen gemäß? das will ich jedenfalls hoffen.


juli 2010


sonntag, 11.7.2010
bis
sonntag, 18.7.2010
viktring (a)
musikforum viktring-klagenfurt
spielen!hören!!SPIELEN!!!
ein workshop zur freien improvisation mit bertl mütter


© christof zachl

das sechste jahr also. was für ein wunderbar inhomogen gewachsenes ensemble: dauergäste, wiederhereinschauer, ein ganz neuer ist auch dazu gekommen. ganz tief hinein, in die innereien der musik haben wir gehört, hoch konzentriert und mit großem spaß an der freud. bis ins molukeluare, atomische. und kollektives erfinden von musik, das gibt’s. sowas. und auch (und vor allem) die stille, ruhe, schweigen, es klingt so wunderbar.

spielen!hören!!SPIELEN!!! lustvolles SPIELEN!!! also, ausprobieren von möglichkeiten unmittelbaren kommunizierens. dem heben der verborgenen schätzen daunddort hat unsere freudige aufmerksamkeit gegolten. das ergebnis (das augenblickliche, aber auch das in der öffentlichen aufführung)
jedenfalls: pure musik!


das bereits legendäre abschlusskonzert am sonntag, 18.7.2010 hat sich – eine aufwertung für jahrelange konstanz im staunen, nämlich im rahmen des festivals mahler contemporary! – als matinee bei gustav mahlers komponierhäuschen im wald oberhalb maiernigg ereignet. vorher bei regen die schifffahrt mit der wiesbaden, eine schleife über krumpendorf ziehend, dann, bei gedrosseltem motor, vor die mahlervilla, dabei der auf diesem weg ersterfundne erste satz der siebten nebst einer paraphrase mit meinem mut!horn, dann der spaziergang hinauf zum häuschen, auf dem weg ein abstecher zum weißen turm, in dessen fundamentenresten die allwettertauglichen instrumente derart aufgespielt haben, dass die sonne durchgekommen konnte. weiter dann zum häuschen, in dem die anderen bereits bei offenen fenstern spielend gewartet haben, tutti: ein die umgebung mit zartheftigen klängen imaginärer musik beschallen – da mahler sich dorthin der stille wegen zurückgezogen hat, konnten wir eben nur potentielle musik undalso kein konzert im gewohnten sinn hörbar machen. und meine viktring konoba band ist dafür die allererstbeste besetzung:

– maria alraune hoppe, bassokarina in d, marienflöten, mundhaarmonika
– edgar hättich (special guest), geige
– dott. schwarzgruber, blasposaune, blockflöte, bockbratsche
– johnny traar, sopransaxophon, altsaxophon, symphonische mahlerei
– jakob seidl, altsaxophon, flöte
– erich gromek, guitarre
– werner sattlegger, stromgitarre
– bence tóth, fretlesser fender jazzbass
– sebaschtian lechner, korgboard
– reinhard la tritsch, rotes elektronenklavier
– dominik rünzler, ferncello (ex korsiko)
– bertl mütter, mut!horn, spielertrainer

… was für ein hören, voll lauterer stille! das publikum dieser landschaftsmusik war, man darf es sagen, bezaubert.


donnerstag, 15.7.2010

viktring (a), freskensaal
mütterkinderlieder (nachmahler) [uraufführung]
soliloquisch-symphonistische reflexionen mahlers kindertotenliedern
bertl mütter (posaune, komposition, text, stimme)



nach meiner – fortdauernden – beschäftigung mit den großen liederzyklen von schubert und schumann nähere ich mich nun, völlig logisch, der musik gustav mahlers an. näheres zum projekt selbst finden sie hier.
vom konzert [als teil des feinen, nicht die asche anbetenden, vielmehr das feuer weiterreichenden festivals mahler contemporary] darf als einem gelungenen berichtet werden: den fünf sehr präzise erarbeiteten (teilweise skelettierten) kindertotenliedern habe ich sehr offene improvisiationen zu anderem mahlermaterial (wunderhorn, symphonische exzerpte; auch herr wagner hat zweimal ganzkurz hereingeschaut) gegenübergestellt, ein drahtseilakt fürwahr, mit hohem risiko und erklecklichem gewinn an atemlosigkeit wo es recht ist.
zugabe war dann das der welt abhanden kommen selbst, al fresco aus der partitur hörempfunden, schweigen, stille.

danke allen.

achja: nächsten sommer wird – noch – weiter gespielt!
bitte also vormerken
spielen! hören!! SPIELEN!!! [7]
17.–23.(24.) juli 2011


donnerstag, 1.7.2010

bis
sonntag, 4.7.2010
bad aussee (a)
stadtkapelle bad aussee & bertl mütter
alfred komarek

zum abschluss der ausseer gespräche gab es eine matinée im musikpavillon. mit der kapelle habe ich ein am aktuellen konzertrepertoire des klangkörpers (der klangkörper) herumzupfendes spezialprogramm zum thema der tagung (lebensalter) erarbeitet, dabei habe ich (wie am freitag beim ausflug zum toplitz- und kammersee) auch posaune gespielt.


© brad lichtenstein

mein modulartiges stück trägt den radikalpragmatischen titel stück für drei drittelensembles und solist. hat allen einen recht einen spaß gemacht, ramba zamba, mit mütter als musikzirkusdirektor. alfred komarek hat aus noch unveröffentlichten texten zur jugend und übers altern gelesen.

nächstes jahr mehr in diesem so freundlichen klima zwischen natur, universitär-wissenschaftlichem und künstlerischer arbeit.
danke, liebe irmtraud fischer mit deinem giorgio, dem organisatorischen oberabwickler patrick marko, helmut konrad und all den so angenehmen und neugierigen menschen, amongst them liliane weissberg, gerd kühr und ulf bästlein. und last but not least der stadtkapelle bad aussee!
so eine freude.



juni 2010


der rest vom juni, der hier (warum eigentlich?) am anfang vom juni stehen muss, hat, wie es so schön zu heißen pflegt, dem studium gehört, gewissen und gewissensproben, der componîrarbeit, sowie dem bühneweihfestspiel.
wir werden letztlich (oder knapp davor) futurexakt gesehen haben, wohin das noch geführt haben wird, meine ich weiter (und crescendierend) optimistisch gestimmt.



samstag, 5.6.2010

wien (a), haus der musik
jorge sanchez-chiong, turntables
meaghan burke, cello
bertl mütter, posaune



drei separate konzerte als präsentation von aamplify zum zehnten geburtstag des hdm. sie schreiben:

bertl mütter – österreichs meisterimprovisator nutzt seine stimme, posaune und körper als einziges instrument für klassische performance-kunst. er verzehrt musik und gibt sie wieder. ein vergnügen zu sehen und zu hören.

… malzeid, das gefällt mir! und hat eine freude gemacht, in dieser akustik zu spielen.
iby-jolande varga hat gefilmt. hier gibts video 1 und, zugabe, video 2.


mai 2010

dienstag, 25.5.2010

münchen (d), fraunhofer
bertl mütter solo
mütterlog (undspielteposaune)



so ein entzückendes kleines theater und so ein aufmerksames und liebes und in großteilen persönlich bekanntes kleines, sehr kleines, feines, sehr kleines publikum. danke!


donnerstag, 20.5.2010

nitra (sk), nitrianska galéria
duo skuta | mütter
miki skuta, piano
bertl mütter, posaune
10 initial epilogues



súčasná improvizovaná hudba v podaní dvoch skvelých muzikantov. (presseinfo)

was für eine freude, derart aufnahmebereite menschen zu treffen, die sich bereitwillig ins ungewisse entführen ließen, und sie sind mitgekommen, hörend, staunend. wir auch.
die organisatorin, der wir unseren feinen auftritt verdanken, lucia vadelová, sie war eine derart charmante betreuung (inkl. selbstgebackenem kuchen!), dass sich an – völllig zu unrecht – prominenteren orten so mancher veranstalter etwas abschneiden können sollte. (von dem kuchen aber nicht!)

mittwoch, 19.5.2010

wien (a), radiokulturhaus, großer sendesaal
stermann & grissemann & mütter
zwei klassiker lesen weltliteratur (mütter spielt dazu)
4. folge: greater britain (inkl. eire) vs. indien

diesmal widmen sich stermann & grissemann ausgesuchten texten aus großbritannien und indien. um irland – dem land der begnadeten poeten und trinker – zum greater britain erweitert, liefert das inselreich literarische juwelen von george bernard shaw über flann o’brien bis a.l. kennedy.
im indischen teil des abends sind ausschnitte aus den alten epen zu hören sowie texte von salman rushdie bis kiran nagarkar.
musikalisch mischt sich wieder bertl mütter ins geschehen – mit posaune, stimme und viel taktgefühl. (presseinfo)
aha. und: fast exakt genau so wars. beim papageienbuch oder beim kamasutra war eine derartige erotische spannung im saal, dass cellophan dagegen als gummi zu bezeichnen sein müsste. oder so.



dienstag, 4.5.2010

wien (a), studio im akzent
franzobel & mütter
oide hoda’n



o das war wieder einmal ein vergnügen, und der raum oben am dach vom akzent, mit blick in den antonbenyapark bzw., von der garderobe aus, in den dschungel vom theresianum, der ist schon herrlich. mein einspielprogramm konnte so aus dem offenen fenster absolvieren, forte, versteht sich.
nach dem auftritt dann hat mich franzobel dem baron aus frankenburg vorgestellt, quartiergeber arigona zogajs. er war in der vorstellung und es hat ihm gefallen. im habitus könnte er ein halbbruder vom girtler bzw. karl ignaz hennetmair sein. aber viel sympathischer, die mimikry des sonderlings inklusive. ich ziehe meinen hut.



april 2010

freitag, 30.4.2010

fels am wagram (a)
weinkult 9

josef haslinger   autor
steinberg & havlicek (traude holzer - gesang, peter havlicek - guitarre)
bertl mütter    posaune
sascha lackner   bass
christoph cech   fender rhodes

hans czerny    demeterwein vom allerfeinsten
ella da silva (finsterer stern)    bestes essen

weinkult, das bedeutet musik, literatur, kunst direkt vor der nase. und im zentrum der phantastische wein von hans czerny.

in spontan arrangierten sets wird zwischen den gängen des legendär-phantastischen buffets musiziert, die mischung bekommt diesmal wohl auch einen gewissen wiener touch. wir freuen uns auf eine zwanglose eröffnung der warmen jahreszeit mit ihnen, unseren lieben gästen.
(ankündigungstext)

... ist und bleibt ein jahres- pardon: jahrgangshöhepunkt. so fein, so entspannt; und diesmal ein besonders aufmerksames, genussfreudiges publikum: über die jahre vom gourmand zum gourmet gereift, gewissermaßen. danke allen!

donnerstag, 29.4.2010
wien (a), radiokulturhaus, großer sendesaal
stermann & grissemann & mütter
zwei klassiker lesen weltliteratur (mütter spielt dazu)
3. folge: österreich vs. ungarn

stermann & grissemann nehmen sich die großen texte der menschheit vor, bertl mütter ergänzt und kommentiert mit seinen posaunistischen gustostückerln. land für land.

stermann & grissemann in heimatlichen gefilden. österreichische, ungarische und österreichisch-ungarische literatur wird gelesen. von egon friedell bis thomas bernhard, von ferenc molnár bis peter esterhazy reicht die palette der texte.

dazu und dagegen spielt bertl mütter seine posaunistischen interventionen. der literaturaffine improvisator ist auf seinem schagerl-mut!horn ein beredter erzähler und origineller kommentator außerhalb gewohnter kategorien. (presseinfo, mit richtiger autorenangabe)

genauso wars. und neben der ungarischen hymne hat es sich als unvermeidlich herausgestellt, diesmal jene des vatikans zu intonieren. was für ein bandlwurm ist, indirekt proportional zur landesfläche. wohlproportioniert aber verlief der, soviel darf verraten werden, nicht anders als brilliant zu bezeichnende abend.


dienstag, 20.4.2010
melk (a), kulturwerkstatt
schagerl brass party



genauso wars! ein riesenspaß & große freude!


sonntag, 18.4.2010
dresden (d)
atelier petra schulze

bertl mütter solo


© christof zachl

auf einladung von martin schulze, der wiederum von jan f. kurth aus freiburg i.br. auf mich hingewiesen wurde. wobei, martin habe ich einmal nach einem stuckymüttersasskonzert in amsterdam getroffen. naja, so kanns gehen, und man wird als gast in eine reihe eingeladen, wo meistens die dresdner szene, ein paarmal leute aus berlin und nun eben einmal jemand von weither geholt wird, da habe ich mich aber gefreut, darüber und darauf.
der kleine atelierraum war gut gefüllt, und ich habe mich denn auch recht wohl fühlen dürfen. wie in wien war es ein großes set, dann eine launige rede mit anregendem publikumsdiskurs, danach dann die vorangekündigte ausgedehnte zugabe, die sich in bruckners locus iste ausatmen durfte.
der workshop dann am montag war auch recht entspannend, kluge fragen und erfreulich schnelles umsetzen und eindringen in die tiefen untiefen des musizierens. sehr erfreulich das alles.
herzlichen dank martin und petra für die so freundliche aufnahme in dresden neustadt (wo es übrigens recht gemütlich zugeht, etliche junge gebildete erwachsene, dazu eine menge kinder, reichlich hundekot auf den straßen, jetzt aber kommen die olfaktophorischeren zeiten des jahres).


mittwoch, 14.4.2010
wien (a), alte schmiede
bertl mütter solo
parlando



© christof zachl

mein kollegen gerald resch hat mich eingeladen, wieder einmal selber zu spielen, diesmal wirklich unten links in der schmiede, so ein stimmungsvoller, etwas düsterer raum. und furztrocken, wenn die hütte voll ist. was sie allerdings war, so eine freude.
das konzert selber war ein freier flug
. und es (dieses es!) hat es getragen. große spannung, freude, ja: vergnügen. fröhliche wissenschaft abermals (am anfang und nach dem großen stück gab es diskursives, es war ja ein werkstattkonzert, wenn auch entgegen gewisser vorbeifliegender melodiefetzen keine schusterwerkstatt zu nüremberg), serious fun.
abermals konnte für heim nach hause mitgenommene immaterielle gegenstände oder haptische gedanken keinerlei haftung übernommen werden.


märz 2010

sonntag, 28.3.2010
klagenfurt (a), dom
passionskonzert
diözesanbischof dr. alois schwarz, betrachtung

gerda heger, choral
barbara fink, sopran | katrin kriegl, alt
barocksolisten der dommusik
orgel, choral, leitung: thomas wasserfaller
sowie
bertl mütter, posaune

ad: pergolesi, stabat mater

nach meinen paraphrasen zu gesualdos tenebræ und allegris miserere im jahre 2005 hat mich domkapellmeister thomas wasserfaller eingeladen, mir diesmal zu pergolesis (und dem gregorianischen) stabat mater gedanken zu machen. wir haben das konzert, dem der bischof (der unter seinem wams ein fleeceteil trägt, wie er mir verraten hat) streng symmetrisch angeordnet: zuerst, im raum verteilt, der halbe gregorianische choral, mit zunehmend posaune, ein kurzes solo zur überleitung, dann das halbe pergolesische stabat mater, eine etwa zehnminütige gebundene soloimprovisation ganz vorne auf der großen freien fläche vor dem hochaltar, pergolesi fertig, kurzimprovisation, gregor fertig.

ad: stabat mater
die eindringliche schlichtheit der gregorianischen choralmelodie wie auch die so eingängige, nachgerade populäre und gleichzeitig um nichts weniger berührende ausdeutung giovanni battista pergolesis seien gewissermaßen zwei einander bedingende seiten einundderselben medaille (es ist ein andachtsbild). meine seite, mit der posaune allein, sei die des münzrandes. ein sich annäherndes versuchen, (evidente) verbindungen herzustellen, ein vermitteln zwischen den polen, zu denen ich gleichermaßen tendiere. die form der geprägten münze verhindert, dass es mich zerreißt.
mein spiel sei ein hören in den raum, in die schlichte klarheit und (ja!) strenge der vorlagen, ahnung vom schmerz, um den es in der dichtung geht.
letztlich der wunsch selber zum ton zu werden, aufgehen im ton, ganz aufgehen. stille.
(aus dem programmheft)

… es ist, als ob ich mit meiner musik in einen neuen abschnitt eintauche. dieses sein im klang, es wird immer purer. was für ein glück.
und auch das publikum, vom bischof gewissermaßen abwärts, hat es mir aufs wärmste gedankt. dieses gute gefühl, mit den rechten klängen zur rechten zeit am rechten ort zu sein.

danke für dieses ermöglichen!

samstag, 27.3.2010

innsbruck (a), kunstraum innsbruck
franzobel & mütter
oide hoda’n



eine benefizgschicht für ubuntu imst, die kulturinitiative von sos-kinderdorf.

und wieder das glück, neue freunde zu finden. danke!


sonntag, 21.3.2010

klagenfurt (a), musilhaus
markus hering | bertl mütter
gert jonke, alle gedichte



eine buchpräsentation des verlags jung und jung. auf einladung des musilhauses mit klaus amann, der den band herausgegeben hat. und - endlich, möchte man sagen - die erste begegnung
(auf dem podium) mit dem großen jonkspieler markus hering.

ein weiter freier flug, der uns beide (das publikum und auch die liebe ingrid ahrer, gerts große stütze langer jahre) traumwandlerisch gefreut hat.

da wird noch mehr kommen müssen, finden wir beide.

…und wir freuen uns schon so.
(zitat g.j.)

samstag, 20.3.2010
salzburg (a), altstadt
raum-klang-parcours
im rahmen der tagung

rhythmus. harmonie. proportion
zum verhältnis von architektur und musik
schwerpunkt wissenschaft und kunst der
paris lodron universität salzburg mit der universität mozarteum
mit den studierenden des mozarteums
judith schreyer, violine
achim knoblspies, trompete
bertold stecher, flügelhorn
roland faust, bass
leitung und konzeption
bertl mütter, posaune

in drei blöcken mit studierenden des mozarteums haben wir uns an das phänomen klang im raum herangetastet. das ergebnis konnte sich hören lassen, und will ich meinen studierenden nur die allergrößten komplimente machen. weil: es ist nicht so einfach, vor allem nicht für eifrig an ihrer virtuosität feilenden, einfach das einfache zu machen. sich absichtslos dem klang im raum hinzugeben, ohne die flucht in billige floskeln oder spassetln anzutreten. eine große freude!

zuerst bespielten wir das museum der moderne am mönchsberg (danke, katharina barth und barbara mcfadden für die reibungslose zusammenarbeit, von der alle seiten nur profitiert haben). ganze etagen waren in klang getaucht und haben das publikum (etliche davon ungeplant) in staunen versetzt. uns aber auch: es ist schon eine erfreuliche ungeheuerlichkeit, vor derartigen bildern wie jenen der sammlung des kunsthauses winterthur spielen zu dürfen: was für eine inspiration!



zweite station war die franziskanerkirche, wo wir aus den emporen des hochchors spielten, ganz einfaches, leisen lärm und einen dorischen und phrygischen see. zum ertrinken schön.
danke den sehr freundlichen franziskanern um p. alexander puchberger!




abschließend gingen wir in die max gandolph-bibliothek der paris lodron universität salzburg.
 


der barocke saal war völlig freigeräumt, und nach einer kurzen einleitung für alle haben wir denn auch das publikum gedrittelt, damit die leute einen eindruck vom unglaublichen nachhall bekommen, der so nicht durch die anwesenden dämpfer beeinträchtigt war. hier gab es ein paar laboratorische situationen, die auch von mir erläutert wurden.

wenn man so will, war all das zusammen eine sinnliche, fröhliche wissenschaft, und was gibt es schöneres für eine derart hochkarätig besetzte, hochgescheite tagung, als dass all die wissenschaftsmenschen ein zustimmendes lächeln mit hinaus nehmen.

mein besonders herzlicher dank gilt andrea gottdang und ihrem team, die meine ideen von anfang an mit großem einsatz und enthusiasmus unterstützt hat. danke auch dem mozarteum mit martin mumelter et. al., die sich sehr mutig und kooperativ gezeigt haben.
die raunzer aber, derer wir so viele haben in unserem schönen land der hämmer, sie sind für diesmal draußen geblieben oder haben zumindest heimlich gelächelt.



mittwoch, 10.3.2010 bis mittwoch, 17.3.2010

rio nell’elba (it)
eremo di s. caterina
preparazione per l’intonazione
kreativklausur



jörg & johanna duit haben mich eingeladen, mir gedanken zu machen für diesen sehr speziellen ort. also bin ich mit mit ihnen, durch das schneegestöber in kärnten, das bis nach dem apennin andauerte, hinaus an die küste, den nichtort piombino durchquerend aufs schiff, bis wir gegen mitternacht in völliger dunkelheit ankamen.
in s. caterina gibt es keinen elektrischen strom, dafür kerzen, die sind so hell, ich sags ihnen. und nachts die sterne und nichts sonst. nur vor dem anwesen wühlen die eber die erde auf, drinnen ists ein merkwürdig karges paradies, mit einem kleinen botanischen garten, der selbst im märz schon seine karge pracht erahnen ließ.
halbe tage habe ich im freien geübt, das tut der beziehung zum instrument, zum klang an sich gut, und am ende der zeit gab es ein kleines konzert in der kirche, dann wein und käse.

schauen sie sich
die liebevoll und sehr prfessionell gestaltete homepage des festivals intonazione an. ich werde dort 2011 spielen, so wie auch die freunde vom quatuor mosaïques, sowas und nabumm.


hochachtung und tiefer dank gebühren johanna und jörg duit, aber auch dem mitarbeiter und enthusiasten in rio nell’elba, andrea lunghi.

ich freue mich auf meinen nächsten besuch. und wie!


februar 2010


donnerstag, 18.2.2010

villach (a), dinzlschloss, schloßgasse 11
buchpräsentation
andrea latrisch-karlbauer: haltung fertig los
musikalische umrahmung (ohne jede haltung): bertl mütter



mehr zum nichtganzsoseligen terminus musikalische umrahmung zum beispiel hier. die haben das aber eh ganz sicher nicht bös gemeint. sind liebe leute, sehr liebe, und ich bin gern gekommen, sehr gern sogar.

… was für ein empfang, und was für ein liebes publikum! bei fast hundert menschen immerhin ein dutzend männer (davon etwa fünf, die offiziell da waren, die anderen an der seite ihrer frauen)! – im ernst, im fröhlichen: es war ein großer spaß, mit tiefgang.
danke gerald gröchenig und sonja penker, der perle vom kulturamt.

mittwoch, 17.2.2010

wien (a), radiokulturhaus, großer sendesaal
stermann & grissemann & mütter
zwei klassiker lesen weltliteratur (mütter spielt dazu)
1. folge: russland vs. usa

dies war der beginn einer wunderbaren – neuen reihe: stermann & grissemann nehmen sich die großen texte der menschheit vor, bertl mütter ergänzt und kommentiert mit seinen posaunistischen gustostückerln. land für land. den anfang machen zwei großmächte: russland und die usa. von anton tschechow über daniil charms bis wenedikt jerofejew, von raymond carver über flannery o’connor (hart, sehr hart; nachgerade hanekesk) bis woody allen.



nner 2010

donnerstag, 28.1.2010
wien (a), adolf loos-salon der wienbibliothek
1., bartensteinstraße 9, 1. stock
[kunst  + ideologie] krise
schubert winterreise
otto brusatti, wissenschaftlich-publizistische polemiken
bertl mütter, posaunistische schubert-pretiosen



mütter, brusatten lauschend      © christof zachl, 2006

schubert und krise – ein gern gebrauchtes doppel.
stimmt immer/stimmt nie. je nachdem, denn seine musik entzieht sich zumeist solchen epitheta für das alltägliche. dennoch: es gab brüche in seinem leben und auch in seinem schreiben. man kann sie sinnfällig an großwerken aufhängen. brüche nicht nur im komponieren, sondern auch in seinem sozialen leben.
die winterreise – vielleicht der gesangszyklus schlechthin, sie liefert viel, fast alles, vor allem ausgangspunkte zu schubert.
der expressionismus und die verinnerlichung pur.

otto brusatti hat fabuliert, fakten vor allem. bertl mütter hat ge- und sich auch mehrmals verspielt und ist so der fragmentarischen disparatheit der winterreise
mit posaune, muschelhorn und stimme bis auf den grund nachgereist.

also alles streng nach konzept, wie immer.


mittwoch, 27.1.2010, 9.30 – 9.55

wien (a), funkhaus, großer sendesaal
orf radiosymphonieorchester wien & bertl mütter
minütenminiatüre

ich hab ja ein stück fürs rso wien geschrieben, ein kurzes, das hab ich sehr gerne gemacht (am vortag), jetzt heißt es meine minütenminatüre,
und ich habe es auch selber dirigiert, das war ein riesenspaß. und hat lust gemacht auf mehr, oja. große lust.

oft führen komplexe gedanken zu banalen ergebnissen, oder umgekehrt, banale gedanken führen zu komplexen ergebnissen. weiters können auch komplexe gedanken zu komplexen ergebnissen führen oder banale gedanken führen zu banalen ergebnissen.
was hilft also der blick in die componîrwerkstatt beim hören? dieses nachnachvollziehen der assoziationssprünge, die letztendlich ins hörbargemachte ergebnis münden?
minütenminiatüre: das rso als mercedes unter den orchestern heutiger musik; es gilt, es in seinem bestand zu unterstützen. mercedes, das hieß in der kindheit mit dem fiat 850 den dieseln (deshalb das d als zentraler ton) der bauern bergwärts nachzutrotten, ohne jede überholchance. und sie hatten diese armverschränkenden scheibenwischer: also regentropfen (bläser), wischbewegungen (streicher), motorgebrumm (kontrabässe). dazu zitate von den letzten pulten (aufstiegswunsch).
womit sie das auch wissen.
und wer die probe samt aufnahmevorgang (insgesamt etwa 25 minuten) anhören will, kann hier den direkten lauschblick in die werkstatt machen, viel hörvergnügen (trotz der umfassenden informationen)!

  minütenminatüre für großes orchester (probe & aufnahme, ca. 25’)
  hören sie hier das miniatürchen allein (1’18”)

hier gehts zum werkstattbericht auf der homepage von ö1.

mittwoch, 20.1.2010

radio österreich 1
salzburger nachtstudio
labsal der stille – folter des schweigens
resonanzen in der akustischen kommunikation
gestaltung: margarethe engelhardt-krajanek

  bertl mütter im gespräch

neben u.a. franz welser möst, peter androsch, samy molcho und florian dombois durfte ich einer der gesprächspartner sein. mich freut das, wenn man mich einlädt, bei diesen und anderen von mir geschätzten sendungen, gerade, wenn sie mehr in den – im besten sinn – populärwissenschaftlichen bereich tendieren, mitzuarbeiten. es ist ein willkommener anlass, implizit vorhandene positionen im sprechen sich konstituieren zu erleben, ganz im sinn der allmählichen verfertigung der gedanken beim sprechen. genau. genauer. und immer unscharf.


mittwoch, 13.1.2010

wien (a), schutzhaus zukunft auf der schmelz
dicht!
bertl mütter solo | mütterlog (undspielteposaune)
antonio fian + kollegium kalksburg | im schlaf



ein dreitägiges festival, organisiert von heinz ditsch, der ist das singende sägeakkordeon und gewissermaßen weißer kalksburger kollegiumsclown. die eröffnungsehre war ganz die meine, träume kamen von oben und hinweise auf frisiersalons vom publikum, es hat geraucht alswie damals (eine regelrechte wolke ausgeatmeter austria drei), das schnitzel danach war herrlich und die kellnerin eine ausgesucht hantiche gurkn, willkommen in wien, ich hab mich also sehr wohlgefühlt.

nb: sollten sich die links im verlauf der doch sehr kurzlebigen internetcurriculums ändern (oder noch nicht bzw. nicht mehr freigeschaltet sein), so bitte ich dafür um verständnis, dass ich keinerlei einfluss auf die gestaltung habe oder gar verantwortung für den inhalt der angegebenen internetadressen übernehmen kann.

bald!
vorbei!
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